Cory Doctorow: Das Ding mit dem Copyright

Cory Doctorow

Vor­wort zur Neu­veröf­fentlichung: Dieser Text erschien ursprünglich im April 2010 (also bere­its vor sagen­haften sechs Jahren) auf dem alten Artikel­por­tal von Phan­taNews. Aus gegeben­em Anlass habe ich ihn jet­zt hier­her über­tra­gen, denn er erscheint angesichts der Tat­sache, dass die Buch­branche nach allen anderen die Dig­i­tal­isierung ent­deckt hat, in immer größeres »Mim­i­mi« aus­bricht und offen­bar alle Fehler der Musikin­dus­trie wieder­holen möchte, aktueller denn je. Aus­lös­er war konkret allerd­ings das Erscheinen eines Artikels von Felix Mün­ter bei Teilzei­thelden, bei dem mich allein der polemis­che (und sach­lich falsche) Titel bere­its schaud­ern lässt. Mir hängt diese Form der Diskus­sion zum Hals raus, denn sie wurde bere­its erschöpfend geführt und muss wahrlich nicht erneut ange­fan­gen wer­den, nur weil Buch­branche und Autoren etliche Jahre nach allen anderen die Dig­i­tal­isierung ent­deckt haben.

Cory Doc­torow ist ein kanadis­ch­er Sci­ence-Fic­tion-Schrift­steller und Aktivist in Sachen neue Medi­en, Inter­net, Copy­right-Lib­er­al­isierung und Pri­vat­sphäre. Am let­zten Woch­enende habe ich sein Buch LITTLE BROTHER in Reko­rdzeit gele­sen, nach­dem es mir von »fel­low neti­zens« bere­its mehrfach nach­drück­lich ans Herz gelegt wurde.

Das Beson­dere an diesem Buch: man kann es nicht nur über die ein­schlägi­gen Ver­trieb­skanäle kaufen, son­dern es auch ein­fach auf sein­er Web­seite kosten­los in zahlre­ichen For­mat­en herunter laden. Kosten­los. Ein­fach so. Legal. Unter ein­er Cre­ative Com­mons-Lizenz. Trotz dieser Tat­sache verkaufen sich seine Büch­er wie geschnit­ten Brot.

Wie kann das sein? Ins­beson­dere angesichts des Dauerge­jam­mers gewiss­er Ver­leger und Ver­lage, wie böse kosten­lose Ange­bote sind – seien sie nun semi­le­gal oder legal – und dass bei­de den Markt zer­stören…

Im Vor­wort zu LITTLE BROTHER befind­et sich der fol­gende Text, den ich aus dem Englis­chen über­set­zt habe, um ihn hier zu veröf­fentlichen, was ich auf­grund der CC-Lizenz prob­lem­los tun darf, wenn ich den Namen des Autoren nenne, auf seine Web­seite hin­weise und kein Geld damit ver­di­ene.

Cory Doctorow: THE COPYRIGHT THING – Das mit dem Copyright

Die Cre­ative Com­mons-Lizenz am Anfang dieser Datei hat Dich möglicher­weise darauf aufmerk­sam gemacht, dass ich einige recht unortho­doxe Ansicht­en zum The­ma Copy­right habe.

Was ich darüber denke, kurz gesagt: ein kleines biss­chen reicht völ­lig und mehr ist zuviel.

Ich liebe die Tat­sache, dass das Urhe­ber­recht mir ermöglicht, meine Rechte an Ver­leger, Film­stu­dios und andere verkaufen zu kön­nen. Es ist wirk­lich pri­ma, dass sie den Kram nicht ein­fach ohne meine Ein­willi­gung nehmen und damit reich wer­den kön­nen, ohne mir was abzugeben. Ich bin in ein­er ziem­lich guten Posi­tion, wenn es darum geht mit solchen Fir­men zu ver­han­deln: Ich habe einen großar­ti­gen Agen­ten und ein Jahrzehnt Erfahrung mit Urhe­ber­rechts­ge­set­zen und Lizen­zierung (inklu­sive ein­er Dien­st­pe­ri­ode als Delegiert­er bei der WIPO, der UN-Agen­tur welche die weltweit­en Copy­right-Abkom­men ausar­beit­et). Dazu kommt, dass es nicht wirk­lich viele dieser Ver­hand­lun­gen gibt – sog­ar wenn ich fün­fzig oder hun­dert ver­schiedene Aus­gaben von LITTLE BROTHER verkaufen würde (das wäre eine Ver­bre­itung von einem Mil­lion­s­tel eines Prozents, wenn man die gesamte Unter­hal­tungslit­er­atur betra­chtet), dann wären das ger­ade mal hun­dert Ver­hand­lun­gen und die kön­nte ich wohl ger­ade hin bekom­men.

