Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Amazon Publishing und KNV: Das erwartete Mimimi! ist da

Als ich ges­tern berich­te­te, dass Ama­zon Publi­shing mit KNV koope­riert, um sei­ne gedruck­ten Bücher auch über den Buch­han­del ver­kau­fen zu kön­nen, pro­phe­zeih­te ich Wider­stand des Buch­han­dels. Aber um eine sol­che Reak­ti­on vor­her­zu­se­hen benö­tigt man in weder die Fähig­kei­ten eines Nos­trada­mus, noch eine Kris­tall­ku­gel.

Im Bör­sen­blatt fan­den sich dann auch bereits ges­tern unter dem Titel »Ihr sägt an dem Ast, auf dem wir sit­zen« die Mimi­mi-Rufe der übli­chen Prot­ago­nis­ten. Zitat:

Die Ankün­di­gung von Ama­zon Publi­shing, sei­ne deutsch­spra­chi­gen Titel als Print­bü­cher über das Bar­sor­ti­ment KNV dem sta­tio­nä­ren Buch­han­del anzu­bie­ten, stößt unter Buch­händ­lern auf brei­te und hef­ti­ge Ableh­nung.

Nein! Damit konn­te ja kei­ner rech­nen!

Tha­lia winkt ab (deren Metho­den, um klei­ne Buch­händ­ler als Kon­kur­ren­zen aus dem Ren­nen zu drü­cken sind seit Jah­ren aus ein­schlä­gi­gen Medi­en­be­rich­ten bekannt). Aber auch Chris­ti­an Riet­mül­ler von Osi­an­der und Hart­mut Fal­ter von der May­er­schen bekla­gen sich dar­über, dass sie »die Gefahr einer abseh­ba­ren Total­ab­hän­gig­keit des Self­pu­bli­shing-Mark­tes von Ama­zon« sehen.

Ja, dank der grot­ten­schlech­ten und all­zu oft abzo­cke­ri­schen Self­pu­bli­shing-Ange­bo­te der Bran­che ist der Online­händ­ler aus Seat­tle hier mit wei­tem Abstand Pri­mus.

Nur geht es bei Ama­zon Publi­shing gar nicht um Self­pu­bli­shing, denn dabei han­delt es sich um einen Ver­lag, der in sei­nen Imprints Bücher zu ver­schie­de­nen Gen­res ver­legt. Wir reden bei die­sem The­ma nicht über Self­pu­bli­shing – und die Bücher der Ama­zon-Toch­ter Crea­teSpace kann man bis heu­te über­haupt nicht im Buch­la­den kau­fen. Haben die hohen Her­ren aus den Tot­holz-Tem­peln das nicht begrif­fen?

Auch der gesam­te rest­li­che Bör­sen­blatt-Arti­kel stellt auf Self­pu­bli­shing ab. The­ma offen­sicht­lich weit ver­fehlt. Außer­dem könn­te die Bran­che im Bereich Self­pu­bli­shing ja auch ein­fach mal ein für Self­pu­blisher brauch­ba­res, fai­res Ange­bot mit ähn­lich guten Kon­di­tio­nen wie Ama­zon schaf­fen. Dann wäre die Domi­nanz schnell vor­bei. Solan­ge man jedoch nur auf schnell gedreh­tes Geld schielt … Aber das geht, wie bereits gesagt, am The­ma kom­plett vor­bei, eben­so wie die Tat­sa­che, dass danach über eRe­ader schwa­dro­niert wird, und wie toll doch angeb­lich die ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen des Toli­no sind. Auch das geht mei­len­weit am Kern vor­bei, denn bei der Zusam­men­ar­beit zwi­schen Ama­zon und KNV geht es in ers­ter Linie um Print­bü­cher. Wor­über schwa­feln die da also alle? Haben die das The­ma nicht ver­stan­den? Neh­men die Dro­gen? Liegt es am Adre­na­lin auf­grund der Akti­on KNVs?

Der Punkt ist: Ama­zon Publi­shing ist ein Ver­lag, der sei­ne Bücher über den Buch­han­del ver­kau­fen möch­te. Das geschieht via KNV mit höchst­wahr­schein­lich han­dels­üb­li­chen Kon­di­tio­nen, da das Ange­bot Ama­zon Publi­shings im deut­schen Buch­markt viel zu unbe­deu­tend ist, um Mör­der-Kon­di­tio­nen raus­hau­en zu kön­nen.

