Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on ar­bei­tet be­reits seit län­ge­rem an Ver­ord­nun­gen, die da­für sor­gen, dass es kein Geo­blocking von Kun­den mehr gibt. Da­mit könn­te man dann eu­ro­pa­weit Ge­rä­te und Dienst­lei­stun­gen ein­kau­fen, ohne dass ei­nem da­bei Fil­ter in die Que­re kom­men, die ei­nen ba­siert auf dem Land, aus dem man stammt, blockie­ren. Man nennt die­sen Vor­gang Geo­blocking.

Das soll an­ge­sichts der Rea­li­tä­ten in ei­ner di­gi­ta­li­sier­ten, glo­ba­li­sier­ten In­ter­net­welt ab­ge­schafft wer­den, und das ist auch gut so, denn es ist nicht ein­zu­se­hen, war­um eu­ro­päi­scher Bin­nen­markt oder Glo­ba­li­sie­rung im­mer nur Fir­men zu­gu­te kom­men sol­len, aber nicht Ver­brau­chern.

Doch dank mas­si­ver Lob­by­ar­beit un­ter an­de­rem des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, sol­len eBooks ex­pli­zit von der Geo­blocking-Ver­ein­ba­rung aus­ge­schlos­sen blei­ben. Ei­nen sach­li­chen Grund da­für gibt es au­ßer Pfrün­de­si­che­rung nicht, au­ßer viel­leicht die Angst, dass die fos­si­le und längst über­flüs­sig ge­wor­de­ne Buch­preis­bin­dung auf­ge­weicht wer­den könn­te.

Als Be­grün­dung wird da­bei un­ter an­de­rem tat­säch­lich an­ge­bracht, dass

»auf­grund na­tür­li­cher Sprach­bar­rie­ren zwi­schen den Län­dern Ver­käu­fe über Gren­zen hin­aus oh­ne­hin ge­ring blie­ben, und die not­wen­di­gen tech­ni­schen In­ve­sti­tio­nen, um über Gren­zen hin­weg zu ver­kau­fen zu hoch wä­ren«

… und da­durch klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men ge­zwun­gen wür­den, aus dem Ver­kauf von Bü­chern aus­zu­stei­gen.

Das ist na­tür­lich dum­mes Ge­schwätz, denn die Pro­ble­me, über Gren­zen hin­weg Wa­ren zu ver­kau­fen, hat jede Bran­che, nicht nur der Buch­han­del. Und wenn die grenz­über­grei­fen­den Ver­käu­fe tat­säch­lich nicht ins Ge­wicht fal­len, wäre das in mei­nen Au­gen so­gar eher ein Grund da­für, eu­ro­pa­wei­tes Ver­kau­fen von eBooks zu er­mög­li­chen. Das mit den klei­nen Un­ter­neh­men ist Au­gen­wi­sche­rei und falsch, im Rah­men des grenz­über­grei­fenen An­bie­tens von Dienst­lei­stun­gen, das vor ei­ni­gen Jah­ren ein­ge­führt wur­de, hat der Ge­setz­ge­ber oh­ne­hin ver­ein­fach­te Mög­lich­kei­ten für klei­ne An­bie­ter ge­schaf­fen, um mit den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben bei­spiels­wei­se in Sa­chen Um­satz­steu­er zu­recht zu kom­men (Stich­wort: One-Stop-Shop). Und wenn so ziem­lich je­der klei­ne Krau­ter das in­zwi­schen kann, dann soll­ten es auch Buch­händ­ler auf die Ket­te be­kom­men kön­nen. Aber die ver­schla­fen ja lie­ber auf ih­rem sanf­ten Kis­sen na­mens Buch­preis­bin­dung wei­ter­hin die Di­gi­ta­li­sie­rung – und die­se Ein­fluss­nah­me auf EU-Ver­ord­nun­gen soll da­für sor­gen, dass sie auch nicht auf­wa­chen müs­sen.

Grund für die Ein­wir­kung auf die Po­li­tik dürf­te in mei­nen Au­gen eher sein, dass nicht-deutsch­spra­chi­ge eBooks in Deutsch­land maß­los über­teu­ert sind, und in an­de­ren Län­dern er­heb­lich gün­sti­ger ge­kauft wer­den könn­ten, so­gar zum Teil noch gün­sti­ger als hier­zu­lan­de oh­ne­hin be­reits bei Ama­zon.

Dass die EU-Po­li­tik vor der Buch­lob­by ein­ge­knickt ist, fin­de ich of­fen ge­sagt zum Kot­zen.

p.s.: Mit der Hil­fe von VPNs kann man Geo­blocking mehr oder we­ni­ger le­gal um­ge­hen (mög­li­cher­wei­se un­ter­sa­gen die AGB des je­wei­li­gen An­bie­ters das).

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

eBook-ParagraphDer Au­tor Mar­tin Vo­gel kämpft sich seit ei­ni­gen Jah­ren durch die In­stan­zen. Grund: Die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft VG Wort schüt­tet die Hälf­te sei­ner Ein­nah­men an die Ver­la­ge aus. Vo­gel ist wie et­li­che an­de­re auch der An­sicht, dass die­ses Geld ein­zig und al­lein den Ur­he­ber, also den Au­to­ren zu­steht. Und selbst wenn die­se An­sicht im­mer wie­der von Ge­rich­ten be­stä­tigt wur­de, wol­len Bör­sen­ver­ein, Ver­la­ge und VG Wort das bis zum bit­te­ren Ende durch­kämp­fen. Ei­gent­lich auch kein Wun­der, denn de­nen wür­de ein Hau­fen Geld ent­ge­hen, dass sie im­mer gern ein­ge­nom­men ha­ben. Zu un­recht, wie jetzt er­neut ein Ge­richt be­stä­tig­te.

Laut Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he ist die VG Wort nicht be­rech­tigt, pau­scha­le ei­nen be­trag in Höhe der Hälf­te ih­rer Ein­nah­men an die Ver­la­ge aus­zu­schüt­ten. Die­ses Geld ge­hört den Ur­he­bern und nur den Ur­he­bern (Az.: I ZR 198/13).

Bran­che und Bör­sen­ver­ein hat­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren den Un­ter­gang des Abend­lan­des be­schwo­ren, wenn sie das Geld nicht mehr er­hal­ten wür­de. Auch die VG Wort hat­te sich nicht auf die Sei­te der Ur­he­ber ge­stellt, son­dern so­gar da­mit ge­droht, die Zah­lun­gen bis zu ei­ner Klä­rung ein­zu­stel­len.