Ich has­se die Tat­sache, dass Fans die das tun wollen, was Leser schon immer getan haben, gezwun­gen sind in dem­sel­ben Sys­tem zu agieren wie diese hochbezahlten Agen­ten und Recht­san­wälte. Es ist ein­fach nur Blödsinn, dass eine Grund­schulk­lasse bei einem Recht­san­walt  eines gigan­tis­chen, weltweit agieren­den Ver­lags anfra­gen muss, bevor sie eins mein­er Büch­er als Schaus­piel auf­führen darf. Es ist völ­lig lächer­lich darauf zu beste­hen, dass Leser, die einem Fre­und eine elek­tro­n­is­che Kopie meines Buch­es auslei­hen möcht­en, dafür erst­mal eine Lizenz beantra­gen müssen. Büch­er wer­den schon länger ver­liehen, als es Ver­leger auf Erden gibt und Ver­lei­hen ist eine großar­tige Sache.

Neulich sah ich Neil Gaiman bei ein­er Rede und jemand fragte ihn was er davon halte, dass seine Büch­er auf Tauschbörsen oder ander­swo im Netz als »Piratenkopi­en« ange­boten wer­den. Er sagte: »Jed­er soll mal die Hand heben, der seinen Lieblingsautor kosten­los ent­deckt hat – entwed­er weil Dir jemand ein Buch geliehen hat oder oder weil irgend jemand Dir das Buch geschenkt hat? Und jet­zt heben diejeni­gen die Hand, die ihren Lieblingsautoren ent­deckt haben, weil sie in einem Laden Geld auf die Theke gewor­fen haben.« Die über­wiegende Mehrheit der Anwe­senden sagten, dass sie ihre Lieblingsautoren kosten­frei, als Lei­h­gabe oder als Geschenk ent­deckt hat­ten.
Bei mir ist das so: wenn es um meine Lieblingsautoren geht, kenne ich keine Gren­zen: Ich kaufe jedes Buch, dass sie jemals veröf­fentlicht haben (manch­mal kaufe ich sog­ar zwei oder drei um sie an Fre­unde weit­erzugeben, die das unbe­d­ingt lesen müssen). Ich bezahle, um sie am Leben zu hal­ten. Ich kaufe T-Shirts mit ihren Buch­cov­ern darauf. Ich bin für mein ganzes Leben ein zahlen­der Kunde.
Neil machte weit­er und sagte, dass er ein Mit­glied des »Bun­des der Leser« sei, jen­er kleinen Minorität  auf der Welt, die des Vergnü­gens wegen lesen, die Büch­er kaufen, weil sie Büch­er lieben. Eine Sache die er über jeden, der seine Büch­er ohne Erlaub­nis herun­ter­lädt, defin­i­tiv weiß ist, dass es sich um Leser han­delt, es han­delt sich um Leute, die Büch­er lieben.

Es gibt Per­so­n­en die erforschen die Ver­hal­tensweisen von Musikkäufern und die haben etwas Selt­sames ent­deckt: die größten Musikpi­rat­en sind auch diejeni­gen, die am meis­ten Geld für Musik aus­geben. Falls Du also die ganze Nacht Musik aus dem Netz lädst, dann ist die Chance groß, dass Du ein­er der weni­gen übrig Gebliebe­nen bist, die tagsüber in einen Musik­laden (kann sich noch ein­er an die erin­nern?) gehen. Du gehst wahrschein­lich am Woch­enende auf Konz­erte und eben­so wahrschein­lich leihst Du Dir auch Musik in der Stadt­bücherei. Und wenn Du als ein Mit­glied des Stammes der Musik­fans so richtig Feuer und Flamme bist, dann machst Du eine Menge Sachen, die mit Musik zu tun haben, vom Sin­gen unter der Dusche bis zum Kauf von Schwarz­markt-Vinyl-Bootlegs sel­tener osteu­ropäis­ch­er Cov­erver­sio­nen dein­er Lieblings-Death-Met­al-Band.

