Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Die Europäis­che Union arbeit­et bere­its seit län­gerem an Verord­nun­gen, die dafür sor­gen, dass es kein Geoblock­ing von Kun­den mehr gibt. Damit kön­nte man dann europaweit Geräte und Dien­stleis­tun­gen einkaufen, ohne dass einem dabei Fil­ter in die Quere kom­men, die einen basiert auf dem Land, aus dem man stammt, block­ieren. Man nen­nt diesen Vor­gang Geoblock­ing.

Das soll angesichts der Real­itäten in ein­er dig­i­tal­isierten, glob­al­isierten Inter­netwelt abgeschafft wer­den, und das ist auch gut so, denn es ist nicht einzuse­hen, warum europäis­ch­er Bin­nen­markt oder Glob­al­isierung immer nur Fir­men zugute kom­men sollen, aber nicht Ver­brauch­ern.

Doch dank mas­siv­er Lob­b­yarbeit unter anderem des Börsen­vere­ins des Deutschen Buch­han­dels, sollen eBooks expliz­it von der Geoblock­ing-Vere­in­barung aus­geschlossen bleiben. Einen sach­lichen Grund dafür gibt es außer Pfrün­desicherung nicht, außer vielle­icht die Angst, dass die fos­sile und längst über­flüs­sig gewor­dene Buch­preis­bindung aufgewe­icht wer­den kön­nte.

Als Begrün­dung wird dabei unter anderem tat­säch­lich ange­bracht, dass

»auf­grund natür­lich­er Sprach­bar­ri­eren zwis­chen den Län­dern Verkäufe über Gren­zen hin­aus ohne­hin ger­ing blieben, und die notwendi­gen tech­nis­chen Investi­tio­nen, um über Gren­zen hin­weg zu verkaufen zu hoch wären«

… und dadurch kleine und mit­tlere Unternehmen gezwun­gen wür­den, aus dem Verkauf von Büch­ern auszusteigen.

Das ist natür­lich dummes Geschwätz, denn die Prob­leme, über Gren­zen hin­weg Waren zu verkaufen, hat jede Branche, nicht nur der Buch­han­del. Und wenn die gren­züber­greifend­en Verkäufe tat­säch­lich nicht ins Gewicht fall­en, wäre das in meinen Augen sog­ar eher ein Grund dafür, europaweites Verkaufen von eBooks zu ermöglichen. Das mit den kleinen Unternehmen ist Augen­wis­cherei und falsch, im Rah­men des gren­züber­greife­nen Anbi­etens von Dien­stleis­tun­gen, das vor eini­gen Jahren einge­führt wurde, hat der Geset­zge­ber ohne­hin vere­in­fachte Möglichkeit­en für kleine Anbi­eter geschaf­fen, um mit den geset­zlichen Vor­gaben beispiel­sweise in Sachen Umsatzs­teuer zurecht zu kom­men (Stich­wort: One-Stop-Shop). Und wenn so ziem­lich jed­er kleine Krauter das inzwis­chen kann, dann soll­ten es auch Buch­händler auf die Kette bekom­men kön­nen. Aber die ver­schlafen ja lieber auf ihrem san­ften Kissen namens Buch­preis­bindung weit­er­hin die Dig­i­tal­isierung – und diese Ein­flussnahme auf EU-Verord­nun­gen soll dafür sor­gen, dass sie auch nicht aufwachen müssen.

Grund für die Ein­wirkung auf die Poli­tik dürfte in meinen Augen eher sein, dass nicht-deutschsprachige eBooks in Deutsch­land maß­los über­teuert sind, und in anderen Län­dern erhe­blich gün­stiger gekauft wer­den kön­nten, sog­ar zum Teil noch gün­stiger als hierzu­lande ohne­hin bere­its bei Ama­zon.

Dass die EU-Poli­tik vor der Buchlob­by eingeknickt ist, finde ich offen gesagt zum Kotzen.

p.s.: Mit der Hil­fe von VPNs kann man Geoblock­ing mehr oder weniger legal umge­hen (möglicher­weise unter­sagen die AGB des jew­eili­gen Anbi­eters das).

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

Bundesgerichtshof: Keine VG Wort-Ausschüttung an Verlage

eBook-ParagraphDer Autor Mar­tin Vogel kämpft sich seit eini­gen Jahren durch die Instanzen. Grund: Die Ver­w­er­tungs­ge­sellschaft VG Wort schüt­tet die Hälfte sein­er Ein­nah­men an die Ver­lage aus. Vogel ist wie etliche andere auch der Ansicht, dass dieses Geld einzig und allein den Urhe­ber, also den Autoren zuste­ht. Und selb­st wenn diese Ansicht immer wieder von Gericht­en bestätigt wurde, wollen Börsen­vere­in, Ver­lage und VG Wort das bis zum bit­teren Ende durchkämpfen. Eigentlich auch kein Wun­der, denn denen würde ein Haufen Geld ent­ge­hen, dass sie immer gern ein­genom­men haben. Zu unrecht, wie jet­zt erneut ein Gericht bestätigte.

Laut Bun­des­gericht­shof in Karl­sruhe ist die VG Wort nicht berechtigt, pauschale einen betrag in Höhe der Hälfte ihrer Ein­nah­men an die Ver­lage auszuschüt­ten. Dieses Geld gehört den Urhe­bern und nur den Urhe­bern (Az.: I ZR 198/13).

Branche und Börsen­vere­in hat­ten in den ver­gan­genen Jahren den Unter­gang des Abend­lan­des beschworen, wenn sie das Geld nicht mehr erhal­ten würde. Auch die VG Wort hat­te sich nicht auf die Seite der Urhe­ber gestellt, son­dern sog­ar damit gedro­ht, die Zahlun­gen bis zu ein­er Klärung einzustellen.