Mat­thias Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger­aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins droh­te ganz un­ver­hoh­len da­mit:

Wird die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion hier nicht um­ge­hend tä­tig, wer­den Ver­lage ge­zwun­gen sein, ihre Kal­ku­la­tio­nen in je­der Be­zie­hung an­zu­pas­sen, auch was die Au­to­ren­ver­gü­tung be­trifft

Sprich: Wenn wir die Koh­le von der VG Wort nicht mehr be­kom­men, zah­len wir den Au­to­ren we­ni­ger (noch we­ni­ger!) und ma­chen die Bü­cher teu­rer. So!

Oder kurz: Mimi­mi!

Denn mit die­sem er­neu­ten Ur­teil zum The­ma ha­ben nun so­wohl der EuGH wie auch der BGH als Re­vi­si­ons­in­stanz ein­deu­ti­ges Recht ge­spro­chen: Die bis­he­ri­ge lang­jäh­ri­ge Prak­tik ist rechts­wid­rig, die Aus­schüt­tun­gen ste­hen ein­zig und al­lein den Au­to­ren zu. Die An­sich­ten von Mar­tin Vo­gel wa­ren von An­fang an kor­rekt, das ist nun er­neut hoch­rich­ter­lich be­stä­tigt wor­den. Da kön­nen Bör­sen­ver­ein und Bran­che noch so laut mau­len. Aber wie er­war­tet wird nun na­tür­lich me­di­en­wirk­sam ein Ver­lags­ster­ben pro­phe­zeiht (kann ich lei­der nicht ver­lin­ken, Ar­ti­kel hin­ter Paywall).

Mög­li­cher­wei­se ent­ste­hen dar­aus noch an­de­re Kon­se­quen­zen: Au­to­ren könn­ten auf die Idee kom­men, von den Ver­la­gen wi­der­recht­lich ein­ge­nom­me­ne Aus­schüt­tun­gen zu­rück­zu­for­dern.

In­ter­es­san­te Aus­füh­run­gen zu dem The­ma auch im­mer wie­der bei Tom Hil­len­brand.

Der­zeit schweigt sich die Me­di­en­land­schaft noch wei­test­ge­hend dazu aus. Das Bör­sen­blatt brach­te ei­nen eher knapp zu nen­nen­den Ar­ti­kel, ohne das sonst üb­li­che Ket­ten­ge­ras­sel (aus der Rich­tung hat­te es zu­letzt so­gar noch ge­hei­ßen, der Staats­sektär, der da­mals das Ge­setz ver­fass­te »hät­te sich nur ver­schrie­ben«. Ul­kig aber wahr. Man kann sich vor­stel­len, was die Rich­ter dazu ge­sagt ha­ben). So­bald ich mehr De­tails zum Ur­teil ken­ne, er­gän­ze ich Links.

Up­date (10:18 Uhr): Das Mimi­mi des Bör­sen­ver­eins ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Man droht nun da­mit, die Po­li­tik ein­zu­schal­ten, um Ge­set­ze nach Gu­sto der Bran­che zu än­dern:

Je­der Au­ßen­ste­hen­de und vor al­lem je­der Po­li­ti­ker soll­te nach­voll­zie­hen kön­nen, dass hier im Ur­he­ber­recht et­was voll­stän­dig aus dem Ru­der ge­lau­fen ist

sagt Alex­an­der Ski­pis. Man möch­te jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de prü­fen. Ja, schon doof, dass sich auch Ver­la­ge ans Ur­he­ber­recht hal­ten müs­sen, was?

Up­date (10:50 Uhr): auch beim Buch­re­port darf Ski­pis sich pro­du­zie­ren:

Der Zu­stand, den wir jetzt ha­ben, war nie der wah­re Wil­le des Ge­setz­ge­bers.

In­ter­es­sant, dass man beim Bör­sen­ver­ein bes­ser als der Ge­setz­ge­ber wis­sen möch­te, wie Ge­set­ze aus­zu­se­hen ha­ben und dem Ge­setz­ge­ber da­mit prak­tisch die Kom­pe­tenz ab­spricht. Sind Ge­set­ze nur dann gut, wenn sie ei­ner Lob­by nut­zen und schlecht, wenn nicht? Wei­ter schreibt man im Buch­re­port:

Im Ver­lags­be­reich be­fürch­tet Ski­pis nun In­sol­ven­zen: Den Ver­la­gen droh­ten Rück­zah­lun­gen in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he an die VG Wort, VG Bild-Kunst, GEMA und VG Mu­sik­edi­ti­on. Da­mit wer­de eine gro­ße Zahl von Ver­la­gen mit­tel­fri­stig we­gen der not­wen­di­gen Rück­stel­lun­gen und der aus­blei­ben­den Ein­nah­men von Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten wirt­schaft­lich nicht län­ger über­le­bens­fä­hig sein.

Was soll ich sa­gen? Wenn die Exi­stenz von Ver­la­gen aus­schließ­lich an un­recht­mä­ßi­gen Ein­nah­men hängt, ist of­fen­bar zum ei­nen das Ge­schäfts­mo­dell falsch. Und zum an­de­ren klingt es für mich bei­na­he ma­fi­ös, wenn man an den rechts­wid­ri­gen Prak­ti­ken un­be­dingt fest­hal­ten möch­te und da­für jetzt of­fen auf Ma­ni­pu­la­ti­on von Po­li­ti­kern setzt.

Up­date (11:20 Uhr): Lang­sam wer­den sie alle wach. Wä­rend FAZ, Deutsch­land­funk, Fo­cus und Co. nur eine kur­ze Agen­tur­mel­dung ko­pie­ren, fin­det man beim »Neu­en Mu­sik­ma­ga­zin« eine aus­führ­li­che­re Ur­teils­be­grün­dung.

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Audible LogoEs ging in den ver­gan­ge­nen Ta­gen nicht nur durch den vir­tu­el­len Blät­ter­wald, da sich na­tür­lich auch die Tot­holz­me­di­en dar­auf ge­stürzt ha­ben: Der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels hat durch­ge­boxt, dass sich das Bun­des­kar­tell­amt mit Ap­ple, Au­di­ble und Ama­zon be­fasst. Man be­klagt, wie im­mer laut­hals, dass Ama­zon 90% der nicht­phy­si­schen Hör­bü­cher ver­kauft (eben auch via Ap­ple, die durch Au­di­ble be­lie­fert wer­den). Und dass des­we­gen alle ster­ben wer­den, vor al­lem der Buch­han­del.

