Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Die Europäische Union arbeitet bereits seit längerem an Verordnungen, die dafür sorgen, dass es kein Geoblocking von Kunden mehr gibt. Damit könnte man dann europaweit Geräte und Dienstleistungen einkaufen, ohne dass einem dabei Filter in die Quere kommen, die einen basiert auf dem Land, aus dem man stammt, blockieren. Man nennt diesen Vorgang Geoblocking.

Das soll angesichts der Realitäten in einer digitalisierten, globalisierten Internetwelt abgeschafft werden, und das ist auch gut so, denn es ist nicht einzusehen, warum europäischer Binnenmarkt oder Globalisierung immer nur Firmen zugute kommen sollen, aber nicht Verbrauchern.

Doch dank massiver Lobbyarbeit unter anderem des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sollen eBooks explizit von der Geoblocking-Vereinbarung ausgeschlossen bleiben. Einen sachlichen Grund dafür gibt es außer Pfründesicherung nicht, außer vielleicht die Angst, dass die fossile und längst überflüssig gewordene Buchpreisbindung aufgeweicht werden könnte.

Als Begründung wird dabei unter anderem tatsächlich angebracht, dass

“aufgrund natürlicher Sprachbarrieren zwischen den Ländern Verkäufe über Grenzen hinaus ohnehin gering blieben, und die notwendigen technischen Investitionen, um über Grenzen hinweg zu verkaufen zu hoch wären”

… und dadurch kleine und mittlere Unternehmen gezwungen würden, aus dem Verkauf von Büchern auszusteigen.

Das ist natürlich dummes Geschwätz, denn die Probleme, über Grenzen hinweg Waren zu verkaufen, hat jede Branche, nicht nur der Buchhandel. Und wenn die grenzübergreifenden Verkäufe tatsächlich nicht ins Gewicht fallen, wäre das in meinen Augen sogar eher ein Grund dafür, europaweites Verkaufen von eBooks zu ermöglichen. Das mit den kleinen Unternehmen ist Augenwischerei und falsch, im Rahmen des grenzübergreifenen Anbietens von Dienstleistungen, das vor einigen Jahren eingeführt wurde, hat der Gesetzgeber ohnehin vereinfachte Möglichkeiten für kleine Anbieter geschaffen, um mit den gesetzlichen Vorgaben beispielsweise in Sachen Umsatzsteuer zurecht zu kommen (Stichwort: One-Stop-Shop). Und wenn so ziemlich jeder kleine Krauter das inzwischen kann, dann sollten es auch Buchhändler auf die Kette bekommen können. Aber die verschlafen ja lieber auf ihrem sanften Kissen namens Buchpreisbindung weiterhin die Digitalisierung – und diese Einflussnahme auf EU-Verordnungen soll dafür sorgen, dass sie auch nicht aufwachen müssen.

Grund für die Einwirkung auf die Politik dürfte in meinen Augen eher sein, dass nicht-deutschsprachige eBooks in Deutschland maßlos überteuert sind, und in anderen Ländern erheblich günstiger gekauft werden könnten, sogar zum Teil noch günstiger als hierzulande ohnehin bereits bei Amazon.

Dass die EU-Politik vor der Buchlobby eingeknickt ist, finde ich offen gesagt zum Kotzen.

p.s.: Mit der Hilfe von VPNs kann man Geoblocking mehr oder weniger legal umgehen (möglicherweise untersagen die AGB des jeweiligen Anbieters das).

Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Als ich gestern berichtete, dass Amazon Publishing mit KNV kooperiert, um seine gedruckten Bücher auch über den Buchhandel verkaufen zu können, prophezeihte ich Widerstand des Buchhandels. Aber um eine solche Reaktion vorherzusehen benötigt man in #neuland weder die Fähigkeiten eines Nostradamus, noch eine Kristallkugel.

Im Börsenblatt fanden sich dann auch bereits gestern unter dem Titel “Ihr sägt an dem Ast, auf dem wir sitzen” die Mimimi-Rufe der üblichen Protagonisten. Zitat:

Die Ankündigung von Amazon Publishing, seine deutschsprachigen Titel als Printbücher über das Barsortiment KNV dem stationären Buchhandel anzubieten, stößt unter Buchhändlern auf breite und heftige Ablehnung.

