EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

 

Der im EU-Par­la­ment sit­zen­den Pira­tin Julia Reda (die dort von den meis­ten lei­der unbe­merkt immer wie­der groß­ar­ti­ge Arbeit leis­tet) haben wir es zu ver­dan­ken, dass eine von der EU-Kom­mis­si­on in Auf­trag gege­be­ne und unter Ver­schluss gehal­te­ne Stu­die end­lich ans Tages­licht kommt.

Grund für die Geheim­hal­tung, die jetzt durch eine Anfra­ge im Rah­men des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes been­det wur­de: Die Ergeb­nis­se der Stu­die pass­ten der EU-Kom­mis­si­on offen­bar nicht ins Kon­zept und wider­spre­chen der von Ver­wer­tern immer wie­der man­tra­ar­tig wie­der­hol­ten Aus­sa­ge, dass Pira­te­rie die Umsät­ze schmä­lert oder sogar weg­bre­chen lässt. Zitat:

In gene­ral, the results do not show robust sta­tis­ti­cal evi­dence of dis­pla­ce­ment of sales by online copy­right infrin­ge­ments.

Pikant ist dar­an, dass die EU-Kom­mis­si­on plan­te und immer noch plant, auf­grund angeb­li­cher Ein­bu­ßen der Ver­wer­ter – und auf deren Betrei­ben hin – die Urhe­ber­rech­te deut­lich zu unguns­ten der Bür­ger und Nut­zer zu ver­schär­fen oder sogar Zen­su­rin­fra­struk­tu­ren ein­zu­füh­ren. Da kann man nach­voll­zie­hen, dass einem eine sol­che Stu­die nicht in den Kram passt. Man könn­te auch sagen, dass ihnen die Rea­li­tät nicht passt. Oder dass sie lie­ber wei­ter die von Lob­by­is­ten dik­tier­ten Geset­ze ver­ab­schie­den wol­len.

Denn den Ver­such, die Stu­die geheim zu hal­ten, hal­te ich für kacken­dreis­te Lob­by­po­li­tik. Da soll sich noch­mal ein EU-Poli­ti­ker der eta­blier­ten Par­tei­en wun­dern, dass man ihnen nicht über den Weg traut …

Das soll­te aller­dings ins­be­son­de­re auch all den­je­ni­gen Autoren, die immer laut­stark über ihre ach so gro­ßen ver­meint­li­chen Ein­bu­ßen durch Pira­te­rie jam­mern, zu den­ken geben, weil sie schwer dane­ben lie­gen (wie ich es schon immer sag­te). Ja – es gibt Pira­te­rie. Nein, ihr wür­det nicht ein Buch mehr ver­kau­fen, gäbe es sie nicht. Nein, ihr wärt ohne Raub­ko­pi­en nicht reich, egal wie oft ihr euch das auch ein­re­den mögt.

[Edit]: Im Licht die­ser Erkennt­nis­se wird natür­lich auch das Geschäfts­mo­dell der Dienst­leis­ter, die Pira­te­rie-Gegen­maß­nah­men gegen zum Teil hor­ren­de Kos­ten anbie­ten, ziem­lich frag­wür­dig.

Mehr Details dazu auf netzpolitik.org, wo ich das The­ma gefun­den habe.

Wer die Stu­die lesen möch­te, kann das hier tun, sie liegt als PDF-Datei vor (ca. 3,4 MB).

Gra­fik »Pira­te­rie« von mir, CC-BY

Rant: Wovon sollen Autoren leben? Im Ernst?

Rant: Wovon sollen Autoren leben? Im Ernst?

eBook-PiraterieIm Tages­spie­gel und zweit­ver­wer­tet auch in der Zeit fand sich in den ver­gan­ge­nen Tagen ein Inter­view mit einem anony­men Buch­pi­ra­ten, der angeb­lich die größ­te (deut­sche) Platt­form für ille­ga­le eBooks betreibt. Dass so etwas bei der Buch­bran­che nicht gut ankommt, hät­te man sich vor­her den­ken kön­nen. Da hört man ein­zel­ne Stim­men jam­mern, wie es sein kann, das sol­chen Raub­mord­ko­pier­ter­ro­ris­ten über­haupt ein Podi­um gege­ben wird. Auf buchreport.de fei­ert man ab, dass irgend jemand Straf­an­zei­ge gegen die bei­den Zei­tun­gen erstat­tet hat (mög­li­cher­wei­se jemand vom Buch­re­port selbst). War­um? Weil der Link zum Ange­bot gesetzt wur­de, das sei angeb­lich »Bei­hil­fe zur Urhe­ber­rechts­ver­let­zung«. Die sind ja nied­lich. Der Hei­se-Ver­lag hat längst bis zum Bun­des­ge­richts­hof durch­ge­foch­ten, dass das Set­zen von Links selbst­ver­ständ­lich zur jour­na­lis­ti­schen Arbeit gehört, das könn­te man als Qua­li­täts­jour­na­list wis­sen. Sie­he:

