Mimimi! – oder »Der Wert des geschriebenen Wortes«

Mimimi! – oder »Der Wert des geschriebenen Wortes«

Das Wort zum Sams­tag

Ak­tu­ell sehe ich wie­der ver­mehrt Jam­mer­posts von Self­pu­blishe­rIn­nen auf Face­book, die laut­stark ver­kün­den nie­mals (!!einself!!!1!) eBooks für 99 Cent ver­kau­fen zu wol­len. Der Wort­laut ist grob wie folgt:

»Mimi­mi! Ich wer­de mein eBook nicht für 99 Cent an­bie­ten! Es steckt doch so viel Herz­blut drin!!!einself! Wo bleibt denn da ’der Wert des ge­schrie­be­nen Wor­tes’?«

Dazu ei­ni­ge An­mer­kun­gen:

1.: Wer­be­ak­tio­nen sind ge­nau das: Wer­be­ak­tio­nen. Man kann tau­sen­de Eu­ro­nen aus­ge­ben, um eine An­zei­ge in ir­gend­ei­nem Kä­se­blatt zu schal­ten, die dann kei­ner sieht – oder die kei­nen in­ter­es­siert. Oder man ver­sucht eben durch eine Wer­be­ak­ti­on Sicht­bar­keit her­zu­stel­len. Die Dif­fe­renz zum üb­li­chen Ver­kaufs­preis ist dann eine ganz nor­ma­le Wer­be­in­ve­sti­ti­on, die kei­nes­wegs den ei­gent­li­chen Wert des Bu­ches ver­rin­gert.

2.: Wenn das eBook nicht ge­kauft wird, dann ist es völ­lig egal was es ko­stet: Was ist dann der »Wert des ge­schrie­be­nen Wor­tes«?

3.: Wenn das eBook den Um­fang ei­nes Hef­t­romans hat, kann 99 Cent ein durch­aus an­ge­mes­se­ner Preis sein.

4.: Schnell her­un­ter ge­schrie­be­ner Mas­sen­sch­monz ist viel­leicht auch nur 99 Cent wert, und das ist dann mög­li­cher­wei­se auch sinn­voll, wenn er sich da­für viel öf­ter ver­kauft als für 4,99 Eu­ro­nen.

5.: Wenn du dein eBook nicht für 99 Cent ver­kau­fen möch­test, dann ist das selbst­ver­ständ­lich dei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dung. Pri­ma, mach es so! Aber war­um uns des­we­gen stän­dig lan­ge voll­tex­ten?

6.: »Der Wert des ge­schrie­be­nen Wor­tes« muss sich an zahl­lo­sen wei­te­ren Me­di­en mes­sen, bei­spiels­wei­se Fern­seh­se­ri­en, Fil­men, Com­pu­ter­spie­len – oder Apps für eben­falls 99 Cent. Mit de­nen steht man in der Gunst des Käu­fers in di­rek­ter Kon­kur­renz.

p.s.: Ich kann die Mimi­mi-Tex­te nicht mehr se­hen und hal­te sie für Jam­mer­posts, die nur Ver­käu­fe ge­ne­rie­ren sol­len (wie es die mei­sten Au­to­ren-Jam­mer­posts sol­len). Das ist eine mi­se­ra­ble – weil ner­vi­ge – Art von »Wer­bung«.

p.p.s.: Das gilt wei­test­ge­hend ge­nau­so üb­ri­gens auch für ko­sten­los-Ak­tio­nen

tolino media senkt Honorare für Selfpublisher

tolino media senkt Honorare für Selfpublisher

Logo Tolino MediaAuch wenn man bei To­li­no Me­dia mit di­ver­sen PR-Maß­nah­men durch­sich­tig ver­sucht, das noch als tol­les Ding zu ver­kau­fen: Die aus­zu­zah­len­den Tan­tie­men an Self­pu­blisher wur­den deut­lich ge­senkt. Auch wenn man An­fang des Jah­res noch voll­mun­dig ver­such­te, Nut­zer auf die Platt­form zu be­kom­men, in­dem man eine un­be­fri­ste­te Be­tei­li­gung an den Um­sät­zen in Höhe von 70% ver­sprach.