Nein! Damit konnte ja keiner rechnen!

Thalia winkt ab (deren Methoden, um kleine Buchhändler als Konkurrenzen aus dem Rennen zu drücken sind seit Jahren aus einschlägigen Medienberichten bekannt). Aber auch Christian Rietmüller von Osiander und Hartmut Falter von der Mayerschen beklagen sich darüber, dass sie “die Gefahr einer absehbaren Totalabhängigkeit des Selfpublishing-Marktes von Amazon” sehen.

Ja, dank der grottenschlechten und allzu oft abzockerischen Selfpublishing-Angebote der Branche ist der Onlinehändler aus Seattle hier mit weitem Abstand Primus.

Nur geht es bei Amazon Publishing gar nicht um Selfpublishing, denn dabei handelt es sich um einen Verlag, der in seinen Imprints Bücher zu verschiedenen Genres verlegt. Wir reden bei diesem Thema nicht über Selfpublishing – und die Bücher der Amazon-Tochter CreateSpace kann man bis heute überhaupt nicht im Buchladen kaufen. Haben die hohen Herren aus den Totholz-Tempeln das nicht begriffen?

Auch der gesamte restliche Börsenblatt-Artikel stellt auf Selfpublishing ab. Thema offensichtlich weit verfehlt. Außerdem könnte die Branche im Bereich Selfpublishing ja auch einfach mal ein für Selfpublisher brauchbares, faires Angebot mit ähnlich guten Konditionen wie Amazon schaffen. Dann wäre die Dominanz schnell vorbei. Solange man jedoch nur auf schnell gedrehtes Geld schielt … Aber das geht, wie bereits gesagt, am Thema komplett vorbei, ebenso wie die Tatsache, dass danach über eReader schwadroniert wird, und wie toll doch angeblich die verschiedenen Ausprägungen des Tolino sind. Auch das geht meilenweit am Kern vorbei, denn bei der Zusammenarbeit zwischen Amazon und KNV geht es in erster Linie um Printbücher. Worüber schwafeln die da also alle? Haben die das Thema nicht verstanden? Nehmen die Drogen? Liegt es am Adrenalin aufgrund der Aktion KNVs?

Der Punkt ist: Amazon Publishing ist ein Verlag, der seine Bücher über den Buchhandel verkaufen möchte. Das geschieht via KNV mit höchstwahrscheinlich handelsüblichen Konditionen, da das Angebot Amazon Publishings im deutschen Buchmarkt viel zu unbedeutend ist, um Mörder-Konditionen raushauen zu können.

Aber statt sich zu freuen, dass sie auf diesem Weg endlich was vom Kuchen abbekommen, geht das übliche Heulen und Zähneklappern einer fossilen Branche los, wenn der Begriff “Amazon” fällt.

Und weiter: Was soll die Weigerung, die Bücher eines Verlags zu verkaufen, wenn Kunden danach fragen? Ist das Kundenservice? Ist es nicht, im Gegenteil, der so gefoppte Kunde bestellt beim nächsten Mal sofort bei Amazon und ist möglicherweise für den stationären Handel verloren.

Aber eine andere Frage ist viel wichtiger: Wie unfassbar arrogant und unverschämt ist es, die Produkte eines Verlages hochherrschaftlich nicht verkaufen zu wollen? Klar, wenn es um extreme Inhalte gehen würde, wie beispielsweise Volksverhetzung oder Aufruf zu Gewalt, dann könnte ich verstehen, wenn Buchhändler sich weigern, die Produkte eines Verlags zu vertreiben. Aber wenn es um ganz normale Belletristik geht, dann muss man sich fragen, ob der Buchhandel seine Position hier nicht schlicht missbraucht, wenn er einen Verkauf ablehnt? Welche Verlage wird es als nächstes treffen?

In meinen Augen ist das äußerst bedenklich. Und das erwartete “Mimimi!” aus Richtung Buchhandel ein weiterer Beweis für die Rückständigkeit einer Branche angesichts des digitalen Wandels.

Alles wie erwartet im #neuland.