Da fra­ge ich mich na­tür­lich als Al­ler­er­stes: In wel­cher Buch­hand­lung kann ich denn MP3s oder Streams von Hör­bü­chern kau­fen? (und kommt mir bit­te nicht da­mit, dass es auch CDs gibt, auf de­nen sich MP3s be­fin­den)

Alex­an­der Ski­pis, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bör­sen­ver­eins, sag­te:

Hör­buch­ver­la­ge brau­chen eine ad­äqua­te Mög­lich­keit, ihre Hör­bü­cher auch un­ab­hän­gig von Au­di­ble ver­trei­ben zu kön­nen. Das ist in der der­zei­ti­gen Kon­stel­la­ti­on nicht mög­lich

Wenn wir mal ehr­lich sind, ist die Tat­sa­che, dass Ama­zon 90% der Hör­buch-Down­loads in Deutsch­land ver­tickt, nur ei­nes: eine pein­li­che Bank­rott­er­klä­rung der Bran­che. Die zeigt, dass die auch bei die­sem Me­di­um die Ent­wick­lung und den Me­di­en­wan­del aber so­was von voll­stän­dig im tief­sten Schlum­mer ver­passt hat.

Pi­kant ist da­bei vor al­lem eins: Der deut­sche Ab­le­ger von Au­di­ble ge­hör­te zu nicht ge­rin­gen Tei­len Holtz­brink, Lu­eb­be und Ran­dom Hou­se (ali­as Ber­tels­mann), und die ha­ben Ama­zon ihre An­tei­le 2009 ver­kauft, ver­mut­lich mit Dol­lar­zei­chen in den Au­gen, und froh dar­über, die ver­meint­lich schwä­cheln­de Fir­ma los­zu­wer­den? Nein, denn be­reits 2009 war Au­di­ble ei­ner der er­folg­reich­sten Hör­buch-An­bie­ter in Deutsch­land (wenn nicht so­gar der er­folg­reich­ste). Und der könn­te noch heu­te Holtz­brink, Lu­eb­be und Ran­dom Hou­se ge­hö­ren, wenn sie ihn nicht an … Mo­ment mal, wer war das noch gleich? Ach ja! Ama­zon ver­tickt hät­ten.

Und ge­gen Ama­zon kommt man in Sa­chen Hör­buch na­tür­lich nur durch eine Be­schwer­de beim Bun­des­kar­tell­amt an …

Merkt ihr selbst, oder?

Au­di­ble-Logo Co­py­right Ama­zon

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

eBook-ParagraphEs gibt mal wie­der ein Ur­teil zum The­ma VG Wort-Ab­ga­ben an Ver­la­ge statt an Ur­he­ber (lies: Au­to­ren). Das The­ma schwelt ja be­reits seit et­li­chen Jah­ren, und in al­len Ur­tei­len der neue­ren Zeit, wur­de die Pra­xis, dass Ver­la­ge zur Hälf­te an den VG Wort-Aus­schüt­tun­gen be­tei­ligt wer­den, als min­de­stens pro­ble­ma­tisch ein­ge­schätzt. Wenn nicht so­gar als un­kor­rekt. Die Quint­essenz war: Das Geld steht den Au­to­ren zu, nicht den Ver­la­gen. Da­für gibt es ge­setz­li­che Grund­la­gen, die im­mer wie­der von Ge­rich­ten be­stä­tigt wur­den.

Und im­mer wie­der be­schwert sich der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels dar­über, dass das Ur­he­ber­recht auch für ihn bzw. sei­ne Mit­glie­der gilt. Un­ver­schämt­heit aber auch.

Ak­tu­ell ent­schied so­gar der EuGH ein­deu­tig, dass Ver­la­ge nur dann Geld von Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten be­kom­men dür­fen, wenn das nicht zu Lasrten der Ur­he­ber geht. Dar­über be­rich­tet das Bör­sen­blatt. Uns selbst­ver­ständ­lich mault man so­fort wie­der mal dar­über, dass Ge­set­ze auch für Mit­glie­der des Bör­sen­ver­eins gel­ten. Und for­dert auch noch, dass die Ge­set­zeso­fort nach ih­ren Wün­schen an­ge­passt wer­den müs­sen. Es fehlt ei­gent­lich nur noch das »mit dem Fuß auf­stamp­fen«.

Was man sich ganz be­son­ders auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen soll­te, ist fol­gen­der Satz von Mat­thi­as Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger­aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins:

Wird die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on hier nicht um­ge­hend tä­tig, wer­den Ver­la­ge ge­zwun­gen sein, ihre Kal­ku­la­tio­nen in je­der Be­zie­hung an­zu­pas­sen, auch was die Au­to­ren­ver­gü­tung be­trifft

Man fasst es nicht, was da ganz of­fen aus­ge­spro­chen wird. Schon jetzt las­sen die Pu­bli­kums­ver­la­ge ihre Au­to­ren am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern und zah­len nur lä­cher­lich ge­rin­ge Tan­tie­men. Und wenn die Ver­la­ge nun Geld nicht mehr be­kom­men, das ih­nen über­haupt nicht zu­steht, zahlt man den Ur­he­bern noch we­ni­ger? Da muss man erst­mal drauf kom­men.

Darth Va­der wäre stolz auf euch, »Bö­sen­ver­ein«.

p.s.: Die ha­ben na­tür­lich eine Hei­den­angst da­vor, dass der Su­per­GAU ein­tritt und Ge­rich­te den Ur­he­bern Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zu­bil­li­gen.

p.p.s.: Man kann auch mal le­sen, was Tom Hil­len­brand dazu meint.

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Bookseller

Dass man beim Bör­sen­ver­ein noch im 20., wenn nicht wenn nicht ge­fühlt oft gar im 19. Jahr­hun­dert ver­harrt, ist nichts Neu­es. Die­sen Ein­druck ver­stärkt we­der ein­mal ein Be­richt über die Ein­füh­rung der über­ar­bei­te­ten Ver­kehrs­ord­nung des Bör­sen­ver­eins. BöV-Ju­sti­zi­ar er­läu­tert die in ei­nem In­ter­view auf der On­line-Va­ri­an­te des Buch­re­ports.

Der eine ab­so­lu­te Knül­ler da­bei ist: Preis­ak­tio­nen für eBooks sol­len künf­tig 28 Tage vor­her an­ge­kün­digt wer­den.

