Tolino-Allianz: Neues eBook-Abo – wir haben gelacht

Tolino-Allianz: Neues eBook-Abo – wir haben gelacht

Es war ja schon ab­zu­se­hen, dass die Buch­mes­se wie­der für Ge­läch­ter über die Buch­bran­che füh­ren wür­de. Und so ist es na­tür­lich auch.

Die To­li­no-Al­li­anz fei­ert heu­te mit viel Pres­se-Tam­tam und ei­ner Vor­stel­lung in Frank­furt ihr tol­les, neu­es eBook-Abo ab. Als be­son­ders vor­teil­haft he­ben sie her­vor, dass es sich um eine »re­du­zier­te Aus­wahl« han­delt, und fa­seln von »Klas­se statt Mas­se«. Ernst­haft.

Für ei­nen Preis von fast zehn Euro im Mo­nat darf man »frei« aus 40 Ti­teln der Gen­res »Ro­ma­ne & Er­zäh­lun­gen«, »Kri­mis & Thril­ler«, »Fan­ta­sy & Sci­ence Fic­tion« und »Lie­bes­ro­ma­ne & Ero­tik« wäh­len. Da­mit wir uns kor­rekt ver­ste­hen: Nicht 40 Ti­tel pro Gen­re, son­dern ins­ge­samt. Die Aus­wahl wech­selt mo­nat­lich.

An­ge­sichts sol­cher Knül­ler der Kon­kur­renz ha­ben die Ver­ant­wort­li­chen bei Ama­zon ga­ran­tiert ge­ra­de wie­der ei­nen Zwerch­fell­krampf vom La­chen …

Wer dem gran­dio­sen An­ge­bot nicht wi­der­ste­hen kann, darf das Abo ab heu­te bei To­li­no ab­schlie­ßen, es ist mo­nat­lich künd­bar. Die ak­tu­el­len Ti­tel sind eher äl­te­re Schin­ken.

[Up­date:] Was ich über­sah: Es ist noch viel gei­ler: Man darf im Rah­men des Abos mo­nat­lich ma­xi­mal vier eBooks aus­lei­hen. HA­H­A­HA! (Dank an Fal­ko Löff­ler, der mich auf den Punkt hin­wies).

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Unfassbar: Deutsche eBooks DRM-frei – außer bei Tolino

Unfassbar: Deutsche eBooks DRM-frei – außer bei Tolino

TolinoWas sich wie ein schlech­ter Witz an­hört, ist lei­der Rea­li­tät. In­zwi­schen sind alle gro­ßen deut­schen Ver­lags­häu­ser da­von ab­ge­kom­men, ihre eBooks mit dem kun­den­feind­li­chen und äu­ßerst un­er­go­no­mi­schen Ado­be DRM zu ver­seu­chen. Ei­gent­lich ein Grund, sich zu freu­en. Al­ler­dings nicht für Nut­zer ei­nes Le­se­ge­rä­tes mit der Be­zeich­nung To­li­no, denn in des­sen Shop sind trotz der Ab­kehr nach wie vor alle eBooks mit dem Ko­pier­schutz ver­se­hen.

Wie kann das sein?

Das von den To­li­no-An­bie­tern ein­ge­bau­te Was­ser­zei­chen ist nach An­sicht der Bran­che zu of­fen­sicht­lich und da­mit zu leicht zu ent­fer­nen, des­we­gen wei­gern sich Ver­la­ge aus Angst vor Raub­ko­pi­en, ihre eBooks ohne DRM an­zu­bie­ten. Bis­her war man bei To­li­no of­fen­bar noch nicht in der Lage, ein Ver­fah­ren an­zu­bie­ten, das die Chef­eta­gen der pa­ra­noi­den Ver­la­ge zu­frie­den­stel­len konn­te. An­geb­lich ar­bei­tet man aber dar­an.

