Buchhandel und Selfpublishing: Wer benachteiligt hier eigentlich wen?

wir müssen leider draußen bleiben

Kein Rant, aber wer gewisse satirische Anklänge find­et, darf sie behal­ten.

Ich will den Namen nicht schon wieder nen­nen, man ver­mutet in mir ob mein­er regelmäßig geäußerten Kri­tik an der Buch­branche seit­ens der­sel­ben ohne­hin immer wieder einen Claque­ur für einen gewis­sen Online­händler, dabei ist das gän­zlich falsch. Mal sehen, ob ich es schaffe, diesen Artikel zu schreiben, ohne den Namen des Ladens zu nutzen. Die Buch­branche ist ja inzwis­chen so weit, dass ihn etliche nicht mehr »Volde­mort« nen­nen, son­dern als »you shall not name him« beze­ich­nen. Wie Har­ry Pot­ters Kon­sorten wer­den sie irgend­wann fest­stellen, dass Ignori­eren das Prob­lem nicht löst. Aber darüber wollte ich eigentlich – wie bere­its ange­merkt – gar nicht reden.

Reden wir doch mal über ein beina­he mono­lithis­ches Gebilde wie die kartell­hafte Buch­branche. Warum ein Teil davon, näm­lich das Ver­lagskon­glom­er­at in meinen Augen ein geset­zlich lizen­siertes Kartell ist, habe ich an ander­er Stelle bere­its aus­führlich analysiert. Die Kurz­fas­sung: Es gibt keinen echt­en Wet­tbe­werb, weil man sich im ruhi­gen Gewis­sen zurück lehnen kann, dass es die Buch­preis­bindung gibt, die eine nor­male Entwick­lung von Preisen unmöglich macht. Wenn man Per­so­n­en fragt, die bere­its seit Jahren durch die Branche indok­triniert wur­den, dann wird man immer wieder mantraar­tig zu hören bekom­men, dass eine Abschaf­fung der Buch­preis­bindung den Unter­gang des lit­er­arischen Abend­lan­des bedeuten würde.

Oh Gott! Oh Gott! Wir wer­den alle stör­rrben! – Nicht!

Wie es sein kann, dass andere Kun­st­for­men auch ohne eine Preis­bindung pri­ma und mächtig bre­it­bandig existieren, darauf will mir nie jemand eine Antwort geben.Wie es sein kann, dass andere Kun­st­for­men auch ohne eine Preis­bindung pri­ma und mächtig bre­it­bandig existieren, darauf will mir nie jemand eine Antwort geben. Beispiel Musik: da gibt’s keine Preis­bindung. Den­noch ist eine immense musikalis­che Vielfalt auch abseits des Main­streams der Con­tent­mafia Major Play­er der Branche gegeben, weil dank Inter­net inzwis­chen jed­er seine Musik veröf­fentlichen und unter die Leute brin­gen kann, ohne auf die Musikin­dus­trie angewiesen zu sein (übri­gens auch mit der Hil­fe von A … Uh, jet­zt hätte ich fast was Falsches gesagt. Ich sag ein­fach mal: A…pple). Und mit den Self­pub­lish­ern passiert ger­ade im Bere­ich Buch etwas ganz Ähn­lich­es, auch wenn die Branche das noch nicht so richtig gemerkt zu haben scheint. Aber die braucht halt immer etwas länger, weil sie, gebet­tet auf einem dick­en, beque­men Kissen namens Buch­preis­bindung, eher gen Alt­vater Guten­berg schielt, denn gen Inter­net-Zukun­ft im #neu­land. Anders ist es auch nicht zu erk­lären, dass Bezos aus dem Gebüsch gesprun­gen kam (unge­fähr mit der Geschwindigkeit ein­er Schild­kröte) und der Branche gar mächtig einen mit der Kun­den­fre­undlichkeits-Keule über den Schädel zog.

Weil sie dadurch ihre Monopol­stel­lung ver­liertWorauf ich hin­aus möchte: Eine Branche echauffiert sich über eine Monopol­stel­lung und die schiere Mark­t­macht eines Anbi­eters. Warum tut sie das? Weil sie dadurch ihre Monopol­stel­lung ver­liert. Früher musste ein Autor vor Ver­la­gen zu Kreuze kriechen und hof­fen, dass man ihn gnädig aufn­immt, seinen Text durch die Müh­le dreht, um ein Drit­tel kürzt, schnell ein bil­liges Cov­er drauf­pappt und ihn dann mit Kru­men abspeist. Warum? Weil die Ver­lage ein Monopol auf das Veröf­fentlichen von Büch­ern hat­ten. Ja, sich­er war das ein Monopol, es war logis­tisch und tech­nisch bed­ingt, weil nicht jed­er zu Hause eine Druck­mas­chine rum­ste­hen hat­te oder weil man das Zeug nicht in die Buch­lä­den bekam. Und weil sie sich um Preise keine Sorge machen mussten. Ob es sich dabei um einen oder drölf Ver­lage han­delt, ist erst ein­mal irrel­e­vant, denn das Resul­tat bleibt das­selbe.

Neben der Tor­wächter­funk­tion wurde aber über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhun­derte, zudem eine Infra­struk­tur aus Ver­la­gen, Zwis­chen­händlern und Buch­händlern geschaf­fen, die zwar nicht so richtig intrans­par­ent ist, die aber das Hineinkom­men von uner­wün­scht­en Drit­ten äußerst schwierig macht.