Da­mit ist es jetzt vor­bei, denn ab dem 1. Juli sinkt die Be­tei­li­gung bei Bü­chern, die we­ni­ger als 2,99 Euro ko­sten, auf 40%. Be­grün­det wird das da­mit, dass die ent­ste­hen­den Ko­sten für Down­load und Be­zah­lung an­geb­lich so hoch sei­en, dass To­li­no Me­dia da­bei drauf­zah­len muss. Hät­te man das nicht vor­her wis­sen müs­sen? Die Kon­di­tio­nen ha­ben sich ja nicht ver­än­dert. Das be­stärkt mich dar­in, dass es sich um ein Lock­vo­gel­an­ge­bot han­del­te. Au­ßer­dem möch­te man die Self­pu­blisher »dazu an­re­gen« ei­nen hö­he­ren Preis für ihre Bü­cher zu neh­men. Das ist so pau­schal na­tür­lich völ­li­ger Blöd­sinn, der Preis muss selbst­ver­ständ­lich dem In­halt an­ge­mes­sen sein, ich kau­fe ja auch kei­nen Hef­t­ro­man oder eine Kurz­ge­schich­te als eBook für mehr als drei Euro.

Für mich kommt das nicht über­ra­schend. Ich hat­te be­reits zum Start der Platt­form ge­mut­maßt, dass sich die Kon­di­tio­nen schnel­ler zu Un­gun­sten der Self­pu­blisher än­dern dürf­ten, als man gucken kann, wenn eine ge­wis­se Zahl an Nut­zern er­reicht wird und die Wer­be­pha­se vor­bei ist. Wenn man auf die ver­öf­fent­lich­ten Zah­len der Platt­form zum An­teil am eBook-Markt blickt, muss man sich oh­ne­hin fra­gen, wie re­le­vant die Ver­kaufs­men­gen dort über­haupt sind.

p.s.: Man kann auf­grund die­ser uni­la­te­ra­len Än­de­rung na­tür­lich sein Kon­to bei To­li­no ganz ein­fach kün­di­gen …

Logo to­li­no me­dia Co­py­right to­li­no me­dia GmbH & Co. KG

Wirmachendruck.de: kein cremefarbenes Papier?

Wirmachendruck.de: kein cremefarbenes Papier?

wirmachendruckEi­gent­lich woll­te ich die bei­den Gas­licht-Bän­de der Steam­punk-Chro­ni­ken, de­ren Druck­fas­sun­gen nun end­lich fer­tig ge­wor­den sind, wie üb­lich bei Books­fac­to­ry drucken las­sen. Da die aber zick­ten und un­be­dingt ei­nen Nach­weis der Zu­tei­lung mei­ner USt-ID ha­ben woll­ten (die hat­te ich nicht mehr griff­be­reit und hät­te sich bei der Fi­nanz­ver­wal­tung an­for­dern müs­sen, was Wo­chen dau­ern wür­de, da hat­te ich die Fa­xen dicke), habe ich den Druck­auf­trag stor­niert.

Auf der Su­che nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve fiel mir wirmachendruck.de ein, die wa­ren mir be­reits mehr­fach emp­foh­len wor­den und wir hat­ten auch be­reits Fly­er und ein Book­let dort drucken las­sen, de­ren Qua­li­tät gut war.

Bei der Nut­zung des Kon­fi­gu­ra­tors gibt es nur fest vor­ge­ge­be­ne Buch­grö­ßen, da hat­te mir al­ler­dings schon mal je­mand mit­ge­teilt, dass auch Son­der­for­ma­te kein Pro­blem dar­stel­len. Der kal­ku­lier­te Preis für ein A5-Buch (mei­ne wä­ren et­was klei­ner) war auch gran­di­os und deut­lich gün­sti­ger als bei Books­fac­to­ry. Was ich al­ler­dings nicht er­ken­nen konn­te war, wel­che Pa­pier­sor­te ich neh­men muss­te. Wie bei den an­de­ren Bän­den auch – und wie bei Bel­le­tri­stik üb­lich – woll­te ich kein rein­wei­ßes Pa­pier, son­dern ein leicht creme­far­be­nes (also bei­spiels­wei­se Mun­ken Cream). Um nicht lan­ge auf eine Email zu war­ten, rief ich die Sup­port-Hot­line an. Und was ich da er­fuhr, war schon er­staun­lich.

Nein, im Kon­fi­gu­ra­tor gäbe es kei­ne Op­ti­on für creme­far­be­nes Pa­pier. Mei­ne Fra­ge, wie das sein kön­ne, da man doch auch Bel­le­tri­stik-Kun­den an­spre­chen wol­le, konn­te mir die Dame nicht be­ant­wor­ten. Sie wis­se aber, dass die­ses Pa­pier vor­rä­tig sei. Ich sol­le doch bit­te eine Son­der­an­fra­ge über On­line­for­mu­lar ein­rei­chen, dann kön­ne man mir ein An­ge­bot ma­chen. Das kön­ne aber bis zu 48 Stun­den dau­ern.

Gnarf. Wo­für eine Te­le­fon­hot­line, wenn die eine ein­fa­che An­fra­ge nicht be­ant­wor­ten kann?

