Mini-Rant: Was läuft eigentlich in diesem deutschen SF-Fandom falsch?

Mini-Rant: Was läuft eigentlich in diesem deutschen SF-Fandom falsch?

Je­der, der sich in­ten­si­ver mit Sci­en­ce Fic­tion be­schäf­tigt, weiß was Fan­zines sind. Fan­zines sind von Fans her­aus­ge­ge­be­ne Ma­ga­zi­ne, die sich mit As­pek­ten der SF und ver­wand­ten Ge­bie­ten be­schäf­ti­gen. Die gibt es seit vie­len, vie­len Jah­ren, seit man als Sterb­li­cher ab­seits von Ver­la­gen halb­wegs brauch­ba­ren Zu­griff auf Ver­viel­fäl­ti­gungs­me­tho­den für Tot­holz be­kam. Ich kann mich noch an Fan­zines er­in­nern, die vor dem groß­flä­chi­gen Ent­ste­hen von Co­py­shops mit Spi­ri­tus-Um­druck ent­stan­den sind. Mit Stück­zah­len, die man an vier Hän­den ab­zäh­len konn­te. Oder drei. Oder 20. Es gab Fan­zines mit den ver­schie­den­sten In­hal­ten, man­che be­fass­ten sich se­kun­där­li­te­ra­ri­sch mit dem Ger­ne, an­de­re brach­ten selbst­ver­fass­te Sto­ries, wie­der an­de­re wa­ren rei­ne Ego­zi­nes, die ver­mut­li­ch mei­sten ein Mix aus all dem. Fan­zines wa­ren ein As­pekt des Gen­res und des Hob­bies, das nicht weg­zu­den­ken war – und streng ge­nom­men bis heu­te ist.

Aber wenn wir das mal mit et­was Ab­stand und ob­jek­tiv be­trach­ten, dann wa­ren das Pu­bli­ka­ti­ons­for­men für je­der­mann, lan­ge be­vor so et­was wie das In­ter­net oder Self­pu­blis­hing all­ge­mein ver­füg­bar wa­ren. Ma­ga­zi­ne, die in eben­falls ei­ner Art von Self­pu­blis­hing er­schie­nen sind.

Und da kom­men wir zum Punkt: An­ge­sichts die­ser jahr­zehn­te­lan­gen Hi­sto­rie des Self­pu­blis­hings im deut­schen SF-Fan­dom kann ich ab­so­lut nicht nach­voll­zie­hen, war­um et­li­che Prot­ago­ni­sten die­ses Ge­ron­ten­stadls die­ser Grup­pie­rung heut­zu­ta­ge via Self­pu­blis­hing ver­öf­fent­lich­te Wer­ke oder Kurz­ge­schich­ten­samm­lun­gen pau­schal als »Mist« ab­leh­nen, ohne auch nur mal ein Blick hin­ein ge­wor­fen zu ha­ben? War­um fin­den Self­pu­blis­hing-Wer­ke kei­ner­lei Be­rück­sich­ti­gung, wenn es um Prei­se aus dem Dunst­kreis »deut­sches SF-Fan­dom« geht, Ver­öf­fent­li­chun­gen in Fan­zines – die heu­te bis­wei­len noch wie mit Spi­ri­tu­s­um­druck her­ge­stellt wir­ken, selbst wenn sie eine Web­prä­senz sind – aber schon? Wird da mit zwei­er­lei Maß ge­mes­sen? Weil »wir das noch nie so ge­macht ha­ben«? War­um? Ich kann es ein­fach nicht nach­voll­zie­hen, denn es gibt frag­los im Be­reich SF via Self­pu­blis­hing hau­fen­wei­se be­mer­kens­wer­te Ver­öf­fent­li­chun­gen, so­gar wel­che, die an­ders­wo Prei­se ein­heim­sen kön­nen. War­um wer­den die nicht zur Kennt­nis ge­nom­men? Weil ge­ra­de die Ju­ro­ren für SF-Prei­se eine neue Tech­no­lo­gie wie eBooks und eBook-Re­a­der als neu­mo­di­sches Teu­fels­werk ab­leh­nen und lie­ber ver­zückt an Drucker­schwär­ze und Buch­rücken­kleb­stoff von be­druck­tem Tot­holz schnüf­feln? Und weil sie nicht er­ken­nen, dass Self­pu­blis­hing so weit vom Fan­dom-Klas­si­ker Fan­zine nicht ent­fernt ist? Oder sind sie ver­grätzt, dass wir heu­te in der Lage sind, Sto­ry­samm­lun­gen via Ama­zon groß­flä­chig un­ters Volks zu brin­gen, statt nur zwei Hand­voll hand­ge­klam­mer­ter nach Sprit rie­chen­der Um­druck-Hef­te ver­tei­len oder per Post ver­schicken zu kön­nen? War­um leh­nen Ur­ge­stei­ne, die uns frü­her mit mehr oder we­ni­ger schlecht ko­pier­ten Fan­zines zwei­fel­haf­ten In­halts ge­quält ha­ben (die aber den­no­ch als Fan-Ar­beit selbst­ver­ständ­li­ch lie­bens- und be­mer­kens­wert wa­ren), heu­te an­de­re Fans ab, die ei­gent­li­ch ge­n­au das­sel­be tun?

Ich ver­ste­he es nicht. Ich ver­ste­he es wirk­li­ch nicht.

p.s.: Nein, es geht dies­mal nicht um den DPP, selbst wenn der sich auch jah­re­lang mit Hän­den und Fü­ßen ge­gen Self­pu­blis­hing ge­wehrt hat.

Hea­der­bild Co­py­right: StockUn­li­mi­t­ed

VG Wort-Rückzahlungen: Karen Köhler versteht unser Rechtssystem nicht

VG Wort-Rückzahlungen: Karen Köhler versteht unser Rechtssystem nicht

eBook-Paragraph

In ei­nem Kom­men­tar auf der Web­sei­te der Zeit wirft Au­to­rin Ka­ren Köh­ler Mar­tin Vo­gel ernst­haft vor, dass er durch sei­nen Rechts­streit Ver­la­ge zer­stö­ren wird. Ich muss es ganz of­fen sa­gen: Bei so ei­nem Rechts­ver­ständ­nis wird mir schlecht. Vo­gel hat ei­nen Rechts­ver­stoß ge­se­hen, von dem er per­sön­li­ch be­trof­fen ist, und hat den kor­rek­ten Weg ge­wählt: Den durch die In­stan­zen der Ge­rich­te. Und die ha­ben Recht ge­spro­chen, und höchst­rich­ter­li­ch fest­ge­stellt, dass die Pra­xis der VG Wort-Aus­schüt­tung an Ver­la­ge rechts­wid­rig ist.