KugelschreiberWas ich damit meine? Ein­fach: Will man als Self­pub­lish­er, dass seine Werke in ein­er Buch­hand­lung käu­flich erwerb­bar sind, dann braucht man zum einen eine ISBN (kost´ Geld) und zum anderen einen Ein­trag ins VLB (das bedeutet in sein­er Lang­form »Verze­ich­nis liefer­bar­er Büch­er«), und das kost´ so richtig Geld – und vor allem immer wieder. Warum das so ist, weiß kein­er. Ger­ade beim VLB: Man trägt heute seine Dat­en sog­ar selb­st ein – und dafür wollen die einen Haufen Kohle sehen? Warum? Was vielle­icht zu prä-Inter­net-Zeit­en noch einen Sinn hat­te, weil echte, papierne Kat­a­loge gedruckt wer­den mussten, ver­liert im Infor­ma­tion­szeital­ter seinen Sinn kom­plett (außer vielle­icht, um ein paar alteinge­sessene Ses­sel­furz­er am Leben zu erhal­ten, die das schon immer so gemacht haben). Ja, ich sehe ein, dass auch ein Online-VLB admin­istri­ert und gewartet wer­den muss – den­noch sind die Preise, um da hinein zu kom­men, in kein­ster Weise auch nur annäh­ernd gerecht­fer­tigt.

Warum muss man groteske Sum­men für einen VLB-Ein­trag aus­geben?Alexan­der Skip­is, der Chef des Börsen­vere­ins, lamen­tiert ob des Stre­its von A … äh … von Bezos´ Bauch­laden mit Bon­nier ´rum und sagt doch tat­säch­lich, dass Autoren, die bei Ama­zon nicht gelis­tet sind, auch nicht existieren. Ja, wer ist das denn schuld? Und die näch­ste Frage: Warum ermöglicht es die Buch­branche den Self­pub­lish­ern nicht, auf der­art ein­fache, gün­stige und abzock­freie Weise wie bei A … also ihr wisst schon bei wem … im ganz nor­malen Buch­han­del gekauft wer­den zu kön­nen? Na? Warum nicht? Ihr kön­ntet daran mitver­di­enen? Keinen Bock auf Ver­di­enen? Warum muss man dann groteske Sum­men für einen VLB-Ein­trag aus­geben? Weil der Laden kün­stlich am Leben gehal­ten wer­den muss? Oder weil man Self­pub­lish­er draußen hal­ten möchte? Warum kön­nen Buch­händler die Büch­er von Klein­ver­la­gen in diesem ach so tollen Kat­a­log nicht find­en?

Es geht hier nicht um den niedlichen Klein­ver­lag von nebe­nanIst das nicht noch eine viel größere Diskri­m­inierung als jene, die (ich sags jet­zt ein­fach) Ama­zon betreibt, indem sie mal ein paar Büch­er verzögert aus­liefern, weil sie im Clinch mit einem multi­na­tion­al agieren­den Großkonz­ern wie Bon­nier liegen? Es geht hier nicht um den niedlichen Klein­ver­lag von nebe­nan, ich wieder­hole mich: auch Bon­nier ist ein inter­na­tion­al agieren­der Konz­ern. Wer auch nur ansatzweise der Pro­pa­gan­da glaubt, es gin­ge hier um Leser, oder gar Autoren, der hat gigan­tisch einen an der Waf­fel. Es geht um Kohle für Bon­nier, von mir aus auch Hachette oder eben für Ama­zon.

Doch zurück zum Indie-Pub­lish­ing:

Warum sind so ziem­lich alle Self­pub­lish­er bei Ama­zon (jet­zt ist eh alles ver­loren, egal, dann kann ich den Namen ja ein­fach weit­er ver­wen­den)? Weil Ama­zon es den Nutzern so unge­heuer ein­fach macht. Word-Datei hochladen, fer­tig ist das eBook, kurze Zeit später kann es erwor­ben wer­den. Print­buch? Zwei PDFs hochladen (Inhalt und Cov­er), Stun­den später kann es gekauft wer­den. Beson­ders inter­es­sant daran: dabei räumt sich Ama­zon im Gegen­satz zu den deutschen Anbi­etern (die so ziem­lich alle an einem namhaften Ver­lag oder ein­er Ver­lags­gruppe hän­gen) keine dreis­ten und umfan­gre­ichen Rechte an den Büch­ern ein.

Do Not EnterWo ist das Gege­nange­bot der Buch­branche? Klar, dass den Ver­la­gen die Konkur­renz aus dem Indie-Lager nicht passt, kann man ver­ste­hen. Eben­so, dass sie deswe­gen über­haupt kein Inter­esse daran haben, diesen Ama­teuren auch noch Vorschub zu leis­ten (ver­di­enen möcht­en sie den­noch dran, anders ist die mehr oder weniger verdeck­te Aktiv­ität manch­er Ver­lagshäuser im Self­pub­lishung-Bere­ich kaum zu erk­lären).
Aber: Warum hat der Buch­han­del kein Inter­esse daran, Büch­er von Self­pub­lish­ern zu verkaufen? Brin­gen die kein Geld? Doch, wür­den sie, aber tat­säch­lich kann man in ein­er Buch­hand­lung in den aller­meis­ten Fällen keine Indie-Büch­er bekom­men.

Warum?

Da sind wir wieder beim VLB und anderen geheimen Schriften: Es wird nur in den bekan­nten Kat­a­lo­gen nachgeschaut, da sind die Indies (und auch Klein­ver­lage) nicht drin, oft weil sie sich den Reg­u­lar­ien der Branche eben­so wenig unter­w­er­fen wollen, wie deren wege­lagerische Lösegelder für eine Lis­tung in den Branchenkat­a­lo­gen. Jet­zt kön­nte man natür­lich sagen: selb­st schuld! Wenn ihr dabei sein wollte, dann zahlt

Das ist aber doch eine Denke aus dem let­zten Jahrtausend!