Und Amazon ist erneut in aller Munde …

[Update 9:40]: Statement im Buchreport von Oliver Voerster, geschäftsführender Gesellschafter bei KNV:

Es ist nicht die Aufgabe eines Großhändlers, Titel auszusortieren, sondern ein möglichst breites Sortiment anzubieten.

Amazon Publishing-Titel jetzt im Buchhandel erhältlich – vermutlich

Amazon Publishing-Titel jetzt im Buchhandel erhältlich – vermutlich

Wie bekannt ist, verlegt Amazon auch selbst über seinen Verlagsableger Amazon Publishing deutschsprachige Bücher. Die gab es bislang nur beim Onlineversender selbst. Das hat sich seit gestern geändert, denn Amazon hat einen Vertrag mit dem Barsortimenter KNV geschlossen. Damit sind die ca. 800 Amazon Publishing-Bücher im Buchhandel bestellbar.

Theoretisch.

Denn wie wir aus vergangenen Szenarien wie beispielsweise dem Verkauf von Kindle-Geräten über den Buchhandel im Rahmen von Amazon Source wissen, weigern sich viele Händler schlichtweg mit dem “bösen Feind” zusammenzuarbeiten. Da hilft dann auch nicht die Einsicht, dass man selbst ordentlich mit am Kuchen verdienen würde und überlässt Amazon lieber komplett das Feld. Was dazu führen kann, dass der Kunde dort beim nächsten Mal direkt bestellt, statt beim unwilligen Buchhändler.

Aktuell ist das Angebot Amazon Publishings noch eher überschaubar und vor allem recht unbedeutend, echte Blockbuster findet man darunter nicht. Aber nach dieser Ankündigung könnte man sich vorstellen, dass vielleicht auch mal ein namhafter Bestsellerautor über Amazons Verlagssparte veröffentlicht, und spätestens dann werden die Buchhändler umdenken müssen, wenn sie am Hype mitverdienen möchten.

Offen ist, welche Konditionen Amazon und KNV ausgehandelt haben, aber ich gehe angesichts des überschaubaren Portfolios nicht davon aus, dass der Barsortimenter dem Onlinehändler bessere eingeräumt hat, als anderen Verlagen.

Gerade für Phantastikfreunde hat das Angebot von Amazons Verlagssparte über das Imprint 47North einiges zu bieten (beispielsweise Charlie N. Holmbergs PAPIERMAGIER-Reihe). Allerdings würde ich persönlich ohnehin eher auf die viel praktischere eBook-Version zurückgreifen.

[Update: 30.11.2017] Wie erwartet

Logo Amazon Publishing Copyright Amazon Publishing

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Neues von Captain Obvious: DVD-Verkauf im Buchhandel geht zurück …

Neues von Captain Obvious: DVD-Verkauf im Buchhandel geht zurück …

dvdHeute wird in einem Artikel auf der Onlineversion des Buchreports davon gesprochen, dass “die DVD-Verkaufszahlen im Buchhandel … dramatisch eingebrochen” seien.

Nein? Doch! Oh!

Anmerkungen dazu:

1. Gerüchten zufolge gibt es ja inzwischen ein technisches Highlight namens Blu-Ray … (die auch schon wieder vor der Ablösung steht. Ich finde die aber in den allerwenigsten Buchhandlungen, die haben tatsächlich nur DVDs. Vermutlich einfach zu modern, das Zeug …)

2. Weiteren Gerüchten zufolge gibt es inzwischen ein weiteres technisches Highlight namens Video On Demand, manche sagen auch Streaming dazu. (Aber wenn der Buchhandel hier genauso aufmerksam ist, wie bei der restlichen Digitalisierung, bin ich guter Dinge, dass sie das mit dem Streaming ungefähr im Juli 2027 mitbekommen)

3. Wenn man hauptsächlich alten Schmonz anbietet, statt aktueller Filme … (Ich weiß, manche nennen es “Klassiker”, aber die findet man nunmal auch bei den Streamingdiensten)

4. Die im Buchhandel für fossile DVDs angesagten Preise könnten weniger utopisch sein. (Nein, es existiert keine Preisbindung auf DVDs, da sollte man die Preise ungefähr mindestens alle zehn Jahre mal dem Markt anpassen)

