Wikimedias neuer »Code Of Conduct« für die Wikipedia: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Wikimedias neuer »Code Of Conduct« für die Wikipedia: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Auf­grund von hau­fen­wei­se schlech­ter Pres­se (auch auf Phan­ta­News) aus den ver­schie­dens­ten Grün­den, dar­un­ter Mob­bing und Miso­gy­nie, hat man sich bei Wiki­me­dia, der Foun­da­ti­on hin­ter dem Online-Lexi­kon Wiki­pe­dia offen­sicht­lich gedrängt gese­hen, neue Ver­hal­tens­maß­re­geln ver­fas­sen zu las­sen. Die­ser neue »Code Of Con­duct« wur­de wie die Wiki­pe­dia selbst von Frei­wil­li­gen erar­bei­tet, man kann ihn über den vor­ste­hen­den Link einsehen.

Theo­re­tisch klingt das gut. Es geht um Beläs­ti­gung, Mob­bing, respekt­vol­les Ver­hal­ten mit­ein­an­der und was der hoh­len Wor­te mehr zu fin­den sind. Das Pro­blem: Eine sol­che Wiki­pe­dia-Neti­ket­te gab es auch vor­her schon, auch in der deut­schen Aus­ga­be der Wiki­pe­dia – und die nett klin­gen­den und gut gemein­ten Regeln wur­den von den Admi­nis­tra­to­ren und Edi­to­ren in der Wiki­pe­dia täg­lich hun­dert­fach ignoriert.

Das­sel­be wird für den mit viel PR-Tam­tam aus­ge­roll­ten neu­en »Code Of Con­duct« gel­ten. Denn es wer­den weder kon­kre­te Sank­tio­nen für den Fall eines Ver­sto­ßes genannt, noch setzt Wiki­me­dia Kon­troll­in­stan­zen ein, die das Ein­hal­ten des »Code Of Con­duct« über­wa­chen und ggfs. sank­tio­nie­rend ein­grei­fen kön­nen – oder über­haupt wollen.

Schon in der Ver­gan­gen­heit hat­te man in Fäl­len von Mob­bing oder will­kür­li­cher Mode­ra­ti­on sei­tens Wiki­me­dia nur dar­auf hin­ge­wie­sen, das gäbe ja bereits Ver­hal­tens­maß­re­geln und das wür­de völ­lig aus­rei­chen. Doch das tut es nicht, denn solan­ge die­se Regeln nicht auch irgend­wie durch­ge­setzt wer­den, sind sie eben nur inhalt­lo­se Wor­te, egal wie gut sie klin­gen, oder wie lan­ge irgend­wel­che Frei­wil­li­gen dar­um gerun­gen haben. Solan­ge es kei­ne Kon­se­quen­zen für Ver­stö­ße dage­gen gibt war die Arbeit umsonst und Wiki­me­dia ver­sucht sich nach wie vor aus ihrer Ver­ant­wor­tung zu stehlen.

Für mich bedeu­tet das wei­ter­hin: Solan­ge die Misstän­de ins­be­son­de­re bei der deut­schen Wiki­pe­dia nicht kon­se­quent ver­folgt und beho­ben wer­den, erhält Wiki­me­dia von mir auch künf­tig kei­nen Cent an Spen­den­gel­dern und kei­nen Buch­sta­ben Betei­li­gung an der miso­gy­nen Wis­sens­ver­hin­de­r­unglatt­form.

Wem nutzt ein neu­er »Code of Con­duct«, wenn sich nie­mand dar­an hält und kei­ner ihn durchsetzt?

Edit Policy: Lobbyismus und Kampagnen – neues Gezerre um die Urheberrechtsreform

Edit Policy: Lobbyismus und Kampagnen – neues Gezerre um die Urheberrechtsreform

Hin­weis: Der nach­fol­gen­de Text von Julia Reda (@senficon auf Twit­ter) erschien ursprüng­lich ges­tern auf Heise.de, dort aller­dings hin­ter der brand­neu­en, unver­schäm­ten Pay­wall, die Tracking erzwin­gen möch­te, wenn man die Hei­se-Beträ­ge lesen will. Da der Text unter CC-BY 4.0 steht, habe ich ihn hier reproduziert.

Eigent­lich schien die Ver­ab­schie­dung der Urhe­ber­rechts­re­form durch das Bun­des­ka­bi­nett am ver­gan­ge­nen Mitt­woch aus­ge­mach­te Sache. Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hat­te den Regie­rungs­ent­wurf bereits der Pres­se vor­ge­stellt, dann kam der Rück­zie­her in letz­ter Minu­te. Insi­dern zufol­ge ist der neue CDU-Vor­sit­zen­de Armin Laschet für die Ver­zö­ge­rung des umstrit­te­nen Geset­zes ver­ant­wort­lich, das die EU-Urhe­ber­rechts­richt­li­nie mit­samt Upload­fil­tern und Leis­tungs­schutz­recht für Pres­se­ver­le­ger in deut­sches Recht umset­zen soll.

Die­se Ver­zö­ge­rung nutzt Mathi­as Döpf­ner, Che­f­lob­by­ist des Bun­des­ver­bands der Zei­tungs­ver­le­ger BDZV und Vor­stands­vor­sit­zen­der des Axel Sprin­ger-Ver­lags, für eine bei­spiel­lo­se Lob­by­kam­pa­gne, die den Vor­schlag zulas­ten der Infor­ma­ti­ons­rech­te der All­ge­mein­heit an die Wunsch­vor­stel­lun­gen der gro­ßen Ver­la­ge anpas­sen soll. Die Lob­by­stra­te­gie basiert dar­auf, eine Debat­te über die Macht von ame­ri­ka­ni­schen Digi­tal­platt­for­men vom Zaun zu bre­chen, um den Anschein zu erwe­cken, die For­de­run­gen der Pres­se­ver­la­ge für die Reform des Urhe­ber­rechts dien­ten der Ein­he­gung der Macht von Goog­le, Face­book und Co. Eine öffent­li­che Debat­te über den Scha­den von Upload­fil­tern und Leis­tungs­schutz­recht für die Grund­rech­te der Nutzer:innen soll dadurch ver­mie­den wer­den. Genau so war es in einer inter­nen Lob­by­stra­te­gie des BDZV und der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft VG Media nach­zu­le­sen, die Netzpolitik.org kurz nach Ver­ab­schie­dung der EU-Urhe­ber­rechts­re­form öffent­lich gemacht hat.

Dar­in heißt es: »Das Anlie­gen der Absen­der und ihrer Rech­te­inha­ber, Kom­po­nis­ten, Musik- und Pres­se­ver­le­ger, Autoren sowie der Sen­de­un­ter­neh­men und ihrer jewei­li­gen Ein­zel­ur­he­ber wird unter ande­rem, aber nicht her­vor­ge­ho­ben, erwähnt. Die­ses Pro­blem wird als eines unter vie­len, viel­leicht auch noch grö­ße­ren, dar­ge­stellt. Nur auf die­se Wei­se ver­mei­den wir den Hin­weis von Kri­ti­kern, es gehe uns nur um die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen unse­rer Medi­en­un­ter­neh­men, Rech­te­inha­ber und Urheber.«

Genau nach die­sem Mus­ter ver­mischt Döpf­ner aktu­ell die Urhe­ber­rechts­re­form mit sach­frem­den The­men, etwa einem Streit zwi­schen Goog­le und Face­book mit einer aus­tra­li­schen Wett­be­werbs­be­hör­de, der mit dem Urhe­ber­recht gar nichts zu tun hat, und dem Ruf nach einem Ver­bot per­so­na­li­sier­ter Wer­bung auf Online-Platt­for­men – ein Framing, das selbst in der Bericht­erstat­tung der Öffent­lich-Recht­li­chen unkri­tisch über­nom­men wur­de.

Die For­de­rung nach der Wer­be­re­gu­lie­rung ist nicht nur des­halb per­fi­de, weil der Ver­band der Pres­se­ver­le­ger, des­sen Prä­si­dent Döpf­ner ist, durch Lob­by­ing in Brüs­sel Sei­te an Sei­te mit den Online-Platt­for­men und Tele­kom­kon­zer­nen seit Jah­ren jeg­li­che Regu­lie­rung des Online-Trackings durch die ePri­va­cy-Ver­ord­nung blo­ckiert. Die For­de­rung ist auch ein Rück­schritt gegen­über den Plä­nen zahl­rei­cher Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ter, die sich für ein all­ge­mei­nes Ver­bot von per­so­na­li­sier­ter Wer­bung mit­tels Tracking und Tar­ge­ting ein­set­zen, das – anders als von Döpf­ner gefor­dert – natür­lich auch für Pres­se­ver­la­ge wie Axel Sprin­ger gel­ten muss, des­sen Online­an­ge­bot Welt.de selbst mit geziel­ter Mani­pu­la­ti­on ver­sucht, unse­re per­sön­li­chen Daten abzugreifen.