Da bleibt mir wie­der mal die Spucke weg. Statt selbst schnell zu wer­den, sol­len also statt­des­sen agi­le, mo­der­ne eBook-Her­aus­ge­ber ge­zwun­gen wer­den, das Schnecken­tem­po der schläf­ri­gen rest­li­chen Bran­che zu über­neh­men? Das kann doch wirk­lich nicht wahr sein und er­scheint in mei­nen Au­gen wie di­rekt ei­nem Kaf­ka-Ro­man ent­sprun­gen – oder dem Dro­gen­rausch ei­nes Bin­dungs­kle­ber­schnüff­lers. Und es be­weis er­neut, wie weit ab jeg­li­cher wirt­schaft­li­cher Rea­li­tä­ten der Bör­sen­ver­ein nicht zu­letzt auf­grund der Buch­preis­bin­dung denkt.

Der Hin­weis auf »Wer­be­vor­lauf« ist be­son­ders ul­kig. Wo ma­chen denn bei­spiels­wei­se Ama­zon oder Ap­ple im vor­aus Wer­bung für null-Euro-Preis­ak­tio­nen? Im Spie­gel? In der Bild? Im Fach­blatt der Be­stat­te­r­in­nung? Nir­gend­wo, ein­zig auf der ei­ge­nen Web­sei­te- und das soll­ten die eBook-Ver­käu­fer ab­seits der Ama­zo­nen wohl auch hin­be­kom­men, oder?

Wei­ter sagt er:

Wenn E-Books jede Wo­che ei­nen an­de­ren Preis ha­ben, dann wird der Kun­de ir­gend­wann nicht mehr kau­fen, son­dern dar­auf war­ten, bis ein Ti­tel noch gün­sti­ger zu ha­ben ist. 

Äh, ja. Das ist bei an­de­ren Wa­ren­grup­pen auch so und völ­lig nor­mal. Wenn man et­was un­be­dingt ha­ben will, dann kauft man es so­fort. Wenn es nicht ganz so wich­tig ist, dann war­tet man halt auf ei­nen gün­sti­ge­ren Preis, ma­che ich bei­spiels­wei­se bei Blu­eR­ays ge­nau so. Das ist ab­seits ei­nes Preis­bin­dungs­ge­set­zes völ­lig nor­mal. Auch das ist also kein nach­voll­zieh­ba­rer Grund für die Auf­nah­me ei­nes sol­chen Pas­sus in die Ver­kehrs­ord­nung.

Aber: Die­se Ver­kehrs­ord­nung ist kein Ge­setz, es han­delt sich um eine »Emp­feh­lung«, oder im Ju­ri­sten­deutsch »eine von ju­ri­sti­schen Form­er­for­der­nis­sen frei­ge­stell­te Ver­ein­ba­rung«. Da­mit ist kein Self­pu­blisher ge­zwun­gen, sich dar­an zu hal­ten. Üb­ri­gens auch kein Ver­lag. So­gar aus der Bran­che selbst kommt Ge­gen­wind zu die­ser Idee, die wie­der ein­mal zeigt, wie rea­li­täts­fern Tei­le eben die­ser Bran­che sind.

Den­noch droht Sprang im In­ter­view ganz un­ver­hoh­len, wenn er sagt:

Wir sind da­von über­zeugt, dass das Gros der Ver­la­ge die­se Sicht­wei­se teilt und sich an die Vor­ga­be hal­ten wird. Even­tu­el­le Ver­stö­ße müss­ten wir im Ein­zel­fall prü­fen.

Und: Der Bör­sen­ver­ein möch­te sich auch für Self­pu­blisher öff­nen, das sind alte News. Den­noch soll­te man sich über­le­gen, was man tut, be­vor man ein­tritt, viel­leicht in­ter­pre­tiert man die Ver­kehrs­ord­nung über­mor­gen als ver­pflich­tend, schreibt das in die Sat­zung, und ver­langt die Ein­hal­tung von al­len Mit­glie­dern. Ab­we­gig ist das mei­ner Mei­nung nach kei­nes­falls.

Ab­seits da­von fin­det sich im In­ter­view mit dem Ju­sti­zi­ar Sprang aber eine Aus­sa­ge zum The­ma Buch­preis­bin­dung auf Self­pu­blisher-eBooks, die mich vor Ver­blüf­fung aus­gie­big die Au­gen rei­ben lässt, und die den an­de­ren Knül­ler dar­stellt:

Nach An­sicht der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins fal­len E-Books von Self­pu­blishern un­ter­halb ei­ner preis­li­chen Ba­ga­tell­gren­ze, die der­zeit un­ge­fähr bei 4 Euro liegt, als nicht ver­lags- bzw. buch­han­dels­ty­pi­sche Ti­tel oh­ne­hin nicht in den An­wen­dungs­be­reich der Buch­preis­bin­dung. Die­se kön­nen in Ak­tio­nen des­halb vor­über­ge­hend so­gar auf 0 Euro her­un­ter­ge­setzt wer­den. Bei preis­ge­bun­de­nen E-Books gibt es die­se Mög­lich­keit nicht, weil hier der 0 Euro-Preis als Preis­auf­he­bung ge­wer­tet wür­de.

Ich wie­der­ho­le den wich­ti­gen Teil:

Nach An­sicht der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins fal­len E-Books von Self­pu­blishern un­ter­halb ei­ner preis­li­chen Ba­ga­tell­gren­ze […] oh­ne­hin nicht in den An­wen­dungs­be­reich der Buch­preis­bin­dung.

Das wi­der­spricht al­len bis­he­ri­gen Aus­sa­gen, die mir ge­gen­über sei­tens der Rechts­ab­tei­lung des Bör­sen­ver­eins ge­macht wur­den. Es hieß im­mer, auch Self­pu­bli­shing-eBooks, egal wel­chen Prei­ses, un­ter­lä­gen selbst­ver­ständ­lich der Buch­preis­bin­dung (sie­he bei­spiels­wei­se die­se bei­den Ar­ti­kel auf Phan­ta­News). Und jetzt das. Man muss sich fra­gen, wo­her die­ser plötz­li­che und völ­lig un­er­war­te­te Sin­nes­wan­del kommt?

Vor al­lem ist die Be­grün­dung ab­so­lut nicht nach­voll­zieh­bar: Ob es sich bei ei­nem Buch um ein Buch han­delt, hängt von di­ver­sen Fak­to­ren ab, aber ga­ran­tiert nicht vom Preis. Das gibt das vom Bör­sen­ver­ein im­mer so gern zi­tier­te Buch­preis­bin­dungs­ge­setz an kei­ner Stel­le her.