Warum kann jed­er den Namen eines Indie-Autoren in eine Such­mas­chine der eige­nen Wahl eingeben, die dann die Autoren­web­seite ausspuckt, der gemeine Buch­händler aber nicht?Warum kann jed­er den Namen eines Indie-Autoren in eine Such­mas­chine der eige­nen Wahl eingeben, die dann die Autoren­web­seite ausspuckt, der gemeine Buch­händler aber nicht? Weil das außer­halb der bekan­nten Abwick­lungs-Work­flows ist? Das kann keine Ausrede sein. Wichtig sollte es doch sein, den Kun­den, der genau dieses Buch möchte, zufrieden­zustellen. Denn eins ist klar: bekommt der Leser das Buch beim Buch­händler nicht, bei Ama­zon kann er es garantiert kaufen, inklu­sive kosten­los­er Zustel­lung am näch­sten Tag und ohne längliche Diskus­sion, dass es das Buch ange­blich gar nicht gibt.

Espresso Print On Demand-Maschine
Espres­so Print On Demand-Mas­chine

Der Buch­han­del muss sich von den Spin­nweben im Kopf lösen, muss die Möglichkeit­en der mod­er­nen Kom­mu­nika­tion und Infor­ma­tion­stech­nolo­gie endlich nutzen, wie das der größte Teil der Gesellschaft heute tut, weil es eben so ver­dammt ein­fach ist. Muss vorgestrige elitäre Standes­dünkel able­gen (wobei sie das mit dem Vertick­en von Roman­ta­sy-Schmonzetten oder 50 Schat­tierun­gen von irgendwelchen Far­ben ohne­hin schon lange getan haben). Was ist so schw­er daran, auch die Büch­er von Indie-Autoren zu verkaufen, wenn die Kun­den sie haben wollen? Klar, der Aufwand ist etwas größer, als mal eben in den Stan­dard-Kat­a­log zu klick­en und nichts weit­er tun zu müssen, weil der Zwis­chen­händler dafür sorgt, dass der Schinken mor­gen im Regal liegt. Vielle­icht muss man den Indie mal anrufen, oder ihm eine  Email schreiben. Und der Ver­sand dauert sich­er auch länger. Aber der Aufwand lohnt sich doch, weil man damit Ama­zon Anteile abnehmen kön­nte und vor allem wieder im Anse­hen der Kun­den und der Indie-Autoren deut­lich steigt.

Alle hät­ten gewon­nen, Autoren, Leser und Buch­händlerWenn ein­er der Zwis­chen­händler schlau wäre, würde er einen ähn­lich attrak­tiv­en (in jeglich­er Hin­sicht, also auch ger­ade in Sachen Recht­es­parsamkeit) Print On Demand-Ser­vice schaf­fen, wie CreateSpace/Amazon es ist, der es aber ermöglicht, die Büch­er über den Buch­han­del bestellen zu kön­nen. Alle hät­ten gewon­nen, Autoren, Leser und Buch­händler, weil Ama­zon nicht mehr der einzige brauch­bare Anbi­eter wäre.

Doch solange diese Branche tief im Gestern gefan­gen ist und lieber nach geset­zlichem Fes­tk­lopfen der fürs Inter­net­zeital­ter nicht mehr passenden fos­silen Vorge­hensweisen und Gegeben­heit­en ruft, wird daraus ver­mut­lich nichts wer­den.

Liebe Buch­händler: Pro­biert es doch ein­fach mal. Sucht im Inter­net nach dem Autoren, dessen Print­buch der Kunde haben möchte, wenn ihr das in euren okkul­ten Kat­a­lo­gen nicht find­et. Ruft ihn an, schickt ihr eine Email. Die senden euch das Buch bes­timmt sehr gern und so schnell es geht. Auf Wun­sch sog­ar mit Wid­mung, ver­sucht das mal bei einem Ver­lag oder Zwis­chen­händler.

Liebe Indie-Autoren: Hal­tet die Kon­tak­t­in­for­ma­tio­nen auf euren Web­seit­en aktuell und nachvol­lziehbar und antwortet schnell, wenn ein Buch­händler anfragt.

Liebe Leser: Fragt beim Buch­händler eur­er Wahl nach Büch­ern von Inde­pen­dent-Autoren (und Klein­ver­la­gen). Je mehr von euch das tun, desto schneller wird es sich in den Köpfen fest­set­zen, dass man die ohne Standes­dünkel anbi­eten muss.

Doch solange der Buch­han­del die Indie-Autoren durch Ignori­eren noch viel schlim­mer benachteiligt (und damit kom­men wir zum Titel dieses Artikels), als Ama­zon das durch Liefer­verzögerun­gen mit Ver­lags­gi­gan­ten tut, wird sich nichts verbessern. Denkt mal drüber nach.

p.s.: Ich hör schon die üblichen »Argu­mente«: »Aber … aber … das geht doch nicht … wir kön­nen doch nicht auf ein­mal alles anders … die Struk­turen … der Zwis­chen­han­del … das haben wir noch nie so gemacht …«

Creative Commons License

Abbil­dun­gen:
»Sow­jetis­ches Buch«, aus Wiki­me­dia Com­mons, Urhe­ber Bun­de­sarchiv, CC BY
Espres­so Print On Demand-Mas­chine: Pix­abay, CC 0
Kugelschreiber: Pix­abay, CC 0
Warn­ing: Pix­abay, CC 0

