Mini-Rant: Was läuft eigentlich in diesem deutschen SF-Fandom falsch?

Mini-Rant: Was läuft eigentlich in diesem deutschen SF-Fandom falsch?

Je­der, der sich in­ten­si­ver mit Sci­en­ce Fic­tion be­schäf­tigt, weiß was Fan­zines sind. Fan­zines sind von Fans her­aus­ge­ge­be­ne Ma­ga­zi­ne, die sich mit As­pek­ten der SF und ver­wand­ten Ge­bie­ten be­schäf­ti­gen. Die gibt es seit vie­len, vie­len Jah­ren, seit man als Sterb­li­cher ab­seits von Ver­la­gen halb­wegs brauch­ba­ren Zu­griff auf Ver­viel­fäl­ti­gungs­me­tho­den für Tot­holz be­kam. Ich kann mich noch an Fan­zines er­in­nern, die vor dem groß­flä­chi­gen Ent­ste­hen von Co­py­shops mit Spi­ri­tus-Um­druck ent­stan­den sind. Mit Stück­zah­len, die man an vier Hän­den ab­zäh­len konn­te. Oder drei. Oder 20. Es gab Fan­zines mit den ver­schie­den­sten In­hal­ten, man­che be­fass­ten sich se­kun­där­li­te­ra­ri­sch mit dem Ger­ne, an­de­re brach­ten selbst­ver­fass­te Sto­ries, wie­der an­de­re wa­ren rei­ne Ego­zi­nes, die ver­mut­li­ch mei­sten ein Mix aus all dem. Fan­zines wa­ren ein As­pekt des Gen­res und des Hob­bies, das nicht weg­zu­den­ken war – und streng ge­nom­men bis heu­te ist.

Aber wenn wir das mal mit et­was Ab­stand und ob­jek­tiv be­trach­ten, dann wa­ren das Pu­bli­ka­ti­ons­for­men für je­der­mann, lan­ge be­vor so et­was wie das In­ter­net oder Self­pu­blis­hing all­ge­mein ver­füg­bar wa­ren. Ma­ga­zi­ne, die in eben­falls ei­ner Art von Self­pu­blis­hing er­schie­nen sind.

Und da kom­men wir zum Punkt: An­ge­sichts die­ser jahr­zehn­te­lan­gen Hi­sto­rie des Self­pu­blis­hings im deut­schen SF-Fan­dom kann ich ab­so­lut nicht nach­voll­zie­hen, war­um et­li­che Prot­ago­ni­sten die­ses Ge­ron­ten­stadls die­ser Grup­pie­rung heut­zu­ta­ge via Self­pu­blis­hing ver­öf­fent­lich­te Wer­ke oder Kurz­ge­schich­ten­samm­lun­gen pau­schal als »Mist« ab­leh­nen, ohne auch nur mal ein Blick hin­ein ge­wor­fen zu ha­ben? War­um fin­den Self­pu­blis­hing-Wer­ke kei­ner­lei Be­rück­sich­ti­gung, wenn es um Prei­se aus dem Dunst­kreis »deut­sches SF-Fan­dom« geht, Ver­öf­fent­li­chun­gen in Fan­zines – die heu­te bis­wei­len noch wie mit Spi­ri­tu­s­um­druck her­ge­stellt wir­ken, selbst wenn sie eine Web­prä­senz sind – aber schon? Wird da mit zwei­er­lei Maß ge­mes­sen? Weil »wir das noch nie so ge­macht ha­ben«? War­um? Ich kann es ein­fach nicht nach­voll­zie­hen, denn es gibt frag­los im Be­reich SF via Self­pu­blis­hing hau­fen­wei­se be­mer­kens­wer­te Ver­öf­fent­li­chun­gen, so­gar wel­che, die an­ders­wo Prei­se ein­heim­sen kön­nen. War­um wer­den die nicht zur Kennt­nis ge­nom­men? Weil ge­ra­de die Ju­ro­ren für SF-Prei­se eine neue Tech­no­lo­gie wie eBooks und eBook-Re­a­der als neu­mo­di­sches Teu­fels­werk ab­leh­nen und lie­ber ver­zückt an Drucker­schwär­ze und Buch­rücken­kleb­stoff von be­druck­tem Tot­holz schnüf­feln? Und weil sie nicht er­ken­nen, dass Self­pu­blis­hing so weit vom Fan­dom-Klas­si­ker Fan­zine nicht ent­fernt ist? Oder sind sie ver­grätzt, dass wir heu­te in der Lage sind, Sto­ry­samm­lun­gen via Ama­zon groß­flä­chig un­ters Volks zu brin­gen, statt nur zwei Hand­voll hand­ge­klam­mer­ter nach Sprit rie­chen­der Um­druck-Hef­te ver­tei­len oder per Post ver­schicken zu kön­nen? War­um leh­nen Ur­ge­stei­ne, die uns frü­her mit mehr oder we­ni­ger schlecht ko­pier­ten Fan­zines zwei­fel­haf­ten In­halts ge­quält ha­ben (die aber den­no­ch als Fan-Ar­beit selbst­ver­ständ­li­ch lie­bens- und be­mer­kens­wert wa­ren), heu­te an­de­re Fans ab, die ei­gent­li­ch ge­n­au das­sel­be tun?