Aber statt sich zu freu­en, dass sie auf die­sem Weg end­lich was vom Kuchen abbe­kom­men, geht das übli­che Heu­len und Zäh­ne­klap­pern einer fos­si­len Bran­che los, wenn der Begriff »Ama­zon« fällt.

Und wei­ter: Was soll die Wei­ge­rung, die Bücher eines Ver­lags zu ver­kau­fen, wenn Kun­den danach fra­gen? Ist das Kun­den­ser­vice? Ist es nicht, im Gegen­teil, der so gefopp­te Kun­de bestellt beim nächs­ten Mal sofort bei Ama­zon und ist mög­li­cher­wei­se für den sta­tio­nä­ren Han­del ver­lo­ren.

Aber eine ande­re Fra­ge ist viel wich­ti­ger: Wie unfass­bar arro­gant und unver­schämt ist es, die Pro­duk­te eines Ver­la­ges hoch­herr­schaft­lich nicht ver­kau­fen zu wol­len? Klar, wenn es um extre­me Inhal­te gehen wür­de, wie bei­spiels­wei­se Volks­ver­het­zung oder Auf­ruf zu Gewalt, dann könn­te ich ver­ste­hen, wenn Buch­händ­ler sich wei­gern, die Pro­duk­te eines Ver­lags zu ver­trei­ben. Aber wenn es um ganz nor­ma­le Bel­le­tris­tik geht, dann muss man sich fra­gen, ob der Buch­han­del sei­ne Posi­ti­on hier nicht schlicht miss­braucht, wenn er einen Ver­kauf ablehnt? Wel­che Ver­la­ge wird es als nächs­tes tref­fen?

In mei­nen Augen ist das äußerst bedenk­lich. Und das erwar­te­te »Mimi­mi!« aus Rich­tung Buch­han­del ein wei­te­rer Beweis für die Rück­stän­dig­keit einer Bran­che ange­sichts des digi­ta­len Wan­dels.

Alles wie erwar­tet im .

Und Ama­zon ist erneut in aller Mun­de …

[Update 9:40]: State­ment im Buch­re­port von Oli­ver Voers­ter, geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter bei KNV:

Es ist nicht die Auf­ga­be eines Groß­händ­lers, Titel aus­zu­sor­tie­ren, son­dern ein mög­lichst brei­tes Sor­ti­ment anzu­bie­ten.

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Wenn der Börsenverein ein Hotel wäre …

Museum… ist ein Arti­kel in der Online­ver­si­on des Bör­sen­blat­tes zur Zukunfts­kon­fe­renz 2014 beti­telt. Mal abge­se­hen davon, dass ich »Zukunft« und »Bör­sen­ver­ein« für nicht ver­ein­ba­re Wor­te hal­te, kann ich auf die Fra­ge eine Ant­wort geben:

Wenn der Bör­sen­ver­ein ein Hotel wäre …

… wäre es von außen hübsch anzu­se­hen und die Fas­sa­de top gepflegt, aber innen arg ver­gam­melt

… wür­de der 80-jäh­ri­ge Pfört­ner an der Rezep­ti­on stän­dig schla­fen und unwirsch mur­ren, wenn er geweckt wird

… wären die Zim­mer stau­big und vol­ler Spinn­we­ben und die Toi­let­ten sind auf dem Gang

… fehl­te im Schwimm­bad das Was­ser (und die Hand­tü­cher wären rau und krat­zig)

… gäbe es kei­ne Duschen, weil der Inha­ber einen sol­chen neu­mo­di­schen Mist nicht mag

… gäbe es beim Früh­stück kei­nen Kaf­fee, weil Ame­ri­ka noch nicht ent­deckt wur­de

… wäre der Auf­zug kaputt, aber das stört kei­nen, statt­des­sen schimpft man dar­über, dass der Auf­zug in der Pen­si­on Ama­zo­nia funk­tio­niert …

Falls jeman­dem noch mehr ein­fällt: tut euch in den Kom­men­ta­ren kei­nen Zwang an. :)

Bild von Pixabay, CC0

 

Facepalm des Tages: Börsenblatt – Kindle ist nur aufgrund von »bizarren Literaturpornos« erfolgreich

Facepalm des Tages: Börsenblatt – Kindle ist nur aufgrund von »bizarren Literaturpornos« erfolgreich

Börsenblatt-ErotikDas neben­ste­hen­de Bild zeigt einen Kom­men­tar auf der Face­book-Sei­te des Bör­sen­blat­tes vom heu­ti­gen Tag, der auf einen Spie­gel-Arti­kel von Frank Pat­a­long ver­weist. Ich möch­te einen Satz noch­mal ganz beson­ders her­vor­he­ben:

Der Kind­le ist nur erfolg­reich, weil Self­pu­blisher bizar­re Lite­ra­tur­por­nos unters Volk brin­gen.