Vor allem ver­sucht Döpf­ners Kam­pa­gne durch plum­pe Ver­knüp­fung des The­mas Wer­be­re­gu­lie­rung mit der Urhe­ber­rechts­re­form den Anschein zu erwe­cken, dass alle, die sich ange­sichts des aus­ufern­den Wer­be­trackings um ihre Grund­rech­te sor­gen, logi­scher­wei­se auch für Ver­schär­fun­gen des Geset­zes­ent­wurfs über Upload­fil­ter und Leis­tungs­schutz­recht sein müss­ten. Dabei geht von den For­de­run­gen der Ver­la­ge bei der Urhe­ber­rechts­re­form im Gegen­teil eine gro­ße Gefahr für die Grund­rech­te der Nutzer:innen aus.

Tat­säch­lich hat die Bun­des­re­gie­rung den Pres­se­ver­la­gen bei der Urhe­ber­rechts­re­form bereits enor­me Zuge­ständ­nis­se gemacht – bis an die Gren­ze der euro­pa­recht­li­chen Zuläs­sig­keit. Anders als durch die EU-Richt­li­nie vor­ge­se­hen sol­len Pres­se­ver­le­ger nach dem deut­schen Ent­wurf näm­lich ihr Leis­tungs­schutz­recht auch mit­tels Upload­fil­tern durch­set­zen kön­nen. Das ist eine enor­me Gefahr für die Infor­ma­ti­ons­frei­heit, weil Pres­se­ar­ti­kel noch viel häu­fi­ger als jede ande­re Medi­en­form lega­le Zita­te frem­der Wer­ke ent­hal­ten. Wer­den Pres­se­ar­ti­kel in einen Upload­fil­ter ein­ge­speist, ist die Wahr­schein­lich­keit sehr hoch, dass fälsch­li­cher­wei­se ande­re Tex­te gesperrt wer­den, die das­sel­be Zitat ent­hal­ten – bei­spiels­wei­se wenn vie­le Medi­en unab­hän­gig von­ein­an­der das­sel­be Zitat aus einer Rede der Bun­des­kanz­le­rin wie­der­ge­ben. Die Sper­rung lega­ler Inhal­te, so lau­ten die Vor­ga­ben aus Arti­kel 17 der EU-Richt­li­nie, muss der deut­sche Gesetz­ge­ber bei sei­ner Umset­zung in natio­na­les Recht aber verhindern.

Man könn­te nun erwar­ten, die Ver­le­ger­ver­bän­de wür­den sich aus der Debat­te um die Umset­zung von Arti­kel 17 her­aus­hal­ten, damit nie­mand ihren Coup bemerkt, dass sie laut Regie­rungs­ent­wurf von den Upload­fil­tern pro­fi­tie­ren sol­len, die für sie durch den euro­päi­schen Gesetz­ge­ber gar nicht vor­ge­se­hen waren. Doch das Selbst­be­wusst­sein des BDZV, poli­ti­sche For­de­run­gen an die Bun­des­re­gie­rung dik­tie­ren zu kön­nen, kennt offen­bar kei­ne Gren­zen. Den Ver­le­gern ist ins­be­son­de­re eine Rege­lung des Geset­zes­ent­wurfs ein Dorn im Auge, die die auto­ma­ti­sche Sper­rung lega­ler Inhal­te ver­hin­dern soll. Ein ers­ter Dis­kus­si­ons­ent­wurf aus dem Som­mer sah noch vor, dass gering­fü­gi­ge Nut­zun­gen geschütz­ter Wer­ke, etwa die Wie­der­ga­be von weni­ger als 1000 Zei­chen eines Tex­tes, pau­schal lega­li­siert wer­den soll­ten. Platt­for­men soll­ten dafür eine Ver­gü­tung zah­len. Prompt wur­den die Print-Zei­tun­gen mit empör­ten Mei­nungs­bei­trä­gen aus der Ver­lags­bran­che geflu­tet, die von Ent­eig­nung oder gar der »Tau­send-Zei­chen-Ent­haup­tung« spra­chen, weil die Bun­des­re­gie­rung es wag­te, Aus­nah­men von einer Rege­lung vor­zu­se­hen, von der Pres­se­ver­la­ge laut Euro­pa­recht eigent­lich über­haupt nicht pro­fi­tie­ren dürften.

Die Bun­des­re­gie­rung hat auf die­se Kam­pa­gne bereits reagiert und hat die Aus­nah­me inzwi­schen radi­kal zusam­men­ge­kürzt: Nach dem Regie­rungs­ent­wurf sol­len nur noch sol­che Inhal­te vor einer auto­ma­ti­schen Sper­rung bewahrt wer­den, die weni­ger als die Hälf­te eines frem­den Werks ent­hal­ten und die­sen Aus­schnitt mit ande­ren Inhal­ten kom­bi­nie­ren, wobei der Aus­schnitt nicht mehr als 160 Zei­chen umfas­sen darf. Von einer Lega­li­sie­rung die­ser Nut­zun­gen ist über­haupt nicht mehr die Rede, die Uploads gel­ten nach dem aktu­el­len Ent­wurf nur noch als »mut­maß­lich erlaubt« und dür­fen des­halb nicht voll­au­to­ma­tisch ohne mensch­li­che Prü­fung gesperrt wer­den. Einer nach­träg­li­chen Ent­fer­nung, soll­te es sich bei einer sol­chen Nut­zung doch um eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung han­deln, steht dage­gen nichts im Wege.

160 Zei­chen sind so lach­haft wenig, dass damit nicht nur Zita­te durch­schnitt­li­cher Län­ge (rund 300 Zei­chen) oder die Wie­der­ga­be eines ein­zel­nen Tweets (280 Zei­chen) unmög­lich gemacht wür­den. Selbst der Name der EU-Urhe­ber­rechts­richt­li­nie, voll aus­ge­schrie­ben, umfasst 220 Zei­chen – wir kön­nen uns also auf die auto­ma­ti­sche Sper­rung von Uploads gefasst machen, die über­haupt nicht aus frem­den Arti­keln zitie­ren, son­dern ein­fach den Namen eines Geset­zes erwäh­nen, der eben­falls in geschütz­ten Pres­se­ar­ti­keln auf­tau­chen könn­te. Wer die auto­ma­ti­sche Sper­rung von Tex­ten bei einer so gerin­gen Über­ein­stim­mung erlaubt, ris­kiert mas­si­ve Kol­la­te­ral­schä­den für die Infor­ma­ti­ons­frei­heit und ein unüber­schau­ba­res Uploadfilter-Chaos.

War­um die Pres­se­ver­le­ger über­haupt auf das äußerst gefähr­li­che Instru­ment der Upload­fil­ter zurück­grei­fen kön­nen sol­len, ist dabei völ­lig unver­ständ­lich, hat­ten die Verfechter:innen des Leis­tungs­schutz­rechts doch stets beteu­ert, es gehe ihnen nicht um eine Behin­de­rung des Infor­ma­ti­ons­flus­ses, son­dern um die Ein­ho­lung von Lizen­zen von Platt­for­men – allen vor­an Goog­le, des­sen Such- und Nach­rich­ten­funk­tio­nen von der Upload­fil­ter-Rege­lung aber ohne­hin aus­ge­nom­men sind. Das Lob­by­ing der Pres­se­ver­la­ge gegen die Baga­tell­gren­zen ist auch des­halb völ­lig fehl am Plat­ze, weil die­se nur für Uploads gel­ten, die nicht­kom­mer­zi­ell sind oder nur gerin­ge Ein­nah­men erzie­len. Sol­che pri­va­ten oder nicht­kom­mer­zi­el­len Nut­zun­gen durch Ein­zel­per­so­nen sind aber ohne­hin vom Gel­tungs­be­reich des Leis­tungs­schutz­rechts für Pres­se­ver­le­ger ausgenommen.

Ange­sichts der aktu­el­len Medi­en­kam­pa­gne von Mathi­as Döpf­ner ist nicht damit zu rech­nen, dass die Pres­se­ver­la­ge an einem fai­ren Kom­pro­miss beim Urhe­ber­recht inter­es­siert sind. Selbst der Vor­schlag der lächer­lich nied­ri­gen 160-Zei­chen-Gren­ze wur­de im Sprin­ger-Blatt BILD bereits als zu groß­zü­gig kri­ti­siert, unter dem irre­füh­ren­den Titel: »Streit um Urhe­ber­rech­te: Goog­le und Face­book dro­hen mit Netz-Sper­re«. Bei der angeb­li­chen Dro­hung einer »Netz-Sper­re« han­delt es sich tat­säch­lich um die Ankün­di­gung von Goog­le, sei­nen Such­dienst in Aus­tra­li­en nicht mehr anbie­ten zu wol­len, wenn dort ein Wett­be­werbs­ge­setz ver­ab­schie­det wird, das Urhe­ber- oder Leis­tungs­schutz­rech­te mit kei­nem ein­zi­gen Wort erwähnt. Die­se geziel­te Des­in­for­ma­ti­on der Öffent­lich­keit hat bei Sprin­ger Metho­de. Ziel ist, den fal­schen Ein­druck zu erwe­cken, bei der deut­schen Urhe­ber­rechts­re­form gin­ge die Gefahr für die Mei­nungs- und Infor­ma­ti­ons­frei­heit von den Platt­for­men aus, nicht etwa von Leis­tungs­schutz­recht und Uploadfiltern.

