Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Die Europäische Union arbeitet bereits seit längerem an Verordnungen, die dafür sorgen, dass es kein Geoblocking von Kunden mehr gibt. Damit könnte man dann europaweit Geräte und Dienstleistungen einkaufen, ohne dass einem dabei Filter in die Quere kommen, die einen basiert auf dem Land, aus dem man stammt, blockieren. Man nennt diesen Vorgang Geoblocking.

Das soll angesichts der Realitäten in einer digitalisierten, globalisierten Internetwelt abgeschafft werden, und das ist auch gut so, denn es ist nicht einzusehen, warum europäischer Binnenmarkt oder Globalisierung immer nur Firmen zugute kommen sollen, aber nicht Verbrauchern.

Doch dank massiver Lobbyarbeit unter anderem des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sollen eBooks explizit von der Geoblocking-Vereinbarung ausgeschlossen bleiben. Einen sachlichen Grund dafür gibt es außer Pfründesicherung nicht, außer vielleicht die Angst, dass die fossile und längst überflüssig gewordene Buchpreisbindung aufgeweicht werden könnte.

Als Begründung wird dabei unter anderem tatsächlich angebracht, dass

“aufgrund natürlicher Sprachbarrieren zwischen den Ländern Verkäufe über Grenzen hinaus ohnehin gering blieben, und die notwendigen technischen Investitionen, um über Grenzen hinweg zu verkaufen zu hoch wären”

… und dadurch kleine und mittlere Unternehmen gezwungen würden, aus dem Verkauf von Büchern auszusteigen.

Das ist natürlich dummes Geschwätz, denn die Probleme, über Grenzen hinweg Waren zu verkaufen, hat jede Branche, nicht nur der Buchhandel. Und wenn die grenzübergreifenden Verkäufe tatsächlich nicht ins Gewicht fallen, wäre das in meinen Augen sogar eher ein Grund dafür, europaweites Verkaufen von eBooks zu ermöglichen. Das mit den kleinen Unternehmen ist Augenwischerei und falsch, im Rahmen des grenzübergreifenen Anbietens von Dienstleistungen, das vor einigen Jahren eingeführt wurde, hat der Gesetzgeber ohnehin vereinfachte Möglichkeiten für kleine Anbieter geschaffen, um mit den gesetzlichen Vorgaben beispielsweise in Sachen Umsatzsteuer zurecht zu kommen (Stichwort: One-Stop-Shop). Und wenn so ziemlich jeder kleine Krauter das inzwischen kann, dann sollten es auch Buchhändler auf die Kette bekommen können. Aber die verschlafen ja lieber auf ihrem sanften Kissen namens Buchpreisbindung weiterhin die Digitalisierung – und diese Einflussnahme auf EU-Verordnungen soll dafür sorgen, dass sie auch nicht aufwachen müssen.

Grund für die Einwirkung auf die Politik dürfte in meinen Augen eher sein, dass nicht-deutschsprachige eBooks in Deutschland maßlos überteuert sind, und in anderen Ländern erheblich günstiger gekauft werden könnten, sogar zum Teil noch günstiger als hierzulande ohnehin bereits bei Amazon.

Dass die EU-Politik vor der Buchlobby eingeknickt ist, finde ich offen gesagt zum Kotzen.

p.s.: Mit der Hilfe von VPNs kann man Geoblocking mehr oder weniger legal umgehen (möglicherweise untersagen die AGB des jeweiligen Anbieters das).

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

eBook-ParagraphDer Autor Martin Vogel kämpft sich seit einigen Jahren durch die Instanzen. Grund: Die Verwertungsgesellschaft VG Wort schüttet die Hälfte seiner Einnahmen an die Verlage aus. Vogel ist wie etliche andere auch der Ansicht, dass dieses Geld einzig und allein den Urheber, also den Autoren zusteht. Und selbst wenn diese Ansicht immer wieder von Gerichten bestätigt wurde, wollen Börsenverein, Verlage und VG Wort das bis zum bitteren Ende durchkämpfen. Eigentlich auch kein Wunder, denn denen würde ein Haufen Geld entgehen, dass sie immer gern eingenommen haben. Zu unrecht, wie jetzt erneut ein Gericht bestätigte.

Laut Bundesgerichtshof in Karlsruhe ist die VG Wort nicht berechtigt, pauschale einen betrag in Höhe der Hälfte ihrer Einnahmen an die Verlage auszuschütten. Dieses Geld gehört den Urhebern und nur den Urhebern (Az.: I ZR 198/13).

Branche und Börsenverein hatten in den vergangenen Jahren den Untergang des Abendlandes beschworen, wenn sie das Geld nicht mehr erhalten würde. Auch die VG Wort hatte sich nicht auf die Seite der Urheber gestellt, sondern sogar damit gedroht, die Zahlungen bis zu einer Klärung einzustellen.