[Nach­trag 11:46:] Oder wie es ein mir be­kann­ter Ver­la­ger aus­drück­te:

»Wer hat denn dem BÖV in den Kopf ge­kackt?«

Bild: Book­sel­ler And Aut­hor, Tho­mas Row­landson, ge­mein­frei

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

CopyrightIn mei­nen Au­gen ist es ge­ra­de­zu wi­der­wär­tig zu nen­nen, wie der Bör­sen­ver­ein sich über die Stär­kung der Rech­te des Ur­he­bers in ei­nem Ent­wurf des Ur­he­ber­rechts echauf­fiert. Bis­her sind die Ver­wer­ter deut­lich im Vor­teil, was Rech­te an­geht und kön­nen den Ur­he­bern Kne­bel­ver­trä­ge dik­tie­ren, bei­spiels­wei­se was Lauf­zei­ten an­geht. Das führt un­ter an­de­rem dazu, dass Bü­cher in der Ver­sen­kung ver­schwin­den, weil sie nicht nach­pro­du­ziert wer­den, der Ver­lag aber auch die Rech­te nicht frei­gibt, da­mit die­se an den Au­tor zu­rück­fal­len kön­nen. Völ­lig gro­tesk wird die Lage bei eBooks: Wenn die Ver­trags­klau­sel bei Print­bü­chern noch lau­tet, dass die Rech­te an den Au­tor zu­rück­fal­len, wenn das Buch eine ge­wis­se Zeit lang nicht er­hält­lich war, ist das bei eBooks qua­si nie so, der Ur­he­ber wird die Rech­te also nie zu­rück er­hal­ten.

In der No­vel­lie­rung des Ur­he­ber­rechts soll die­se Zeit auf fünf Jah­re be­grenzt wer­den. Wenn ein an­de­rer An­bie­ter dann für die Rech­te mehr be­zahlt, darf der Au­tor die­se zu­rück­for­dern und an den neu­en An­bie­ter ver­ge­ben.

Mat­thi­as Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger-Aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins, äu­ßert sich kri­tisch. Un­ter an­de­rem dar­über, dass sich ein Buch in fünf Jah­ren noch nicht amor­ti­siert ha­ben könn­te.

Der Ge­setz­ent­wurf des BMJV sieht un­ter an­de­rem vor, dass Au­to­ren ihre Ver­lags­ver­trä­ge nach fünf Jah­ren durch Rück­ruf be­en­den kön­nen. Dazu sol­len sie be­rech­tigt sein, wenn ih­nen ein Ver­wer­ter, der an den In­ve­sti­tio­nen des Ur­sprungs­ver­lags in das Werk und an des­sen wirt­schaft­li­chem Ri­si­ko nicht be­tei­ligt war, für die Wei­ter­nut­zung z.B. ei­nen ho­hen Vor­schuss bie­tet. Der ur­sprüng­li­che Ver­trags­part­ner hat dann le­dig­lich eine Art Vor­kaufs­recht. Das gilt auch dann, wenn er sich auf­grund noch nicht amor­ti­sier­ter In­ve­sti­tio­nen in das Werk ge­gen­über dem neu­en Bie­ter in ei­ner rui­nö­sen Wett­be­werbs­si­tua­ti­on be­fin­det. [Quel­le]

Darf ich mal la­chen? Die mei­ste Mas­sen­wa­re ab­seits von Best­sel­lern ist doch nach fünf Jah­ren nur noch in der Back­list zu fin­den, wenn man viel Glück hat. Die wur­de in­zwi­schen schon lan­ge auf dem Re­mit­ten­den-Grab­bel­tisch ver­ramscht. Bei Best­sel­lern sieht die Sa­che na­tür­lich deut­lich an­ders aus, aber bei de­nen hat man dann si­cher­lich be­reits ge­nug Um­satz ge­macht, dass sich die Sa­che für Ver­lag (und viel­leicht so­gar Au­tor) lohn­te.

Die Lö­sung ist ei­gent­lich ein­fach: Zu­frie­de­ne Au­to­ren blei­ben beim Ver­lag. Wenn man die­se also nicht am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern lässt und fair be­han­delt, dann wer­den die­se si­cher­lich wei­ter mit dem Ver­lag ar­bei­ten, der sie er­folg­reich ge­macht hat. Macht ein an­de­rer Ver­lag ein deut­lich bes­se­res An­ge­bot, dann ist das Werk of­fen­sicht­lich auch deut­lich mehr wert, als der er­ste Ver­trags­part­ner zah­len möch­te. Ei­gent­lich sind das in ei­ner Markt­wirt­schaft völ­lig nor­ma­le Vor­gän­ge, aber wenn man sein Haupt se­lig auf dem wei­chen Kis­sen der Buch­preis­bin­dung bet­ten kann, mag ei­nem das mög­li­cher­wei­se nicht klar sein. Ein wei­te­rer Grund dürf­te sein, dass et­li­che Ver­le­ger (und an­de­re Mit­spie­ler in der Buch­bran­che) im­mer noch nicht ver­stan­den ha­ben, oder die Au­gen da­vor ver­schlie­ßen, dass wir nicht mehr in den 1980ern le­ben.

Der Ver­weis auf Klein­ver­la­ge zieht in mei­nen Au­gen nicht, da die­se nach mei­nen Er­fah­run­gen den Au­to­ren oh­ne­hin bes­se­re und fai­re­re Kon­di­tio­nen bie­ten, als gro­ße Pu­bli­kums­ver­la­ge. Die klei­nen agie­ren mit den Ur­he­bern auf Au­gen­hö­he, statt vom ho­hen Ross her­ab.

Es dürf­te aber klar sein, dass der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels sei­ne ge­sam­te Lob­by­macht in die Wag­scha­le wer­fen wird, um au­to­ren­freund­li­che und seit Jah­ren über­fäl­li­ge Ver­bes­se­run­gen der Ge­set­zes­la­ge zu­gun­sten der Ur­he­ber zu ver­hin­dern. Die Mu­sik­in­du­strie wird das eben­falls tun. Es soll­te also kei­nen wun­dern, wenn am Ende auf­grund die­ser Lob­by­ein­flüs­se ein Ge­setz her­aus­kommt, das die Ur­he­ber noch schlech­ter stellt, als es jetzt be­reits der Fall ist.