Also mir die Zeit ge­nom­men und das For­mu­lar mit den nö­ti­gen In­for­ma­tio­nen be­füllt. Er­freu­li­cher­wei­se kam be­reits heu­te mor­gen eine Ant­wort, al­ler­ding war die Ant­wort nicht zu­frie­den­stel­lend. Ein Soft­co­ver­druck ist bei wirmachendruck.de mit creme­far­be­nem Pa­pier nicht mög­lich. Ob­wohl es laut Hot­line vor­rä­tig ist.

Sehr ge­ehr­ter Herr Holz­hau­er,

vie­len Dank für Ihre in­di­vi­du­el­le An­fra­ge bei WIR­ma­chen­Druck und das
da­mit in uns ge­setz­te Ver­trau­en.

Be­dau­er­li­cher­wei­se müs­sen wir Ih­nen zu die­sem Zeit­punkt auf­grund des Pa­piers mit­tei­len,
dass es uns nicht mög­lich ist Ih­nen ein ent­spre­chen­des An­ge­bot zu­kom­men zu las­sen.

Wir hof­fen in die­sem Zuge auf Ihr Ver­ständ­nis und wür­den uns sehr freu­en,
wenn Sie uns zu­künf­tig bei wei­te­ren in­di­vi­du­el­len An­fra­gen wie­der
be­rück­sich­ti­gen wür­den.

Für wei­te­re Fra­gen ste­hen wir Ih­nen selbst­ver­ständ­lich […] zur Ver­fü­gung

Für pro­fes­sio­nell hal­te ich das nicht. Da­mit ist wir­ma­chen­druck für Per­so­nen, die kei­ne Soft­co­ver-Bü­cher mit rein­wei­ßem Pa­pier möch­ten, nicht nutz­bar, egal wie ver­meint­lich gün­stig ihr An­ge­bot auch sein mag und wie sehr sie auf ih­rer Web­sei­te da­mit an­ge­ben, Test­sie­ger bei ir­gend­wem ge­wor­den zu sein. Und wenn man laut der Wer­bung auf der Web­sei­te so ein­deu­tig auch Self­pu­blisher als Kun­den wer­ben  möch­te:

Buch­druck in höch­ster Qua­li­tät – Sei­te für Sei­te. Sie möch­ten ver­lags­un­ab­hän­gig Ihr Buch ver­öf­fent­li­chen und su­chen nach ei­ner zu­ver­läs­si­gen Drucke­rei für hoch­wer­ti­gen Buch­druck? Wir drucken Ihre Bü­cher auf mo­dern­sten Druck­ma­schi­nen zu un­ge­wöhn­lich gün­sti­gen Prei­sen, auch in klei­nen Auf­la­gen. […] Schwarz/Weiß- oder Farb­druck so­wie ver­schie­de­ne For­ma­te und Pa­pie­re ste­hen zur Ver­fü­gung.

… dann ist es noch viel un­ver­ständ­li­cher, war­um sie ein sim­pel­stes Stan­dard­pa­pier nicht zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen.

Ich su­che dann mal wei­ter, für den Buch­druck kann ich wirmachedruck.de lei­der ver­ges­sen.

Nach­trag: Auf Twit­ter ist »Mell« ernst­haft der Mei­nung, »die Nach­fra­ge sei nicht hoch ge­nug« und be­harrt auch dar­auf. Soll das hei­ßen, die ver­kau­fen ernst­haft hau­fen­wei­se ah­nungs­lo­sen Kun­den Bü­cher, bei de­nen man auf­grund des wei­ßen Pa­piers schnee­blind wird? Wie ver­trägt sich das mit der über­all auf der Web­sei­te ge­tä­tig­ten Wer­be­aus­sa­ge, dass man sei­ne Kun­den so gran­di­os be­rät und be­glei­tet?

Nach­trag zwei: Ich habe jetzt trotz­dem ein Kon­to an­ge­legt, um ein Pa­pier­mu­ster­buch zu be­stel­len (wer weiß, ob »Na­tur­pa­pier« nicht doch den ge­wünsch­ten Vor­ga­ben ent­spricht? Der Sup­port wuss­te es je­den­falls nicht wirk­lich). Und da dann gleich der näch­te Knül­ler: Das Kon­to wird ohne das in Deutsch­land zwin­gend vor­ge­schrie­be­ne Dou­ble-Opt-In ein­fach mal un­ve­ri­fi­ziert durch­ge­führt. Ich kann also für be­lie­bi­ge Per­so­nen, de­ren Email­adres­se ich ken­ne, ein Kon­to er­öff­nen. Das wäre mei­ner An­sicht nach so­fort ab­mahn­bar.

Nach­trag drei: Und pam­pig wird sie auch noch.

