Die europäische Linksteuer wird Open Access und Creative Commons News töten

Die europäische Linksteuer wird Open Access und Creative Commons News töten

Dieser Text von Cory Doc­torow erschien ursprünglich auf der Web­seite der Elec­tron­ic Fron­tier Foun­da­tion (EFF). Er ste­ht unter CC-BY-Lizenz.

 

Den ganzen Monat über tagt der »Trilog« der Europäis­chen Union hin­ter ver­schlosse­nen Türen, um den endgülti­gen Wort­laut der neuen Urhe­ber­recht­srichtlin­ie auszuar­beit­en, ein­er einst unum­strit­te­nen Verord­nung, die zu ein­er heftig umstrit­te­nen Angele­gen­heit wurde, als in let­zter Minute eine Rei­he extrem­istis­ch­er Vorschläge zum Urhe­ber­recht hinzuge­fügt und angenom­men wur­den.

Ein­er dieser Vorschläge ist Artikel 11, die »Link-Steuer«, die eine aus­ge­han­delte, bezahlte Lizenz für Links erfordert, die »Auszüge« von Nachricht­en enthal­ten. Die Richtlin­ie ist äußerst vage, was einen »Link« oder eine »Nachricht­en­sto­ry« definiert, und impliziert, dass ein »Auszug« aus mehr als einem einzi­gen Wort aus ein­er Nachricht­en­sto­ry beste­ht (viele URLs enthal­ten mehr als ein einziges Wort aus der Schlagzeile).

Artikel 11 ist so schlecht for­muliert, dass es schwierig ist, her­auszufind­en, was er ver­bi­etet und was er erlaubt (deshalb haben wir an die Trilog-Unter­händler geschrieben, um sie zu bit­ten, die wichtig­sten Punk­te zu klären). Was zu erken­nen ist, ist zutief­st beun­ruhi­gend.

Eine der »Erwä­gungs­gründe« der Richtlin­ie ist Erwä­gungs­grund 32:

»(32) Der organ­isatorische und finanzielle Beitrag der Ver­lage zur Erstel­lung von Pressepub­lika­tio­nen muss anerkan­nt und weit­er gefördert wer­den, um die Nach­haltigkeit der Ver­lags­branche und damit die Ver­füg­barkeit zuver­läs­siger Infor­ma­tio­nen zu gewährleis­ten. Daher ist es notwendig, dass die Mit­glied­staat­en auf Union­sebene einen Rechtss­chutz für Pres­sev­eröf­fentlichun­gen in der Union für dig­i­tale Zwecke vorse­hen. Dieser Schutz sollte wirk­sam gewährleis­tet wer­den, indem im Union­srecht urhe­ber­rechtlich geschützte Rechte für die Vervielfäl­ti­gung und öffentliche Zugänglich­machung von Pres­sev­eröf­fentlichun­gen im Zusam­men­hang mit der dig­i­tal­en Nutzung einge­führt wer­den, um eine angemessene und angemessene Vergü­tung für diese Ver­wen­dun­gen zu erhal­ten. Pri­vate Nutzun­gen soll­ten von diesem Hin­weis ausgenom­men wer­den. Darüber hin­aus sollte die Auf­nahme in eine Such­mas­chine nicht als faire und anteilige Vergü­tung ange­se­hen wer­den.« (Her­vorhe­bung hinzuge­fügt)

Sobald Sie sich hier durch das Eurokratisch gear­beit­et haben haben erken­nen Sie, dass Erwä­gung 32 vorschlägt, dass (1) jed­er, der mit den Nachricht­en ver­linken möchte, eine sep­a­rate, kom­merzielle Lizenz haben muss; und (2) Nachricht­e­nun­ternehmen nicht auf dieses Recht verzicht­en kön­nen, noch nicht ein­mal durch Cre­ative Com­mons-Lizen­zen und andere Tools zur Erteilung ein­er pauschalen Genehmi­gung.

Viele Nachrichtenor­gan­i­sa­tio­nen ermöglichen es jedem, auf ihre Arbeit zu ver­linken, darunter einige der weltweit führen­den News­gath­er­er: ProP­ub­li­ca (»Die Mis­sion von ProP­ub­li­ca ist es, dass unser Jour­nal­is­mus Wirkung zeigt, d.h. die Reform vorantreibt«), Glob­al Voic­es (eine führende Quelle für glob­ale Nachricht­en, die von Reportern vor Ort auf dem ganzen Plan­eten ver­fasst wur­den) und viele andere. Diese Cre­ative Com­mons Nachricht­e­na­gen­turen ver­lassen sich oft auf öffentliche Spenden, um ihre aus­geze­ich­nete, tiefe und inves­tiga­tive Arbeit zu leis­ten. Die kosten­lose Wiederver­wen­dung ist ein wichtiger Weg, um ihre Spender davon zu überzeu­gen, diese Finanzierung fortzuset­zen. Ohne Cre­ative Com­mons kön­nen einige dieser Nachrich­t­e­nan­bi­eter ein­fach aufhören zu existieren.

Abge­se­hen von den Quellen tra­di­tioneller Nachricht­en stellt ein ständig wach­sender Teil der wis­senschaftlichen Pub­lika­tion­swelt (wie die führende Gesund­heit­sor­gan­i­sa­tion Cochrane) einen Teil oder das gesamte Werk im Sinne von »Open Access« zur freien Wiederver­wen­dung zur Ver­fü­gung – die Idee dahin­ter ist, dass Wis­senschaft und Forschung davon prof­i­tieren, wenn wis­senschaftliche Werke so frei wie möglich ver­bre­it­et wer­den.

