Vorsicht, die Besprechung könnte nicht ganz spoilerfrei sein, andererseits … die Story ist ja nun nicht gerade überraschend.
Ich mag den Film. Ich grüble aber schon seit ich ihn sah, warum ich nicht juble. Ich bin eine Cumberbitch und liebe die Marvel Filme. Ich sollte eigentlich hin- und weggerissen sein, aber ich komm nicht drauf, warum ich das nicht bin.
Was gab es für ein Vorabgehate um den neuen GHOSTBUSTERS-Film, bei dem Paul Feig Regie führen und – um Himmels willen! – ein Team aus weiblichen Geisterjägern die Protonenpäckchen tragen sollte. Nichts davon hatte irgendeinen inhaltlichen Sinn, denn tatsächlich kann man ja erst ermessen, wie ein Film geworden ist, wenn man ihn gesehen hat. Das hat all die Hater aber nicht davon abgehalten, ihr kindisches Gemaule über das gesamte Internet zu verbreiten. Und wer nicht über die Frauen in der Hauptrolle meckerte, der schwadronierte irgendeinen Unsinn darüber, dass ihm durch ein Remake seine Kindheit genommen werde (was natürlich völliger Blödsinn ist, die beiden alten Filme verändern sich ja dadurch nicht und gehen auch nicht weg). Oder dass Hollywood nichts mehr einfällt. Dass dem nicht so ist, zeigt der vorliegende Film.
Kann Spuren von Spoilern enthalten. Diese Besprechung basiert auf der englischsprachigen Version.
Von der Fünfjahresmission der USS Enterprise sind bereits drei Jahre vergangen, und man merkt Schiff und Crew Ermüdungserscheinungen an. Insbesondere Captain James T. Kirk scheint die Faxen nach den Jahren im All fern ab von Zuhause dicke zu haben. Aber auch Spock sucht nach neuen Aufgaben und sieht die eher auf New Vulkan, um sein Volk zu unterstützen, als weiterhin im Tiefraum auf einem Sternenschiff. Doch bei einem Zwischenstopp auf der Raumstation Yorktown (RAUMSTATION! – man muss das in Großbuchstaben schreiben) ergibt sich eine Aufgabe, für deren Lösung die Enterprise das einzig sinnvolle Schiff weit und breit ist. So weit, so grundsätzlich bekannt ist der Beginn dieses Plots. Aber was dann kommt, ist alles andere als bekannt.
BATMAN v SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE – Bundesstart 24.03.2016
Er ist so etwas wie der Heilsbringer für Warner und DC, schließlich hat Zack Snyder mit WATCHMEN einen der beeindruckensten Superheldenfilme inszeniert, und mit 300 eine völlig neue Testosteron-Ebene erschaffen. Nun war MAN OF STEEL nicht der gewünschte Anschluss an das Marvel-Cinematic-Universe geworden. Fans und Kritiker waren seltener gleichermaßen gespalten. Aber Warner hielt an Snyder fest, denn Milliarden Dollars werden mit Superheldenfilmen verdient, da kann die Initialzündung für DC nicht so weit weg sein. Zudem ist Snyder mit seinem Stil so weit von den Gefälligkeiten eines Joss WhedonMAN OF STEEL entfernt, dass DC in seinem eigenen filmischen Universum Marvel durchaus nicht mehr hinterher hecheln muss. Fortan ist Snyder auch Produzent bei künftigen Filmen. Acht sind bereits in Vorproduktion, SUICIDE SQUAD bereits in Nachbearbeitung. Man kann nur hoffen, dass die Rechnung aufgeht.
Ende der Achtziger, als die Zeit der Videotheken auf ihrem Höhepunkt war, gab es ein Äquivalent zu »Netflix and Chill« und »Bingewatching«. Wir nannten es »Videoabend«.
Wir trafen uns in der Videothek, um vier Filme zu leihen: Drei davon wollen wir uns ansehen, der vierte war die Reserve für den Fall, dass einer der drei anderen sich als Mist herausstellen würde. Der Anspruch an die Filme war, dass sie nicht langweilen sollten.
Nicht langweilen konnte natürlich auch Trash und Exploitation, extra miese Effekte, übertriebene Kostüme und wildes Overacting. Es war die Zeit der Camp-Movies. Es gab unendlich viele dieser freiwilligen oder unfreiwilligen »Kultfilme«, die ihren Status nicht erreicht haben, weil sie vom professionellen Standpunkt kritischer Cineasten aus eine besonders herausragende Qualität erreichten. Eher im Gegenteil.
Hoch im Kurs standen bei uns klare Parodien wie Angriff der Killertomaten, Top Secret, Spaceballs, House oder unfreiwillig komische Direct-to-Video Produktionen wie Mutant und Strange Invaders. Hin und wieder auch die unzähligen Actionfilme, in denen nicht mal Jean Claude van Damme mitspielen wollte. Auch beliebt bei Jugendlichen damals waren natürlich möglichst eklige Horrorfilme. Die haben uns aber weniger interessiert, wir waren Freunde von Filmen, die möglichst viele coole oder dumme Zitate abwarfen.
