TRUMBO – leicht gespoilert

TRUMBO – leicht gespoilert

Poster TrumboTRUMBO – Bun­des­start 10.03.2016
Die Be­spre­chung ba­siert auf der ame­ri­ka­ni­schen DVD-Fas­sung

Die Hetz­jagd be­gann 1946, als die Al­li­anz zwi­schen Ame­ri­ka und der So­wjet­uni­on er­starb. Be­reits 1941 hat­te Walt Dis­ney eine gro­ße An­zei­ge im Bran­chen­blatt ver­öf­fent­licht, dass er Kom­mu­ni­sten für ei­nen Streik in sei­nem Stu­dio ver­ant­wort­lich mach­te. Als man ein neu­es Feind­bild ge­fun­den hat­te, schloss sich Schau­spie­ler Ro­nald Rea­gan als Prä­si­dent der Schau­spiel­er­gil­de den Vor­wür­fen von Walt Dis­ney an, in der Gil­de wür­den »kom­mu­ni­sti­sche Tak­ti­ken« die Run­de ma­chen. Eine er­ste schwar­ze Li­ste wur­de vom Kon­gress in Wa­shing­ton ver­öf­fent­licht, in der be­stimm­te Schau­spie­ler, Dreh­buch­au­to­ren, und Re­gis­seu­re als Kom­mu­ni­sten iden­ti­fi­ziert wur­den. Auch, weil die­se un­um­wun­den zu­ga­ben, Mit­glie­der der kom­mu­ni­sti­schen Par­tei zu sein. Fil­me wa­ren zu der Zeit die ein­fluss­reich­sten Pro­pa­gan­da­mit­tel. Aber sie wa­ren auch ein gro­ßer In­du­strie­zweig ge­wor­den, und so fürch­te­ten die Stu­di­os ne­ga­ti­ve Be­richt­erstat­tung und Aus­wir­kun­gen auf ihre Fil­me, und feu­er­ten alle ge­li­ste­ten Per­so­nen. Die Pa­ra­noia hat­te aber noch lan­ge nicht ih­ren Hö­he­punkt er­reicht.

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THE PURGE: ANARCHY

THE PURGE: ANARCHY

Poster THE PURGE: ANARCHYTHE PUR­GE: AN­AR­CHY – Bun­des­start 31.07.2014

Nach nur ei­nem Jahr schiebt Au­tor und Re­gis­seur Ja­mes De­Mo­na­co eine Fort­set­zung zu dem Über­ra­schungs­hit THE PUR­GE nach. Ein Film, bei dem die Fas­zi­na­ti­on über die Lo­gik sieg­te. War die­ser al­ler­dings noch ein kam­mer­spiel­ar­ti­ger Thril­ler, geht De­Mo­na­co dem Ge­setz der Se­rie zu­fol­ge na­tür­lich ei­nen Schritt wei­ter. Er­leb­te man die­se neue ame­ri­ka­ni­sche Ord­nung an­fangs aus der Per­spek­ti­ve des in sich ge­schlos­se­nen Re­fu­gi­ums der ver­meint­li­chen Op­fer, zeigt uns De­Mo­na­co nun die Welt drau­ßen auf der Stra­ße, wenn Pur­ge im Gan­ge ist.
Der Hin­ter­grund ist auf der ei­nen Sei­te tat­säch­lich hirn­ris­sig, auf der an­de­ren Sei­te birgt er un­ver­hoh­len eine an­zie­hen­de Be­gehr­lich­keit. Ame­ri­ka war wirt­schaft­lich und so­zi­al am Bo­den, was in 2016 sein wird. Die »Neu­en Grün­dungs­vä­ter von Ame­ri­ka« er­lie­ßen ein Ver­ord­nung, dass ein­mal im Jahr für ge­nau 12 Stun­den alle Ge­set­ze auf­ge­ho­ben sind. Alle Ver­bre­chen wer­den in die­ser Zeit straf­frei blei­ben, er­laubt sind al­ler­dings nur Waf­fen, so klärt ei­nen der Film auf, bis Klas­se 4. Was be­deu­tet, dass man sich auch noch mit ei­nem schwe­ren Ma­schi­nen­ge­wehr aus­to­ben kann. »Pur­ge« be­deu­tet Säu­be­rung, und so funk­tio­niert auch die­ses Sy­stem. Wäh­rend Rei­che und der ge­ho­be­ne Mit­tel­stand sich mit ent­spre­chen­den Si­cher­heits­vor­keh­run­gen in die­ser be­stimm­ten Nacht ver­bar­ri­ka­die­ren kön­nen, wer­den na­tür­lich Arme und Ob­dach­lo­se die er­sten Op­fer von Men­schen, die ger­ne mor­den und fol­tern. Die Pur­ge-Night, also die Nacht der Säu­be­rung, hat die Kri­mi­na­li­täts­ra­te ge­senkt, und die Ar­mut fast ab­ge­schafft. Eine In­sti­tu­ti­on, die also auf­geht.

