Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Lobbylutscherei: eBooks vom Geoblocking-Verbot ausgenommen

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on ar­bei­tet be­reits seit län­ge­rem an Ver­ord­nun­gen, die da­für sor­gen, dass es kein Geo­blocking von Kun­den mehr gibt. Da­mit könn­te man dann eu­ro­pa­weit Ge­rä­te und Dienst­lei­stun­gen ein­kau­fen, ohne dass ei­nem da­bei Fil­ter in die Que­re kom­men, die ei­nen ba­siert auf dem Land, aus dem man stammt, blockie­ren. Man nennt die­sen Vor­gang Geo­blocking.

Das soll an­ge­sichts der Rea­li­tä­ten in ei­ner di­gi­ta­li­sier­ten, glo­ba­li­sier­ten In­ter­net­welt ab­ge­schafft wer­den, und das ist auch gut so, denn es ist nicht ein­zu­se­hen, war­um eu­ro­päi­scher Bin­nen­markt oder Glo­ba­li­sie­rung im­mer nur Fir­men zu­gu­te kom­men sol­len, aber nicht Ver­brau­chern.

Doch dank mas­si­ver Lob­by­ar­beit un­ter an­de­rem des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, sol­len eBooks ex­pli­zit von der Geo­blocking-Ver­ein­ba­rung aus­ge­schlos­sen blei­ben. Ei­nen sach­li­chen Grund da­für gibt es au­ßer Pfrün­de­si­che­rung nicht, au­ßer viel­leicht die Angst, dass die fos­si­le und längst über­flüs­sig ge­wor­de­ne Buch­preis­bin­dung auf­ge­weicht wer­den könn­te.

Als Be­grün­dung wird da­bei un­ter an­de­rem tat­säch­lich an­ge­bracht, dass

»auf­grund na­tür­li­cher Sprach­bar­rie­ren zwi­schen den Län­dern Ver­käu­fe über Gren­zen hin­aus oh­ne­hin ge­ring blie­ben, und die not­wen­di­gen tech­ni­schen In­ve­sti­tio­nen, um über Gren­zen hin­weg zu ver­kau­fen zu hoch wä­ren«

… und da­durch klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men ge­zwun­gen wür­den, aus dem Ver­kauf von Bü­chern aus­zu­stei­gen.

Das ist na­tür­lich dum­mes Ge­schwätz, denn die Pro­ble­me, über Gren­zen hin­weg Wa­ren zu ver­kau­fen, hat jede Bran­che, nicht nur der Buch­han­del. Und wenn die grenz­über­grei­fen­den Ver­käu­fe tat­säch­lich nicht ins Ge­wicht fal­len, wäre das in mei­nen Au­gen so­gar eher ein Grund da­für, eu­ro­pa­wei­tes Ver­kau­fen von eBooks zu er­mög­li­chen. Das mit den klei­nen Un­ter­neh­men ist Au­gen­wi­sche­rei und falsch, im Rah­men des grenz­über­grei­fenen An­bie­tens von Dienst­lei­stun­gen, das vor ei­ni­gen Jah­ren ein­ge­führt wur­de, hat der Ge­setz­ge­ber oh­ne­hin ver­ein­fach­te Mög­lich­kei­ten für klei­ne An­bie­ter ge­schaf­fen, um mit den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben bei­spiels­wei­se in Sa­chen Um­satz­steu­er zu­recht zu kom­men (Stich­wort: One-Stop-Shop). Und wenn so ziem­lich je­der klei­ne Krau­ter das in­zwi­schen kann, dann soll­ten es auch Buch­händ­ler auf die Ket­te be­kom­men kön­nen. Aber die ver­schla­fen ja lie­ber auf ih­rem sanf­ten Kis­sen na­mens Buch­preis­bin­dung wei­ter­hin die Di­gi­ta­li­sie­rung – und die­se Ein­fluss­nah­me auf EU-Ver­ord­nun­gen soll da­für sor­gen, dass sie auch nicht auf­wa­chen müs­sen.

Grund für die Ein­wir­kung auf die Po­li­tik dürf­te in mei­nen Au­gen eher sein, dass nicht-deutsch­spra­chi­ge eBooks in Deutsch­land maß­los über­teu­ert sind, und in an­de­ren Län­dern er­heb­lich gün­sti­ger ge­kauft wer­den könn­ten, so­gar zum Teil noch gün­sti­ger als hier­zu­lan­de oh­ne­hin be­reits bei Ama­zon.

Dass die EU-Po­li­tik vor der Buch­lob­by ein­ge­knickt ist, fin­de ich of­fen ge­sagt zum Kot­zen.

p.s.: Mit der Hil­fe von VPNs kann man Geo­blocking mehr oder we­ni­ger le­gal um­ge­hen (mög­li­cher­wei­se un­ter­sa­gen die AGB des je­wei­li­gen An­bie­ters das).

Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Als ich ge­stern be­rich­te­te, dass Ama­zon Pu­bli­shing mit KNV ko­ope­riert, um sei­ne ge­druck­ten Bü­cher auch über den Buch­han­del ver­kau­fen zu kön­nen, pro­phe­zeih­te ich Wi­der­stand des Buch­han­dels. Aber um eine sol­che Re­ak­ti­on vor­her­zu­se­hen be­nö­tigt man in #neu­land we­der die Fä­hig­kei­ten ei­nes Nostrada­mus, noch eine Kri­stall­ku­gel.

