Kontor New Media GmbH behauptet einfach mal, Rechte an Creative Commons-Musik zu besitzen

Ich habe vor gut zwei Jah­ren ein Video auf You­tube online gestellt, in dem ich das Spiel COLIN MCRAE DIRT 2 vor­stel­le. Da ich die Hin­ter­grund-Musik aus dem Spiel auf­grund von Urhe­ber­rechts­be­den­ken nicht ver­wen­den woll­te, habe ich auf Jamen­do einen Song unter CC-Lizenz gefun­den und die­sen genutzt, näm­lich »Just Rock« von den Hell­do­ra­dos. Wie man auf deren Sei­te bei Jamen­do leicht fest­stel­len kann, steht der Song bis heu­te unter CC-BY-Lizenz und darf sogar ver­än­dert wer­den. Hier das Video:

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Soeben erhielt ich eine Mail von You­tube, in der ich dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass die Kon­tor New Media GmbH aus Ham­burg (die gehö­ren zur Edel AG) angeb­lich der Inha­ber oder Lizenz­neh­mer der ver­wen­de­ten Musik ist. Das ist natür­lich ange­sichts der CC-Lizenz eine stei­le Behaup­tung. Eine kur­ze Recher­che im Web zeig­te schnell auf, dass die sol­che fal­schen Claims gegen­über der Video­platt­form offen­bar bereits des Öfte­ren aus­ge­spro­chen haben (die Berich­te sind ganz aktu­ell von Ende Janu­ar 2012). Da wird dann bei­spiels­wei­se auch mal behaup­tet, man habe die Rech­te an Vogel­stim­men oder selbst­pro­du­zier­ten Sounds. Ich hof­fe, dass die ver­su­chen, die­se auch gegen­über den die­se unbe­rech­tigt ver­wen­den­den Vögeln durch­zu­set­zen, das geht ja schließ­lich gar nicht. :o)

Ich habe die Fir­ma Kon­tor New Media gera­de mal per Fax dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Ihre Behaup­tung falsch ist und sie gefäl­ligst umge­hend Stel­lung dazu neh­men und die Behaup­tung gegen­über You­tube zurück neh­men sol­len. Bin gespannt was pas­siert und wer­de euch auf dem Lau­fen­den hal­ten. Soll­ten die das auf­recht erhal­ten, wer­de ich prü­fen, ob ggfs. eine Betrugs­an­zei­ge mög­lich ist. Soll­te das Video sei­tens You­tube off­line genom­men wer­den viel­leicht auch eine Schadenersatzforderung.

Grund­sätz­lich fin­de ich das Vor­ge­hen der Kon­tor New Media über­aus dreist.

[Update:] Inter­es­sant auch die­se Dis­kus­si­on in Goo­g­les Produktforen

[Update2:] Ein Mit­ar­bei­ter der Kon­tor New Media GmbH hat sich per Email gemel­det und ange­ge­ben, dass der fal­sche Claim zurück gezo­gen wur­de. Er war der Ansicht, dass ich nun »der Fair­ness hal­ber« die­sen Arti­kel löschen sol­le. Ich habe ihn dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ich grund­sätz­lich kei­ne Arti­kel lösche, aber gern sei­ne Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­li­chen kann, wenn das sei­nem Wunsch ent­spre­chen soll­te. Eine Reak­ti­on auf die­ses Ange­bot erfolg­te nicht.

Creative Commons License

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

15 Kommentare for “Kontor New Media GmbH behauptet einfach mal, Rechte an Creative Commons-Musik zu besitzen”

sagt:

Das Tracking der Vide­os auf you­tube erfolgt auto­ma­ti­siert und hat eine Feh­ler­tol­leranz (um z.B. an die Spe­zis ran­zu­kom­men, die Musik ein­fach schnel­ler oder lang­sa­mer lau­fen las­sen). Bei einem Posi­tiv­track wird das Stück ent­spre­chend einem Rech­te­inha­ber zuge­ord­net. Das heißt erst mal gar nichts. Und auch bei Dir ist ja nichts wei­ter pas­siert, denn ich kann das Video immer noch abrufen.

Also ein­fach mal tief durch­at­men, sich ent­span­nen und nicht gleich wegen jedem Klein­vieh­scheiss n’nen Rant starten.

Stefan Holzhauer

sagt:

Von wegen »Klein­vieh­scheiss«. Mir ist nach der Lek­tü­re der ver­link­ten Arti­kel klar, dass es sich um ein auto­ma­ti­sier­tes Ver­fah­ren han­delt – und auch das die­ses auto­ma­ti­sier­te Ver­fah­ren offen­sicht­lich äußerst feh­ler­haft ist und hau­fen­wei­se »fal­se posi­ti­ves« ver­ur­sacht. Das ist kein »Klein­vieh« son­dern eine Unver­schämt­heit. Sogar die »Zuord­nung zu einem Rech­te­inha­ber« ist mög­li­cher­wei­se unkorrekt.