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AUGE UM AUGE direkt OUT OF THE FURNACE

AUGE UM AUGE direkt OUT OF THE FURNACE

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Bun­des­start 03.04.2014

Das alte Lied der un­glei­chen Brü­der. Den­noch ein Ho­he­lied auf die Fa­mi­lie. Die Stadt ist ge­prägt von den damp­fen­den Ka­mi­nen der Stahl­hüt­te, der ein­zi­ge grö­ße­re Ar­beit­ge­ber. Wer hier im We­sten Penn­syl­va­ni­as wohnt, dem bleibt nur das Stahl­werk. Rus­sell Baze hat in die­sem Teil Ame­ri­kas sein Le­ben ge­fun­den. Ein si­che­rer Job, wenn­gleich ohne Auf­stiegs­mög­lich­keit, eine be­zau­bern­de Freun­din, ei­nen ster­ben­den Va­ter, den er pflegt. Nur sein Bru­der Rod­ney glaubt nicht an eine Zu­kunft an die­sem Ort, ist al­ler­dings auch un­fä­hig da­ge­gen an­zu­tre­ten. Er ver­spielt die ma­ge­re Sol­da­ten­ren­te und schiebt all sei­ne Pro­ble­me auf sein Trau­ma aus dem Irak-Krieg. Der schlei­chen­de Pro­zess von ra­di­ka­len Än­de­run­gen ist nicht mehr auf­zu­hal­ten. Sie alle brau­chen sich. Rus­sell die Ver­ant­wor­tung, Rod­ney die Stüt­ze sei­nes Bru­ders. Doch was pas­siert, wenn die­ses Ge­fü­ge aus­ein­an­der­bricht? Denn aus­ge­rech­net Rus­sell spielt das Schick­sal ei­nen ganz üb­len Streich. Au­to­ren­fil­mer Scott Co­oper hat mit sei­nem Re­gie­de­büt CRA­ZY HEART gro­ße Auf­merk­sam­keit er­run­gen, der her­vor­ra­gend in­sze­niert und ge­spielt war, aber im­mer wie­der in ge­wohn­te Spu­ren von dar­ge­stell­ten Pro­ble­men rutsch­te. AUGE UM AUGE geht ei­nen mu­ti­gen Schritt wei­ter, lässt den mög­li­chen Ac­tion-Film hin­ter sich, und ver­liert sich nicht in ei­nem ver­stö­ren­den Dra­ma, wel­ches mög­lich ge­we­sen wäre. AUGE UM AUGE ist eine ame­ri­ka­ni­sche Bal­la­de.

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DIE BÜCHERDIEBIN gespoilert

DIE BÜCHERDIEBIN gespoilert

Poster The Book ThiefTHE BOOK THIEF – Bun­des­start 13.03.2014

Den Vor­wurf, dass die BÜ­CHER­DIE­BIN eine viel zu mil­de Dar­stel­lung der Nazi-Herr­schaft ab­bil­det, kann man durch­aus gel­tend ma­chen. In der Tat ist es ein Film, der Bru­ta­li­tät und Will­kür mei­det. Doch das sieht nur der Er­wach­se­ne so. Wie er­le­ben aber Kin­der ein der­ar­ti­ges Schreckens­re­gime, die of­fe­nen Gräu­el­ta­ten, oder ein­fach nur den un­ter­schwel­li­gen Ras­sis­mus? DIE BÜ­CHER­DIE­BIN ver­deut­licht sehr an­schau­lich und nach­voll­zieh­bar, wie sich ein Kind durch so eine fürch­ter­li­che Zeit ma­nö­vrie­ren muss. Un­schul­di­ge Kin­der, die we­der Ras­sen­fra­gen ken­nen, noch den Tod als sol­ches ver­ste­hen. Lie­sel Me­min­ger kommt zu ih­ren Ad­op­ti­ons­el­tern Hans und Rosa Hu­ber­mann, in die Klein­stadt Mol­ching. Der Zwei­te Welt­krieg steht vor der Tür, doch da­von weiß Lie­sel nichts, ge­nau­so we­nig wie sie die im­mer wie­der auf­tau­chen­den Fa­schi­sten ver­steht. Ob­wohl, oder ge­ra­de weil, sie nicht le­sen kann, ist sie von Bü­chern fas­zi­niert. Das geht so weit, dass Liesl so­gar nach der Bü­cher­ver­bren­nung ein un­ver­sehr­tes Buch aus dem Asche­hau­fen fischt. Der treu­sor­gen­de und gut­mü­ti­ge Hans bringt ihr das Le­sen bei, wäh­rend die ro­bu­ste und hart­her­zig wir­ken­de Rosa das Le­ben der Fa­mi­lie mei­stert. Dann steht ei­nes Ta­ges Max vor der Tür, der Sohn ei­nes al­ten Freun­des, der im Kel­ler Un­ter­schlupf fin­det. Lie­sel ist von Max fas­zi­niert, denn was ei­nen Ju­den von an­de­ren Men­schen un­ter­schei­den soll, ir­ri­tiert das Mäd­chen ge­nau so, wie die Fra­ge, war­um man nicht ein­fach et­was da­ge­gen un­ter­neh­men kann.

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DISCONNECT hält die Verbindung

DISCONNECT hält die Verbindung

Postermotiv "Disconnect"DIS­CON­NECT – Bun­des­start 30.01.2014

An­drew Stern hat ein sehr in­tel­li­gen­tes Dreh­buch ge­schrie­ben, aus dem Hen­ry Alex Ru­bin ein sehr in­tel­li­gen­tes Spiel­film-De­büt in­sze­nier­te. 13 und 15 Jah­re ist es her, das Ru­bin bei DURCH­GE­KNALLT – GIRL, IN­TER­RUP­TED und COP LAND bei der Se­cond Unit die Re­gie über­nom­men hat­te. Auch sehr in­tel­li­gen­te Fil­me, vor al­lem COP LAND, der sich als ei­ner der we­ni­gen Aus­rut­scher von Syl­ve­ster Stal­lo­nes prä­sen­tier­te, wo man ihn ein­mal schau­spie­lern se­hen konn­te. Es ist also an­zu­neh­men, dass Hen­ry Alex Ru­bin wirk­lich so lan­ge aus­har­ren konn­te, bis ihm ein für sei­ne Ver­hält­nis­se wür­di­ges Dreh­buch un­ter­kam. DIS­CON­NECT ist ein neu­tra­ler Blick auf den ak­tu­el­len Zu­stand un­se­re Ge­sell­schaft. Ver­füg­bar­keit zu je­der Zeit, Smart­pho­nes, Chat-Rooms, so­zia­le Netz­wer­ke. Eine Ge­sell­schaft, die un­ver­nünf­ti­ger wird, je glä­ser­ner ihr Le­ben für an­de­re wird. Doch ge­gen was sich die Ge­schich­te sträubt, sind wer­ten­de An­sich­ten. DIS­CON­NECT ist oft­mals dü­ster, manch­mal trau­rig, und sehr dra­ma­tisch. Aber Stern und Ru­bin ver­weh­ren sich den­noch je­der Stel­lung­nah­me. Denn es ist ganz klar, dass der Se­gen der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on auch gleich­zei­tig Fluch ist.