Mat­thias Ul­mer, Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger­aus­schus­ses des Bör­sen­ver­eins dro­hte ganz unver­hohlen damit:

Wird die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion hier nicht um­ge­hend tä­tig, wer­den Ver­lage ge­zwun­gen sein, ihre Kal­ku­la­tio­nen in je­der Be­zie­hung an­zu­pas­sen, auch was die Au­to­ren­ver­gü­tung be­trifft

Sprich: Wenn wir die Kohle von der VG Wort nicht mehr bekom­men, zahlen wir den Autoren weniger (noch weniger!) und machen die Büch­er teur­er. So!

Oder kurz: Mim­i­mi!

Denn mit diesem erneuten Urteil zum The­ma haben nun sowohl der EuGH wie auch der BGH als Revi­sion­sin­stanz ein­deutiges Recht gesprochen: Die bish­erige langjährige Prak­tik ist rechtswidrig, die Auss­chüt­tun­gen ste­hen einzig und allein den Autoren zu. Die Ansicht­en von Mar­tin Vogel waren von Anfang an kor­rekt, das ist nun erneut hochrichter­lich bestätigt wor­den. Da kön­nen Börsen­vere­in und Branche noch so laut maulen. Aber wie erwartet wird nun natür­lich medi­en­wirk­sam ein Ver­lagsster­ben prophezei­ht (kann ich lei­der nicht ver­linken, Artikel hin­ter Pay­wall).

Möglicher­weise entste­hen daraus noch andere Kon­se­quen­zen: Autoren kön­nten auf die Idee kom­men, von den Ver­la­gen wider­rechtlich ein­genommene Auss­chüt­tun­gen zurück­zu­fordern.

Inter­es­sante Aus­führun­gen zu dem The­ma auch immer wieder bei Tom Hil­len­brand.

Derzeit schweigt sich die Medi­en­land­schaft noch weitest­ge­hend dazu aus. Das Börsen­blatt brachte einen eher knapp zu nen­nen­den Artikel, ohne das son­st übliche Ket­tengeras­sel (aus der Rich­tung hat­te es zulet­zt sog­ar noch geheißen, der Staatssek­tär, der damals das Gesetz ver­fasste »hätte sich nur ver­schrieben«. Ulkig aber wahr. Man kann sich vorstellen, was die Richter dazu gesagt haben). Sobald ich mehr Details zum Urteil kenne, ergänze ich Links.

Update (10:18 Uhr): Das Mim­i­mi des Börsen­vere­ins ließ nicht lange auf sich warten. Man dro­ht nun damit, die Poli­tik einzuschal­ten, um Geset­ze nach Gus­to der Branche zu ändern:

Jed­er Außen­ste­hende und vor allem jed­er Poli­tik­er sollte nachvol­lziehen kön­nen, dass hier im Urhe­ber­recht etwas voll­ständig aus dem Rud­er gelaufen ist

sagt Alexan­der Skip­is. Man möchte jet­zt eine Ver­fas­sungs­beschw­erde prüfen. Ja, schon doof, dass sich auch Ver­lage ans Urhe­ber­recht hal­ten müssen, was?

Update (10:50 Uhr): auch beim Buchre­port darf Skip­is sich pro­duzieren:

Der Zus­tand, den wir jet­zt haben, war nie der wahre Wille des Geset­zge­bers.

Inter­es­sant, dass man beim Börsen­vere­in bess­er als der Geset­zge­ber wis­sen möchte, wie Geset­ze auszuse­hen haben und dem Geset­zge­ber damit prak­tisch die Kom­pe­tenz abspricht. Sind Geset­ze nur dann gut, wenn sie ein­er Lob­by nutzen und schlecht, wenn nicht? Weit­er schreibt man im Buchre­port:

Im Ver­lags­bere­ich befürchtet Skip­is nun Insol­ven­zen: Den Ver­la­gen dro­ht­en Rück­zahlun­gen in dreis­tel­liger Mil­lio­nen­höhe an die VG Wort, VG Bild-Kun­st, GEMA und VG Musikedi­tion. Damit werde eine große Zahl von Ver­la­gen mit­tel­fristig wegen der notwendi­gen Rück­stel­lun­gen und der aus­bleiben­den Ein­nah­men von Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften wirtschaftlich nicht länger über­lebens­fähig sein.

Was soll ich sagen? Wenn die Exis­tenz von Ver­la­gen auss­chließlich an unrecht­mäßi­gen Ein­nah­men hängt, ist offen­bar zum einen das Geschäftsmod­ell falsch. Und zum anderen klingt es für mich beina­he mafiös, wenn man an den rechtswidri­gen Prak­tiken unbe­d­ingt fes­thal­ten möchte und dafür jet­zt offen auf Manip­u­la­tion von Poli­tik­ern set­zt.

Update (11:20 Uhr): Langsam wer­den sie alle wach. Wärend FAZ, Deutsch­land­funk, Focus und Co. nur eine kurze Agen­turmel­dung kopieren, find­et man beim »Neuen Musik­magazin« eine aus­führlichere Urteils­be­grün­dung.

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Börsenverein, Amazon, Hörbücher und das Bundeskartellamt

Audible LogoEs ging in den ver­gan­genen Tagen nicht nur durch den virtuellen Blät­ter­wald, da sich natür­lich auch die Totholzme­di­en darauf gestürzt haben: Der Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels hat durchge­boxt, dass sich das Bun­deskartel­lamt mit Apple, Audi­ble und Ama­zon befasst. Man beklagt, wie immer lau­thals, dass Ama­zon 90% der nicht­ph­ysis­chen Hör­büch­er verkauft (eben auch via Apple, die durch Audi­ble beliefert wer­den). Und dass deswe­gen alle ster­ben wer­den, vor allem der Buch­han­del.