Rechts­wid­rig. Höchst­rich­ter­li­ch.

Das sind Vo­ka­beln, die ei­nem zu den­ken ge­ben soll­ten, be­vor man sich als Au­to­rin vor den Kar­ren von Bör­sen­ver­ein und Co. span­nen lässt und ei­nen Kom­men­tar ver­öf­fent­licht, der in­halt­li­ch der­ma­ßen da­ne­ben ist und das Op­fer zum Tä­ter ma­chen soll.

Grund für den Ar­ti­kel dürf­te sein, dass die VG Wort jetzt Rück­zah­lun­gen der rechts­wid­rig aus­ge­schüt­te­ten Be­trä­ge ein­for­dert. Und das tun sie in kom­pro­miss­lo­ser Wei­se, die für mich ab­so­lut nicht nach­voll­zieh­bar ist. Selbst klein­ste Ver­la­ge sol­len so­fort den ge­sam­ten, über Jah­re auf­ge­lau­fe­nen, Be­trag über­wei­sen.

Man muss sich hier meh­re­re Fra­gen stel­len:

An er­ster Stel­le na­tür­li­ch, war­um sich die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft so ve­he­ment wei­gert, Stun­dungs- oder Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen an­zu­bie­ten (Up­date: sie­he un­ten – ver­ant­wort­li­ch ist die Au­to­ren­ver­samm­lung, bit­te den Rest des Ar­ti­kels un­ter die­ser für mich neu­en Vor­aus­set­zung se­hen). Man könn­te fast den Ein­druck ge­win­nen, als wol­le man in vol­ler Ab­sicht ein paar klei­ne Ver­la­ge über die Klin­ge sprin­gen las­sen, um zu zei­gen: »seht ihr, wir ha­ben es doch ge­sagt!«. Die Ge­richts­ur­tei­le ge­ben in letz­ter Kon­se­quenz nicht her, dass es kei­ne Fle­xi­bi­li­tät bei der Rück­zah­lung ge­ben könn­te, es wur­de al­lein die Aus­zah­lungs­pra­xis für rechts­wid­rig er­klärt. Des­we­gen wie­der­ho­le ich mei­ne Fra­ge: War­um zeigt die VG Wort kei­ner­lei Ent­ge­gen­kom­men bei den Rück­for­de­run­gen? War­um gibt es kei­ne Här­te­fall­re­ge­lun­gen? Weil es ih­nen zu­viel Ar­beit ist? Weil sie kon­kre­te Zie­le mit der star­ren Hal­tung ver­fol­gen (sie­he oben)? Mei­ner An­sicht nach könn­te man das Ver­hal­ten der VG Wort bei­na­he als ma­fiös be­zeich­nen.

Eine wei­te­re Fra­ge ist: War­um hat man sei­tens des Bör­sen­ver­eins und der VG Wort jah­re­lang so ge­tan, als sei das al­les über­haupt kein Pro­blem und wer­de am Ende ir­gend­wie weg­ge­hen, statt sich und die Ver­la­ge auf den ab­seh­bar kom­men­den Ernst­fall vor­zu­be­rei­ten? Es hät­te kon­kre­te War­nun­gen ge­ben müs­sen, sich durch Rück­la­gen auf Rück­zah­lun­gen ein­zu­stel­len, das hät­te über all die Jah­re, die das Ver­fah­ren läuft, be­reits ge­sche­hen kön­nen. Statt­des­sen hat man me­di­en­wirk­sam und pro­pa­gan­daar­tig die gan­ze Zeit kol­por­tiert, dass Vo­gel am Ende eh ver­lie­ren wird. Das war hoch ge­po­kert und der Bluff ist am Ende ge­platzt. Hät­ten VG Wort und Bör­sen­ver­ein statt »Hurra-Wir-Gewinnen!«-Tamtam nicht die Auf­ga­be ge­habt, die Ver­la­ge rea­li­sti­sch auf das vor­zu­be­rei­ten, was kommt? War­um ist das wei­test­ge­hend un­ter­blie­ben? Was ist von ei­nem Ver­ein zu hal­ten, der sei­ne Mit­glie­der der­art fal­sch be­rät?

Nein, Mar­tin Vo­gel hat hier nicht mal ei­nen An­satz von Schuld, denn der hat das Rechts­sy­stem ge­nutzt, und die­ses hat ihm durch alle In­stan­zen das ihm zu­ste­hen­de Recht auch zu­ge­bil­ligt. Wenn Ver­la­gen und auch man­chen Au­to­ren das nicht passt, kann ich das nach­voll­zie­hen, aber auch Ver­la­ge ste­hen nicht au­ßer­halb des Rechts­sy­stems. Sie ha­ben die Mög­lich­keit, auf den Ge­setz­ge­ber Ein­fluss zu neh­men, oder es zu­min­dest zu ver­su­chen, um Än­de­run­gen her­bei­zu­füh­ren. Wenn Au­to­ren wei­ter wol­len, dass Ver­la­ge mehr Geld be­kom­men, steht es ih­nen so­gar ohne Ge­set­zes­än­de­run­gen frei, ent­spre­chen­de Ver­trä­ge mit ih­ren Ver­la­gen ab­zu­schlie­ßen.

An der nun kon­kret ent­stan­de­nen Mi­se­re vie­ler Klein­ver­la­ge hat in er­ster Li­nie die VG Wort Schuld, in­dem sie kei­ne Mög­lich­keit zur Stun­dung oder Ra­ten­zah­lung ein­räumt – aus Grün­den, die nur die Ver­ant­wort­li­chen bei der Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ken­nen. Die ver­ständ­li­che Wut soll­te sich ge­gen den die­je­ni­gen rich­ten, die die Zah­lun­gen nun kom­pro­miss­los ein­for­dern, und die sit­zen bei der VG Wort. Und man könn­te auch ei­nen Groll ge­gen den Bör­sen­ver­ein he­gen, der wi­der bes­se­ren Wis­sens jah­re­lang be­haup­tet hat, dass Vo­gel nie­mals er­folg­reich sein wird.

Aber bit­te ver­sucht nicht, mit Pro­pa­gan­da­maß­nah­men das Op­fer zum Tä­ter zu ma­chen.

Ich habe gro­ßes Ver­ständ­nis für die zum Teil pre­kä­re Si­tua­ti­on der Klein- und Kleinst­ver­la­ge. Und bin da­für, dass die Ver­ant­wort­li­chen für die­se Si­tua­ti­on deut­li­ch be­nannt wer­den: die­se sit­zen in mei­nen Au­gen im Vor­stand der VG Wort und ver­wei­gern ohne An­se­hen von Här­te­fäl­len jeg­li­che Stun­dun­gen und Ra­ten­zah­lun­gen. Das ist der ei­gent­li­che Skan­dal. Wenn je­mand ge­gen ir­gend­was pro­te­stie­ren möch­te, dann soll­te er über­le­gen, ob die­ser Pro­test bei der VG Wort nicht er­heb­li­ch bes­ser auf­ge­ho­ben ist, als ge­gen Mar­tin Vo­gel.