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DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE

DIE TRIBUTE VON PANEM – CATCHING FIRE

Poster Catching Fire

THE HUN­GER GA­MES: CATCHING FIRE – Bun­des­start 21.11.2013

Li­on­s­ga­te hat sich kei­ne Zeit ge­las­sen, und dies wird über­aus be­lohnt. DIE TRI­BU­TE VON PA­NEM war schon ein kal­ku­lier­ter Er­folg, doch mit fast 700 Mil­lio­nen Dol­lar, hat­te man dann doch nicht ge­rech­net. Die­ses Feu­er durf­te also nicht aus­ge­hen, und eine et­was über­stürzt wir­ken­de Vor­pro­duk­ti­on war da­bei eine wei­se Ent­schei­dung. Denn an­de­re Rei­hen müs­sen mit Ab­stän­den von min­de­stens zwei, eher drei Jah­ren zwi­schen den ein­zel­nen Tei­len das Feu­er beim Pu­bli­kum im­mer wie­der neu ent­fa­chen. Nach nur 20 Mo­na­ten war das be­gei­ster­te Hun­ger-Ga­mes-Pu­bli­kum noch im­mer heiß. Zu­dem ver­leg­te sich da­mit der Start au­ßer­halb der an Kon­kur­renz nicht zu über­bie­ten­den Som­mer-Sai­son. CATCHING FIRE bricht nicht un­be­dingt alle Re­kor­de, aber sei­ne bis­he­ri­gen Er­geb­nis­se über­tref­fen er­neut die Er­war­tun­gen. Und das ver­dient, denn die zwei­te Ad­ap­ti­on von Su­z­an­ne Col­lins´ Ro­man-Tri­lo­gie, ist der weit bes­se­re Film. Was zu wei­ten Tei­len auch an Gar­ry Ross ge­le­gen ha­ben mag, der eine ak­zep­ta­blen Vor­la­ge in­sze­niert hat­te, den Stoff aber in sei­ner ei­gent­li­che Tie­fe aber nicht zu ver­mit­teln ver­stand. We­gen der kur­zen Vor­pro­duk­ti­ons­pha­se, sah sich Gar­ry Ross au­ßer­stan­de, sei­ne Vi­si­on des zwei­te Teils für ihn ad­äquat um­zu­set­zen. Er ver­ab­schie­de­te sich, und mach­te Platz für Fran­cis La­wrence, der aber erst nach ei­ni­gen Ab­wä­gun­gen ver­pflich­tet wur­de.

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Buchmesse 2013: Holzhauer warnt vor Phrasendreschern

Buchmesse 2013: Holzhauer warnt vor Phrasendreschern

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tl;dr; Ich kann das Ge­la­ber nicht mehr hö­ren.

Heu­te be­ginnt die Buch­mes­se, ge­stern je­doch gab es be­reits die Pres­se­kon­fe­renz und Me­di­en­rum­mel – und so­wohl Gott­fried Hon­ne­fel­der, der Vor­stand des Bör­sen­ver­eins des deut­schen Buch­han­dels wie auch Ju­er­gen Boos, Di­rek­tor der Buch­mes­se, ha­ben sich selbst­ver­ständ­lich in die­sem Rah­men ge­äu­ßert.
Dazu vor­ab ein klei­ner Ex­kurs: man muss den Ein­druck ha­ben, dass Gott­fried Hon­ne­fel­der sei­ne Re­den in je­dem Jahr re­cy­celt und viel­leicht ma­xi­mal ein paar Wor­te um­stellt, so sehr glei­chen sich die ge­dro­sche­nen Phra­sen. Und im­mer wie­der, wenn sol­che ver­meint­lich ho­hen Her­ren ih­ren Ser­mon ab­son­dern, fällt un­ver­meid­lich das Wort »warnt«. Hon­ne­fel­der warnt, Boos warnt, sonst­wer warnt. Glaubt ihr mir nicht? Sucht auf Goog­le mal nach »Hon­ne­fel­der warnt« oder »Hon­ne­fel­der warn­te«, es wer­den reich­lich Tref­fer aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu fin­den sein. Klickt aber bit­te nicht auf die­se Tref­fer, denn dar­in lau­ert ein Wahn­sinn von ge­ra­de­zu ct­hul­ho­iden Aus­ma­ßen. Ich habe euch … äh … ge­warnt.

Und wo­vor war­nen sie? Vor der Zu­kunft. Sei es nun das In­ter­net (und da­mit ein­her­ge­hend die neu­en Me­di­en­for­ma­te), oder sei­en es neue Ge­schäfts­mo­del­le, de­nen sich die trä­ge und zu­tiefst im Ge­stern ge­fan­ge­ne Buch­bran­che nicht an­pas­sen kann oder will. Und selbst­ver­ständ­lich muss das »Ur­he­ber­recht« ge­stärkt wer­den, auch wenn man tat­säch­lich et­was ganz an­de­res meint: sich selbst und die Ver­wer­terrech­te. Dazu wei­ter un­ten mehr.