Da frage ich mich natür­lich als Allererstes: In welch­er Buch­hand­lung kann ich denn MP3s oder Streams von Hör­büch­ern kaufen? (und kommt mir bitte nicht damit, dass es auch CDs gibt, auf denen sich MP3s befind­en)

Alexan­der Skip­is, Haupt­geschäfts­führer des Börsen­vere­ins, sagte:

Hör­buchver­lage brauchen eine adäquate Möglichkeit, ihre Hör­büch­er auch unab­hängig von Audi­ble vertreiben zu kön­nen. Das ist in der derzeit­i­gen Kon­stel­la­tion nicht möglich

Wenn wir mal ehrlich sind, ist die Tat­sache, dass Ama­zon 90% der Hör­buch-Down­loads in Deutsch­land vertickt, nur eines: eine pein­liche Bankrot­terk­lärung der Branche. Die zeigt, dass die auch bei diesem Medi­um die Entwick­lung und den Medi­en­wan­del aber sowas von voll­ständig im tief­sten Schlum­mer ver­passt hat.

Pikant ist dabei vor allem eins: Der deutsche Ableger von Audi­ble gehörte zu nicht gerin­gen Teilen Holtzbrink, Luebbe und Ran­dom House (alias Ber­tels­mann), und die haben Ama­zon ihre Anteile 2009 verkauft, ver­mut­lich mit Dol­larze­ichen in den Augen, und froh darüber, die ver­meintlich schwächel­nde Fir­ma loszuw­er­den? Nein, denn bere­its 2009 war Audi­ble ein­er der erfol­gre­ich­sten Hör­buch-Anbi­eter in Deutsch­land (wenn nicht sog­ar der erfol­gre­ich­ste). Und der kön­nte noch heute Holtzbrink, Luebbe und Ran­dom House gehören, wenn sie ihn nicht an … Moment mal, wer war das noch gle­ich? Ach ja! Ama­zon vertickt hät­ten.

Und gegen Ama­zon kommt man in Sachen Hör­buch natür­lich nur durch eine Beschw­erde beim Bun­deskartel­lamt an …

Merkt ihr selb­st, oder?

Audi­ble-Logo Copy­right Ama­zon

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

Der Börsenverein findet Urheberrechte doof – mal wieder

eBook-ParagraphEs gibt mal wieder ein Urteil zum The­ma VG Wort-Abgaben an Ver­lage statt an Urhe­ber (lies: Autoren). Das The­ma schwelt ja bere­its seit etlichen Jahren, und in allen Urteilen der neueren Zeit, wurde die Prax­is, dass Ver­lage zur Hälfte an den VG Wort-Auss­chüt­tun­gen beteiligt wer­den, als min­destens prob­lema­tisch eingeschätzt. Wenn nicht sog­ar als unko­r­rekt. Die Quin­tes­senz war: Das Geld ste­ht den Autoren zu, nicht den Ver­la­gen. Dafür gibt es geset­zliche Grund­la­gen, die immer wieder von Gericht­en bestätigt wur­den.

Und immer wieder beschw­ert sich der Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels darüber, dass das Urhe­ber­recht auch für ihn bzw. seine Mit­glieder gilt. Unver­schämtheit aber auch.

Aktuell entsch­ied sog­ar der EuGH ein­deutig, dass Ver­lage nur dann Geld von Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften bekom­men dür­fen, wenn das nicht zu Las­rten der Urhe­ber geht. Darüber berichtet das Börsen­blatt. Uns selb­stver­ständlich mault man sofort wieder mal darüber, dass Geset­ze auch für Mit­glieder des Börsen­vere­ins gel­ten. Und fordert auch noch, dass die Geset­ze­so­fort nach ihren Wün­schen angepasst wer­den müssen. Es fehlt eigentlich nur noch das »mit dem Fuß auf­stampfen«.

Was man sich ganz beson­ders auf der Zunge zerge­hen lassen sollte, ist fol­gen­der Satz von Matthias Ulmer, Vor­sitzen­der des Ver­legerauss­chuss­es des Börsen­vere­ins:

Wird die Europäis­che Kom­mis­sion hier nicht umge­hend tätig, wer­den Ver­lage gezwun­gen sein, ihre Kalku­la­tio­nen in jed­er Beziehung anzu­passen, auch was die Autoren­vergü­tung bet­rifft

Man fasst es nicht, was da ganz offen aus­ge­sprochen wird. Schon jet­zt lassen die Pub­likumsver­lage ihre Autoren am aus­gestreck­ten Arm ver­hungern und zahlen nur lächer­lich geringe Tantiemen. Und wenn die Ver­lage nun Geld nicht mehr bekom­men, das ihnen über­haupt nicht zuste­ht, zahlt man den Urhe­bern noch weniger? Da muss man erst­mal drauf kom­men.

Darth Vad­er wäre stolz auf euch, »Bösen­vere­in«.

p.s.: Die haben natür­lich eine Hei­de­nangst davor, dass der Super­GAU ein­tritt und Gerichte den Urhe­bern Schadenser­satzansprüche zubil­li­gen.

p.p.s.: Man kann auch mal lesen, was Tom Hil­len­brand dazu meint.

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Börsenverein möchte Ankündigungen für Preisaktionen

Bookseller

Dass man beim Börsen­vere­in noch im 20., wenn nicht wenn nicht gefühlt oft gar im 19. Jahrhun­dert ver­har­rt, ist nichts Neues. Diesen Ein­druck ver­stärkt wed­er ein­mal ein Bericht über die Ein­führung der über­ar­beit­eten Verkehrsor­d­nung des Börsen­vere­ins. BöV-Jus­tiziar erläutert die in einem Inter­view auf der Online-Vari­ante des Buchre­ports.