Mat­thias Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger­aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins drohte ganz unverhohlen damit:

Wird die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion hier nicht um­ge­hend tä­tig, wer­den Ver­lage ge­zwun­gen sein, ihre Kal­ku­la­tio­nen in je­der Be­zie­hung an­zu­pas­sen, auch was die Au­to­ren­ver­gü­tung be­trifft

Sprich: Wenn wir die Kohle von der VG Wort nicht mehr bekommen, zahlen wir den Autoren weniger (noch weniger!) und machen die Bücher teurer. So!

Oder kurz: Mimimi!

Denn mit diesem erneuten Urteil zum Thema haben nun sowohl der EuGH wie auch der BGH als Revisionsinstanz eindeutiges Recht gesprochen: Die bisherige langjährige Praktik ist rechtswidrig, die Ausschüttungen stehen einzig und allein den Autoren zu. Die Ansichten von Martin Vogel waren von Anfang an korrekt, das ist nun erneut hochrichterlich bestätigt worden. Da können Börsenverein und Branche noch so laut maulen. Aber wie erwartet wird nun natürlich medienwirksam ein Verlagssterben prophezeiht (kann ich leider nicht verlinken, Artikel hinter Paywall).

Möglicherweise entstehen daraus noch andere Konsequenzen: Autoren könnten auf die Idee kommen, von den Verlagen widerrechtlich eingenommene Ausschüttungen zurückzufordern.

Interessante Ausführungen zu dem Thema auch immer wieder bei Tom Hillenbrand.

Derzeit schweigt sich die Medienlandschaft noch weitestgehend dazu aus. Das Börsenblatt brachte einen eher knapp zu nennenden Artikel, ohne das sonst übliche Kettengerassel (aus der Richtung hatte es zuletzt sogar noch geheißen, der Staatssektär, der damals das Gesetz verfasste “hätte sich nur verschrieben”. Ulkig aber wahr. Man kann sich vorstellen, was die Richter dazu gesagt haben). Sobald ich mehr Details zum Urteil kenne, ergänze ich Links.

Update (10:18 Uhr): Das Mimimi des Börsenvereins ließ nicht lange auf sich warten. Man droht nun damit, die Politik einzuschalten, um Gesetze nach Gusto der Branche zu ändern:

Jeder Außenstehende und vor allem jeder Politiker sollte nachvollziehen können, dass hier im Urheberrecht etwas vollständig aus dem Ruder gelaufen ist

sagt Alexander Skipis. Man möchte jetzt eine Verfassungsbeschwerde prüfen. Ja, schon doof, dass sich auch Verlage ans Urheberrecht halten müssen, was?

Update (10:50 Uhr): auch beim Buchreport darf Skipis sich produzieren:

Der Zustand, den wir jetzt haben, war nie der wahre Wille des Gesetzgebers.

Interessant, dass man beim Börsenverein besser als der Gesetzgeber wissen möchte, wie Gesetze auszusehen haben und dem Gesetzgeber damit praktisch die Kompetenz abspricht. Sind Gesetze nur dann gut, wenn sie einer Lobby nutzen und schlecht, wenn nicht? Weiter schreibt man im Buchreport:

Im Verlagsbereich befürchtet Skipis nun Insolvenzen: Den Verlagen drohten Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an die VG Wort, VG Bild-Kunst, GEMA und VG Musikedition. Damit werde eine große Zahl von Verlagen mittelfristig wegen der notwendigen Rückstellungen und der ausbleibenden Einnahmen von Verwertungsgesellschaften wirtschaftlich nicht länger überlebensfähig sein.

Was soll ich sagen? Wenn die Existenz von Verlagen ausschließlich an unrechtmäßigen Einnahmen hängt, ist offenbar zum einen das Geschäftsmodell falsch. Und zum anderen klingt es für mich beinahe mafiös, wenn man an den rechtswidrigen Praktiken unbedingt festhalten möchte und dafür jetzt offen auf Manipulation von Politikern setzt.

Update (11:20 Uhr): Langsam werden sie alle wach. Wärend FAZ, Deutschlandfunk, Focus und Co. nur eine kurze Agenturmeldung kopieren, findet man beim “Neuen Musikmagazin” eine ausführlichere Urteilsbegründung.

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Audible LogoEs ging in den vergangenen Tagen nicht nur durch den virtuellen Blätterwald, da sich natürlich auch die Totholzmedien darauf gestürzt haben: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat durchgeboxt, dass sich das Bundeskartellamt mit Apple, Audible und Amazon befasst. Man beklagt, wie immer lauthals, dass Amazon 90% der nichtphysischen Hörbücher verkauft (eben auch via Apple, die durch Audible beliefert werden). Und dass deswegen alle sterben werden, vor allem der Buchhandel.