Das ist na­tür­lich al­les ein ziem­lich schlech­ter Witz und man muss sich dar­über im Kla­ren sein, dass die Ver­la­ge auch mit der Nut­zung von Was­ser­zei­chen alle zah­len­den Kun­den un­ter den Ge­ne­ral­ver­dacht stel­len, ihre ge­kauf­ten eBooks an Drit­te wei­ter­zu­ge­ben. Da­bei rei­chen ih­nen die im­ple­men­tier­ten Sy­ste­me noch nicht mal aus. Die wer­den sich um­gucken, wenn auch ver­meint­lich si­che­re Was­ser­zei­chen im Hand­um­dre­hen ent­fernt wer­den kön­nen. Of­fen ist auch nach wie vor noch, wie sie im Fall der Fäl­le be­wei­sen wol­len, dass der Kun­de selbst das eBook in Tausch­bör­sen ge­stellt hat.

Man kann To­li­no-Nut­zern ei­gent­lich nur ra­ten, bei Händ­lern ab­seits der To­li­no-Al­li­anz zu kau­fen, die tat­säch­lich auf har­tes DRM ver­zeich­ten, bei­spiels­wei­se bei Osi­an­der. Denn auch de­ren Bü­cher im ePub-For­mat kann man selbst­ver­ständ­lich auf das Le­se­ge­rät wer­fen. Al­ler­dings ist auch Osi­an­der ab Ok­to­ber To­li­no-Part­ner. Ob die dann auch nur noch mit har­tem DRM aus­lie­fern?

Wei­ter­hin ver­su­chen deut­sche Ver­la­ge mit al­ler Kraft, eBooks un­at­trak­tiv zu ma­chen.

Bild To­lino von Wo­sch21149, aus der Wi­ki­pe­dia, CC-BY, be­ar­bei­tet von mir. Quel­le un­ter an­de­rem: lesen.net

 

tolino-media.de ist online – irgendwie

tolino-media.de ist online – irgendwie

Logo Tolino MediaIch hat­te hier über tolino-media.de, die Self­pu­blisher-Platt­form, der To­li­no-Al­li­anz be­rich­tet. Die scheint nun on­line zu sein, auch wenn so man­ches arg »mit hei­ßer Na­del ge­strickt« wirkt. Das war üb­ri­gens der O-Ton ei­nes Mit­ar­bei­ters des Be­trei­bers auf Face­book.

Ich ver­such­te mich an­zu­mel­den, gab also mei­ne Da­ten ein und klick­te auf »ab­sen­den«. Im Brow­ser er­schien er­neut die­sel­be Sei­te, mei­ne ein­ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen wa­ren noch vor­han­den, aber sonst pas­sier­te gar nichts. Nach meh­re­ren Ver­su­chen kam ich dem auf die Spur: Die Be­trei­ber er­lau­ben of­fen­bar kei­ne Son­der­zei­chen im Pass­wort (war­um auch, wäre ja nur si­cher), wei­sen aber vor­sichts­hal­ber mal nicht dar­auf hin, da­mit es für den Nut­zer span­nend bleibt.Weiterhin ver­wen­det die Sei­te ein un­gül­ti­ges falsch ein­ge­bun­de­nes SSL-Zer­ti­fi­kat (sie­he auch Kyrs Kom­men­tar wei­ter un­ten), dar­auf weist der Brow­ser beim Auf­ru­fen hin. Sehr ver­trau­en­er­weckend. Wenn die ein­fach­sten Din­ge schon nicht klap­pen, habe ich arge Be­den­ken hin­sicht­lich des Funk­tio­nie­rens der rest­li­chen Platt­form.

In mei­nen Au­gen aber höchst be­denk­lich ist, dass es kei­ner­lei AGB hin­sicht­lich vom Nut­zer hoch­ge­la­de­ner eBooks gibt. Die auf der Sei­te ver­link­ten Nut­zungs­be­din­gun­gen be­fas­sen sich aus­schließ­lich mit der Nut­zung der Web­sei­te. Rechts­si­che­re Hin­wei­se dazu, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen man sei­ne Wer­ke hoch­lädt, feh­len voll­stän­dig (oder ich habe sie trotz in­ten­si­ver Su­che nicht ge­fun­den). Mir per­sön­lich wäre es des­we­gen der­zeit viel zu ge­fähr­lich, dort eBooks hoch­zu­la­den, denn man weiß nicht, wel­chen Re­geln man sich da­mit un­ter­wirft.