Im Bör­sen­blatt fan­den sich dann auch be­reits ge­stern un­ter dem Ti­tel »Ihr sägt an dem Ast, auf dem wir sit­zen« die Mimi­mi-Rufe der üb­li­chen Prot­ago­ni­sten. Zi­tat:

Die An­kün­di­gung von Ama­zon Pu­bli­shing, sei­ne deutsch­spra­chi­gen Ti­tel als Print­bü­cher über das Bar­sor­ti­ment KNV dem sta­tio­nä­ren Buch­han­del an­zu­bie­ten, stößt un­ter Buch­händ­lern auf brei­te und hef­ti­ge Ab­leh­nung.

Nein! Da­mit konn­te ja kei­ner rech­nen!

Tha­lia winkt ab (de­ren Me­tho­den, um klei­ne Buch­händ­ler als Kon­kur­ren­zen aus dem Ren­nen zu drücken sind seit Jah­ren aus ein­schlä­gi­gen Me­di­en­be­rich­ten be­kannt). Aber auch Chri­sti­an Riet­mül­ler von Osi­an­der und Hart­mut Fal­ter von der May­er­schen be­kla­gen sich dar­über, dass sie »die Ge­fahr ei­ner ab­seh­ba­ren To­tal­ab­hän­gig­keit des Self­pu­bli­shing-Mark­tes von Ama­zon« se­hen.

Ja, dank der grot­ten­schlech­ten und all­zu oft ab­zocke­ri­schen Self­pu­bli­shing-An­ge­bo­te der Bran­che ist der On­line­händ­ler aus Se­at­tle hier mit wei­tem Ab­stand Pri­mus.

Nur geht es bei Ama­zon Pu­bli­shing gar nicht um Self­pu­bli­shing, denn da­bei han­delt es sich um ei­nen Ver­lag, der in sei­nen Im­prints Bü­cher zu ver­schie­de­nen Gen­res ver­legt. Wir re­den bei die­sem The­ma nicht über Self­pu­bli­shing – und die Bü­cher der Ama­zon-Toch­ter Crea­te­Space kann man bis heu­te über­haupt nicht im Buch­la­den kau­fen. Ha­ben die ho­hen Her­ren aus den Tot­holz-Tem­peln das nicht be­grif­fen?

Auch der ge­sam­te rest­li­che Bör­sen­blatt-Ar­ti­kel stellt auf Self­pu­bli­shing ab. The­ma of­fen­sicht­lich weit ver­fehlt. Au­ßer­dem könn­te die Bran­che im Be­reich Self­pu­bli­shing ja auch ein­fach mal ein für Self­pu­blisher brauch­ba­res, fai­res An­ge­bot mit ähn­lich gu­ten Kon­di­tio­nen wie Ama­zon schaf­fen. Dann wäre die Do­mi­nanz schnell vor­bei. So­lan­ge man je­doch nur auf schnell ge­dreh­tes Geld schielt … Aber das geht, wie be­reits ge­sagt, am The­ma kom­plett vor­bei, eben­so wie die Tat­sa­che, dass da­nach über eRe­ader schwa­dro­niert wird, und wie toll doch an­geb­lich die ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen des To­li­no sind. Auch das geht mei­len­weit am Kern vor­bei, denn bei der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ama­zon und KNV geht es in er­ster Li­nie um Print­bü­cher. Wor­über schwa­feln die da also alle? Ha­ben die das The­ma nicht ver­stan­den? Neh­men die Dro­gen? Liegt es am Ad­re­na­lin auf­grund der Ak­ti­on KNVs?

Der Punkt ist: Ama­zon Pu­bli­shing ist ein Ver­lag, der sei­ne Bü­cher über den Buch­han­del ver­kau­fen möch­te. Das ge­schieht via KNV mit höchst­wahr­schein­lich han­dels­üb­li­chen Kon­di­tio­nen, da das An­ge­bot Ama­zon Pu­bli­shings im deut­schen Buch­markt viel zu un­be­deu­tend ist, um Mör­der-Kon­di­tio­nen raus­hau­en zu kön­nen.

Aber statt sich zu freu­en, dass sie auf die­sem Weg end­lich was vom Ku­chen ab­be­kom­men, geht das üb­li­che Heu­len und Zäh­ne­klap­pern ei­ner fos­si­len Bran­che los, wenn der Be­griff »Ama­zon« fällt.

Und wei­ter: Was soll die Wei­ge­rung, die Bü­cher ei­nes Ver­lags zu ver­kau­fen, wenn Kun­den da­nach fra­gen? Ist das Kun­den­ser­vice? Ist es nicht, im Ge­gen­teil, der so ge­fopp­te Kun­de be­stellt beim näch­sten Mal so­fort bei Ama­zon und ist mög­li­cher­wei­se für den sta­tio­nä­ren Han­del ver­lo­ren.

Aber eine an­de­re Fra­ge ist viel wich­ti­ger: Wie un­fass­bar ar­ro­gant und un­ver­schämt ist es, die Pro­duk­te ei­nes Ver­la­ges hoch­herr­schaft­lich nicht ver­kau­fen zu wol­len? Klar, wenn es um ex­tre­me In­hal­te ge­hen wür­de, wie bei­spiels­wei­se Volks­ver­het­zung oder Auf­ruf zu Ge­walt, dann könn­te ich ver­ste­hen, wenn Buch­händ­ler sich wei­gern, die Pro­duk­te ei­nes Ver­lags zu ver­trei­ben. Aber wenn es um ganz nor­ma­le Bel­le­tri­stik geht, dann muss man sich fra­gen, ob der Buch­han­del sei­ne Po­si­ti­on hier nicht schlicht miss­braucht, wenn er ei­nen Ver­kauf ab­lehnt? Wel­che Ver­la­ge wird es als näch­stes tref­fen?