Der eine absolute Knüller dabei ist: Preisak­tio­nen für eBooks sollen kün­ftig 28 Tage vorher angekündigt wer­den.

Da bleibt mir wieder mal die Spucke weg. Statt selb­st schnell zu wer­den, sollen also stattdessen agile, mod­erne eBook-Her­aus­ge­ber gezwun­gen wer­den, das Sch­neck­en­tem­po der schläfrigen restlichen Branche zu übernehmen? Das kann doch wirk­lich nicht wahr sein und erscheint in meinen Augen wie direkt einem Kaf­ka-Roman entsprun­gen – oder dem Dro­gen­rausch eines Bindungskle­ber­schnüf­flers. Und es beweis erneut, wie weit ab jeglich­er wirtschaftlich­er Real­itäten der Börsen­vere­in nicht zulet­zt auf­grund der Buch­preis­bindung denkt.

Der Hin­weis auf »Wer­bevor­lauf« ist beson­ders ulkig. Wo machen denn beispiel­sweise Ama­zon oder Apple im voraus Wer­bung für null-Euro-Preisak­tio­nen? Im Spiegel? In der Bild? Im Fach­blatt der Bestat­terin­nung? Nir­gend­wo, einzig auf der eige­nen Web­seite- und das soll­ten die eBook-Verkäufer abseits der Ama­zo­nen wohl auch hin­bekom­men, oder?

Weit­er sagt er:

Wenn E-Books jede Woche einen anderen Preis haben, dann wird der Kunde irgend­wann nicht mehr kaufen, son­dern darauf warten, bis ein Titel noch gün­stiger zu haben ist.

Äh, ja. Das ist bei anderen Waren­grup­pen auch so und völ­lig nor­mal. Wenn man etwas unbe­d­ingt haben will, dann kauft man es sofort. Wenn es nicht ganz so wichtig ist, dann wartet man halt auf einen gün­stigeren Preis, mache ich beispiel­sweise bei BlueR­ays genau so. Das ist abseits eines Preis­bindungs­ge­set­zes völ­lig nor­mal. Auch das ist also kein nachvol­lziehbar­er Grund für die Auf­nahme eines solchen Pas­sus in die Verkehrsor­d­nung.

Aber: Diese Verkehrsor­d­nung ist kein Gesetz, es han­delt sich um eine »Empfehlung«, oder im Juris­ten­deutsch »eine von juris­tis­chen For­mer­fordernissen freigestellte Vere­in­barung«. Damit ist kein Self­pub­lish­er gezwun­gen, sich daran zu hal­ten. Übri­gens auch kein Ver­lag. Sog­ar aus der Branche selb­st kommt Gegen­wind zu dieser Idee, die wieder ein­mal zeigt, wie real­itäts­fern Teile eben dieser Branche sind.

Den­noch dro­ht Sprang im Inter­view ganz unver­hohlen, wenn er sagt:

Wir sind davon überzeugt, dass das Gros der Ver­lage diese Sichtweise teilt und sich an die Vor­gabe hal­ten wird. Eventuelle Ver­stöße müssten wir im Einzelfall prüfen.

Und: Der Börsen­vere­in möchte sich auch für Self­pub­lish­er öff­nen, das sind alte News. Den­noch sollte man sich über­legen, was man tut, bevor man ein­tritt, vielle­icht inter­pretiert man die Verkehrsor­d­nung über­mor­gen als verpflich­t­end, schreibt das in die Satzung, und ver­langt die Ein­hal­tung von allen Mit­gliedern. Abwegig ist das mein­er Mei­n­ung nach keines­falls.

Abseits davon find­et sich im Inter­view mit dem Jus­tiziar Sprang aber eine Aus­sage zum The­ma Buch­preis­bindung auf Self­pub­lish­er-eBooks, die mich vor Verblüf­fung aus­giebig die Augen reiben lässt, und die den anderen Knüller darstellt:

Nach Ansicht der Rechtsabteilung des Börsen­vere­ins fall­en E-Books von Self­pub­lish­ern unter­halb ein­er preis­lichen Bagatell­gren­ze, die derzeit unge­fähr bei 4 Euro liegt, als nicht ver­lags- bzw. buch­han­del­styp­is­che Titel ohne­hin nicht in den Anwen­dungs­bere­ich der Buch­preis­bindung. Diese kön­nen in Aktio­nen deshalb vorüberge­hend sog­ar auf 0 Euro herun­terge­set­zt wer­den. Bei preis­ge­bun­de­nen E-Books gibt es diese Möglichkeit nicht, weil hier der 0 Euro-Preis als Preisaufhe­bung gew­ertet würde.

Ich wieder­hole den wichti­gen Teil:

Nach Ansicht der Rechtsabteilung des Börsen­vere­ins fall­en E-Books von Self­pub­lish­ern unter­halb ein­er preis­lichen Bagatell­gren­ze […] ohne­hin nicht in den Anwen­dungs­bere­ich der Buch­preis­bindung.

Das wider­spricht allen bish­eri­gen Aus­sagen, die mir gegenüber seit­ens der Rechtsabteilung des Börsen­vere­ins gemacht wur­den. Es hieß immer, auch Self­pub­lish­ing-eBooks, egal welchen Preis­es, unter­lä­gen selb­stver­ständlich der Buch­preis­bindung (siehe beispiel­sweise diese bei­den Artikel auf Phan­taNews). Und jet­zt das. Man muss sich fra­gen, woher dieser plöt­zliche und völ­lig uner­wartete Sinneswan­del kommt?