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

15 Kommentare for “Buchhandel und Selfpublishing: Wer benachteiligt hier eigentlich wen?”

Bandit

sagt:

-
… und früher war sowieso alles bess­er …
-
Danke, für diese Aus­führun­gen, die den Nagel wieder ein­mal genau auf dem Schädel erwis­cht haben.

sagt:

Lei­der über­sieht der Kom­men­ta­tor sci­fi­watch­man in sein­er Rep­lik, dass ich bere­its diverse Artikel zu diesem The­ma ver­fasst habe und beschäftigt sich nur mit diesem. Ich bin keineswegs der Ansicht, die existieren­den Struk­turen müssten in der beste­hen­den Form erhal­ten bleiben, ganz im Gegen­teil. Ich bin allerd­ings im Gegen­satz zum Kom­men­ta­tor Real­ist und weiß, dass die Branchen­struk­turen sich nicht von heute auf mor­gen über den Haufen wer­fen lassen. Ins­beson­dere deswe­gen nicht, weil die gesamte Branche zutief­st kon­ser­v­a­tiv ist und deswe­gen erhe­bliche Behar­rungskräfte herrschen.

Die Branch­en­erneuerung wird aber ver­mut­lich von ganz alleine kom­men, soll­ten die Pro­tag­o­nis­ten so weit­er machen wie bish­er, als gäbe es keinen Medi­en­wan­del und kein Inter­net. Und das wird dann keine leichte Cäsur.

Merk­würdig auch der Hin­weis darauf, dass ich am Ama­zon-Part­ner­pro­gramm teil­nehme, als ob das etwas Ehren­rühriges sei (zumal er selb­st eben­falls Teil­nehmer ist). Der Kom­men­ta­tor kann ja mal ver­suchen, sich am Affil­i­atepro­gramm eines beliebi­gen Buch­han­del­spro­tag­o­nis­ten zu beteili­gen, dann wird er schnell her­aus­find­en, warum ich das nicht tue. Auch darüber habe ich übri­gens bere­its einen Artikel ver­fasst.

sagt:

Hal­lo Ste­fan,

zunächst ein­mal vie­len Dank dafür, dass Du auf meinen Beitrag hier in den Kom­mentaren einge­gan­gen bist.

Weil auch ich an Fak­ten inter­essiert bin, sind hier mal zwei: Da auch ich der Mei­n­ung bin, dass sich der Buch­han­del nicht über Nacht rev­o­lu­tion­ieren lässt, weshalb ich das auch in meinem Beitrag nir­gend­wo so geschrieben habe, bin ich genau so ein Real­ist wie Du. Außer­dem nehme ich an keinem Affil­i­ate-Pro­gramm teil. Ich weise in der Side­bar meines Blogs als „Lesetipp“ auf einen Roman hin, der mir sehr gut gefall­en hat. Der Autor hat als Self-Pub­lish­er Ama­zon als alleini­gen Ver­trieb­sweg gewählt. Gelangt jemand über meinen Blog auf die Pro­duk­t­seite des Romans und kauft ihn dort, bekomme ich dafür keinen Cent.

Unterm Strich war mir nach dem Lesen nicht voll­ständig ersichtlich, was die Inten­tion Deines Artikels war. Regt Dich das Gejam­mere der Ver­lage und des Han­dels der­art auf, dass Du ein­fach mal Dampf ablassen musstest? Dies kön­nte ich sog­ar nachvol­lziehen, doch in meinen Augen lohnt es sich nicht, wegen der Unbe­weglichkeit ander­er Leute Energie und Zeit zu ver­schwen­den. Wenn Du möcht­est, darf­st Du das natür­lich tun, denn es ist allein Deine Sache. Wenn es hinge­gen Deine Absicht war, dem Han­del nicht nur die Leviten zu lesen, son­dern auch Wege aufzuzeigen, wie es sich wan­deln und dadurch langfristig über­leben kann, dann ist das zwar ein lobenswert­er Ver­such, aber aus mein­er Sicht ein verge­blich­er. Das gedruck­te Buch wird auf abse­hbare Zeit ein Nis­chen­pro­dukt sein und die örtliche Buch­hand­lung eine Ran­der­schei­n­ung. Und zwar allein deshalb, weil der Kunde es so will. Es ist näm­lich viel prak­tis­ch­er, hun­derte Büch­er auf dem E-Book-Read­er ver­füg­bar zu haben, als sich etliche Regal­me­ter mit Totholz zu füllen. Darum wird auch kein Wan­del und kein Umdenken den Buch­han­del vor seinem Schick­sal bewahren. Du darf­st das selb­stre­dend anders sehen. Diskus­sio­nen sind ja schließlich nur span­nend, wenn es unter­schiedliche Ansicht­en gibt.

In diesem Sinne,
Watch­man

sagt:

Ich finde in Deinem Link zu Ama­zon einen Affil­i­ate-Para­me­ter fürs Part­ner­pro­gramm. Soll­test Du nicht daran teil­haben, soll­test Du vielle­icht über den ver­wen­de­ten Link nach­denken (tag=derstekankunf-21).

Ich bin ja nun wirk­lich ein großer eBook-Fan, aber das Szenario, das Du hier entwirf­st ent­behrt jed­er Grund­lage. Es ist keineswegs so, dass das Print­buch ein Aus­lauf­mod­ell ist und es ist auch nicht so, dass es in abse­hbar­er Zeit ein Nis­chen­pro­dukt sein wird. Nichts deutet darauf hin. Es wird eine Nebeneinan­der von Print- und eBook geben, wer etwas anderes behauptet, kann mir nicht erläutern, wie er darauf kommt. »Prak­tisch« hin oder her, es wird noch min­destens ein bis zwei Gen­er­a­tio­nen dauern, bis das Print­buch in Vergessen­heit versinkt, wenn über­haupt. Wer der Ansicht ist, dass das in naher Zukun­ft passiert, der hat – mit Ver­laub – kein Ahnung.