Ich möch­te auf ein paar Ar­ti­kel ein­ge­hen, die ich an­läss­lich der Buch­mes­se-Er­öff­nung bei ein­schlä­gi­gen Cla­queu­ren wie Bör­sen­blatt und Buch­re­port im Netz fand:

Auf der On­line-Ver­si­on des Bör­sen­blat­tes be­fass­te man sich ge­stern mit Wor­ten von Buch­mes­se-Di­rek­tor Ju­er­gen Boos. Da steht un­ter an­de­rem:

Buch­mes­se-Di­rek­tor Ju­er­gen Boos sprach heu­te (8. Ok­to­ber) auf der Er­öff­nungs-Pres­se­kon­fe­renz der Frank­fur­ter Buch­mes­se von ei­ner »neu­en Grün­der­zeit im Pu­bli­shing« und warn­te gleich­zei­tig vor der Do­mi­nanz von Oli­go­po­len, die tech­no­lo­gi­sche Stan­dards dik­tie­ren.

Da ha­ben wir es wie­der: es wird »ge­warnt«. Wo­vor ge­nau ist mir un­klar. Ama­zon kann es nicht sein, denn die sind in Sa­chen On­line-Ver­trieb nicht Teil ei­nes Oli­go­pols, son­dern ha­ben bei­na­he ein Mo­no­pol. Un­klar ist für mich zu­dem, was er für ein Pro­blem mit tech­ni­schen Stan­dards hat. Da Pa­pier­bü­cher ge­druckt wer­den und die­se Tech­nik nun wahr­lich be­reits ein paar Jah­re auf dem Buckel hat, kann er ei­gent­lich nur eBooks mei­nen. Da gibt es im Prin­zip zwei Stan­dards: das of­fe­ne ePub und Ama­zons Kind­le-For­mat, ob es nun azw oder mobi sein mag. Wo da al­ler­dings »Stan­dards dik­tiert wer­den« kann ich nicht nach­voll­zie­hen. ePub und mobi sind For­ma­te, de­ren Auf­bau be­kannt ist, je­der­mann kann sie er­zeu­gen. Oder meint Boos etwa Ama­zons Ko­pier­schutz, der ver­hin­dert, dass man Kind­le-eBooks auf an­de­ren Ge­rä­ten le­sen kann? Das wür­de mich ver­wun­dern, denn Ado­bes DRM ist ex­akt das­sel­be und wird auf ei­nem Groß­teil der eBooks der Bör­sen­ver­eins-Mit­glie­der nach wie vor ein­ge­setzt. Sind die Mit­glie­der des Oli­go­pols also Ama­zon und die Ver­la­ge, die DRM ein­set­zen? Wor­in liegt der Un­ter­schied, zwi­schen bei­den kun­den­feind­li­chen Sy­ste­men – mal da­von ab­ge­se­hen, dass Ama­zons Ver­si­on in­ner­halb sei­nes Öko­sy­stems für den Kun­den weit­aus kom­for­ta­bler ist? Und wei­ter­hin da­von ab­ge­se­hen, dass es sei­tens des Buch­han­dels en vogue ist, ge­gen Ama­zon zu wet­tern statt kun­den­freund­li­cher zu wer­den …

Tech­no­lo­gi­sche Stan­dards sind Werk­zeu­ge. Sie müs­sen sich nach den Men­schen und ih­ren Be­dürf­nis­sen rich­ten, nicht um­ge­kehrt.

… sagt Boos. Das sehe ich ge­nau­so. Weg mit har­ten DRM-Maß­nah­men, die nur die ehr­li­chen Kun­den be­nach­tei­li­gen. Rich­tet euch nach den Men­schen und ih­ren Be­dürf­nis­sen. Dazu ge­hört üb­ri­gens auch, dass nach ei­ner Stu­die, die Le­ser nach ih­ren Mei­nun­gen be­frag­te, der Preis für ein eBook ca. 40 % un­ter dem ei­ner Druck­aus­ga­be lie­gen darf. Auch Preis­ge­stal­tung muss sich nach den Men­schen und de­ren Be­dürf­nis­sen rich­ten – sonst kauft ein­fach nie­mand den über­teu­er­ten Schmonz, bei dem sich der Preis am Hard­co­ver ori­en­tiert. Und dann sind selbst­ver­ständ­lich wie­der die Raub­ko­pie­rer schuld, nicht die­je­ni­gen, die Mond­prei­se be­feh­len.

Die neue Grün­der­zeit im Pu­bli­shing fin­det ohne die alte Gar­de, also die Ver­la­ge, statt, denn die Gold­grä­ber am eBook-Klon­dy­ke sind die Self­pu­blisher, auch wenn man nach den Nug­gets zwi­schen den Recht­schreib­feh­ler-Sand­kör­nern lan­ge sie­ben muss. Und wer bie­tet den In­dies die be­sten Kon­di­tio­nen? Rich­tig: Ama­zon, Goog­le und Kobo. Die Geldscheff­ler in den hie­si­gen Ver­la­gen knir­schen ob der Höhe der Tan­tie­men­zah­lun­gen durch die In­ter­net-Ri­va­len an die Au­to­ren ver­mut­lich 24/7 mit den Zäh­nen. Und des­we­gen sind die der Erz­feind. Und weil sie kun­den­freund­lich agie­ren. Das ist hoch­gra­dig im­per­ti­nent, so­was macht man doch nicht! Kun­den­freund­lich. Wo kom­men wir hin? Wenn das alle ma­chen wür­den …

Die Rede Hon­ne­fel­ders da­ge­gen er­schien – wie oben be­reits an­ge­merkt – wie der im­mer wie­der re­ani­mier­te Zom­bie sei­ner Re­den aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Im Buch­re­port schreibt man:

Für eine neue Kul­tur des Wis­sens plä­dier­te Bör­sen­ver­eins-Vor­ste­her Gott­fried Hon­ne­fel­der zum Auf­takt der Frank­fur­ter Buch­mes­se 2013. Das Wis­sen müs­se vor der Au­to­ri­tät von On­line-Rie­sen wie Ama­zon und Goog­le ge­schützt wer­den, die »an In­hal­ten nur so weit in­ter­es­siert sind, als sie ih­rem Ge­schäft als Wer­be­trä­ger nüt­zen«.