Mit Büch­ern ist es das­selbe. Ich habe in Buch­lä­den für neue und gebrauchte Büch­er und in Lei­h­büchereien gear­beit­et. Ich habe online auf Seit­en für piratenkopierte-eBooks (»book­warez«) herumge­hangen. Ich bin ein Gebraucht­buch­hand­lungs-Junkie und ich gehe zum Spaß auf Buchmessen. Und wisst ihr was? An all diesen Orten sind diesel­ben Leute: Bücher­fans, die so ziem­lich alles tun, was mit Büch­ern zu tun hat. Ich kaufe in Chi­na abge­fahrene, pot­thässliche Pirate­naus­gaben mein­er Lieblings­büch­er weil sie abge­fahren und pot­thässlich sind und im Regal neben den acht oder neun anderen voll bezahlten Aus­gaben des­sel­ben Buch­es ziem­lich großar­tig ausse­hen. Ich lei­he mir Büch­er in der Bücherei, google nach ihnen, wenn ich ein Zitat benötige, schleppe dutzende auf meinem Mobil­tele­fon und hun­derte auf meinem Lap­top mit mir herum und habe (in dem Moment, da ich dies schreibe) mehr als 10000 davon in Schränken in Lon­don, Los Ange­les und Toron­to.

Wenn ich meine Büch­er ver­lei­hen kön­nte, ohne sie dafür aus der Hand zu geben, würde ich das tun. Die Tat­sache, dass ich das mit elek­tro­n­is­chen Dateien tun kann, ist kein Fehler son­dern ein Fea­ture und ein ver­dammt gutes Fea­ture noch dazu. Es ist befremdlich zu sehen, dass alle diese Schrift­steller und Musik­er und Kün­stler bekla­gen, dass die Kun­st dieses coole neue Fea­ture bekom­men hat: die Möglichkeit etwas zu teilen, ohne es selb­st zu ver­lieren. Das ist, als würde man einen Restau­rantbe­sitzer beobacht­en, wie er sich das Hemd nass heult, weil diese neue »Freies-Mit­tagessen-Mas­chine« die Ver­hungern­den in der Welt mit Nahrung ver­sorgt, und er sein Geschäftsmod­ell über­denken muss. Ja, das wird nicht ganz ein­fach wer­den, aber wir wollen die Haup­tat­trak­tion mal nicht aus den Augen ver­lieren: Freies Mit­tagessen.

All­ge­mein­er und uni­verseller Zugang zum Wis­sen der Men­schheit ist in unser­er Reich­weite – zum ersten Mal in der Geschichte der Men­schheit. Das ist nichts Bös­es!

Falls Dir das alles noch nicht reichen sollte, hier noch meine Ansicht dazu, warum es ger­ade zu dieser Zeit und an diesem Ort Sinn macht, seine Büch­er zu ver­schenken:

Das Ver­schenken von eBooks gibt mir kün­st­lerische, moralis­che und finanzielle Befriedi­gung. Die Frage nach dem Kom­merz ist diejenige, die am häu­fig­sten auf­taucht: wie kannst Du kosten­lose eBooks ver­schenken und trotz­dem Geld ver­di­enen?

Für mich – für so ziem­lich jeden Schrift­steller – ist nicht Pira­terie das Prob­lem, das Prob­lem ist unbekan­nt zu sein (danke an Tim O’Reilly für diesen großar­ti­gen Apho­ris­mus). Von all den Leuten, die dieses Buch heute nicht gekauft haben, haben die aller­meis­ten das deswe­gen nicht getan, weil sie noch nie davon gehört haben, nicht weil ich ihnen eine kosten­lose Kopie geschenkt habe. Megahit-Best­seller im Bere­ich Sci­ence Fic­tion verkaufen eine halbe Mil­lion Kopi­en – in ein­er Welt in der 175000 Leute am Com­ic Con in San Diego teil­nehmen, muss man sich darüber klar wer­den, dass der größte Teil der Leute, die »Sci­ence Fic­tion mögen« (und ähn­lichen geeki­gen Kram wie Comics, Spiele, Lin­ux und so weit­er) ein­fach keine Büch­er kaufen. Ich bin deut­lich mehr daran inter­essiert, mehr von diesem größeren Pub­likum in mein Zelt zu bekom­men, als sich­er zu stellen, dass jed­er, der sich in dem Zelt befind­et auch eine Ein­trittskarte gekauft hat, um dort sein zu dür­fen.