Das Herum­tram­peln auf Cre­ative Com­mons und Open Access in Artikel 11 ist kein Zufall: Bevor die Links­teuer auf EU-Ebene erschien, hat­ten einige EU-Län­der ihre eige­nen nationalen Ver­sio­nen aus­pro­biert. Als Deutsch­land es ver­suchte, gewährten die großen Zeitun­gen Google ein­fach eine kosten­lose Lizenz zur Nutzung ihrer Werke, weil sie es sich nicht leis­ten kon­nten, vom Suchriesen boykot­tiert zu wer­den. Als Spanien seine eigene Link-Steuer ver­ab­schiedete, ver­suchte die Regierung zu ver­hin­dern, dass Zeitun­gen den gle­ichen Weg ein­schla­gen, indem sie alle Nachricht­en zwang, ein eigenes, unverzicht­bares Han­del­srecht zu haben. Spanis­che Ver­lage ver­loren prompt 14% ihres Traf­fics und 10.000.000.000 €/Jahr.

All dies ist ein guter Grund, Artikel 11 ganz aufzugeben. Die Idee, dass Schöpfer »geschützt« wer­den kön­nen, indem man ihnen ver­bi­etet, ihre Werke zu teilen, ist per­vers. Wenn das Urhe­ber­recht die Inter­essen der Urhe­ber schützen soll, sollte es alle Inter­essen schützen, ein­schließlich der Inter­essen von Men­schen, die wollen, dass ihre Mate­ri­alien so weit wie möglich ver­bre­it­et wer­den.

Über­set­zt mit www.DeepL.com/Translator, Über­set­zung bear­beit­et durch Ste­fan Holzhauer

Bild: The World Flag, CC-BY-SA

Disclaimer: In Zukunft mehr Netzthemen

Disclaimer: In Zukunft mehr Netzthemen

Manch ein­er mag es vielle­icht schon begrif­f­en haben: ich bin stock­sauer über die Idi­o­tien, die skru­pel- und/oder ahnungslose Poli­tik­er vorgestern im EU-Par­la­ment beschlossen haben und die unab­se­hbare Auswirkun­gen auf das Inter­net und dessen Nutzung für uns alle haben wer­den (siehe der soeben veröf­fentlichte Text von Cory Doc­torow). Und nur um das halt­lose Mim­i­mi einiger frei drehen­der, bürg­er­feindlich­er Wirtschaft­sun­ternehmen zu befriedi­gen wird das freie Inter­net geopfert, es wer­den freie Inhalte ver­schwinden, es wird durch Zen­sur­fil­ter zu mas­sivem Overblock­ing kom­men und man darf keine Fotos von öffentlichen Orten mehr posten, sobald die Gefahr beste­ht, dass irgen­dein urhe­ber­rechtlich geschütztes Mate­r­i­al als Bei­w­erk darauf zu sehen ist. Ja, im Ernst, das ist so. Gegen all das ist die DSGVO ein Kinderge­burt­stag!

Ich habe früher bere­its immer wieder mal zu Net­zthe­men geschrieben, wenn es notwendig war.

Es ist jet­zt wieder notwendig. Es ist sog­ar drin­gend notwendig.

Ich werde euch hier auf Phan­taNews in Zukun­ft also abseits des eigentlichen The­mas Phan­tastik wieder ver­mehrt mit Net­zthe­men auf den Weck­er gehen, und das so lange, bis ihr die Kon­se­quen­zen dessen ver­ste­ht, was da ger­ade passiert und dann euer Wahlver­hal­ten entsprechend anpasst. Und vielle­icht auch der­maßen viel Druck auf die Ver­ant­wortlichen ausübt, dass die auf­grund der Proteste ihre Entschei­dung über­denken. Axel Voss (CDU), du hast noch lange nicht gewon­nen!

Der Kampf hat ger­ade erst begonnen.

Wer sich informieren will kann das beispiel­sweise bei der Elec­tron­ic Fron­tier Foun­da­tion tun. Dort schreibt Cory Doc­torow: Today, Europe Lost The Inter­net. Now, We Fight Back.

We suf­fered a crush­ing set­back today, but it doesn’t change the mis­sion. To fight, and fight, and fight, to keep the Inter­net open and free and fair, to pre­serve it as a place where we can organ­ise to fight the oth­er fights that mat­ter, about inequal­i­ty and antitrust, race and gen­der, speech and demo­c­ra­t­ic legit­i­ma­cy.

Ich werde der EFF jet­zt Geld spenden, das kann man auf der Seite der Organ­i­sa­tion tun.

Google: Bitte wirf die Verleger sofort aus dem Index!

Google: Bitte wirf die Verleger sofort aus dem Index!

Leis­tungss­chutzrecht. Erin­nert sich noch jemand? Ver­leger wollen dafür bezahlt wer­den, dass Such­maschi­nen ihre Artikel find­bar machen und Besuch­er auf die Onlin­ev­er­sio­nen ihrer ausster­ben­den Totholzme­di­en spülen.

Eine beliebte Analo­gie dazu ist fol­gende:

Man steigt in ein Taxi und bit­tet den Fahrer, einen zu einem guten Restau­rant zu brin­gen. Dort angekom­men, will der Gas­tronom vom Tax­i­fahrer eine Gebühr dafür, dass er Gäste gebracht hat.