* Hei­se vs. Musik­in­dus­trie: Bun­des­ge­richts­hof ver­wirft Link-Ver­bot
* Hei­se vs. Musik­in­dus­trie: Begrün­dung des BGH-Urteils gegen Link-Ver­bot
Urteil des I. Zivil­se­nats vom 14.10.2010 – I ZR 191/08

Außer­dem müss­te man kon­se­quen­ter­wei­se dann auch gleich den Bör­sen­ver­ein ver­kla­gen, denn der hat auf sei­ner Web­sei­te über die Arti­kel berich­tet und eben­falls auf die eBook-Sei­te ver­linkt; von Goog­le wol­len wir gar nicht reden. Der Gip­fel der Dreis­tig­keit ist aller­dings der Satz am Ende des Arti­kels, der sich auf die unter ande­rem von Ans­gar War­ner auf eBook-News bemän­gel­ten zu hohen eBook-Prei­se der Publi­kums­ver­la­ge bezieht:

Wovon Autoren bei E‑Book-Prei­sen im Cent-Bereich künf­tig leben sol­len, ver­rie­ten aller­dings weder der anony­me Boox.to-Betreiber noch War­ner.

Da bleibt mir die Spu­cke weg. Autoren wer­den von der Bran­che tra­di­tio­nell – und ich kann es nicht anders sagen – beschis­sen bezahlt. Die über­höh­ten Prei­se für eBooks damit zu begrün­den, dass die Autoren ja auch noch was abbe­kom­men müs­sen, kotzt mich an. Das ist Popu­lis­mus in Rein­kul­tur. Nicht die Autoren machen sich die Taschen damit voll, son­dern die Ver­la­ge, das wol­len wir hier mal ganz deut­lich klar stel­len. Die Autoren bekom­men Pea­nuts. Und: wer redet denn von »eBook-Prei­sen im Cent-Bereich«? Ange­mes­se­ne Prei­se sind gemeint. Was die beschrie­be­nen eBook-Flat­rates angeht: ja, die wer­den kom­men, es gibt sie sogar schon.

Man kann nur mehr Autoren raten, ihre Bücher im Selbst­ver­lag zu ver­kau­fen, Ama­zon zahlt 70% Tan­tie­men, davon kann ein Ver­lags­au­tor nur träu­men. Es wird zudem Zeit für eine alter­na­ti­ve Platt­form, die eben­so erfolg­reich ist, wie die Ama­zo­nen und auch ähn­li­che Hono­ra­re gene­riert, ohne gleich auf einem mit Blut unter­schrie­be­nen Ver­trag die See­le des Autoren (sprich: umfang­rei­che und aus­schließ­li­che Rech­te an den Tex­ten) ein­zu­for­dern. Und wenn die Flat­rates kom­men, soll­ten Autoren eben­falls direkt mit deren Anbie­tern ver­han­deln, ansons­ten schöp­fen auch hier die Ver­la­ge wie­der das Geld ab, die Musik­in­dus­trie zeigt gera­de, wie das geht.

Was die Ver­la­ge angeht: har­tes DRM weg, benut­zer­freund­li­che Platt­for­men schaf­fen und nach­voll­zieh­ba­re Prei­se ansa­gen. Dann klappts auch mit dem Leser. Und viel­leicht mal damit anfan­gen deut­lich sym­pa­thi­scher auf­tre­ten, statt stän­dig mit Rechts­ver­dre­hern zu dro­hen oder gegen Mit­be­wer­ber zu pöbeln.

