EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

 

Der im EU-Par­la­ment sit­zen­den Pi­ra­tin Ju­lia Reda (die dort von den mei­sten lei­der un­be­merkt im­mer wie­der groß­ar­ti­ge Ar­beit lei­stet) ha­ben wir es zu ver­dan­ken, dass eine von der EU-Kom­mis­si­on in Auf­trag ge­ge­be­ne und un­ter Ver­schluss ge­hal­te­ne Stu­die end­lich ans Ta­ges­licht kommt.

Grund für die Ge­heim­hal­tung, die jetzt durch eine An­fra­ge im Rah­men des In­for­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes be­en­det wur­de: Die Er­geb­nis­se der Stu­die pass­ten der EU-Kom­mis­si­on of­fen­bar nicht ins Kon­zept und wi­der­spre­chen der von Ver­wer­tern im­mer wie­der man­tra­ar­tig wie­der­hol­ten Aus­sa­ge, dass Pi­ra­te­rie die Um­sät­ze schmä­lert oder so­gar weg­bre­chen lässt. Zi­tat:

In ge­ne­ral, the re­sults do not show ro­bust sta­tis­ti­cal evi­dence of dis­pla­ce­ment of sa­les by on­line co­py­right in­frin­ge­ments.

Pi­kant ist dar­an, dass die EU-Kom­mis­si­on plan­te und im­mer noch plant, auf­grund an­geb­li­cher Ein­bu­ßen der Ver­wer­ter – und auf de­ren Be­trei­ben hin – die Ur­he­ber­rech­te deut­lich zu un­gun­sten der Bür­ger und Nut­zer zu ver­schär­fen oder so­gar Zen­su­rin­fra­struk­tu­ren ein­zu­füh­ren. Da kann man nach­voll­zie­hen, dass ei­nem eine sol­che Stu­die nicht in den Kram passt. Man könn­te auch sa­gen, dass ih­nen die Rea­li­tät nicht passt. Oder dass sie lie­ber wei­ter die von Lob­by­isten dik­tier­ten Ge­set­ze ver­ab­schie­den wol­len.

Denn den Ver­such, die Stu­die ge­heim zu hal­ten, hal­te ich für kacken­d­rei­ste Lob­by­po­li­tik. Da soll sich noch­mal ein EU-Po­li­ti­ker der eta­blier­ten Par­tei­en wun­dern, dass man ih­nen nicht über den Weg traut …

Das soll­te al­ler­dings ins­be­son­de­re auch all den­je­ni­gen Au­to­ren, die im­mer laut­stark über ihre ach so gro­ßen ver­meint­li­chen Ein­bu­ßen durch Pi­ra­te­rie jam­mern, zu den­ken ge­ben, weil sie schwer da­ne­ben lie­gen (wie ich es schon im­mer sag­te). Ja – es gibt Pi­ra­te­rie. Nein, ihr wür­det nicht ein Buch mehr ver­kau­fen, gäbe es sie nicht. Nein, ihr wärt ohne Raub­ko­pi­en nicht reich, egal wie oft ihr euch das auch ein­re­den mögt.

[Edit]: Im Licht die­ser Er­kennt­nis­se wird na­tür­lich auch das Ge­schäfts­mo­dell der Dienst­lei­ster, die Pi­ra­te­rie-Ge­gen­maß­nah­men ge­gen zum Teil hor­ren­de Ko­sten an­bie­ten, ziem­lich frag­wür­dig.

Mehr De­tails dazu auf netzpolitik.org, wo ich das The­ma ge­fun­den habe.

Wer die Stu­die le­sen möch­te, kann das hier tun, sie liegt als PDF-Da­tei vor (ca. 3,4 MB).

Gra­fik »Pi­ra­te­rie« von mir, CC-BY

VG-Wort Ausschüttung an Verleger: Gesetzesänderung und Lobbyismus

VG-Wort Ausschüttung an Verleger: Gesetzesänderung und Lobbyismus

Die Par­tei­en in #neu­land tun sich mit ei­ner an­ge­sichts der ge­än­der­ten Pa­ra­me­ter durch In­ter­net und Di­gi­ta­li­sie­rung drin­gend not­wen­di­gen No­vel­lie­rung des Ur­he­ber­rechts schwer. Da be­wegt sich seit Jah­ren an un­zäh­li­gen Stel­len nichts Sinn­vol­les. Wie schnell so et­was al­ler­dings ge­hen kann, wenn eine Lob­by­ver­ei­ni­gung wie der Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels laut­hals »Mimi­mi!« und or­dent­lich Druck auf die Po­li­tik macht, zeigt die Tat­sa­che, dass sich die gro­ße Ko­ali­ti­on in Re­kord­zeit auf eine Ge­set­zes­än­de­rung ge­ei­nigt hat, die Ver­la­ge wie­der an den Aus­schüt­tun­gen der VG-Wort be­tei­li­gen soll, nach­dem der BGH das bis­he­ri­ge Ver­fah­ren als rechts­wid­rig ein­ge­stuft hat. Weit vor­ne da­bei: die SPD.

Ich fin­de es ge­ra­de­zu wi­der­lich, wie sich hier Lob­by­ver­ei­ni­gun­gen Ge­set­ze auf Wunsch von der Po­li­tik zu­recht schrei­ben las­sen, zu Un­gun­sten der Ur­he­ber. An­de­re in Zei­ten ei­nes In­ter­nets und So­zia­ler Me­di­en drin­gend not­wen­di­ge Ver­bes­se­run­gen wie bei­spiels­wei­se eine Art »fair use«-Klausel, oder eine Ver­rin­ge­rung von Schutz­rechts­fri­sten, die eher den Nut­zern zu­gu­te kom­men wür­den, las­sen wei­ter auf sich war­ten, oder sind noch nicht ein­mal am Ho­ri­zont zu se­hen – weil Bür­ger kei­ne Lob­by ha­ben. Auch ist nichts da­von zu se­hen, dass die Ur­he­ber recht­lich bes­ser ge­stellt wer­den sol­len, von Hei­ko Maas’ durch­aus sinn­vol­len Än­de­run­gen des Ur­he­ber­rechts ist – eben­falls nach hef­ti­ger Lob­by­ar­beit – kaum et­was üb­rig ge­blie­ben. Schlim­mer noch: Den Si­gna­len aus Brüs­sel nach zu ur­tei­len, ste­hen uns Ur­he­ber­rechts­än­de­run­gen ins Haus, die die Nut­zer und so­gar die Ur­he­ber noch stär­ker be­nach­tei­li­gen und aus­schließ­lich den Ver­wer­tern die­nen.