Da frage ich mich natürlich als Allererstes: In welcher Buchhandlung kann ich denn MP3s oder Streams von Hörbüchern kaufen? (und kommt mir bitte nicht damit, dass es auch CDs gibt, auf denen sich MP3s befinden)

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, sagte:

Hörbuchverlage brauchen eine adäquate Möglichkeit, ihre Hörbücher auch unabhängig von Audible vertreiben zu können. Das ist in der derzeitigen Konstellation nicht möglich

Wenn wir mal ehrlich sind, ist die Tatsache, dass Amazon 90% der Hörbuch-Downloads in Deutschland vertickt, nur eines: eine peinliche Bankrotterklärung der Branche. Die zeigt, dass die auch bei diesem Medium die Entwicklung und den Medienwandel aber sowas von vollständig im tiefsten Schlummer verpasst hat.

Pikant ist dabei vor allem eins: Der deutsche Ableger von Audible gehörte zu nicht geringen Teilen Holtzbrink, Luebbe und Random House (alias Bertelsmann), und die haben Amazon ihre Anteile 2009 verkauft, vermutlich mit Dollarzeichen in den Augen, und froh darüber, die vermeintlich schwächelnde Firma loszuwerden? Nein, denn bereits 2009 war Audible einer der erfolgreichsten Hörbuch-Anbieter in Deutschland (wenn nicht sogar der erfolgreichste). Und der könnte noch heute Holtzbrink, Luebbe und Random House gehören, wenn sie ihn nicht an … Moment mal, wer war das noch gleich? Ach ja! Amazon vertickt hätten.

Und gegen Amazon kommt man in Sachen Hörbuch natürlich nur durch eine Beschwerde beim Bundeskartellamt an …

Merkt ihr selbst, oder?

Audible-Logo Copyright Amazon

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

eBook-ParagraphEs gibt mal wieder ein Urteil zum Thema VG Wort-Abgaben an Verlage statt an Urheber (lies: Autoren). Das Thema schwelt ja bereits seit etlichen Jahren, und in allen Urteilen der neueren Zeit, wurde die Praxis, dass Verlage zur Hälfte an den VG Wort-Ausschüttungen beteiligt werden, als mindestens problematisch eingeschätzt. Wenn nicht sogar als unkorrekt. Die Quintessenz war: Das Geld steht den Autoren zu, nicht den Verlagen. Dafür gibt es gesetzliche Grundlagen, die immer wieder von Gerichten bestätigt wurden.

Und immer wieder beschwert sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels darüber, dass das Urheberrecht auch für ihn bzw. seine Mitglieder gilt. Unverschämtheit aber auch.

Aktuell entschied sogar der EuGH eindeutig, dass Verlage nur dann Geld von Verwertungsgesellschaften bekommen dürfen, wenn das nicht zu Lasrten der Urheber geht. Darüber berichtet das Börsenblatt. Uns selbstverständlich mault man sofort wieder mal darüber, dass Gesetze auch für Mitglieder des Börsenvereins gelten. Und fordert auch noch, dass die Gesetzesofort nach ihren Wünschen angepasst werden müssen. Es fehlt eigentlich nur noch das “mit dem Fuß aufstampfen”.

Was man sich ganz besonders auf der Zunge zergehen lassen sollte, ist folgender Satz von Matthias Ulmer, Vorsitzender des Verlegerausschusses des Börsenvereins:

Wird die Europäische Kommission hier nicht umgehend tätig, werden Verlage gezwungen sein, ihre Kalkulationen in jeder Beziehung anzupassen, auch was die Autorenvergütung betrifft

Man fasst es nicht, was da ganz offen ausgesprochen wird. Schon jetzt lassen die Publikumsverlage ihre Autoren am ausgestreckten Arm verhungern und zahlen nur lächerlich geringe Tantiemen. Und wenn die Verlage nun Geld nicht mehr bekommen, das ihnen überhaupt nicht zusteht, zahlt man den Urhebern noch weniger? Da muss man erstmal drauf kommen.

Darth Vader wäre stolz auf euch, “Bösenverein”.

p.s.: Die haben natürlich eine Heidenangst davor, dass der SuperGAU eintritt und Gerichte den Urhebern Schadensersatzansprüche zubilligen.

p.p.s.: Man kann auch mal lesen, was Tom Hillenbrand dazu meint.

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Bookseller

Dass man beim Börsenverein noch im 20., wenn nicht wenn nicht gefühlt oft gar im 19. Jahrhundert verharrt, ist nichts Neues. Diesen Eindruck verstärkt weder einmal ein Bericht über die Einführung der überarbeiteten Verkehrsordnung des Börsenvereins. BöV-Justiziar erläutert die in einem Interview auf der Online-Variante des Buchreports.