Die Ver­wer­ter sind ex­akt das: Ver­wer­ter. Sie schaf­fen selbst nichts Krea­ti­ves, sie ver­kau­fen aus­schließ­lich das Werk Drit­ter, der ei­gent­li­chen Ur­he­ber. Und ich wie­der­ho­le mich: De­ren Rech­te müs­sen im Rah­men ei­ner Ur­he­ber­rechts­no­vel­le deut­lich ge­stärkt wer­den. Die ak­tu­el­len Ver­wer­terrech­te sind viel zu um­fang­reich, zu aus­ufernd, sie be­nach­tei­li­gen die Werk­schaf­fen­den. Und wenn die Ver­wer­ter von »Ur­he­ber­rech­ten« spre­chen, wenn sie ge­gen an­geb­li­che Raub­ko­pi­en wet­tern, dann mei­nen sie die­se nicht tat­säch­lich, son­dern aus­schließ­lich ihre Ver­wer­terrech­te.

Wir brau­chen aber mehr Rech­te für die Ur­he­ber. Drin­gend. Ge­set­ze müs­sen zu­erst dem Bür­ger die­nen, nicht ir­gend­wel­chen Fir­men­in­ter­es­sen.

Bild »Co­py­right« von Pixabay, CC0, Pu­blic Do­main

Nachtrag zu »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören«

Nachtrag zu »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören«

audiobookGe­stern schrieb ich et­was über das Ge­jam­me­re des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels zum The­ma Au­di­ble bzw. Ama­zon und de­ren Vor­ha­ben, ein Flat­rate­mo­dell für Hör­bü­cher ein­zu­füh­ren. Dazu habe ich in der Wi­ki­pe­dia noch ein amü­san­tes De­tail ge­fun­den:

Das deut­sche Un­ter­neh­men, die Au­di­ble GmbH wur­de 2004 als Joint Ven­ture von der Au­di­ble Inc. so­wie den Ver­lags­grup­pen Holtz­brinck Ven­tures GmbH und Ran­dom Hou­se GmbH ge­grün­det. 2006 kauf­te sich die Ver­lags­grup­pe Lüb­be GmbH eben­falls als Ge­sell­schaf­ter bei der Au­di­ble GmbH ein. Die Au­di­ble Inc. wur­de 2008 von der Amazon.com Inc. (NASDAQ: AMZN) zum Preis von 300 Mio. US$ ge­kauft. 2009 kauf­te Ama­zon die An­tei­le der an­de­ren Part­ner des deut­schen Joint Ven­ture auf.

Quel­le

Wir las­sen uns das auf der Zun­ge zer­ge­hen: Nam­haf­te deut­sche Ver­la­ge wa­ren Mit­in­ha­ber von Au­di­ble, ha­ben aber an Ama­zon ver­tickt – über die Grün­de könn­te man jetzt spe­ku­lie­ren …

Bild: Au­dio­book von Jef­f_Gol­den auf flickr, CC BY-SA

Börsenverein: »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören« – mit anderen Worten: Mimimi!

Börsenverein: »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören« – mit anderen Worten: Mimimi!

audiobookLaut ei­nem Ar­ti­kel auf Bör­sen­blatt On­line will der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels ge­gen Plä­ne von Ama­zon bzw. de­ren Toch­ter Au­di­ble vor­ge­hen, ein Flat­rate-Mo­dell für Hör­bü­cher ein­zu­füh­ren. Man habe sich des­halb beim Bun­des­kar­tell­amt und der EU-Kom­mis­si­on über die­ses Ver­hal­ten be­schwert. Bör­sen­ver­sins-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Alex­an­der Ski­pis sag­te: »Das Ge­schäfts­mo­dell von Ama­zon und Au­di­ble zielt dar­auf ab, die aus­ge­zeich­ne­ten Buch­han­dels­struk­tu­ren in Deutsch­land zu zer­stö­ren.«

Aha. Ich weiß ja nicht, ob ir­gend­je­mand in den hö­he­ren Eta­gen des Bör­sen­ver­eins bis­wei­len Mu­sik hört. Falls ja, könn­te den­je­ni­gen auf­ge­fal­len sein, dass die An­zahl an Plat­ten­lä­den in den In­nen­städ­ten dra­ma­tisch zu­rück­ge­gan­gen ist, man be­kommt Ton­trä­ger in­zwi­schen fast aus­schließ­lich bei gro­ßen Ket­ten wie Sa­turn oder Me­dia Markt – wenn über­haupt. Grund: Es ist viel ein­fa­cher und be­que­mer, sich sei­ne Mu­sik als mp3-Da­tei on­line zu kau­fen und her­un­ter­zu­la­den. Auch wenn man beim Bör­sen­ver­ein viel­leicht meint, dass Hör­bü­cher aber doch et­was künst­le­risch und kul­tu­rel­les be­son­ders Wert­vol­les sei­en (träumt wei­ter, sie sind auch nur Me­di­en wie alle an­de­ren), blei­ben sie doch letzt­end­lich nur Au­dio­da­tei­en. Und für die gilt das­sel­be: Man kauft sie eher on­line als off­line. Das bie­tet Au­di­ble an. Of­fen­bar bes­ser als der Rest, denn sie ha­ben 90% Markt­an­teil bei Hör­bü­chern in Deutsch­land (weil sie auch App­les iTu­nes be­lie­fern).

Und wer sonst noch? Auch hier hat die Bran­che wie schon bei den eBooks wie­der mal seit Jah­ren kom­plett ver­schla­fen, ein brauch­ba­res Al­ter­na­tiv­an­ge­bot auf die Bei­ne zu stel­len. Und auch den Buch­händ­lern hät­te mal auf­ge­hen kön­nen, dass Hör­bü­cher den­sel­ben Weg wie die CD nicht nur ge­hen könn­ten, son­dern muss­ten. Statt sich selbst für die­se ekla­tan­ten Un­ter­las­sun­gen zu kri­ti­sie­ren, ist mal wie­der Ama­zon der Böse – weil die ein er­folg­rei­ches Ge­schäfts­mo­dell ha­ben. Und weil die Bran­che auf­grund ih­rer Ver­säum­nis­se nicht nur kein Al­ter­na­tiv­an­ge­bot hat, son­dern auch in ab­seh­ba­rer Zeit keins am Ho­ri­zont zu se­hen ist. Das Pro­blem ist er­neut kom­plett selbst­ge­macht.

Mimi­mi.

[Up­date 22.09.2015] Es gibt ei­nen Nach­trag zu die­ser Nach­richt.