[Up­date:] Hol­ger Klie­man­nel kom­men­tiert auf Face­book:

Zu Dei­ner Fra­ge: »An ers­ter Stel­le na­tür­li­ch, war­um sich die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft so ve­he­ment wei­gert, Stun­dungs- oder Ra­ten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen an­zu­bie­ten.« Das hat­ten sie ge­macht, wur­de je­doch auf der Haupt­ver­samm­lung von den an­we­sen­den Au­to­ren blockiert (müss­te jetzt mal die Un­ter­la­gen durch­for­sten, ir­gend­wo im Brief der VG Wort steht »Stun­dungs­mög­lich­kei­ten, die die Lei­tung der VG Wort vor­ge­schla­gen hat, wur­den ab­ge­lehnt.«). Vo­gel hat­te ja dazu auf­ge­ru­fen, dass Au­to­ren Mit­glied wer­den um bei der Ver­samm­lung die­se Plä­ne zu ver­hin­dern.

Ich kor­ri­gie­re mich dem­nach in­so­fern, dass nicht der Vor­stand der VG Wort ver­ant­wort­li­ch ist, son­dern die Au­to­ren­ver­samm­lung der VG Wort.

Die neue Fassung des Buchpreisbindungsgesetzes – ein Kommentar

Die neue Fassung des Buchpreisbindungsgesetzes – ein Kommentar

eBook-ParagraphBeim Bör­sen­ver­ein und des­sen Mit­glie­dern herrsch­te zu­er­st ein­mal gro­ße Freu­de, wie man den ver­schie­de­nen Pu­bli­ka­tio­nen on­line leicht ent­neh­men konn­te. Hat­te man es durch in­ten­si­ve Lob­by­ar­beit doch durch­ge­setzt, dass eBooks ex­pli­zit ins Buch­preis­bin­dungs­ge­setz auf­ge­nom­men wur­den. Und das, ob­wohl man seit Jah­ren be­haup­te­te, dass die­ses oh­ne­hin auch für elek­tro­ni­sche Bü­cher gel­te. Und man hat­te auch ein­deu­tig mit Ab­mah­nun­gen ge­droht, soll­te ein Hä­re­ti­ker das an­ders se­hen und von der wah­ren Leh­re ab­wei­chen. Doch so si­cher scheint man sich dann selbst doch nicht ge­we­sen sein, wenn man es den­no­ch für not­wen­dig hielt, die­se Ge­set­zes­än­de­rung her­bei­zu­füh­ren, die in der letz­ten Wo­che ver­ab­schie­det wur­de und am 1. Sep­tem­ber 2016 in Kraft tritt.

Aber wie es scheint, hat sich ir­gend­je­mand beim Dik­tie­ren der Än­de­run­gen aufs Gröb­ste ver­tan. Oder viel­leicht hat ein Self­pu­blis­her an den For­mu­lie­run­gen mit­ge­ar­bei­tet. Denn, oh Wun­der, eBooks von Self­pu­blis­hern sind aus­drück­li­ch vom neu­en Ge­setz aus­ge­nom­men. Das kann nicht im Sin­ne des Bör­sen­ver­eins und sei­ner Mit­glie­der ge­we­sen sein, denn die­se Aus­nah­me ver­schafft Self­pu­blis­hern deut­li­che Wett­be­werbs­vor­tei­le.

Man ist als Selbst­ver­le­ger nicht mehr ge­zwun­gen, dar­auf zu ach­ten, dass sei­ne Bü­cher auf al­len Platt­for­men gleich viel ko­sten. Ab dem Da­tum des In­kraft­tre­tens sind auch »zahl´ was Du willst«-Angebote oder -Bund­les mög­li­ch, eben­so wie »zahl´ mit ei­nem Tweet« oder ähn­li­che Mo­del­le. Und das so­wohl für eBooks wie für Print­bü­cher. Das ist aus Sicht der Self­pu­blis­her na­tür­li­ch über­aus er­freu­li­ch – und ich kann mir vor­stel­len, dass das bei den Mit­glie­dern des Bör­sen­ver­eins eher für Heu­len und Zäh­ne­klap­pern sor­gen dürf­te. Man muss sich fra­gen, wie es sein konn­te, dass das so durch­rutsch­te? Hat man da bei der Lob­by tief und fest ge­pennt, dass das wäh­rend der Ent­wick­lung der Ge­set­zes­än­de­rung nicht auf­fiel? Hat­te man ge­hofft, die Po­li­tik wer­de das schon rich­tig ma­chen? Da­bei weiß man doch, wie hand­werk­li­ch schlecht et­li­che Ge­set­ze der letz­ten Jah­re sind.

Wie hand­werk­li­ch schlecht die Ge­set­zes­än­de­run­gen auch in an­de­rer Hin­sicht sind, zeigt der neue Ab­satz über den »Letzt­ab­neh­mer in Deutsch­land«, der dazu füh­ren soll, dass aus­län­di­sche Ver­käu­fer das Buch­PrG nicht um­ge­hen kön­nen (wie das bis­her bei­spiels­wei­se ge­wis­se bri­ti­sche An­bie­ter ta­ten). Nach Kom­men­ta­ren von Ju­ri­sten, die ich las, ist durch die For­mu­lie­rung hier nicht der Wohn­sitz aus­schlag­ge­bend, son­dern wo sich die­ser Letzt­ab­neh­mer zum Zeit­punkt des Kaufs be­fin­det. Sprich: Bin ich im Ur­laub, bei­spiels­wei­se in den Nie­der­lan­den, kann ich preis­ge­bun­de­ne Bü­cher mög­li­cher­wei­se gün­sti­ger be­kom­men. Man muss sich fra­gen, wie das durch­ge­setzt wer­den soll? Mit­tels Geo­lo­ca­ti­on? Das wäre pri­ma, ich bin Nut­zer ei­nes VPN-Dien­stes, mit dem ich schein­bar aus ei­ner Men­ge von Län­dern im In­ter­net un­ter­wegs sein kann … Und be­vor jetzt wie­der ir­gend­ein Schlau­mei­er la­men­tiert: Nein, die Nut­zung von VPNs ist nicht nur völ­lig le­gal, son­dern auch für man­che An­wen­dun­gen tech­ni­sch un­ab­ding­bar not­wen­dig.