Tja, lie­be Kind­le-Nut­zer, das Bör­sen­blatt (Maga­zin des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels) hat euch gna­den­los ent­tarnt. Ihr hat das Ding vom Beel­ze­bub Ama­zon nur des­we­gen gekauft, damit ihr euch hau­fen­wei­se bizar­re Dino­sau­ri­er- und ande­re Soft- bis Mit­tel­por­nos rein­pfei­fen könnt. Leug­nen ist zweck­los, ihr könnt es jetzt ein­fach zuge­ben.

Es ist natür­lich völ­lig abwe­gig, dass der Kind­le so erfolg­reich ist, weil die Nut­zung im Ver­gleich zu dem DRM-ver­seuch­ten eBooks der deut­schen Ver­la­ge so unend­lich viel ein­fa­cher ist. Oder weil das Ange­bot gera­de im Bereich Self­pu­bli­shing gigan­tisch daher kommt. Oder weil eng­lisch­spra­chi­ge eBooks nur ein Drit­tel des Prei­ses kos­ten, den deut­sche eBook-Por­ta­le ansa­gen. Oder weil Ama­zon kun­den­ori­en­tiert, kun­den­freund­lich und kulant ist.

Nein, alles falsch. Der Erfolg des Kind­le liegt gemäß Bör­sen­blatt ein­zig und allein an »bizar­ren Lite­ra­tur­por­nos«.

Das kann man sich nicht aus­den­ken …

(Ach ja, das SpOn-Trak­tat könn­te man übri­gens inhalt­lich mal mit zwei Arti­keln aus der Huff­Post ver­glei­chen …)

Dank an Cynx für den Hin­weis.

Ich bin jetzt weg. Habe kei­ne Zeit, muss noch schnell ein paar usbe­ki­sche Kon­ti­nen­tal­ver­schie­bungs-Por­nos bei Ama­zon kau­fen …

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Börsenblatt feiert eBookCards – warum?

Ich kom­me heu­te aus den Face­palms wie­der mal gar nicht mehr raus. Auf der Online-Ver­si­on des Bör­sen­blat­tes fei­ert der Bör­sen­ver­ein heu­te ab, dass sage und schrei­be 300 Buch­hand­lun­gen bun­des­weit Epi­dus eBook­sCards anbie­ten.

Um mit Lou­is de Fun­ès zu spre­chen: »Nein! Doch! Ahh!«

300 Buch­hand­lun­gen? Und das ist ernst­haft eine Nach­richt wert? Es gibt unge­fähr 8000 Buch­hand­lun­gen in Deutsch­land, damit sind die 300 teil­neh­men­den gera­de mal lächer­li­che 3,75 Pro­zent. Das ist kein Grund zum fei­ern oder für eine News­mel­dung, son­dern viel­mehr ein Grund sich zu schä­men, da hilft auch der Ver­weis auf Epi­dus inter­ak­ti­ve Kar­te auf Goog­le Maps-Basis nicht wei­ter, die mir zeigt, dass es in mei­ner Nähe kei­nen sol­chen Händ­ler gibt.

Mein Arti­kel zu Epi­dus eBook­Cards ist vom Okto­ber 2011 und bis heu­te haben es gera­de mal 300 Buch­hand­lun­gen geschafft, die in ihr Sor­ti­ment auf­zu­neh­men? Das sind Zah­len die der­art lächer­lich sind, dass man sie bes­ser ver­schwei­gen soll­te, statt damit in einem Arti­kel anzu­ge­ben.

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Bild: Dis­play für eBook­sCards, Pres­se­fo­to Copy­right Epi­du

Kommentar: Expertentagung Verlagsrecht 2015 in der Filterbubble?