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Bild: eBook-Pira­te­rie, von mir, CC BY-NC-SA

Die Zeit: »Raubkopien machen CLOUD ATLAS kaputt«

In der Zeit schwa­dro­niert eine Redak­teu­rin in einem läng­li­chen Arti­kel mit dem Titel »Film­pi­ra­ten: Auf­nah­me läuft!« dar­über, dass der Film CLOUD ATLAS durch Raub­ko­pi­en kaputt gemacht wur­de und nutzt dabei eine welt­fer­ne und/oder frag­wür­di­ge Argu­men­ta­ti­on, die einem die Schu­he aus­zieht. Sie lässt zahl­lo­se Fak­ten kom­plett außer Acht und führt den Flop auf Pira­te­rie zurück … und das obwohl die ers­ten Rips erst auf­tauch­ten, nach­dem der Film auf allen rele­van­ten Märk­ten bereits gestar­tet war. Und obwohl ande­re Fil­me trotz vor­han­de­ner Rips im Netz hohe drei­stel­li­ge Mil­lio­nen­um­sät­ze ein­fah­ren …

Ich muss gar kei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar dazu schrei­ben, denn das hat Thors­ten Dewi auf wortvogel.de bereits getan:

So, wie ich das sehe, bas­telt Pro­du­zent Ste­fan Arndt an sei­ner eige­nen Legen­de, um das Ver­sa­gen von CLOUD ATLAS zu recht­fer­ti­gen – und eine Jour­na­lis­tin hat sich für den inti­men Ein­blick in die Sze­ne genau die­se Nar­ra­ti­ve füt­tern las­sen, ohne sie je zu hin­ter­fra­gen. Hand­werk­lich sau­ber geschrie­ben, exzel­lent recher­chiert, aber abso­lut unse­ri­ös und frag­wür­dig in den Schluss­fol­ge­run­gen.

Es wird nicht ein­mal die Fra­ge gestellt, ob der Film ein­fach sein Publi­kum ver­fehlt hat, ob das Mark­t­ing falsch war, ob nicht alle Betei­lig­ten zu besof­fen von ihrer eige­nen Bril­lanz waren. Nein, es waren die Raub­ko­pi­en. Die sind schuld.

Den kom­plet­ten Arti­kel fin­det der geneig­te Leser auf wortvogel.de und man soll­te ihn gele­sen haben, um zu ver­ste­hen, mit wel­chen in mei­nen Augen halt­lo­sen Behaup­tun­gen die Zeit argu­men­tiert.

Wer sich wun­dert, war­um hier ein Link zum Zeit-Arti­kel fehlt: Leis­tungs­schutz­recht.

Update: auch Jens Scholz beschäf­tigt sich mit dem The­ma.

Update (08.03.2013): Die Zeit muss­te den Arti­kel auf­grund einer gericht­li­chen Anord­nung löschen. Eine zitier­te Wis­sen­schaft­le­rin hat sich erfolg­reich gegen fal­sche Unter­stel­lun­gen gewehrt. Wei­te­re Details fin­den sich bei Ste­fan Nig­ge­mey­er:

Es ist eine kal­ku­lierte Ruf­schä­di­gung, die die »Zeit« hier vor­nimmt. Sie unter­stellt, dass Goog­le Ein­fluss hat auf die For­schung des Hum­boldt-Insti­tu­tes — obwohl die Kon­struk­tion der Finan­zie­rung des­sen Unab­hän­gig­keit sicher­stel­len soll. Sie unter­stellt, dass die renom­mierte Wis­sen­schaft­le­rin Hof­mann sich von Goog­le hat kau­fen las­sen und bestell­te wis­sen­schaft­li­che Ergeb­nisse lie­fert.

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Pos­ter­mo­tiv CLOUD ATLAS Copy­right War­ner Bros. & Focus Fea­tures

Rant – Ubisoft-Chef Yves Guillemot: 95 Prozent Raubkopien

Manch­mal fragt man sich ernst­haft, ob man mit ande­ren Per­so­nen die­sel­be Rea­li­tät teilt. Ubi­soft-Chef Yves Guil­lemot ist aktu­ell so einer. Zur Erin­ne­rung ein klei­ner Exkurs: Ubi­soft ist einer von den Publishern, die ihre Pro­duk­te der­ma­ßen mit DRM und Online­zwang voll­müllen, dass sie in diver­sen Fäl­len unbe­nutz­bar wur­den, weil die Lizenz­ser­ver nicht erreich­bar waren. Mal ganz davon abge­se­hen, dass man sein Off­line­spiel auch viel­leicht­mal ohne Online­ver­bin­dung spie­len möch­te, bei­spiels­wei­se auf Rei­sen – das ist dann dank der restrik­ti­ven und kun­den­feind­li­chen Maß­nah­men nicht mög­lich.