Davon abge­se­hen glaube ich auch, dass der Buch­han­del einem üblen Schick­sal ent­ge­gen geht. Aber nicht unbe­d­ingt auf­grund des eBooks. Und schon gar nicht, weil »der Kunde« es »so will«. Das ist ein Totschla­gar­gu­ment, weil es nicht wider­leg­bar ist, deswe­gen lasse ich es auch nicht gel­ten. Der Kunde will:

- gün­stige Preise
– schnelle Liefer­ung
– guten Ser­vice

Wer das kann, ist sekundär, es muss nur irgend jemand kön­nen. Im Moment kann es Ama­zon, in Zukun­ft kann das vielle­icht jemand ander­er sein. Auch der Buch­han­del, wenn es endlich einen Wan­del in der Wahrnehmung der Buch­händler gibt. Mn muss nicht bess­er alsAma­zon sein, man muss anders als Ama­zon sein. Und dazu gehört auch, die indies nicht mehr zu ignori­eren.

Wer bin ich, dem Han­del die Leviten zu lesen? Das greift auch zu kurz, denn »der Han­del« ist in der Buch­branche nicht das Prob­lem (na gut, ein wenig, weil sie so weit­er machen wie immer). Das Prob­lem ist das gesamte Kon­glom­er­at aus Ver­la­gen, Zwis­chen­han­del und Buch­han­del. Der Buch­han­del ist dabei das schwäch­ste Glied, das abseits der großen Ket­ten wenig bis kaum Ein­fluss hat. The­o­retisch über den Börsen­vere­in, aber der ist ja auch ein zahn­los­es Mon­strum, das nur brüllt, aber nie beißt (und anson­sten wie ein großäugiges Kind staunend vor dem gigan­tis­chen zirkus »Inter­net« ste­ht, und keine Ahnung hat, was das ist).

Ich kann meine Mei­n­ung zu diesem The­menkom­plex sagen. Sich­er. Das tue ich hier auch, immer wieder, in zahllosen Facetten. Such mal nach den Artikeln und den Kom­mentaren, in denen ich von Buch­händlern oder Autoren ange­gan­gen wurde. Fakt ist aber: ich habe nichts gegen Buch­händler. Die haben mich in den ersten 25 Jahren meiens Lebens ganz gut ver­sorgt (jet­zt bin ich fast dop­pelt so alt). Wenn ich meinen Leses­toff heute als eBook kaufen und einem coolen Buch­händler gutschreiben kön­nte, würde ich das nutzen, denn verödete Innen­städte nutzen auch keinem (lei­der kenne ich keinen coolen Buch­händler – der let­zte war ein Comichändler). Lei­der sehe ich noch nicht mal den Ansatz eines Umdenkens in der Branche – und das wird ihr das Genick brechen, nicht Ama­zon, Apple oder Google.

»Energie und Zeit ver­schwen­den«? Zeit in der man Spaß hat ist nie ver­schwen­det. :)

Abschließend: es ging gar nicht um Print- oder eBook, das The­ma war ein ganz anderes. Näm­lich dass die klas­sis­che Branche die Self­pub­lish­er zu ignori­eren und auszu­gren­zen ver­sucht, statt sie mit ins Boot zu nehmen. Und das ist a) das The­ma, und b) nichts anderes als dumm.

sagt:

Ich würde ver­muten, dass das Prob­lem weniger qual­i­ta­tiv­er als vielmehr wirtschaftlich­er Natur ist und dass man zwei Fälle unter­schei­den muss:

(1.) das Besorgungs­geschäft, wenn ein Kunde mit einem konkreten Titel­wun­sch in die Buch­hand­lung kommt sowie
(2.) die Auf­nahme eines SP-Titels ins eigene Sor­ti­ment.

Um die Min­desthürde = Bestell­barkeit für das Besorgungs­geschäft zu nehmen, muss der Titel zwangsläu­fig eine ISBN besitzen, beim VLB gemeldet sein sowie an die buch­händ­lerische Infra­struk­tur angeschlossen sein. Ist dies der Fall, würde es mich sehr wun­dern, wenn nicht jed­er Buch­händler den gewün­scht­en Titel bestellen würde (alleine schon aus Grün­den des Kun­denser­vice).

Den zweit­en Fall = Auf­nahme in eigene Sor­ti­ment dürfte in der Regel aus rein wirtschaftlichen Grün­den scheit­ern, ins­beson­dere wenn bessere Kon­di­tio­nen als von »etabliert­eren« Ver­la­gen gefordert wer­den. Das ist für Einzelti­tel – Stich­wort: Transak­tion­skosten ** – schlicht nicht zu real­isieren.

Buch­hand­lun­gen nutzen in der Regel so genan­nten Bün­delun­gen über Aus­liefer­un­gen oder Großhändler = 1 Bestel­lung, 1 Liefer­ung, 1 Liefer­schein, 1 Arbeitsvor­gang, 1 Abrech­nung. Und selb­st in solchen effizien­sop­ti­mierten Fällen reichen die Mar­gen kaum zum Leben, da sich ein Buch­händler ja nicht nur selb­st ver­sor­gen muss, son­dern zusät­zlich einen Laden und Mitar­beit­er unter­hal­ten muss.