Das Bör­sen­blatt weist in sei­ner Online­fas­sung auf eine Ver­an­stal­tung der »Aka­de­mie des deut­schen Buch­han­dels« hin, die »Exper­ten­ta­gung Medi­en­recht: Ver­lags­recht 2015«. Dabei han­delt es sich nach Aus­sa­gen des Arti­kels um eine Tagung, die sich an »Geschäfts­füh­rer und Juris­ten von Medi­en­un­ter­neh­men, Ver­lags­lei­ter, Mit­ar­bei­ter von Lizenz­ab­tei­lun­gen und Anwäl­te« rich­tet. Dabei soll es nicht nur um Fra­gen wie den nach einem EuGH-Urteil von Anfang Juli zu erwar­ten­den Gebraucht­ver­kauf von eBooks, sowie die Buch­preis­bin­dung auf elek­tro­ni­sche Bücher gehen, son­dern auch dar­um »wie Text­aus­schnit­te und Rezen­sio­nen zukünf­tig geschützt […] wer­den kön­nen«.

Natür­lich kann man davon aus­ge­hen, dass das eine buch­bran­chen­in­ter­ne Ver­an­stal­tung ist und allein das führt bereits zu einer ein­ge­schränk­ten Sicht. Dem The­ma »mas­sen­haf­te Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen im Web« dürf­te sich wahr­schein­lich wie üblich genä­hert wer­den: kun­den­feind­li­che DRM-Maß­nah­men sind das A und O.

War­um ich per­sön­lich die Ver­an­stal­tung nicht ernst neh­men kann und wor­über ich laut gelacht habe ist aller­dings die fol­gen­de Aus­sa­ge im Arti­kel, die eine Ankün­di­gung der Ver­an­stal­ter wie­der gibt:

Das Urhe­ber- und Ver­lags­recht wird seit Jah­ren in beacht­li­cher Geschwin­dig­keit an Digi­ta­li­sie­rung und Online-Nut­zun­gen ange­passt

Wer ange­sichts die­ses Sat­zes nicht in schal­len­des Geläch­ter aubricht, der lebt mei­ner unmaß­geb­li­chen Mei­nung nach in einer Fil­ter­bub­ble oder sogar in einer äußerst sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung. Denn tat­säch­lich hinkt gera­de die Gesetz­ge­bung in Sachen Urhe­ber­recht fast allen Fäl­len, die mit dem Web zu tun haben, der Rea­li­tät Jah­re, wenn nicht Jahr­zehn­te hin­ter­her. Dank inten­si­ver Lob­by­ar­beit ändert die Poli­tik Geset­ze sogar nach wie vor zu Unguns­ten der Bür­ger und ent­ge­gen allem gesun­den Men­schen­ver­stand. Über die fos­si­le Buch­preis­bin­dung gera­de auf eBooks noch gar nicht gespro­chen.

Wer ange­sichts des­sen den obi­gen Satz abson­dert, dass die Geset­ze »in beacht­li­cher Geschwin­dig­keit« ange­passt wer­den, hat ent­we­der mas­si­ve Rea­li­täts­ver­lus­te oder äußert die­se fal­sche Aus­sa­ge viel­leicht sogar vor­sätz­lich. Woher die Ver­an­stal­ter kom­men, zeigt sich ja allein dar­an, dass auch hier off­fen­bar über­legt wer­den soll, wie man Text­s­nip­pets (»Text­aus­schnit­te«) schüt­zen und damit das Zitat­recht umge­hen kann. Soll hier etwa ein Leis­tungs­schutz­recht ähn­lich dem für Ver­le­ger geschaf­fen wer­den?

Sieht man sich an, wer orga­ni­siert und wer Vor­trä­ge hält: nahe­zu aus­schließ­lich Rechts­an­wäl­te oder selbst­er­nann­te Hilfs­she­riffs wie die »Gesell­schaft zur Ver­fol­gung von Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen« (GVU), dann wun­dert einen eigent­lich nichts mehr …

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Bild »iPad mit @« von mir, CC BY-NC-SA

Börsenblatt zur CES: eReader finden nicht statt

Ich habe ein Beleg­ex­em­plar des Bör­sen­blat­tes bekom­men (sie woll­ten einen mei­ner Kom­men­ta­re auf ihrer Web­sei­te im Heft nut­zen und ich habe das gegen Zusen­dung der frag­li­chen Aus­ga­be erlaubt). Nach der Lek­tü­re (95% Wer­bung, Todes- und Stel­len­an­zei­gen) wun­dert mich nichts mehr.