Der eine absolute Knüller dabei ist: Preisaktionen für eBooks sollen künftig 28 Tage vorher angekündigt werden.

Da bleibt mir wieder mal die Spucke weg. Statt selbst schnell zu werden, sollen also stattdessen agile, moderne eBook-Herausgeber gezwungen werden, das Schneckentempo der schläfrigen restlichen Branche zu übernehmen? Das kann doch wirklich nicht wahr sein und erscheint in meinen Augen wie direkt einem Kafka-Roman entsprungen – oder dem Drogenrausch eines Bindungskleberschnüfflers. Und es beweis erneut, wie weit ab jeglicher wirtschaftlicher Realitäten der Börsenverein nicht zuletzt aufgrund der Buchpreisbindung denkt.

Der Hinweis auf “Werbevorlauf” ist besonders ulkig. Wo machen denn beispielsweise Amazon oder Apple im voraus Werbung für null-Euro-Preisaktionen? Im Spiegel? In der Bild? Im Fachblatt der Bestatterinnung? Nirgendwo, einzig auf der eigenen Webseite- und das sollten die eBook-Verkäufer abseits der Amazonen wohl auch hinbekommen, oder?

Weiter sagt er:

Wenn E-Books jede Woche einen anderen Preis haben, dann wird der Kunde irgendwann nicht mehr kaufen, sondern darauf warten, bis ein Titel noch günstiger zu haben ist.

Äh, ja. Das ist bei anderen Warengruppen auch so und völlig normal. Wenn man etwas unbedingt haben will, dann kauft man es sofort. Wenn es nicht ganz so wichtig ist, dann wartet man halt auf einen günstigeren Preis, mache ich beispielsweise bei BlueRays genau so. Das ist abseits eines Preisbindungsgesetzes völlig normal. Auch das ist also kein nachvollziehbarer Grund für die Aufnahme eines solchen Passus in die Verkehrsordnung.

Aber: Diese Verkehrsordnung ist kein Gesetz, es handelt sich um eine “Empfehlung”, oder im Juristendeutsch “eine von juristischen Formerfordernissen freigestellte Vereinbarung”. Damit ist kein Selfpublisher gezwungen, sich daran zu halten. Übrigens auch kein Verlag. Sogar aus der Branche selbst kommt Gegenwind zu dieser Idee, die wieder einmal zeigt, wie realitätsfern Teile eben dieser Branche sind.

Dennoch droht Sprang im Interview ganz unverhohlen, wenn er sagt:

Wir sind davon überzeugt, dass das Gros der Verlage diese Sichtweise teilt und sich an die Vorgabe halten wird. Eventuelle Verstöße müssten wir im Einzelfall prüfen.

Und: Der Börsenverein möchte sich auch für Selfpublisher öffnen, das sind alte News. Dennoch sollte man sich überlegen, was man tut, bevor man eintritt, vielleicht interpretiert man die Verkehrsordnung übermorgen als verpflichtend, schreibt das in die Satzung, und verlangt die Einhaltung von allen Mitgliedern. Abwegig ist das meiner Meinung nach keinesfalls.

Abseits davon findet sich im Interview mit dem Justiziar Sprang aber eine Aussage zum Thema Buchpreisbindung auf Selfpublisher-eBooks, die mich vor Verblüffung ausgiebig die Augen reiben lässt, und die den anderen Knüller darstellt:

Nach Ansicht der Rechtsabteilung des Börsenvereins fallen E-Books von Selfpublishern unterhalb einer preislichen Bagatellgrenze, die derzeit ungefähr bei 4 Euro liegt, als nicht verlags- bzw. buchhandelstypische Titel ohnehin nicht in den Anwendungsbereich der Buchpreisbindung. Diese können in Aktionen deshalb vorübergehend sogar auf 0 Euro heruntergesetzt werden. Bei preisgebundenen E-Books gibt es diese Möglichkeit nicht, weil hier der 0 Euro-Preis als Preisaufhebung gewertet würde.

Ich wiederhole den wichtigen Teil:

Nach Ansicht der Rechtsabteilung des Börsenvereins fallen E-Books von Selfpublishern unterhalb einer preislichen Bagatellgrenze […] ohnehin nicht in den Anwendungsbereich der Buchpreisbindung.

Das widerspricht allen bisherigen Aussagen, die mir gegenüber seitens der Rechtsabteilung des Börsenvereins gemacht wurden. Es hieß immer, auch Selfpublishing-eBooks, egal welchen Preises, unterlägen selbstverständlich der Buchpreisbindung (siehe beispielsweise diese beiden Artikel auf PhantaNews). Und jetzt das. Man muss sich fragen, woher dieser plötzliche und völlig unerwartete Sinneswandel kommt?