Bei den der­zei­ti­gen po­li­ti­schen Kon­stel­la­tio­nen sehe ich al­ler­dings kaum Hoff­nung, dass sich das al­les in ab­seh­ba­rer Zeit zum Bes­se­ren än­dern wird.

[Up­date 19.12.2016:] Das dem Eu­ro­pa­recht wi­der­spre­chen­de Ge­setz wur­de tat­säch­lich im Eil­ver­fah­ren durch­ge­wun­ken:

Die am Diens­tag von CDU, CSU und SPD an­kün­di­gungs­los vor­ge­leg­te Er­wei­te­rung der ge­plan­ten Re­form des Ur­he­ber­ver­trags­rechts um »Fra­gen der Ver­le­ger­be­tei­li­gung« pas­sier­te in­ner­halb von vier Ta­gen prak­tisch ohne Me­di­en­öf­fent­lich­keit den Aus­schuss für Kul­tur- und Me­di­en (Son­der­sit­zung am Diens­tag), den Rechts­aus­schuss (Mitt­woch) das Bun­des­tags­ple­num (Don­ners­tag­nacht) und den ein­spruchs­be­rech­tig­ten Bun­des­rat (Frei­tag). (Te­le­po­lis)

Bild: Buch Co­py­right StockUn­li­mi­ted

Warner Music, Copyright-Trolle und Lobbyhuren

Warner Music, Copyright-Trolle und Lobbyhuren

Ich habe auf You­tube seit 2013 ein Vi­deo von der In­ter­mo­dell­bau, das Mi­nia­tur-Dampf­ma­schi­nen zeigt. Hin­ter­legt hat­te ich den Clip mit Rag­time-Mu­sik aus der Pu­blic Do­main-Samm­lung von freemusicarchive.org. Die ver­wen­de­ten Da­tei­en sind Ori­gi­nal­auf­nah­men aus den frü­hen Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts (un­ge­fähr 1900 bis 1916) und selbst­ver­ständ­lich sind alle Ur­he­ber schon so lan­ge tot, dass sämt­li­che Rech­te er­lo­schen sind.

Das hin­dert na­tür­lich die Al­go­rith­men der Co­py­right-Trol­le nicht dar­an, die be­kann­te­ren der ver­wen­de­ten Mu­sik­stücke als ge­klaut zu flag­gen, ins­be­son­de­re Gershwins Chi­ne­se Blues oder Scott Jo­p­lins Map­le Leaf Rag (aus dem Jahr 1899!). An sich schon eine Un­ver­schämt­heit (ins­be­son­de­re da im Ab­spann des Vi­deo die Quel­len ein­deu­tig ge­nannt sind, das hat al­ler­dings lo­gi­scher­wei­se we­der die Au­to­ma­tis­men von War­ner noch die von You­tube ge­juckt), aber nor­ma­ler­wei­se soll­te ein Claim da­mit aus der Welt sein, dass man You­tube die Quel­le nennt. Im Fal­le von Koch Me­dia war das auch so (da hat sich das of­fen­bar tat­säch­lich je­mand an­ge­se­hen), aber War­ner Mu­sic trieb das Spiel bei Ge­or­ge Gershwin auf die Spit­ze, in­dem mein Ein­spruch als nicht va­li­de ab­ge­schmet­tert wur­de. Da blieb mir schon die Spucke weg, denn of­fen­sicht­lich hat­te sich das beim Mu­sik­mul­ti nie­mand in­halt­lich an­ge­se­hen – denn dann wäre so­fort klar ge­we­sen, dass das al­les kom­plet­ter Bull­shit ist.

Wenn man dann noch­mal wi­der­spre­chen möch­te, weist You­tube ei­nen dann auch mit dra­ma­ti­schen Wor­ten dar­auf hin, dass ein wei­te­rer Ein­spruch dra­sti­sche recht­li­che Kon­se­quen­zen ha­ben kann, es wird also eine Droh­ku­lis­se auf­ge­baut, die mög­li­cher­wei­se Ängst­li­che­re dazu ver­füh­ren kann, ihre An­sprü­che auf­zu­ge­ben und den Co­py­right-Trol­len von War­ner und Co. das Feld zu über­las­sen. Nicht mit mir, also noch ei­nen Ein­spruch ein­ge­reicht und noch­mal die­sel­ben Hin­wei­se wie beim er­sten hin­ter­las­sen.

Dann pas­sier­te lan­ge nichts und nach 30 Ta­gen kam die Mel­dung von You­tube, dass bei War­ner nie­mand auf den Ein­spruch re­agiert habe und der Fall nun ge­schlos­sen sei. Neu­es von Cap­tain Ob­vious, denn selbst wenn sich das ir­gend­ein Er­fül­lungs­ge­hil­fe bei War­ner an­ge­se­hen ha­ben soll­te, was ich nicht glau­be, wäre so­fort klar ge­we­sen, dass der Claim, der so­fort dazu führ­te, dass sämt­li­che Mo­ne­ta­ri­sie­rung des Vi­de­os so­fort an War­ner geht, völ­lig für die Füße ist.

Ver­damm­te Co­py­right-Trol­le. Ich habe kurz dar­über nach­ge­dacht, War­ner Mu­sic Deutsch­land we­gen Be­trugs an­zu­zei­gen, habe es dann aber ge­las­sen, weil ich mir das dar­aus re­sul­tie­ren­de Ge­ner­ve nicht an­tun woll­te, und weil ver­mut­lich eh nie­mand er­mit­telt hät­te, da die Ein­nah­men aus der Vi­deo-Mo­ne­ta­ri­sie­rung schlicht­weg Pea­nuts sind.

Wie dumm die von Con­tent­ma­fia (Mu­sik, Film, egal) ver­wen­de­ten Ver­fah­ren tat­säch­lich da­her kom­men, zeigt der Be­richt dar­über, dass sie ihre ei­ge­nen Sei­ten oder so­gar Shop­sei­ten Ama­zons, auf de­nen sie selbst ihre Fil­me ver­kau­fen, als Ur­he­ber­rechts­ver­stö­ße bei Goog­le mel­den. Man darf an die­ser Stel­le dar­über spe­ku­lie­ren, wie­vie­le völ­lig le­ga­le Goog­le-Such­ergeb­nis­se auf­grund un­be­rech­tig­ter An­sprü­che sei­tens ir­gend­wel­cher Rech­te­inha­ber-Voll­idio­ten ge­sperrt wer­den.