In mei­nen Au­gen ist das äu­ßerst be­denk­lich. Und das er­war­te­te »Mimi­mi!« aus Rich­tung Buch­han­del ein wei­te­rer Be­weis für die Rück­stän­dig­keit ei­ner Bran­che an­ge­sichts des di­gi­ta­len Wan­dels.

Al­les wie er­war­tet im #neu­land.

Und Ama­zon ist er­neut in al­ler Mun­de …

[Up­date 9:40]: State­ment im Buch­re­port von Oli­ver Vo­er­ster, ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter bei KNV:

Es ist nicht die Auf­ga­be ei­nes Groß­händ­lers, Ti­tel aus­zu­sor­tie­ren, son­dern ein mög­lichst brei­tes Sor­ti­ment an­zu­bie­ten.

Amazon Publishing-Titel jetzt im Buchhandel erhältlich – vermutlich

Amazon Publishing-Titel jetzt im Buchhandel erhältlich – vermutlich

Wie be­kannt ist, ver­legt Ama­zon auch selbst über sei­nen Ver­lags­ab­le­ger Ama­zon Pu­bli­shing deutsch­spra­chi­ge Bü­cher. Die gab es bis­lang nur beim On­line­ver­sen­der selbst. Das hat sich seit ge­stern ge­än­dert, denn Ama­zon hat ei­nen Ver­trag mit dem Bar­sor­ti­men­ter KNV ge­schlos­sen. Da­mit sind die ca. 800 Ama­zon Pu­bli­shing-Bü­cher im Buch­han­del be­stell­bar.

Theo­re­tisch.

Denn wie wir aus ver­gan­ge­nen Sze­na­ri­en wie bei­spiels­wei­se dem Ver­kauf von Kind­le-Ge­rä­ten über den Buch­han­del im Rah­men von Ama­zon Source wis­sen, wei­gern sich vie­le Händ­ler schlicht­weg mit dem »bö­sen Feind« zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Da hilft dann auch nicht die Ein­sicht, dass man selbst or­dent­lich mit am Ku­chen ver­die­nen wür­de und über­lässt Ama­zon lie­ber kom­plett das Feld. Was dazu füh­ren kann, dass der Kun­de dort beim näch­sten Mal di­rekt be­stellt, statt beim un­wil­li­gen Buch­händ­ler.

Ak­tu­ell ist das An­ge­bot Ama­zon Pu­bli­shings noch eher über­schau­bar und vor al­lem recht un­be­deu­tend, ech­te Block­bu­ster fin­det man dar­un­ter nicht. Aber nach die­ser An­kün­di­gung könn­te man sich vor­stel­len, dass viel­leicht auch mal ein nam­haf­ter Best­sel­ler­au­tor über Ama­zons Ver­lags­spar­te ver­öf­fent­licht, und spä­te­stens dann wer­den die Buch­händ­ler um­den­ken müs­sen, wenn sie am Hype mit­ver­die­nen möch­ten.

Of­fen ist, wel­che Kon­di­tio­nen Ama­zon und KNV aus­ge­han­delt ha­ben, aber ich gehe an­ge­sichts des über­schau­ba­ren Port­fo­li­os nicht da­von aus, dass der Bar­sor­ti­men­ter dem On­line­händ­ler bes­se­re ein­ge­räumt hat, als an­de­ren Ver­la­gen.

Ge­ra­de für Phan­ta­stik­freun­de hat das An­ge­bot von Ama­zons Ver­lags­spar­te über das Im­print 47N­orth ei­ni­ges zu bie­ten (bei­spiels­wei­se Char­lie N. Holm­bergs PA­PIER­MA­GI­ER-Rei­he). Al­ler­dings wür­de ich per­sön­lich oh­ne­hin eher auf die viel prak­ti­sche­re eBook-Ver­si­on zu­rück­grei­fen.

[Up­date: 30.11.2017] Wie er­war­tet

Logo Ama­zon Pu­bli­shing Co­py­right Ama­zon Pu­bli­shing

Neues von Captain Obvious: DVD-Verkauf im Buchhandel geht zurück …

Neues von Captain Obvious: DVD-Verkauf im Buchhandel geht zurück …

dvdHeu­te wird in ei­nem Ar­ti­kel auf der On­line­ver­si­on des Buch­re­ports da­von ge­spro­chen, dass »die DVD-Ver­kaufs­zah­len im Buch­han­del … dra­ma­tisch ein­ge­bro­chen« sei­en.

Nein? Doch! Oh!

An­mer­kun­gen dazu:

1. Ge­rüch­ten zu­fol­ge gibt es ja in­zwi­schen ein tech­ni­sches High­light na­mens Blu-Ray … (die auch schon wie­der vor der Ab­lö­sung steht. Ich fin­de die aber in den al­ler­we­nig­sten Buch­hand­lun­gen, die ha­ben tat­säch­lich nur DVDs. Ver­mut­lich ein­fach zu mo­dern, das Zeug …)

2. Wei­te­ren Ge­rüch­ten zu­fol­ge gibt es in­zwi­schen ein wei­te­res tech­ni­sches High­light na­mens Vi­deo On De­mand, man­che sa­gen auch Strea­ming dazu. (Aber wenn der Buch­han­del hier ge­nau­so auf­merk­sam ist, wie bei der rest­li­chen Di­gi­ta­li­sie­rung, bin ich gu­ter Din­ge, dass sie das mit dem Strea­ming un­ge­fähr im Juli 2027 mit­be­kom­men)

3. Wenn man haupt­säch­lich al­ten Schmonz an­bie­tet, statt ak­tu­el­ler Fil­me … (Ich weiß, man­che nen­nen es »Klas­si­ker«, aber die fin­det man nun­mal auch bei den Strea­ming­dien­sten)