Um wirk­lich etwas an der Sit­u­a­tion ändern, wäre es vielle­icht eine Über­legung, eine gemein­same Ver­mark­tungs- und Ver­trieb­s­ge­mein­schaft zu grün­den? Damit wäre allen Seit­en geholfen. PoD-Dien­stleis­ter helfen da nicht, das reicht allen­falls für die Bestell­barkeits-Hürde.

= = = = =
** zu den Transak­tion­skosten: Vere­in­facht gesagt ist die Frage, wie viel Zeit man für einen Titel investieren muss und was die eigene Zeit im Ver­hält­nis zur Han­dels­marge kostet. Ein Beispiel (ganz gle­ich ob Ver­lag oder Self­pu­bish­er):
– Kom­muninka­tion mit dem Anbi­eter
– Infor­ma­tion über den Titel (Waschzettel / Leseprobe)
– Bezugsweg recher­chieren + Titel bestellen
– Bestel­lung aus­pack­en
– Liefer­schein check­en und able­gen
– Titel ins Waren­wirtschaftssys­tem einpfle­gen (opti­mal: Bar­code-Scan)
– Titel präsen­tieren oder ins Regal räu­men
– Titel verkaufen (1): Verkaufs- / Beratungs­ge­spräch
– Titel verkaufen (2): Bezahlvor­gang abwick­eln
– Titel mit Anbi­eter abrech­nen
(Hor­ror = Einzel-Rech­nung + Einzel-Über­weisung)
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Wer für alle mit dem Verkauf eines Buch­es anfal­l­en­den Vorgänge unter dem Strich weniger als eine halbe Stunde braucht, ist ver­dammt schnell. Ich würde ver­muten, dass deut­lich mehr Zeit aufgewen­det wer­den muss, ins­beson­dere, da wir keine geschlossene Prozess­kette haben, son­dern zwis­chen jedem Schritt notge­drun­gen eine zeitliche Pause liegt, was wiederum zu Rei­bungsver­lus­ten führt.

Ließe man das Ganze einen Angestell­ten machen, der lediglich den Min­dest­lohn von EUR 8.– bekäme (was auf Arbeit­ge­ber­seite etwas über EUR 10.– wäre), müsste der Buchändler min­destens EUR 5.– Marge haben, allein um die Kosten für den einzel­nen Mitar­beit­er zu deck­en, wom­it für das Ladengeschäft aber noch keine Kos­ten­deck­ung erre­icht wäre.

D.h. unter dem Strich bedeutet jede Beschäf­ti­gung mit einzel­nen Titeln, egal ob von Ver­lags- oder Self­pub­lish­er­seite einen dick­en Ver­lust, den sich kein Buch­händler leis­ten kann, wenn er nicht in die Insol­venz schlit­tern will.

Rentabel wird das Ganze nur, wenn man Skalen­ef­fek­te (ins­beson­dere über Bün­delung und Best­seller-Geschäft) nutzen kann – da bilden Buch­händler im Wirtschaft­sleben lei­der keine Aus­nahme.

sagt:

Um die Min­dest­hürde = Be­stell­bar­keit für das Be­sor­gungs­ge­schäft zu neh­men, muss der Ti­tel zwangs­läu­fig eine ISBN be­sit­zen, beim VLB ge­mel­det sein so­wie an die buch­händ­le­ri­sche In­fra­struk­tur an­ge­schlos­sen sein.

Nein muss es nicht. Das hat sich in den Köpfen der Buch­händler fest­ge­set­zt und genau das ist eins der Kern­prob­leme. Die Kosten für eine VLB-Lis­tung sind grotesk hoch und nicht zu begrün­den. Und wie mir ver­schiedene Klein­ver­lage erk­lärt haben, kön­nen ihre Büch­er trotz­dem nicht gefun­den wer­den. Diese ural­ten Branchen­rituale müssen weg, oder zumin­d­est dür­fen sie nicht mehr alter­na­tiv­los sein, son­st kauft der Kunde ander­swo.

ISBN und VLB sind Relik­te. Wer darauf behar­rt, muss sich nicht wun­dern, wenn bei Ama­zon bestellt wird.

Was ist rentabler? Wenn der Kunde bei einem selb­st kauft und weil er zufrieden ist dann wiederkommt, oder wenn man ihn an Ama­zon ver­liert? Mit »das geht nicht, das kön­nen wir nicht, das haben wir noch nie so gemacht« hat sich die Branche in die derzeit­ige Sit­u­a­tion manövri­ert. Ein­fach so weit­er zu machen wie bish­er löst die Prob­leme nicht. Die Mitar­beit­er ste­hen eh im Laden rum und haben defin­i­tiv nicht ständig zu tun, da kön­nen sie auch mal eine Bestel­lung abwick­eln, wie sie im gesamten restlichen Einzel­han­del möglich ist.

sagt:

»Die Kos­ten für eine VLB-Lis­tung sind gro­tesk hoch«

Das Argu­ment würde ich ver­ste­hen, wenn wir beispiel­sweise in den USA lebten, wo eine einzelne ISBN sage und schrieben $ 125.– kostet. Da sind hierzu­lande selb­st die kom­binierten Kosten von ISBN + VLB deut­lich gün­stiger.

»ISBN und VLB sind Re­likte. Wer dar­auf be­harrt, muss sich nicht wun­dern, wenn bei Ama­zon be­stellt wird.«

Auch das möchte ich so nicht ste­hen lassen – sicher­lich kann man über das VLB in sein­er aktuellen Form stre­it­en, da es in der Tat nicht mehr zeit­gemäß ist und dehalb auch ger­ade eine Gen­er­alüber­hol­ung erfährt.