Kapitel Eins: LETZTE KUTSCHE NACH RED ROCK
Drei der hassenswerten Acht treffen unterwegs aufeinander, wo der Kutscher versucht, einem sich nähernden Blizzard zu entkommen. Und Quentin Tarantino tut alles daran, es unentwegt mysteriös zu halten. Soll der Henker wirklich den Major zu sich und seiner Gefangenen in die Kutsche lassen? Es wird viel geredet, in diesem Auftakt zu Tarantinos achtem Film. Der Henker und der Major, beides Kopfgeldjäger, kennen die Arbeit des jeweils anderen, der Respekt ist also geboten, das Misstrauen aber nicht aufgehoben. Spannung baut sich in diesen Szenen kaum auf. Dafür schwelgt der Regisseur in den Panavisionbildern von Robert Richardson. SuperPanavision 70 war ein Filmformat, welches gegen Cinemascope und Cinerama konkurrieren konnte, und durchaus ein klareres Bild bietet als eine digitale 4K Auflösung. Panavision musste für Tarantinos Traum Objektive aus dem Keller kramen, die seit 1966 nicht mehr in Gebrauch waren.
STAR WARS: THE FORCE AWAKENS – Bundesstart 17.12.2015
Nun ist es also vollbracht. Vielen Filmfreunden und Fans wird lange ein Lächeln im Gesicht bleiben. Feuilletonisten können wieder über weltfremde Menschen schreiben, die sich eine Ersatzreligion geschaffen haben. Doch diese besonders in Deutschland immer wieder selbsternannten Kritiker für die Vernunft werden merklich weniger. Langsam erkennt man an, dass KRIEG DER STERNE keine Spinnerei ist, oder war, sondern ein kulturhistorisches Phänomen. Als Steven Spielberg mit DER WEISSE HAI sozusagen den Blockbuster erfand, da wurde der Weg frei für das alles überlagernde Mainstream-Kino. Tentpoles, Zeltstangen, wie man in der Branche sagt. Ein Film der so konzipiert ist, dass ein die größte Bandbreite an Zuschauern ansprechender Erfolg die kleineren und riskanteren Produktionen eines Studios finanziell mit auffangen konnte. Vor KRIEG DER STERNE 1977 wusste man das noch nicht. Erst nachdem das vielfach abgelehnte Projekt von George Lucas schließlich in die Kinos kam.
Vorbemerkung: Das hier ist keine Filmbesprechung im üblichen Sinne. Dafür garantiert völlig spoilerfrei.
Im Jahr 1978 lief STAR WARS Episode IV im Kino, die heute als A NEW HOPE bekannt ist. Ich war damals zwölf Jahre alt, und auch, wenn ich vorher bereits SF-Fan gewesen war (und deswegen extrem heiß auf den Film), änderte sich mit STAR WARS alles, danach war ich nicht mehr zu resozialisieren, was Unterhaltung anging. Die danach folgenden Episoden waren ein wichtiger Teil meiner Jugend und haben mich nachhaltig geprägt. Seitdem hat STAR WARS mein Leben nie mehr wirklich verlassen, irgendwas war immer, seien es Rollenspiele (wie das legendäre D6-System von West End Games), die zahllosen Romane aus der Reihe, die heute »Legends« heißt, weil LucasFilm das Expanded Universe (glücklicherweise) weggeboxt hat, oder das MMO THE OLD REPUBLIC.
IN THE HEART OF THE SEA – Bundesstart 26.11.2015
Die Geschichte des Walfangschiffes Essex war nicht »die« Inspiration für Herman MelvillesMOBY DICK. Sondern eines von mehreren Ereignissen, welche Melville zu seinem Erfolgsroman inspirierten, und in den er dieses mit einfließen ließ. Das macht die Geschichte von IM HERZEN DER SEE nur noch interessanter, die letztendlich auch als eine Art Prequel interpretiert werden könnte. Ron Howard ist bekanntlich einer der Regisseure, der wahre Begebenheiten wie ein weit hergeholtes Spektakel an Erfindungsreichtum inszenieren kann, um den Zuschauer in bestmöglicher Form mit den Mitteln des Kino zu unterhalten. APOLLO 13, A BEAUTIFUL MIND, CINDERELLA MAN, FROST/NIXON, und RUSH gingen IM HERZEN DER SEE voraus, und verdeutlichen für den Einzelnen eindringlich, was er von diesem Film zu erwarten hat.
Am Anfang sitzt Edith Cushing vor dem Schreibtisch eines Verlegers. Das 20. Jahrhundert ist gerade angebrochen, Frauen tun sich als Literaten noch etwas schwerer. »Eine Geister-Geschichte«, raunzt der Verleger etwas gelangweilt, der eine Liebesgeschichte bevorzugen würde. »Nein«, erwidert Edith, »keine Geister-Geschichte, sondern eine Geschichte mit Geistern«. Es stimmt auf das ein, was kommen mag. Und am Ende wird der Zuschauer auch genau verstanden haben, was Edith mit der Erwiderung meinte. Es ist eine Geschichte ersonnen und inszeniert von Giullermo del Toro. Es ist also nicht alles unbedingt so, wie es zu scheinen mag. Dabei besinnt sich del Toro in dieser Inszenierung gerne auf sein RÜCKGRAT DES TEUFELS und PANS LABYRINTH. Nur dass CRIMSON PEAK nicht die Qualitäten von RÜCKGRAT DES TEUFELS erreicht, dafür die Unzulänglichkeiten von PANS LABYRINTH übernimmt.
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