4. Die im Buch­han­del für fos­si­le DVDs an­ge­sag­ten Prei­se könn­ten we­ni­ger uto­pisch sein. (Nein, es exi­stiert kei­ne Preis­bin­dung auf DVDs, da soll­te man die Prei­se un­ge­fähr min­de­stens alle zehn Jah­re mal dem Markt an­pas­sen)

5. Ama­zon (oh, ich habe »Ama­zon« ge­sagt und wer­de zur Stra­fe jetzt vom Buch­han­del mit To­li­no-DRM be­wor­fen)

Bild DVD von User:Wanted, User:Lorian, aus der Wi­ki­pe­dia, CC BY-SA

 

PARADOX: Buchhandel pöbelt gegen Bastei Luebbe

PARADOX: Buchhandel pöbelt gegen Bastei Luebbe

Cover ParadoxWir er­in­nern uns: vor kur­zer Zeit hat­te der SF-Ro­man PA­RA­DOX den Kind­le Sto­ry­tel­ler Award ge­won­nen. Teil des Ge­win­nes war es, dass das selbst­ver­leg­te Buch Phil­lip P. Pe­ter­sons von Ba­stei Lu­eb­be in ein Print­for­mat ge­brach tund ver­trie­ben wer­den wür­de. Und das ge­schieht jetzt auch. Oder zu­min­dest soll, es denn wie der Buch­re­port be­rich­tet, er­ei­fern sich ge­wis­se Buch­händ­ler dar­über, dass doch tat­säch­lich auf dem Co­ver dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass der Ro­man den Sto­ry­tel­ler Award ge­won­nen hat. Beim Buch­re­port kann man le­sen:

Nicht nur bei Face­book ist dar­um eine hit­zi­ge De­bat­te un­ter Buch­händ­lern ent­brannt, wo Ba­stei Lüb­bes Vor­ge­hen u.a. als »dreist« be­zeich­net wird. Die enge Zu­sam­men­ar­beit des Ver­lags mit Ama­zon sei »un­glaub­lich« und ein »Schlag ge­gen den un­ab­hän­gi­gen Buch­han­del«, meint ex­pli­zit Ra­vens­buch-Händ­ler und Buy Lo­cal-Vor­sit­zen­der Mi­cha­el Rieth­mül­ler. Er wer­de dem Ti­tel kei­nen Platz auf der oh­ne­hin be­grenz­ten Flä­che ein­räu­men.

Dazu zwei An­mer­kun­gen:

1. Wie­viel Tin­te ha­ben die beim Buch­han­del ei­gent­lich ge­sof­fen? Da geht es um ei­nen Ti­tel, der aus­schließ­lich via Ama­zon er­wor­ben wer­den konn­te, und den Ba­stei Lu­eb­be nun als Print­buch ver­treibt, wo­durch auch die Buch­händ­ler An­teil am Um­satz ha­ben kön­nen, ohne dass die Koh­le di­rekt zum ver­hass­ten Beel­ze­bub Ama­zon geht. Und dar­über be­kla­gen die sich auch noch? Mein Kopf möch­te in­ter­mit­tie­rend auf die Tisch­plat­te knal­len ob die­ses gi­gan­ti­schen Rea­li­täts­ver­lu­stes. Und auch die Tat­sa­che, dass sich die ei­gent­li­che Kri­tik da­ge­gen rich­tet, dass »Ge­win­ner des Kind­le Sto­ry­tel­ler Award« auf dem Co­ver steht, ver­bes­sert gar nichts. Selbst­ver­ständ­lich wirbt man mit dem Ge­winn. Die For­de­rung, das zu ent­fer­nen, kann ich nur als völ­lig kin­disch und kom­plett über­zo­gen be­trach­ten. Ist de­nen nicht klar, dass ihr in mei­nen Au­gen strunz­dum­mes Ver­hal­ten die Kun­den erst recht zu Ama­zon treibt?

2. Auch wenn ich Ba­stei Lu­eb­be die ver­patz­te Über­nah­me von Beam-eBooks mit­samt der fol­gen­den Ser­vice-Ka­ta­stro­phe ziem­lich übel neh­me, muss man doch ein­deu­tig se­hen, dass der Ver­lag ei­ner der ganz we­ni­gen ist, die der Di­gi­ta­li­sie­rung und dem Me­di­en­wan­del an­ge­mes­sen agie­ren, dazu ge­hört eben auch die Zu­sam­men­ar­beit mit Ama­zon bei die­sem Ti­tel. Und statt die po­si­ti­ven As­pek­te zu se­hen, die durch den Ver­kauf via Ba­stei Lu­eb­be en­ste­hen, wird in Rich­tung des Ver­lags ge­pö­belt.

Re­al­sa­ti­re.

Co­ver­ab­bil­dung Co­py­right Phil­lip P. Pe­ter­son

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Auf dem Bu­Con in Drei­eich gab es in die­sem Jahr ei­nen Vor­trag von Anja Ba­gus und Alex Jahn­ke mit dem Ti­tel »Rea­li­ty Check« Er dreht sich ums Schrei­ben, dar­um, wie man ein Au­tor wird und was ei­nem da­bei al­les be­geg­nen (Har­py­ien!) und pas­sie­ren kann, so­wie um Self­pu­bli­shing und Fak­ten zu den The­men und zum Buch­markt.

Da ich An­jas und mei­nen Ge­mein­schafts­stand hü­ten soll­te, konn­te ich die Ka­me­ra lei­der nur hin­stel­len und muss­te dann wie­der ent­schwin­den, des­we­gen ist das Vi­deo lei­der ein we­nig … sta­tisch … ;) Mein be­son­de­rer Dank muss hier dem Tü­tenkni­ste­rer gel­ten, der sei­nen Jab am An­fang wirk­lich ernst ge­nom­men hat.