Die ISBN hinge­gen ist, wie der Name schon sagt, eine INTERNATIONALE Stan­dard Book Num­ber, d.h. der weltweite Buch­han­del basiert auf diesem gemein­samen Iden­ti­fizierungssys­tem. Ohne ISBN würde selb­st bei Ama­zon nichts laufen (ich weiß, dass sie in ihrem Self­pub­lish­ing-Berere­ich Aus­nah­men machen, aber dafür gibt es die Titel dann auch nur bei Ama­zon).

Jede Brac­n­he benötigt ein Sys­tem zur ein­deuti­gen Iden­ti­fizierung von Waren – für die Buch­branche ist (und bleibt) das die ISBN.

Und wer seine Titel sauber einpflegt, der wird auch gefun­den, selb­st als Kle­in­stver­lag. Wer die Ver­legerei allerd­ings wirk­lich pro­fes­sionell btreiben möchte, wird nicht umhin kom­men, sich auch eine pro­fes­sionelle Aus­liefer­ung zu suchen sowie seine Titel bei den Bar­sor­ti­menten = den Großhändlern der Brac­n­he lis­ten zu lassen.

In der Regel auchen Buch­händler näm­lich zuerst im Kat­a­log ihres Bar­sor­ti­ments und erst wenn der Titel darüber nicht liefer­bar ist, wird er über die Aus­liefer­ung bestellt, was dann eben nicht einen Tag (wie über den Großhändler) dauert, son­dern 3–4 Tage.

Wer aber nicht über den Großhan­del gelis­tet ist und auch keine ein­deutig iden­ti­fizier­bare Aus­liefer­ung hat, der wird in der Tat schlecht oder auch gar nicht gefun­den.

sagt:

Ich gehe darauf jet­zt nicht detail­liert ein, aber ich antworte: nein! Man muss sich den überkomme­nen Tra­di­tio­nen der Buch­branche auf gar keinen Fall unter­w­er­fen. Dieses Behar­ren auf alten Struk­turen ist ein Teil des Prob­lems, Ama­zon hat die näm­lich bis auf die ISBN ein­fach ignori­ert.

Und wer seine Ti­tel sau­ber ein­pflegt, der wird auch ge­fun­den, selb­st als Kleinst­ver­lag.

Das ist falsch. ich kenne genug Klein­ver­leger, die mir was anderes erzählen – und die sind garantiert nicht alle zu dumm. Diese Fix­ierung auf den Großhan­del, der zudem auch noch massen­weise Büch­er ein­fach aus dem Kat­a­log wirft (siehe lib­ri) ist eines der großen Prob­leme der Branche.

Den Sta­tus Quo zu erhal­ten wird dazu führen, dass Ama­zon noch mehr Macht und Anteile erlangt. Wer nicht sieht, dass das grundle­gend über­ar­beit­et gehört, der klam­mert sich an ein unterge­hen­des Schiff. Buch­händler, sie nicht in der Lage sind, eine Such­mas­chine zu bedi­enen, wer­den unterge­hen.

Ach ja:

Eine Einzel-ISBN kostet 90,98 € inklu­sive MwSt. und Ver­sand­kosten. Voraus­set­zung: Ihr Wohn­sitz bzw. Geschäftssitz befind­et sich in Deutsch­land.

Quelle: http://www.german-isbn.org/isbn_start_text.html/10012/

Ver­sand­kosten??? Was für Ver­sand­kosten? Der oben genan­nte Preis von 125 USD wären übri­gens derzeit umgerech­net 93.56 Euro … Was ist da »deut­lich gün­stiger«?

sagt:

»Buch­händ­ler, die nicht in der Lage sind, eine Such­ma­schine zu be­die­nen, wer­den unterge­hen.«

Da gebe ich Ihnen abso­lut Recht. Das Prob­lem ist aber nicht die Bedi­enung ein­er Such­ma­chine, son­dern automa­tisierte Schnittstellen und etablierte Prozesse.

Genau­so wie es Ama­zon seinen Kun­den ein­fach macht, mit einem Klick zu bestellen, leis­ten das das VLB und die Großhändler für die Branche, d.h. etablierte Bestell- und Abwick­lung­sprozesse inklu­sive Logis­tik, Waren­wirtschaft, Rech­nugsle­gung und Buch­hal­tung.

Jede Branche hat ihre eige­nen Sys­teme und Gepflo­gen­heit­en, die den Geschäftsverkehr untere­inan­der ein­fach­er, schneller, effizien­ter und nicht zulet­zt rechtssich­er machen – weil man untere­inan­der Verträge und Vere­in­barun­gen hat, die jed­er ken­nt und akzep­tiert.

Ohne ektro­n­is­che Kassen­sys­teme mit angeschlossen­er Waren­wirtschaft sowie einen voll com­put­ergestützten Arbeitsablauf (mit den entsprechen­den Pro­gram­men, Schnittstellen und Sys­te­men) würde heute kein Betrieb funk­tion­ieren, in kein­er Branche. Und dafür braucht es verbindliche Stan­dards, nicht Google.

sagt:

Und da­für braucht es ver­bind­li­che Stan­dards, nicht Google.