Klingt bek­loppt? Ist es auch. Zuerst haben die Ver­leger das in Bel­gien verucht. Nach­dem Google sie aus dem Index warf, gab es sofort ein heulen und Zäh­neklap­pern, denn die Besuch­er der Web­seit­en blieben aus. Das Ganze wurde zurückgenom­men. Dann hieß es: »Bel­gien ist halt zu klein, das muss man in einem größeren Land machen!«

Das führte zum hart umkämpften Leis­tungss­chutzrecht in Deutsch­land, bei der die Ver­leger zum ersten Mal alle jour­nal­is­tis­chen Grund­sätze über Bord war­fen und beina­he auss­chließlich zugun­sten dieses Unsinns berichteten, statt objek­tiv, wie es ihre Pflicht gewe­sen wäre. Dass damit ihre Glaub­würdigkeit mas­siv beschädigt wurde, nah­men die Ver­ant­wortlichen bil­li­gend in Kauf, denn es ging ja um eigene Vorteile.

Was daraus wurde, wis­sen wir: Das Leis­tungss­chutzrecht­ge­setz ist so dumm, dass es de fac­to nicht angewen­det wird.

Doch die Ver­leger woll­ten nicht aufgeben, an der Spitze der Springer-Ver­lag, Her­aus­ge­ber eines Pam­phlets, das man in meinen Augen nur als »Volksver­het­zer-Blatt« beze­ich­nen kann: der Bild-»Zeitung«. Erneut kam das völ­lig sinnlose Argu­ment »Deutsch­land ist halt zu klein, das muss man größer machen!« und jet­zt wollte man densel­ben Stuss europaweit durchziehen.

Und erneut ver­sucht­en die üblichen Verdächti­gen bei den Totholzme­di­en durch eine äußerst ten­den­zielle Berichter­stat­tung weit abseits aller Real­itäten, ihre Leser zu ver­dum­men und zu »überzeu­gen«. Zeit­gle­ich wurde in Brüs­sel mas­siv Lob­b­yarbeit betrieben, um ahnungslose (oder kor­rupte) Poli­tik­er auf ihre Seite zu ziehen. Ver­mut­lich hat­ten etliche davon auch ein­fach Angst, dass die Springer-Medi­en nach­haltig und dauer­haft neg­a­tiv über sie bericht­en wür­den, wenn sie nicht spuren.

Gestern stimmte dann eine Mehrheit im EU-Par­la­ment für den unsäglichen Bull­shit.

Wenn Google nicht zahlen will, kön­nte der Such­maschi­ne­nan­bi­eter sämtliche Ange­bote der Ver­leger aus sein­er Such­mas­chine ent­fer­nen.

Aber auch dafür haben die Totholzver­bre­it­er einen per­fi­den Plan: Wenn Google das tut, will man die Betreiber der Such­mas­chine per Gesetz dazu zwin­gen, ihre Pro­duk­te weit­er zu lis­ten, weil er ange­blich Monop­o­list ist.

Es soll also ein Gesetz geben, das einen Dien­stleis­ter dazu zwin­gen soll, die Dien­stleis­tung zu erbrin­gen und die Nutznießer dieser Dien­stleis­tung dann auch noch dafür zu bezahlen.

Die Analo­gie zu oben wäre fol­gende:

Auf dem Dorf gibts nur ein Taxi. Der Fahrer hat aber keinen Bock mehr, Gäste zu einem Restau­rant zu brin­gen, dessen Inhab­er er auch noch dafür bezahlen soll. Der Gas­tronom schleimt sich deswe­gen so lange beim Bürg­er­meis­ter ein, bis die Ortssatzung geän­dert wird, und den Tax­i­fahrer dazu zwingt, Gäste zu dem Restau­rant zu brin­gen und dann dafür auch noch zu blechen.

Klingt noch bek­loppter?

Richtig.

Bitte, Google, werft die Medi­en der Ver­leger-Dep­pen sofort aus dem Index. Nicht nur aus den News, son­dern voll­ständig.

Sollen die zu eige­nen Gun­sten lügen­den Alt­pa­pierbedruck­er doch zugrunde gehen. Mir egal.

(Dis­claimer: Nein, es ist mir natür­lich nicht egal. Eine bre­ite und vielfältige jour­nal­is­tis­che Land­schaft ist eigentlich unab­d­ing­bar und drin­gend notwendig, ins­beson­dere angesichts der aktuellen Prob­leme in diesem Land. Aber solche zum eige­nen Vorteil agieren­den Dem­a­gogen-Medi­en braucht wirk­lich nie­mand – und bezahlen sollte man sie für ihre Falschaus­sagen erst recht nicht)

Grafik von https://act1.openmedia.org/savethelink

Korrupte Politiker im EU-Parlament beschließen das Ende des Internets wie wir es kennen

Korrupte Politiker im EU-Parlament beschließen das Ende des Internets wie wir es kennen

Ein Kom­men­tar

Es war hart gekämpft wor­den um die Nov­el­lierung des Urhe­ber­rechts in Europa. Die Änderun­gen gehen unter anderem auf EU-Dig­italkom­mis­sar Oet­tinger zurück, der von Dig­i­talem ver­mut­lich so viel Ahnung hat­te, wie eine Kuh vom Rad­fahren. Treiber der soge­nan­nten Refor­men war Axel Voss (CDU).