Wenn die gesam­te Buch­bran­che die in dem Maga­zin dar­ge­stell­te ver­zerr­te Rea­li­tät glaubt, haben bei­spiels­wei­se eRe­ader auf der CES qua­si nicht statt­ge­fun­den. »eRe­ader spiel­ten Mes­se­be­ob­ach­tern zufol­ge nur eine Neben­rol­le«. Nein? Wirk­lich? Könn­te das dar­an lie­gen, dass sie nur einen ver­gleichs­wei­se klei­nen Teil des Unter­hal­tungs­elek­tro­nik­mark­tes dar­stel­len? Dass ande­re Gerä­te auf der Mes­se im Vor­der­grund ste­hen? Dass das Buch (egal in wel­cher Form) nur inner­halb des Ereig­nis­ho­ri­zon­tes der Buch­bran­che das Zen­trum des Uni­ver­sums dar­stellt?

Auch in ande­ren Arti­keln im Zusam­men­hang stel­le ich eine Grund­ten­denz fest, die ich per­sön­lich nur als Mischung von »in die eige­ne Tasche lügen« und »Gejam­mer über die sich ändern­den Zei­ten« eti­ket­tie­ren kann. Lese ich dann noch das Lob­lied auf die Tot­ge­burt libre­ka, nach wie vor eine bedie­ne­ri­sche und kun­den­feind­li­che Kata­stro­phe, wun­dert mich kaum noch was. Will­kom­men im Par­al­lel­uni­ver­sum der Buch­bran­che.

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Cover Böb­la 03 /2012 Copy­right MVB Mar­ke­ting- und Ver­lags­ser­vice des Buch­han­dels GmbH

Ueberreuter zieht von Wien nach Berlin

Die Ver­lags­grup­pe Carl Ueber­reu­ter ist seit 1946 in Wien ansäs­sig, des­we­gen ist die Ankün­di­gung wahr­schein­lich für vie­le über­ra­schend: im Janu­ar 2012 will der Ver­lag von Wien nach Ber­lin zie­hen. Als einer der Grün­de wird genannt, dass sich gera­de im Bereich Kin­der- und Jugend­buch der Stand­ort Öster­reich als nach­tei­lig erwie­sen habe…

Betrof­fen von die­ser Ent­schei­dung sind am bis­he­ri­gen Ver­lags­sitz 27 Mit­ar­bei­ter, davon bekom­men sie­ben Lek­to­ren und Assis­ten­tin­nen, vier Her­stel­ler, ein Mar­ke­ting­ver­ant­wort­li­cher und fünf Ver­trieb­ler Ange­bot mit in die Bun­des­haupt­stadt umzu­zie­hen. Dass vie­le einen sol­cher Schritt nicht tun wol­len oder kön­nen ver­steht sich von selbst, allein schon wegen des Umzugs in ein ande­res Land.

Beim Umzug mit ein­her­ge­hen­der Restruk­tu­rie­rung soll das Label OTHERLAND ein­ge­stellt wer­den, dar­un­ter wur­den bis­her phan­tas­ti­sche Roma­ne für »älte­re Jugend­li­che« (was auch immer das sein mag? Young Adult?) ver­öf­fent­licht, man will sich stär­ker auf die acht- bis zwölf­jäh­ri­gen Leser kon­zen­trie­ren. Eine Ent­schei­dung die ich ange­sichts der Aus­sa­ge, dass der Markt in Deutsch­land bes­ser sei und man des­we­gen umzie­he, ehr­lich gesagt nicht ganz nach­voll­zie­hen kann…

Was mich wun­dert: ist die Lage für Kin­der- und Jugend­bü­cher in Öster­reich denn wirk­lich so schlecht? Lesen da noch weni­ger als anders­wo? Oder ist die Argu­men­ta­ti­on vor­ge­scho­ben? Und war­um schafft man gera­de das hier­zu­lan­de doch angeb­lich so lukra­ti­ve Young-Adult-Seg­ment ab? Alles sehr selt­sam… Mehr Details in einem Arti­kel des Bör­sen­blat­tes.