Da­mit könn­te ich preis­ge­bun­de­ne Bü­cher gün­sti­ger er­wer­ben, weil ich den An­schein er­wecke, kein Käu­fer aus Deutsch­land zu sein.

Und selbst wenn die In­ter­pre­ta­ti­on fal­sch wäre, und doch der Wohn­ort des Kun­den gilt: Wer will mich denn dar­an hin­dern, eine Aus­lands­adres­se als Haupt­an­schrift beim On­line­shop zu hin­ter­le­gen, und dann an eine ab­wei­chen­de Zweit­adres­se in Deutsch­land lie­fern zu las­sen? Wie­der ein­mal – und wie so oft – hat der Ge­setz­ge­ber die Mög­lich­kei­ten des #neu­lands völ­lig über­se­hen. Alte Män­ner mit Ku­gel­schrei­bern und Fax­ge­rä­ten …

Ab­schlie­ßend ist die Ze­men­tie­rung des fos­si­len Buch­preis­bin­dungs­ge­set­zes in mei­nen Au­gen der fal­sche Weg, weil hier eine kar­tell­ar­ti­ge Struk­tur ge­setz­li­ch un­ter­stützt wird. Die Ar­gu­men­ta­ti­on, dass die Buch­preis­bin­dung auch Ni­schen­pro­duk­te er­mög­li­che, ist oh­ne­hin eine Lä­cher­li­che, wenn man sich an­sieht, was die Pu­bli­kums­ver­la­ge so an bil­li­gem und mies lek­t­o­rier­tem Mas­sen­müll auf den Markt pum­pen. Auch der Hin­weis auf kul­tu­rel­le Viel­falt zieht mei­ner An­sicht nach nicht im Ge­ring­sten. Wenn dem so wäre, müss­te es auch Preis­bin­dungs­ge­set­ze für Mu­sik, Fil­me oder Com­pu­ter­spie­le ge­ben. Die gibt es aber nicht und man kann nicht sa­gen, dass es bei die­sen Me­di­en kei­ne Viel­falt gäbe – so­gar ganz im Ge­gen­teil.

So wer­den wir aber wei­ter mit die­sem un­zeit­ge­mä­ßen Ge­setz le­ben müs­sen. Dass die Self­pu­blis­her da­von aus­ge­nom­men wur­den, er­freut mich dann aber doch – das kann man fast pro­gres­siv nen­nen, auch wenn es mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit nur ein Ver­se­hen war.

Kor­rek­tur: Nur eBooks von Self­pu­blis­hern fal­len of­fen­bar nicht un­ter die Buch­preis­bin­dung, für Print­bü­cher gilt sie. Mein Feh­ler. Und na­tür­li­ch völ­lig da­ne­ben, war­um die­se Un­ter­schei­dung? Der ent­spre­chen­de Pas­sus steht nicht im Ge­setz selbst, son­dern in der Be­grün­dung zum Ge­setz, die Ge­rich­te eben­falls zur In­ter­pre­ta­ti­on her­an­zie­hen.

Gra­fik von mir, CC BY-NC-SA

Kommentar: CBS und die übernächste Generation von STAR TREK

Kommentar: CBS und die übernächste Generation von STAR TREK

neuestartrekserie

Kürz­li­ch ging ein Rau­schen durch den vir­tu­el­len Blät­ter­wald. Nach lan­ger Ab­sti­nenz (2005 en­de­te EN­T­ER­PRI­SE) soll es end­li­ch wie­der eine neue STAR TREK-Fern­seh­se­rie ge­ben, kurz nach dem 50. Ju­bi­lä­um des Fran­chise. Das führ­te al­lent­hal­ben zu Freu­de, auch wenn noch völ­lig un­klar ist, wie die­se Se­rie aus­se­hen wird, ob sie bei­spiels­wei­se in der Pri­me-Zeit­li­nie spielt (für Un­wis­sen­de: Das ist die der Fern­seh­shows im Ge­gen­satz zum J.J. Ab­rams-Re­boot im Kino, die in ei­ner par­al­le­len Rea­li­tät statt­fin­det). Die Chan­ce dar­auf, ins Uni­ver­sum der bis­he­ri­gen STAR TREK-Se­ri­en zu­rück­zu­keh­ren, steht nicht schlecht, da CBS nur die Rech­te an Fern­seh­se­ri­en hat, nicht aber die an Ki­no­fil­men. Die­se merk­wür­di­ge Ge­menge­la­ge ent­stand durch die Tren­nung von CBS und Pa­ra­mount in un­ter­schied­li­che Fir­men.

Auf der of­fi­zi­el­len Sei­te startrek.com hieß es al­ler­dings ein­deu­tig:

The new te­le­vi­si­on se­ries is not re­la­ted to the up­co­m­ing fea­ture film Star Trek Beyond which is sche­du­led to be dis­tri­but­ed by Pa­ra­mount Pic­tures in sum­mer 2016.

Das könn­te be­deu­ten, dass die neue Se­rie nicht im Re­boot-Uni­ver­sum spielt.

Ei­gent­li­ch möch­te ich al­ler­dings auf et­was ganz an­de­res hin­aus. CBS will die er­ste Fol­ge ganz nor­mal im US-Fern­se­hen zei­gen, um an­zu­fi­xen. Die fol­gen­den Epi­so­den sol­len al­ler­dings aus­schließ­li­ch auf dem haus­ei­ge­nen Strea­ming­dien­st CBS All Ac­cess ge­zeigt wer­den. Da­bei fragt man sich al­ler­dings, was die bei CBS für Dro­gen neh­men, denn man be­zahlt dort mo­nat­li­che Ko­sten und be­kommt trotz­dem auch noch Wer­bung nicht nur zwi­schen den Sen­dun­gen, son­dern auch noch mit­ten drin. Man muss sich fra­gen, ob die Ame­ri­ka­ner ge­willt sind, da­für Geld aus­zu­ge­ben, zu­mal kon­kur­rie­ren­de An­bie­ter das nicht so ma­chen.

Und: Für die in­ter­na­tio­na­len Fans ist das eine eher schlech­te Nach­richt, denn CBS All Ac­cess gibt es nur in den USA – und es ist nicht zu er­war­ten, dass der Dienst auf an­de­re Län­der aus­ge­wei­tet wer­den wird. Ste­hen die in­ter­na­tio­na­len Fans da­mit im Re­gen?