Bild: Au­dio­book von Jef­f_Gol­den auf flickr, CC BY-SA

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

FSK18 eBookDa­mit hat das Bör­sen­blatt das #neu­land ge­stern mal wie­der so rich­tig auf­ge­mischt. Der Bör­sen­ver­ein be­haup­tet ein­fach mal ohne sach­li­chen Be­weis, dass »ab 18«-eBooks Te­le­me­di­en sind und nur zwi­schen 22:00 und 6:00 Uhr ver­kauft wer­den dür­fen. Ein­ge­re­det dürf­te das dem Bör­sen­ver­ein der Frei­wil­li­ge Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­dia-Dien­ste­an­bie­ter e.V. ha­ben, der selbst (ver­mut­lich ko­sten­pflich­ti­ge) Dienst­lei­stun­gen in Sa­chen Al­ters­ein­stu­fun­gen an­bie­tet und sich so mög­li­cher­wei­se eine neue Ein­nah­me­quel­le si­chern möch­te.

Wei­ter wird im Ar­ti­kel ne­bu­lös von ei­ner »Kla­ge« ge­gen ei­nen On­line­shop be­rich­tet. Dazu wür­den mich bren­nend wei­te­re De­tails in­ter­es­sie­ren, die man na­tür­lich vor­sichts­hal­ber mal nicht lie­fert. So­weit ich weiß, ha­ben Lan­des­me­di­en­an­stal­ten aus­schließ­lich Klap­pen­tex­te und Co­ver be­an­stan­det, nicht aber die eBooks selbst. Und wenn ein On­line­händ­ler tat­säch­lich ju­gend­ge­fähr­den­de Tex­te auf der Web­sei­te im Ka­ta­log ste­hen hat­te, dann ha­ben die Lan­des­me­di­en­an­stal­ten da­mit so­gar völ­lig recht.

Dass über On­line­shops ver­kauf­te eBooks Te­le­me­di­en sind (was ich auch gern mal in­halt­lich be­grün­det se­hen wür­de), macht auch aus fol­gen­dem Grund kei­nen Sinn: Ich kann ge­nau­so­gut ab 18-Bü­cher in Tot­holz­form rund um die Uhr on­line be­stel­len und be­kom­me die pro­blem­los zu­ge­schickt. Ich gehe auch da­von aus, dass Kin­der ohne jeg­li­ches Pro­blem in eine Buch­hand­lung wan­dern und ein ab18-Buch kau­fen könn­ten, da das auf dem Co­ver nicht ver­merkt ist, und da ein Buch­händ­ler (oder die ge­ring­fü­gig be­schäf­tig­te Hilfs­kraft) nicht den In­halt je­den Bu­ches ken­nen kann. Die letz­ten bei­den Fak­ten schei­nen aber kei­nen zu in­ter­es­sie­ren.

Der Bör­sen­ver­ein legt der Buch­bran­che da ge­ra­de ein gi­gan­ti­sches Ei. Denn es wird si­cher­lich schnell fest­ge­stellt wer­den, dass Print­bü­cher hin­sicht­lich der Al­ters­frei­ga­be ana­log (no pun in­ten­ded) be­han­delt wer­den müs­sen, also auch bei die­sen muss zu­künf­tig mög­li­cher­wei­se eine Al­ters­taug­lich­keits­an­ga­be ge­macht wer­den.

Mei­ner Mei­nung nach ist das auch der ein­zig gang­ba­re Weg: Ent­we­der Al­ters­ein­stu­fung für alle Me­di­en­for­men von Bü­chern, oder für kei­ne da­von.

Ach ja: für die Ve­ri­fi­ka­ti­on des Al­ters ih­rer Kun­den sind al­lein die On­line­händ­ler ver­ant­wort­lich, die müs­sen ent­spre­chen­de Lö­sun­gen im­ple­men­tie­ren. Was auch pro­blem­los mög­lich ist – nur Per­so­nen über 18 be­kom­men dann nach Al­ters­ve­ri­fi­ka­ti­on und Ein­log­gen die ent­spre­chen­de Ab­tei­lung an­ge­zeigt. Nicht die Ver­la­ge müs­sen da­für Sor­ge tra­gen. Und auch nicht die Self­pu­blisher.

Aber es sieht wei­ter­hin so aus, als wol­le man dem un­ge­lieb­ten eBook im deut­schen #neu­land mög­lichst nach­hal­tig das Licht aus­bla­sen.

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

eBook-ParagraphMo­men­tan tönt durch die Me­di­en, dass SPD-Chef Ga­bri­el sich mal wie­der vor ei­ner Lob­by ver­neigt hat, dies­mal geht es um die Buch­preis­bin­dung. Das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz soll so an­ge­passt wer­den, dass es auch für eBooks gilt. Das wür­de im Um­kehr­schluss be­deu­ten, dass es, ent­ge­gen al­len bis­he­ri­gen Be­teue­run­gen des Bör­sen­ver­eins des deut­schen Buch­han­dels bis­her eben NICHT für eBooks gilt. Denn sonst gäbe es kei­nen Hand­lungs­be­darf, und man müss­te nicht Lob­by­isten in Gang set­zen, um eine Ge­set­zes­än­de­rung an­zu­schie­ben. Ich habe ein­fach mal nach­ge­fragt – und die Ant­wort kam in Re­kord­zeit:

Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

der­zeit geht es durch die Me­di­en, dass die Bun­des­re­gie­rung auf­grund Ih­rer In­ter­ven­ti­on das Buch­preis­bin­dungs­ge­setz so än­dern will, dass es auch für eBooks gilt.

Bis­her war die Aus­sa­ge des Bör­sen­ver­eins, das Buch­PrG gel­te oh­ne­hin für eBooks und Sie ha­ben auch aus­ge­führt, dass durch ihre Treu­hän­der durch­set­zen zu las­sen. Dies wur­de mir ge­gen­über mehr­fach durch Ihre Rechts­ab­tei­lung be­stä­tigt.

Darf ich aus der Ge­set­zes­in­itia­ti­ve ent­neh­men, dass das Buch­PrG Ih­rer An­sicht nach der­zeit DOCH nicht für eBooks gilt?

Für eine Ant­wort be­dan­ke ich mich im vor­aus und wei­se dar­auf hin, dass die­se im Rah­men ei­nes Ar­ti­kels auf mei­nem Web­por­tal ver­öf­fent­licht wer­den wird.