Nein, Herr Hon­ne­fel­der. Sei­en Sie doch bit­te ehr­lich. Nicht »das Wis­sen« soll ge­schützt wer­den, son­dern die Pfrün­de der Bör­sen­ver­eins-Mit­glie­der. Nach­dem Jahr­zehn­te, oder fast Jahr­hun­der­te lang al­les ei­tel Son­nen­schein war, kommt hopp­la­hopp die­ses In­ter­net aus ei­nem An­ar­cho-Loch ge­kro­chen und zwingt doch tat­säch­lich zum Um­den­ken. Das ist aber auch eine Un­ver­schämt­heit.
Lie­be Bran­che, tut doch bit­te nicht so, als sei­en Ap­ple, Ama­zon und Goog­le die bö­sen Dä­mo­nen und ihr die heh­ren Licht­ge­stal­ten. Euch geht es ge­nau­so ums Ab­sei­hen von Le­sern und das Ein­fah­ren von Ge­win­nen wie den On­line-An­bie­tern. Et­was an­ders zu be­haup­ten wäre un­red­lich und schlicht­weg un­wahr. Und ihr macht es trotz­dem, denn wir sind ja dumm. Denkt ihr.
Eine »Kul­tur des Wis­sens« wäre eine Kul­tur, in der die­ses Wis­sen nicht via haupt­säch­lich durch mas­si­ve Lob­by­ar­beit ent­stan­de­ne ver­werter­freund­li­che Ur­he­ber­rech­te Jahr­zehn­te lang in Sta­sis ver­fällt, näm­lich bis 70 Jah­re nach dem Tod ei­nes Ur­he­bers. Das ist Irr­sinn, denkt mal dar­über nach, lie­be Le­ser. Wenn ein Werk­schaf­fen­der vor 30 Jah­ren ver­stor­ben ist, dau­ert es noch 40 wei­te­re ver­damm­te Jah­re, bis sei­ne Wer­ke ge­mein­frei wer­den. Das führt dazu, dass Kul­tur­gü­ter in Ver­ges­sen­heit ver­sin­ken. Wer­ke von vor der Ein­füh­rung der 70-Jah­res-Schran­ke sind heut­zu­ta­ge im Web zu fin­den und zu­gäng­lich, da­nach qua­si nichts mehr. Was hier an Wis­sen ver­nich­tet wird, ins­be­son­de­re, weil die Ver­wer­ter es so wol­len, ist un­be­schreib­lich. Hau­fen­wei­se Back­list-Ma­te­ri­al ist un­zu­gäng­lich, weil ir­gend­wel­che Rech­te­inha­ber drauf hocken und es nicht her­aus ge­ben wol­len, es lässt sich da­mit ih­rer An­sicht nach kein Geld ver­die­nen. Dann gebt die Rech­te den Au­to­ren zu­rück, die wer­den das schon als Self­pu­blisher ohne euch ver­öf­fent­li­chen. Self­pu­bli­shing? Kommt schon, das kennt ihr, das habt ihr doch zu dem ganz gro­ßen Ding auf die­ser Mes­se er­klärt. Das sind so Nug­gets. Zwi­schen hau­fen­wei­se Sand­kör­nern. Habe ich wei­ter oben er­klärt.

Ein wei­te­rer Ar­ti­kel über Hon­ne­fel­der auf dem di­gi­ta­len Bör­sen­blatt-Ab­le­ger (die müs­sen das kom­men­tar­los wie­der­ge­ben, der ist so et­was wie ihr Chef):

Es gehe um die Fra­ge, »was wir als Wis­sen ver­ste­hen wol­len, je­den­falls so lan­ge un­ter Wis­sen eine Er­kennt­nis ge­meint ist, die nicht wie ein sub­jekt­lo­ses Da­tum her­um­liegt, son­dern durch ei­nen Ur­he­ber ge­won­nen und auf ei­nen Kreis von Adres­sa­ten hin ver­öf­fent­licht wur­de.«
Ge­braucht wer­de eine neue Kul­tur des Wis­sens. »Das di­gi­ta­le Zei­chen­sy­stem ist be­deu­tungs­frei; sei­ne Se­man­tik er­hält es erst durch Zu­ord­nung von au­ßen«, so Hon­ne­fel­der.