Vor allem ist die Begrün­dung abso­lut nicht nachvol­lziehbar: Ob es sich bei einem Buch um ein Buch han­delt, hängt von diversen Fak­toren ab, aber garantiert nicht vom Preis. Das gibt das vom Börsen­vere­in immer so gern zitierte Buch­preis­bindungs­ge­setz an kein­er Stelle her.

[Nach­trag 11:46:] Oder wie es ein mir bekan­nter Ver­lager aus­drück­te:

»Wer hat denn dem BÖV in den Kopf gekackt?«

Bild: Book­seller And Author, Thomas Row­land­son, geme­in­frei

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

Börsenverein motzt über Entwurf zur Urheberrechtsnovellierung

CopyrightIn meinen Augen ist es ger­adezu wider­wär­tig zu nen­nen, wie der Börsen­vere­in sich über die Stärkung der Rechte des Urhe­bers in einem Entwurf des Urhe­ber­rechts echauffiert. Bish­er sind die Ver­w­ert­er deut­lich im Vorteil, was Rechte ange­ht und kön­nen den Urhe­bern Knebelverträge dik­tieren, beispiel­sweise was Laufzeit­en ange­ht. Das führt unter anderem dazu, dass Büch­er in der Versenkung ver­schwinden, weil sie nicht nach­pro­duziert wer­den, der Ver­lag aber auch die Rechte nicht frei­gibt, damit diese an den Autor zurück­fall­en kön­nen. Völ­lig grotesk wird die Lage bei eBooks: Wenn die Ver­tragsklausel bei Print­büch­ern noch lautet, dass die Rechte an den Autor zurück­fall­en, wenn das Buch eine gewisse Zeit lang nicht erhältlich war, ist das bei eBooks qua­si nie so, der Urhe­ber wird die Rechte also nie zurück erhal­ten.

In der Nov­el­lierung des Urhe­ber­rechts soll diese Zeit auf fünf Jahre begren­zt wer­den. Wenn ein ander­er Anbi­eter dann für die Rechte mehr bezahlt, darf der Autor diese zurück­fordern und an den neuen Anbi­eter vergeben.

Matthias Ulmer, Vor­sitzen­der des Ver­leger-Auss­chuss­es des Börsen­vere­ins, äußert sich kri­tisch. Unter anderem darüber, dass sich ein Buch in fünf Jahren noch nicht amor­tisiert haben kön­nte.

Der Geset­zen­twurf des BMJV sieht unter anderem vor, dass Autoren ihre Ver­lagsverträge nach fünf Jahren durch Rück­ruf been­den kön­nen. Dazu sollen sie berechtigt sein, wenn ihnen ein Ver­w­ert­er, der an den Investi­tio­nen des Ursprungsver­lags in das Werk und an dessen wirtschaftlichem Risiko nicht beteiligt war, für die Weit­er­nutzung z.B. einen hohen Vorschuss bietet. Der ursprüngliche Ver­tragspart­ner hat dann lediglich eine Art Vorkauf­s­recht. Das gilt auch dann, wenn er sich auf­grund noch nicht amor­tisiert­er Investi­tio­nen in das Werk gegenüber dem neuen Bieter in ein­er ruinösen Wet­tbe­werb­ssi­t­u­a­tion befind­et. [Quelle]

Darf ich mal lachen? Die meiste Massen­ware abseits von Best­sellern ist doch nach fünf Jahren nur noch in der Back­list zu find­en, wenn man viel Glück hat. Die wurde inzwis­chen schon lange auf dem Remit­ten­den-Grabbeltisch ver­ram­scht. Bei Best­sellern sieht die Sache natür­lich deut­lich anders aus, aber bei denen hat man dann sicher­lich bere­its genug Umsatz gemacht, dass sich die Sache für Ver­lag (und vielle­icht sog­ar Autor) lohnte.

Die Lösung ist eigentlich ein­fach: Zufriedene Autoren bleiben beim Ver­lag. Wenn man diese also nicht am aus­gestreck­ten Arm ver­hungern lässt und fair behan­delt, dann wer­den diese sicher­lich weit­er mit dem Ver­lag arbeit­en, der sie erfol­gre­ich gemacht hat. Macht ein ander­er Ver­lag ein deut­lich besseres Ange­bot, dann ist das Werk offen­sichtlich auch deut­lich mehr wert, als der erste Ver­tragspart­ner zahlen möchte. Eigentlich sind das in ein­er Mark­twirtschaft völ­lig nor­male Vorgänge, aber wenn man sein Haupt selig auf dem weichen Kissen der Buch­preis­bindung bet­ten kann, mag einem das möglicher­weise nicht klar sein. Ein weit­er­er Grund dürfte sein, dass etliche Ver­leger (und andere Mit­spiel­er in der Buch­branche) immer noch nicht ver­standen haben, oder die Augen davor ver­schließen, dass wir nicht mehr in den 1980ern leben.

Der Ver­weis auf Klein­ver­lage zieht in meinen Augen nicht, da diese nach meinen Erfahrun­gen den Autoren ohne­hin bessere und fairere Kon­di­tio­nen bieten, als große Pub­likumsver­lage. Die kleinen agieren mit den Urhe­bern auf Augen­höhe, statt vom hohen Ross herab.

Es dürfte aber klar sein, dass der Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels seine gesamte Lob­by­macht in die Wagschale wer­fen wird, um autoren­fre­undliche und seit Jahren über­fäl­lige Verbesserun­gen der Geset­zes­lage zugun­sten der Urhe­ber zu ver­hin­dern. Die Musikin­dus­trie wird das eben­falls tun. Es sollte also keinen wun­dern, wenn am Ende auf­grund dieser Lob­bye­in­flüsse ein Gesetz her­auskommt, das die Urhe­ber noch schlechter stellt, als es jet­zt bere­its der Fall ist.