eBooks sind Ver­ben, keine Worte. Du kopierst sie, das ist ihre Natur. Und viele dieser Kopi­en haben ein Ziel, eine Per­son für die sie gedacht sind, eine Hand zu Hand-Weit­er­gabe von ein­er Per­son an eine andere mit ein­er per­sön­lichen Empfehlung zwis­chen zwei Men­schen die sich so weit ver­trauen, solche Dinge miteinan­der zu teilen. Das ist eine Sache von der Autoren träu­men (soll­ten): das sprich­wörtliche Besiegeln eines Han­dels per Hand­schlag. Dadurch, dass ich meine Büch­er zur Weit­er­gabe freigebe, mache ich es den Lesern die diese Büch­er lieben sehr ein­fach, anderen dabei zu helfen, sie eben­falls zu lieben.

Weit­er­hin: ich sehe eBooks nicht als Ersatz für Papier­büch­er, zumin­d­est nicht für den Großteil der Leser. Es ist nicht so, dass die Bild­schirme nicht gut genug wären: wenn Du auch nur halb­wegs so bist wie ich, dann ver­bringst Du ohne­hin jede Stunde die Du kannst vor dem Bild­schirm, um Texte zu lesen. Aber je mehr Ahnung Du von Com­put­ern hast, desto geringer ist die Chance, dass Du lange Texte auf diesen Bild­schir­men liest. Wir haben IM, wir haben Email und wir nutzen den Brows­er auf Mil­lio­nen ver­schiedene Arten und Weisen. Wir haben Spiele im Hin­ter­grund laufen und end­lose Möglichkeit­en mit unseren Musik­samm­lun­gen herumzus­pie­len. Je mehr man mit dem Com­put­er macht, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit, dass Du nach fünf bis sieben Minuten unter­brochen wirst, um was anderes zu tun. Das führt dazu, dass ein Com­put­er sehr schlecht dafür geeignet ist, lange Texte zu lesen, es sei denn, Du hast die eis­erne Selb­st­diszi­plin eines Mönchs.

Die gute Nachricht (für den Schrift­steller) ist, dass eBooks auf Com­put­ern sehr viel wahrschein­lich­er eine Werbe­maß­nahme für ein gedruck­tes Buch sind (denn das ist schließlich bil­lig, ein­fach zu bekom­men und ein­fach zu benutzen) als ein Ersatz. Man kann wahrschein­lich genau so viel von dem Buch auf einem Bild­schirm lesen, um zu real­isieren, dass man es auf Papi­er lesen möchte.

Deswe­gen verkaufen eBooks Büch­er. Jed­er Autor den ich kenne, der mal aus­pro­biert hat, eBooks kosten­los als Werbe­maß­nahme abzugeben, hat es wieder getan. Das ist der kom­merzielle Grund für kosten­lose eBooks.

Und jet­zt zum kün­st­lerischen Grund: Wir haben das 21. Jahrhun­dert. Dinge zu kopieren wird niemals mehr schwieriger wer­den, als es heute ist (oder wenn doch, dann deswe­gen, weil unsere Zivil­i­sa­tion zusam­men gebrochen ist und an dem Punkt hät­ten wir ganz andere Prob­leme). Fest­plat­ten wer­den nicht mehr sper­riger und Net­zw­erke wer­den nicht mehr langsamer oder schw­er­er zu nutzen sein. Wenn Du Kun­st nicht mit der Inten­tion erschaffst, dass sie kopiert wird, dann erschaffst Du keine Kun­st für das 21. Jahrhun­dert. Es hat natür­lich einen gewis­sen Charme, etwas zu erschaf­fen, das nicht kopiert wer­den soll, unge­fähr so als würdest Du in ein Muse­ums­dorf gehen und dort dem altertüm­lichen Huf­schmied dabei zuse­hen, wie er einem Pferd in sein­er tra­di­tionellen Schmiede ein Hufeisen anlegt. Aber das ist – und das weißt Du – nicht mehr zeit­gemäß. Ich bin ein Sci­ence-Fic­tion-Autor. Es ist mein Job über die Zukun­ft zu schreiben (an einem guten Tag), oder wenig­stens über die Gegen­wart. Kun­st die nicht kopiert wer­den kann ist aus der Ver­gan­gen­heit.