In der of­fi­zi­el­len An­kün­di­gung kann man le­sen:

»Every day, an epi­so­de of the Star Trek fran­chise is seen in al­mo­st every coun­try in the world,« said Ar­man­do Nuñez, Pre­si­dent and CEO, CBS Glo­bal Dis­tri­bu­ti­on Group. »We can’t wait to in­tro­du­ce Star Trek’s next voya­ge on te­le­vi­si­on to its vast glo­bal fan base.«

Das könn­te al­ler­dings dar­auf hin­deu­ten, dass man die Show auch gleich in­ter­na­tio­nal ver­mark­ten möch­te. Denk­bar wä­ren hier Net­flix oder Ama­zon. Bei letz­te­rem kann man ja jetzt schon di­ver­se US-Se­ri­en so­fort nach der Aus­strah­lung jen­seits des gro­ßen Teichs auch in Deutsch­land an­se­hen, bei­spiels­wei­se FLASH oder GRIMM.

CBS soll­te sich über eins im Kla­ren sein: Tun sie das nicht, und las­sen die Show tat­säch­li­ch nur auf All Acess lau­fen, oder li­zen­sie­ren sie erst deut­li­ch ver­spä­tet in­ter­na­tio­nal, dürf­ten die il­le­ga­len Down­loads die Re­kor­de von GAME OF THRO­NES bre­chen.

Pro­mo­gra­fik Co­py­right startrek.com

Kommentar: Das Adobe-DRM-Debakel

Kommentar: Das Adobe-DRM-Debakel

Logo Readers Against DRMDass har­te DRM-Maß­nah­men Mist sind und aus­schließ­li­ch ehr­li­che Kun­den be­stra­fen, hat die Mu­sik­in­du­strie be­reits vor Jah­ren auf die har­te Tour er­fah­ren müs­sen. Die­se gab dann ir­gend­wann ihre Evo­lu­ti­ons­re­si­stenz auf und ver­zich­te­te dar­auf. Seit­dem brum­men di­gi­ta­le Mu­sik­ver­käu­fe. We­ni­ger ge­sun­den Men­schen­ver­stand zeigt die kon­ser­va­ti­ve Buch­bran­che, in der viel zu­vie­le Ver­la­ge Ko­pier­schutz­maß­nah­men im­mer noch für das Ei des Ko­lum­bus hal­ten, und eine mei­ner An­sicht nach völ­lig über­zo­ge­ne Pa­ra­noia ge­gen­über ir­gend­wel­chen »Buch­pi­ra­ten« pfle­gen.

Nun ist es also pas­siert: Ado­be bringt eine neue Ver­si­on von Di­gi­tal Edi­ti­ons her­aus und das führt er­war­tungs­ge­mäß zu Pro­ble­men. eRe­a­der für die es kei­ne Firm­ware-Up­dates mehr ge­ben wird, sind raus, man wird sie zum Le­sen von eBooks, die mit ADE3 ge­schützt sind nicht mehr nut­zen kön­nen. Ak­tu­el­le Le­se­ge­rä­te be­nö­ti­gen mög­li­cher­wei­se Firm­ware­up­dates, von de­nen man nicht weiß, wie schnell sie kom­men wer­den. Oder ob die­se je­mals er­schei­nen.

Pi­kant in die­sem Zu­sam­men­hang auch: Kürz­li­ch erst wur­den Ado­be hau­fen­wei­se Da­ten­sät­ze ent­wen­det, man spricht von bis zu 150 Mil­lio­nen Kun­den­da­ten, die auf­grund mög­li­cher­wei­se schlecht ge­si­cher­ter Ser­ver des An­bie­ters Kri­mi­nel­len in die Hän­de fie­len. Dar­un­ter eben auch die Da­ten von Kun­den, die man nur des­we­gen ge­nö­tigt hat, ein Ado­be-Kon­to ein­zu­rich­ten, da­mit die­se eBooks le­sen kön­nen, die mit dem DRM der Fir­ma ge­schützt sind. Un­fass­bar. Auch hier soll­te die Buch­bran­che drin­gend mal in sich ge­hen und dar­über nach­den­ken, wie­viel Ver­ant­wor­tung sie in die­ser Cau­sa mit­zu­tra­gen hat.

Was mich dar­an am mei­sten be­lu­stigt: Seit Mo­na­ten, wenn nicht Jah­ren, schießt die Bran­che mit zahl­lo­sen mehr oder we­ni­ger halt­lo­sen Ar­gu­men­ten ge­gen den An­ti­chri­sten Ama­zon. Statt nun aber da­für zu sor­gen, dass man kun­den­freund­li­cher und be­que­mer wird als der On­line­rie­se, treibt man den eBook-Le­ser mit un­taug­li­chen, durch Up­date de­fek­te und ver­mut­li­ch oh­ne­hin dem­näch­st ob­so­le­ten DRM-Maß­nah­men (»un­knack­bar« – dar­an glau­be ich nicht) ge­ra­de­zu ins Kind­le-Öko­sy­stem, wo zwar eben­falls ein Ko­pier­schutz vor­han­den sein kann, der Kun­de aber in der Nut­zung nichts da­von be­merkt.

Wenn es die Buch­bran­che ern­st da­mit meint, (nicht nur) in Sa­chen eBooks eine ernst­zu­neh­men­de Al­ter­na­ti­ve zu Ama­zon wer­den zu wol­len, dann soll­te sie die lä­cher­li­chen, kun­den­feind­li­chen DRM-Spiel­chen so­fort ein­stel­len. Un­ter an­de­rem. Aber die zahl­lo­sen an­de­ren De­fi­zi­te sind hier nicht das The­ma.

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Gra­fik von Re­a­ders Bill of Rights, CC BY SA

Vom Taschenbuch zum Paperback – Evolution oder Abzocke?

Vom Taschenbuch zum Paperback – Evolution oder Abzocke?

Bücher

(Sech­ste Un­ter­bre­chung der Som­mer­pause, Anm. d. Red.)

In den letz­ten Ta­gen wird in ein­schlä­gi­gen Me­di­en, die sich mit dem Buch­markt be­fas­sen ge­mel­det, dass die Pro­duk­ti­on von Ta­schen­bü­chern der Pu­bli­kums­ver­la­ge deut­li­ch zu­rück geht. Ge­nannt wer­den bei­spiels­wei­se Zah­len von nicht un­er­heb­li­chen 18% un­ter Vor­jah­res­ni­veau. Auf den er­sten Blick scheint das nicht ver­wun­der­li­ch, denn das eBook knab­bert selbst­ver­ständ­li­ch ins­be­son­de­re am Ta­schen­buch­markt. Den­no­ch: an­ge­sichts der kol­por­tier­ten Ab­satz­zah­len in Sa­chen eBook kann die­ses nicht der maß­geb­li­che Grund für den ge­dros­sel­ten Out­put der Ver­la­ge sein.