Kleinverlage und der Buchhandel – Keinen Bock, Bücher zu verkaufen?

Kleinverlage und der Buchhandel – Keinen Bock, Bücher zu verkaufen?

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In der ein­ge­schränk­ten schwarz-weiß-Welt­sicht des Buch­han­dels ist die Lage klar. Ama­zon wur­de als das Böse an sich aus­ge­macht und man wird nicht müde, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man dort ge­fäl­ligst nicht kau­fen soll. Mit teil­wei­se au­ßer­or­dent­lich ha­ne­bü­che­nen Be­grün­dun­gen und völ­lig au­ßer Acht las­send, dass der On­line­ver­sen­der aus den USA ins­be­son­de­re im Be­reich Kun­den­freund­lich­keit die Nase Licht­jah­re weit vor­ne hat. Man ver­sucht die Le­ser mit so halb­ga­ren Kam­pa­gnen wie »Vor­sicht! Buch!« oder »Buy Lo­cal« zu ge­win­nen, statt ein­fach bes­ser zu wer­den.

Dass der Slo­gan »Vor­sicht! Buch!« aber auch in ganz an­de­rer Hin­sicht stimmt, be­weist ein Ar­ti­kel von »Sei­ten­flü­gel«, auf den ich heu­te hin­ge­wie­sen wur­de. Dar­in be­klagt man sich kon­kret über ei­nen un­wil­li­gen Buch­han­del, der of­fen­bar nicht die ge­ring­ste Lust hat, Bü­cher zu ver­kau­fen, so­bald sie au­ßer­halb des Main­streams oder der gro­ßen Ver­la­ge lie­gen. Da heißt es:

Wir küm­mern uns nun seit ei­nem Jahr ver­stärkt um un­ser Buch­pro­gramm, das bis da­hin ein Ne­ben­ge­schäft war. Und un­se­re Ana­ly­sen der Bran­che sind fa­tal: Der klas­si­sche Buch­han­del blockiert sich selbst. Ama­zon hat all un­se­re Bü­cher im­mer auf­ge­nom­men, an­ge­bo­ten, auf La­ger be­stellt, da­mit sie je­der­zeit lie­fer­bar sind. Die Groß­ein­käu­fer des sta­tio­nä­ren Buch­han­dels (KNV, Li­bri, Um­breit) sind da viel trä­ger, nach­läs­si­ger.

Den Rest des Ar­ti­kel soll­te man sich mal auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen, ins­be­son­de­re die kon­kre­ten Fäl­le, die ge­nannt wer­den. Man kann nur ver­mu­ten, dass vie­le Buch­händ­ler in ei­nem Uni­ver­sum fern ab jeg­li­cher Rea­li­tät le­ben, ein­ge­ku­schelt in das war­me, wei­che Kis­sen aus jahr­zehn­te­lan­ger Preis­bin­dung und die feh­len­de Not­wen­dig­keit kauf­män­ni­schen Den­kens.

Ei­nen ganz ähn­li­chen Ton schlug neu­lich Joa­chim Kör­ber von der Edi­ti­on Phan­ta­sia auf Ste­glitz­Mind an. Der Ar­ti­kel ist be­ti­telt mit »Ich habe oft den Ein­druck, dass dem deut­schen Buch­han­del nichts fer­ner liegt, als Bü­cher zu ver­kau­fen.« Denn auch sei­ne Er­fah­run­gen mit Buch­hand­lun­gen sind seit Jah­ren ver­gleich­bar schlecht wie die aus dem oben ge­nann­ten Bei­spiel.

Wir ha­ben an­fangs eine Men­ge Geld aus­ge­ge­ben und Adres­sen von Buch­händ­lern beim Bör­sen­ver­ein ge­kauft, ha­ben Wer­be­ak­tio­nen und Mai­lings ge­macht, und die Re­so­nanz war gleich null. Ich habe oft den Ein­druck, dass dem deut­schen Buch­han­del nichts fer­ner liegt, als Bü­cher zu ver­kau­fen.

Auch die­ses In­ter­view au­ßerst le­sens­wert.

Ich habe hier schon des Öf­te­ren Ähn­li­ches be­haup­tet, da mir sol­che In­for­ma­tio­nen be­reits un­ter der Hand von Klein­ver­la­gen bzw. de­ren Mit­ar­bei­tern ge­steckt wur­den. Mit der Bit­te, kei­ne Na­men zu nen­nen. War­um, kann man sich leicht vor­stel­len. Des­we­gen fin­de ich es umso schö­ner, und über­aus mu­tig, dass das The­ma jetzt auf die­se Wei­se ein we­nig öf­fent­li­cher ge­macht wird. ich habe al­ler­dings die Be­fürch­tung, dass die ach so heh­ren Ver­fech­ter der Buch­han­dels­ethik, die es an­geht, da­von wie­der mal nichts mit­be­kom­men wer­den. Oder es ih­nen wei­ter­hin egal ist.

Und wenn man als Klein­ver­le­ger mit vor­han­de­ner ISBN und teu­er be­zahl­tem VLB-Ein­trag schon die­se Pro­ble­me hat, dann kann man sich vor­stel­len, wie es Self­pu­blishern geht.

Bild: Buch­hand­lung, aus der Wi­ki­pe­dia, ge­mein­frei.

Houellebecq und Amazon – wo bleibt der Aufschrei des Buchhandels?

Houellebecq und Amazon – wo bleibt der Aufschrei des Buchhandels?