Und zum Abschluss wer­fen wir noch einen Blick auf die moralis­che Seite. Zeug zu kopieren ist völ­lig nor­mal. So ler­nen wir (wir kopieren unsere Eltern und die Per­so­n­en um uns herum). Meine erste Geschichte habe ich mit sechs Jahren geschrieben, es war eine begeis­terte Nacherzäh­lung von STAR WARS, das ich ger­ade im Kino gese­hen hat­te. Jet­zt, da das Inter­net – die effizien­teste Kopier­mas­chine der Welt – so ziem­lich über­all ist, wird unser Kopierin­stinkt stärk­er und stärk­er wer­den. Es gibt abso­lut keinen Weg, meine Leser daran zu hin­dern und wenn ich es ver­suchen würde, wäre ich ein Heuch­ler: als ich 17 war, habe ich Mix­tapes zusam­men gestellt, Sto­ries fotokopiert und grund­sät­zlich so ziem­lich alles kopiert, das ich mir vorstellen kon­nte. Wenn es das Inter­net damals schon gegeben hätte, dann hätte ich es benutzt, um soviel zu kopieren wie nur irgend möglich.

Es gibt keinen Weg das zu stop­pen und die Leute die das ver­suchen, richt­en weit mehr Schaden an, als Pira­terie es jemals tun kön­nte. Der lächer­liche heilige Krieg der Musikin­dus­trie gegen die File­shar­er (mehr als 20000 Musik­fans verk­lagt und wir zählen weit­er!) ist ein Beispiel für die Absur­dität, ver­suchen zu wollen, die Würmer wieder in die Dose zu bekom­men. Wenn die Wahl darin beste­ht, entwed­er das Kopieren zuzu­lassen oder zu einem wut­geifer­n­den Tyran­nen zu wer­den, der auf alles ein­schlägt, was er erre­ichen kann, dann wäh­le ich Ersteres.

Cory Doc­torow – The Copy­right Thing, geschrieben 2007
Diese deutsche Über­set­zung: Ste­fan Holzhauer April 2010

Nach­trag zur Neu­veröf­fentlichung des Textes: Nein, es soll mir jet­zt kein­er damit kom­men, dass sich die Sit­u­a­tion seit 2007 grundle­gend geän­dert hat, weil jet­zt auf eRead­ern gele­sen wird, das ist näm­lich kom­plet­ter Blödsinn.


Cory Doc­torow
geboren am 17. Juli 1971, ist ein kanadis­ch­er Blog­ger, Jour­nal­ist und Sci­ence Fic­tion-Autor. Er ist ein­er der Autoren des Blogs Boing Boing. Er beze­ich­net sich selb­st als Aktivis­ten in Sachen Lib­er­al­isierung der Urhe­ber­rechts­ge­set­ze und ist ein Befür­worter der Cre­ative Com­mons-Organ­i­sa­tion, deren Lizen­zen er auch für seine Büch­er nutzt. Die The­men sein­er Werke sind unter anderem dig­i­tales Rechte­m­an­age­ment (Dig­i­tal Rights Man­age­ment, DRM), file shar­ing, und »Post-Scarcity«-Ökonomie (also eine Ökonomie jen­seits der kün­stlichen und ver­teuern­den Verk­nap­pung von Gütern und Werken).

Links

Cory Doc­torows Web­seite craphound.com
Boing­Bo­ing
Cory Doc­torow in der deutschen Wikipedia
Cory Doc­torow in der englis­chen Wikipedia (deut­lich aus­führlich­er)

Bild: von Jonathan Worth, aus der Wikipedia, CC BY-SA

Werke

Romane

* 2003 Down and Out in the Mag­ic King­dom, Tor Books, veröf­fentlicht unter ein­er Cre­ative Com­mons License
o dt. Ausg. Back­up Heyne 2007, ISBN 3–453-52297–4
* 2004 East­ern Stan­dard Tribe, Tor Books, veröf­fentlicht unter ein­er Cre­ative Com­mons License
o dt. Ausg. Upload Heyne 2008, ISBN 978–3-453–52413-2
* 2005 Some­one Comes to Town, Some­one Leaves Town, Roman, Tor Books
* 2008 Lit­tle Broth­er, Tor Books, veröf­fentlicht unter ein­er Cre­ative Com­mons License
o dt. Über­set­zung: Lit­tle Broth­er – Frei­heit ist etwas, das du dir nehmen musst.
+ div. E-Book-For­mate der dt. Über­set­zung: Archive.org
+ Hör­buch: Down­load. (ZIP-Datei; 600 MB)
* 2009 Mak­ers, Roman, Tor Books, ISBN 978–0765312792
* 2010 For the Win. Tor Books. ISBN 0–7653-2216–1.
* 2012 The Rap­ture of the Nerds. Tor Books. ISBN 0–765-32910–7. (mit Charles Stross)
* 2012 Pirate Cin­e­ma. Tor Books. ISBN 0–7653-2908–5.
* 2013 Home­land. Tor Books. ISBN 978–0-7653–3369-8.