Die Ver­w­ert­er sind exakt das: Ver­w­ert­er. Sie schaf­fen selb­st nichts Kreatives, sie verkaufen auss­chließlich das Werk Drit­ter, der eigentlichen Urhe­ber. Und ich wieder­hole mich: Deren Rechte müssen im Rah­men ein­er Urhe­ber­recht­snov­el­le deut­lich gestärkt wer­den. Die aktuellen Ver­w­ert­er­rechte sind viel zu umfan­gre­ich, zu ausufer­nd, sie benachteili­gen die Werkschaf­fend­en. Und wenn die Ver­w­ert­er von »Urhe­ber­recht­en« sprechen, wenn sie gegen ange­bliche Raubkopi­en wet­tern, dann meinen sie diese nicht tat­säch­lich, son­dern auss­chließlich ihre Ver­w­ert­er­rechte.

Wir brauchen aber mehr Rechte für die Urhe­ber. Drin­gend. Geset­ze müssen zuerst dem Bürg­er dienen, nicht irgendwelchen Fir­menin­ter­essen.

Bild »Copy­right« von Pix­abay, CC0, Pub­lic Domain

Nachtrag zu »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören«

Nachtrag zu »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören«

audiobookGestern schrieb ich etwas über das Gejam­mere des Börsen­vere­ins des Deutschen Buch­han­dels zum The­ma Audi­ble bzw. Ama­zon und deren Vorhaben, ein Fla­trate­mod­ell für Hör­büch­er einzuführen. Dazu habe ich in der Wikipedia noch ein amüsantes Detail gefun­den:

Das deutsche Unternehmen, die Audi­ble GmbH wurde 2004 als Joint Ven­ture von der Audi­ble Inc. sowie den Ver­lags­grup­pen Holtzbrinck Ven­tures GmbH und Ran­dom House GmbH gegrün­det. 2006 kaufte sich die Ver­lags­gruppe Lübbe GmbH eben­falls als Gesellschafter bei der Audi­ble GmbH ein. Die Audi­ble Inc. wurde 2008 von der Amazon.com Inc. (NASDAQ: AMZN) zum Preis von 300 Mio. US$ gekauft. 2009 kaufte Ama­zon die Anteile der anderen Part­ner des deutschen Joint Ven­ture auf.

Quelle

Wir lassen uns das auf der Zunge zerge­hen: Namhafte deutsche Ver­lage waren Mit­in­hab­er von Audi­ble, haben aber an Ama­zon vertickt – über die Gründe kön­nte man jet­zt spekulieren …

Bild: Au­dio­book von Jeff_Golden auf flickr, CC BY-SA

Börsenverein: »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören« – mit anderen Worten: Mimimi!

Börsenverein: »Amazon will Buchhandelsstrukturen zerstören« – mit anderen Worten: Mimimi!

audiobookLaut einem Artikel auf Börsen­blatt Online will der Börsen­vere­in des Deutschen Buch­han­dels gegen Pläne von Ama­zon bzw. deren Tochter Audi­ble vorge­hen, ein Fla­trate-Mod­ell für Hör­büch­er einzuführen. Man habe sich deshalb beim Bun­deskartel­lamt und der EU-Kom­mis­sion über dieses Ver­hal­ten beschw­ert. Börsen­versins-Haupt­geschäfts­führer Alexan­der Skip­is sagte: »Das Geschäftsmod­ell von Ama­zon und Audi­ble zielt darauf ab, die aus­geze­ich­neten Buch­han­delsstruk­turen in Deutsch­land zu zer­stören.«

Aha. Ich weiß ja nicht, ob irgend­je­mand in den höheren Eta­gen des Börsen­vere­ins bisweilen Musik hört. Falls ja, kön­nte den­jeni­gen aufge­fall­en sein, dass die Anzahl an Plat­ten­lä­den in den Innen­städten drama­tisch zurück­ge­gan­gen ist, man bekommt Ton­träger inzwis­chen fast auss­chließlich bei großen Ket­ten wie Sat­urn oder Media Markt – wenn über­haupt. Grund: Es ist viel ein­fach­er und beque­mer, sich seine Musik als mp3-Datei online zu kaufen und herun­terzu­laden. Auch wenn man beim Börsen­vere­in vielle­icht meint, dass Hör­büch­er aber doch etwas kün­st­lerisch und kul­turelles beson­ders Wertvolles seien (träumt weit­er, sie sind auch nur Medi­en wie alle anderen), bleiben sie doch let­z­tendlich nur Audio­dateien. Und für die gilt das­selbe: Man kauft sie eher online als offline. Das bietet Audi­ble an. Offen­bar bess­er als der Rest, denn sie haben 90% Mark­tan­teil bei Hör­büch­ern in Deutsch­land (weil sie auch Apples iTunes beliefern).

Und wer son­st noch? Auch hier hat die Branche wie schon bei den eBooks wieder mal seit Jahren kom­plett ver­schlafen, ein brauch­bares Alter­na­ti­vange­bot auf die Beine zu stellen. Und auch den Buch­händlern hätte mal aufge­hen kön­nen, dass Hör­büch­er densel­ben Weg wie die CD nicht nur gehen kön­nten, son­dern mussten. Statt sich selb­st für diese ekla­tan­ten Unter­las­sun­gen zu kri­tisieren, ist mal wieder Ama­zon der Böse – weil die ein erfol­gre­ich­es Geschäftsmod­ell haben. Und weil die Branche auf­grund ihrer Ver­säum­nisse nicht nur kein Alter­na­ti­vange­bot hat, son­dern auch in abse­hbar­er Zeit keins am Hor­i­zont zu sehen ist. Das Prob­lem ist erneut kom­plett selb­st­gemacht.