Es ver­heißt nichts Gutes, wenn sich die CDU unter neu­er Par­tei­füh­rung der­art vor Döpf­ners Kar­ren span­nen lässt. Die Gunst der Bou­le­vard­blät­ter mag für Laschet über­le­bens­wich­tig erschei­nen – tren­nen ihn doch nur noch sei­ne schwä­cheln­den Beliebt­heits­wer­te von der Kanz­ler­kan­di­da­tur für die Uni­on. Doch die CDU hat schon ein­mal den Feh­ler gemacht, die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung im Netz zu igno­rie­ren, als sie kurz vor der Euro­pa­wahl 2019 vom Video »die Zer­stö­rung der CDU« des You­Tubers Rezo über­rascht wur­de und ein his­to­risch schlech­tes Wahl­er­geb­nis einfuhr.

Rezo hat sich gemein­sam mit ande­ren Influencer:innen, deren Mil­lio­nen­pu­bli­kum die Auf­la­ge der BILD bei Wei­tem über­steigt, mit kon­struk­ti­ven Vor­schlä­gen in die Debat­te um die Urhe­ber­rechts­re­form ein­ge­bracht. Im Streit­ge­spräch mit FAZ-Her­aus­ge­ber Knop um die Urhe­ber­rechts­re­form lässt Rezo die­sen alt aussehen.

Es ist jetzt an Laschet zu bewei­sen, ob er als neu­er Par­tei­vor­sit­zen­der die geschei­ter­te ein­sei­ti­ge Urhe­ber­rechts­po­li­tik zu Guns­ten der Pres­se­ver­la­ge fort­set­zen will, oder ob er sich an das Wahl­ver­spre­chen sei­ner Par­tei erin­nert, das lau­te­te: »Mei­nungs­frei­heit stär­ken und Nut­zer bes­ser­stel­len, Urhe­ber fair und effek­tiv ver­gü­ten, Platt­for­men ein­bin­den und ver­pflich­ten – aber alles ohne Upload-Fil­ter«. Sonst könn­te die Uni­on erneut davon über­rascht wer­den, wie vie­le der Mil­lio­nen Men­schen, die Upload­fil­ter und Leis­tungs­schutz­recht kri­ti­siert haben, bei der Bun­des­tags­wahl im Herbst wäh­len dürfen.

Die Tex­te der Kolum­ne »Edit Poli­cy« ste­hen unter der Lizenz CC BY 4.0. Logo Ban Con­tent von der Elec­tro­nic Fron­tier Foun­da­ti­onCC-BY

 

Voices!2020 – Unsere Stimmen für Künstler in Not

Voices!2020 – Unsere Stimmen für Künstler in Not

Pres­se­mit­tei­lung: »Voices!2020 – Unse­re Stim­men für Künst­ler in Not«:

Ab 1. Dezem­ber lesen bekann­te deut­sche Stim­men und Spre­cher als Ensem­ble Charles Dickens´ Weih­nachts­ge­schich­te – täg­lich neu und für einen guten Zweck. Zum Start die­ses wohl­ge­stimm­ten Advents­ka­len­ders bis Weih­nach­ten gibt es jeden Tag ein Kapi­tel der berühm­ten Geschich­te rund um Ebe­ne­zer Scroo­ge bei You­Tube zu sehen, zu hören und zu erleben.

In Zei­ten, in denen es für Künst­ler schwie­ri­ger denn je ist ihrer Lei­den­schaft nach­zu­ge­hen, näm­lich ihren Mit­men­schen Wär­me und Freu­de ins Herz zu zau­bern, ent­stand »Voices!2020 – Unse­re Stim­men für Künst­ler in Not«. Wir haben Spre­cher, Stim­men und Künst­ler aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen zusam­men­ge­bracht, um mit Humor und einer Rie­sen Por­ti­on Enthu­si­as­mus etwas Gemein­nüt­zi­ges zu erschaffen.

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Denn Kunst, in wel­cher Dar­stel­lungs­form auch immer, ist kei­ne sys­tem­re­le­van­te Ermes­sens­sa­che. Voices!2020 setzt ein Zei­chen und unter­stützt mit Ihrer Hil­fe Ver­ei­ne, die dort hel­fen, wo alles sei­nen Anfang nimmt: Bei Kin­dern, die drin­gend Unter­stüt­zung brau­chen und Kul­tur­schaf­fen­den, ohne die unse­re Kin­der eines Tages nicht mehr wis­sen wer­den, was es heißt, Kunst zu schaf­fen. Denn DAS IST relevant.

wei­ter­le­sen →

The Winamp Skin Museum

The Winamp Skin Museum

Erin­nert ihr euch noch an die spä­ten 1990er oder frü­hen 2000er, als mp3 noch der hei­ße, neue Scheiß war und man anfing Musik­stü­cke auf die­se Art zu sam­meln und am Com­pu­ter zu hören? Nicht wie heu­te  über­all legal erhält­lich, son­dern aus (hust) merk­wür­di­gen Quel­len, oder sogar als Mit­schnit­te von Web­ra­dio-Streams (ja, die gab es damals schon)?

Damals war unter Win­do­ze Winamp der Play­er der Wahl. Der hat­te Unmen­gen von Fea­tures, konn­te die Meta­ta­gs der mp3-Datei­en anzei­gen und sogar als Quel­le für Strea­ming ein­ge­setzt wer­den, ich erin­ne­re mich nost­al­gisch an näch­te­lan­ge Sphe­re-Radio-Strea­mings­es­si­on inklu­si­ve gleich­zei­ti­gem Chat via irc.

Winamp war (und ist, es gibt ihn immer noch) skinn­ab­le, das bedeu­tet, jeder und sein Hund haben damals GUI-The­men für den Play­er ent­wor­fen. Wer in Nost­al­gie schwel­gen möch­te, kann einen Blick auf The Winamp Skin Muse­um wer­fen. Dort gibt es kei­ne Text­in­hal­te, es wer­den nur Unmen­gen von Winamp Skins zum anse­hen und erin­nern bereit gestellt. A walk down memo­ry lane und eine schö­ne Doku­men­ta­ti­on der Geschich­te des Inter­nets und des Musik­hö­rens via mp3.

Wer abso­lut kei­ne Ahnung hat, wor­über ich hier schrei­be kann sich auf der Mut­ter­do­main webamp.org eine Brow­ser­ver­si­on von Winamp anse­hen und aus­pro­bie­ren. Ich will euch ja nicht beun­ru­hi­gen – aber das ist über 20 Jah­re her. Will­kom­men im .

Kann bitte mal jemand dem Landgericht Köln das Internet erklären?

Kann bitte mal jemand dem Landgericht Köln das Internet erklären?

Alte, wei­ße Män­ner haben es nicht so mit dem , ent­schul­di­gung, dem Inter­net. Ich muss das als alter, wei­ßer Mann wis­sen, ich beob­ach­te das schon län­ger. Ein ganz zen­tra­ler Punkt die­ses Inter­nets (es ist tat­säch­lich das WWW gemeint, aber das nur am Ran­de) sind nicht Kat­zen­bil­der, es ist auch nicht Por­no und erst recht sind es nicht Face­book oder Werbung.

Der zen­tra­le ursprüng­li­che Punkt sind Hyper­links, also das Ver­knüp­fen von unter­schied­li­chen Sei­ten oder Adres­sen im WWW über einen klick­ba­ren Text, der als sol­cher gekenn­zeich­net ist.

Das Land­ge­richt Köln (genau­er des­sen Rich­ter) hat sich schon oft als ein Gericht aus­ge­zeich­net, das nicht so wirk­lich einen Schim­mer hat, wie die­ses funk­tio­niert und bereits des Öfte­ren ganz eigen­tüm­li­che Urtei­le abge­son­dert, die nicht von Fach­kennt­nis getrübt waren und glück­li­cher­wei­se oft von höhe­ren Instan­zen wie­der kas­siert wurde.

Wie der SWR gera­de berich­tet, habe die jetzt ent­schie­den, dass (bei­spiels­wei­se) Blog­bei­trä­ge auch dann als Wer­bung gekenn­zeich­net wer­den müs­sen, wenn die eigent­lich kei­ne Wer­bung ent­hal­ten, aber einen Link auf eine Herstellerseite.

Na dan­ke.