Nach­trag vier: Wenn es kei­ne Nach­fra­ge für creme­far­be­nes Pa­pier gibt (was ich mir nur schwer vor­stel­len kann, da die­ses für Bel­le­stri­stik ei­gent­lich Stan­dard ist), soll­te man die­se Nach­fra­ge viel­leicht er­zeu­gen? Also lie­be Self­pu­blisher, fragt doch ein­fach mal bei wir­ma­chen­druck an, ob ein Soft­co­ver­druck mit creme­far­be­nem Pai­er mög­lich ist. Ent­we­der über de­ren Kon­takt­for­mu­lar (bei­spiels­wei­se un­ter »Lob, Kri­tik und An­re­gun­gen«), oder via Emails an info[at]wir-machen-druck[dot]de. Und im­mer schön freund­lich blei­ben. :)

Leipziger Buchmesse: »Veranstaltungen für Selfpublisher«?

Leipziger Buchmesse: »Veranstaltungen für Selfpublisher«?

LogoLBM16Mat­thi­as Mat­tig hat auf sei­ner Web­sei­te eine Rei­he von »Ver­an­stal­tun­gen für Self­pu­blisher« auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se zu­sam­men­ge­stellt. Und sehe ich mir die­se Li­ste an, dann wird deut­lich, dass es sich da­bei tat­säch­lich viel­mehr um »Wer­be­ver­an­stal­tun­gen für klas­si­sche Ver­la­ge« han­delt.

Denn ein Blick auf die Aus­rich­ter för­dert mit gro­ßem Über­hang Dienst­lei­ster zu­ta­ge, die aus den klas­si­schen Bran­chen­struk­tu­ren ent­stan­den sind, al­len vor­an Books On De­mand (Li­bri-Toch­ter) und epu­bli (Holtz­brinck), aber so­gar die Bör­sen­ver­eins­toch­ter MVB (Mar­ke­ting- und Ver­lags­ser­vice des Buch­han­dels GmbH) möch­te er­läu­tern, war­um man sich uuuun­be­dingt den Struk­tu­ren der Bran­che un­ter­wer­fen muss.

Man möge mir ver­ge­ben, aber: das ist lä­cher­lich. Die ver­fol­gen aus­schließ­lich eine ei­ge­ne Agen­da und wer glaubt, dass ei­nem Self­pu­blisher dort neu­tra­le und ob­jek­ti­ve Be­ra­tung er­hal­ten, der glaubt auch an den Weih­nachts­mann.

Wer die mei­ner An­sicht nach schlech­ten Kon­di­tio­nen bei BoD kennt, der weiß, war­um er die­sen Dienst­lei­ster mei­det. Bei epu­bli sieht das ganz ähn­lich aus, zu de­nen wer­de ich in Kür­ze noch was schrei­ben, die sind mög­li­cher­wei­se noch nicht ein­mal in der Lage, ihre ei­ge­nen Ver­trä­ge zu er­fül­len. Und es in­ter­es­siert sie auch nicht son­der­lich.

Des­we­gen: Wer die­se Ver­an­stal­tun­gen be­sucht, soll­te sich ganz ge­nau dar­über im Kla­ren sein, wer da vor­trägt, und wel­che Be­weg­grün­de die Dienst­lei­ster da­bei ha­ben. Und das ist mei­ner Mei­nung nach nicht die op­ti­ma­le Be­ra­tung der Self­pu­blisher, son­dern die Meh­rung des ei­ge­nen Um­sat­zes. Und man soll­te sich fra­gen, ob man Self­pu­blisher ge­wor­den ist, um sich dann doch wie­der den fos­si­len Bran­chen­struk­tu­ren zu un­ter­wer­fen, wie es die MVB of­fen­sicht­lich gern möch­te. Viel­mehr soll­te sich so­gar um­ge­kehrt die Bran­che an die ge­än­der­ten Um­stän­de an­pas­sen (aber dar­an glau­be ich in ab­seh­ba­rer Zeit nicht).