Auch hier ge­hört das Ur­he­ber­recht drin­gend zu­gun­sten der Ur­he­ber und Nut­zer re­for­miert, da­mit nicht Co­py­right-Trol­le in gro­ßen Massen Claims ins Netz bom­ben dür­fen, son­dern bei fal­schen An­schul­di­gun­gen und Miß­brauch des Ur­he­ber­rechts (das nach Ver­ga­be von Li­zen­zen »Ver­wer­terrecht« hei­ßen soll­te) auch Kon­se­quen­zen zu tra­gen ha­ben. Das wür­de die au­to­ma­ti­sier­ten Trol­lerei­en er­heb­lich ver­rin­gern.

Ich gehe aber da­von aus, dass in der Hin­sicht dank un­se­rer lob­by­lut­schen­den Po­li­tik nichts pas­sie­ren wird. Der ge­le­ak­te Ent­wurf des »re­for­mier­ten« Ur­he­ber­rechts der EU-Kom­mis­si­on und des in mei­nen Au­gen mehr als pein­li­chen In­ter­net-Kom­mis­sars Oet­tin­ger (wenn man ir­gend­wel­che Vö­gel in der deut­schen Po­li­tik nicht mehr brau­chen kann, wer­den sie nach Brüs­sel ab­ge­scho­ben, um dort Un­heil an­zu­rich­ten) zeigt ja ein­deu­tig, dass der Ver­wert­er­ma­fia al­les in den Hin­tern ge­scho­ben wer­den soll, und man die In­ter­es­sen und Rech­te der Ur­he­ber und Nut­zer er­neut mit Fü­ßen tritt. Tei­le des Ge­set­zes le­sen sich, als sei­en sie von den Con­ten­t­an­bie­tern dik­tiert wor­den, und ver­mut­lich war das auch so.

Wenn die­se Ge­set­ze so durch­kom­men, wird Raub­ko­pie­ren zu zi­vi­lem Un­ge­hor­sam.

epubli und das Urheberrecht: Keinerlei Reaktion

epubli und das Urheberrecht: Keinerlei Reaktion

Screenshot Google Books

Vor ein paar Ta­gen hat­te ich dar­über be­rich­tet, wie epu­bli über meh­re­re Jah­re ein eBook der Au­to­rin Anja Ba­gus  ver­trie­ben hat, ob­wohl der Ver­trag rechts­gül­tig ge­kün­digt wor­den war, und die ei­ge­nen AGB ein­deu­tig aus­sag­ten, dass Bü­cher dar­auf­hin in­ner­halb von fünf Ta­gen von Part­ner­platt­for­men ent­fernt wer­den müs­sen. Ich hat­te dar­auf­hin eine An­fra­ge per Email bei epu­bli ge­stellt. Die ist auch an­ge­kom­men, wie mir eine Au­to­re­spon­der-Mail ein­deu­tig zeig­te. Aber wie be­reits er­war­tet, er­hielt ich auf mei­ne An­fra­ge kei­ner­lei Ant­wort, der An­bie­ter hüllt sich in Schwei­gen.

autoresponder

Üb­ri­gens er­hielt auch die Au­to­rin auf ihre Fra­gen be­züg­lich even­tu­ell ab­ge­setz­ter Ex­em­pla­re und an­de­rer The­men kei­ner­lei Ant­wort. Und das ist schon eine Un­ver­schämt­heit be­son­de­ren Ge­schmacks. Er­neut muss man sich fra­gen, ob man bei der Holtz­brinck-Toch­ter der An­sicht ist, dass das Ur­he­ber­recht nur für an­de­re gilt.

Jetzt wird ver­mut­lich auch kei­ne Ant­wort mehr kom­men, denn selbst­ver­ständ­lich wur­de auf­grund der kom­plett aus­blei­ben­den Re­ak­ti­on ein An­walt ein­ge­schal­tet, des­we­gen wird epu­bli In­for­ma­tio­nen mit Hin­weis auf ein lau­fen­des Ver­fah­ren ab­leh­nen.

Auf Face­book ent­schul­dig­te man sich, al­ler­dings erst eine Wo­che nach der An­fra­ge per Mail:

Lie­be Anja, wir ha­ben Dei­ne Nach­richt und auch die Bei­trä­ge hier ge­se­hen. Wir ver­ste­hen Dei­nen Är­ger und Dei­ne Ir­ri­ta­ti­on. Un­ser Au­to­ren-Team prüft, was pas­siert ist und setzt sich mit Dir in Ver­bin­dung. So lan­ge kön­nen wir nur sa­gen: Es tut uns sehr Leid und wir bit­ten um Ent­schul­di­gung!

Das ist na­tür­lich nichts an­de­res als lä­cher­lich. Ob ein er­tapp­ter Buch­pi­rat bei Holtz­brinck auf Nach­sicht hof­fen darf, wenn er sich la­pi­dar ent­schul­digt? Ver­mut­lich eher nicht.

Bei Goog­le books ist der Ro­man üb­ri­gens nach wie vor un­ter der Fir­mie­rung »epu­bli GmbH« zu fin­den. Sie­he Bild­schirm­fo­to.

 

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

CopyrightIn mei­nen Au­gen ist es ge­ra­de­zu wi­der­wär­tig zu nen­nen, wie der Bör­sen­ver­ein sich über die Stär­kung der Rech­te des Ur­he­bers in ei­nem Ent­wurf des Ur­he­ber­rechts echauf­fiert. Bis­her sind die Ver­wer­ter deut­lich im Vor­teil, was Rech­te an­geht und kön­nen den Ur­he­bern Kne­bel­ver­trä­ge dik­tie­ren, bei­spiels­wei­se was Lauf­zei­ten an­geht. Das führt un­ter an­de­rem dazu, dass Bü­cher in der Ver­sen­kung ver­schwin­den, weil sie nicht nach­pro­du­ziert wer­den, der Ver­lag aber auch die Rech­te nicht frei­gibt, da­mit die­se an den Au­tor zu­rück­fal­len kön­nen. Völ­lig gro­tesk wird die Lage bei eBooks: Wenn die Ver­trags­klau­sel bei Print­bü­chern noch lau­tet, dass die Rech­te an den Au­tor zu­rück­fal­len, wenn das Buch eine ge­wis­se Zeit lang nicht er­hält­lich war, ist das bei eBooks qua­si nie so, der Ur­he­ber wird die Rech­te also nie zu­rück er­hal­ten.

In der No­vel­lie­rung des Ur­he­ber­rechts soll die­se Zeit auf fünf Jah­re be­grenzt wer­den. Wenn ein an­de­rer An­bie­ter dann für die Rech­te mehr be­zahlt, darf der Au­tor die­se zu­rück­for­dern und an den neu­en An­bie­ter ver­ge­ben.