Ich berich­te also aus Infor­ma­ti­ons­grün­den, weil es zu den The­men mei­ner Sei­te passt über etwas und ver­lin­ke dar­auf, ohne dafür einen Auf­trag des Her­stel­lers, Ver­lags oder was auch immer zu haben oder gar dafür bezahlt wor­den zu sein, son­dern ein­zig und allein weil ich im Rah­men mei­ner redak­tio­nel­len arbeit der Ansicht bin, dass das für mei­ne Leser einen Mehr­wert bringt. Es ist also ein Ser­vice für mei­ne Leser und ich bin der siche­ren Ansicht, dass die dann als mün­di­ge Bür­ger zum einen selbst in der Lage sind zu ent­schei­den, ob sie den Link kli­cken wol­len, und zum ande­ren, ob sie auf der ver­link­ten Sei­te etwas erwer­ben wollen.

Und jetzt soll ich sol­che Posts als »Wer­bung« mar­kie­ren. Ich hal­te das aus ver­schie­de­nen Grün­den für völ­lig ver­fehlt und sogar gefähr­lich. Denn dann kann bei Recht­strei­tig­kei­ten viel ein­fa­cher allein durch die Wer­be­kenn­zeich­nung zum einen ein finan­zi­el­les Inter­es­se unter­stellt wer­den (selbst wenn keins besteht) und zum ande­ren könn­te auch irgend­wann mal das Finanz­amt nach­fra­gen, was ich mit der Wer­bung denn so ver­die­ne? Ver­nut­lich vefal­len etli­che Blog­ger und Influ­en­ce­rin­nen jetzt wie­der in hek­ti­sches Getue und kenn­zeich­nen gleich mal rpo for­ma jeden post, der nicht bei drei auf dem Man­del­baum ist, als Wer­bung. Ich hal­te das für falsch und – wie oben gesagt – gefährlich.

Ich war­te jetzt erst­mal ab, ob das Urteil rechts­kräf­tig wird, ob es in die nächs­te und über­nächs­te Instanz geht, wo es dann hof­fent­lich irgend­wo kas­siert wer­den wird. Bis dahin wird es für unbe­zahl­te Links zu The­men, über die ich selbst frei ent­schie­den habe, hier auf Phan­ta­News kei­ne Wer­be­kenn­zeich­nung geben.

Übri­gens leh­ne ich regel­mä­ßig Anfra­gen von Wer­be­trei­ben­den (auch nam­haf­ten) ab, die hier Arti­kel plat­zie­ren, aber den werb­li­chen Cha­rak­ter ver­schlei­ern wol­len, was ein­ein ein­deu­ti­gen Ver­stoß gegen das NRW-Pres­se­recht bedeu­ten wür­de (eigtn­lich wür­de ich die Anfra­gen­den, die mich zum Rechts­bruch ani­mie­ren wol­len, auch gern hier offen­le­gen, die dro­hen aller­dings regel­mä­ßig für eine Ver­öf­fent­li­chung mit dem Anwalt. Sie haben also etwas zu ver­ber­gen). Eigent­lich ist das mit der Wer­bung also schon recht­lich gelöst und ein­deu­tig, ohne dass die Rich­ter des LG Köln noch völ­lig rea­li­täts­fer­ne Urteil fäl­len müssten.

tl;dr;: War­ten wir die nächs­ten Instan­zen ab.

Nintendo spielt nach Kundendatenklau Verstecken

Nintendo spielt nach Kundendatenklau Verstecken

Wie schon bei ande­ren, auch gro­ßen, Anbie­tern ist es bei Nin­ten­do Hackern gelun­gen, in deren Sys­te­me ein­zu­drin­gen und Kun­den­da­ten zu klau­en. Zuerst rede­te man von ca. 160000, dann wur­den es schon 300000. Ich gehe mal davon aus, dass sich die­se Zahl noch erhö­hen wird.

Es ist nun schon schlimm genug, dass das pas­siert, und das trotz der zahl­lo­sen ner­vi­gen Mecha­nis­men, die man als Kun­de durch­lau­fen muss, um bei­spiels­wei­se in der Switch über den Online­shop ein Spiel zu erwer­ben. Das bedeu­tet für mich, dass man es zwar »aus Daten­schutz­grün­den« dem Kun­den uner­go­no­misch schwer macht, ein Spiel zu erwer­ben (was ich eigent­lich gut hei­ße), aber auf den eige­nen Ser­vern der­art lais­sez fai­re ist, dass Kri­mi­nel­le Daten abgrei­fen kön­nen. Das lässt die Maß­nah­men gegen­über den Kun­den als Far­ce erscheinen.

War­um ich aber so rich­tig fuchs­teu­fels­wild wer­de sind zwei Din­ge: Ers­tens muss ich dar­über aus den Medi­en erfah­ren, weil Big N es offen­sicht­lich nicht für not­wen­dig hält mich als Kun­den dar­über zu infor­mie­ren. Und zwei­tens wird in den Medi­en ein­deu­tig gesagt »Nin­ten­do hat sei­ne Kun­den bereits infor­miert, dass sie ihre Pass­wör­ter ändern sol­len«. Mich aller­dings nicht, und da ich nicht davon aus­ge­he, dass ich eine irgend­wie gear­te­te Son­der­rol­le ein­neh­me, neh­me ich an, dass es zig tau­sen­den ande­rer Kun­den ganz genau so geht. Allein das ist bereits ein Ver­stoß gegen diver­se Daten­schutz­ge­set­ze, die vor­schrei­ben, dass Kun­den in sol­chen Fäl­len sofort infor­miert wer­den müssen.

Nach Aus­sa­gen in den Medi­en sind kei­ne Zah­lungs­da­ten erbeu­tet wor­den, son­dern nur Namen und Geburts­da­ten. Schon schlimm genug, denn allein mit dem Geburts­da­tum kön­nen Kri­mi­nel­le bereits jede Men­ge Schind­lu­der trei­ben. Und es steht zu befürch­ten, dass mit den bei sol­chen Fäl­len übli­chen Sala­mi­tak­ti­ken nach und nach umfang­rei­che­re Daten­ab­flüs­se zuge­ge­ben wer­den könnten.

Ich habe das zum Anlass genom­men, Nin­ten­do mal einen DSGVO-Brand­brief zu schi­cken und um Daten­aus­kunft zu »bit­ten«. Das soll­ten alle Kun­den tun, Mus­ter­brie­fe fin­det man zum Bei­spiel bei den Verbraucherzentralen.

Logo Copy­right Nin­ten­do of Euro­pe GmbH

Meistgesehenes Game auf Youtube: MINECRAFT

Meistgesehenes Game auf Youtube: MINECRAFT

Man soll­te mei­nen, dass der Hype um das Klötz­chen­spiel irgend­wann abflau­en wür­de, immer­hin erschien die ers­te Ver­si­on nun auch schon vor zehn Jah­ren. Doch nach wie vor sind Vide­os über MINECRAFT die am meis­ten gese­he­nen auf Youtube.

You­tube ver­öf­fent­licht immer wie­der Sta­tis­ti­ken über die meist­ge­se­he­nen Inhal­te, so auch für 2019, selbst wenn das Jahr noch gar nicht rum ist. Ange­sichts des Medi­en­hy­pes und der Popu­la­ri­tät hät­te man anneh­men kön­nen, dass ein Titel wie FORTNITE an ers­ter Stel­le steht, doch das stimmt nicht.

Platz vier hält ROBLOX mit 29,6 Mil­li­ar­den Views welt­weit, danach kommt GRAND THEFT AUTO V mit knapp 40 Mil­li­ar­den Ansich­ten. Dar­auf folgt FORTNITE mit 60,9 Mil­li­ar­den. Und selbst das ist noch weit abge­schla­gen gegen MINECRAFT, das es auf sagen­haf­te 100,2 Mil­li­ar­den Views bringt. Das ist höchst beein­dru­ckend für ein zehn Jah­re altes Indie-Game mit Retro-Charme (das aller­dings 2014 von Micro­soft gekauft wur­de). Aller­dings ist die Band­brei­te an Mög­lich­kei­ten es zu spie­len eben auch immens groß und es gibt Myria­den von Mods, die das Spiel­erleb­nis noch­mal erwei­tern können.

Anders sieht das übri­gens bei den Kom­men­ta­ren aus. Am meis­ten gespro­chen wird tat­säch­lich über FORTNITE.

Der Hype dürf­te erneut wei­ter gestei­gert wer­den, wenn im Früh­jahr MINECRAFT: DUNGEONS erscheint.

Pro­mo­gra­fik MINECRAFT Copy­right Mojang und Microsoft

ZDF stellt TERRA X‑Clips unter Creative Commons Lizenz

ZDF stellt TERRA X‑Clips unter Creative Commons Lizenz

Wie all­ge­mein bekannt ist, zah­len wir jeden Monat über den Rund­funk­bei­trag für die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en, ob wir sie nut­zen oder nicht (ich möch­te kei­ne Dis­kus­si­on dar­über, grund­sätz­lich hal­te ich das für sinn­voll, auch wenn die ÖR-Rund­funk­an­stal­ten drin­gend refor­miert und ent­filzt wer­den müss­ten, und wenn ich man­che Aus­ga­ben für eine Frech­heit hal­te). Dafür soll­te man eigent­lich davon aus­ge­hen, dass ARD und ZDF alle ihre Pro­duk­tio­nen der All­ge­mein­heit auch dau­er­haft kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stellt, wie es bei­spiels­wei­se die BBC tut, schließ­lich haben wir die bezahlt.