Logo Leip­zi­ger Buch­mes­se Co­py­right Leip­zi­ger Mes­se GmbH

Buchstabenfetischisten

Buchstabenfetischisten

fuhlerzufehler

Es gibt be­kann­ter­ma­ßen ver­schie­de­ne Ar­ten von Kunst. Alle ha­ben eins ge­mein­sam: Ob ei­nem das Werk ge­fällt ist maß­geb­lich vom ei­ge­nen Ge­schmack und von den ei­ge­nen Prä­fe­ren­zen ab­hän­gig, nicht vom Hand­werk. Ge­ra­de bei ge­mal­ten oder ge­zeich­ne­ten Bil­dern ist bei­spiels­wei­se die Band­brei­te im­mens: da kann so­gar ein ver­meint­lich hand­werk­lich schlecht ge­mach­tes Bild ge­ra­de eben die ge­nia­le Kunst sein (oder man ver­kauft es ein­fach so). Die Kunst liegt im Auge des Be­trach­ters. Auch bei der Mu­sik: Wenn je­mand Mu­si­ker ist und live wirk­lich coo­le Mu­sik macht, dann über­hört man gern auch mal eine Stel­le, die viel­leicht nicht ganz so op­ti­mal ge­lau­fen ist – und das wird dann ach noch als au­then­tisch und nicht über­pro­du­ziert ge­lobt. Weil der Rest so toll und die Mu­si­ke­rin eine sym­pa­thi­sche Type ist. Ohne mit­tels Au­to­tu­ne ge­stream­li­ned und lang­wei­lig ge­macht zu wer­den. Im Netz fin­det man hau­fen­wei­se Wer­ke un­be­kann­ter Ma­ler und Zeich­ner und man fin­det auch noch viel mehr Stücke von In­die-Mu­si­kern. Und ih­nen wird üb­li­cher­wei­se eher wohl­wol­lend ge­gen­über­ge­stan­den, wenn sie ihr Hand­werk halb­wegs ver­ste­hen.

Im Be­reich Schrift­stel­le­rei und Ver­öf­fent­li­chen von Bü­chern ist das an­ders. Da kom­men so­fort die Buch­sta­ben­fe­ti­schi­sten aus ih­ren Lö­chern ge­kro­chen und re­gen sich über je­den ge­fun­de­nen Feh­ler auf, und sei er auch noch so klein. Und mo­nie­ren laut­stark, dass das nicht sein dürfe!!!11einself!!

Man ver­ste­he mich nicht falsch. Grund­sätz­lich soll­te die Or­tho­gra­fie stim­men. Viel­leicht so­gar die Gram­ma­tik (man­che als klas­sisch an­er­kann­te Au­to­ren zei­gen aber, dass ge­ra­de das nicht zwin­gend der Fall sein muss).

Aber dass ins­be­son­de­re bei Self­pu­blishern, also In­die-Au­to­ren, so stren­ge Maß­nah­men an­ge­legt wer­den, deut­lich stren­ge­re als so­gar bei Ver­lags­pu­bli­ka­tio­nen, die eben­falls nicht feh­ler­frei sind, lässt mich völ­lig ver­blüfft zu­rück. Ist denn das Schrei­ben und Ver­öf­fent­li­chen von Bü­chern eine so an­de­re Kunst als das Ma­len oder Mu­si­zie­ren? War­um sieht man das nicht bei Bü­chern ge­nau­so locker wie bei an­de­ren Kunst­for­men? War­um der elen­de Buch­sta­ben­fe­ti­schis­mus?

Wenn ihr Recht­schreib- oder Flüch­tig­keits­feh­ler in ei­nem selbst­pu­bli­zier­ten eBook fin­det, dann motzt nicht dar­über, son­dern sagt es dem Au­tor, der freut sich, kann die Feh­ler kor­ri­gie­ren und dann eine ver­bes­ser­te Ver­si­on on­line stel­len. Und euch ist schon auf­ge­fal­len, dass die Wer­ke von Self­pu­blishern üb­li­cher­wei­se deut­lich gün­sti­ger an­ge­bo­ten wer­den, als die von Pu­bli­kums­ver­la­gen, mit ih­ren zig­tau­sen­der Auf­la­gen und ent­spre­chen­den Ein­nah­men? Wie könnt ihr da an­neh­men, In­die-Bü­cher müss­ten in Sa­chen Feh­ler­frei­heit so­gar bes­ser sein, als die von Ver­la­gen?

Wenn ich ein Buch lese, dann ent­schei­de ich an­hand des In­halts und des Stils, ob es mir ge­fällt. Ist da hin und wie­der mal ein klei­ner Feh­ler drin, dann ist mir das – mit Ver­laub – scheiß­egal, denn das schmä­lert den Rest des Bu­ches nicht im Ge­ring­sten. Das ist für mich ganz ge­nau so, wie bei an­de­ren Kunst­for­men auch.

Was die Buch­sta­ben­fe­ti­schi­sten da ma­chen, ist in mei­nen Au­gen ty­pisch deut­sche Ko­rin­thenk­acke­rei.

[Up­date] Aus ge­ge­be­nem An­lass: Es geht hier we­der um »Self­pu­bli­shing-Bü­cher, die vor Feh­lern strot­zen«, noch um die »Ver­ge­wal­ti­gung der Spra­che im In­ter­net«, also bit­te kei­ne De­rai­ling-Ver­su­che. Dan­ke.

