THE MANDALORIAN AND GROGU – Deutschlandstart 20.05.2026
Spoilerfrei
Es steht kein STAR WARS im Titel (außer beim Poster). Das ist auffällig, ebenso wie der Retro-Look der Typografie des Promo-Materials. Es gibt keinen schräg scrollenden Introtext. Das ist inzwischen bei STAR WARS nichts Neues mehr. Nach einigen Staffeln im TV, oder genauer gesagt im Streaming, haben es der mandalorianische Kopfgeldjäger (der aus dieser Sekte, die den Helm nicht abnimmt) und sein kleiner, grüner Schützling es auf die große Leinwand geschafft. Ich gehe mal davon aus, dass, wer in diesen Film geht, auch die Serie gesehen und goutiert hat. Aber wie hat denn die Adaption vom Pantoffelkino auf die große Leinwand geklappt? Funktioniert das auch im Kino?
(Kein) Spoiler: Selbstverständlich funktioniert das auch im Kino, sogar noch besser. Bereits bei den STAR WARS-Serien auf Disney+ waren die Schauwerte ja hoch und die Produktionskosten ebenfalls. Da ist es tatsächlich kein so großer Schritt mehr von der aufwendigen Serie zum nicht weniger aufwendigen Film. Allerdings bemerkt man die höheren Budgets bei einigen Stellen schon sehr deutlich und – und dass man bei anderen Szenen auf dieselben »einfacheren« Produktionsmethoden wir bei der Serie zurückgegriffen hat, fällt ebenfalls auf. Das stört aber nicht, denn der Bezug zum TV macht das ganze erstaunlich rund und man fühlt sich auch als Streaming-Zuschauer gleich zuhause.
Vermutlich werden sich diesen Kinofilm ohnehin nur Freund°Innen der Serie ansehen. Was schade wäre, denn auch der Rest bekäme einen schnellen, actionreichen Popcornkino-Film, bei dem man an zahllosen Stellen die Hand von Favreau und insbesondere Dave Filoni spürt. Letzterer durfte auch zwei Cameo-Auftritte als X‑Wing-Pilot haben, ob Regisseur Jon Favreau in irgendeinem Latex-Alien gesteckt hat, kann ich nicht sagen, die Besetzungslisten geben das nicht her.
Tatsächlich muss man die Vorgeschichte aus der Serie nicht zwingend kennen, um Spaß am Film haben zu können – tatsächlich muss man noch nicht mal irgendwas von STAR WARS gesehen haben.
Was STAR WARS angeht halte ich THE MANDALORIAN AND GROGU für äußerst erfreulich, denn er schafft es, tief aus dem Lore zu schöpfen und sich zahlloser Versatzstücke zu bedienen. Aber eben weit abseits der Skywalker-Saga und ihrem Ballast. Erneut bekommt man Wildwest im Weltraum präsentiert, diesmal mit Einschlägen von Mafia-Drama. Aber eben trotz des Rahmens STAR WARS schön eigenständig. Und fernab von allen epischen Geschichten, in denen Republiken und Galaxien befreit und gerettet werden. Hier geht es um einen Kopfgeldjäger, der jetzt nur noch Verbrecher für die Neu Republik jagt – und natürlich um seinen Foundling, der das Jedi-Training verweigert hat, um ebenfalls Mandalorianer zu werden.
Sich auch genau auf die beiden und das Mando-Thema zu verlegen, ohne sich um das vermeintlich große Ganze zu kümmern, das macht diesen Film leicht, fast schon spielerisch im Vergleich mit anderen Produktionen, die vielleicht ein wenig zu viel wollten. THE MANDALORIAN AND GROGU will genau zwei Dinge, nein eigentlich drei: Ein Film für Anhänger°Innen der Serie sein, mit viel Action und Kabumm äußerst kurzweilig zu unterhalten – und selbstverständlich bekommt man auch jede Menge STAR WARS-Fanservice, aber eben durch Versatzstücke, die in diesem Universum eben da sind und genutzt werden sollten. Und dabei kann man auch mal bekannte Versatzstücke neu interpretieren, das ist sogar ein ganz zentraler Punkt dieses Films.