5. Amazon (oh, ich habe “Amazon” gesagt und werde zur Strafe jetzt vom Buchhandel mit Tolino-DRM beworfen)

Bild DVD von User:Wanted, User:Lorian, aus der Wikipedia, CC BY-SA

 

PARADOX: Buchhandel pöbelt gegen Bastei Luebbe

PARADOX: Buchhandel pöbelt gegen Bastei Luebbe

Cover ParadoxWir erinnern uns: vor kurzer Zeit hatte der SF-Roman PARADOX den Kindle Storyteller Award gewonnen. Teil des Gewinnes war es, dass das selbstverlegte Buch Phillip P. Petersons von Bastei Luebbe in ein Printformat gebrach tund vertrieben werden würde. Und das geschieht jetzt auch. Oder zumindest soll, es denn wie der Buchreport berichtet, ereifern sich gewisse Buchhändler darüber, dass doch tatsächlich auf dem Cover darauf hingewiesen wird, dass der Roman den Storyteller Award gewonnen hat. Beim Buchreport kann man lesen:

Nicht nur bei Facebook ist darum eine hitzige Debatte unter Buchhändlern entbrannt, wo Bastei Lübbes Vorgehen u.a. als “dreist” bezeichnet wird. Die enge Zusammenarbeit des Verlags mit Amazon sei “unglaublich” und ein “Schlag gegen den unabhängigen Buchhandel”, meint explizit Ravensbuch-Händler und Buy Local-Vorsitzender Michael Riethmüller. Er werde dem Titel keinen Platz auf der ohnehin begrenzten Fläche einräumen.

Dazu zwei Anmerkungen:

1. Wieviel Tinte haben die beim Buchhandel eigentlich gesoffen? Da geht es um einen Titel, der ausschließlich via Amazon erworben werden konnte, und den Bastei Luebbe nun als Printbuch vertreibt, wodurch auch die Buchhändler Anteil am Umsatz haben können, ohne dass die Kohle direkt zum verhassten Beelzebub Amazon geht. Und darüber beklagen die sich auch noch? Mein Kopf möchte intermittierend auf die Tischplatte knallen ob dieses gigantischen Realitätsverlustes. Und auch die Tatsache, dass sich die eigentliche Kritik dagegen richtet, dass “Gewinner des Kindle Storyteller Award” auf dem Cover steht, verbessert gar nichts. Selbstverständlich wirbt man mit dem Gewinn. Die Forderung, das zu entfernen, kann ich nur als völlig kindisch und komplett überzogen betrachten. Ist denen nicht klar, dass ihr in meinen Augen strunzdummes Verhalten die Kunden erst recht zu Amazon treibt?

2. Auch wenn ich Bastei Luebbe die verpatzte Übernahme von Beam-eBooks mitsamt der folgenden Service-Katastrophe ziemlich übel nehme, muss man doch eindeutig sehen, dass der Verlag einer der ganz wenigen ist, die der Digitalisierung und dem Medienwandel angemessen agieren, dazu gehört eben auch die Zusammenarbeit mit Amazon bei diesem Titel. Und statt die positiven Aspekte zu sehen, die durch den Verkauf via Bastei Luebbe enstehen, wird in Richtung des Verlags gepöbelt.

Realsatire.

Coverabbildung Copyright Phillip P. Peterson

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Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Auf dem BuCon in Dreieich gab es in diesem Jahr einen Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke mit dem Titel “Reality Check” Er dreht sich ums Schreiben, darum, wie man ein Autor wird und was einem dabei alles begegnen (Harpyien!) und passieren kann, sowie um Selfpublishing und Fakten zu den Themen und zum Buchmarkt.

Da ich Anjas und meinen Gemeinschaftsstand hüten sollte, konnte ich die Kamera leider nur hinstellen und musste dann wieder entschwinden, deswegen ist das Video leider ein wenig … statisch … ;) Mein besonderer Dank muss hier dem Tütenknisterer gelten, der seinen Jab am Anfang wirklich ernst genommen hat.

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Kleinverlage und der Buchhandel – Keinen Bock, Bücher zu verkaufen?