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Quel­le: Bör­sen­blatt, Logo Ueber­reu­ter Copy­right Ver­lags­grup­pe Carl Ueber­reu­ter

Das Börsenblatt und die Piraten …

Ich mach´s heu­te ganz kurz, ver­spro­chen (aber nur weil mir für einen län­ge­ren Rant Lust und vor allem Zeit gera­de feh­len).

Soso, lie­ber »Bör­sen­blatt-Redak­teur Micha­el Roes­ler-Grai­chen«, die Pira­ten haben die mehr als respek­ta­blen fast neun Pro­zent in Ber­lin also nur bekom­men, weil sie ein »coo­les Nerd-Image« haben? Das ist eine inter­es­san­te The­se, im Umkehr­schluss möch­te ich dann fra­gen, was das über die FDP aus­sagt? :o)

Im übri­gen zitie­ren Sie zum einen die Zie­le der Pira­ten­par­tei inkor­rekt. Das lässt sich ändern, indem Sie sich auf den Web­sei­ten der Par­tei über die kor­rek­ten Zie­le und Vor­stel­lun­gen infor­mie­ren. Die sind näm­lich über­aus trans­pa­rent dar­ge­stellt und übri­gens frei von jeg­li­cher Lob­by­hö­rig­keit … (da Sie in Ihrem Arti­kel behaup­ten, Ihre Ein­sich­ten von der Pira­ten-Web­sei­te und aus dem Pro­gramm zu haben, kann man sich nun fra­gen, ob Sie die Zie­le nicht ver­stan­den haben, oder sie mit Absicht ver­zerrt wie­der­ge­ben).

Zum ande­ren soll »krea­ti­ve, unter­neh­me­ri­sche Leis­tung« selbst­ver­ständ­lich hono­riert wer­den, das bezwei­felt nie­mand (Sie wer­den mir auch kei­ne gegen­tei­li­ge Posi­ti­on der Pira­ten zei­gen kön­nen, an kei­ner Stel­le). Was aller­dings nicht hono­riert wer­den muss, ist das fast schon ver­zwei­felt wir­ken­de Fest­hal­ten an Geschäfts­mo­del­len, die ange­sichts des Inter­net voll­kom­men über­holt sind, wie es zu vie­le Ver­la­ge bereits viel zu lan­ge prak­ti­zie­ren.

Abschlie­ßend möch­te ich dar­auf hin­wei­sen, dass auch ich eine grund­le­gen­de Anpas­sung des Urhe­ber­rechts für drin­gend not­wen­dig hal­te. Zum einen auf­grund der geän­der­ten Bedin­gun­gen durch das und im Netz – aber vor allem weil der Urhe­ber wie­der der Nutz­nie­ßer sei­ner Arbeit wer­den muss – und nicht mehr die Ver­wer­ter, die die Urhe­ber mit Pea­nuts abspei­sen. Letz­te­res hal­te ich übri­gens tat­säch­lich für durch­aus »unmo­ra­lisch«.

»Im Netz dro­hen fun­da­men­ta­le Wer­te zu ero­die­ren« schrei­ben Sie. Dem stim­me ich zu, das wird gesche­hen, wenn man Lob­by-höri­gen Poli­ti­kern erlaubt, das Netz nach den Wün­schen einer Wirt­schaft zu gestal­ten, die längst jedes Maß ver­lo­ren hat.

Bild: Logo der Pira­ten­par­tei, Public Domain

»Hat Phantastik im Programm«

Guten Mor­gen, lie­be Redak­teu­re des Bör­sen­blatts, auf­ge­wacht? Was? Abge­bro­chen? Das hat­te ich mir gedacht, denn beson­ders aus­ge­schla­fen seid ihr wohl nicht, oder? Na gut, ich mei­ne, es grenzt ja fast an ein Wun­der, dass ihr eine Lis­te, einen Über­blick, ver­öf­fent­licht (PDF), in der der Freund phan­tas­ti­scher Lite­ra­tur mal sehen kann, was in Deutsch­land im Herbst so alles auf den Markt kommt. Habt ihr also auch schon fest­ge­stellt, dass sol­cher­lei hier­zu­lan­de ganz gern gele­sen wird, was? Hat ja auch kaum Jahr­zehn­te gedau­ert, aber zum einen kann ich ver­ste­hen, dass man in einer der­art kon­ser­va­ti­ven Bran­che so schnell nicht ist (jaja, ich weiß, die Lis­te gab es in den letz­ten bei­den Jah­ren auch schon – geschenkt!) und zum ande­ren muss­ten wohl erst die Schmu­se­vam­pi­re kom­men und euch Geld zuhauf in die Taschen spü­len. Har­ry Pot­ter gehör­te ja lei­der nur einem Ver­lag, ver­dammt aber auch!