Kurzgeschicht­en­samm­lun­gen

* 2003 A Place So For­eign and Eight More, Four Walls Eight Win­dows
* 2007 Over­clocked: Sto­ries of the Future Present, Thunder’s Mouth Press, ISBN 1–56025-981–7
* 2008 Cory Doctorow’s Futur­is­tic Tales of the Here and Now (englisch). 6 Kurzgeschicht­en, veröf­fentlicht unter ein­er Cre­ative Com­mons License. Com­i­cadap­tion auf Our­me­dia.

Kurzgeschichte (Auswahl)

* 2005 i, robot, Hugo-nominierte Kurzgeschichte, InfiniteMatrix.net,

Sach­büch­er

* 2000 The Com­plete Idiot’s Guide to Pub­lish­ing Sci­ence Fic­tion, Alpha Books
* 2003 Essen­tial Blog­ging, O’Reilly and Asso­ciates
* 2008 Con­tent: Select­ed Essays on Tech­nol­o­gy, Cre­ativ­i­ty, Copy­right, and the Future of the Future, Tachy­on Pub­lish­ing, ISBN 978–1892391810

Essays (Auswahl)

* 2004 Ebooks: Nei­ther E Nor Books, San Diego
* 2005 Wikipedia: A Gen­uine H2G2-Minus the Edi­tors, in: Glenn Yef­feth (Hrsg.): The Anthol­o­gy at the End of the Uni­verse?, Ben­bel­la Books, ISBN 1–932100-56–3


Dieser Artikel ste­ht unter ein­er Cre­ative Com­mons Lizenz:

Creative Commons License
»Das mit dem Copy­right« von Ste­fan Holzhauer ste­ht unter ein­er Cre­ative Com­mons Namen­snen­nung-Keine kom­merzielle Nutzung-Weit­er­gabe unter gle­ichen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt von Cory Doc­torow auf craphound.com, eben­falls unter CC BY-NC-SA

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

4 Kommentare for “Cory Doctorow: Das Ding mit dem Copyright”

sagt:

Dass Cory Doc­torow Aktivist in der EFF ist (und während sein­er Zeit in Lon­don deren Europa-Koor­di­na­tor war) und Mit­be­grün­der der Open Rights Group dürfte dann nicht wirk­lich über­raschen.

Sein aktuelles Jugend­buch »Pirate Cin­e­ma« behan­delt das The­ma sehr gut les­bar als Jugen­buch in einem Near-Future-Szenario.

sagt:

Unter der Prämisse, durch das kosten­lose eBuch mehr Taschen­büch­er zu verkaufen, finde ich die Idee dur­chaus ver­lock­end, nur fürchte ich, dass ein kostenpflichtiges eBuch im Ama­zon-Shop noch immer eine höhere Reichweite/Sichtbarkeit als ein kosten­los­es eBuch auf mein­er eige­nen Web­seite hat – oder täusche ich mich?

Vor allem würde mich inter­essieren, ob es Leute (in DE) gibt, die dies schon mal aus­pro­biert haben und über ihre Erfahrun­gen bericht­en kön­nen.

(Es gab da mal eine ziem­lich heftige Diskus­sion bei den Qindie-Leuten: Ein paar von denen woll­ten mal Piraten­börsen »aus­pro­bieren«. Würde mich schon inter­essieren, was daraus gewor­den ist.)