Kleinverlage und der Buchhandel – Keinen Bock, Bücher zu verkaufen?

Buchhandlung2

In der eingeschränkten schwarz-weiß-Weltsicht des Buchhandels ist die Lage klar. Amazon wurde als das Böse an sich ausgemacht und man wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man dort gefälligst nicht kaufen soll. Mit teilweise außerordentlich hanebüchenen Begründungen und völlig außer Acht lassend, dass der Onlineversender aus den USA insbesondere im Bereich Kundenfreundlichkeit die Nase Lichtjahre weit vorne hat. Man versucht die Leser mit so halbgaren Kampagnen wie “Vorsicht! Buch!” oder “Buy Local” zu gewinnen, statt einfach besser zu werden.

Dass der Slogan “Vorsicht! Buch!” aber auch in ganz anderer Hinsicht stimmt, beweist ein Artikel von “Seitenflügel”, auf den ich heute hingewiesen wurde. Darin beklagt man sich konkret über einen unwilligen Buchhandel, der offenbar nicht die geringste Lust hat, Bücher zu verkaufen, sobald sie außerhalb des Mainstreams oder der großen Verlage liegen. Da heißt es:

Wir kümmern uns nun seit einem Jahr verstärkt um unser Buchprogramm, das bis dahin ein Nebengeschäft war. Und unsere Analysen der Branche sind fatal: Der klassische Buchhandel blockiert sich selbst. Amazon hat all unsere Bücher immer aufgenommen, angeboten, auf Lager bestellt, damit sie jederzeit lieferbar sind. Die Großeinkäufer des stationären Buchhandels (KNV, Libri, Umbreit) sind da viel träger, nachlässiger.

Den Rest des Artikel sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, insbesondere die konkreten Fälle, die genannt werden. Man kann nur vermuten, dass viele Buchhändler in einem Universum fern ab jeglicher Realität leben, eingekuschelt in das warme, weiche Kissen aus jahrzehntelanger Preisbindung und die fehlende Notwendigkeit kaufmännischen Denkens.

Einen ganz ähnlichen Ton schlug neulich Joachim Körber von der Edition Phantasia auf SteglitzMind an. Der Artikel ist betitelt mit “Ich habe oft den Eindruck, dass dem deutschen Buchhandel nichts ferner liegt, als Bücher zu verkaufen.” Denn auch seine Erfahrungen mit Buchhandlungen sind seit Jahren vergleichbar schlecht wie die aus dem oben genannten Beispiel.

Wir haben anfangs eine Menge Geld ausgegeben und Adressen von Buchhändlern beim Börsenverein gekauft, haben Werbeaktionen und Mailings gemacht, und die Resonanz war gleich null. Ich habe oft den Eindruck, dass dem deutschen Buchhandel nichts ferner liegt, als Bücher zu verkaufen.

Auch dieses Interview außerst lesenswert.

Ich habe hier schon des Öfteren Ähnliches behauptet, da mir solche Informationen bereits unter der Hand von Kleinverlagen bzw. deren Mitarbeitern gesteckt wurden. Mit der Bitte, keine Namen zu nennen. Warum, kann man sich leicht vorstellen. Deswegen finde ich es umso schöner, und überaus mutig, dass das Thema jetzt auf diese Weise ein wenig öffentlicher gemacht wird. ich habe allerdings die Befürchtung, dass die ach so hehren Verfechter der Buchhandelsethik, die es angeht, davon wieder mal nichts mitbekommen werden. Oder es ihnen weiterhin egal ist.

Und wenn man als Kleinverleger mit vorhandener ISBN und teuer bezahltem VLB-Eintrag schon diese Probleme hat, dann kann man sich vorstellen, wie es Selfpublishern geht.

Bild: Buchhandlung, aus der Wikipedia, gemeinfrei.

Houellebecq und Amazon – wo bleibt der Aufschrei des Buchhandels?

Houellebecq und Amazon – wo bleibt der Aufschrei des Buchhandels?