Große Teile der ange­blichen »Reform« sind völ­lig gegen die Bedürfnisse und Inter­essen des sprich­wörtlichen »nor­malen Bürg­ers« und bedi­enen auss­chließlich wirtschaftliche und Lob­by-Inter­essen.

Ver­leger, an ihrer Spitze (Achtung: Mei­n­ung!) Volksver­het­zer wie der Axel Springer Ver­lag (Bild-Zeitung), wollen ein Leis­tungss­chutzrecht (Link Tax), das in Deutsch­land krachend gescheit­ert ist, europaweit durch­set­zen. Weit­er­hin sollen automa­tisierte Con­tent­fil­ter (die tech­nisch nicht funk­tion­ieren kön­nen) den Upload von urhe­ber­rechtlich geschütztem Mate­r­i­al ver­hin­dern. Diese Zen­sur­fil­ter wer­den zu mas­sivem Overblock­ing, dem Ver­schwinden von Net­zkul­tur und erhe­blich­er Ein­schränkung der Mei­n­ungs­frei­heit führen. Denn man kann ohne inhaltliche oder rechtliche Kon­trolle erst­mal alles weg­block­en, ohne dass man als Betrof­fen­er eine ein­fache Möglichkeit hat, sich dage­gen zu wehren.

Statt das Urhe­ber­recht ans Inter­net des 21. Jahrhun­derts und die inter­essen der Nutzer anzu­passen, beispiel­sweise durch Regelun­gen wie »fair use«, ist man beim europäis­chen Par­la­ment kom­plett vor den Wün­schen der Wirtschaft eingeknickt, zum Nachteil der europäis­chen Bürg­er. Die Kon­se­quen­zen sind unab­se­hbar und reichen ins­beson­dere für jeden, der Con­tent ins Netz stellt (also dank sozialer Medi­en ALLE Nutzer) erhe­blich weit­er als die vield­isku­tierte DSGVO.

Detail­lierte Infor­ma­tio­nen zu diesem The­ma find­et man bei Netzpolitik.org. Die schreiben, der Kampf sei ver­loren. Das sehe ich anders:

Jet­zt fängt er erst richtig an!

Wer meint, ich klinge ange­fressen, hat völ­lig recht.

Update: Thread von Cory Doc­torow auf Twit­ter:

There are thou­sands of ways that fil­ters can acci­den­tal­ly fin­ger your legit works as pira­cy, and if you’re not a pirate, your rem­e­dy is to file appeals, cross your fin­gers, and hope a plat­form with a bil­lion users and mil­lions of peo­ple in your sit­u­a­tion will review your case.

Update: Julia Redas Stel­lung­nahme:

Das Europa­parla­ment befür­wortet die Ein­führung neuer rechtlich­er und tech­nis­ch­er Schranken für die Mei­n­ungs­frei­heit im Netz. Zugun­sten von Konz­ern­prof­iten wer­den Prinzip­i­en über den Haufen gewor­fen, ohne die das Inter­net nie seine heutige Bedeu­tung erlangt hätte.

Update: Mario Six­tus auf Twit­ter:

Heute hat der Axel-Springer-Ver­lag bei seinem Bestreben, das Inter­net kaputt zu machen, einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wer für Springer arbeit­et, deren Pub­lika­tio­nen abon­niert oder auf deren Texte ver­linkt, ist mitschuldig.

Update: Artikel auf heise: »Vor­abkon­trolle und Zen­sur­in­fra­struk­tur«

Die US-Bürg­er­recht­sor­gan­i­sa­tion Elec­tron­ic Fron­tier Foun­da­tion (EFF) weist dage­gen darauf hin, dass das bekan­nte »Con­tent ID«-System von YouTube Entwick­lungskosten in Höhe von 60 Mil­lio­nen Euro ver­schlun­gen habe und in zahlre­ichen Fällen recht­mäßige Inhalte block­iert habe. Zudem könne jed­er Anwen­der oder Rechtein­hab­er nutzer­gener­ierten Con­tent auf eine schwarze Liste geschützter Werke set­zen, die dann nicht mehr veröf­fentlicht wer­den kön­nten.

Hier kann man sehen, wer ver­ant­wortlich ist:

Grafik Link­tax und Con­tent­fil­ter: CC-BY Oli R, Bild »Kains Facepalm« von Alex E. Proimos, aus der WikipediaCC BY

Facebook testet »Keyword Snooze«

Facebook testet »Keyword Snooze«

Eigentlich ist das neue Fea­ture »Key­word Snooze«, das Face­book ger­ade testet, dafür gedacht, nicht über Filme oder Fernsehse­rien gespoil­ert zu wer­den. Man kann damit aber auch andere The­men aus­blenden.

Aktiviert man Key­word Snooze mit Phrasen wie beispiel­sweise »Game Of Thrones«, »Babies« oder »Katzen« (aber wer würde schon niedliche Katzen­bilder aus­blenden wollen?) bekommt man ab diesem Zeit­punkt 30 Tage lang keine Post­ings zu diesem The­ma mehr angezeigt. Wed­er von Per­so­n­en, noch von seit­en oder Grup­pen. Das ist so ähn­liche wie das bere­its imple­men­tierte Fea­ture, dass man Per­so­n­en oder Seit­en für 30 Tage »snoozen« (nen­nen wir es ein­fach »stumm­schal­ten«) kann, man also in diesem Zeitraum nichts mehr von denen liest.