Mat­thi­as Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger-Aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins, äu­ßert sich kri­tisch. Un­ter an­de­rem dar­über, dass sich ein Buch in fünf Jah­ren noch nicht amor­ti­siert ha­ben könn­te.

Der Ge­setz­ent­wurf des BMJV sieht un­ter an­de­rem vor, dass Au­to­ren ihre Ver­lags­ver­trä­ge nach fünf Jah­ren durch Rück­ruf be­en­den kön­nen. Dazu sol­len sie be­rech­tigt sein, wenn ih­nen ein Ver­wer­ter, der an den In­ve­sti­tio­nen des Ur­sprungs­ver­lags in das Werk und an des­sen wirt­schaft­li­chem Ri­si­ko nicht be­tei­ligt war, für die Wei­ter­nut­zung z.B. ei­nen ho­hen Vor­schuss bie­tet. Der ur­sprüng­li­che Ver­trags­part­ner hat dann le­dig­lich eine Art Vor­kaufs­recht. Das gilt auch dann, wenn er sich auf­grund noch nicht amor­ti­sier­ter In­ve­sti­tio­nen in das Werk ge­gen­über dem neu­en Bie­ter in ei­ner rui­nö­sen Wett­be­werbs­si­tua­ti­on be­fin­det. [Quel­le]

Darf ich mal la­chen? Die mei­ste Mas­sen­wa­re ab­seits von Best­sel­lern ist doch nach fünf Jah­ren nur noch in der Back­list zu fin­den, wenn man viel Glück hat. Die wur­de in­zwi­schen schon lan­ge auf dem Re­mit­ten­den-Grab­bel­tisch ver­ramscht. Bei Best­sel­lern sieht die Sa­che na­tür­lich deut­lich an­ders aus, aber bei de­nen hat man dann si­cher­lich be­reits ge­nug Um­satz ge­macht, dass sich die Sa­che für Ver­lag (und viel­leicht so­gar Au­tor) lohn­te.

Die Lö­sung ist ei­gent­lich ein­fach: Zu­frie­de­ne Au­to­ren blei­ben beim Ver­lag. Wenn man die­se also nicht am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern lässt und fair be­han­delt, dann wer­den die­se si­cher­lich wei­ter mit dem Ver­lag ar­bei­ten, der sie er­folg­reich ge­macht hat. Macht ein an­de­rer Ver­lag ein deut­lich bes­se­res An­ge­bot, dann ist das Werk of­fen­sicht­lich auch deut­lich mehr wert, als der er­ste Ver­trags­part­ner zah­len möch­te. Ei­gent­lich sind das in ei­ner Markt­wirt­schaft völ­lig nor­ma­le Vor­gän­ge, aber wenn man sein Haupt se­lig auf dem wei­chen Kis­sen der Buch­preis­bin­dung bet­ten kann, mag ei­nem das mög­li­cher­wei­se nicht klar sein. Ein wei­te­rer Grund dürf­te sein, dass et­li­che Ver­le­ger (und an­de­re Mit­spie­ler in der Buch­bran­che) im­mer noch nicht ver­stan­den ha­ben, oder die Au­gen da­vor ver­schlie­ßen, dass wir nicht mehr in den 1980ern le­ben.

Der Ver­weis auf Klein­ver­la­ge zieht in mei­nen Au­gen nicht, da die­se nach mei­nen Er­fah­run­gen den Au­to­ren oh­ne­hin bes­se­re und fai­re­re Kon­di­tio­nen bie­ten, als gro­ße Pu­bli­kums­ver­la­ge. Die klei­nen agie­ren mit den Ur­he­bern auf Au­gen­hö­he, statt vom ho­hen Ross her­ab.

Es dürf­te aber klar sein, dass der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels sei­ne ge­sam­te Lob­by­macht in die Wag­scha­le wer­fen wird, um au­to­ren­freund­li­che und seit Jah­ren über­fäl­li­ge Ver­bes­se­run­gen der Ge­set­zes­la­ge zu­gun­sten der Ur­he­ber zu ver­hin­dern. Die Mu­sik­in­du­strie wird das eben­falls tun. Es soll­te also kei­nen wun­dern, wenn am Ende auf­grund die­ser Lob­by­ein­flüs­se ein Ge­setz her­aus­kommt, das die Ur­he­ber noch schlech­ter stellt, als es jetzt be­reits der Fall ist.

Die Ver­wer­ter sind ex­akt das: Ver­wer­ter. Sie schaf­fen selbst nichts Krea­ti­ves, sie ver­kau­fen aus­schließ­lich das Werk Drit­ter, der ei­gent­li­chen Ur­he­ber. Und ich wie­der­ho­le mich: De­ren Rech­te müs­sen im Rah­men ei­ner Ur­he­ber­rechts­no­vel­le deut­lich ge­stärkt wer­den. Die ak­tu­el­len Ver­wer­terrech­te sind viel zu um­fang­reich, zu aus­ufernd, sie be­nach­tei­li­gen die Werk­schaf­fen­den. Und wenn die Ver­wer­ter von »Ur­he­ber­rech­ten« spre­chen, wenn sie ge­gen an­geb­li­che Raub­ko­pi­en wet­tern, dann mei­nen sie die­se nicht tat­säch­lich, son­dern aus­schließ­lich ihre Ver­wer­terrech­te.

Wir brau­chen aber mehr Rech­te für die Ur­he­ber. Drin­gend. Ge­set­ze müs­sen zu­erst dem Bür­ger die­nen, nicht ir­gend­wel­chen Fir­men­in­ter­es­sen.

Bild »Co­py­right« von Pixabay, CC0, Pu­blic Do­main

Börsenverein vergrätzt: doofes Urheberrecht ist doof

Börsenverein vergrätzt: doofes Urheberrecht ist doof

eBook-ParagraphJaja, der Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels, so ist er. Im­mer ganz weit vor­ne da­bei, wenn es ge­gen an­geb­li­che Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen Drit­ter geht (und meint da­bei tat­säch­lich nicht die Rech­te der Ur­he­ber, son­dern der Ver­wer­ter). Da wird ge­gen Raub­mord­ter­ror­ko­pie­rer ge­wet­tert, dass ei­nem die Oh­ren schlackern. Nur selbst sieht man das mit dem Ur­he­ber­rechts of­fen­sicht­lich nicht so eng.