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Wir erinnern uns – es gab im April 2013 einen Zwergenaufstand mancher Buchhändler. Eine kurze Wiederholung: Conni ist ein junges Mädchen aus einer Bücherreihe für Heranwachsende aus dem Carlsen-Verlag. Die Autoren begingen eine unbeschreibliche Dreistigkeit – die Protagonistin erhielt in einem der Bücher einen Amazon-Geschenkgutschein. Nichts besonderes, sollte man meinen, spiegelt die Lebensrealität junger Menschen wieder. Beim Buchhandel sah man das anders und es ging ein unbeschreiblich peinliches Gezeter los. Und – man mochte es kaum fassen – der Carlsen-Verlag hat vor diesen Anmaßungen gekuscht.

Jetzt schreiben wir Januar 2015. Vor kurzem ist die deutsche Ausgabe von Michel Houellebecqs umstrittenem Roman UNTERWERFUNG erschienen. Darin bestellt der Protagonist nicht nur einmal, sondern quasi ständig bei Darth Amazon. Und kam es zu irgendeiner Reaktion aus den Tempeln des toten Holzes? In keinster Weise. Das könnte daran liegen, dass man das Geschäft mit dem Bestseller selbstverständlich gern mitnimmt, auch wenn darin das böse, böse Wort “Amazon” enthalten ist. Zudem würde Houellebecq bei entsprechenden Kritiken vermutlich nur einen hochgereckten Mittelfinger für die Nörgler bereithalten. Die Herausgeber einer Kinderbuchserie kann man natürlich viel leichter damit erpressen, die Bücher aus den Regalen zu nehmen.

Es ist so albern.

p.s.: UNTERWERFUNG erscheint in deutscher Übersetzung bei DuMont und kostet als eBook sagenhaft gierige 18,99 Euro. Wenn es sich für diesen Mondpreis nicht verticken lässt, sind bestimmt wieder die bösen Buchpiraten schuld.

Ver­bren­nungs­bild von Die­bold Schil­ling dem Äl­te­ren, auch schon seit dem 15. Jahr­hun­dert tot und des­we­gen ge­mein­frei. Amazon-Logo Co­py­right Ama­zon.

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NEUSCHWABENLAND: KNV möchte keine Stellung nehmen …

Neues aus NeuschwabenlandEnde August hatte ich thematisiert, dass Alex Jahnkes satirisches Buch NEUES AUS NEUSCHWABENLAND bei KNV zwar im Katalog gelistet wird, aber als nicht lieferbar gekennzeichnet ist – und es dadurch Buchhändler gibt, die das Buch nicht bestellen können – oder wollen (weil zuviel Aufwand).

Man hatte mich auf meine diesbezügliche Anfrage angerufen und mitgeteilt “die Kol­le­gin die da­für ver­ant­wort­lich ist, wäre aber noch bis Mitte Sep­tem­ber in Ur­laub und man könne sie erst dann dazu be­fra­gen.” Weiterhin wurde mir zugesagt, dass man “meine An­frage der Dame vor­le­gen will, wenn sie aus dem Ur­laub zu­rück ist, und ich soll dann Mitte Sep­tem­ber eine Ant­wort er­hal­ten, wa­rum das Buch aus­ge­lis­tet wurde.”

Ich hatte mir das auf Wiedervorlage gelegt und am 16.09.2014 nochmals nachgefragt.

Reaktionen: gar keine.

Daraufhin habe ich gestern nochmal eine Email geschickt. Heute kam tatsächlich eine Reaktion, allerdings ist die an Arroganz kaum zu überbieten:

vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir möchten dazu jedoch keine Stellung nehmen.

Unglaublich. Man antwortet dem Verlag nicht auf die Anfrage, man antwortet mir nicht auf die Anfrage, und das obwohl Ende August eine Antwort zugesagt wurde.

Wir halten fest: KNV listet ein Buch als über ihren Katalog nicht lieferbar und entzieht sich jeder Stellungnahme darüber, warum das Buch nicht lieferbar ist. Und das sowohl dem Verlag wie auch mir gegenüber. Ich halte das für ein unfassbares und unfassbar arrogantes Verhalten. Warum möchte man diese Auskunft nicht geben? Weil es sich nur um einen Kleinverlag handelt, und die in der Branche ohnehin keinen interessieren? Würde einer der der deutschen Publikumsverlagsdinosaurier ebenfalls keine Antwort auf eine solche Anfrage bekommen? Ich bezweifle es. Meinen die etwa aufgrund des Titels, es handle sich um Naziliteratur? Falls ja, wurde die Zensur betrieben, ohne den Inhalt zu kennen, denn das Gegenteil ist der Fall.