Mim­i­mi.

[Update 22.09.2015] Es gibt einen Nach­trag zu dieser Nachricht.

Bild: Audio­book von Jeff_Golden auf flickr, CC BY-SA

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

eBooks dürfen nur zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft werden

FSK18 eBookDamit hat das Börsen­blatt das #neu­land gestern mal wieder so richtig aufgemis­cht. Der Börsen­vere­in behauptet ein­fach mal ohne sach­lichen Beweis, dass »ab 18«-eBooks Teleme­di­en sind und nur zwis­chen 22:00 und 6:00 Uhr verkauft wer­den dür­fen. Ein­gere­det dürfte das dem Börsen­vere­in der Frei­willige Selb­stkon­trolle Mul­ti­me­dia-Dien­stean­bi­eter e.V. haben, der selb­st (ver­mut­lich kostenpflichtige) Dien­stleis­tun­gen in Sachen Alter­se­in­stu­fun­gen anbi­etet und sich so möglicher­weise eine neue Ein­nah­me­quelle sich­ern möchte.

Weit­er wird im Artikel neb­ulös von ein­er »Klage« gegen einen Onli­neshop berichtet. Dazu wür­den mich bren­nend weit­ere Details inter­essieren, die man natür­lich vor­sicht­shal­ber mal nicht liefert. Soweit ich weiß, haben Lan­desme­di­en­anstal­ten auss­chließlich Klap­pen­texte und Cov­er bean­standet, nicht aber die eBooks selb­st. Und wenn ein Online­händler tat­säch­lich jugendge­fährdende Texte auf der Web­seite im Kat­a­log ste­hen hat­te, dann haben die Lan­desme­di­en­anstal­ten damit sog­ar völ­lig recht.

Dass über Onli­neshops verkaufte eBooks Teleme­di­en sind (was ich auch gern mal inhaltlich begrün­det sehen würde), macht auch aus fol­gen­dem Grund keinen Sinn: Ich kann genau­sogut ab 18-Büch­er in Totholz­form rund um die Uhr online bestellen und bekomme die prob­lem­los zugeschickt. Ich gehe auch davon aus, dass Kinder ohne jeglich­es Prob­lem in eine Buch­hand­lung wan­dern und ein ab18-Buch kaufen kön­nten, da das auf dem Cov­er nicht ver­merkt ist, und da ein Buch­händler (oder die ger­ingfügig beschäftigte Hil­f­skraft) nicht den Inhalt jeden Buch­es ken­nen kann. Die let­zten bei­den Fak­ten scheinen aber keinen zu inter­essieren.

Der Börsen­vere­in legt der Buch­branche da ger­ade ein gigan­tis­ches Ei. Denn es wird sicher­lich schnell fest­gestellt wer­den, dass Print­büch­er hin­sichtlich der Alters­freiga­be ana­log (no pun intend­ed) behan­delt wer­den müssen, also auch bei diesen muss zukün­ftig möglicher­weise eine Alter­stauglichkeit­sangabe gemacht wer­den.

Mein­er Mei­n­ung nach ist das auch der einzig gang­bare Weg: Entwed­er Alter­se­in­stu­fung für alle Medi­en­for­men von Büch­ern, oder für keine davon.

Ach ja: für die Ver­i­fika­tion des Alters ihrer Kun­den sind allein die Online­händler ver­ant­wortlich, die müssen entsprechende Lösun­gen imple­men­tieren. Was auch prob­lem­los möglich ist – nur Per­so­n­en über 18 bekom­men dann nach Altersver­i­fika­tion und Ein­loggen die entsprechende Abteilung angezeigt. Nicht die Ver­lage müssen dafür Sorge tra­gen. Und auch nicht die Self­pub­lish­er.

Aber es sieht weit­er­hin so aus, als wolle man dem ungeliebten eBook im deutschen #neu­land möglichst nach­haltig das Licht aus­blasen.

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

Börsenverein: Buchpreisbindung für eBooks gilt bereits jetzt

eBook-ParagraphMomen­tan tönt durch die Medi­en, dass SPD-Chef Gabriel sich mal wieder vor ein­er Lob­by verneigt hat, dies­mal geht es um die Buch­preis­bindung. Das Buch­preis­bindungs­ge­setz soll so angepasst wer­den, dass es auch für eBooks gilt. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass es, ent­ge­gen allen bish­eri­gen Beteuerun­gen des Börsen­vere­ins des deutschen Buch­han­dels bish­er eben NICHT für eBooks gilt. Denn son­st gäbe es keinen Hand­lungs­be­darf, und man müsste nicht Lob­by­is­ten in Gang set­zen, um eine Geset­zesän­derung anzuschieben. Ich habe ein­fach mal nachge­fragt – und die Antwort kam in Reko­rdzeit:

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

derzeit geht es durch die Medi­en, dass die Bun­desregierung auf­grund Ihrer Inter­ven­tion das Buch­preis­bindungs­ge­setz so ändern will, dass es auch für eBooks gilt.

Bish­er war die Aus­sage des Börsen­vere­ins, das Buch­PrG gelte ohne­hin für eBooks und Sie haben auch aus­ge­führt, dass durch ihre Treuhän­der durch­set­zen zu lassen. Dies wurde mir gegenüber mehrfach durch Ihre Rechtsabteilung bestätigt.

Darf ich aus der Geset­zesini­tia­tive ent­nehmen, dass das Buch­PrG Ihrer Ansicht nach derzeit DOCH nicht für eBooks gilt?

Für eine Antwort bedanke ich mich im voraus und weise darauf hin, dass diese im Rah­men eines Artikels auf meinem Web­por­tal veröf­fentlicht wer­den wird.