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Auf dem Bu­Con in Drei­eich gab es in die­sem Jahr ei­nen Vor­trag von Anja Ba­gus und Alex Jahn­ke mit dem Ti­tel »Rea­li­ty Check« Er dreht sich ums Schrei­ben, dar­um, wie man ein Au­tor wird und was ei­nem da­bei al­les be­geg­nen (Har­py­ien!) und pas­sie­ren kann, so­wie um Self­pu­bli­shing und Fak­ten zu den The­men und zum Buch­markt.

Da ich An­jas und mei­nen Ge­mein­schafts­stand hü­ten soll­te, konn­te ich die Ka­me­ra lei­der nur hin­stel­len und muss­te dann wie­der ent­schwin­den, des­we­gen ist das Vi­deo lei­der ein we­nig … sta­tisch … ;) Mein be­son­de­rer Dank muss hier dem Tü­tenkni­ste­rer gel­ten, der sei­nen Jab am An­fang wirk­lich ernst ge­nom­men hat.

Schneller Check: Twentysix, der »Self-Publishing-Verlag«

Schneller Check: Twentysix, der »Self-Publishing-Verlag«

Logo Twentysix

Kurz vor der Buch­mes­se ka­men Ran­dom Hou­se (ei­ner der größ­ten Ver­la­ge welt­weit) und Books on De­mand, kurz BoD, da­mit aus der Höh­le, dass sie ei­nen »Self-Pu­bli­shing-Ver­lag« ge­grün­det ha­ben. Mal ab­ge­se­hen da­von, dass es drin­gend nö­tig er­scheint, de­nen na­he­zu­brin­gen, dass die Wor­te »Self­pu­bli­shing« und »Ver­lag« nun mal per De­fi­ni­ti­on nicht zu­sam­men pas­sen, er­scheint das in mei­nen Au­gen als noch ein Ver­such der eta­blier­ten Bran­che, an Self­pu­blishern mit­zu­ver­die­nen. Und um er­folg­rei­che Selbst­ver­öf­fent­li­cher für ei­ge­ne Ver­la­ge ab­zu­grei­fen. Ein schnel­ler Blick auf die Sei­te be­stä­tigt bei­des mei­ner An­sicht nach auch.

Zu­erst zu Vor­tei­len: Be­reits beim ko­sten­lo­sen Pa­ket er­hält man eine ISBN für sein eBook und »in­ter­na­tio­na­len On­line-Ver­trieb«. De­tails zu letz­te­rem habe ich auf der Sei­te auch nach län­ge­rem Klicken ver­geb­lich ge­sucht. Of­fen­bar ist es zwin­gend, sich an­zu­mel­den, um ei­nen Au­to­ren­ver­trag oder Buch­ver­trag ein­se­hen zu kön­nen. Trans­pa­rent geht an­ders, alle die­se Rah­men­be­din­gun­gen soll­ten be­reits vor ei­ner An­mel­dung ein­seh­bar sein, wie bei­spiels­wei­se bei Ama­zon. Ich ver­ste­he of­fen ge­sagt nicht, was die­se Ge­heim­nis­tue­rei soll – au­ßer viel­leicht dass sie dar­in be­grün­det ist, dass es sich eben um Ver­lags­bran­chen­di­no­sau­ri­er han­delt, die sol­che Ge­heim­nis­krä­me­rei viel­leicht ganz nor­mal fin­den.

Se­hen wir uns den Buch­kal­ku­la­tor an, dann kom­men wir auf Tan­tie­men für den Au­tor, die in ähn­li­chen Grö­ßen­ord­nun­gen wie bei CreateSpace/Amazon lie­gen (leicht dar­un­ter). Das gin­ge wohl noch in Ord­nung, ins­be­son­de­re, wenn man be­trach­tet, dass die Print­bü­cher (an­ge­bo­ten wer­den Ta­schen­buch, Hard­co­ver, Hard­co­ver mit Fa­den­bin­dung, Ring­buch und Book­let) an­geb­lich in Buch­hand­lun­gen be­stell­bar sein sol­len. Ob das tat­säch­lich funk­tio­niert, wird die Zu­kunft zei­gen, ich hal­te es al­ler­dings auf­grund der bei­den Fir­men im Hin­ter­grund für durch­aus wahr­schein­lich.

Gro­tesk wird es dann aber, wenn es um die Prei­se für Au­to­ren­ex­em­pla­re geht. Ein Bei­spiel.