Der On­line­händ­ler buch.de hat­te Re­zen­sio­nen aus der FAZ ganz oder teil­wei­se ab­ge­druckt, die Zei­tung war da­ge­gen ge­richt­lich vor­ge­gan­gen. Nun hät­te man an­neh­men kön­nen, dass der Fall ein­deu­tig ist: das Ur­he­ber­recht liegt beim Au­to­ren, das Ver­wer­tungs­recht (ver­mut­lich via to­tal buy­out des Ur­he­bers, wie in der Zei­tungs­bran­che üb­lich) liegt bei der FAZ. Doch beim Bran­chen­ver­band sah man das an­ders. Ein Ge­richts­ur­teil trieb dem Bör­sen­ver­ein (mir ge­gen­über ha­ben Au­to­ren neu­lich ge­äu­ßert, dass man ihn spa­ßes­hal­ber in­zwi­schen auch den »Bö­sen­ver­ein« nennt) sei­ne Flau­sen aus. Das Ur­teil ist ein­deu­tig – und auf der Web­sei­te des Bör­sen­blat­tes zeigt man sich ob des nicht un­er­war­te­ten Er­geb­nis­ses (Ur­he­ber­rechts­ver­stoß, Ord­nungs­gel­des in Höhe von 250000 Euro, al­ter­na­tiv Haft) mau­lig. Denn:

Be­dau­er­lich ist, dass das sym­bio­ti­sche Mit­ein­an­der von Buch- und Pres­se­ver­la­gen bei der Ver­wen­dung von Re­zen­sio­nen nach die­sem Ur­teil fak­tisch auf­ge­kün­digt ist.

Ach so. Was sie an­ders­wo als (Sar­kas­mus on) un­er­träg­li­ches, ge­ra­de­zu to­des­wür­di­ges Ver­bre­chen ver­dam­men (Sar­kas­mus off) – näm­lich das nicht­li­zen­sier­te Ko­pie­ren von In­hal­ten – ist wenn es ihre Mit­glie­der tun auf ein­mal ein »sym­bio­ti­sches Mit­ein­an­der«. Ich kom­me aus dem La­chen heu­te gar nicht mehr raus …

Be­son­ders in­ter­es­sant fin­de ich die Ar­gu­men­ta­ti­on der Bör­sen­ver­eins–Rechts­ver­dre­her-Ju­ri­sten:

[…] Im Üb­ri­gen ent­spre­che die Ver­wen­dung von Re­zen­si­ons­aus­zü­gen und Re­zen­sio­nen – un­ab­hän­gig von ih­rer prin­zi­pi­el­len ur­he­ber­recht­li­chen Schutz­wür­dig­keit – ei­ner »lang­jäh­ri­gen, bis­her von al­len Be­tei­lig­ten ak­zep­tier­ten oder zu­min­dest ge­dul­de­ten und in­fol­ge­des­sen zum Ge­wohn­heits­recht er­stark­ten Bran­chen­übung.«[…]

Ver­ste­he. Weil man das seit Jahr­zehn­ten so hand­habt, ist es also qua­si gott­ge­ge­be­nes Recht. Na denn, ich ko­pie­re auch schon mein gan­zes Le­ben Din­ge …

Creative Commons License

Bild von mir, CC BY-NC-SA

Börsenverein und Verleger entsetzt: Urheberrecht gilt auch für sie

Börsenverein und Verleger entsetzt: Urheberrecht gilt auch für sie

eBook-ParagraphDer Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels und zahl­lo­se sei­ner Mit­glie­der ge­rie­ren sich im­mer wie­der gern mal als die Hü­ter des Ur­he­ber­rechts – auch wenn je­der Per­son mit ei­nem IQ ober­halb der Raum­tem­pe­ra­tur klar sein soll­te, dass sie in Wirk­lich­keit die Ver­wer­terrech­te mei­nen und die Ur­he­ber­rech­te für sie höch­stens drittran­gig sind.

Dass ich mit die­ser An­nah­me ver­mut­lich rich­tig lie­ge, zeigt die Re­ak­ti­on auf eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes, das der Ver­lag Carl Han­ser be­mü­hen woll­te, um die ei­ge­nen Pfrün­de ge­gen­über den recht­mä­ßi­gen For­de­run­gen von Über­set­zern zu si­chern. Be­reits mehr­fach hat­te der Bun­des­ge­richts­hof be­stä­tigt, dass Über­set­zer nach­träg­lich ge­richt­lich prü­fen las­sen kön­nen, ob ihre Ver­gü­tung an­ge­mes­sen ist, um ge­ge­be­nen­falls Nach­for­de­run­gen zu stel­len.

Han­ser ge­fiel es of­fen­bar nicht, dass man die Über­set­zer an­ge­mes­sen an Ge­win­nen be­tei­li­gen muss. Ist ja auch eine Un­ver­schämt­heit, wol­len die ein­fach so Geld für ihre Ar­beit. Wo kom­men wir denn da hin? Um nicht zah­len zu müs­sen, leg­te man, un­ter­stützt vom Bör­sen­ver­ein, zwei Ver­fas­sungs­be­schwer­den ein, zum ei­nen ge­gen die Ur­tei­le des BGH, zum an­de­ren ge­gen das Ur­he­ber­rechts­ge­setz. Man muss sich das auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen: Ver­fas­sungs­be­schwer­den zum Zwecke der Ge­winn­op­ti­mie­rung und um den Über­set­zern ih­nen zu­ste­hen­de Zah­lun­gen vor­zu­ent­hal­ten.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat jetzt bei­de Be­schwer­den zu­rück­ge­wie­sen – der Ju­sti­zi­ar des Bör­sen­ver­ein äu­ßert sich »ent­täuscht«.

Ur­he­ber­rechts­ge­set­ze gel­ten of­fen­bar im Selbst­ver­ständ­nis des Bör­sen­ver­eins wie­der ein­mal nur für »die an­de­ren«, nicht für die­sen und sei­ne Mit­glie­der. Die mei­ner An­sicht nach mi­se­ra­bel ent­lohn­ten Über­set­zer dürf­te das Ur­teil freu­en. Mit Recht.