Wis­sen ist eine Er­kennt­nis, die »sub­jekt­los« her­um liegt, bis sie durch ei­nen Ur­he­ber »ge­won­nen« wird? Das »di­gi­ta­le Zei­chen­sy­stem ist be­deu­tungs­frei« und »sei­ne Se­man­tik er­hält es erst von au­ßen«? Mal un­ter uns und ganz of­fen: so ei­nen in­halts­lee­ren Bull­shit habe ich schon lan­ge nicht mehr ge­le­sen, auch nicht in den Par­tei­pro­gram­men vor der Bun­des­tags­wahl, und das will was hei­ßen. Ei­ner­seits müs­sen Ur­he­ber gar nicht zwin­gend Wis­sen schaf­fen. Kunst und Un­ter­hal­tung rei­chen völ­lig. An­de­rer­seits sind Bü­cher auch als eBook kei­nes­falls nur »be­deu­tungs­freie di­gi­ta­le Zei­chen­sy­ste­me«, son­dern den ge­druck­ten Fas­sun­gen in­halt­lich gleich. Da muss man nichts »von au­ßen zu­ord­nen«. Das po­ten­ti­el­le Wis­sen der Men­schen, die Zu­griff auf das In­ter­net ha­ben wur­de in nie zu­vor ge­se­he­nem Aus­maß er­wei­tert. In­for­ma­ti­on at your fin­ger­tips. Je­der­zeit. Jede Per­son mit ei­nem In­ter­net­an­schluss kann sich über­zeu­gen, dass das »di­gi­ta­le Zei­chen­sy­stem« al­les an­de­re als be­deu­tungs­frei ist.
Falls mir je­mand das un­er­träg­lich hoh­le Phra­sen­ge­dre­sche in den Kom­men­ta­ren zu die­sem Ar­ti­kel mit Sinn und In­halt fül­len kann, wäre ich dank­bar. An­son­sten könn­te ich auch ver­su­chen, mir das Ge­brab­bel schön zu sau­fen.

Dann wen­det sich Hon­ne­fel­der an die Po­li­tik:

Die Mehr­glied­rig­keit der Bran­che müs­se auch im di­gi­ta­len Zeit­al­ter be­wahrt wer­den; die­ses Ge­fü­ge schlie­ße auch den Buch­han­del ein.

Das be­deu­tet: lie­be Po­li­tik, wir schaf­fen es nicht, un­ser Ge­schäfts­mo­dell an die Ge­ge­ben­hei­ten an­zu­pas­sen und wir sind lei­der to­tal un­fle­xi­bel. Das fin­den wir doof. Bit­te be­schließt Ge­set­ze, da­mit wir uns nicht be­we­gen müs­sen.
Es mag weh tun, Herr Hon­ne­fel­der, aber wenn ich mich so um­se­he, gibt es nur noch sehr we­ni­ge Kut­scher. Oder viel­leicht ein Bei­spiel, das Ih­nen be­kann­ter vor­kom­men dürf­te: Schrift­set­zer. Als die Bran­che »com­pu­te­ri­siert« wur­de, hat man sich von de­nen, die den Um­gang mit den neu­en Tech­ni­ken nicht be­herrsch­ten, flugs ge­trennt. Es gibt heu­te kei­ne Schrift­set­zer mehr, weil es kei­ne be­weg­li­chen Let­tern mehr gibt und man statt­des­sen Desk­top Pu­bli­shing nutzt. Schon mal ge­hört? Das läuft auf den bö­sen Com­pu­tern – muss man aber we­der als Ver­eins­funk­tio­när noch als Ver­le­ger wis­sen, da küm­mern sich die Fuß­trup­pen drum.
Wenn die Bran­che nicht in der Lage ist, sich und ihre Ge­schäfts­mo­del­le von Let­tern auf Com­pu­ter um­zu­stel­len, wenn man lie­ber in­fle­xi­bel bleibt und nach po­li­ti­schen Lö­sun­gen und da­mit Fei­gen­blät­tern für die ei­ge­ne Be­we­gungs­lo­sig­keit ruft, dann soll­te man sich nicht wun­dern, wenn man den Weg der Di­no­sau­ri­er geht. Oder den der Schrift­set­zer, su­chen Sie sich ei­nen aus. Man kann ja im­mer noch auf Kran­ken­pfle­ger oder Kin­der­gärt­ner um­schu­len. Oder Au­tor. Was? Schlecht be­zahlt? Tja, man kann halt nicht al­les ha­ben.

Eben­falls im Buch­re­port weist man wei­ter­hin auf Dampf­bla­sen der »Con­tent Al­li­an­ce« hin, der der Bör­sen­ver­ein an­ge­hört, aber auch die Mu­sik­in­du­strie. Auch hier wird nach dem Ge­setz­ge­ber und ei­nem »star­ken Ur­he­ber­recht« ge­schrien:

Kurz vor der Frank­fur­ter Buch­mes­se hat die Con­tent Al­li­anz, der auch der Bör­sen­ver­ein an­ge­hört, noch ein­mal ihre For­de­run­gen nach ei­nem star­ken Ur­he­ber­recht be­kräf­tigt. Der Schutz der Lei­stung von Krea­ti­ven vor il­le­ga­ler Nut­zung müs­se zur Chef­sa­che im Kanz­ler­amt wer­den, er­klär­te das Bünd­nis von Me­di­en- und Kul­tur­ver­bän­den.