Es bleiben die Fragen offen: Warum weigert sich KNV ohne nachvollziehbare Begründung, das Buch auszuliefern? Wie viele andere Bücher werden von KNV unilateral und ohne nachvollziehbare Gründe als nicht lieferbar angezeigt?

Diese Branchenspielchen sind angesichts der Konkurrenz derart lächerlich, dass es geradezu weh tut. Ach ja: Bei Amazon ist das Buch sofort lieferbar.

Cover NEUES AUS NEUSCHWABENLAND Copyright Edition Roter Drache.

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Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Museum… ist ein Artikel in der Onlineversion des Börsenblattes zur Zukunftskonferenz 2014 betitelt. Mal abgesehen davon, dass ich “Zukunft” und “Börsenverein” für nicht vereinbare Worte halte, kann ich auf die Frage eine Antwort geben:

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

… wäre es von außen hübsch anzusehen und die Fassade top gepflegt, aber innen arg vergammelt

… würde der 80-jährige Pförtner an der Rezeption ständig schlafen und unwirsch murren, wenn er geweckt wird

… wären die Zimmer staubig und voller Spinnweben und die Toiletten sind auf dem Gang

… fehlte im Schwimmbad das Wasser (und die Handtücher wären rau und kratzig)

… gäbe es keine Duschen, weil der Inhaber einen solchen neumodischen Mist nicht mag

… gäbe es beim Frühstück keinen Kaffee, weil Amerika noch nicht entdeckt wurde

… wäre der Aufzug kaputt, aber das stört keinen, stattdessen schimpft man darüber, dass der Aufzug in der Pension Amazonia funktioniert …

Falls jemandem noch mehr einfällt: tut euch in den Kommentaren keinen Zwang an. :)

Bild von Pixabay, CC0

 

Im Buchhandel bekommt man jedes Buch. Nicht.

Im Buchhandel bekommt man jedes Buch. Nicht.

Neues aus NeuschwabenlandMal abgesehen von der Selfpublisher-Diskussion, brüstet sich der Buchhandel ja gern mal damit, jedes Buch beschaffen zu können, das im VLB gelistet und/oder in einem der Kataloge von beispielsweise libri, Umbreit oder KNV zu finden ist. So weit die Theorie. Wer schon einmal versucht hat, Bücher aus Kleinverlagen zu bestellen, der kennt aber die Realität: Trotz der teuren Eintragung ins VLB und trotz des Erwerbs einer ISBN-Nummer können Bücher nicht gefunden werden.

Aktuelles Beispiel: Ich hatte hier vor ein paar Wochen Alex Jahnkes Satire NEUES AUS NEUSCHWABENLAND vorgestellt. Es handelt sich hierbei nicht um ein Selfpublishing-Buch, es ist beim Verlag Edition Roter Drache erschienen. Sucht man auf der KNV-Seite buchkatalog.de danach, dann bekommt man die Meldung “bei Buchkatalog nicht erhältlich” – und das, obwohl das Buch durchaus lieferbar ist. Amazon kann es sofort liefern, ebenso wie der Verlag selbst und auch libri. Versucht man es über bei KNV angeschlossene Buchhandlungen zu bestellen, stellen auch die fest, dass man es über den Barsortimenter nicht bekommen kann. Damit ist es effektiv nicht erwerbbar, obwohl es definitiv lieferbar ist (bei einem neuen Buch auch kein Wunder).

Man muss sich die Frage stellen, warum KNV meint es nicht anbieten zu müssen. Wegen des Themas? Was ist an einem satirischen Roman über Antarktis-Nazis ehrenrührig? Und wenn dem tatsächlich so wäre: Wer gibt KNV das Recht, irgendwelche Bücher nach Gutsherrenart zu zensieren, und das offensichtlich ohne den Inhalt zu kennen? Und: Man darf davon ausgehen, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen Ausnahmefall handelt.