Das ist aller­dings nicht so, sie beru­fen sich vor allem auf Urhe­ber­rech­te der Macher hin­ter den Pro­duk­tio­nen, dar­an wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Es gibt aller­dings einen klei­nen Licht­blick: Ab sofort gibt es Clips aus der Doku-Rei­he TERRA X unter Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz, genau­er gesagt der rela­tiv frei­en CC BY.

Das bedeu­tet, dass man die Clips her­un­ter­la­den, ver­viel­fäl­ti­gen, wei­ter­ge­ben und remi­xen darf (und das auch kom­mer­zi­ell), solan­ge man den Urhe­ber nennt.

Das ist ein ers­ter und in mei­nen Augen längst über­fäl­li­ger Schritt in die Rich­ti­ge Rich­tung. Man hat fast den Ein­druck, auch die ÖR-Medi­en möch­ten end­lich im 21. Jahr­hun­dert ankommen …

Die aktu­ell zur Ver­fü­gung gestell­ten Clips dre­hen sich um den Kli­ma­wan­del, man kann sie Kli­ma­wan­del­leug­nern und gewis­sen blau­b­rau­nen Kräf­ten mit ihren Fake News um die Ohren hauen.

Amazon verweigert Support jetzt komplett und stellt sich tot

Amazon verweigert Support jetzt komplett und stellt sich tot

Nach dem Desas­ter neu­lich mit dem Comic CIVIL WAR II, bei dem Ama­zon es geschafft hat­te, es auf­grund man­gel­haf­ter Ver­pa­ckung drei­mal zu zer­stö­ren, geht der »Spaß« mit dem selbst­be­zich­tigt »kun­den­freund­lichs­ten Unter­neh­men« weiter.

Ich habe noch­mal Comics bestellt, dies­mal dün­ne­re, in der Hoff­nung, dass die unbe­schä­digt hier ankom­men. Doch die Hoff­nung war ver­geb­lich. Erneut war die Ver­pa­ckung man­gel­haft (die­sel­ben untaug­li­chen Papp­um­schlä­ge) und erneut wur­den die bei­den – im Ver­gleich mit CIVIL WAR II leich­ten – Hef­te beschädigt.

Und jetzt kommt der Knül­ler: Ich habe Ama­zon auf Face­book ange­spro­chen und mich zudem auch wie­der an den Social Media-Sup­port gewandt. Doch jeg­li­cher Sup­port stellt sich kom­plett tot, es gibt kei­ner­lei Reak­ti­on mehr auf mei­ne Ver­su­che der Kon­takt­auf­nah­me (einen Anruf bei der Stan­dard-Hot­line spa­re ich mir, die Hei­nis, die da sit­zen, kön­nen eh nichts machen und sind jedes Mal bei Pro­blem­fäl­len völ­lig über­for­dert). Ama­zons Mit­ar­bei­ter wol­len also weder das Pro­blem lösen, noch jetzt auf wei­te­re kon­kre­te Fäl­le ein­ge­hen. »Das kun­den­freund­lichs­te Unter­neh­men der Welt« kom­mu­ni­ziert mit mir als sei­nem lang­jäh­ri­gen Prime-Kun­den mit ordent­lich Auf­trags­vo­lu­men ein­fach nicht mehr und hält das offen­bar für eine ange­mes­se­ne Reaktion.

Ich wer­de also auch bei der neu­en Comic-Bestel­lung von mei­nem Rück­tritts­recht Gebrauch machen – und viel­leicht mal Carl­sen dar­auf hin­wei­sen, was Ama­zon da tut, viel­leicht inter­es­siert es ja einen deut­schen Ver­lag, dass es Ama­zon scheiß­egal ist, wenn ihre Ware auf­grund man­gel­haf­ter Ver­pa­ckung beschä­digt wird.

Kun­den­freund­lichs­tes Unter­neh­men der Welt, my ass!

Logo Ama­zon Copy­right Amazon.

Kommentar von Sven Klöpping: Wikipedia – frauenfreie Zone?

Kommentar von Sven Klöpping: Wikipedia – frauenfreie Zone?

Vor ein paar Mona­ten war das Medi­en­echo groß, als her­aus­kam, dass eine Lis­te mit deutsch­spra­chi­gen SF-Autorin­nen bei Wiki­pe­dia ver­hin­dert wer­den soll­te. Sogar Team Böh­mer­mann berich­te­te im Neo Maga­zin Roya­le (Sen­dung vom 18. April). Statt solch inter­es­san­ter Lis­ten wer­den bei den Wikis z. B. Lis­ten mit Schif­fen namens »Ama­zo­ne« ver­öf­fent­licht (denn alle Frau­en sind Ama­zo­nen). Selt­sa­me Men­schen mit selt­sa­men Ansich­ten beherr­schen schein­bar grö­ße­re Tei­le der Wiki­pe­dia­welt und neh­men dabei Ein­fluss auf das, was gewusst wer­den darf.

Dank Goog­le & Co. haben sie gute Aus­sicht auf Erfolg. Denn Wiki­pe­dia ist rele­van­ter Teil vie­ler Algo­rith­men des Sili­con Val­ley. Schließ­lich wis­sen die Her­ren bei Wiki­pe­dia – wie jeder gute Zen­sor -, dass öffent­li­che Mei­nung nur gebil­det wer­den kann, wenn die Men­schen Zugang zu Infor­ma­tio­nen erhal­ten. Wer nicht weiß, dass deutsch­spra­chi­ge SF-Autorin­nen exis­tie­ren, möch­te auch nichts von ihnen lesen. Oder über sie.

Als Argu­ment füh­ren sie dabei immer wie­der »Rele­vanz« an. Es sei nicht rele­vant, eine Lis­te mit Ama­zo­nen, Frau­en zu füh­ren, die nur in Klein­ver­la­gen publi­zie­ren. Schon beim ers­ten Blick auf die Lis­te ent­deckt man jedoch Namen wie Sibyl­le Berg, Zoë Beck oder Myra Çakan. Alles gestan­de­ne Autorin­nen, die bei bekann­ten Ver­la­gen publi­zie­ren. Die Fra­ge »was ein Ver­lag sei« wur­de in den inter­nen Dis­kus­sio­nen bei Wiki­pe­dia daher offen­bar nur mit dem Hin­ter­ge­dan­ken gestellt, die Klein­ver­lags­sze­ne zu dis­kre­di­tie­ren. Man­che Her­ren mein­ten näm­lich, ein Klein­ver­lag sei nun über­haupt kein Ver­lag. Aha. Und war­um heißt er dann Ver­lag? Und war­um macht er genau das, was ein Ver­lag machen soll­te, näm­lich Bücher her­aus­brin­gen? Doch vor die­ser Dis­kus­si­on fürch­te­ten sich die tap­fe­ren Rit­ter des männ­li­chen Wis­sens, wichen aus, flüch­te­ten sich in Relevanz.

»Rele­vanz (lat./ital.: re-leva­re »[den Waa­ge­bal­ken, eine Sache] wie­der bzw. erneut in die Höhe heben«) ist eine Bezeich­nung für die Bedeut­sam­keit und damit sekun­där auch eine situa­ti­ons­be­zo­ge­ne Wich­tig­keit, die jemand etwas in einem bestimm­ten Zusam­men­hang bei­misst« (Quel­le: Wikipedia).

Datei:Adminpedia.png

Für die Ersteller(innen) der Lis­te war es offen­sicht­lich von Rele­vanz, einen Ein­blick in die Schaf­fens­kraft deutsch­spra­chi­ger Sci­ence­fic­tion-Autorin­nen zu geben. Für eini­ge Wiki­pe­dia-Her­ren schien es dage­gen nur zu rele­vant, dies zu ver­hin­dern. Die Fra­ge ist: Wel­che Sei­te besaß mehr Rele­vanz? Nun muss ich die Her­ren lei­der ent­täu­schen, denn etwas zu ver­hin­dern ist lei­der nicht rele­vant, denn es hebt kei­ne Sache in die Höhe, wie es oben so schön heißt, son­dern reißt sie in die Tiefe.

Man darf also mit Recht fra­gen, was das alles soll. Soll­te Wiki­pe­dia nicht eine freie Enzy­klo­pä­die sein, in der Wis­sen zu allen Berei­chen der Gesell­schaft jeder­mann und jeder Frau zur Ver­fü­gung steht? Soll­te es nicht von Rele­vanz sein, die­sen Leit­satz zu ver­fol­gen und jede/n ein­zu­bin­den, der/die mit­ma­chen möch­te? Die Rea­li­tät schiebt lei­der auch hier so man­chen Rie­gel vor (man ist fast geneigt zu den­ken, die Rea­li­tät habe etwas Männliches).