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Bild: eBook-Pa­ra­graph von mir, CC BY-NC-SA

USA: »Six Strikes« und die hässlichen Folgen

Auch in Deutsch­land träu­men man­che re­ak­tio­nä­ren Kräf­te in den üb­li­chen Par­tei­en be­kann­ter­ma­ßen laut­stark über ir­gend­wel­che »strikes«-Modelle. Als pure Men­schen­freund­lich­keit soll das Sy­stem ver­kauft wer­den, bei dem ei­nem In­ter­net­nut­zer nach meh­re­ren (es wer­den hier­zu­lan­de drei be­vor­zugt) Ur­he­ber­rechts­ver­stö­ßen das Grund­recht auf Netz­zu­gang ent­zo­gen wer­den soll. Auch in den USA hat die Lob­by eine ähn­li­che Re­ge­lung durch­ge­drückt und die Er­geb­nis­se lass­sen sich se­hen:

Ak­tu­ell wer­den die Nut­zer dort nach dem In­kraft­tre­ten ei­ner »six strikes«-Regelung ge­ra­de­zu mit DMCA (Di­gi­tal Mil­le­ni­um Co­py­right Act) »ta­ke­down no­ti­ces« über­zo­gen. Eine Fir­ma na­mens dtect­net ver­schickt of­fen­bar Strikes für al­les mög­li­che, was an­geb­lich ir­gend­ei­nen Ver­stoß ge­gen ir­gend­wel­che Co­py­rights dar­stellt. Da­bei gibt es dem Au­gen­schein nach ver­blüf­fen­de Aus­wüch­se durch ein au­to­ma­ti­sier­tes Sy­stem, denn et­li­che der Claims sind völ­lig halt­los. Was na­tür­lich nichts dar­an än­dert, dass der »Strike« aus­ge­spro­chen wur­de.

Da­vid Suther­land bie­tet über Me­dia­fire Mods für das MMO GUILD WARS 2 an und der hat fol­gen­de Mit­tei­lung er­hal­ten (kom­plet­ter In­halt auf Tech­dirt):

Dear Me­dia­Fire User:

Me­dia­Fire has re­cei­ved no­ti­fi­ca­ti­on un­der the pro­vi­si­ons of the Di­gi­tal Mill­en­ni­um Co­py­right Act (»DMCA«) that your usa­ge of a file is al­le­gedly in­frin­ging on the file creator’s co­py­right pro­tec­tion.

As a re­sult of this no­ti­ce, pur­suant to Sec­tion 512©(1)© of the DMCA, we have sus­pen­ded ac­cess to the file.

The re­a­son for sus­pen­si­on was:

ATE: 22 Fe­bru­ary 2013­De­ar Sir/Madam:Please be ad­vi­sed that NBC Uni­ver­sal and/or its sub­si­di­a­ry and affi­lia­ted companies(collectively, NBC Uni­ver­sal) are the ow­ners of in­tel­lec­tu­al pro­per­ty rights in nu­me­rou­s­te­le­vi­si­on shows and mo­ti­on pic­tures. NBC Uni­ver­sal di­li­gent­ly en­forces such in­tel­lec­tu­al­pro­per­ty rights.mediafire.com is and has been in­frin­ging NBC Universal’s in­tel­lec­tu­al pro­per­ty rights in­nu­me­rous pro­per­ties in­clu­ding, but not li­mi­ted to, the title(s) li­sted at the bot­tom of­t­his let­ter. By way of examp­le, we are pro­vi­ding with this let­ter a non-ex­haus­ti­ve li­stof un­aut­ho­ri­zed co­pies of NBC Uni­ver­sal pro­per­ties ho­sted on mediafire.com, along with theURL cor­re­spon­ding to each li­sted in­frin­ging file. NBC Uni­ver­sal de­man­ds that mediafire.comimmediately re­mo­ve or other­wi­se dis­able ac­cess to the vi­deo files iden­ti­fied in this­let­ter, and cea­se and de­sist from any fur­t­her in­frin­ge­ment of NBC Uni­ver­sal properties.The un­der­si­gned has a good faith be­lief that mediafire.com’s use of NBC Uni­ver­sal pro­pert­yas re­fe­ren­ced her­ein in­frin­ges NBC Universal’s rights and is not aut­ho­ri­zed by NBCUni­ver­sal, its agent or the law. The in­for­ma­ti­on con­tai­ned in this no­ti­fi­ca­ti­on isac­cu­ra­te. Un­der pe­nal­ty of per­ju­ry, the un­der­si­gned is aut­ho­ri­zed to act on be­half of NBCUni­ver­sal with re­spect to this matter.Please be ad­vi­sed that this let­ter is not a com­ple­te state­ment of the facts or law as it­may per­tain to this mat­ter, or of NBC Universal’s po­si­ti­ons, rights or re­me­di­es, le­gal ore­qui­ta­ble, all of which are spe­ci­fi­cal­ly re­ser­ved.

Wir stel­len fest: die DMCA-No­ti­ce durch NBC Uni­ver­sal ist kom­plett da­ne­ben, denn die ha­ben mit dem Spiel GUILD WARS 2 nicht das ge­ring­ste zu tun, das ist von Aren­aNet und wird von NC­Soft ver­trie­ben.

Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass es ab so­fort hau­fen­wei­se sol­che fal­schen »Strikes« ge­gen In­ter­net­nut­zer ge­ben wird, die File­sha­ring-Dien­ste ver­wen­den. Frei nach dem Mot­to: »wir ma­chen das ein­fach mal, die kön­nen ja ver­su­chen, sich da­ge­gen zu weh­ren.« Na­tür­lich wird man sich auf »tech­ni­sche Pro­ble­me« und »Ver­se­hen« be­ru­fen, aber es dürf­te klar sein, dass dies mit auch vol­ler Ab­sicht in Kauf ge­nom­men wird. Pri­ma auch für die Fir­men, dass man sol­che DMCA Ta­ke­downs of­fen­bar ver­schicken kann, ohne nach­wei­sen zu müs­sen, dass es tat­säch­lich ei­nen Ur­he­ber­rechts­ver­stoß gibt. Das er­in­nert an Ab­mahn­ab­zocker hier­zu­lan­de, die gern mal auf­grund von Bil­dern ab­mah­nen, bei de­nen sich her­aus stellt, dass sie die Rech­te gar nicht be­sit­zen, oder erst nach­träg­lich er­wor­ben ha­ben. Man bleibt dann aber den­noch üb­li­cher­wei­se auf den Ko­sten für den Rechts­an­walt sit­zen, um die­se fal­schen Ab­mah­nun­gen ab­zu­weh­ren – denn da­für müss­te man vor Ge­richt zie­hen.

Und es ist ein Vor­ge­schmack dar­auf, was hier­zu­lan­de ge­sche­hen wird, soll­ten die Volks­ver­tre­ter Volks­ver­rä­ter in den Par­tei­en er­neut vor den Lob­bies ein­knicken und auch bei uns solch ein »Strikes«-System ein­füh­ren. Miß­brauch wäre ver­mut­lich Tür und Tor ge­öff­net – es ge­win­nen die mit den dicken Rechts­ab­tei­lun­gen.

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Quel­le: Tech­dirt

Kommentar: Expertentagung Verlagsrecht 2015 in der Filterbubble?