Wenn Du Dir die ver­link­ten Arti­kel durch­liest, wirst Du fest­stel­len, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se bei der GmbH Metho­de hat und die Falsch­mel­dun­gen auch dadurch zustan­de kom­men, dass sie zu wenig Per­so­nal haben, um das Ver­fah­ren kor­rekt durchzuführen.

Übri­gens bin ich tiefen­ent­spannt und Rants sehe bei mir auch ganz anders aus. Auf die Vor­ge­hens­wei­se der Fir­ma wei­se ich aber den­noch hin.

sagt:

Ich habe den Arti­kel gele­sen und ganz ehr­lich: Bei einer Hand­voll Vor­fäl­le bei etli­chen Mil­lio­nen jeden Tag hoch­ge­la­de­ner Vide­os erscheint mir die Bezeich­nung »äus­serst Feh­ler­haft« dann doch arg über­trie­ben und die Bezeich­nung »Klein­vieh« voll­kom­men kor­rekt, dar­an ändert auch ein Link auf einen Bei­trag, der es eben­falls an Sach­lich­keit mis­sen lässt, nichts.

Stefan Holzhauer

sagt:

Dei­ne Mei­nung sei dir unbe­nom­men, mei­ne ist eine ande­re. Ich hal­te es für unver­ant­wort­lich, völ­lig unver­hält­nis­mä­ßig und vor allem rechts­wid­rig, was die da machen. Und eins dürf­te völ­lig klar sein: das ist nur die Spit­ze des Eisbergs.

Jeder Schü­ler, der einen Song in einer Tausch­bör­se anbie­tet und von der Ver­wert­er­ma­fia belangt wird, wird dank Abmahn-Indus­trie sei­nes Lebens nicht mehr froh, in umge­kehr­ter Rich­tung neh­men die sich aber her­aus machen zu kön­nen was sie wol­len. Ich wie­der­ho­le mich: es han­delt sich nicht um eine Bagatelle.

Camo

sagt:

Even­tu­ell auch den Schöp­fer der Musik dar­über in Kennt­nis set­zen, was die Fir­ma tut. Könn­te ihn inter­es­sie­ren, den­ke ich.

Ich zumin­dest weiß ja immer ger­ne, wer die Rech­te an mei­nen Wer­ken hält :D

Helldorados

sagt:

Das Hell­do­ra­dos Ange­bot unter der Online-Platt­form jamendo.de stammt wohl noch aus der Grün­dungs­pha­se der Band, bevor ein digi­ta­les Ver­triebs­ver­hält­nis für die Musik des »Just Rock« Albums ein­ge­gan­gen wur­de. Wir bedau­ern die Unan­nehm­lich­kei­ten gegen­über allen Betei­lig­ten und sehen uns gezwun­gen das Ange­bot auf jamendo.de zeit­nah ent­fer­nen zu lassen.

Stefan Holzhauer

sagt:

Eine CC-Lizenz kann nicht nach­träg­lich zurück genom­men wer­den. Das wür­de zu einer erheb­li­chen Rechts­un­si­cher­heit füh­ren, da ein Nut­zer der Musik unter CC-Lizenz stän­dig kon­trol­lie­ren müss­te, ob die CC-Lizenz noch besteht. Das ist ver­ständ­li­cher­wei­se nicht mach­bar. Ich habe das Bestehen der genann­ten CC-Lizenz beweis­si­cher doku­men­tiert. Ich emp­feh­le die Lek­tü­re der maß­geb­li­chen Doku­men­ta­ti­on auf der Crea­ti­ve Com­mons-Web­sei­te, der durch die Nut­zung der CC-Lizenz zuge­stimmt wurde.

Hier der ent­spre­chen­de Pas­sus von der CC-Webseite:

What if I chan­ge my mind?
CC licen­ses are not revo­ca­ble. Once a work is publis­hed under a CC licen­se, licen­sees may con­ti­nue using the work accord­ing to the licen­se terms for the dura­ti­on of copy­right protection.

Edit: und hier der Link zur Erläu­te­rung: http://wiki.creativecommons.org/Before_Licensing

Markus

sagt:

Unse­re eige­nen Songs auf unse­rem band­ei­ge­nen Account wur­den nun teil­wei­se auch durch Kon­tor New Media als urhe­ber­recht­lich geschützt gemel­det. Wir haben Ein­spruch ein­ge­legt, heu­te kamen Mails, dass Kon­tor unse­ren Ein­spruch zurück­ge­wie­sen und ihren angeb­li­chen Anspruch erneut gel­tend gemacht haben.

Jetzt bin ich unschlüs­sig. Zwar bie­ten wir Songs auch über iTu­nes etc an, und über ver­wir­ren­de Ver­triebs­we­ge könn­te Kon­tor dies­be­züg­lich auch eine Rol­le spie­len. Gleich­zei­tig bezweif­le ich, dass wir mit unse­rem Ver­trag für den iTu­nes-Ver­trieb unse­re Rech­te abge­ge­ben haben, die Songs selbst in Vide­os ver­öf­fent­li­chen zu können.