Ich ver­ste­he es nicht. Ich ver­ste­he es wirk­li­ch nicht.

p.s.: Nein, es geht dies­mal nicht um den DPP, selbst wenn der sich auch jah­re­lang mit Hän­den und Fü­ßen ge­gen Self­pu­blis­hing ge­wehrt hat.

Hea­der­bild Co­py­right: StockUn­li­mi­t­ed

Rant: Das große Branchengeheule um die angebliche »Erpressung« durch Amazon

Rant: Das große Branchengeheule um die angebliche »Erpressung« durch Amazon

prozente

Die näch­ste Run­de im gro­ßen Ama­zon-Ge­bas­he sei­tens der Buch­bran­che ist ein­ge­läu­tet. Auf den ein­schlä­gi­gen Platt­for­men wie Börsenblatt.de und ähn­li­chen pro­du­zie­ren sich Fi­gu­ren aus Bör­sen­ver­ein und rest­li­cher Bran­che mit Schaum vor dem Mund ob der Un­ver­schämt­hei­ten Ama­zons.

Doch was ist pas­siert? Fan­gen wir mal da­mit an, dass ge­ra­de vor ein paar Ta­gen ge­mel­det wur­de, Ama­zon habe beim On­line­ver­kauf von Bü­chern ei­nen An­teil von un­ge­fähr 80%. Das ist viel. Fast schon ein Mo­no­pol. Und was kann man ma­chen, wenn man fast schon ein Mo­no­pol hat? Na klar: an der Preis­schrau­be dre­hen. Und ge­n­au das macht Ama­zon ge­ra­de. Der US-Kon­zern ver­langt von Ver­la­gen statt der üb­li­chen Ra­bat­te auf eBooks in Höhe von 30% nun neu­er­dings 40 bis 50 %. Ver­lan­gen kann man das mal, ein Ver­lag muss dar­auf nicht ein­ge­hen. Ama­zon re­agiert auf die Wei­ge­rung, in­dem sie die Bü­cher die­ser Ver­lags­grup­pe nur ver­zö­gert aus­lie­fern.

Nein, das ist nicht nett. Echt nicht.

Und? Ich kann mich an Be­rich­te er­in­nern, dass Tha­lia an­geb­li­ch ganz ähn­li­che Num­mern durch­ge­zo­gen ha­ben soll. Wenn man sich den Wün­schen der Ket­te nicht un­ter­warf, dann wur­den Bü­cher halt in der Be­sen­kam­mer ne­ben dem Not­aus­gang aus­ge­stellt, statt auf pro­mi­nent platzier­ten Ti­schen. Wo blieb denn da der gro­ße Auf­schrei? Oder an­ders ge­fragt: War­um jetzt das Ge­heu­le? Weil es da­mals qua­si bran­chen­in­tern blieb und heu­te Ama­zon als bran­chen­frem­de Fir­ma das­sel­be durch­zieht – und man darf sich nur in­ner­halb der Buch­bran­che über den Tisch zie­hen? Oder was?