Lan­ge Rede, kur­zer Sinn:

Es bleibt zu hof­fen, dass ein Umden­ken statt­fin­det; dass eine Schar von intel­lek­tu­el­len Ama­zo­nen sich den Weg zur Wiki­pe­dia-Macht frei­kämpft und dort Arti­kel publi­ziert, Ideen anstößt, Din­ge ver­än­dert. Denn so, wie es jetzt ist, kann es ja wohl nicht bleiben.

Lasst uns daher gemein­sam dafür sor­gen, dass wir von frei­en Frau­en mit Insi­der­wis­sen ver­sorgt wer­den, statt eine nahe­zu frau­en­freie Zone zum gesell­schaft­li­chen Online-Stan­dard zu erklären.

(Die­ser Text erschien ursprüng­lich auf Sven Klöp­pings Sei­te sternwerk.net)

 

Bild »Admin­pe­dia« von Ver­wüs­tung, aus der Wiki­pe­dia, CC BY-SA

Deutsche Wikipedia: Die misogynen Inquisitoren der heiligen Relevanz

Deutsche Wikipedia: Die misogynen Inquisitoren der heiligen Relevanz

Erin­nert ihr euch noch an neu­lich, als miso­gy­ne Edi­to­ren und Admi­nis­tra­to­ren bei der deut­schen Aus­ga­be der Online-Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia der Ansicht waren, dass eine Lis­te von SF-Autorin­nen nicht rele­vant sei? Und die die­se man­geln­de Rele­vanz mit den abson­der­lichs­ten und abstru­ses­ten Schein­ar­gu­men­ten bele­gen woll­ten? Die ange­pisst waren, als die­se Lis­te nach uni­la­te­ra­ler Löschung wie­der­her­ge­stellt wur­de? Und die danach so ziem­lich jede Ein­tra­gung einer Autorin ver­hin­dern woll­ten, auch hier wie­der mit den hane­bü­chens­ten Argu­men­ten, bis hin zur Aus­sa­ge, Klein­ver­la­ge sei­en gar kei­ne Verlage?

Wenn man nun hät­te anneh­men kön­nen, das The­ma sei durch muss man sich aktu­ell eines Bes­se­ren beleh­ren las­sen, denn die miso­gy­nen Inqui­si­to­ren der hei­li­gen Rele­vanz schla­gen gera­de wie­der zu – und das mit Macht.

Es fing damit an, dass die Sei­te der Autorin­nen­ver­ei­nin­gung Nor­nen­netz wegen angeb­lich feh­len­der Rele­vanz zur Löschung vor­ge­schla­gen wur­de. Das natür­lich heim­lich still und lei­se, wenn man nicht zufäl­lig mal auf die Sei­te schaut, bekommt man das selbst als Betrof­fe­ne nicht mit. Und es kam wie es kom­men muss­te, die Ver­ant­wort­li­chen leg­ten sich ihre ohne­hin pud­ding­wei­chen Rele­vanz­re­geln so aus, dass die Sei­te gelöscht wurde.

Das ist ein Punkt, über den wir grund­sätz­lich mal reden müs­sen: Wenn es Rele­vanz­re­geln gibt, dann soll­te man sich auch an die­se hal­ten und nicht im Anwen­dungs­fall stän­dig neue Aus­le­gun­gen und Vari­an­ten erfin­den, war­um Rele­vanz eben doch nicht gege­ben ist. Es geht nicht dar­um »was gemeint war«, es geht dar­um, was da steht. »Was gemeint war« ist kei­ne Regel, son­dern aus­schließ­lich eins: ein Werk­zeug um nach eige­nem Gus­to und will­kür­lich han­deln zu können.
Und: Pau­scha­le Rele­vanz­re­geln erge­ben bei bestimm­ten The­men über­haupt kei­nen Sinn, denn selbst wenn eine betrof­fe­ne Per­so­nen­grup­pe klein ist, kann ein The­ma den­noch auch außer­halb die­ser Per­so­nen­grup­pe rele­vant sein. Das wird aller­dings in der Wiki­pe­dia nicht so gese­hen und Rele­vanz­kri­te­ri­en oft unter quan­ti­ta­vi­ven Kri­te­ri­en gese­hen, statt unter qua­li­ta­ti­ven. Und auch bei den qua­li­ta­ti­ven Rele­vanz­kri­te­ri­en wird dann so lan­ge neu defi­niert, bis es den Her­ren passt, bei­spiels­wei­se indem Klein­ver­la­gen abge­spro­chen wird, ech­te Ver­la­ge zu sein – nein, das ist kein Witz! (Der Fra­ge, was denn dann genau ein ver­lag sei, haben sie sich dann übri­gens ver­wei­gert. Kein Wun­der: denn gäbe es kon­kre­te Regeln, könn­te man sie über die­se bei den Eiern fas­sen.). Die Rele­vanz­kri­te­ri­en sind in mei­nen Augen nur vor­ge­scho­be­ne Aus­re­den, das Werk­zeug der Gate­kee­per, um nur Wis­sen zuzu­las­sen, das ihnen in den Kram und ins ver­que­re Welt­bild passt.

Es wur­de ein wei­te­rer Antrag auf Auf­he­bung der Löschung gestellt, ja auch so etwas ist mög­lich. Wer hart­ge­sot­ten ist, der kann mal ver­su­chen, sich die sich ent­span­nen­de »Dis­kus­si­on« zu geben und sich anzu­se­hen mit wel­cher schie­ren Arro­ganz und aus­ufern­der Bor­niert­heit die Edi­to­ren und Admins agie­ren, um Wis­sen über Frau­en aus der Wiki­pe­dia fernzuhalten.

Tat­säch­lich gehe ich ins­be­son­de­re ob des für den Lösch­an­trag Ver­ant­wort­li­chen Wolf­gang Rie­ger davon aus (der hat den nicht selbst gestellt, das war nach Rie­gers Geme­cker eine anony­me Socken­pup­pe), dass es sich hier­bei um einen Rache­akt für den Tumult und die mas­si­ve schlech­te Pres­se um die und nach der Löschung der SF-Autorin­nen­lis­te han­delt. Das ist auch nicht ohne Prä­ze­denz in der Wiki­pe­dia: Man lässt etwas Gras über die Sache wach­sen und löscht dann erneut, oder man greift ande­re Arti­kel der Prot­ago­nis­ten an, um in der Art von Stra­ßen­gangs mal zu zei­gen, wer der Stär­ke­re auf die­sem Turf ist.

Und da es Schnitt­men­gen bei den Initiator°Innen der SF-Autorin­nen-Lis­te sowie dem Nor­nen­netz gibt, war das offen­bar das per­fek­te Angriffs­ziel für die ego­ma­nen, miso­gy­nen Kräf­te bei der deut­schen Wikipedia.

So weit, so schlecht, es wur­de also auf der Dis­kus­si­ons­sei­te für die Zurück­nah­me der Löschung sei­tens der Lösch­be­für­wor­ter mit den hane­bü­chens­ten und arro­gan­tes­ten Schein­ar­gu­men­ten agiert, die man sich nur vor­stel­len kann.

Update: Der Antrag auf Rück­nah­me der Löschung wur­de mal eben abge­lehnt. Wie erwar­tet mit zwei­fel­haf­ten Begründungen.

Doch die Inqui­si­to­ren der hei­li­gen Rele­vanz lie­ßen es dabei nicht bewen­den. Als nächs­tes wur­de der Ver­ei­ni­gung für Phan­tas­tik­au­toren und-Autorin­nen, PAN e.V., die Rele­vanz abge­spro­chen, und auch hier ein Lösch­an­trag gestellt.

An die­ser Stel­le muss man ein­fach mal ein­schie­ben, dass die für das The­men­ge­biet Phan­tas­tik Ver­ant­wort­li­chen (nament­lich bei­spiels­wei­se Rie­ger) ganz offen­sicht­lich kei­ner­lei Ahnung davon haben, was in Deutsch­land in Sachen Phan­tas­tik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so pas­siert (ist). Sonst wüss­ten die zum einen, wel­che Bedeu­tung Klein­ver­la­ge für das Gen­re haben, und zum ande­ren, was genau PAN e.V. eigent­lich ist und wel­che Bedeu­tung die­ser zuge­ge­ben neue Ver­ein für die Phan­tas­tik in Deutsch­land hat. Nicht ganz zufäl­lig sind nam­haf­te deut­sche Autorin­nen und Autoren dort Mitglied.