Vor allem ist die Begründung absolut nicht nachvollziehbar: Ob es sich bei einem Buch um ein Buch handelt, hängt von diversen Faktoren ab, aber garantiert nicht vom Preis. Das gibt das vom Börsenverein immer so gern zitierte Buchpreisbindungsgesetz an keiner Stelle her.

[Nachtrag 11:46:] Oder wie es ein mir bekannter Verlager ausdrückte:

“Wer hat denn dem BÖV in den Kopf gekackt?”

Bild: Bookseller And Author, Thomas Rowlandson, gemeinfrei

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

CopyrightIn meinen Augen ist es geradezu widerwärtig zu nennen, wie der Börsenverein sich über die Stärkung der Rechte des Urhebers in einem Entwurf des Urheberrechts echauffiert. Bisher sind die Verwerter deutlich im Vorteil, was Rechte angeht und können den Urhebern Knebelverträge diktieren, beispielsweise was Laufzeiten angeht. Das führt unter anderem dazu, dass Bücher in der Versenkung verschwinden, weil sie nicht nachproduziert werden, der Verlag aber auch die Rechte nicht freigibt, damit diese an den Autor zurückfallen können. Völlig grotesk wird die Lage bei eBooks: Wenn die Vertragsklausel bei Printbüchern noch lautet, dass die Rechte an den Autor zurückfallen, wenn das Buch eine gewisse Zeit lang nicht erhältlich war, ist das bei eBooks quasi nie so, der Urheber wird die Rechte also nie zurück erhalten.

In der Novellierung des Urheberrechts soll diese Zeit auf fünf Jahre begrenzt werden. Wenn ein anderer Anbieter dann für die Rechte mehr bezahlt, darf der Autor diese zurückfordern und an den neuen Anbieter vergeben.

Matthias Ulmer, Vorsitzender des Verleger-Ausschusses des Börsenvereins, äußert sich kritisch. Unter anderem darüber, dass sich ein Buch in fünf Jahren noch nicht amortisiert haben könnte.

Der Gesetzentwurf des BMJV sieht unter anderem vor, dass Autoren ihre Verlagsverträge nach fünf Jahren durch Rückruf beenden können. Dazu sollen sie berechtigt sein, wenn ihnen ein Verwerter, der an den Investitionen des Ursprungsverlags in das Werk und an dessen wirtschaftlichem Risiko nicht beteiligt war, für die Weiternutzung z.B. einen hohen Vorschuss bietet. Der ursprüngliche Vertragspartner hat dann lediglich eine Art Vorkaufsrecht. Das gilt auch dann, wenn er sich aufgrund noch nicht amortisierter Investitionen in das Werk gegenüber dem neuen Bieter in einer ruinösen Wettbewerbssituation befindet. [Quelle]

Darf ich mal lachen? Die meiste Massenware abseits von Bestsellern ist doch nach fünf Jahren nur noch in der Backlist zu finden, wenn man viel Glück hat. Die wurde inzwischen schon lange auf dem Remittenden-Grabbeltisch verramscht. Bei Bestsellern sieht die Sache natürlich deutlich anders aus, aber bei denen hat man dann sicherlich bereits genug Umsatz gemacht, dass sich die Sache für Verlag (und vielleicht sogar Autor) lohnte.

Die Lösung ist eigentlich einfach: Zufriedene Autoren bleiben beim Verlag. Wenn man diese also nicht am ausgestreckten Arm verhungern lässt und fair behandelt, dann werden diese sicherlich weiter mit dem Verlag arbeiten, der sie erfolgreich gemacht hat. Macht ein anderer Verlag ein deutlich besseres Angebot, dann ist das Werk offensichtlich auch deutlich mehr wert, als der erste Vertragspartner zahlen möchte. Eigentlich sind das in einer Marktwirtschaft völlig normale Vorgänge, aber wenn man sein Haupt selig auf dem weichen Kissen der Buchpreisbindung betten kann, mag einem das möglicherweise nicht klar sein. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass etliche Verleger (und andere Mitspieler in der Buchbranche) immer noch nicht verstanden haben, oder die Augen davor verschließen, dass wir nicht mehr in den 1980ern leben.

Der Verweis auf Kleinverlage zieht in meinen Augen nicht, da diese nach meinen Erfahrungen den Autoren ohnehin bessere und fairere Konditionen bieten, als große Publikumsverlage. Die kleinen agieren mit den Urhebern auf Augenhöhe, statt vom hohen Ross herab.

Es dürfte aber klar sein, dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seine gesamte Lobbymacht in die Wagschale werfen wird, um autorenfreundliche und seit Jahren überfällige Verbesserungen der Gesetzeslage zugunsten der Urheber zu verhindern. Die Musikindustrie wird das ebenfalls tun. Es sollte also keinen wundern, wenn am Ende aufgrund dieser Lobbyeinflüsse ein Gesetz herauskommt, das die Urheber noch schlechter stellt, als es jetzt bereits der Fall ist.