Wenn ich das lese kommt mir ganz deut­lich ge­sagt das kal­te Kot­zen. Denn hier wird das Ur­he­ber­recht vor­ge­scho­ben, ob­wohl es tat­säch­lich um et­was ganz an­de­res geht. Das Ur­he­ber­recht – das wie der Name be­reits sagt die Ur­he­ber schützt und be­gün­stigt – ist den Ver­wer­tern tat­säch­lich völ­lig egal (und ich habe mir »scheiß­egal« ver­knif­fen). Tat­säch­lich geht es ih­nen aus­schließ­lich um die Tei­le dar­aus, die ih­nen die Ver­wer­tung (sprich: Mo­ne­ta­ri­sie­rung – ja, das sa­gen die so. Es be­deu­tet: Koh­le ma­chen) ge­schaf­fe­ner Wer­ke Drit­ter er­mög­li­chen.
Tat­säch­lich lässt man den Au­tor oder Mu­si­ker (auch der un­er­träg­li­che Gor­ny von der Mu­sik­in­du­strie hat wie­der ge­pö­belt) mit Pea­nuts am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern, wäh­rend man selbst das Geld ab­sackt, auch wenn im­mer wie­der an­de­res be­haup­tet wird.
Sprecht mal mit Au­to­ren ab­seits des Best­sel­lers, lie­be Le­ser, und fragt sie, was von den Buch­ver­käu­fen bei ih­nen an­kommt. Ich wie­der­ho­le mich und ich tue es gern, da­mit es ein­sickert: das sind Pea­nuts. Es macht sich na­tür­lich ganz pri­ma, sich als Be­schüt­zer der ar­men, ar­men Ur­he­ber zu ge­rie­ren und laut­stark zu ver­kün­den, man selbst (und das Ur­he­ber­recht) sei­en die letz­ten Schutz­wäl­le, die die Ur­he­ber vor den il­le­ga­len Nut­zun­gen be­hü­ten. Tat­säch­lich gehts auch hier wie­der nur um ihre Koh­le, um ihre Ein­nah­men. Und sie wis­sen ge­nau: ihre Zah­len über il­le­ga­le Down­loads und de­ren Scha­den sind von vor­ne bis hin­ten er­stun­ken und er­lo­gen.

Ich stim­me zu, dass das Ur­he­ber­recht drin­gend ei­ner Re­for­ma­ti­on be­darf. Es muss an die Rea­li­tä­ten der mo­der­nen Netz­welt an­ge­passt wer­den. Die irr­sin­ni­gen Schutz­fri­sten müs­sen auf ein Maß zu­recht­ge­stutzt wer­den, das kul­tu­rell und aus Sicht ei­ner Wis­sens­all­men­de sinn­voll ist, da­mit Kul­tur nicht ver­schwin­det, weil Ver­wer­ter dar­auf sit­zen und sie nicht ver­öf­fent­li­chen. Ab­mahn-Ab­zockern mit ih­ren Raub­rit­ter-Ge­schäfts­mo­del­len muss die Ge­schäfts­grund­la­ge ent­zo­gen wer­den, die Schul­kin­der kri­mi­na­li­siert und pro­fes­sio­nel­le An­bie­ter von Raub­ko­pi­en da­von kom­men lässt (weil die Bran­chen und ihre Hilfs­she­riffs zu dumm sind, die zu be­kom­men, hält man sich lie­ber an die, die sich nicht weh­ren kön­nen).

Am wich­tig­sten ist mei­ner An­sicht nach je­doch, dass die Rech­te der Ur­he­ber statt die der Ver­wer­ter ge­stärkt wer­den.  Schluss mit To­tal Buy­out, Schluss mit Kne­bel­ver­trä­gen, Schluss mit Pea­nuts und Schluss mit pau­schal ein­ge­räum­ten Rech­ten für »bis­her un­be­kann­te Nut­zungs­ar­ten«. Rech­te müs­sen nach de­fi­nier­ten Zeit­räu­men wie­der an die Ur­he­ber zu­rück fal­len. eBooks müs­sen ge­son­dert ver­gü­tet wer­den, eben­so Hör­bü­cher. Ur­he­ber müs­sen mehr Mit­spra­che­recht be­kom­men, wie ihre Wer­ke ver­wer­tet wer­den. Ur­he­ber müs­sen an­ge­mes­sen be­zahlt wer­den, egal ob Au­to­ren, Jour­na­li­sten, Fo­to­gra­fen oder Mu­si­ker. Und es muss zwi­schen den Ver­wer­terrech­ten und den Ver­brau­cher­rech­ten ab­ge­wo­gen wer­den. Denn: Ge­win­ne ste­hen nicht über Bür­ger­inter­es­sen und auch nicht über Men­schen­rech­ten.

Die Buch­bran­che zeigt durch ihre Köp­fe im­mer wie­der eine Kul­tur des Mah­nens und War­nens. Vor neu­en Tech­no­lo­gi­en, vor Mit­be­wer­bern, die im Ge­gen­satz zu ihr agil sind. Statt der un­er­träg­li­chen Mie­se­pe­te­rei soll­te man sei­ne Kräf­te dar­auf bün­deln, die Tech­no­lo­gi­en zu ver­ste­hen und zu nut­zen. Statt Ge­g­ei­fe­re ge­gen Ap­ple, Ama­zon und Goog­le soll­te man von den Ge­gen­spie­lern ler­nen. Aber viel­leicht ist das von der tief kon­ser­va­ti­ven Bran­che zu viel ver­langt.

Die Buch­mes­se ist eine Ver­an­stal­tung, auf der die Buch­bran­che sich pro­fi­lie­ren möch­te und sich selbst be­weih­räu­chert. Das soll sie mei­net­hal­ben gern tun. Nur mö­gen ihre Groß­kop­fer­ten bit­te da­von ab­se­hen, mich mit Phra­sen zu lang­wei­len, mich of­fen­sicht­lich zu be­lü­gen, oder mir zu ver­ste­hen zu ge­ben, dass sie mich für dumm hal­ten. Da­vor warnt der Holz­hau­er nach­drück­lich.

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Cory Doctorow – LITTLE BROTHER

Cover Little Brother

An­mer­kung: die­se Re­zen­si­on er­schien im April 2010 auf dem al­ten Ar­ti­kel­por­tal. Da das Buch durch die Dis­kus­si­on um Über­wa­chung und schwin­den­de Bür­ger­rech­te ak­tu­ell wie nie ist, habe ich mich ent­schlos­sen, die Re­zen­si­on hier noch­mals zu ver­öf­fent­li­chen. Und weil Jens Scholz die Ak­ti­on #op­litt­le­bro­ther aus­ge­ru­fen hat.