Aber auch die Lö­sung wird gleich mit­ge­lie­fert: die Ver­la­ge stei­gen um auf so­ge­nann­te »Pa­per­backs«, das sind im Prin­zip nur et­was grö­ße­re und mi­ni­mal auf­we­ni­ger ge­stal­te­te Ta­schen­bü­cher (im Eng­li­schen ist Pa­per­back ein­fach nur das Wort für Ta­schen­buch). Und die ver­kauft man deut­li­ch teu­rer, weil sie ja ver­meint­li­ch »wer­ti­ger« sind, ob­wohl auch nix an­de­res drin steht, als in den Ta­schen­buch-Cou­sins.

Das ist ein Klas­si­ker im neu­en Ge­wand: auch frü­her schon hat man durch grö­ße­re Schrift­ar­ten oder mehr Durch­schuss Platz ge­schun­den, um aus ei­gent­li­ch mick­ri­gen Heft­chen be­ein­drucken­de Wäl­zer zu ma­chen, die man dann zum dop­pel­ten Preis ver­kau­fen konn­te. Oder hat eng­li­sche Ro­ma­ne so auf­ge­bla­sen, dass man aus ei­nem Band zwei ma­chen konn­te – und dar­an gleich dop­pelt ver­dien­te. Pro­mi­nen­te­stes Bei­spiel ist hier GAME OF THRO­NES, eine mei­ner frü­he­ren Be­geg­nun­gen da­mit war die deut­sche Fas­sung der DRA­GON­LAN­CE-Ro­ma­ne wei­land bei Gold­mann. Die Aus­flüch­te und Er­klä­rungs­ver­su­che  der Ver­la­ge sind viel­fäl­tig: auf­grund der Über­set­zung wür­den die Tex­te län­ger und die Bü­cher wä­ren dann nicht mehr er­go­no­mi­sch ist die mei­st ge­nutz­te Aus­re­de. Das könn­te man durch An­pas­sun­gen im Satz leicht um­ge­hen und wenn ich mir so man­chen Zie­gel­stein an­se­he, scheint das auch nur manch­mal zu stö­ren.

Jetzt steigt man also gleich auf ein neu­es Buch­for­mat um und ser­viert den glei­chen, al­ten Text­wein in ver­meint­li­ch neu­en Pa­per­back-Schläu­chen, die eben nur deut­li­ch teu­rer sind.

Ei­gent­li­ch könn­te es ei­nem Recht sein. War­um? Weil das mei­ner An­sicht nach dem eBook als Ta­schen­buch-Al­ter­na­ti­ve wei­te­ren Vor­schub lei­sten wird. Wo­bei man sich na­tür­li­ch dar­über im Kla­ren sein muss, dass da­mit auch die eBook-Fas­sun­gen teu­rer wer­den, denn de­ren Prei­se le­gen die Ver­la­ge ja mei­st nach den Ver­kaufs­prei­sen der Prin­t­aus­ga­ben un­ver­schämt hoch fest. Letzt­end­li­ch darf man aber da­von aus­ge­hen, dass der Le­ser die Ze­che zahlt und Mehr­ein­nah­men durch die hö­he­ren Prei­se noch nicht ein­mal bei den Au­to­ren an­kom­men, denn die Ver­la­ge dürf­ten mit hö­he­ren Her­stel­lungs­ko­sten für die Pa­per­backs ar­gu­men­tie­ren. Ver­lie­rer sind ne­ben den Ver­la­gen so­mit mal wie­der alle.

Als Quint­es­senz bleibt eine Bin­sen­weis­heit: es geht we­der um die Le­ser, noch um die Stof­fe, noch die Au­to­ren, son­dern ein­zig dar­um, Koh­le zu ma­chen. Man könn­te aber we­nig­stens ver­su­chen, uns nicht der­art of­fen­sicht­li­ch ab­zu­sei­hen, oder?

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Bild: Bü­cher von Nor­dic Co-ope­ra­ti­on web­site (norden.org), aus der Wi­ki­pe­dia, CC BY

Bandits Kommentar: Ein guter Tag zum Ärgern

Erst war es ein ver­bar­ri­ka­dier­tes Hoch­haus. Es folg­te der in sich ge­schlos­se­ne Kos­mos ei­nes Flug­ha­fens. Dann kam der ver­damm­te Ste­ven Sea­gal, der auf die­sen Zug auf­sprang und ei­nen Ter­ro­ri­sten ab­schlach­ten­den Ein­zel­kämp­fer auf ei­nem von der Au­ßen­welt ab­ge­schnit­ten Schiff gab. Eine Idee, an der die DIE-HARD-Pro­du­zen­ten als zwei­te Fort­set­zung ar­bei­te­ten, und dann in die Ton­ne tre­ten konn­ten. Schma­rot­zer Sea­gal roch den Bra­ten und sprang er­neut auf den Zug auf, um in ei­nem fah­ren­den Zug Ter­ro­ri­sten zu tö­ten. Die DIE-HARD-Pro­du­zen­ten war­fen ein neu­es Kon­zept ins Spiel, in dem man den ab­ge­half­ter­ten Cop John McCla­ne auf ter­ro­ri­sti­sche Schnit­zel­jagd durch den Groß­stadt­dschun­gel jagt. Im fünf­ten Teil ist es jetzt Mos­kau, und es macht den Film auch nicht bes­ser.

wei­ter­le­sen →

Die Zeit: »Raubkopien machen CLOUD ATLAS kaputt«

In der Zeit schwa­dro­niert eine Re­dak­teu­rin in ei­nem läng­li­chen Ar­ti­kel mit dem Ti­tel »Film­pi­ra­ten: Auf­nah­me läuft!« dar­über, dass der Film CLOUD AT­LAS durch Raub­ko­pi­en ka­putt ge­macht wur­de und nutzt da­bei eine welt­fer­ne und/oder frag­wür­di­ge Ar­gu­men­ta­ti­on, die ei­nem die Schu­he aus­zieht. Sie lässt zahl­lo­se Fak­ten kom­plett au­ßer Acht und führt den Flop auf Pi­ra­te­rie zu­rück … und das ob­wohl die er­sten Rips erst auf­tauch­ten, nach­dem der Film auf al­len re­le­van­ten Märk­ten be­reits ge­star­tet war. Und ob­wohl an­de­re Fil­me trotz vor­han­de­ner Rips im Netz hohe drei­stel­li­ge Mil­lio­nen­um­sät­ze ein­fah­ren …

Ich muss gar kei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar dazu schrei­ben, denn das hat Thor­sten Dewi auf wortvogel.de be­reits ge­tan:

So, wie ich das sehe, ba­stelt Pro­du­zent Ste­fan Arndt an sei­ner ei­ge­nen Le­gen­de, um das Ver­sa­gen von CLOUD AT­LAS zu recht­fer­ti­gen – und eine Jour­na­li­stin hat sich für den in­ti­men Ein­blick in die Sze­ne ge­n­au die­se Nar­ra­ti­ve füt­tern las­sen, ohne sie je zu hin­ter­fra­gen. Hand­werk­li­ch sau­ber ge­schrie­ben, ex­zel­lent re­cher­chiert, aber ab­so­lut un­se­riös und frag­wür­dig in den Schluss­fol­ge­run­gen.