Mit fre­undlichem Gruß,
Holzhauer

Wie gesagt: Eine Reak­tion kam extrem zügig, das bin ich gar nicht gewohnt. Ver­mut­lich war ich nicht der erste, der das wis­sen wollte:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

der Geset­zge­ber will in diesem Fall bish­er richter­rechtlich – d.h. durch Ausle­gung des momen­ta­nen Textes des Buch­PrG – gel­tendes Recht durch eine aus­drück­liche geset­zliche Regelung erset­zen.

Dass der Geset­zge­ber eine von der Recht­sprechung entwick­elte Recht­slage nachträglich kod­i­fiziert, ist dur­chaus häu­fig der Fall und dient u.a. ein­er höheren Rechtssicher­heit. Im Text des Ref­er­ente­nen­twurf des Bun­deswirtschaftsmin­is­teri­um (PDF) wird aus­drück­lich darauf hingewiesen, dass E-Books bere­its unter dem gel­tenden Recht als preis­ge­bun­den ange­se­hen wer­den.

Sie kön­nen mit dieser Antwort gerne den Jus­tiziar des Börsen­vere­ins, Prof. Dr. Chris­t­ian Sprang, zitieren.

Beste Grüße

Tat­säch­lich ist es nun aber so, dass es noch gar keine höch­strichter­lichen Entschei­dun­gen zu dem The­ma gibt, mir ist kein Fall bekan­nt, der bis zum BGH oder weit­er zum EuGH gegan­gen ist. Ich habe die Ver­mu­tung, dass man mit dieser Geset­zesän­derung uner­wün­scht­en Urteilen zuvor kom­men möchte.

Bild eBook-Para­graph von mir, CC BY-NC

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Buchcover BloggerBuchhandel.de ist eine Plat­tform der Börsen­vere­ins-Tochter MVB. Da kann man online Büch­er kaufen. Oder eBooks. Sie haben lange gebraucht, um diese halb­wegs ergonomisch zu gestal­ten (die Such­mas­chine lässt nach wie vor zu wün­schen übrig). Und die gerieren sich jet­zt als große Gön­ner der Buch­blog­ger, denn in ihrer unendlichen Großzügigkeit erlaubt man diesen Blog­gern, Buch­cov­er für Rezen­sio­nen nutzen zu dür­fen.

Nein! Doch! Oh!

Die Rah­menbe­din­gun­gen sind in meinen Augen fast schon grotesk zu nen­nen. Zum einen muss man sich zwin­gend reg­istri­eren und dabei per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en wie den Real­na­men angeben (was ist mit der geset­zlichen Vor­gabe laut Teleme­di­enge­setz, Onlin­eange­bote auch anonym oder mit Pseu­do­nym nutzen zu kön­nen? Warum will MVB sich bei ein­er Anmel­dung ein­räu­men, die Kred­itwürdigkeit des Blog­be­treibers zu prüfen?). Zum anderen weist man darauf hin, dass Buch­cov­er rechtssich­er zu nutzen seien, wenn man sich den Vor­gaben unter­wirft. Auf der Seite spricht man tat­säch­lich konkret von »rechtssich­er« und baut in meinen Augen eine reine Drohkulisse im Zusam­men­hang mit dem Urhe­ber­recht auf Buch­cov­er auf, sollte man sich nicht an ihre Vor­gaben hal­ten. Dum­mer­weise wurde das allerd­ings offen­bar von jeman­dem ver­fasst, der wed­er über tech­nis­che noch rechtliche Exper­tise ver­fügt.

Die Drohkulisse ver­weist auf das Urhe­ber­recht in Sachen Buch­cov­er und auf »strafrechtliche Fol­gen« (ich lachte). Man kann auf der Seite lesen:

weit­er­lesen →

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Frankfurter Buchmesse: Kinder müssen leider draußen bleiben

Kinder draußenIch habe eine Fre­undin, die ist Kindergärt­ner­in. In den let­zten Jahren erzählte sie immer wieder mal voller Freude, dass sie mit eini­gen der Kinder, die sie betreut, auf der Buchmesse war und wie toll die Kurzen den Besuch in der Kinder­buch­abteilung fan­den.

Als sie in diesem Jahr wegen Karten nach­fragte, erhielt sie die Antwort, dass man lei­der keine kosten­losen Karten für Schulen und Kindergärten mehr bere­it stellen könne. Die Begrün­dung haut einen um: Die Nach­frage sei zu groß gewe­sen.

Man fasst es kaum. Da geriert sich eine Branche immer wieder als Ret­ter der Kul­tur und des Abend­lan­des und man wird nicht müde, zu beto­nen, wie wichtig Lesen auch und ger­ade für die Jüng­sten sei und man sie unbe­d­ingt früh daran her­an­führen müsse – und dann ist man sich auf ein­mal zu fein, die dann auch kon­se­quenter­weise auf die Buchmesse einzu­laden. Offen­sichtlich möcht­en die Schaf­fend­en ver­meintlich hoher Lit­er­atur in Frank­furt lieber unter sich bleiben. Das mit der »großen Nach­frage« kon­nte ich bei meinem Besuch im let­zten Jahr nicht bestätigt find­en. Am Fre­itag, dem Tag an dem Schulen und Kindergärten auf der Messe waren, kon­nte ich wahrlich kein Gedränge von Kindern fest­stellen. Die Menge an Schlip­strägern und Wichtigtuern war immer noch deut­lich höher.

Ich kann für das Ver­weigern der Karten nur ein Wort find­en: erbärm­lich.

Ver­mut­lich wer­den als näch­stes die Pub­likum­stage abgeschafft, damit man gar nicht mehr mit den lästi­gen Lesern in Kon­takt kom­men muss.

Bild »Kind« von Pix­abay – CC0