Neben der beinahe schon überbordenden Action bleibt aber auch – wie schon in der Serie – Zeit für eine Menge kleine und größere Gags, etliche davon natürlich von und mit Grogu. Aber ebenfalls prima Gaggeber sind die Anzellianer (oder wie sie auf deutsch heißen mögen) rund um Babu Frik. Die kleinen, quirligen Techniker sind ebenfalls ein echtes Highlight im Film. Schenkelklopfer wird man vergeblich suchen, aber auch das passt zur Serie.
Schön das Wiedersehen mit Zeb aus REBELS, das hatte sich ja bereits abgezeichnet. Sigourney Weaver hat im Prinzip nur eine Nebenrolle, entledigt sich der Jobs aber mit der üblichen Qualität, vermutlich sagt man nicht einfach »nein«, wenn einem angeboten wird, nicht nur in STAR WARS mitzuspielen, sondern auch noch … äh …, Spoileralarm.
Klar, ein paar Dinge sind einfach vorhersehbar, man ahnt schon, warum die Roboter da am Anfang rumstehen und was am Ende den Hutten widerfahren wird, denn man hat ja schon den ein oder anderen STAR WARS-Film gesehen. Aber das ist eben wieder die Handschrift von Filoni, der eben ein Händchen dafür hat, STAR WARS zu inszenieren, dabei auf Bekanntest zu setzen, aber trotzdem immer mal wieder Anflüge von Innovation erkennen lässt.
Aber eben nur Anflüge, hier werden weder STAR WARS neu erfunden noch Genre-Maßstäbe gesetzt, wer sowas will, sollte sich ANDOR nochmal ansehen. Aber man muss auch nicht immer das Speeder-Bike neu erfinden, wenn man es schafft, Bekanntes neu zusammenzusetzen und dabei einen überaus unterhaltsamen Film zusammenzubekommen, dann reicht das doch auch, oder? Und es ist ganz klar, dass THE MANDALORIAN AND GROGU genau eins sein möchte: Hochunterhaltsames STAR WARS-Popcornkino. Und genau das hat man geschafft.
Als äußerst bemerkenswert möchte ich an dieser Stelle allerdings noch den Soundtrack von Ludwig Göransson hervorheben, der vermutlich der originellste und abwechslungsreichste Soundtrack bei STAR WARS überhaupt ist und der nicht zum gefühlt hundertsten Mal John Williams zitiert. Natürlich feiert Göransson sein Mando-Theme ab, überrascht aber zwischendurch auch mal mit Retro klingenden Synthesizer-Sounds und liefert alles in allem in meinen Augen … äh Ohren … wirklich grandiose ‑weil in teilen äußerst unerwartete – Arbeit. Dass dann zwischendurch in einigen eher ruhigen Szenen dann doch eine Oboe vorsichtig an Meister Williams gemahnt, macht das nur noch runder. Und auch wenn es keine Post-Credits-Szene gibt, lohnt es sich auch diesmal bis zum Ende des Rollabspanns sitzen zu bleiben (was die geneigte Cineastin natürlich ohnehin tut), denn dann feuert Göransson nochmal eine Italo-Latino-Klezmer-Version seines Mando-Themes ab, dass es eine helle Freude ist.
Habe ich denn wirklich nicht zu meckern? Man könnte auf hohem Niveau anmerken, dass es ein paar Handlungs‑, nennen wir sie nicht Inkonsistenzen, sondern »Auslassungen«, gibt, die einem im Flow des Film etwas holprig vorkommen (wenn man genau hinschaut). Wenn Mando gerade noch sagt, er werde sich das mit dem Auftrag überlegen und nach Schnitt mit dem Schiff übergangslos zu eben diesem Auftrag aufbricht, wie man kurz darauf bemerkt. Oder wenn Grogu in seiner … äh … Lehmhöhle plötzlich eine Lampe hat. Ich gehe davon aus, dass diese »Auslassungen« im Schneideraum entstanden sein dürften, als man den Film auf seine publikumsfreundliche STAR WARS-Länge von 132 Minuten getrimmt hat. Was aber schade ist, denn die zwei, drei Minuten um das gerade zu ziehen hätten auch nicht mehr geschadet.