p. s.: Nach wie vor wird da­mit ge­wor­ben, dass das Ein­stel­len der Bü­cher ko­sten­frei ist. Al­ler­dings nur bis Jah­res­be­ginn 2016. Da das im­mer wie­der so be­tont wird, wür­de ich da­von aus­ge­hen, dass ab die­sem Zeit­punkt da­für ein Obo­lus er­ho­ben wird, zu­sätz­lich zu den 30% die to­li­no me­dia oh­ne­hin be­reits er­hält. Mög­li­cher­wei­se wer­den et­li­che Self­pu­blisher dann die­se zu­sätz­li­chen Ko­sten zäh­ne­knir­schend auf sich neh­men, um in den an­ge­schlos­se­nen Shops prä­sent zu blei­ben. Trans­pa­renz und au­to­ren­freund­li­ches Ver­hal­ten sieht in mei­nen Au­gen je­doch an­ders aus. Wenn man ab An­fang 2016 mehr neh­men möch­te, könn­te man das ein­fach mal ganz ehr­lich sa­gen, statt sich um die Ant­wort her­um zu la­vie­ren.

p. p. s. (29.04.2015): Nut­zer be­rich­ten von mas­si­ven Pro­ble­men bei der Nut­zung und beim Hoch­la­den, wenn man an­de­re Brow­ser als den In­ter­net Ex­plo­rer be­nutzt, also bei­spiels­wei­se Fire­fox. Tja, so­was kommt da­bei raus, wenn man Sei­ten nicht mit meh­re­ren Brow­sern te­stet. Mir scheint aber oh­ne­hin, dass kein um­fang­rei­cher Test der Platt­form statt­ge­fun­den hat. Auf­grund der of­fen­sicht­li­chen Pro­ble­me schon bei Klei­nig­kei­ten ma­che ich mir ernst­ha­fe Sor­gen über das Si­cher­heits­kon­zept. Wie lan­ge mag es dau­ern, bis das Sy­stem von In­ter­net­kri­mi­nel­len ge­hackt wird und die Nut­zer­da­ten ab­ge­grif­fen wer­den?

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Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Screenhsot BuchreportWas die Über­schrift uns sa­gen soll? Das habe ich mich auch ge­fragt. Der Buch­re­port schrieb in ei­nem Ar­ti­kel mit dem Ti­tel AN­GRIFF AUF AMA­ZON wört­lich:

Der To­li­no-Ver­bund schiebt Ende April ein ei­ge­nes Self­pu­bli­shing-Por­tal.

Wei­ter heißt es (Her­vor­he­bun­gen von mir):

Dort kön­nen Au­to­ren kön­nen ei­ge­ne E-Books er­stel­len und ver­kau­fen.

Dem Ar­ti­kel zu­fol­ge sol­len die Kon­di­tio­nen zu­min­dest was die Tan­tie­men an­geht so sein wie bei Ama­zon, näm­lich 70% für den Self­pu­blisher.

Auch wenn es zu be­grü­ßen ist, dass sich eine Platt­form ne­ben Ama­zon bil­det, möge man mir ver­zei­hen, wenn ich skep­tisch bin. Hin­ter tolino-media.de ste­hen Welt­bild, Hu­gen­du­bel, Ber­tels­mann, Tha­lia und Li­bri, »und an­de­re«, also An­bie­ter, die tief und fest in der Buch­bran­che mit ih­ren ur­alten Ri­ten ver­an­kert sind. Man wird die Nut­zungs­be­din­gun­gen ab­war­ten müs­sen, um zu se­hen, ob sich die Ver­lags­ab­le­ger wie­der (wie im­mer) un­mä­ßi­ge Nut­zungs­rech­te ein­räu­men wol­len – ich gehe da­von aus, dass es so sein wird. Ama­zon räumt sich gar nichts ein, nur das Recht, die eBooks ver­kau­fen zu dür­fen.

Zu­dem geht es of­fen­bar nur um eBooks, via Ama­zon kann man auf ver­gleichs­wei­se ein­fa­che Art und Wei­se auch Print­bü­cher an­bie­ten.