Warum das Buch nicht gelistet wird, hat der Verlag versucht herauszubekommen und eine entsprechende Anfrage bei KNV gestellt. Es wird niemanden wirklich überraschen, dass man dort offensichtlich keinerlei Veranlassung sah, in irgendeiner Art auf die höflich gestellte Anfrage zu antworten. Diese Art von Arroganz zeigt wieder einmal ganz deutlich, dass es überhaupt keinen Sinn hat zu versuchen, sich mit den klassischen Strukturen des Buchhandels zu arrangieren. Man hält es beim Barsortimenter noch nicht einmal für nötig, auf berechtigte Fragen von Verlagen zu antworten, warum ein Buch nicht lieferbar ist.

Ich werde ebenfalls noch einmal anfragen, mit Verweis auf diesen Artikel, und dann berichten, ob es zu irgendeiner Art von Reaktion kam.

[Update 13:00 Uhr] Soeben erhielt ich einen Anruf von KNV. Die Dame sagte, es sei ihr nicht bekannt, warum das Buch im Katalog gestrichen worden sei, die Kollegin die dafür verantwortlich ist, wäre aber noch bis Mitte September in Urlaub und man könne sie erst dann dazu befragen. Es sei übrigens nicht korrekt, dass das Buch nicht bestellt werden könne, Buchhändler erhalten nach ihren Aussagen den Hinweis, es direkt beim Verlag zu bestellen. Man kann nur vermuten, dass die Buchhändler das dann nicht tun, weil ihnen der Aufwand zu groß ist. Man will meine Anfrage der Dame vorlegen, wenn sie aus dem Urlaub zurück ist, und ich soll dann Mitte September eine Antwort erhalten, warum das Buch ausgelistet wurde. Ich lege mir den Termin auf Wiedervorlage und frage ggfs. nochmals nach. Interessant finde ich allerdings dabei, dass bei KNV offenbar eine einzelne Person ohne jegliche Begründung entscheiden darf, welche Bücher als nicht lieferbar eingestuft werden und welche nicht …?

Cover NEUES AUS NEUSCHWABENLAND Copyright Edition Roter Drache

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

SelfpublishingAm Montag kam überraschend eine Anfrage von Deutschlandradio Kultur rein, ob man mit mir ein Interview über meinen offenen Brief zum Thema Selfpublishing und Buchhandel machen könne. Da habe ich nach kurzem Überlegen natürlich zugesagt, wären es RTL oder Pro7 gewesen, hätte ich abgewunken (aber ich glaube ohnehin nicht, dass bei letzteren jemand weiß, wie man “Buch” schreibt).

Es war übrigens nichts abgesprochen, die haben mich kurz vor der Liveausstrahlung angerufen und dann ihre Fragen gestellt. Einen Mitschnitt des Interviews kann man sich hier anhören.

Das relativiert vielleicht das ein oder andere, was ich im offenen Brief geschrieben habe. Der klingt natürlich relativ brachial, aber ich habe mit voller Absicht die Wortwahl der Verlagsautoren adapiert, die sich als Handlanger der Großverlage instrumentalisieren lassen, um zu zeigen, dass man dieselben Argumente auch aus einer anderen Sicht einsetzen kann.

Ich bin der Ansicht, dass wir ein Miteinander und Nebeneinander der unabhängigen, der “kleinen” Protagonisten in diesem Markt dringend benötigen. Das wird viel sinnvoller sein, als sich in der Auseinandersetzung zwischen internationalen Konzernen auf eine Seite zu schlagen, oder irgendeinem davon die Rolle des “Bösen” zuschustern zu wollen.

Was aber überhaupt nicht zielführend ist,  sind Aussagen wie “das geht nicht, wir haben ‘standardisierte Verfahren'”, wie sie ein (vermutlich) Buchhändler in den Kommentaren zum offenen Brief getätigt hat. Amazons ‘standardisierte Verfahren’ sind nämlich um Lichtjahre besser. Wie ein anderer Buchhändler sagte: “Zur Not habe ich das Buch in zwei Minuten ins Warenwirtschaftssystem eingegeben”. Na also: geht doch!