Was dadurch allerd­ings lei­der nicht block­iert wird, ist Wer­bung. Wenn also ein Wer­be­treiben­der spoil­ert, wird man das trotz­dem zu sehen bekom­men. Ziem­lich inkon­se­quent. Und es kön­nte bei manchen natür­lich dazu führen, dass man seine Fil­terblase inten­siviert. Aber die Möglichkeit alles über »Trump« zu fil­tern, hat natür­lich eine gewisse Attrak­tiv­ität, auch wenn einen der plöt­zliche Atom­krieg dann über­raschen kön­nte … ;)

Face­book will das Fea­ture ab der näch­sten Woche test­weise an ein paar Mil­lio­nen Nutzer aus­rollen. Wenn es ankommt und wie erwartet funk­tion­iert, wird es dann später für alle ver­füg­bar wer­den.

Wie alle solchen Fil­ter­al­go­rith­men wird die Funk­tion fehler­haft sein.

Logo Face­book Copy­right Face­book

Amazon Affiliate Widgets und die Datenschutzgrundverordnung

Amazon Affiliate Widgets und die Datenschutzgrundverordnung

Hier aus gegeben­em Grund mal ein Artikel, der über­haupt nichts mit Phan­tastik zu tun hat.

Die neue europäis­che Daten­schutz­grund­verord­nung (DSGVO) dräut seit Jahren am Him­mel und auch wenn das aus Ver­brauch­er- und Bürg­er­sicht dur­chaus zu begrüßen ist, bein­hal­tet sie wieder mal schlimme handw­erk­liche Män­gel, die die Real­itäten im Web nicht abbilden. Beispiel­sweise wird man auf das Ein­binden von Google Fonts eben­so verzicht­en müssen wie, auf Gra­vatar oder Dis­cus und vie­len weit­eren im Web völ­lig üblichen Anwen­dun­gen, denn die über­tra­gen alle Nutzer­dat­en an Dritte – und das müsste man vom Nutzer vorher erlauben lassen, was völ­lig unmöglich ist (damit sind z.B. auch Con­tent Deliv­ery Net­works, die Medi­en wie beispiel­sweise Bilder aus­liefern kri­tisch, solange sie nicht im europäis­chen Inland liegen). Man hätte sich hier beim Umset­zen der DSGVO deut­lich mehr gesun­den Men­schen­ver­stand und Real­is­mus gewün­scht, denn so hängt sich Europa noch weit­er vom Inter­net ab, als es ins­beson­dere in Deutsch­land ohne­hin bere­its ist. Aber was will man von EU-Poli­tik­ern in der Hin­sicht schon erwarten … Man kann sich bei etlichen Aspek­ten der DSGVO nur an den Kopf fassen und muss wieder mal den Ein­druck gewin­nen, dass kleine Anbi­eter oder pri­vate Web­seit­en über Gebühr abges­tarft wer­den sollen, damit alter­na­tive Ange­bote – und damit Konkur­renz für die »Großen« – ent­nervt und wegen Angst vor Abmah­n­trollen aufgeben.

Zu den prob­lema­tis­chen Funk­tio­nen gehört auch die Ein­bindung von Ama­zon-Wid­gets (reine Links sind unprob­lema­tisch, da entschei­det der Nutzer ja selb­st, ob er drauf klick­en möchte), denn auch die über­tra­gen ja direkt beim Aufruf der Seite unge­fragt Infor­ma­tio­nen über den Nutzer an Ama­zon.
Nun ist es aber natür­lich so, dass reine Textlinks lange nicht so sehr zum Klick­en ani­mieren, wie Bilder, deswe­gen ist so eine Umset­zung nicht zufrieden­stel­lend. Man kön­nte jet­zt ein­fach jedes­mal densel­ben But­ton mit einem Ama­zon-Logo als Linkbild ver­wen­den, aber das ist auch doof, denn ich per­sön­lich sehe die Artikel­bilder dur­chaus als eine sin­nvolle Zusatz­in­for­ma­tion für den Leser von Phan­taNews, ins­beson­dere, wenn Sekundärisches zum Artikel ver­linkt wird und nicht direkt ein im Text vorgestelltes Medi­um.

Die Lösung ist – zumin­d­est unter Word­press – ein Plu­g­in namens Ama­zon Affil­i­ates Word­press Plu­g­in (kurz: AAWP). Das stammt von einem deutschen Entwick­ler und bietet die Option, die Inhalte (also vor allem Bilder) vom Ama­zon-Serv­er automa­tisiert herunter zu laden und dann vom lokalen Serv­er auszuliefern. Da wird dann nichts über­tra­gen und man hat let­ztlich wieder nur einen Link, den der Nutzer anklick­en kann – oder eben nicht.

Nachteil: Das funk­tion­iert nur mit einen selb­st gehosteten Word­press, nicht auf wordpress.com. Und der Web­serv­er auf dem die Word­press-Instal­la­tion läuft muss ein paar Voraus­set­zun­gen in Sachen PHP erfüllen, fol­gende Erweiterun­gen müssen vorhan­den sein:

  • cURL
  • XML
  • SOAP
  • mbstring

Weit­er­hin muss die Funk­tion »curl_exec« aktiv sein und der Para­me­ter »allow_url_fopen« muss aktiv sein.

Wenn das für euch nur böh­mis­che Dör­fer sind, müsst ihr euch deswe­gen an euren Hoster oder Server­be­treiber wen­den.