Dann der Branche weit­er­hin viel Erfolg mit den verbindlichen Stan­dards. Wohin das führt, sehe wir ja ger­ade. Und ich ver­weise auf die Kom­mentare weit­er oben, in denen sich ein Buch­händler meldet und darauf hin­weist, dass es mit ein klein wenig Aufwand auch ohne geht. Solche Buch­händler haben eine Chance.
Der Rest sind pure Ausre­den ein­er erstar­rten Branche. Das mag so vielle­icht für eine Kette gel­ten, der sprich­wörtliche »kleine Buch­händler« sollte die Flex­i­bil­ität besitzen (und hat sie offen­bar auch, siehe oben), seinen Kun­den auch ohne »verbindliche Stan­dards« zu bedi­enen. Es ver­langt ja nie­mand, die »verbindlichen Stan­dards« aufzugeben. Es muss aber zusät­zlich auch ohne gehen. Wenn man das nicht will, ist es das eigene Prob­lem.

»Google« ist übri­gens ein gutes Stich­wort. Die verkaufen auch Büch­er. Ohne »branchenübliche, verbindliche Stan­dards«.

p.s.: bloss, gut, dass man auf dem Markt oder beim Bauern immer noch Äpfel ohne EAN-Num­mer kaufen kann. Äpfel != Bir­nen? Mag sein …

Pierre Bachofner

sagt:

Bin erst heute auf diese Beiträge gestossen (über einen Ver­weis im »Schweiz­er Buch­han­del« vom August). Bin über 70 und war mein halbes Leben im Buch­han­del tätig (Laden, Vertrieb/Vertretung, Ver­lag). Gewiss eine kon­ser­v­a­tive Branche (wenn denn kon­ser­v­a­tiv nur was Neg­a­tives wäre…). Hab am Schluss tageweise in ein­er Klein­buch­hand­lung gear­beit­et, die sich dur­chaus auch um Texte bemüht, die ausser­halb des klas­sis­chen Buch­sys­tems erscheinen. Und ich hab bald über­fordert aufgegeben, weil mir die Buch­ladenar­beit (war vorher Buch-Vertreter) viel zu aufwendig und kom­pliziert war.
Wenn nun diese Struk­turen ver­schwinden, wie komme ich dann an mich inter­essierende Texte (die auch in Stil und Sprache geniess­bar sind)?
Verlage/Buchhandlungen sind/waren Fil­ter, deren Auswahl auf einem sehr weit­en Begriff von interessant/lesenswert beruht­en. Da ist bes­timmt sehr vieles nicht pub­liziert wor­den, was es vielle­icht doch wert gewe­sen wäre (und es geht vieles durch den Fil­ter, das in meinen Augen nicht wert ist, auf Papi­er gedruckt oder im e-book veröf­fentlicht zu wer­den). Wenn diese Fil­ter ver­schwinden (ich kenn viele der an diesem Sys­tem beteiligten Men­schen direkt oder indi­rekt und kann deren Urteil einord­nen), wie finde ich mich in Wust der im Netz kur­sieren­den Texte zurecht? Da gibt’s dann entsprechende Por­tale (?)
die diese Fil­ter­funk­tion haben. Ist das so viel anders als vorher? Und noch was: in den Ver­la­gen arbei(te)ten Lek­torIn­nen, die die Texte les­bar­er gemacht haben (ich habe hun­derte von unlek­to­ri­erten Tex­ten gele­sen…).
Vielle­icht ist diese Bemerkung über­flüs­sig: Ein schön gemacht­es Buch ist was vom toll­sten, das es gibt, ein Bild­schirm (als solch­er) immer gle­ich lang­weilig.

sagt:

In meinen Augen ist Kon­ser­v­a­tiv dur­chaus nichts Pos­i­tives, ins­beson­dere dann, wenn es ver­bohrtes Ver­har­ren bei Altem bedeutet.

Um an les­bare Texte zu kom­men, kann man prob­lem­los die gigan­tis­che Ressource Inter­net ver­wen­den. Auch ohne Vorschlagssys­teme.

Ver­lage sind Fil­ter, die vor allem das verkaufen wollen, was ihnen (ver­meintlich) Geld ein­bringt. Und die dabei häu­fig falsch liegen. Um irgen­deine Kul­tur geht es doch schon lange nicht mehr. Im Web gibt es unge­filterte Mei­n­un­gen zu fast allem, so dass man sich ein Bild machen kann, auch ohne irgendwelche »Por­tale«, mit denen ver­mut­lich Online­händler gemeint sind – dann ist die Begrif­flichkeit falsch.

Das mit dem Bild­schirm und der Totholz-Fetis­chis­mus wer­den sich inner­halb ein­er Gen­er­a­tion erledigt haben. Ich per­sön­lich finde Büch­er immer öfter anstren­gend, weil sie uner­gonomisch und unbe­quem sind. Wichtig ist der Text, der auch beim eBook ansprechend auf­bere­it­et wer­den kann. Außer­dem ist Bild­schirm nicht gle­ich Bild­schirm. Schon bei den ersten Gen­er­a­tio­nen eInk-Dis­plays war das Leseer­leb­nis wie bei einem Buch, und die neuen Geräte sind sog­ar noch deut­lich bess­er. Ich habe bish­er jeden Senior, dem ich einen eRead­er demon­stri­ert habe, inner­halb kürzester Zeit überzeugt. Sog­ar solche, die nicht tech­nikaf­fin sind.

Zum Abschluss: Ich habe lange im Einzel­han­del gear­beit­et. Wenn da ein Kunde etwas haben will, dann wird das bestellt, im Zweifels­fall auch direkt beim Her­steller. Ist VÖLLIG nor­mal. Dass Buch­händler der­art zick­en und Büch­er nicht beschaf­fen wollen, weil der Aufwand ange­blich zu hoch ist, zeigt, in welch­er abgeschlosse­nen Traumwelt die leben. Wer so agiert muss sich nicht wun­dern, wenn die Kun­den abwan­dern. Und mein Mitleid hält sich dann auch in Gren­zen.

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