Somit ist Rele­vanz defi­ni­tiv gege­ben, eine Löschung macht über­haupt kei­nen Sinn, es gibt kei­ne schlüs­si­gen Argu­men­te dafür, denn selbst­ver­ständ­lich hat der Ver­ein für die Phan­tas­tik, für die Sze­ne und sogar für Außen­ste­hen­de Rele­vanz. Eben­so­we­nig wie dafür, Autorin­nen oder Autoren für eine Lis­te abzu­leh­nen, weil sie »nur« in Klein­ver­la­gen oder im Selbst­ver­lag ver­öf­fent­licht haben. Aber dar­um geht es eigent­lich auch gar nicht.

Und damit kom­men wir zum Punkt:

Beim Lösch­an­trag PAN e.V. han­delt es sich mei­ner Ansicht nach in keins­ter Wei­se um eine Rele­vanz­dis­kus­si­on, son­dern auch hier um einen Rache­akt dafür, dass The­re­sa Han­nig das Ver­hal­ten der Wiki­pe­dia­ner in Sachen Nor­nen­netz öffent­lich gemacht hat. Und Öffent­lich­keit möch­ten die Inqui­si­to­ren selbst­ver­ständ­lich nicht, denn mit Öffent­lich­keit lässt es sich so schlecht mau­scheln. Da redet man dann davon, sie brin­ge »Twit­ter­bat­tail­lo­ne in Stel­lung« und wür­de »Socken­pup­pen akti­vie­ren« (mit Socken­pup­pen ken­nen die Wiki­pe­dia­ner sich aus, sie machen selbst Gebrauch von Mehr­fach­ac­counts, um gleich mehr­fach für oder gegen etwas stim­men zu können).

Wer das für eine Ver­schwö­rungs­theo­rie hält, kann schnell eines Bes­se­ren belehrt wer­den, denn die Miso­gy­nen geben das mit der Rache­ak­ti­on ganz offen zu:

Lasst euch das auf der Zun­ge zer­ge­hen: Die Ego­ma­nen füh­len sich mit ihren Rache­ak­tio­nen der­ma­ßen sicher, dass sie die ganz offen zuge­ben. Noch­mal ganz deut­lich: Der Lösch­an­trag für den Arti­kel zu PAN e.V. war ein Rache­akt dafür, dass The­re­sa Öffent­lich­keit für die Spiel­chen in Sachen Löschung der Sei­te zum Nor­nen­netz her­ge­stellt hat.

An der Stel­le weiß man eigent­lich alles, was man über die Machen­schaf­ten der miso­gy­nen Bur­schen­schaft­ler bei der deut­schen Wiki­pe­dia wis­sen muss: Man rot­tet sich offen­bar zusam­men, um gegen unlieb­sa­me Inhal­te oder Per­so­nen vor­zu­ge­hen (auch das ist nicht ohne Prä­ze­denz und scheint bei denen völ­lig nor­mal zu sein).

Übri­gens wer­den von Ver­ant­wort­li­chen bei der Wiki­pe­dia aus­führ­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die sich sach­lich und inhalt­lich umfang­reich mit der Pro­ble­ma­tik aus­ein­an­der­set­zen ein­fach mal schnell als »Ser­mon« gelöscht:

Mit der Begrün­dung »fas­se Dich kurz«. Ange­sichts der aus­ufern­den Dis­kus­sio­nen in der deut­schen Wiki­pe­dia ist das mit kaf­ka­esk noch sehr freund­lich umschrie­ben. Tat­säch­lich wird hier deut­lich, dass es mit der angeb­li­chen Demo­kra­tie in der Wiki­pe­dia nicht weit her ist, wenn unlieb­sa­me Stim­men ein­fach mal als »zu lang« gelöscht wer­den kön­nen. Und man erkennt sofort, dass die angeb­li­che Demo­kra­tie eben nur vor­ge­scho­ben ist. Zum einen sieht man hier ein­deu­tig, wie uner­wünsch­te Stim­men uni­la­te­ral gelöscht wer­den. Zum ande­rem kann man anhand der Rele­vanz­kri­te­ri­en nicht ergeb­nis­of­fen dis­ku­tie­ren, solan­ge die Ver­ant­wort­li­chen Gum­mi­re­le­vanz­kri­te­ri­en ent­we­der zu ihren Guns­ten aus­le­gen, oder – wenn das nicht klappt – mal eben neue Rele­vanz­kri­te­ri­en dazu erfin­den, und wenn das immer noch nicht reicht, Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge als »zu lang« oder aus irgend­wel­chen ande­ren Grün­den unsicht­bar machen.

Und letzt­end­lich ist das alles ohne­hin nur eine Far­ce, wenn es offen­sicht­lich ganz nor­mal zu sein scheint, dass Lösch­an­trä­ge erstellt und von ande­ren Edi­to­ren und Admins (und anony­men Zweit- und Dritt­ac­counts) unter­stützt wer­den, bei denen völ­lig klar ist, dass es sich nur um Rache­ak­te handelt.

Die Wiki­pe­dia ist DAS Nach­schla­ge­werk des 21. Jahr­hun­derts. Es hat alle klas­si­schen Lexi­ka auf die Knie gezwun­gen. Damit ent­steht aber eine kul­tu­rel­le Ver­ant­wor­tung, die man auch unter Berück­sich­ti­gung eines demo­kra­ti­schen Ansat­zes und Gedan­kens auf gar kei­nen Fall allein in die Hän­de von miso­gy­nen, ego­ma­ni­schen Pro­fil­neu­ro­ti­kern legen darf, wie es der­zeit der Fall ist.

Wer nicht in der Wiki­pe­dia steht, wird nicht gefun­den. Punkt. Es darf nicht sein, dass die­se Sicht­bar­keit allein von sol­chen Per­so­nen abhängt, die offen­bar völ­lig will­kür­lich agie­ren und auch mal schnell äußerst rele­van­te Arti­kel aus ver­letz­tem Ego und Rache zur Löschung vor­schla­gen. Oder die sich zusam­men­rot­ten, um Per­so­nen wegzumobben.

Hier muss die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on drin­gend Kon­troll­me­cha­nis­men schaf­fen, die es ermög­li­chen, Admins und Edi­to­ren, die ihre Macht so ein­deu­tig miss­brau­chen, in ihre Schran­ken zu ver­wei­sen oder ihres Amtes zu ent­he­ben. Die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on in den USA hat soeben erst auf ein­drucks­vol­le Wei­se gezeigt, dass so etwas mög­lich ist. Es müs­sen unab­hän­gi­ge, neu­tra­le Instan­zen geschaf­fen wer­den, die dem Gemau­schel des Alt­her­ren­clubs ein Ende berei­ten und zur Not auch mal Admins oder Edi­to­ren mit einem geziel­ten Tritt aus der Türe schaf­fen und hin­ter ihnen abschließen.

Und die­se unsäg­li­chen Rele­vanz­kri­te­ri­en sind ohne­hin kom­plett für die Füße. Wenn auch nur eine ein­zel­ne Per­son irgend etwas in der deut­schen Wiki­pe­dia sucht und nicht fin­det, dann war Rele­vanz vor­han­den. Die Ver­ant­wort­li­chen tun so, als wür­de ihnen jedes ein­zel­ne Bit in der Daten­bank per­sön­lich weh tun. Dabei ist es heu­te so, dass Daten­bank- und Spei­cher­platz nahe­zu unbe­grenzt zur Ver­fü­gung stehen.

Die unsäg­li­chen Rele­vanz­dis­kus­sio­nen ver­grau­len an Mit­ar­beit Inter­es­sier­te bei der Wiki­pe­dia eben­so schnell, wie ego­ma­ni­sche Admins es tun. (Nicht nur bei) pop­kul­tu­rel­len The­men ist die deut­sche Wiki­pe­dia selbst inzwi­schen an der Gren­ze der Irrele­vanz, denn wo man in der eng­li­schen Aus­ga­be hau­fen­wei­se Sei­ten zu jedem Stein aus dem STAR WARS-Uni­ver­sum oder zu jedem okkul­ten Mar­vel-Super­hel­den, der genau ein­mal in Erschei­nung trat fin­det, wer­den sol­che Arti­kel in der deut­schen Aus­ga­be grund­sätz­lich wegen feh­len­der Rele­vanz weg­ge­boxt. War­um kann das in der Mut­ter­aus­ga­be Rele­vanz haben, in der deut­schen aber nicht? Weil das ein paar Wich­tig­tu­er so wol­len? Wenn die unsäg­li­chen Rele­vanz­kri­te­ri­en deut­lich gelo­ckert wür­den, hät­te das nur posi­ti­ve Effek­te: Rele­vanz­dis­kus­sio­nen fal­len eben­so weg wie Lösch­dis­kus­sio­nen. Es gäbe auch kein Pro­blem Inhal­te zu fin­den, denn um Wis­sen zu fin­den gibt es Kate­go­rien und Such­ma­schi­nen, egal wie viel von die­sem Wis­sen vor­han­den ist. Es gibt nicht »zu viel Wissen«.