Ich hät­te mich über die Lis­te viel­leicht sogar gefreut, obwohl ich die über­teu­er­ten und mise­ra­bel über­setz­ten Pam­phle­te der deut­schen Publi­kums­ver­la­ge schon lan­ge nur noch im Ori­gi­nal lese – wenn es ein Ori­gi­nal gibt.
Gut: das Pro­gramm ist aus­führ­lich, zu jedem Ver­lag führt ihr nicht nur ein­zel­ne Autoren und Roma­ne son­dern sogar Gen­res wie »Mys­te­ry« oder »Urban Fan­ta­sy« auf – weil ihr nun­mal auf Schub­la­den steht – zudem wird bei vie­len Ver­la­gen deren Pro­gramm zumin­dest in kur­zen Wor­ten vor­ge­stellt. Löb­lich, löb­lich…

Doch wenn ich dann in der Lis­te bis zu »Feder & Schwert« her­un­ter­s­crol­le rei­be ich mir ver­wun­dert die Augen. Wo bei ande­ren Ver­la­gen detail­liert jeder Schmon­zes gelis­tet wird, lese ich hier ein lako­ni­sches

»Hat Phan­tas­tik im Pro­gramm«

In der Tat. Schön, dass ihr das gemerkt habt. Seid ihr da von allei­ne drauf gekom­men? Mal im Ernst und unter uns: ja, Feder & Schwert hat Phan­tas­tik im Pro­gramm, ist sogar einer der renom­mier­tes­ten Ver­la­ge hier­zu­lan­de auf die­sem Sek­tor – man könn­te das wis­sen – aller­dings nur wenn man sich für die The­ma­tik tat­säch­lich inter­es­siert…

War­um lis­tet ihr dann die kom­men­den Neu­erschei­nun­gen nicht wie bei den ande­ren Ver­la­gen detail­liert auf? Taten die Fin­ger vom Tip­pen schon weh? Habt ihr viel­leicht Angst vor Vam­pi­ren die nicht schmu­sig sind, die soll es da ja geben? Konn­te man nicht mal eben die Web­sei­te des Ver­lags auf­su­chen und nach­se­hen? Oder rasch mal anru­fen und fra­gen, was erschei­nen wird? Email? Ist das wirk­lich so schwer?
Ihr Redak­teu­re soll­tet wis­sen, wie das geht, es han­delt sich um ein uraltes, fast ver­ges­se­nes jour­na­lis­ti­sches Hand­werks­zeug. Man nennt es »Recher­che«… Schon mal gehört das Wort? Steht im Jour­na­lis­ten-Lexi­kon garan­tiert irgend­wo ganz in der Nähe des Begrif­fes »Qua­li­täts­jour­na­lis­mus«…

Ich grüb­le nun inten­siv dar­über nach, was Feder & Schwert ver­bro­chen haben mögen, dass sie von euch so stief­müt­ter­lich behan­delt wer­den. Habt ihr die nicht mehr lieb? Sind sie hüb­scher als ihr? Haben sie nicht genug Wer­be­an­zei­gen im Bör­sen­blatt geschal­tet? Waren deren Weih­nachts­ge­schen­ke an euch im letz­ten Jahr nicht üppig genug? Sind Feder & Schwert etwa gar am sub­op­ti­ma­len Wet­ter die­ses Som­mers schuld? Ist das eine Ver­schwö­rung der »Gro­ßen Alten« der Buch­bran­che?

Fra­gen über Fra­gen…

Zum Abschluß, lie­be Bör­sen­blatt-Redak­teu­re, ein ganz hei­ßer Tipp, aber das bleibt bit­te unter uns, ja?:

http://www.feder-und-schwert.com

 

p.s.: übri­gens – schon mal was von Aca­bus gehört, lie­be BöB­la-Redak­teu­re? Nein? War­um nur wun­dert mich das nicht…

p.p.s.: gehört in ein sol­ches Pam­phlet nicht ein Impres­sum, damit man weiß, wen man anschrei­en kann? Auch, wenn es sich »nur« um ein PDF han­delt?

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