AAWP ist nicht kosten­los, es kostet 39 Euro, dafür erhält man eine Lizenz die ein Jahr lang Updates und Sup­port bein­hal­tet. Danach hört das Plu­g­in nicht auf zu funk­tion­ieren, es ist also kein Abo, man kann nach Ablauf des Jahres für den hal­ben Preis nach­lizen­sieren oder es lassen.

Der Funk­tion­sum­fang ist reich­haltig, man kann eine Menge kon­fig­uri­eren und das mag tech­nisch weniger affine Nutzer möglicher­weise ein wenig über­fordern, auch wenn das Back­end des Plu­g­ins sehr aufgeräumt und über­sichtlich ist. Aber man muss halt wis­sen, wie man an seine Ama­zon API-Keys kommt, dabei hil­ft allerd­ings das Back­end des Ama­zon Part­ner­nets, also da, wo man sich angemeldet hat, um Affil­i­ate-Links gener­ieren zu kön­nen.

AAWP kann auch nicht nur sim­ple Links gener­ieren, der Funk­tion­sum­fang ist groß und lässt neben sim­plen Textlinks auch ela­bori­ert­ere Dinge wie Besten­lis­ten oder Ver­gle­ich­sta­bellen zu, auch ein­fache Pro­duk­t­box­en sind umfan­gre­ich kon­fig­urier­bar.

Wer also nach einem DSG­VO-kon­for­men Weg sucht, auch nach Ende Mai Affil­i­ate-Links zu Ama­zon auf sein­er Web­seite anbi­eten zu kön­nen, sollte sich AAWP mal anse­hen.

Hier auf Phan­taNews habe ich das Plu­g­in »Ama­zon Einzeltitellinks«, das ich bish­er genutzt habe, abgeschal­tet, damit kann man lei­der in älteren Artikeln die Wid­gets nicht mehr sehen. Ich habe allerd­ings stattdessen eine Funk­tion imple­men­tiert, die an deren Stelle wenig­stens Textlinks anbi­etet. In Zukun­ft wird es dann die von AAWP gener­ierten Pro­duk­t­box­en geben.

Dis­claimer: Ich bin kein Anwalt, das hier ist also keine rechtsverbindliche Beratung, ihr set­zt auch dieses Plu­g­in auf eigene Gefahr ein, falls sich her­ausstellt, dass auch das möglicher­weise doch nicht DSG­VO-kon­form ist.

Update und Hin­weis: Das Herun­ter­laden von Inhal­ten ver­stößt offen­bar gegen Ama­zons Nutzungs­be­din­gun­gen. Ama­zon kann sich jet­zt über­legen, ob sie weit­er­hin Kun­den von mir ver­mit­telt bekom­men möcht­en, oder ob ich die Inhalte lokal aus­liefern darf.

Buy Local: Amazon-Shops auch in Deutschland

Buy Local: Amazon-Shops auch in Deutschland

Das ist ver­mut­lich eher kein schönes Wei­h­nachts­geschenk für den hiesi­gen Buch­han­del: Ama­zon Deutsch­land-Chef Ralf Kle­ber antwortete in einem Inter­view auf die Frage, ob es auch hierzu­lande sta­tionäre Ama­zon-Läden geben werde, »das sei keine Frage des Ob, son­dern des Wann«.

Weit­ere Details dazu gab es dann aber wie beim Onlin­ev­ersender üblich nicht, es ist also unklar, welche Pro­duk­te in diesen Ama­zon-Shops verkauft wer­den sollen, oder an welchen Stan­dorten sie entste­hen wer­den (ich würde mal von Großstädten aus­ge­hen). Amazuon hält sich in Sachen von Neuerun­gen ja gern sehr bedeckt und rollt diese eher über­raschend aus.

In den USA gibt es sowohl derzeit 13 feste Stan­dorte, als auch die soge­nan­nten Pop-Up-Stores, die immer nur zeitlich begren­zt stat­tfind­en. In den Pop-Up-Stores wer­den in erster Lin­ie Ama­zon-eigene Pro­duk­te ver­trieben, also Kin­dles, Fire-Tablets und Fire-TV oder Echos. Die fes­ten Läden haben die auch, aber darüber hin­aus auch noch beson­ders gut laufende Büch­er und weit­ere Artikel.

Logo Ama­zon Copy­right Ama­zon

EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

 

Der im EU-Par­la­ment sitzen­den Piratin Julia Reda (die dort von den meis­ten lei­der unbe­merkt immer wieder großar­tige Arbeit leis­tet) haben wir es zu ver­danken, dass eine von der EU-Kom­mis­sion in Auf­trag gegebene und unter Ver­schluss gehal­tene Studie endlich ans Tages­licht kommt.

Grund für die Geheimhal­tung, die jet­zt durch eine Anfrage im Rah­men des Infor­ma­tions­frei­heits­ge­set­zes been­det wurde: Die Ergeb­nisse der Studie passten der EU-Kom­mis­sion offen­bar nicht ins Konzept und wider­sprechen der von Ver­w­ert­ern immer wieder mantraar­tig wieder­holten Aus­sage, dass Pira­terie die Umsätze schmälert oder sog­ar weg­brechen lässt. Zitat:

In gen­er­al, the results do not show robust sta­tis­ti­cal evi­dence of dis­place­ment of sales by online copy­right infringe­ments.