Yves Guil­lemot erläu­tert nun, dass man unbe­dingt auf free-to-play als pri­mä­res Geschäfts­mo­dell umstel­len möch­te und als Haupt­grund dafür nennt er, »dass 93 – 95 % der Spie­ler ohne­hin nur Raub­ko­pi­en nut­zen«.

Stei­le Ansa­ge, ins­be­son­de­re, da er die Zah­len ein­fach mal so in den Raum wirft und vor­sichts­hal­ber nicht mit Fak­ten unter­legt – wo soll­ten die auch her­kom­men? Glaubt der ernst­haft, dass man ihm die­se frei erfun­de­nen Zah­len ein­fach so abkauft, nur weil er der über­aus wich­ti­ge und ein­fluss­rei­che Ober­mur­kel von Ubi­soft ist? Wie kom­men die Zah­len zustan­de? Ist das ein welt­wei­ter Mit­tel­wert, bei dem Mil­li­ar­den Chi­ne­sen in einen Topf mit ein paar Mil­lio­nen Euro­pä­ern gewor­fen wer­den? Oder sind ihm die Zah­len etwa ein­fach nur nach dem has­ti­gen Genuß einer Fla­sche Pas­tis ein­ge­fal­len und er war der Ansicht, damit ohne Wider­spruch an die Öffent­lich­keit gehen zu kön­nen?

Eins soll­te Herr Guil­lemot mal ganz deut­lich sehen: nur die zah­len­den und ehr­li­chen Kun­den haben ein Pro­blem mit sei­nem gelieb­ten DRM, die müs­sen näm­lich mit den über­zo­ge­nen »Sicher­heits­maß­nah­men leben. Wenn ich »aus Sicher­heits­grün­den« jedes­mal nach dem Bezah­len des Ein­tritts in einen Ver­gnü­gungs­park eine Rek­tal­un­ter­su­chung über mich erge­hen las­sen müss­te, bevor ich rein darf, dann wür­de ich da eben nicht mehr hin­ge­hen. Fer­tig. Es gibt noch eine Men­ge ande­rer Ver­gnü­gungs­parks, da sind zudem Ein­tritt und Bock­würs­te bil­li­ger. Und ganz ähn­lich dürf­ten es nicht weni­ge bis­he­ri­ge Ubi­soft-Kun­den sehen.

Sieht man sich die Ver­kaufs­zah­len von Spie­len wie besi­peils­wei­se WITCHER 2 an – immer­hin vier Mil­lio­nen Exem­pla­re in kür­zes­ter Zeit – dann könn­te man zudem auf die Idee ver­fal­len, dass zudem etli­che Ubi­soft-Spie­le ein­fach nicht attrak­tiv genug sind, wenn sie sich nicht ver­kau­fen. Aber lie­ber mal pau­schal alles auf die bösen, bösen, Raub­ko­pie­rer schie­ben, das ist ein­fa­cher als sich mit Defi­zi­ten des eige­nen Unter­neh­mens bei der Soft­ware oder der Kun­den­freund­lich­keit aus­ein­an­der zu set­zen.

Eine Umstel­lung auf free-to-play wird Ubi­soft nicht hel­fen, denn auch für Pre­mi­um-Inhal­te zahlt der Kun­de nur, wenn er a) sich dafür nicht zuerst nackt aus­zie­hen muss, um Zugang zum Spiel zu bekom­men (also nicht per­sön­li­che Anga­ben bis hin zur Reli­gi­on des Hams­ters machen muss), es b) kei­ne Rek­tal­scans (Schnüf­fel­soft­ware) geben wird und c) das Spiel auch attrak­tiv genug ist, damit der Wunsch ent­steht, im Cash­shop etwas zu erwer­ben. Es gibt inzwi­schen mehr als genug gute f2p-Spie­le in direk­ter Kon­kur­renz zu den von Ubi­soft geplan­ten, aber man darf anneh­men, dass wie­der die Kun­den schuld sind, wenn die der Fran­zo­sen dann wie­der kei­ner spie­len möch­te …

Grund des Rants: Inter­view auf gamesindustry.biz

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Bild: Com­pe­ti­ti­on Pro von Ksha­de, aus der Wiki­pe­dia, CC BY-SA, Jol­ly Roger von Cali­co Jack Rack­ham, Public Domain

Lacher: Raubkopierte Musik in Anti-Raubkopie-Kampagne

Wenn man ein Dro­gen­be­auf­trag­ter ist, soll­te man sich nicht dabei erwi­schen las­sen mit Dro­gen zu han­deln. Wenn man eine Film­fir­ma ist, die immer wie­der laut­hals gegen Raub­ko­pi­en lamen­tiert und die ehr­li­chen Kun­den mit ent­spre­chen­den Hin­wei­sen auf den DVDs und Blu-Rays nervt, dann soll­te man vor­sich­tig sein, was man tut. Eben­so dann, wenn man der Chef einer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft wie die BUMA/Stemra (nie­der­län­di­sches Pen­dant zur GEMA) ist.