Ende April wis­sen wir mehr, falls sie den Ter­min tat­säch­lich ein­hal­ten.

[Up­date 11:25 Uhr:] Er­gän­zen­de In­for­ma­tio­nen bei Mat­thi­as Mat­ting. Da heißt es so­gar, dass die Self­pu­bli­shing-Bü­cher »in den Re­ga­len der Buch­händ­ler ste­hen sol­len« und es ISB­Ns ko­sten­los dazu ge­ben wird.

Screen­shot Buch­re­port Co­py­right Buch­re­port, Il­lu­stra­ti­on Co­py­right To­li­no Me­dia GmbH

Tolino bleibt elitär – Buchhandel ist raus

Tolino bleibt elitär – Buchhandel ist raus

TolinoDa hat­te sich die »To­li­no-Al­li­anz« mit ih­rer neu­en Rei­he von eRe­adern laut und deut­lich und mit viel Wer­be-Tam­tam als die groß­ar­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zu Ama­zons Kind­le prä­sen­tiert. Das kam in der Buch­bran­che na­tür­lich gut an, denn die sieht den On­line­ver­käu­fer aus den USA nicht zu Un­recht als den ganz gro­ßen Kon­kur­ren­ten und ver­passt kei­ne Ge­le­gen­heit, Ama­zon und Jeff Be­zos als die Ur­bö­sen dar­zu­stel­len. Die Hoff­nung lag also auf dem To­li­no in sei­nen ver­schie­de­nen In­kar­na­tio­nen als eRe­ader und neu­er­dings auch Ta­blet.

Doch nun muss der sta­tio­nä­re Buch­han­del fest­stel­len, dass man sich zu früh ge­freut hat und die To­li­no-Al­li­anz (be­stehend aus den Schwer­ge­wich­ten Tha­lia, Welt­bild, Hu­gen­du­bel, Club Ber­tels­mann und Te­le­kom) auch nicht bes­ser ist, denn die Ge­sprä­che, um die To­li­nos als die eRea­ding-Platt­form auch für den Buch­han­del ab­seits der Groß­kop­fer­ten Al­li­anz­ler zu eta­blie­ren, sind ge­schei­tert.

Eine ge­nann­te Be­grün­dung lau­tet:

»wirt­schaft­lich nicht trag­fä­hig«

Das be­deu­tet: die von der To­li­no-Al­li­anz ein­ge­räum­ten Kon­di­tio­nen wa­ren zu schlecht für die Buch­händ­ler, die Mar­gen mi­se­ra­bel. Wo da jetzt die deut­li­che Ver­bes­se­rung ge­gen­über Ama­zon sein soll, er­schließt sich mir ehr­lich ge­sagt über­haupt nicht. Ob nun der eine oder der an­de­re Qua­si-Mo­no­po­list, sie wer­den im­mer die Vor­ga­ben dik­tie­ren. An­geb­lich sol­len das To­li­no-Im­pe­ri­um (passt viel bes­ser als »Al­li­anz«) so­gar ge­for­dert ha­ben, dass man ne­ben ih­rem Pro­dukt kei­ne an­de­ren eRe­ader ver­kau­fen darf. Un­fass­bar.

Das Pro­blem ist aber er­neut: der Buch­han­del hat wie­der ein­mal auf ei­nen neu­en Mes­si­as ge­war­tet und wie­der ein­mal hat sich der als Po­panz her­aus ge­stellt. Die­se Blau­äu­gig­keit ist in ih­rer Hilf­lo­sig­keit fast schon nied­lich. MVB und Bör­sen­ver­ein tä­ten gut dar­an, zu­sam­men mit dem Buch­han­del end­lich ein ei­ge­nes Sy­stem zu in­stal­lie­ren (das ge­rä­te­un­ab­hän­gig ist), statt sich dar­auf zu ver­las­sen, dass Drit­te das schon ma­chen wer­den. Denn Drit­te wol­len auch nur so viel wie mög­lich ver­die­nen.

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Bild To­li­no Shi­ne von Wo­sch21149, aus der Wi­ki­pe­dia, CC BY, Be­ar­bei­tung von mir