Die Verwerter sind exakt das: Verwerter. Sie schaffen selbst nichts Kreatives, sie verkaufen ausschließlich das Werk Dritter, der eigentlichen Urheber. Und ich wiederhole mich: Deren Rechte müssen im Rahmen einer Urheberrechtsnovelle deutlich gestärkt werden. Die aktuellen Verwerterrechte sind viel zu umfangreich, zu ausufernd, sie benachteiligen die Werkschaffenden. Und wenn die Verwerter von “Urheberrechten” sprechen, wenn sie gegen angebliche Raubkopien wettern, dann meinen sie diese nicht tatsächlich, sondern ausschließlich ihre Verwerterrechte.

Wir brauchen aber mehr Rechte für die Urheber. Dringend. Gesetze müssen zuerst dem Bürger dienen, nicht irgendwelchen Firmeninteressen.

Bild “Copyright” von Pixabay, CC0, Public Domain

Nachtrag zu “Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören”

Nachtrag zu “Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören”

audiobookGestern schrieb ich etwas über das Gejammere des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Thema Audible bzw. Amazon und deren Vorhaben, ein Flatratemodell für Hörbücher einzuführen. Dazu habe ich in der Wikipedia noch ein amüsantes Detail gefunden:

Das deutsche Unternehmen, die Audible GmbH wurde 2004 als Joint Venture von der Audible Inc. sowie den Verlagsgruppen Holtzbrinck Ventures GmbH und Random House GmbH gegründet. 2006 kaufte sich die Verlagsgruppe Lübbe GmbH ebenfalls als Gesellschafter bei der Audible GmbH ein. Die Audible Inc. wurde 2008 von der Amazon.com Inc. (NASDAQ: AMZN) zum Preis von 300 Mio. US$ gekauft. 2009 kaufte Amazon die Anteile der anderen Partner des deutschen Joint Venture auf.

Quelle

Wir lassen uns das auf der Zunge zergehen: Namhafte deutsche Verlage waren Mitinhaber von Audible, haben aber an Amazon vertickt – über die Gründe könnte man jetzt spekulieren …

Bild: Au­dio­book von Jeff_Golden auf flickr, CC BY-SA

Börsenverein: “Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören” – mit anderen Worten: Mimimi!

Börsenverein: “Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören” – mit anderen Worten: Mimimi!

audiobookLaut einem Artikel auf Börsenblatt Online will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegen Pläne von Amazon bzw. deren Tochter Audible vorgehen, ein Flatrate-Modell für Hörbücher einzuführen. Man habe sich deshalb beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission über dieses Verhalten beschwert. Börsenversins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis sagte: “Das Geschäftsmodell von Amazon und Audible zielt darauf ab, die ausgezeichneten Buchhandelsstrukturen in Deutschland zu zerstören.”

Aha. Ich weiß ja nicht, ob irgendjemand in den höheren Etagen des Börsenvereins bisweilen Musik hört. Falls ja, könnte denjenigen aufgefallen sein, dass die Anzahl an Plattenläden in den Innenstädten dramatisch zurückgegangen ist, man bekommt Tonträger inzwischen fast ausschließlich bei großen Ketten wie Saturn oder Media Markt – wenn überhaupt. Grund: Es ist viel einfacher und bequemer, sich seine Musik als mp3-Datei online zu kaufen und herunterzuladen. Auch wenn man beim Börsenverein vielleicht meint, dass Hörbücher aber doch etwas künstlerisch und kulturelles besonders Wertvolles seien (träumt weiter, sie sind auch nur Medien wie alle anderen), bleiben sie doch letztendlich nur Audiodateien. Und für die gilt dasselbe: Man kauft sie eher online als offline. Das bietet Audible an. Offenbar besser als der Rest, denn sie haben 90% Marktanteil bei Hörbüchern in Deutschland (weil sie auch Apples iTunes beliefern).

Und wer sonst noch? Auch hier hat die Branche wie schon bei den eBooks wieder mal seit Jahren komplett verschlafen, ein brauchbares Alternativangebot auf die Beine zu stellen. Und auch den Buchhändlern hätte mal aufgehen können, dass Hörbücher denselben Weg wie die CD nicht nur gehen könnten, sondern mussten. Statt sich selbst für diese eklatanten Unterlassungen zu kritisieren, ist mal wieder Amazon der Böse – weil die ein erfolgreiches Geschäftsmodell haben. Und weil die Branche aufgrund ihrer Versäumnisse nicht nur kein Alternativangebot hat, sondern auch in absehbarer Zeit keins am Horizont zu sehen ist. Das Problem ist erneut komplett selbstgemacht.