Im Jahr 2006 wur­de der nie­der­län­di­sche Kom­po­nist Mel­chi­or Riet­veldt unter Ver­trag genom­men, um für einen Kurz­film die Musik zu schrei­ben, der sich im Rah­men eines Wett­be­werbs mit der Pro­ble­ma­tik der ille­ga­len Film­ko­pi­en aus­ein­an­der set­zen soll­te. Dum­mer­wei­se hat die­sel­be Fir­ma, die ihn dafür unter Ver­trag nahm, spä­ter die­se Musik ohne Rück­spra­che für eine Anti-Pira­te­rie-Wer­bung in den Nie­der­lan­den ver­wen­det; man konn­te die­se Clips samt Musik auf erwor­be­nen DVDs und Blu­Rays fin­den.

Riet­veldt hat­te davon nichts mit­be­kom­men und die Film­fir­ma hat­te ihn auch nicht dar­über infor­miert. Er fand das rein zufäl­lig her­aus, als er eine HARRY POTTER-DVD erwarb… Als er sich an die nie­der­län­di­sche Ver­wer­tungs­agen­tur (sowas wie unse­re GEMA) wand­te, woll­te man ihn dort mit Pea­nuts abspei­sen und auch nur dann in sei­nem Sin­ne tätig wer­den, wenn der Chef der BUMA/Stemra per­sön­lich ein Drit­tel des ein­ge­nom­me­nen Gel­des bekom­men wür­de. Ja, rich­tig, Riet­veldt soll­te erpresst wer­den, dum­mer­wei­se war das Gespräch auf­ge­zeich­net wor­den.
Das Ver­fah­ren gegen das Film­stu­dio ist nun nach wie vor offen, der Kom­po­nist möch­te 1,3 Mil­lio­nen Euro (bei der Men­ge an umge­setz­ten HARRY POT­TER-Sil­ber­schei­ben sicher nicht über­trie­ben) und der Chef der BUMA/Stemra Jochem Ger­rits ist inzwi­schen zurück­ge­tre­ten und die Poli­zei küm­mert sich um sei­ne mut­maß­li­che ver­such­te Erpres­sung.

Wor­an man wie­der sehen kann, dass sich zum einen die größ­ten Schrei­häl­se (egal ob Stu­di­os oder Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten) nicht mal ansatz­wei­se um die Rech­te der Künst­ler küm­mern; und es wür­de mich per­sön­lich doch sehr wun­dern, wenn bei der hie­si­gen GEMA nicht ähn­li­che »Geschäf­te« abge­hen wür­den.

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Bild: Rack­hams Jol­ly Roger – Public Domain

Rant: Aus dem »Börsenverein« wird der »Münchhausen-Verein«

Anlass für die­ses Ela­bo­rat ist ein Arti­kel auf SpOn. Er han­delt davon, wie sich Bran­chen­ver­bän­de der Buch­händ­ler (und der Musik­in­dus­trie) ihre Zah­len schön rech­nen und erneut kommt einem unwill­kür­lich der Satz in den Sinn »ich glau­be nur Sta­tis­ti­ken die ich selbst gefälscht habe«.

Wor­um es geht? Es geht unter ande­rem um eBook-Ver­käu­fe und die angeb­lich zahl­lo­sen ille­ga­len Down­loads. Was man dabei wohl­weis­lich ver­schweigt ist, dass man sämt­li­che kos­ten­los her­un­ter gela­de­nen elek­tro­ni­schen Bücher mit zu den »ille­ga­len Down­loads« schlägt! Dar­un­ter bei­spiels­wei­se die zig-tau­sen­den gemein­frei­en Wer­ke aus dem Pro­jekt Guten­berg oder hau­fen­wei­se wei­te­re lega­le, kos­ten­lo­se eBooks (wie dem­nächst auch die Steam­punk-Chro­ni­ken).