Es ist im­mer wie­der das­sel­be: Die Buch­bran­che, al­len vor­an der Bör­sen­ver­ein, de­ren Ober­muf­tis re­gel­mä­ßig Gift und Gal­le in Rich­tung Ama­zon spei­en, hät­te sich schon vor Jah­ren auf den Arsch set­zen müs­sen, um ge­mein­sam eine Platt­form zu eta­blie­ren, die Ama­zon Pa­ro­li bie­ten kann, so­wohl was das An­ge­bot, aber auch die im­men­se Kun­den­freund­lich­keit an­geht. Ein­zel­ne oder der le­gen­dä­re klei­ne Buch­händ­ler kön­nen das nicht stem­men, eine gan­ze Bran­che aber schon. Doch statt­des­sen kö­cheln hau­fen­wei­se Prot­ago­ni­sten ei­ge­ne Süpp­chen, die al­le­samt mehr oder we­ni­ger un­er­folg­reich sind. War­um tun die das? Ein­fach: weil je­der von ih­nen selbst das gro­ße Geld ver­die­nen will und das dem Rest nicht gönnt. Das ist kurz­sich­tig und dumm.

Ge­nauso kurz­sich­tig und dumm ist es, wenn man Ni­schen­pro­duk­te (ge­ra­de aus dem Phan­ta­stik-Be­reich) in der Buch­hand­lung nicht be­kommt, weil sie in ir­gend­wel­chen ok­kul­ten Ka­ta­lo­gen nicht ge­li­stet sind. Ama­zon hat die. Dann be­stel­le ich dort. Ähn­li­ches gilt für eng­li­sche Ta­schen­bü­cher und eBooks: wenn die beim Buch­händ­ler oder in Bran­chen­shops das dop­pel­te bis fünf­fa­che des Ama­zon-Prei­ses ko­sten, dann ist auch hier klar, wo ich kau­fe.

Der Aus­weg: Eine gro­ße Platt­form, vor­ur­teils­frei und ge­gen ein an­ge­mes­se­nes Ent­geld (und eben nicht mit völ­lig über­teu­er­ten Ein­stell- oder Jah­res­ge­büh­ren, und auch nicht mit über­zo­ge­nen Ver­kaufs­be­tei­li­gun­gen) auch für die Pro­duk­te von Klein­ver­le­gern und In­die-Au­to­ren, kun­den­freund­li­ches Agie­ren, schnel­le Lie­fe­rung. Fai­re Ein­bin­dung auch klei­ner Buch­hand­lun­gen, de­nen man bei­spiels­wei­se eBook-Käu­fe an­tei­lig gut­schrei­ben las­sen kann. Das kann doch nicht so schwer sein, dass es in all den Jah­ren noch nicht ge­schafft wor­den ist? Und war­um ar­bei­tet kei­ner dar­an?

So­lan­ge die Bran­che sich lie­ber ge­gen­sei­tig aus­ste­chen will, wird Ama­zon der la­chen­de Drit­te blei­ben. Wenn die Bran­che nicht schnell mit ei­nem An­ge­bot wie oben skiz­ziert aus der Höh­le kommt, das al­ler­dings auch funk­tio­nie­ren muss (di­ver­se hoch­ge­hyp­te An­ge­bo­te der letz­ten Jah­re wa­ren un­er­träg­li­che Rohr­kre­pie­rer, weil man vor­her nicht mal je­man­den ge­fragt hat, der sich da­mit aus­kennt), dann bleibt Ama­zons Markt­macht er­hal­ten und wird sich auch noch stei­gern.

An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die Buch­bran­che es aber seit Jah­ren nicht schafft, ein auch nur an­satz­wei­se ähn­li­ch at­trak­ti­ves An­ge­bot auf die Bei­ne zu stel­len, und auch jetzt nichts da­von zu se­hen ist, hal­te ich das Dau­er­ge­heu­le für pein­li­ch bis lä­cher­li­ch.

Ach ja, eins noch: Wenn Tor­sten Ca­si­mir auf boersenblatt.net be­zo­gen auf den Han­del ab­seits Ama­zons schreibt:

Er kann mit E-Re­a­dern über­zeu­gen, die an­ders als der Kind­le dem Kun­den sei­ne Frei­heit las­sen.

… dann kann ich das nur als Volks­ver­dum­mungs­ver­su­ch wer­ten. Er hat of­fen­bar noch nie ver­sucht, ein mit Ado­be DRM ver­seuch­tes Buch auf ei­nem eRe­a­der ab­seits des Kind­le zu le­sen. Wenn er das für »Frei­heit las­sen« hält, kann ich nur vor­sätz­li­che Falsch­aus­sa­ge oder mas­si­ve Rea­li­täts­ver­lu­ste ver­mu­ten.