Mimimi.

[Update 22.09.2015] Es gibt einen Nachtrag zu dieser Nachricht.

Bild: Audiobook von Jeff_Golden auf flickr, CC BY-SA

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

FSK18 eBookDamit hat das Börsenblatt das #neuland gestern mal wieder so richtig aufgemischt. Der Börsenverein behauptet einfach mal ohne sachlichen Beweis, dass “ab 18«-eBooks Telemedien sind und nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden dürfen. Eingeredet dürfte das dem Börsenverein der Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. haben, der selbst (vermutlich kostenpflichtige) Dienstleistungen in Sachen Alterseinstufungen anbietet und sich so möglicherweise eine neue Einnahmequelle sichern möchte.

Weiter wird im Artikel nebulös von einer “Klage” gegen einen Onlineshop berichtet. Dazu würden mich brennend weitere Details interessieren, die man natürlich vorsichtshalber mal nicht liefert. Soweit ich weiß, haben Landesmedienanstalten ausschließlich Klappentexte und Cover beanstandet, nicht aber die eBooks selbst. Und wenn ein Onlinehändler tatsächlich jugendgefährdende Texte auf der Webseite im Katalog stehen hatte, dann haben die Landesmedienanstalten damit sogar völlig recht.

Dass über Onlineshops verkaufte eBooks Telemedien sind (was ich auch gern mal inhaltlich begründet sehen würde), macht auch aus folgendem Grund keinen Sinn: Ich kann genausogut ab 18-Bücher in Totholzform rund um die Uhr online bestellen und bekomme die problemlos zugeschickt. Ich gehe auch davon aus, dass Kinder ohne jegliches Problem in eine Buchhandlung wandern und ein ab18-Buch kaufen könnten, da das auf dem Cover nicht vermerkt ist, und da ein Buchhändler (oder die geringfügig beschäftigte Hilfskraft) nicht den Inhalt jeden Buches kennen kann. Die letzten beiden Fakten scheinen aber keinen zu interessieren.

Der Börsenverein legt der Buchbranche da gerade ein gigantisches Ei. Denn es wird sicherlich schnell festgestellt werden, dass Printbücher hinsichtlich der Altersfreigabe analog (no pun intended) behandelt werden müssen, also auch bei diesen muss zukünftig möglicherweise eine Alterstauglichkeitsangabe gemacht werden.

Meiner Meinung nach ist das auch der einzig gangbare Weg: Entweder Alterseinstufung für alle Medienformen von Büchern, oder für keine davon.

Ach ja: für die Verifikation des Alters ihrer Kunden sind allein die Onlinehändler verantwortlich, die müssen entsprechende Lösungen implementieren. Was auch problemlos möglich ist – nur Personen über 18 bekommen dann nach Altersverifikation und Einloggen die entsprechende Abteilung angezeigt. Nicht die Verlage müssen dafür Sorge tragen. Und auch nicht die Selfpublisher.

Aber es sieht weiterhin so aus, als wolle man dem ungeliebten eBook im deutschen #neuland möglichst nachhaltig das Licht ausblasen.

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

eBook-ParagraphMomentan tönt durch die Medien, dass SPD-Chef Gabriel sich mal wieder vor einer Lobby verneigt hat, diesmal geht es um die Buchpreisbindung. Das Buchpreisbindungsgesetz soll so angepasst werden, dass es auch für eBooks gilt. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass es, entgegen allen bisherigen Beteuerungen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels bisher eben NICHT für eBooks gilt. Denn sonst gäbe es keinen Handlungsbedarf, und man müsste nicht Lobbyisten in Gang setzen, um eine Gesetzesänderung anzuschieben. Ich habe einfach mal nachgefragt – und die Antwort kam in Rekordzeit:

Sehr geehrte Damen und Herren,

derzeit geht es durch die Medien, dass die Bundesregierung aufgrund Ihrer Intervention das Buchpreisbindungsgesetz so ändern will, dass es auch für eBooks gilt.

Bisher war die Aussage des Börsenvereins, das BuchPrG gelte ohnehin für eBooks und Sie haben auch ausgeführt, dass durch ihre Treuhänder durchsetzen zu lassen. Dies wurde mir gegenüber mehrfach durch Ihre Rechtsabteilung bestätigt.

Darf ich aus der Gesetzesinitiative entnehmen, dass das BuchPrG Ihrer Ansicht nach derzeit DOCH nicht für eBooks gilt?

Für eine Antwort bedanke ich mich im voraus und weise darauf hin, dass diese im Rahmen eines Artikels auf meinem Webportal veröffentlicht werden wird.