Es wird nicht ein­mal die Fra­ge ge­stellt, ob der Film ein­fach sein Pu­bli­kum ver­fehlt hat, ob das Markt­ing fal­sch war, ob nicht alle Be­tei­lig­ten zu be­sof­fen von ih­rer ei­ge­nen Bril­lanz wa­ren. Nein, es wa­ren die Raub­ko­pi­en. Die sind schuld.

Den kom­plet­ten Ar­ti­kel fin­det der ge­neig­te Le­ser auf wortvogel.de und man soll­te ihn ge­le­sen ha­ben, um zu ver­ste­hen, mit wel­chen in mei­nen Au­gen halt­lo­sen Be­haup­tun­gen die Zeit ar­gu­men­tiert.

Wer sich wun­dert, war­um hier ein Link zum Zeit-Ar­ti­kel fehlt: Lei­stungs­schutz­recht.

Up­date: auch Jens Scholz be­schäf­tigt sich mit dem The­ma.

Up­date (08.03.2013): Die Zeit mus­s­te den Ar­ti­kel auf­grund ei­ner ge­richt­li­chen An­ord­nung lö­schen. Eine zi­tier­te Wis­sen­schaft­le­rin hat sich er­folg­reich ge­gen fal­sche Un­ter­stel­lun­gen ge­wehrt. Wei­te­re De­tails fin­den sich bei Ste­fan Nig­ge­mey­er:

Es ist eine kal­ku­lierte Ruf­schä­di­gung, die die »Zeit« hier vor­nimmt. Sie unter­stellt, dass Goo­gle Ein­fluss hat auf die For­schung des Hum­boldt-In­sti­tu­tes — ob­wohl die Kon­struk­tion der Finan­zie­rung des­sen Unab­hän­gig­keit sicher­stel­len soll. Sie unter­stellt, dass die renom­mierte Wis­sen­schaft­le­rin Hof­mann sich von Goo­gle hat kau­fen las­sen und be­stell­te wis­sen­schaft­li­che Ergeb­nisse lie­fert.

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Po­ster­mo­tiv CLOUD AT­LAS Co­py­right War­ner Bros. & Fo­cus Fea­tures

Rantiger Kommentar: Möge die Macht mit ihm sein!

Je­der und sein Woo­kiee re­den im Mo­ment über die Tat­sa­che, dass J. J. Ab­rams nun doch die Re­gie bei der näch­sten STAR WARS-Epi­so­de über­nimmt. Und ge­treu dem Mot­to »es wur­de al­les be­reits ge­sagt, nur noch nicht von je­dem« rei­he ich mich bei de­nen ein, die eine Mei­nung dazu ha­ben.

Eins soll­te völ­lig klar sein:

Kei­ner ist gut ge­nug für den Job.

Egal, wen Lu­cas­Film aus­ge­wählt hät­te, die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen hät­ten ge­mault. Denn selbst­ver­ständ­li­ch kann man es den re­li­giö­sen Ei­fe­rern gar nicht wirk­li­ch recht ma­chen. Nie­mand wird vor de­ren ge­stren­gen Au­gen be­stehen. Und selbst wenn der Film ein welt­wei­ter Er­folg wer­den wird, das Ge­mau­le Ein­zel­ner wird wei­ter­ge­hen. Be­rei­tet euch wäh­rend­des­sen schon mal dar­auf vor, dass das Spiel­chen ge­n­au so er­neut ab­ge­hen wird, wenn nach Re­gis­seu­ren für die Epi­so­den VIII und IX ge­sucht wird. Die selbst­er­nann­ten Pro­du­zen­ten und STAR WARS-Spe­zia­li­sten wer­den es bes­ser wis­sen und je­des ein­zel­ne Mal das Ende von STAR WARS pro­phe­zei­hen. Al­les Bull­s­hit. Wenn der Film ins Kino kommt, kön­nen wir be­wer­ten, nicht vor­her.

Ist J. J. Ab­rams der rich­ti­ge für eine Wei­ter­füh­rung des STAR WARS-Uni­ver­sums? Na si­cher ist er das! STAR TREK war ein gran­dio­ser Re­boot des an­ge­staub­ten Uni­ver­sums, und ein klas­se Film mit klei­ne­ren Schwä­chen, auch wenn man­che das nicht hö­ren wol­len. Ab­rams kennt sich durch die von ihm mit­ge­stal­te­ten Fern­seh­se­ri­en mit Kon­ti­nui­tät aus (ich will jetzt nichts über LOST hö­ren, da stammt das Kon­zept von ihm und die spä­ten Ver­sau­beu­te­lun­gen ge­hen auf das Kon­to der Showrun­ner). Ab­rams Ge­schich­ten kon­zen­trie­ren sich trotz der vor­der­grün­di­gen Ef­fek­te im­mer auf die Cha­rak­te­re und die In­ter­ak­ti­on zwi­schen die­sen. Sie­he FRIN­GE. Ich habe mir am Wo­chen­en­de viel zu spät SU­PER 8 an­ge­se­hen. Eine ganz gran­dio­se Hom­ma­ge an Spiel­berg-Fil­me der 1980er (und zu­fäl­lig von Spiel­berg pro­du­ziert). In dem Hor­ror­strei­fen mit und für Kin­der be­wei­st er, dass er in der Lage ist, ei­nen Film für jün­ge­re Zu­schau­er zu ma­chen, der auch Er­wach­se­ne an­spricht, weil er eben NICHT kin­di­sch da­her kommt. Und ge­n­au das braucht eine wei­te­re STAR WARS-Epi­so­de.

Ab­rams ist ein Nerd, ein Geek, ein Fan seit frü­he­ster Ju­gend. Der macht sol­che Fil­me vor al­lem auch, weil er ge­n­au dar­auf Bock hat, weil das sei­ne The­men sind. Si­cher ist nicht al­les, was er an­fasst, ein Er­folg, aber bei wem ist das schon so? Ab­rams macht den Film nicht al­lei­ne, da wu­seln hau­fen­wei­se Leu­te um ihn rum, die seit Jahr­zehn­ten bei Fran­chise sind und die für die näch­ste Epi­so­de wie­der stramm ste­hen. Die wer­den ihm die Lens­fla­res schon aus­trei­ben, wenn sie über­hand neh­men, eben­so wie ab­ge­ho­be­ne Ide­en, die sich zu weit vom Vor­ge­se­hen ent­fer­nen. Und den­no­ch wird er sich als in­ten­siv für den Job ho­fier­ter Star-Re­gis­seur an den rich­ti­gen Stel­len durch­set­zen, so dass der Film kein Pla­giat der an­de­ren Epi­so­den wer­den wird (ob­wohl: je­der STAR WARS-Con­tent muss das Fran­chise pla­gi­ie­ren, um er­folg­reich sein zu kön­nen).