Ich lese ja gern und viel und gebe das of­fen zu. Es kann auch mal vor­kom­men, dass ein Ro­man so gut/span­nend/un­be­schreib­lich ist, dass ich ihn in kur­zer Zeit lese und dar­über an­de­re Din­ge ver­nach­läs­si­ge. Den­noch habe ich in den letz­ten Jah­ren fest­ge­stellt, dass mir das im­mer sel­te­ner pas­siert – auch Bü­cher, die mich wirk­lich fes­seln, tun das lan­ge nicht mehr in dem Um­fang wie frü­her. Das ist auch kein Wun­der, je mehr das Ge­hirn schon auf­ge­nom­men hat, je mehr man schon ge­le­sen hat, de­sto schwie­ri­ger wird es zum ei­nen über­rascht zu wer­den und zum an­de­ren kennt man halt der­ma­ßen vie­le Wer­ke und Ide­en, dass wirk­li­che Neue­run­gen aus­blei­ben.

Cory Doc­to­rows LITT­LE BRO­THER hat mich von den ers­ten Buch­sta­ben an völ­lig weg­ge­hau­en und ich habe mich in ei­ner Ge­schwin­dig­keit durch die­sen Ro­man ge­fräst, der mich selbst in der Nach­schau völ­lig über­rascht, denn ich hät­te nicht mehr für mög­lich ge­hal­ten, dass mich ein Ro­man noch­mal der­art fas­zi­nie­ren kann, dass ich ihn in ei­nem Rutsch in Null­zeit durch­le­se, dass es mir wirk­lich schwer fällt, ihn mal weg­zu­le­gen und dass ich dann jede Ge­le­gen­heit nut­ze, ihn so­fort wie­der in die Hand zu neh­men, um wei­ter zu le­sen.

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ARGO – exzellentes Kino

Die­se Ge­schich­te ist so ab­surd, dass sie nur wahr sein kann. Es ist eine bis­her kaum be­kann­te Ge­schich­te, die aus ei­nem nach dem Viet­nam-Krieg bis da­hin größ­ten Trau­mas er­wuchs, das die Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Aus­land er­le­ben muss­ten. 1979 stür­men ira­ni­sche De­mon­stran­ten des Aya­tol­lah-Re­gimes die Bot­schaft des ver­hass­ten Ame­ri­ka und neh­men das ver­blie­be­ne Per­so­nal als Gei­sel. Nicht das ge­sam­te Per­so­nal, denn sechs Bot­schafts­an­ge­stell­ten ge­lingt es zu ent­kom­men, die nach ei­ner kur­zen Odys­see schließ­lich von der ka­na­di­schen Bot­schaft auf­ge­nom­men wer­den. Die Ira­ner sind un­ge­stüm aber nicht dumm. Mit aber­wit­zi­gen Ak­tio­nen fin­den die ira­ni­schen Gei­sel­neh­mer schnell her­aus, dass in der ge­stürm­ten Bot­schaft sechs Di­plo­ma­ten feh­len und ge­flüch­tet sein müs­sen. Wer flüch­tet macht sich ver­däch­tigt, und Ver­däch­ti­ge sind au­to­ma­tisch Spio­ne. Und Spio­ne wer­den gna­den­los öf­fent­lich hin­ge­rich­tet.

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Fantasy Filmfest 2012: ALL COPS ARE BASTARDS als Widerruf seines Titels

Von al­len Fil­men auf dem dies­jäh­ri­gen Fan­ta­sy Film­fest dürf­te die­ser ei­ner der­je­ni­gen sein, die am we­nig­sten Fan­ta­sy sind. Am 12. Ok­to­ber fei­ert er in Deutsch­land sei­ne DVD-Pre­miè­re. Lei­der. Denn die­ser Film hät­te in Deutsch­land ei­nen Kino-Ver­lei­her mehr als ver­dient. Von al­len Fil­men auf dem dies­jäh­ri­gen Fan­ta­sy Film­fest, war die­ser ei­ner der be­ein­druckend­sten.

So­weit man weiß, ist die A.C.A.B.-Pa­ro­le eng­li­schen Ur­sprungs, die mit ih­rer Aus­sa­ge „all cops are ba­stards“ den ir­ri­gen Un­mut des Pro­le­ta­ri­ats ge­gen­über der Staats­macht pro­pa­gan­die­ren soll. Spielt aber auch kei­ne Rol­le mehr, denn der auf un­zäh­li­ge Be­ton­wän­de ge­spray­te A.C.A.B.-Schriftzug hat längst den Weg der Glo­ba­li­sie­rung ge­nom­men. Man kennt bri­ti­sche Fil­me zu­hauf, die sich mit den schmut­zi­gen, aber grim­mig ehr­li­chen Sei­ten von Hoo­li­gan-Sze­ne, Po­li­zei-Ge­walt oder So­zi­al­hil­fe­emp­fän­gern aus­ein­an­der­set­zen. AT­TACK THE BLOCK war ei­ner die­ser Fil­me, zu­dem Pu­bli­kums­lieb­ling des Film­fe­stes 2011. Der hat­te al­ler­dings Au­ßer­ir­di­sche. Die braucht A.C.A.B. nicht, der wirkt mit sei­nem ein­neh­mend schockie­ren­den Rea­lis­mus schon fremd ge­nug. Zu­dem kommt er aus ei­nem Land, das sonst auf the­ma­tisch ganz an­de­rem Ge­biet hei­misch ist. So wie der 2008 auf­se­hen­er­re­gen­de GO­MOR­RHA.

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