Mit freund­li­chem Gruß,
Holz­hau­er

Wie ge­sagt: Eine Re­ak­ti­on kam ex­trem zü­gig, das bin ich gar nicht ge­wohnt. Ver­mut­lich war ich nicht der er­ste, der das wis­sen woll­te:

Sehr ge­ehr­ter Herr Holz­hau­er,

der Ge­setz­ge­ber will in die­sem Fall bis­her rich­ter­recht­lich – d.h. durch Aus­le­gung des mo­men­ta­nen Tex­tes des Buch­PrG – gel­ten­des Recht durch eine aus­drück­li­che ge­setz­li­che Re­ge­lung er­set­zen.

Dass der Ge­setz­ge­ber eine von der Recht­spre­chung ent­wickel­te Rechts­la­ge nach­träg­lich ko­di­fi­ziert, ist durch­aus häu­fig der Fall und dient u.a. ei­ner hö­he­ren Rechts­si­cher­heit. Im Text des Re­fe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um (PDF) wird aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass E-Books be­reits un­ter dem gel­ten­den Recht als preis­ge­bun­den an­ge­se­hen wer­den.

Sie kön­nen mit die­ser Ant­wort ger­ne den Ju­sti­zi­ar des Bör­sen­ver­eins, Prof. Dr. Chri­sti­an Sprang, zi­tie­ren.

Be­ste Grü­ße

Tat­säch­lich ist es nun aber so, dass es noch gar kei­ne höchst­rich­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen zu dem The­ma gibt, mir ist kein Fall be­kannt, der bis zum BGH oder wei­ter zum EuGH ge­gan­gen ist. Ich habe die Ver­mu­tung, dass man mit die­ser Ge­set­zes­än­de­rung un­er­wünsch­ten Ur­tei­len zu­vor kom­men möch­te.

Bild eBook-Pa­ra­graph von mir, CC BY-NC

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Buchcover BloggerBuchhandel.de ist eine Platt­form der Bör­sen­ver­eins-Toch­ter MVB. Da kann man on­line Bü­cher kau­fen. Oder eBooks. Sie ha­ben lan­ge ge­braucht, um die­se halb­wegs er­go­no­misch zu ge­stal­ten (die Such­ma­schi­ne lässt nach wie vor zu wün­schen üb­rig). Und die ge­rie­ren sich jetzt als gro­ße Gön­ner der Buch­blog­ger, denn in ih­rer un­end­li­chen Groß­zü­gig­keit er­laubt man die­sen Blog­gern, Buch­co­ver für Re­zen­sio­nen nut­zen zu dür­fen.

Nein! Doch! Oh!

Die Rah­men­be­din­gun­gen sind in mei­nen Au­gen fast schon gro­tesk zu nen­nen. Zum ei­nen muss man sich zwin­gend re­gi­strie­ren und da­bei per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten wie den Re­al­na­men an­ge­ben (was ist mit der ge­setz­li­chen Vor­ga­be laut Te­le­me­di­en­ge­setz, On­line­an­ge­bo­te auch an­onym oder mit Pseud­onym nut­zen zu kön­nen? War­um will MVB sich bei ei­ner An­mel­dung ein­räu­men, die Kre­dit­wür­dig­keit des Blog­be­trei­bers zu prü­fen?). Zum an­de­ren weist man dar­auf hin, dass Buch­co­ver rechts­si­cher zu nut­zen sei­en, wenn man sich den Vor­ga­ben un­ter­wirft. Auf der Sei­te spricht man tat­säch­lich kon­kret von »rechts­si­cher« und baut in mei­nen Au­gen eine rei­ne Droh­ku­lis­se im Zu­sam­men­hang mit dem Ur­he­ber­recht auf Buch­co­ver auf, soll­te man sich nicht an ihre Vor­ga­ben hal­ten. Dum­mer­wei­se wur­de das al­ler­dings of­fen­bar von je­man­dem ver­fasst, der we­der über tech­ni­sche noch recht­li­che Ex­per­ti­se ver­fügt.

Die Droh­ku­lis­se ver­weist auf das Ur­he­ber­recht in Sa­chen Buch­co­ver und auf »straf­recht­li­che Fol­gen« (ich lach­te). Man kann auf der Sei­te le­sen:

wei­ter­le­sen →

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Kinder draußenIch habe eine Freun­din, die ist Kin­der­gärt­ne­rin. In den letz­ten Jah­ren er­zähl­te sie im­mer wie­der mal vol­ler Freu­de, dass sie mit ei­ni­gen der Kin­der, die sie be­treut, auf der Buch­mes­se war und wie toll die Kur­zen den Be­such in der Kin­der­buch­ab­tei­lung fan­den.

Als sie in die­sem Jahr we­gen Kar­ten nach­frag­te, er­hielt sie die Ant­wort, dass man lei­der kei­ne ko­sten­lo­sen Kar­ten für Schu­len und Kin­der­gär­ten mehr be­reit stel­len kön­ne. Die Be­grün­dung haut ei­nen um: Die Nach­fra­ge sei zu groß ge­we­sen.

Man fasst es kaum. Da ge­riert sich eine Bran­che im­mer wie­der als Ret­ter der Kul­tur und des Abend­lan­des und man wird nicht müde, zu be­to­nen, wie wich­tig Le­sen auch und ge­ra­de für die Jüng­sten sei und man sie un­be­dingt früh dar­an her­an­füh­ren müs­se – und dann ist man sich auf ein­mal zu fein, die dann auch kon­se­quen­ter­wei­se auf die Buch­mes­se ein­zu­la­den. Of­fen­sicht­lich möch­ten die Schaf­fen­den ver­meint­lich ho­her Li­te­ra­tur in Frank­furt lie­ber un­ter sich blei­ben. Das mit der »gro­ßen Nach­fra­ge« konn­te ich bei mei­nem Be­such im letz­ten Jahr nicht be­stä­tigt fin­den. Am Frei­tag, dem Tag an dem Schu­len und Kin­der­gär­ten auf der Mes­se wa­ren, konn­te ich wahr­lich kein Ge­drän­ge von Kin­dern fest­stel­len. Die Men­ge an Schlips­trä­gern und Wich­tig­tu­ern war im­mer noch deut­lich hö­her.

Ich kann für das Ver­wei­gern der Kar­ten nur ein Wort fin­den: er­bärm­lich.

Ver­mut­lich wer­den als näch­stes die Pu­bli­kums­ta­ge ab­ge­schafft, da­mit man gar nicht mehr mit den lä­sti­gen Le­sern in Kon­takt kom­men muss.

Bild »Kind« von Pixabay – CC0