Das Bör­sen­blatt weist in sei­ner On­line­fas­sung auf eine Ver­an­stal­tung der »Aka­de­mie des deut­schen Buch­han­dels« hin, die »Ex­per­ten­ta­gung Me­di­en­recht: Ver­lags­recht 2015«. Da­bei han­delt es sich nach Aus­sa­gen des Ar­ti­kels um eine Ta­gung, die sich an »Ge­schäfts­füh­rer und Ju­ri­sten von Me­di­en­un­ter­neh­men, Ver­lags­lei­ter, Mit­ar­bei­ter von Li­zenz­ab­tei­lun­gen und An­wäl­te« rich­tet. Da­bei soll es nicht nur um Fra­gen wie den nach ei­nem EuGH-Ur­teil von An­fang Juli zu er­war­ten­den Ge­braucht­ver­kauf von eBooks, so­wie die Buch­preis­bin­dung auf elek­tro­ni­sche Bü­cher ge­hen, son­dern auch dar­um »wie Text­aus­schnit­te und Re­zen­sio­nen zu­künf­tig ge­schützt […] wer­den kön­nen«.

Na­tür­lich kann man da­von aus­ge­hen, dass das eine buch­bran­chen­in­ter­ne Ver­an­stal­tung ist und al­lein das führt be­reits zu ei­ner ein­ge­schränk­ten Sicht. Dem The­ma »mas­sen­haf­te Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen im Web« dürf­te sich wahr­schein­lich wie üb­lich ge­nä­hert wer­den: kun­den­feind­li­che DRM-Maß­nah­men sind das A und O.

War­um ich per­sön­lich die Ver­an­stal­tung nicht ernst neh­men kann und wor­über ich laut ge­lacht habe ist al­ler­dings die fol­gen­de Aus­sa­ge im Ar­ti­kel, die eine An­kün­di­gung der Ver­an­stal­ter wie­der gibt:

Das Ur­he­ber- und Ver­lags­recht wird seit Jah­ren in be­acht­li­cher Ge­schwin­dig­keit an Di­gi­ta­li­sie­rung und On­line-Nut­zun­gen an­ge­passt

Wer an­ge­sichts die­ses Sat­zes nicht in schal­len­des Ge­läch­ter au­b­richt, der lebt mei­ner un­maß­geb­li­chen Mei­nung nach in ei­ner Fil­ter­bub­b­le oder so­gar in ei­ner äu­ßerst sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung. Denn tat­säch­lich hinkt ge­ra­de die Ge­setz­ge­bung in Sa­chen Ur­he­ber­recht fast al­len Fäl­len, die mit dem Web zu tun ha­ben, der Rea­li­tät Jah­re, wenn nicht Jahr­zehn­te hin­ter­her. Dank in­ten­si­ver Lob­by­ar­beit än­dert die Po­li­tik Ge­set­ze so­gar nach wie vor zu Un­gun­sten der Bür­ger und ent­ge­gen al­lem ge­sun­den Men­schen­ver­stand. Über die fos­si­le Buch­preis­bin­dung ge­ra­de auf eBooks noch gar nicht ge­spro­chen.

Wer an­ge­sichts des­sen den obi­gen Satz ab­son­dert, dass die Ge­set­ze »in be­acht­li­cher Ge­schwin­dig­keit« an­ge­passt wer­den, hat ent­we­der mas­si­ve Rea­li­täts­ver­lu­ste oder äu­ßert die­se fal­sche Aus­sa­ge viel­leicht so­gar vor­sätz­lich. Wo­her die Ver­an­stal­ter kom­men, zeigt sich ja al­lein dar­an, dass auch hier off­fen­bar über­legt wer­den soll, wie man Text­s­nip­pets (»Text­aus­schnit­te«) schüt­zen und da­mit das Zi­tat­recht um­ge­hen kann. Soll hier etwa ein Lei­stungs­schutz­recht ähn­lich dem für Ver­le­ger ge­schaf­fen wer­den?

Sieht man sich an, wer or­ga­ni­siert und wer Vor­trä­ge hält: na­he­zu aus­schließ­lich Rechts­an­wäl­te oder selbst­er­nann­te Hilfs­she­riffs wie die »Ge­sell­schaft zur Ver­fol­gung von Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen« (GVU), dann wun­dert ei­nen ei­gent­lich nichts mehr …

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Bild »iPad mit @« von mir, CC BY-NC-SA

Warum ACTA gefährlich und bürgerfeindlich ist

Deutsch syn­chro­ni­sier­te Fas­sung.

Es kann nicht an­ge­hen, dass welt­wei­te Pro­te­ste es schaf­fen, SOPA und PIPA in den USA zu stop­pen, aber ACTA von bür­ger­fer­nen und de­mo­kra­tisch nicht kon­trol­lier­ten Lob­byhu­ren in Brüs­sel durch­ge­wun­ken wer­den kann.

Edit: so­gar Spie­gel On­line steht ACTA äu­ßerst kri­tisch ge­gen­über.

Hier der Text:

Schon der Name führt in die Irre. Die ei­gent­li­che In­ten­ti­on von ACTA ist es, Im­ma­te­ri­al­gü­ter­rech­te zu be­schüt­zen. Als Han­dels­ab­kom­men wur­de es dazu ent­wickelt, Pro­dukt- und Mar­ken­pi­ra­te­rie so­wie ge­fälsch­te Ko­pi­en von hoch­wer­ti­gen Gü­tern zu ver­hin­dern. Eben­so soll es den Miss­brauch oder die Um­deu­tung von be­kann­ten Mar­ken aus­schlie­ßen. Es soll die In­ve­sti­tio­nen, die in die Ent­wick­lung von Pro­duk­ten ge­steckt wur­den, durch Pa­ten­te auf Me­di­zin, me­di­zi­ni­sche Pro­duk­te aber auch Nah­rungs­mit­tel und Saat­gut schüt­zen. Künst­ler, Krea­ti­ve und Jour­na­li­sten sol­len durch ACTA eine si­che­re Grund­la­ge er­hal­ten, um die Qua­li­tät ih­rer Ver­öf­fent­li­chun­gen zu ver­bes­sern und um das in­ter­na­tio­na­le Ur­he­ber­recht zu har­mo­ni­sie­ren. ACTA baut auf TRIPS auf.

Wi­ki­pe­dia de­fi­niert Fäl­schung als: »die be­wuss­te Nach­ah­mung ei­nes Ob­jek­tes oder ei­ner In­for­ma­ti­on zur Täu­schung Drit­ter«.