Da kann ich nur ganz offen fra­gen:

für wie blöd hal­tet ihr uns eigent­lich?

Wer mit bereits auf den ers­ten Blick nicht belast­ba­ren Zah­len hau­sie­ren geht, um sei­ne mise­ra­blen Umsät­ze durch Ver­feh­lun­gen, mit­tel­al­ter­lich wir­ken­des Ver­hal­ten in Sachen eBooks und Web sowie Mond­prei­se und kun­den­feind­li­che DRM-Maß­nah­men auf angeb­li­che ille­ga­le Down­loa­der schie­ben zu wol­len, der hat ganz offen­sicht­lich ein Pro­blem. Ein Pro­blem mit der Wahr­heit.

Auch Mar­kus Becke­dahl fin­det in einer Pres­se­mit­tei­lung des Ver­eins Digi­ta­le Gesell­schaft e.V. deut­li­che Wor­te:

Wer nur teu­re und dann auch noch man­gel­haf­te, restrik­ti­ve Ange­bo­te macht, darf sich nicht wun­dern, wenn der wirt­schaft­li­che Erfolg aus­bleibt. […] Ein über­teu­er­tes Auto, dass man zudem nur Diens­tags und bei Regen fah­ren darf, kauft ja auch kei­ner frei­wil­lig, wenn er statt­des­sen auch ein­fach den Bus neh­men kann.

Lie­ber Bör­sen­ver­ein: statt euer Ver­sa­gen am Markt durch gefälsch­te Zah­len kaschie­ren zu wol­len, wäre es nicht bes­ser, end­lich kun­den­freund­lich zu agie­ren? Die Umsät­ze der Musik­in­dus­trie mit her­un­ter gela­de­ner Musik sind auf­grund des Ver­zichts auf DRM von 2009 auf 2010 um 30 Pro­zent gestie­gen. Soll­te euch das nicht zu den­ken geben und ihr euch end­lich eben­falls von dem DRM-Mist ver­ab­schie­den? Wäre es nicht wei­ter­hin ange­bracht, davon abzu­se­hen eBooks zu einem Preis ganz knapp unter dem des Hard­co­vers ver­kau­fen zu wol­len?

Wäre eure Ener­gie bei eurem Kern­ge­schäft nicht sinn­vol­ler ange­legt, als im wei­ner­li­chen Ver­brei­ten offen­sicht­lich sau­dum­mer Sta­tis­ti­ken? Als dabei mit dem Fin­ger auf die ehr­li­chen Kun­den zu zei­gen und sie als Raub­ko­pie­rer zu ver­un­glimp­fen?

Aber das wäre wohl zu ein­fach und ich war­te jetzt auf eure übli­che Ent­geg­nung: »dass wir alle kei­ne Ahnung von ›der Bran­che‹ haben«.

Geschenkt!

 

[Update 13:55 Uhr:] wer Spaß an Brech­reiz hat, liest die Pres­se­mit­tei­lung der Rea­li­täts­ver­dre­her von der GVU. Ich wei­se dar­auf hin, dass das Wort »Rea­li­täts­ver­dre­her« »nur« mei­ne Mei­nung dar­stellt…

[Update 2 16:34 Uhr:] auch Hei­se berich­tet kri­tisch über die jon­glier­ten Zah­len und zitiert alber­ne Augen­wi­sche­rei­en von Alex­an­der Ski­pis (Haupt­ge­schäfts­füh­rer Bör­sen­ver­ein)

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Bild: CyBook Opus, aus der Wiki­pe­dia, gemein­frei

Neil Gaiman über Bücher, Copyright, Piraterie und das Internet

Neil Gai­man sagt Wor­te, die sich viel­leicht die Ent­schei­der und Beden­ken­trä­ger in den Ver­la­gen (und auch bei der Musik­in­dus­trie) mal genau anhö­ren soll­ten. Wunsch­den­ken, ich weiß…

Dank an Cynx für den Hin­weis.

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»Das mit dem Copyright«

Cory Doctorow

Neu­er Bei­trag im Arti­kel­por­tal:

Cory Doc­to­row ist ein kana­di­scher Sci­ence-Fic­tion-Schrift­stel­ler und Akti­vist in Sachen neue Medi­en, Inter­net, Copy­right-Libe­ra­li­sie­rung und Pri­vat­sphä­re. Am letz­ten Wochen­en­de habe ich sein Buch LITTLE BROTHER in Rekord­zeit gele­sen, nach­dem es mir von »fel­low neti­zens« bereits mehr­fach nach­drück­lich ans Herz gelegt wur­de.