Pikant ist daran, dass die EU-Kom­mis­sion plante und immer noch plant, auf­grund ange­blich­er Ein­bußen der Ver­w­ert­er – und auf deren Betreiben hin – die Urhe­ber­rechte deut­lich zu ungun­sten der Bürg­er und Nutzer zu ver­schär­fen oder sog­ar Zen­sur­in­fra­struk­turen einzuführen. Da kann man nachvol­lziehen, dass einem eine solche Studie nicht in den Kram passt. Man kön­nte auch sagen, dass ihnen die Real­ität nicht passt. Oder dass sie lieber weit­er die von Lob­by­is­ten dik­tierten Geset­ze ver­ab­schieden wollen.

Denn den Ver­such, die Studie geheim zu hal­ten, halte ich für kack­endreiste Lob­by­poli­tik. Da soll sich nochmal ein EU-Poli­tik­er der etablierten Parteien wun­dern, dass man ihnen nicht über den Weg traut …

Das sollte allerd­ings ins­beson­dere auch all den­jeni­gen Autoren, die immer laut­stark über ihre ach so großen ver­meintlichen Ein­bußen durch Pira­terie jam­mern, zu denken geben, weil sie schw­er daneben liegen (wie ich es schon immer sagte). Ja – es gibt Pira­terie. Nein, ihr würdet nicht ein Buch mehr verkaufen, gäbe es sie nicht. Nein, ihr wärt ohne Raubkopi­en nicht reich, egal wie oft ihr euch das auch einre­den mögt.

[Edit]: Im Licht dieser Erken­nt­nisse wird natür­lich auch das Geschäftsmod­ell der Dien­stleis­ter, die Pira­terie-Gegen­maß­nah­men gegen zum Teil hor­rende Kosten anbi­eten, ziem­lich frag­würdig.

Mehr Details dazu auf netzpolitik.org, wo ich das The­ma gefun­den habe.

Wer die Studie lesen möchte, kann das hier tun, sie liegt als PDF-Datei vor (ca. 3,4 MB).

Grafik »Pira­terie« von mir, CC-BY

Landgericht Hamburg erklärt Rechtssicherheit seiner Webseite nicht verbindlich

Landgericht Hamburg erklärt Rechtssicherheit seiner Webseite nicht verbindlich

Ich hat­te nach dem völlig real­itäts­fer­nen Urteil des LG Ham­burg zum Ver­linken von Seit­en mit möglicher­weise urhe­ber­rechtsver­let­zen­den Inhal­ten dort bere­its am 9. Dezem­ber 2016 eine Anfrage gestellt. Die Antwort kam spät, ist aber in kein­ster Weise über­raschend, denn auch der Jus­tiziar des Heise-Ver­lags erhielt eine ganz ähn­liche:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

zu Ihrer Anfrage teile ich Ihnen mit, dass das Landgericht selb­stver­ständlich davon aus­ge­ht, dass die Zugänglich­machung sämtlich­er Inhalte auf der Seite des Landgerichts recht­mäßig erfol­gt.

Zu rechtsverbindlichen Erk­lärun­gen Ihnen gegenüber sehen wir uns indes nicht ver­an­lasst.

Mit fre­undlichen Grüßen

xxx von yyy

Rich­terin
Landgericht Ham­burg
Prä­sidi­alver­wal­tung (LP3)
Sievek­ing­platz 1, 20355 Ham­burg

Wir hal­ten fest: Das LG Ham­burg schafft die rechtliche Notwendigkeit, sich beim Betreiber ein­er Web­seite ver­sich­ern zu müssen, dass deren Inhalte recht­skon­form sind, will selb­st aber diese Rechtssicher­heit nicht schaf­fen (kön­nen sie auch gar nicht, mit ein wenig Stöbern fand ich auf deren Seite Inhalte, die – sagen wir mal vor­sichtig – fishy sind, beispiel­sweise möglicher­weise nicht ganz kor­rekt deklar­i­erte Bild-Urhe­ber­schaften).

Willkom­men im #neu­land!

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Anfrage ans Landgericht Hamburg bezüglich Linksetzung

Anfrage ans Landgericht Hamburg bezüglich Linksetzung

Es geht natür­lich weit­er­hin um das real­itäts­ferne Urteil des LG Ham­burg in Sachen Linkset­zung. Soeben ging von mir per Mail fol­gende Anfrage an die Betreiber der Web­seite des Landgerichts Ham­burg raus:

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

Ich würde zum Zwecke der Berichter­stat­tung über eins ihrer Urteile gerne einen Link auf Ihre Web­site

http://justiz.hamburg.de/gerichte/landgericht-hamburg/ und Unter­seit­en

set­zen. Bitte bestäti­gen Sie mir, dass alle auf der Web­seite einge­set­zten und urhe­ber­rechtlich geschützten Inhalte (Fotografien, Grafiken, Videos, Pro­gramm­code, etc.) recht­mäßig sind, d.h. mit Willen der Rechtein­hab­er ver­wen­det wer­den. Das gilt auch für Inhalte aus frem­den Quellen, die Sie möglicher­weise einge­bun­den haben, wie z.B. YouTube-Videos.

Vie­len Dank.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Erstens bin ich auf die Antwort ges­pan­nt, zweit­ens kön­nten das andere auch so hand­haben, wenn sie über das Urteil bericht­en möcht­en … Kon­tak­t­dat­en find­et man unter http://justiz.hamburg.de/gerichte/landgericht-hamburg/impressum/ Ich­mein­ja­nur (ich hoffe auf deren Seit­en find­et sich nichts Ille­gales, son­st bin ich erledigt).