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Wir er­in­nern uns – es gab im April 2013 ei­nen Zwer­gen­auf­stand man­cher Buch­händ­ler. Eine kur­ze Wie­der­ho­lung: Con­ni ist ein jun­ges Mäd­chen aus ei­ner Bü­cher­rei­he für Her­an­wach­sen­de aus dem Carl­sen-Ver­lag. Die Au­to­ren be­gin­gen eine un­be­schreib­li­che Drei­stig­keit – die Prot­ago­ni­stin er­hielt in ei­nem der Bü­cher ei­nen Ama­zon-Ge­schenk­gut­schein. Nichts be­son­de­res, soll­te man mei­nen, spie­gelt die Le­bens­rea­li­tät jun­ger Men­schen wie­der. Beim Buch­han­del sah man das an­ders und es ging ein un­be­schreib­lich pein­li­ches Ge­ze­ter los. Und – man moch­te es kaum fas­sen – der Carl­sen-Ver­lag hat vor die­sen An­ma­ßun­gen ge­kuscht.

Jetzt schrei­ben wir Ja­nu­ar 2015. Vor kur­zem ist die deut­sche Aus­ga­be von Mi­chel Hou­ellebec­qs um­strit­te­nem Ro­man UN­TER­WER­FUNG er­schie­nen. Dar­in be­stellt der Prot­ago­nist nicht nur ein­mal, son­dern qua­si stän­dig bei Darth Ama­zon. Und kam es zu ir­gend­ei­ner Re­ak­ti­on aus den Tem­peln des to­ten Hol­zes? In kein­ster Wei­se. Das könn­te dar­an lie­gen, dass man das Ge­schäft mit dem Best­sel­ler selbst­ver­ständ­lich gern mit­nimmt, auch wenn dar­in das böse, böse Wort »Ama­zon« ent­hal­ten ist. Zu­dem wür­de Hou­ellebecq bei ent­spre­chen­den Kri­ti­ken ver­mut­lich nur ei­nen hoch­ge­reck­ten Mit­tel­fin­ger für die Nörg­ler be­reit­hal­ten. Die Her­aus­ge­ber ei­ner Kin­der­buch­se­rie kann man na­tür­lich viel leich­ter da­mit er­pres­sen, die Bü­cher aus den Re­ga­len zu neh­men.

Es ist so al­bern.

p.s.: UN­TER­WER­FUNG er­scheint in deut­scher Über­set­zung bei Du­Mont und ko­stet als eBook sa­gen­haft gie­ri­ge 18,99 Euro. Wenn es sich für die­sen Mond­preis nicht ver­ticken lässt, sind be­stimmt wie­der die bö­sen Buch­pi­ra­ten schuld.

Ver­bren­nungs­bild von Die­bold Schil­ling dem Äl­te­ren, auch schon seit dem 15. Jahr­hun­dert tot und des­we­gen ge­mein­frei. Ama­zon-Logo Co­py­right Ama­zon.

NEUSCHWABENLAND: KNV möchte keine Stellung nehmen …

Neues aus NeuschwabenlandEnde Au­gust hat­te ich the­ma­ti­siert, dass Alex Jahn­kes sa­ti­ri­sches Buch NEU­ES AUS NEU­SCHWA­BEN­LAND bei KNV zwar im Ka­ta­log ge­li­stet wird, aber als nicht lie­fer­bar ge­kenn­zeich­net ist – und es da­durch Buch­händ­ler gibt, die das Buch nicht be­stel­len kön­nen – oder wol­len (weil zu­viel Auf­wand).

Man hat­te mich auf mei­ne dies­be­züg­li­che An­fra­ge an­ge­ru­fen und mit­ge­teilt »die Kol­le­gin die da­für ver­ant­wort­lich ist, wäre aber noch bis Mit­te Sep­tem­ber in Ur­laub und man kön­ne sie erst dann dazu be­fra­gen.« Wei­ter­hin wur­de mir zu­ge­sagt, dass man »mei­ne An­frage der Dame vor­le­gen will, wenn sie aus dem Ur­laub zu­rück ist, und ich soll dann Mit­te Sep­tem­ber eine Ant­wort er­hal­ten, wa­rum das Buch aus­ge­lis­tet wur­de.«

Ich hat­te mir das auf Wie­der­vor­la­ge ge­legt und am 16.09.2014 noch­mals nach­ge­fragt.

Re­ak­tio­nen: gar kei­ne.

Dar­auf­hin habe ich ge­stern noch­mal eine Email ge­schickt. Heu­te kam tat­säch­lich eine Re­ak­ti­on, al­ler­dings ist die an Ar­ro­ganz kaum zu über­bie­ten:

vie­len Dank für Ihre An­fra­ge. Wir möch­ten dazu je­doch kei­ne Stel­lung neh­men.

Un­glaub­lich. Man ant­wor­tet dem Ver­lag nicht auf die An­fra­ge, man ant­wor­tet mir nicht auf die An­fra­ge, und das ob­wohl Ende Au­gust eine Ant­wort zu­ge­sagt wur­de.

Wir hal­ten fest: KNV li­stet ein Buch als über ih­ren Ka­ta­log nicht lie­fer­bar und ent­zieht sich je­der Stel­lung­nah­me dar­über, war­um das Buch nicht lie­fer­bar ist. Und das so­wohl dem Ver­lag wie auch mir ge­gen­über. Ich hal­te das für ein un­fass­ba­res und un­fass­bar ar­ro­gan­tes Ver­hal­ten. War­um möch­te man die­se Aus­kunft nicht ge­ben? Weil es sich nur um ei­nen Klein­ver­lag han­delt, und die in der Bran­che oh­ne­hin kei­nen in­ter­es­sie­ren? Wür­de ei­ner der der deut­schen Pu­bli­kums­ver­lags­di­no­sau­ri­er eben­falls kei­ne Ant­wort auf eine sol­che An­fra­ge be­kom­men? Ich be­zweif­le es. Mei­nen die etwa auf­grund des Ti­tels, es hand­le sich um Na­zi­li­te­ra­tur? Falls ja, wur­de die Zen­sur be­trie­ben, ohne den In­halt zu ken­nen, denn das Ge­gen­teil ist der Fall.