Das Beson­de­re an die­sem Buch: man kann es nicht nur über die ein­schlä­gi­gen Ver­triebs­ka­nä­le kau­fen, son­dern es auch ein­fach auf sei­ner Web­sei­te kos­ten­los in zahl­rei­chen For­ma­ten her­un­ter laden. Kos­ten­los. Ein­fach so. Legal. Unter einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz. Trotz die­ser Tat­sa­che ver­kau­fen sich sei­ne Bücher wie geschnit­ten Brot.

Wie kann das sein? Ins­be­son­de­re ange­sichts des Dau­er­ge­jam­mers gewis­ser Ver­le­ger und Ver­la­ge, wie böse kos­ten­lo­se Ange­bo­te sind – sei­en sie nun semi­le­gal oder legal – und dass bei­de den Markt zer­stö­ren…

Im Vor­wort zu LITTLE BROTHER befin­det sich der fol­gen­de Text, den ich aus dem Eng­li­schen über­setzt habe, um ihn hier zu ver­öf­fent­li­chen, was ich auf­grund der CC-Lizenz pro­blem­los tun darf, wenn ich den Namen des Autoren nen­ne, auf sei­ne Web­sei­te hin­wei­se und kein Geld damit ver­die­ne.

Wei­ter­le­sen

Lübbe Audio und die Begründung von Serieneinstellungen

piracy_cdMit­te des Monats ver­öf­fent­lich­te Lüb­be Audio eine Pres­se­mit­tei­lung, in der man bedau­er­te mit­tei­len zu müs­sen, dass auf­grund von Umsatz­ein­brü­chen drei Hör­spiel­se­ri­en lei­der ein­ge­stellt wer­den. Und man hat­te natür­lich sofort auch die Übel­tä­ter aus­ge­macht, die für die Umsatz­ein­brü­che die Schuld tra­gen: es han­delt sich hier­bei nicht etwa um die Bän­ker, die für die welt­wei­te Wirt­schafts­kri­se ver­ant­wort­lich sind und die damit Mil­li­ar­den an Kauf­kraft ver­nich­tet haben, son­dern es sind ille­ga­le Down­loads über bei­spiels­wei­se P2P-Netz­wer­ke.

Allent­hal­ben hob sofort ein recht undif­fe­ren­zier­tes Heu­len und Zäh­ne­klap­pern an, es wur­de über die bösen Raub­ko­pie­rer geschimpft und sogar Ver­glei­che mit Laden­die­ben gezo­gen, ohne Lüb­bes Zah­len zu hin­ter­fra­gen, oder viel­leicht mal zu über­le­gen was an den Äuße­run­gen tat­säch­lich dran ist. Könn­te es viel­leicht sein, dass man sub­op­ti­ma­les Mar­ke­ting mit den voll­mun­di­gen Hin­wei­sen auf die ach so bösen Raub­ko­pie­rer kaschie­ren möch­te? Könn­te es sein, dass die anvi­sier­te Kli­en­tel ange­sichts einer Welt­wirt­schafts­kri­se ihr Geld lie­ber für ande­re Din­ge oder gar nicht aus­gibt?

Ich habe mal die Pro­be aufs Exem­pel gemacht und in den drei belieb­tes­ten Such­ma­schi­nen für Tor­rent-Datei­en nach »Offen­ba­rung 23« und »Ster­ne­n­oze­an« gesucht (den Such­be­griff »Edgar Allen Poe« habe ich aus­ge­las­sen, da es hier zu vie­le irrele­van­te Ergeb­nis­se gege­ben hät­te). Mir ist klar, dass es auch noch Emu­le und wei­te­re gibt, aber das Tor­rent-Netz­werk ist inzwi­schen das deut­lich belieb­te­re, wei­ter­hin las­sen auch die Ergeb­nis­se im Tor­rent-Netz­werk ein­deu­ti­ge Rück­schlüs­se auf ande­re P2P-Netz­wer­ke zu. Zudem habe ich kei­nen Emu­le-Cli­ent instal­liert und es kommt mir auch kei­ner auf den Rech­ner. Die Ergeb­nis­se samt Screen­shots im erwei­ter­ten Arti­kel.

wei­ter­le­sen →