Was mir dabei ger­ade ein­fällt: Ein eBuch unter CC zu veröf­fentlichen bedeutet doch nicht unbe­d­ingt, dass ich dies kosten­los machen muss, oder?
Ger­ate ich dann aber nicht mit der Buch­preis­bindung in Kon­flikt, wenn ich ein eBuch unter CC-Lizenz für 10 Euro bei Ama­zon rein­stelle, dieses Werk aber kosten­frei weit­er­ver­bre­it­et wer­den darf?

sagt:

Ein Buch unter CC nicht kosten­los zu machen, macht abso­lut keinen Sinn, weil es ja ger­ade von jed­er­mann unter der jew­eili­gen CC-Lizenz kosten­los weit­ergegeben wer­den kann. Es kann aber dur­chaus – genau wie bei Doc­torow – kostenpflichtige und kosten­lose Ver­sio­nen nebeneinan­der geben. Ich habe das Prob­lem mit der Buch­preis­bindung umgan­gen (siehe weit­er unten), indem sich die CC- und die Ama­zon-Ver­sio­nen der eBooks inhaltlich voneinan­der unter­schei­den. Auf der anderen seite gibt es kein Gesetz, das mich daran hin­dern kann, meine Büch­er zu ver­schenken, das ist ja auch ger­ade nochmal richter­lich im Zusam­men­hang mit der Dan Brown-Ver­schenkak­tion von Ama­zon und Bastei Luebbe fest­gestellt wor­den.

Ob das schon­mal jeman­dem »was gebracht hat« ist genau­sowenig in Zahlen zu messen, wie der ange­bliche Ver­lust durch Raubkopier­er. In Deutsch­land haben wir mehrere Prob­leme damit:

1. das Pub­likum ist men­gen­mäßig im Ver­gle­ich zum englis­chsprachi­gen Pub­likum viel zu klein
2. Lei­der ste­hen zu viele auf dem Stand­punkt »wat nix kost dat is nix«
oder
3. Haben das Prinzip »Lies es und wenn es Dir gefällt kaufe es oder spende was dafür« nicht ver­standen (»spende was« oder »zahl was Du willst« wer­den zudem durch die unsägliche Buch­preis­bindung beina­he unmöglich gemacht).

Genau­so wie noch nie­mand nach­weisen kon­nte, dass ein Buch in ein­er Tauschbörse tat­säch­lich finanzielle Ein­bußen bedeutet, kann man nach­weisen, dass das einen Wer­be­w­ert hat­te. Das funk­tion­iert bei Doc­torow oder Paulo Coel­ho ein­fach deswe­gen so gut, weil sie eh bekan­nt sind.

Darum geht es aber nicht im Kern. Im Kern ste­ht die Aus­sage: Stell Dich nicht so an, der Schaden ist weitaus geringer als Du oder ein ander­er (Ver­lag) Dir einre­den möchte(st). Der Schaden kön­nte sog­ar gar nicht exis­tent sein, son­dern stattdessen eine Wer­bung. Deswe­gen ein­fach mit dem Heulen und Zäh­neklap­pern aufhören, wenn man das eigene Buch in Tauschbörsen find­et. Es ist näm­lich nicht bewiesen, dass Du dadurch auch nur ein Buch weniger verkauf­st. Es deutet aber alles darauf hin, dass man dadurch (Wer­be­ef­fekt, Mund zu Mund) eventuell mehr verkaufen kön­nte. Denn – und dazu gibt es tat­säch­lich nachvol­lziehbare Sta­tis­tiken: Wie Doc­torow sagt, sind die, die run­ter­laden auch genau die, die viel Geld für Medi­en aus­geben.

Es muss sich in Deutsch­land aber erst­mal rum­sprechen, dass es alter­na­tive Erlös­mod­elle zur bish­eri­gen kün­stlichen Verk­nap­pung geben wer­den muss, die den Urhe­ber direkt unter­stützen. Solange sich zu viele nur über ein kosten­los­es Buch unter CC-Lizenz freuen, ohne das dann auch nach dem Lesen hon­ori­eren zu wollen, bleibt es schwierig. Das ist aber ein Entwick­lung­sprozess und irgend­je­mand muss halt mal damit anfan­gen. Deswe­gen gibts die Büch­er meines Pro­jek­ts »Steam­punk-Chroniken« kosten­los unter CC-Lizenz, aber auch kostenpflichtig als eBook oder Print bei Ama­zon. Reich wird man damit nicht. Es deckt nicht mal die Kosten. Aber ich sagte bere­its: Man muss ein­fach mal damit anfan­gen, dass es Wege abseits des rein kom­merziell und auf Gewin­n­max­imierung aus­gerichteten Denkens der Ver­lage gibt.

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