Es blei­ben die Fra­gen of­fen: War­um wei­gert sich KNV ohne nach­voll­zieh­ba­re Be­grün­dung, das Buch aus­zu­lie­fern? Wie vie­le an­de­re Bü­cher wer­den von KNV uni­la­te­ral und ohne nach­voll­zieh­ba­re Grün­de als nicht lie­fer­bar an­ge­zeigt?

Die­se Bran­chen­spiel­chen sind an­ge­sichts der Kon­kur­renz der­art lä­cher­lich, dass es ge­ra­de­zu weh tut. Ach ja: Bei Ama­zon ist das Buch so­fort lie­fer­bar.

Co­ver NEU­ES AUS NEU­SCHWA­BEN­LAND Co­py­right Edi­ti­on Ro­ter Dra­che.

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Museum… ist ein Ar­ti­kel in der On­line­ver­si­on des Bör­sen­blat­tes zur Zu­kunfts­kon­fe­renz 2014 be­ti­telt. Mal ab­ge­se­hen da­von, dass ich »Zu­kunft« und »Bör­sen­ver­ein« für nicht ver­ein­ba­re Wor­te hal­te, kann ich auf die Fra­ge eine Ant­wort ge­ben:

Wenn der Bör­sen­ver­ein ein Ho­tel wäre …

… wäre es von au­ßen hübsch an­zu­se­hen und die Fas­sa­de top ge­pflegt, aber in­nen arg ver­gam­melt

… wür­de der 80-jäh­ri­ge Pfört­ner an der Re­zep­ti­on stän­dig schla­fen und un­wirsch mur­ren, wenn er ge­weckt wird

… wä­ren die Zim­mer stau­big und vol­ler Spinn­we­ben und die Toi­let­ten sind auf dem Gang

… fehl­te im Schwimm­bad das Was­ser (und die Hand­tü­cher wä­ren rau und krat­zig)

… gäbe es kei­ne Du­schen, weil der In­ha­ber ei­nen sol­chen neu­mo­di­schen Mist nicht mag

… gäbe es beim Früh­stück kei­nen Kaf­fee, weil Ame­ri­ka noch nicht ent­deckt wur­de

… wäre der Auf­zug ka­putt, aber das stört kei­nen, statt­des­sen schimpft man dar­über, dass der Auf­zug in der Pen­si­on Ama­zo­nia funk­tio­niert …

Falls je­man­dem noch mehr ein­fällt: tut euch in den Kom­men­ta­ren kei­nen Zwang an. :)

Bild von Pixabay, CC0

 

Im Buchhandel bekommt man jedes Buch. Nicht.

Im Buchhandel bekommt man jedes Buch. Nicht.

Neues aus NeuschwabenlandMal ab­ge­se­hen von der Self­pu­blisher-Dis­kus­si­on, brü­stet sich der Buch­han­del ja gern mal da­mit, je­des Buch be­schaf­fen zu kön­nen, das im VLB ge­li­stet und/oder in ei­nem der Ka­ta­lo­ge von bei­spiels­wei­se li­bri, Um­breit oder KNV zu fin­den ist. So weit die Theo­rie. Wer schon ein­mal ver­sucht hat, Bü­cher aus Klein­ver­la­gen zu be­stel­len, der kennt aber die Rea­li­tät: Trotz der teu­ren Ein­tra­gung ins VLB und trotz des Er­werbs ei­ner ISBN-Num­mer kön­nen Bü­cher nicht ge­fun­den wer­den.

Ak­tu­el­les Bei­spiel: Ich hat­te hier vor ein paar Wo­chen Alex Jahn­kes Sa­ti­re NEU­ES AUS NEU­SCHWA­BEN­LAND vor­ge­stellt. Es han­delt sich hier­bei nicht um ein Self­pu­bli­shing-Buch, es ist beim Ver­lag Edi­ti­on Ro­ter Dra­che er­schie­nen. Sucht man auf der KNV-Sei­te buchkatalog.de da­nach, dann be­kommt man die Mel­dung »bei Buch­ka­ta­log nicht er­hält­lich« – und das, ob­wohl das Buch durch­aus lie­fer­bar ist. Ama­zon kann es so­fort lie­fern, eben­so wie der Ver­lag selbst und auch li­bri. Ver­sucht man es über bei KNV an­ge­schlos­se­ne Buch­hand­lun­gen zu be­stel­len, stel­len auch die fest, dass man es über den Bar­sor­ti­men­ter nicht be­kom­men kann. Da­mit ist es ef­fek­tiv nicht er­werb­bar, ob­wohl es de­fi­ni­tiv lie­fer­bar ist (bei ei­nem neu­en Buch auch kein Wun­der).

Man muss sich die Fra­ge stel­len, war­um KNV meint es nicht an­bie­ten zu müs­sen. We­gen des The­mas? Was ist an ei­nem sa­ti­ri­schen Ro­man über Ant­ark­tis-Na­zis eh­ren­rüh­rig? Und wenn dem tat­säch­lich so wäre: Wer gibt KNV das Recht, ir­gend­wel­che Bü­cher nach Guts­her­ren­art zu zen­sie­ren, und das of­fen­sicht­lich ohne den In­halt zu ken­nen? Und: Man darf da­von aus­ge­hen, dass es sich bei die­sem Buch nicht um ei­nen Aus­nah­me­fall han­delt.