Quint­es­senz: Lie­be Buch­bran­che: Ruft nicht nach dem Ge­setz­ge­ber. Wer­det ein­fach bes­ser als Ama­zon. Wie wäre es da­mit? Dann wird auch wie­der bei euch ge­kauft und Ama­zon könn­te kei­ne Raub­rit­ter­kon­di­tio­nen mehr ver­lan­gen (das macht dann viel­leicht wie­der ir­gend­ei­ne nam­haf­te Buch­han­dels­ket­te …). Wenn der Bör­sen­ver­ein hier fe­der­füh­rend ist, dann stoppt das viel­leicht so­gar die Aus­tritts­wel­le, die es ge­ra­de dem Ver­neh­men nach ge­ben soll.

Ich wür­de wirk­li­ch gern wie­der bei euch kau­fen. Macht es mir doch ein­fach leicht, das auch zu kön­nen. Tre­tet ge­gen­über den Kun­den sym­pa­thi­sch auf. Ent­schlackt euch. Gönnt euch ge­gen­sei­tig Um­sät­ze. Dann kann Ama­zon se­hen, wo es bleibt.

p.s.: Ach ja – wenn euch das Ver­hal­ten Ama­zons so stört, dann ver­kauft doch ein­fach nicht mehr über die Platt­form? Was? 80% Markt­an­teil? Ah so …

p.p.s.: Wenn das Frei­han­dels­ab­kom­men mit den USA durch­ge­wun­ken wird, wer­det ihr euch wun­dern, was Ama­zon dann noch al­les kann …

Bild »Pro­zen­te« von Pixabay, CC0

 

Steampunk und die Verlage – Ahnungslose mit Schubladen

Ich hat­te mich hier und an an­de­rer Stel­le im­mer wie­der mal dar­über aus­ge­las­sen, dass bei den Pu­bli­kums­ver­la­gen der Steam­punk kei­ne Rol­le spiel­te und dass Au­to­ren, die sich mit die­sem The­ma an sie wand­ten gna­den­los ab­ge­lehnt wur­den: »Das will hier kei­ner le­sen!«. Der Fru­st über die Igno­ranz deut­scher Ver­la­ge führ­te bei mir so­gar dazu, dass mein Pro­jekt STEAM­PUNK-CHRO­NI­KEN aus der Tau­fe ge­ho­ben wur­de.

Jetzt scheint es so, als hät­ten die Ver­la­ge be­merkt, dass Steam­punk eben doch ein an­ge­sag­tes Sub­gen­re ist und sie pum­pen in ih­rer üb­li­chen Art und Wei­se Bü­cher in den Markt. Doch lei­der hat vie­les von dem, das auf dem Co­ver mit Zep­pe­li­nen oder Zahn­rä­dern an­ge­rei­chert wur­de und viel­leicht noch schnell das La­bel »Steam­punk« auf­ge­pappt be­kommt, nicht viel mit Steam­punk zu tun. Auch hier geht es wie­der nur dar­um, mal eben ein paar Krö­ten zu ver­die­nen und »schnell ein paar Bü­cher zu dre­hen«, wie der Ver­käu­fer-Jar­gon ist.

Sich mit dem The­ma aus­ein­an­der­zu­set­zen, da­für ist of­fen­sicht­li­ch ent­we­der kei­ne Zeit, oder man hat kei­ne Lust dazu – von Sach­kennt­nis ge­trübt sind die ver­ant­wort­li­chen Re­dak­tio­nen in den Ver­la­gen aber ganz of­fen­sicht­li­ch nicht. Muss aus de­ren Sicht aber wahr­schein­li­ch auch gar nicht sein, so­lan­ge man dem ah­nungs­lo­sen Le­ser ir­gend­ei­nen Kram als Steam­punk an­dre­hen kann – die mei­sten wer­den den Un­ter­schied oh­ne­hin nicht be­mer­ken.

Man ver­ste­he mich nicht fal­sch, ich habe über­haupt nichts da­ge­gen, wenn man mit dem Ver­kauf von Bü­chern Geld ver­die­nen möch­te. Ich habe al­ler­dings et­was da­ge­gen, wenn der Le­ser durch (mei­ner An­sicht nach zu­min­dest zum Teil) ge­ziel­te Fal­sche­ti­ket­tie­run­gen für dumm ver­kauft wer­den soll.