Also lasst mich mit eu­rem Ge­heu­le und den Lens-Fla­re-Wit­zen in Ruhe, Fan­bo­is und Hard­core-Fans. Wartet´s doch erst­mal ab. Ich habe wirk­li­ch kei­ne Lust, mir zwei­ein­halb Jah­re lang eure kas­sandri­schen Er­güs­se über das vor­geb­li­che Ab­le­ben von STAR WARS an­zu­hö­ren. Ich glau­be der kriegt das hin, und 2015 (oder auch spä­ter, er hat sich auch bei STAR TREK 2 nicht drän­geln las­sen) wis­sen wir mehr. Vor­ab­ge­mau­le ohne auch nur ei­nen Schnip­sel ge­se­hen zu ha­ben ist nur eins: dumm und ar­ro­gant. Und wenn ich Un­recht habe? Dann wird eben Epi­so­de VIII bes­ser. Dis­ney lässt sich die Li­zenz zum Geld drucken näm­li­ch nicht mehr ab­neh­men – und ins­be­son­de­re die Pro­fi­nörg­ler wer­den so­wie­so im­mer als er­ste ins Kino ren­nen.

»I’ve got a good fee­ling about this.«

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Bild J J. Ab­rams von Da­vid Shank­bone, aus der Wi­ki­pe­dia, CC BY

Die »Verkindlichung« der Literatur …

In der Zeit hat sich mal wie­der ei­ner der An­spruchs­fa­na­ti­ker aus dem Fen­ster ge­lehnt. Ul­rich Grei­ner mo­niert, dass es der­art vie­le »Kin­der­bü­cher« in den Best­sel­ler­li­sten gibt – und ob das denn sein muss.

An die­ser Stel­le könn­te ich na­tür­li­ch wie­der ein­mal vom Le­der zie­hen und poin­tiert zum Aus­druck brin­gen, was ich von der­lei eng­stir­ni­gen Sprü­chen hal­te. Kurz­fas­sung: pseu­do-in­tel­lek­tu­el­les Ge­wäsch. Muss ich aber gar nicht, denn Ju­gend­buch­au­to­rin Jut­ta Wil­ke hat in ei­nem of­fe­nen Brief im Gro­ßen und Gan­zen be­reits zum Aus­druck ge­bracht, was auch ich in ähn­li­cher Form sa­gen wür­de.

Eins noch zum un­ter­schied­li­chen Le­se­ver­hal­ten von Kin­dern und Er­wach­se­nen:
Kin­der le­sen Bü­cher, weil sie von ih­nen ge­fes­selt wer­den. Nicht weil sie auf Best­sel­ler­li­sten ste­hen oder ir­gend­wo no­mi­niert wor­den sind.

Ich möch­te al­ler­dings noch Fol­gen­des er­gän­zen: es sind die Kin­der- und Ju­gend­bü­cher, die aus jun­gen Men­schen über­haupt erst ein­mal Le­ser ma­chen. Die dann spä­ter in ih­rem Le­ben viel­leicht auch mal zu et­was An­spruchs­vol­le­rem grei­fen. Oder auch nicht, aber das ist zweit­ran­gig: ohne les­ba­re Kin­der- und Ju­gend­li­te­ra­tur kei­ne er­wach­se­nen Le­ser. Des­halb fin­de ich es umso un­ver­ständ­li­cher, wie die­se Li­te­ra­tur­form so un­über­legt her­un­ter ge­macht wird.

Und dem muss man kei­nes­falls »Ein­halt ge­bie­ten«, wie es der Au­tor ger­ne hät­te, zu­min­dest lässt sich das sei­nem Ar­ti­kel ent­neh­men, son­dern im Ge­gen­teil muss man gute Kin­der- und Ju­gend­li­te­ra­tur so­gar drin­gend för­dern, statt sie in der vor­lie­gen­den Form als ner­vend oder qua­li­ta­tiv min­der­wer­tig zu de­kla­rie­ren.

Oder räu­men wir sol­chen Dünn­brett­boh­re­rei­en mit un­se­rem Kom­men­ta­ren zu­viel Ge­wicht ein und soll­ten sie ei­gent­li­ch bes­ser igno­rie­ren?

Dank an Alex Jahn­ke und Tom Or­gel für den Hin­weis auf den of­fe­nen Brief

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Bild »blät­tern« von Ne­vit Dil­men, aus der Wi­ki­pe­dia, GFDL

eBooks und das Jammertal der Buchbranche

Wolf­gang Ti­scher, der Her­aus­ge­ber von literaturcafe.de, äu­ßert sich in die­sem Vi­deo über die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on des eBooks in Deutsch­land und über das Dau­er­ge­jam­mer der Bran­che. Im Prin­zip ein se­hens­wer­ter Bei­trag, mich be­frem­det al­ler­dings der Sei­ten­hieb auf so­zia­le Netz­wer­ke, der mir ei­nen eher über­heb­li­chen Ein­druck macht. Ver­ständ­li­cher­wei­se mö­gen es »Pro­fis« na­tür­li­ch nicht, dass sich nun auf ein­mal je­der im Web zu Wort mel­den kann – und mög­li­cher­wei­se da­bei auch schlaue Din­ge sagt. Ich bin al­ler­dings der An­sicht, dass jene Pro­fis die Wahr­heit nicht für sich ge­pach­tet ha­ben und ich lese im­mer wie­der Kom­men­ta­re zu Bü­chern oder zum The­ma eBooks auf Blogs und in so­zia­len Netz­wer­ken, die wei­t­aus mehr In­halt oder Nut­zen ha­ben, als die ab­ge­ho­be­nen Schwa­dro­nie­re­rei­en eben je­ner »Pro­fis«. Und so lässt er sich dar­über aus, dass die Bran­che den Fort­schritt ver­pennt, über­sieht je­doch, dass sei­ne als Ko­mik ver­bräm­te Kri­tik an mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Pu­bli­ka­ti­ons­for­men (und den dar­auf schrei­ben­den Kon­kur­ren­ten) auch nicht eben pro­gres­siv ist …

Üb­ri­gens könn­te man ein sol­ches Vi­deo auch mit ei­nem Ton ver­se­hen, der nicht über­steu­ert ist … :o)