Der Text der Anfrage stammt aus einem Artikel von Recht­san­walt Schwenke

p.s.: Eine sehr ähn­liche Anfrage ging auch ger­ade an die Betreiber von bundesregierung.de raus …

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Die größte Gefahr für das Internet in Deutschland sind ahnungslose Richter und Politiker

Die größte Gefahr für das Internet in Deutschland sind ahnungslose Richter und Politiker

Bun­desregierung und Co. tun sich in let­zter Zeit damit her­vor, dass man Net­z­in­fra­struk­turen gegen »Cyber«-Angriffe schützen müsse (klein­er Ein­schub: jed­er der den Begriff »Cyber« im Zusam­men­hang mit Net­zthe­men ver­wen­det, demon­stri­ert, dass er kein­er­lei fach­liche Ahnung hat, und nur sin­nentleerte Buzz­words ver­wen­det). Da soll es »schnelle Ein­greiftrup­pen« geben, zusam­mengestellt aus »Spezial­is­ten«, die aus Fir­men rekru­tiert wer­den sollen.

Tat­säch­lich muss man allerd­ings fest­stellen, dass ahnungslose Richter, die sich offen­bar das Inter­net aus­druck­en lassen, aber deren Urteile durch kein­er­lei Sachken­nt­nis getrübt sind, eine viel größere Gefahr für das Inter­net in Deutsch­land darstellen, als irgendwelche mehr oder weniger einge­bilde­ten »Cyber-Bedro­hun­gen«. Das berüchtigte LG Ham­burg hat mal wieder einen raus­ge­hauen, da wird einem schlecht. Es bestätigte einen urhe­ber­rechtlichen Ver­stoß alleine durch die Linkset­zung auf eine Seite, wo ein Bild nicht in der durch die Cre­ative Com­mons-Lizenz gewün­scht­en Form wiedergegeben wor­den war. Noch mal ganz klar: Es wurde also nicht das Bild selb­st einge­bun­den, son­dern nur auf die Seite ver­linkt.

Danke, LG Ham­burg, da kön­nen wir das Inter­net auch gle­ich ganz abschal­ten, denn die Ver­linkung von Inhal­ten ist DER zen­trale Punkt im Netz, darauf beruht es (und nicht etwa auf Wer­beein­blendun­gen, Katzen­bildern, oder Urhe­ber­rechtsab­zocke).

Das Urteil lässt zudem viel mehr Fra­gen offen, als es klärt. Gel­ten nur direk­te Links, oder auch indi­rek­te? Sprich: Wenn ich eine Home­page ver­linke, aber auf ein­er Unter­seite ein prob­lema­tis­ches Bild ste­ht, ist das dann abmahn­bar? Wie soll man sich dage­gen schützen, dass Inhalte auf Seit­en verän­dert wer­den, aber behauptet wird »das war da schon immer!«?

Neues Abmah­n­mod­ell: Ich set­ze vol­lkom­men harm­lose Inhalte auf eine Web­seite und bringe Dritte dazu, diese zu ver­linken. Opti­maler­weise Dritte, die irgen­deine Art von Wer­bung auf ihrer Seite haben (da reicht schon ein Part­ner­link zu Ama­zon), damit die ver­link­ende Seite als »im weitesten Sinne geschäftsmäßig« gel­ten kann. Wenn ich ordentlich Links habe, stelle ich ein ange­blich wider­rechtlich ver­wen­detes Bild dort ein und mache mit Abmah­nun­gen groß Kasse.

Was ist mit Such­maschi­nen, die automa­tisiert auf Inhalte ver­linken? Was ist mit Wer­be­ban­nern, die von entsprechen­den Servern kom­men und automa­tisiert einge­blendet wer­den?

Das Urteil bet­rifft übri­gens selb­stver­ständlich auch Links auf und von sozialen Medi­en wie Face­book, Google+ oder Twit­ter, das gilt ins­beson­dere für Freiberu­fler, oder für gemis­cht beru­flich und pri­vat genutzte Pro­file.

Man weiß gar nicht, wo man damit anfan­gen soll zu erk­lären, warum dieses Urteil nicht das Ger­ing­ste mit der Real­ität im Web zu tun hat, und brandge­fährlich für all jene ist, die Inhalte online stellen. Das bedro­ht die Frei­heit und Mei­n­ungs­frei­heit im Netz – und das ist keineswegs über­trieben. Mein­er Ansicht nach ist das Urteil sog­ar ein klar­er Ver­stoß gegen die Grun­drechte. Zudem wird hier ein zen­traler Mech­a­nis­mus des Web auf dem Altar völ­lig ver­al­teter Urhe­ber­rechte geopfert, deren Nov­el­lierung an der Lob­b­yarbeit der Ver­w­ert­er und willi­gen, klep­tokratis­chen Poli­tik­ern scheit­ert. Wäre es anders, hät­ten wir schon längst eine fair-use-Klausel.

Mehr Infor­ma­tio­nen dazu, und das auch noch von fach­lich­er Kom­pe­tenz hin­ter­füt­tert, die ich nicht habe, da ich kein Jurist bin, find­et man in einem Artikel von Recht­san­walt Schwenke.

Ich kann nur hof­fen, dass sich irgend­je­mand, beispiel­sweise Heise, des The­mas annimmt, und es durch die Instanzen stre­it­et. Bis dahin freuen sich die Abmahn-Abzock­er über die hüb­sche, richter­lich geschaf­fene, Ein­nah­me­quelle.

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