Das Pro­blem dürf­te aber eben auch sein, dass die Ein­ord­nung des Gen­res kei­ne mit dem Li­ne­al ge­zo­ge­nen Gren­zen zu­lässt. Steam­punk ist un­scharf, er­mög­licht Va­ria­tio­nen, ist ein Hin­ter­grund der vie­le Vä­ter und Müt­ter hat und sich nicht nur des­we­gen ei­ner ex­ak­ten De­fi­ni­ti­on ent­zieht – den Göt­tern des Ae­ther sei Dank! Und das ist na­tür­li­ch et­was, mit dem die Schub­la­den­fa­na­ti­ker in den Ver­la­gen nicht gut zu­recht kom­men. Dass das deut­li­ch bes­ser ge­hen kann – und muss! -, zei­gen die um­trie­bi­gen Klein- und Spe­cial-In­te­re­st-Ver­la­ge.

Am Schluss möch­te ich nicht ver­schwei­gen, wie ich auf die­sen Rant ge­kom­men bin: Zwei von mir sehr ge­schätz­te Blogs, näm­li­ch das von Oli­ver Hoff­mann (Fe­der & Schwert) und der Clock­wor­ker in Form von Cap­tain Se­re­nus ha­ben das Pro­blem vor mir the­ma­ti­siert und mich zum Schrei­ben die­ses Bei­trags ani­miert. Ich rege drin­gend an, de­ren Worte zum The­ma eben­falls zu le­sen!

Creative Commons License

Bild: Steam­punks, von Kyle Cas­sidy, aus der Wi­ki­pe­dia, CC-BY-SA

Das Börsenblatt und die Piraten …

Ich mach´s heu­te ganz kurz, ver­spro­chen (aber nur weil mir für ei­nen län­ge­ren Rant Lust und vor al­lem Zeit ge­ra­de feh­len).

Soso, lie­ber »Bör­sen­blatt-Re­dak­teur Mi­cha­el Roes­ler-Grai­chen«, die Pi­ra­ten ha­ben die mehr als re­spek­ta­blen fast neun Pro­zent in Ber­lin also nur be­kom­men, weil sie ein »coo­les Nerd-Image« ha­ben? Das ist eine in­ter­es­san­te The­se, im Um­kehr­schluss möch­te ich dann fra­gen, was das über die FDP aus­sagt? :o)

Im üb­ri­gen zi­tie­ren Sie zum ei­nen die Zie­le der Pi­ra­ten­par­tei in­kor­rekt. Das lässt sich än­dern, in­dem Sie sich auf den Web­sei­ten der Par­tei über die kor­rek­ten Zie­le und Vor­stel­lun­gen in­for­mie­ren. Die sind näm­li­ch über­aus trans­pa­rent dar­ge­stellt und üb­ri­gens frei von jeg­li­cher Lob­by­hö­rig­keit … (da Sie in Ih­rem Ar­ti­kel be­haup­ten, Ihre Ein­sich­ten von der Pi­ra­ten-Web­sei­te und aus dem Pro­gramm zu ha­ben, kann man sich nun fra­gen, ob Sie die Zie­le nicht ver­stan­den ha­ben, oder sie mit Ab­sicht ver­zerrt wie­der­ge­ben).

Zum an­de­ren soll »krea­ti­ve, un­ter­neh­me­ri­sche Lei­stung« selbst­ver­ständ­li­ch ho­no­riert wer­den, das be­zwei­felt nie­mand (Sie wer­den mir auch kei­ne ge­gen­tei­li­ge Po­si­ti­on der Pi­ra­ten zei­gen kön­nen, an kei­ner Stel­le). Was al­ler­dings nicht ho­no­riert wer­den muss, ist das fast schon ver­zwei­felt wir­ken­de Fest­hal­ten an Ge­schäfts­mo­del­len, die an­ge­sichts des In­ter­net voll­kom­men über­holt sind, wie es zu vie­le Ver­la­ge be­reits viel zu lan­ge prak­ti­zie­ren.

Ab­schlie­ßend möch­te ich dar­auf hin­wei­sen, dass auch ich eine grund­le­gen­de An­pas­sung des Ur­he­ber­rechts für drin­gend not­wen­dig hal­te. Zum ei­nen auf­grund der ge­än­der­ten Be­din­gun­gen durch das und im Netz – aber vor al­lem weil der Ur­he­ber wie­der der Nutz­nie­ßer sei­ner Ar­beit wer­den muss – und nicht mehr die Ver­wer­ter, die die Ur­he­ber mit Pea­nuts ab­spei­sen. Letz­te­res hal­te ich üb­ri­gens tat­säch­li­ch für durch­aus »un­mo­ra­li­sch«.