Ver­mut­lich alles unpro­ble­ma­tisch, mich ärgert nur, dass mich der Mist jetzt Zeit kostet.
Inso­fern ist es schon fair, dass der Arti­kel ste­hen bleibt. Das »kom­pe­ten­te Team von 21 Mit­ar­bei­tern« (http://www.kontornewmedia.com/de‑1–5‑13–13-Startseite.html) wird noch jede Men­ge Unmut auf sich zie­hen, wenn es wei­ter­hin wohl mit auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren auf You­tube herumwütet.

sagt:

Ah, sehr inter­es­sant, dass es auch ande­ren so geht. Wir haben gera­de fest­ge­stellt, dass »Kon­tor New Media« in den You­tube Urhe­ber­rechts­hin­wei­sen behaup­tet, die Rech­te an unse­rem Lied »Grau­er Regen« zu haben. Schon frech.
Wir kön­nen uns Camo nur anschlie­ßen: Wir wis­sen schon immer gern, wer die Rech­te an unse­ren Lie­dern hält. :o)

sagt:

Also irgend­wie scheint das Gan­ze schon Metho­de zu haben, denn bei mei­ner Recher­che bin ich über­all auf die New Media gestos­sen. Das erin­nert schon stark an die Abzo­cke der all­seits belieb­ten Abmahn­an­wäl­te > immer die glei­chen Nasen.

Ich habe gera­de ein Video hoch­ge­la­den, für das ich die Musik extra bei audio­jung­le gekauft habe und trotz­dem bekam ich den Copy­right­hin­weis. Hab natür­lich Ein­spruch ein­ge­legt und bin mal gespannt wie die Sache weitergeht.

Und auch wenn Ste­fan das hier für Klein­kram hält, ärger­lich ist es alle­mal, denn mit dem Copy­right­an­spruch ste­hen New Media auch sämt­li­che Wer­be­ein­nah­men aus den betrof­fe­nen Vide­os zu. Wenn das welt­weit nur 100 am Tag sind, macht Klein­vieh auch ganz schön Mist.

Wechsung

sagt:

Das scheint eine Masche von denen zu sein?

Jetzt haben sie auf You­Tube ein Video einer Kla­vier­auf­nah­me (zumin­dest in Öster­reich, wahr­schein­lich auch Deutsch­land) gesperrt. Es han­delt sich um ein Com­mu­ni­ty finan­zier­tes Open Source Pro­jekt (www.opengoldbergvariations.org)

Da Bach lei­der schon seit meh­re­ren hun­dert Jah­ren tot ist, ist schwer zu begrei­fen, wo da irgend­wel­ches »geis­ti­ges Eigen­tum« her­kom­men soll.

sagt:

Das sind auch auto­ma­ti­sier­te Algo­rith­men. Ein­fach bei You­tube Wider­spruch einlegen.

Dass das eine Unver­schämt­heit ist, steht natür­lich außer Frage.

Es müss­ten hier neue gesetz­li­che Rege­lun­gen her, bei­spiels­wei­se, dass Ver­wer­ter ver­pflich­tet wer­den müss­ten, Claims vor­her zu über­prü­fen, und dass es Kon­se­quen­zen für fal­sche Claims gebenn müss­te. Es kann ja nicht sein, dass das Urhe­ber­recht hier in die­ser Form miss­braucht wird, ohne dass es zu Kon­se­quen­zen für die Trol­le kommt. Mit unse­ren lob­by­hö­ri­gen Poli­ti­kern wird das aber wohl lei­der nichts werden.

Kelbo

sagt:

»Ein­fach bei You­tube Wi­der­spruch ein­le­gen.« jaja, wenn das irgend­was brin­gen wür­de. Hat­te heu­te einen »claim« für ein Video, dass von YT selbst zur Ver­wen­dung ange­bo­ten wird (mone­ta­ri­sier­bar). Glaubt man das? Was geht in die­sem Kon­tor vor? Lei­der hab ich kei­ne Zeit einen Rechts­streit zu füh­ren – und dar­auf wird sicher auch spekuliert…

Gabriela Sowieso

sagt:

Genau das glei­che pas­sier­te bei mir: Kon­tor New Media ver­klagt Film­pro­du­zen­ten bei You­tube. Und zwar ohne vor­her geklärt zu haben, ob die Rech­te vor­lie­gen oder nicht. Das gan­ze endet in enorm viel Auf­wand für mich als Video­pro­du­zen­tin. Das gan­ze ist abso­lut müh­sam und You­tube über­lasst alles sei­nen Algorythmen.

Stefan Holzhauer

sagt:

»Ver­klagt« wird nie­mand. You­tube ist kein Gericht.

Ärger­lich ist das trotz­dem. Es wäre schön, wenn end­lich das Urhe­ber­recht gestärkt wür­de und man sich gegen sol­che fal­schen Claims mit ech­ten Mit­teln weh­ren könn­te, die den Copy­right-Trol­len auch weh tun.

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