Wirklich ärgerliche ist wieder mal die deutsche Übersetzung. Wenn schon im gelben Text vor dem Film ein sachlicher Fehler drin ist, dann schwant einem schon, was kommen mag. Bei mir kommt erschwerend hinzu, dass ich bislang die gesamte Serie in englischer Sprache gesehen hatte und mich auch noch an die Sprecher°Innen gewöhnen musste. Die gingen aber durchaus in Ordnung und stellten nicht das Problem dar. Die stellenweise holprigen bis peinlichen Übersetzungen allerdings durchaus. Naja, die Originalversion läuft am Sonntag …
Aber das sind alles Kleinigkeiten. Als bekennender STAR WARS-Fan seit Jahrzehnten und Mando-Fan seit es die Serie gibt (ich bin also befangen), habe ich nichts zu meckern, man bekommt, was man erwartet. Allerdings auch nicht mehr, experimentiert wird hier nicht. Dafür erhält man eine äußerst kurzweilige Mando-Episode mit Überlänge und größeren Schauwerten im Kino präsentiert, die mich vortrefflich unterhalten hat und bei der STAR WARS aus allen Poren quillt, aber auch eine genau richtige Art und Weise.
p.s.: 3D kann man sich sparen, das ist absolut unnötig und bringt keinen künstlerischen Gewinn.
THE MANDALORIAN AND GROGU
Besetzung: Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Martin Scorsese, Jeremy Allen White, Steve Blum, Matthew Willig, Hemky Madera, Jonny Coyne, Myles Humphus, London Stubblefield, Christopher Alan Robinson, Portia D. Harris, Evan Shafran undandere
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau, Dave Filoni, Noah Kloor
Produzenten: Ian Bryce, Jon Favreau, Kathleen Kennedy
Ausführende Produzenten: John Bartnicki, Dave Filoni
Kamera: David Klein
Schnitt: Dylan Firshein, Rachel Goodlett Katz
Musik: Ludwig Göransson
Produktionsdesign: Doug Chiang
132 Minuten
USA 2026
Promofotos Copyright LucasFilm & Disney







Die Freude an Ludwig Göranssons Musik – den ich mit „Fruitvale Station“ schätzen, und mit „Tenet“ lieben gelernt habe – kann ich leider nicht teilen. Aber das hat auch mit meinem unerschütterlichen Hang zu musikalisch konsistenten Scores zu tun. Leider macht das Williams mittlerweile filmübergreifend. Also doch 1:0 Göransson. Das Mandalorian-Thema hat sich bei mir persönlich von gewöhnungsbedürftig bis ikonisch entwickelt. Aber die unzählig unterschiedlichen Stil-Variationen waren mir (!) dann doch zu viel, für einen sonst perfekten Film.
…der eigentlich nicht so perfekt war. Aber die kleinen Fehler – ob in Logik oder Anschluss – sind letztendlich Erbsenzählerei, im Gegensatz zu anderen großspurigen ‚seriös-orientierten’ Blockbustern. Dabei fallen diese sogenannten Ungereimtheiten bei diesem Film eigentlich gar nicht auf.
Besonders witzig – dennoch mit leichten Spuren von Schaum vorm Mund – war die harsche Kritik eines Feuilletonisten, der das fehlen realer Darsteller bemängelte, und gegen die vielen KI-generierten Wesen protestierte. Hat der Mensch keinen Chefredakteur, der ihn wegen groben Unfugs die Haare stutzt. Außerdem wird es endlich Zeit, dass die Verwendung des Begriffs KI unter Strafe gestellt wird.
Musik ist eben auch eine Menge Geschmackssache. Binsenweisheit. :) Ich fand gerade gelungen, dass Göransson es gewagt hat, einfach mal die Stilbandbreite innerhalb eines Films zu erweitern. Ich war auch erst befremdet, als er auf diesem komischen Salzmond mit so Tron-artigen Sounds kam, ich für mich passte das zur Stimmung und Szenerie binnen Sekunden perfekt.
Und: Ja, Redakteure die nicht wissen was KI ist und wie das aussieht und die mal pauschal unterstellen sind mir auch schon aufgefallen. Vermutlich schreiben heutzutage in Lokalredaktionen auch LLMs die Filmkritiken … Und das meine ich nicht im Spaß.