Ein Ta­schen­buch in 12 x 19 cm, mat­ter La­mi­nie­rung, Pa­pier creme­weiß 90g, 268 Sei­ten. Ver­kauft man das für 9,99 Euro (ein recht an­ge­mes­se­ner Preis), kom­men beim Au­tor ge­ra­de mal pop­li­ge 1,02 Euro an (knapp 11 Pro­zent). Bei Ama­zon sind das ca. 70 Cent mehr. Na­tür­lich kann man mehr ein­neh­men, wenn man den Preis er­höht, aber da muss man ja ge­ra­de als Self­pu­blisher vor­sich­tig sein und eng kal­ku­lie­ren, was die Le­ser zu zah­len be­reit sind.

Woll­te man die­ses Buch für sich als Au­to­ren­ex­em­plar be­stel­len, ko­stet das – und ich kann es nicht an­ders aus­drücken – we­ge­la­ge­ri­sche 8,71 Euro net­to, 9,32 Euro brut­to, wenn man bis zu 24 Stück or­dert. Bis 50 sinkt der Preis auf 7,56 net­to / 8,09 brut­to. Zu­züg­lich Ver­sand­ko­sten. An­ge­sichts die­ser völ­lig in­ak­zep­ta­blen Prei­se muss ich mich fra­gen, was für Dro­gen die neh­men.
Bei Crea­te­space ko­stet mich ein Buch auch bei ge­rin­gen Auf­la­gen ca. knapp 5 Euro in­klu­si­ve Ex­pe­di­ted-Ver­sand aus den USA. Las­se ich bei Books­fac­to­ry drucken (Min­dest­be­stell­wert 50 Euro), ko­stet mich ein sol­ches Buch in Top-Qua­li­tät 3,50 Euro inkl. USt und Ver­sand. Ja, ich weiß, die ver­trei­ben die Bü­cher im Buch­han­del, aber den­noch ist zum ei­nen die Mar­ge viel zu ge­ring (sie wol­len für ein Print­buch­pa­ket ja auch noch ei­nen Ein­stiegs­preis von 39 Euro – bis zum 21.12.2015, dann wird das ver­mut­lich teu­rer), zum an­de­ren ist der Preis für die Au­to­ren­ex­em­pla­re nichts an­de­res als un­ver­schämt. Print On De­mand ist BoDs Kern­ge­schäft. Wenn die tat­säch­lich kei­ne bes­se­ren Kon­di­tio­nen bie­ten kön­nen, riecht das für mich nach Ab­zocke.

Buchkalkulator 26

Ko­misch wird es dann noch­mal bei den zu Print­bü­chern vor­ge­schla­ge­nen eBook-Prei­sen, die sich an den Mond­prei­sen für elek­tro­ni­sche Bü­cher der deut­schen Ver­lags­bran­che ori­en­tie­ren und die für Self­pu­blisher völ­lig uto­pisch sind. Die Prei­se kann man al­ler­dings deut­lich ver­rin­gern und er­hält dann im­mer noch ganz brauch­ba­re Er­lö­se, die al­ler­dings deut­lich un­ter de­nen lie­gen, die Ama­zon zahlt. Bei dem Re­chen­bei­spiel oben sagt der Buch­kal­ku­la­tor ei­nen Ver­kaufs­preis von 6,99 Euro an, da­bei wäre die eBook-Net­to­mar­ge 2,67 Euro, ver­rin­gert man den Preis auf 3,49 Euro bleibt eine Net­to­mar­ge von ge­ra­de mal 1,33 Euro. Soll­te das eBook für null Euro Ein­stiegs­pau­scha­le da­mit tat­säch­lich in al­len Bran­chen­shops zu fin­den sein, könn­te man dar­über tat­säch­lich mal nach­den­ken, aber das kann nur die Zu­kunft zei­gen. An­ge­prie­sen wird:

Sie wer­den in al­len re­le­van­ten Buch­hand­lun­gen und On­line-Shops wie Ama­zon, Ap­ple iBooks, To­li­no, Goog­le Play, Tha­lia und Hu­gen­du­bel ge­li­stet.

Aber was ge­nau be­deu­tet in die­sem Zu­sam­men­hang das Wort »re­le­vant«?

Be­den­ken soll­te man bei den Prei­sen, dass kei­ner­lei Wer­bung oder Mar­ke­ting mit den Pa­ke­ten und den pro Ver­kauf ein­be­hal­te­nen Ge­büh­ren ein­her ge­hen. Das muss man als Self­pu­blisher im­mer noch sel­ber ma­chen.

So­weit ein kur­zer Ein­blick, viel­leicht te­ste ich das bei vor­han­de­ner Zeit mal in­ten­si­ver, auch weil ich mir die ge­prie­se­nen On­line-Edi­to­ren für In­hal­te und ins­be­son­de­re auch die Ver­trä­ge an­se­hen möch­te, aber mei­ner Mei­nung nach han­delt es sich um eine wei­te­re Mo­gel­packung der Ver­lags­bran­che, um an Self­pu­blishern mit­zu­ver­die­nen.