War­um das Buch nicht ge­li­stet wird, hat der Ver­lag ver­sucht her­aus­zu­be­kom­men und eine ent­spre­chen­de An­fra­ge bei KNV ge­stellt. Es wird nie­man­den wirk­lich über­ra­schen, dass man dort of­fen­sicht­lich kei­ner­lei Ver­an­las­sung sah, in ir­gend­ei­ner Art auf die höf­lich ge­stell­te An­fra­ge zu ant­wor­ten. Die­se Art von Ar­ro­ganz zeigt wie­der ein­mal ganz deut­lich, dass es über­haupt kei­nen Sinn hat zu ver­su­chen, sich mit den klas­si­schen Struk­tu­ren des Buch­han­dels zu ar­ran­gie­ren. Man hält es beim Bar­sor­ti­men­ter noch nicht ein­mal für nö­tig, auf be­rech­tig­te Fra­gen von Ver­la­gen zu ant­wor­ten, war­um ein Buch nicht lie­fer­bar ist.

Ich wer­de eben­falls noch ein­mal an­fra­gen, mit Ver­weis auf die­sen Ar­ti­kel, und dann be­rich­ten, ob es zu ir­gend­ei­ner Art von Re­ak­ti­on kam.

[Up­date 13:00 Uhr] So­eben er­hielt ich ei­nen An­ruf von KNV. Die Dame sag­te, es sei ihr nicht be­kannt, war­um das Buch im Ka­ta­log ge­stri­chen wor­den sei, die Kol­le­gin die da­für ver­ant­wort­lich ist, wäre aber noch bis Mit­te Sep­tem­ber in Ur­laub und man kön­ne sie erst dann dazu be­fra­gen. Es sei üb­ri­gens nicht kor­rekt, dass das Buch nicht be­stellt wer­den kön­ne, Buch­händ­ler er­hal­ten nach ih­ren Aus­sa­gen den Hin­weis, es di­rekt beim Ver­lag zu be­stel­len. Man kann nur ver­mu­ten, dass die Buch­händ­ler das dann nicht tun, weil ih­nen der Auf­wand zu groß ist. Man will mei­ne An­fra­ge der Dame vor­le­gen, wenn sie aus dem Ur­laub zu­rück ist, und ich soll dann Mit­te Sep­tem­ber eine Ant­wort er­hal­ten, war­um das Buch aus­ge­li­stet wur­de. Ich lege mir den Ter­min auf Wie­der­vor­la­ge und fra­ge ggfs. noch­mals nach. In­ter­es­sant fin­de ich al­ler­dings da­bei, dass bei KNV of­fen­bar eine ein­zel­ne Per­son ohne jeg­li­che Be­grün­dung ent­schei­den darf, wel­che Bü­cher als nicht lie­fer­bar ein­ge­stuft wer­den und wel­che nicht …?

Co­ver NEU­ES AUS NEU­SCHWA­BEN­LAND Co­py­right Edi­ti­on Ro­ter Dra­che

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

SelfpublishingAm Mon­tag kam über­ra­schend eine An­fra­ge von Deutsch­land­ra­dio Kul­tur rein, ob man mit mir ein In­ter­view über mei­nen of­fe­nen Brief zum The­ma Self­pu­bli­shing und Buch­han­del ma­chen kön­ne. Da habe ich nach kur­zem Über­le­gen na­tür­lich zu­ge­sagt, wä­ren es RTL oder Pro7 ge­we­sen, hät­te ich ab­ge­wun­ken (aber ich glau­be oh­ne­hin nicht, dass bei letz­te­ren je­mand weiß, wie man »Buch« schreibt).

Es war üb­ri­gens nichts ab­ge­spro­chen, die ha­ben mich kurz vor der Liveaus­strah­lung an­ge­ru­fen und dann ihre Fra­gen ge­stellt. Ei­nen Mit­schnitt des In­ter­views kann man sich hier an­hö­ren.

Das re­la­ti­viert viel­leicht das ein oder an­de­re, was ich im of­fe­nen Brief ge­schrie­ben habe. Der klingt na­tür­lich re­la­tiv bra­chi­al, aber ich habe mit vol­ler Ab­sicht die Wort­wahl der Ver­lags­au­to­ren ada­piert, die sich als Hand­lan­ger der Groß­ver­la­ge in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen, um zu zei­gen, dass man die­sel­ben Ar­gu­men­te auch aus ei­ner an­de­ren Sicht ein­set­zen kann.

Ich bin der An­sicht, dass wir ein Mit­ein­an­der und Ne­ben­ein­an­der der un­ab­hän­gi­gen, der »klei­nen« Prot­ago­ni­sten in die­sem Markt drin­gend be­nö­ti­gen. Das wird viel sinn­vol­ler sein, als sich in der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen auf eine Sei­te zu schla­gen, oder ir­gend­ei­nem da­von die Rol­le des »Bö­sen« zu­schu­stern zu wol­len.

Was aber über­haupt nicht ziel­füh­rend ist,  sind Aus­sa­gen wie »das geht nicht, wir ha­ben ’stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren’«, wie sie ein (ver­mut­lich) Buch­händ­ler in den Kom­men­ta­ren zum of­fe­nen Brief ge­tä­tigt hat. Ama­zons ’stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren’ sind näm­lich um Licht­jah­re bes­ser. Wie ein an­de­rer Buch­händ­ler sag­te: »Zur Not habe ich das Buch in zwei Mi­nu­ten ins Wa­ren­wirt­schafts­sy­stem ein­ge­ge­ben«. Na also: geht doch!