Mit freundlichem Gruß,
Holzhauer

Wie gesagt: Eine Reaktion kam extrem zügig, das bin ich gar nicht gewohnt. Vermutlich war ich nicht der erste, der das wissen wollte:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

der Gesetzgeber will in diesem Fall bisher richterrechtlich – d.h. durch Auslegung des momentanen Textes des BuchPrG – geltendes Recht durch eine ausdrückliche gesetzliche Regelung ersetzen.

Dass der Gesetzgeber eine von der Rechtsprechung entwickelte Rechtslage nachträglich kodifiziert, ist durchaus häufig der Fall und dient u.a. einer höheren Rechtssicherheit. Im Text des Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministerium (PDF) wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass E-Books bereits unter dem geltenden Recht als preisgebunden angesehen werden.

Sie können mit dieser Antwort gerne den Justiziar des Börsenvereins, Prof. Dr. Christian Sprang, zitieren.

Beste Grüße

Tatsächlich ist es nun aber so, dass es noch gar keine höchstrichterlichen Entscheidungen zu dem Thema gibt, mir ist kein Fall bekannt, der bis zum BGH oder weiter zum EuGH gegangen ist. Ich habe die Vermutung, dass man mit dieser Gesetzesänderung unerwünschten Urteilen zuvor kommen möchte.

Bild eBook-Paragraph von mir, CC BY-NC

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Buchcover BloggerBuchhandel.de ist eine Plattform der Börsenvereins-Tochter MVB. Da kann man online Bücher kaufen. Oder eBooks. Sie haben lange gebraucht, um diese halbwegs ergonomisch zu gestalten (die Suchmaschine lässt nach wie vor zu wünschen übrig). Und die gerieren sich jetzt als große Gönner der Buchblogger, denn in ihrer unendlichen Großzügigkeit erlaubt man diesen Bloggern, Buchcover für Rezensionen nutzen zu dürfen.

Nein! Doch! Oh!

Die Rahmenbedingungen sind in meinen Augen fast schon grotesk zu nennen. Zum einen muss man sich zwingend registrieren und dabei personenbezogene Daten wie den Realnamen angeben (was ist mit der gesetzlichen Vorgabe laut Telemediengesetz, Onlineangebote auch anonym oder mit Pseudonym nutzen zu können? Warum will MVB sich bei einer Anmeldung einräumen, die Kreditwürdigkeit des Blogbetreibers zu prüfen?). Zum anderen weist man darauf hin, dass Buchcover rechtssicher zu nutzen seien, wenn man sich den Vorgaben unterwirft. Auf der Seite spricht man tatsächlich konkret von “rechtssicher” und baut in meinen Augen eine reine Drohkulisse im Zusammenhang mit dem Urheberrecht auf Buchcover auf, sollte man sich nicht an ihre Vorgaben halten. Dummerweise wurde das allerdings offenbar von jemandem verfasst, der weder über technische noch rechtliche Expertise verfügt.

Die Drohkulisse verweist auf das Urheberrecht in Sachen Buchcover und auf “strafrechtliche Folgen” (ich lachte). Man kann auf der Seite lesen:

weiterlesen →

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Kinder draußenIch habe eine Freundin, die ist Kindergärtnerin. In den letzten Jahren erzählte sie immer wieder mal voller Freude, dass sie mit einigen der Kinder, die sie betreut, auf der Buchmesse war und wie toll die Kurzen den Besuch in der Kinderbuchabteilung fanden.

Als sie in diesem Jahr wegen Karten nachfragte, erhielt sie die Antwort, dass man leider keine kostenlosen Karten für Schulen und Kindergärten mehr bereit stellen könne. Die Begründung haut einen um: Die Nachfrage sei zu groß gewesen.

Man fasst es kaum. Da geriert sich eine Branche immer wieder als Retter der Kultur und des Abendlandes und man wird nicht müde, zu betonen, wie wichtig Lesen auch und gerade für die Jüngsten sei und man sie unbedingt früh daran heranführen müsse – und dann ist man sich auf einmal zu fein, die dann auch konsequenterweise auf die Buchmesse einzuladen. Offensichtlich möchten die Schaffenden vermeintlich hoher Literatur in Frankfurt lieber unter sich bleiben. Das mit der “großen Nachfrage” konnte ich bei meinem Besuch im letzten Jahr nicht bestätigt finden. Am Freitag, dem Tag an dem Schulen und Kindergärten auf der Messe waren, konnte ich wahrlich kein Gedränge von Kindern feststellen. Die Menge an Schlipsträgern und Wichtigtuern war immer noch deutlich höher.

Ich kann für das Verweigern der Karten nur ein Wort finden: erbärmlich.

Vermutlich werden als nächstes die Publikumstage abgeschafft, damit man gar nicht mehr mit den lästigen Lesern in Kontakt kommen muss.

Bild “Kind” von Pixabay – CC0