»Im Netz dro­hen fun­da­men­ta­le Wer­te zu ero­die­ren« schrei­ben Sie. Dem stim­me ich zu, das wird ge­sche­hen, wenn man Lob­by-hö­ri­gen Po­li­ti­kern er­laubt, das Netz nach den Wün­schen ei­ner Wirt­schaft zu ge­stal­ten, die längst je­des Maß ver­lo­ren hat.

Bild: Logo der Pi­ra­ten­par­tei, Pu­blic Do­main

Codemasters: Fail!

Wenn ich ge­ra­de oh­ne­hin beim Schimp­fen bin (sie­he den Ar­ti­kel über Sony so­eben) kann ich auch gleich mit dem näch­sten Rant wei­ter ma­chen. Ich hat­te vor ei­ni­ger Zeit bei der auf der Web­sei­te aus­ge­wie­se­nen Pres­se-Email­adres­se des Com­pu­ter­spie­le-Pu­blis­hers Code­ma­sters dar­um ge­be­ten, mich in den Pres­se­ver­tei­ler auf­zu­neh­men und we­gen ei­nes Re­zen­si­ons­ex­em­plars nach­ge­fragt.

Das er­ste was kam, war eine Ab­we­sen­heits­no­tiz von An­fang 2010 – da hät­te mir schon auf­ge­hen kön­nen, dass man die Pres­se­ar­beit bei Code­ma­sters grund­sätz­li­ch wohl eher stief­müt­ter­li­ch be­han­delt.

Das zwei­te was kam war – nichts. Kei­ne Ant­wort, kei­ne Ab­sa­ge, rein gar nichts.

Ja, ich weiß, of­fi­zi­ell hat Code­ma­sters be­reits An­fang 2010 den La­den in Deutsch­land of­fi­zi­ell zu ge­macht (man kann jetzt er­ah­nen wie­so) und an Koch Me­dia über­ge­ben. Auf der of­fi­zi­el­len Web­sei­te für Deutsch­land wer­den al­ler­dings im­mer noch ak­tu­el­le Spie­le be­wor­ben. Soll­te man dann nicht da­von aus­ge­hen, dass da noch ir­gend­wer ak­tiv ist um auf Mails zu ant­wor­ten – und sei es eben Koch Me­dia? Soll­te man nicht da­von aus­ge­hen, dass dort ge­nann­te Email­adres­sen noch je­man­den er­rei­chen? Bei­spiels­wei­se presse@codemasters.de?

Ich kann nur da­von aus­ge­hen, dass man bei Code­ma­sters (oder dem Ver­we­ser Koch Me­dia) nicht in­ter­es­siert ist, als pro­fes­sio­nel­le Vor­ge­hens­wei­se hät­te ich es dann al­ler­dings be­trach­tet, wenn sie mir we­nig­stens ge­schrie­ben hät­ten, dass ich da­hin ge­hen soll, wo der Pfef­fer wäch­st und es kei­ne Re­zen­si­ons­ex­em­pla­re gibt. Sich voll­stän­dig in Schwei­gen zu hül­len hal­te ich für höch­st un­pro­fes­sio­nell. Soll­te die Email­adres­se ins Lee­re lau­fen ist auch das mei­ner An­sicht nach in ho­hem Maße un­pro­fes­sio­nell.
Ich be­kom­me auf­grund der Sei­te Phan­ta­News pro­blem­los Pres­se­ak­kre­di­tie­run­gen für die ver­schie­den­sten gro­ßen Mes­sen, dar­un­ter auch die Ga­mes­com, und hau­fen­wei­se welt­weit agie­ren­de Film­stu­di­os ha­ben mich ohne jeg­li­ches Mur­ren nach Prü­fung so­fort in ihre Pres­se­ver­tei­ler auf­ge­nom­men und für ihre Pres­se­ser­ver frei­ge­schal­tet.

Nur Code­ma­sters hüllt sich ho­heits­voll in Schwei­gen. Kein Pro­blem, dann eben kei­ne News, kei­ne Be­spre­chun­gen, kei­ne Links und kei­ne Wer­bung, auch wenn das bei dem La­den wahr­schein­li­ch eh kei­nen in­ter­es­siert. Doch so ein­fach…

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