Wenn man je­doch ein File im In­ter­net ko­piert, bleibt es ge­nau das glei­che File, es han­delt sich hier­bei um kei­ne Nach­ah­mung. Es wur­de auch nicht ge­stoh­len, denn das Ori­gi­nal ist noch im­mer da, wo es ur­sprüng­lich war. Die In­for­ma­ti­on wur­de ohne ein Ent­gelt für den Schöp­fer ge­teilt. Der Be­griff Fäl­schung (Coun­ter­feit) ist des­we­gen ir­re­füh­rend.

Gei­sti­ges Ei­gen­tum oder auch Im­ma­te­ri­al­rech­te wur­den nie in ACTA de­fi­niert. So­mit schützt ACTA nicht nur Han­dels­mar­ken, es kann auch zum ur­he­ber­recht­li­chen Schutz je­der Idee, In­for­ma­ti­on oder so­gar von Be­grif­fen ein­ge­setzt wer­den, da­mit des­sen un­li­zen­sier­ter Ge­brauch dann kri­mi­na­li­siert und ver­folgt wer­den kann.
Der Ein­fluss durch die­ses Ab­kom­men auf das In­ter­net wür­de die Grund­la­gen der frei­en, auf Teil­ha­be und Par­ti­zi­pa­ti­on bau­en­den In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft aus­he­beln.

Der tat­säch­li­che ACTA-Text deckt eine brei­te Pa­let­te von Fel­dern ab, ist ex­trem kom­plex und schwer zu fas­sen. Ana­log zum In­ter­net wür­de ein hy­po­the­ti­sches Bei­spiel fol­gen­der­ma­ßen aus­se­hen:
Du lernst in ei­nem be­zahl­ten Koch­kurs ein tol­les Ge­richt ken­nen und möch­test es Dei­nen Freun­den vor­stel­len. Die­se Wei­ter­ga­be stellt mit ACTA ein kri­mi­nel­les Ver­ge­hen dar.

Im In­ter­net wür­de ACTA die­se Ver­stö­ße des Ur­he­ber­rechts durch eine eng­ma­schi­ge Kon­trol­le al­ler Da­ten­strö­me kon­trol­lie­ren und pro­to­kol­lie­ren. Über ACTA wür­den die Ver­wer­ter und Ver­la­ge, wel­che die je­wei­li­gen Rech­te in­ne­hal­ten und die ver­letzt wur­den, un­mit­tel­bar in­for­miert. Sie könn­ten den Rech­te­ver­stoß di­rekt ahn­den, die Da­ten und Links zum Con­tent wer­den ohne Ver­hand­lung ge­sperrt.

ACTA ver­langt von den ISPs eine Über­prü­fung der von den Usern dort hin­ter­leg­ten Da­ten nach ur­he­ber­recht­li­chen Ver­let­zun­gen.

ACTA möch­te dies für Mu­sik, Fil­me, Bil­der, jour­na­li­sti­sche Bei­trä­ge, Trade­marks und Pa­ten­te durch­set­zen. Da­mit wür­den Por­ta­le wie You­tube, Twit­ter, Tumb­lr und vie­le an­de­re un­mit­tel­bar kri­mi­na­li­siert und zen­siert.
ACTA wur­de hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren ge­heim aus­ge­han­delt und ist als un­de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­tes In­stru­ment ver­fas­sungs­recht­lich be­denk­lich.

Es be­treibt den Rück­bau von Par­ti­zi­pa­ti­on in der In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft und fußt auf ei­nem to­ta­li­tä­ren Zen­sur­an­spruch. ACTA öff­net Tür und Tor für die gren­zen­lo­se Über­wa­chung des Bür­gers durch die In­du­strie.

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Logo Heinrich Böll Stiftung… un­ter die­sem Ti­tel hat die Hein­rich Böll Stif­tung zu­sam­men mit iRights.info ei­nen Re­ader zum The­ma Co­py­right in der In­ter­net-Ära her­aus­ge­bracht. Der Un­ter­ti­tel lau­tet »Plä­doy­ers für ein zu­kunfts­taug­li­ches Ur­he­ber­recht«. In die­sem Re­ader neh­men re­nom­mier­te Au­to­ren un­ter an­de­rem Stel­lung zum Ur­he­ber­recht in der mo­der­nen ver­netz­ten Welt, zum Ko­pie­ren und zum Lei­stungs­schutz-Ge­jam­mer der eta­blier­ten Ver­le­ger.

Der Re­ader steht un­ter ei­ner Crea­ti­ve Com­mons-Li­zenz, die es mir er­mög­licht, ei­nen der Ar­ti­kel hier zu ver­öf­fent­li­chen. Es han­delt sich da­bei um die Be­trach­tun­gen von Mo­ni­ka Er­mert zum ACTA-Ab­kom­men, dass so­eben hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren und wei­test­ge­hend ohne den Ein­fluss de­mo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en ver­han­delt wird und das zu ein­schnei­den­den Ein­schrän­kun­gen un­se­rer Bür­ger­rech­te in der di­gi­ta­len Welt füh­ren wird – wenn es nicht recht­zei­tig ge­stoppt und auf eine de­mo­kra­ti­sche Ba­sis ge­ho­ben wird.

War­um ich das hier the­ma­ti­sie­re? Das hat ver­schie­de­ne Grün­de. Zum ei­nen stammt das heu­te ge­nutz­te Ur­he­ber­recht aus ei­ner grau­en Vor­zeit und passt nicht mehr zur »di­gi­ta­len Ge­sell­schaft«. Zum an­de­ren kann es mei­ner An­sicht nach nicht an­ge­hen, dass Volks­ver­tre­ter die In­ter­es­sen des Vol­kes das sie ver­tre­ten sol­len an die Ver­tre­ter von Me­di­en­kon­zer­nen ver­kau­fen. Und drit­tens sehe ich die Ge­fahr, dass Bür­ger­jour­na­li­sten ihre Blogs und Spe­cial-In­te­rest-Sei­ten (so wie bei­spiels­wei­se die­se hier) zu­ma­chen kön­nen, wenn die Ver­le­ger von Baum­fäll-Zei­tun­gen (und Kon­sor­ten) ihre For­de­run­gen mit­tels mas­si­ver Po­li­tik-Ma­ni­pu­la­tio­nen durch­set­zen kön­nen – ein er­ster An­satz ist mit dem Ju­gend­me­di­en­staats­ver­trag und sei­nen ab­stru­sen For­de­run­gen be­reits ge­tan.

Man muss die­se In­for­ma­tio­nen ver­brei­ten, da­mit auch die viel­leicht end­lich auf­wa­chen, die un­re­flek­tiert die Pa­ro­len der Me­di­en­in­du­strie und ih­rer Hand­pup­pen nach­plap­pern.

Wei­ter­le­sen

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