Noch wich­ti­ger: Es wür­de gewis­sen Figu­ren die Mög­lich­keit neh­men, Deu­tungs­ho­hei­ten an sich zu rei­ßen. Denn dar­um geht es hier ganz grund­sätz­lich: Rie­ger und Co wol­len BESTIMMEN, was SF und Fan­ta­sy ist, wer genau SF- oder Fan­ta­sy-Autorin ist, wel­che Ver­ei­ni­gun­gen und Ver­ei­ne rele­vant sind und wer/welche nicht. Sie wol­len die Rea­li­tät nach ihrem Wil­len ver­bie­gen, denn nur was in der Wiki­pe­dia steht, ist heut­zu­ta­ge im Netz Realität.

Las­sen wir das nicht wei­ter zu!

Und eben­falls wich­tig: Wiki­pe­dia wür­de end­lich zu einer Quel­le für Infor­ma­tio­nen zu Phan­tas­tik und Pop­kul­tur. Und das stän­di­ge Getue, Frau­en­the­men und Frau­en für irrele­vant zu erklä­ren hät­te dann eben­falls end­lich ein Ende (wenn es eine Lis­te weib­li­cher Por­no­dar­stel­ler gibt (gene­ri­sches Mas­ku­li­num!) war­um darf es dann kei­ne Lis­te von Autorin­nen geben?). Seit Jah­ren bis heu­te ist Wikipedia.de zu den The­men Phan­tas­tik und Pop­kul­tur nicht zu gebrau­chen, weil die Gott­kai­ser der Rele­vanz unter Zuhil­fe­nah­me von anony­men Zweit- und Dritt-Accounts alles löschen, was nicht in ihr fos­si­les Hin­ter­wäld­ler-Welt­bild und ihnen in den Kram passt.

Das kann so nicht wei­ter gehen!

Bit­te geht auf die oben ver­link­ten Dis­kus­si­ons­sei­ten und sagt dem Hau­fen, was ihr von ihm hal­tet. Bit­te stellt eure Spen­den für die Wiki­me­dia Foun­da­ti­on ein und teilt ihnen mit, dass ihr erst wie­der spen­den wer­det, wenn die­ses Nest mau­scheln­der, miso­gy­ner, ego­ma­ni­scher Wich­tig­tu­er und Block­war­te end­lich aus­ge­ho­ben wur­de, oder wenn die Regeln so weit geän­dert wur­den, dass eine Mit­ar­beit abseits von Rache­löschun­gen wie­der Sinn macht. Man könn­te auch mal prü­fen (las­sen) ob das Ver­hal­ten der Dudes nicht mög­li­cher­wei­se gegen die Sat­zung von Wiki­me­dia Deutsch­land e.V. ver­stößt. Wenn sol­che Sat­zungs­ver­stö­ße ohne Reak­ti­on des Ver­eins immer wie­der hin­ge­nom­men wer­den, kann das den Ver­lust der Gemein­nüt­zig­keit bedeuten.

Die Ver­ant­wort­li­chen bei Wiki­me­dia Deutsch­land ver­ste­cken sich hin­ter Aus­sa­gen wie »man müs­se sich halt ein­brin­gen, wenn man etwas ändern will«. Doch wer das ver­sucht, schei­tert schnell an den orga­ni­sier­ten Bur­schen­schaf­ten und Mobs aus Gate­kee­pern. Des­we­gen sehe ich dar­in nur den bil­li­gen Ver­such der Ver­ant­wort­li­chen, sich eben aus die­ser Ver­ant­wor­tung zu stehlen.

Lasst die Wolf­gang Rie­gers der Wiki­pe­dia nicht wei­ter­hin dar­über bestim­men, wel­ches Wis­sen rele­vant ist!

Und macht das bit­te öffent­lich! Teilt Inhal­te zum The­ma! Macht Drit­te dar­auf auf­merk­sam, was bei der Wiki­pe­dia pas­siert und dass die­se kei­nes­wegs eine umfas­sen­de Wis­sens­samm­lung darstellt!

Aus­zug Sat­zung Wiki­me­dia Deutsch­land e.V.:

Zweck des Ver­eins ist es, die Erstel­lung, Samm­lung und Ver­brei­tung Frei­er Inhal­te (…) in selbst­lo­ser Tätig­keit zu för­dern, um die Chan­cen­gleich­heit beim Zugang zu Wis­sen und die Bil­dung zu fördern.“

– Sat­zung Wiki­me­dia Deutsch­land§ 2 Zie­le und Auf­ga­ben, 26. Novem­ber 2016
Zu för­dern. Nicht zu verhindern.

Links:

Text dazu beim Ver­lag ohneohren
Text bei The­re­sa Hannig
Arti­kel 1 (Nor­nen­netz) bei Tho­mas Sebesta
Arti­kel 2 (PAN e.V.) bei Tho­mas Sebesta
Lösch­an­trag Nornennetz
Lösch­prü­fung Nornennetz
Lösch­an­trag PAN e.V.
Tele­po­lis über die Wiki­pe­dia und ihre Probleme
Netzpolitik.org über Mob­bing von Frau­en in der Wikipedia
SpOn über Frau­en bei der Wiki­pe­dia und deren Probleme
Und noch ein aktu­el­le­rer SpOn-Arti­kel zu dem Thema

p.s.: Ich bin schon sehr gespannt, ob nach die­sem Text die ama­teur­haf­ten Hacking­ver­su­che auf die­ser Domain erneut signi­fi­kant zuneh­men, wie nach Ver­öf­fent­li­chung der letz­ten Arti­kel zum Thema …

Update: Wei­te­re Links

Ste­fan Ege­ler: Ich war bei Wikipedia
Deut­sche Sci­ence Fic­tion: Wiki­pe­dia – frau­en­freie Zone?
Ein offe­ner Brief an Wiki­me­dia DE
Kon­tak­te bei Wiki­me­dia, denen man sagen kann, was man davon hält

Amazon Prime: Kundenfreundlichkeit war gestern

Amazon Prime: Kundenfreundlichkeit war gestern

Ich bin aus genau einem Grund Ama­zon Prime-Kun­de: Die Zusi­che­rung eines fes­ten Lie­fer­ter­mins, da ich immer wie­der Ware (z.B. Com­pu­ter­zu­be­hör) schnell benö­ti­ge. Der Rest inter­es­siert mich nicht, ins­be­son­de­re Prime Video ist eher ein schlech­ter Witz, sel­ten gibt es da was, das ich sehen will und all­zu oft soll ich für uralte Fil­me oder Seri­en auch noch extra zah­len. Der Rest (Ama­zon Fami­ly, Prime Music, Prime Rea­ding, Pho­tos, Pan­try, Blitz­an­ge­bo­te etc.) inter­es­siert mich nicht und nut­ze ich nicht.

Lei­der gibt es auf­grund gewis­ser Lie­fer­diens­te (auch des haus­ei­ge­nen Ama­zon Logistics) immer wie­der mal Pro­ble­me beim Ein­hal­ten des zuge­si­cher­ten Lie­fer­ter­mins. DHL war so schlecht, dass die hier nicht mehr zustel­len dür­fen. Aktu­ell ist Her­mes nicht in der Lage, eine Sen­dung zuzu­stel­len. Im Tracking des Ama­zon-Kun­den­kon­tos wer­den Fan­ta­sie­in­for­ma­tio­nen ange­zeigt, die nicht mit dem Tracking auf der Her­mes-Sei­te übereinstimmen.

Dem Ama­zon-Sup­port ist offen­sicht­lich egal, dass sie mir einen defi­ni­ti­ven Lie­fer­ter­min zuge­si­chert haben. Die Reak­tio­nen schwan­ken zwi­schen »das kommt schon irgend­wann« und »Pech gehabt«. Mei­ne Hin­wei­se auf den zuge­sag­ten defi­ni­ti­ven Lie­fer­ter­min wer­den ignoriert.

Der Clou dabei ist für mich, dass sie offen­sicht­lich ihre Hand­ha­bung sol­cher Fäl­le geän­dert haben: Bis­her gab es irgend­ei­ne Form der Kom­pen­sa­ti­on, bei­spiels­wei­se einen Gut­schein, oder eine Ver­län­ge­rung der Prime-Mit­glied­schaft. Das ist, wie ich ges­tern erfah­ren muss­te, voll­stän­dig weggefallen.

Oder deut­li­cher: Es inter­es­siert Ama­zon nicht mehr, dass sie eine Zustell­ga­ran­tie geben; wenn die nicht statt­fin­det, gibt es kei­ner­lei Kom­pen­sa­ti­on mehr. Bes­ser kann man nicht demons­trie­ren, dass einem sogar die Prime-Kun­den völ­lig egal sind und dass Ama­zon zu groß gewor­den ist, um sich um Kun­den­ser­vice noch sche­ren zu müssen.

Kein Pro­blem. Mei­ne seit über zehn Jah­ren exis­tie­ren­de Prime-Mit­glied­schaft läuft im Sep­tem­ber aus. Wenn die sich bis dahin nicht wie­der deut­lich mehr Mühe geben, wird sie nicht verlängert.

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