Wenn man das als Self­pu­blisher tat­säch­lich te­sten will, soll­te man in Er­wä­gung zie­hen, die Au­to­ren­ex­em­pla­re ein­fach bei ei­nem an­de­ren An­bie­ter wie bei­spiels­wei­se Books­fac­to­ry deut­lich gün­sti­ger drucken zu las­sen; wenn man tat­säch­lich wei­test­ge­hend alle Rech­te be­hält, wie das auf der Sei­te mei­ner An­sicht nach sug­ge­riert wird, müss­te das ver­trag­lich ge­se­hen pro­blem­los mög­lich sein.

Logo Twen­ty­six und Screen­shot Coyp­right Ver­lags­grup­pe Ran­dom Hou­se GmbH

Tolino Media will den Begriff »Kindle« nicht in eBooks haben

Tolino Media will den Begriff »Kindle« nicht in eBooks haben

TolinoDie Self­pu­blisher­platt­form To­li­no Me­dia war mit viel Tam­tam als Al­ter­na­ti­ve zu Ama­zon pro­pa­giert wor­den. Der gro­ße Er­folg hat sich al­ler­dings bis­her nicht so recht ein­ge­stellt, es gab zu­dem di­ver­se An­lauf­pro­ble­me, vie­les an der Platt­form schien mit der hei­ßen Na­del ge­strickt (das wur­de mir ge­gen­über auch ge­nau so for­mu­liert) und es gibt bis heu­te tech­ni­sche Pro­ble­me.

De­ren Be­he­bung scheint aber nicht das pri­mä­re Pro­blem der Be­trei­ber zu sein. Viel­mehr wer­den die hoch­ge­la­de­nen eBooks auf »un­er­wünsch­te« Wor­te durch­sucht. Das ist an sich schon eine Un­ver­schämt­heit. Noch bes­ser wird das Gan­ze al­ler­dings, wenn sich ir­gend­wo im Buch der Be­griff »Kind­le« be­fin­det. Dann er­hält man als Au­tor den Hin­weis, dass das Buch lei­der nicht on­line ge­hen kann und über­ar­bei­tet wer­den muss, weil man nicht im Text »auf ein Mit­be­wer­ber-Pro­dukt Be­zug neh­men darf«. Mit die­sem Teu­fels­wort im Text wol­len sie das Buch nicht an­neh­men und dem­zu­fol­ge auch nicht on­line stel­len. Bei dem frag­li­chen eBook han­delt es sich üb­ri­gens um ei­nen Rat­ge­ber für Self­pu­blisher – ob die To­li­no-Al­li­anz nun alle Sach­bü­cher auf das Un­wort un­ter­sucht, und die­se dann aus den Shops wer­fen wird? Mög­li­cher­wei­se so­gar die Print-Aus­ga­ben? Oder wer­den nur Self­pu­blisher drang­sa­liert?

Es ist ein­fach un­fass­bar. Die­ses Ver­hal­ten ist so der­ma­ßen lä­cher­lich und un­pro­fes­sio­nell, dass es mir die Spra­che ver­schlägt. Nach­dem das jah­re­lan­ge Ama­zon-Bashing der Bran­che kei­ne Er­fol­ge ge­zeigt hat, nun die­se in ho­hem Maße frag­wür­di­ge Ak­ti­on. Als Au­tor soll­te man sich von ei­ner in mei­nen Au­gen eher halb­ga­ren Möch­te­gern-Self­pu­blisher­platt­form nicht vor­schrei­ben las­sen, wel­che Wör­ter in den eBooks zu ste­hen ha­ben und wel­che nicht. Ama­zon, Goog­le Play und Kobo fil­tern das Wort »To­li­no« selbst­ver­ständ­lich nicht.

Edit – Für die­je­ni­gen, die kei­nen Face­book-Zu­gang ha­ben und auch kei­nen wol­len:

tolinokindle

Dank an Alex Jahn­ke für den Hin­weis.

Up­date [15:00]: Auch bei To­li­no scheint man er­kannt zu ha­ben, dass das nicht eben schlau war, in­zwi­schen wur­de Frau Glomp groß­zü­gig er­laubt, das Wort Kind­le im Text zu las­sen. Das schafft na­tür­lich die grund­le­gen­de Ver­wei­ge­rung nicht aus der Welt, man muss sich fra­gen war­um es an­fangs über­haupt zu die­ser al­ber­nen Be­an­stan­dung ge­kom­men ist.

Ein Mit­ar­bei­ter von To­li­no kom­men­tiert un­ter die­sem Ar­ti­kel:

Die­ses State­ment ist so nicht kor­rekt. Frau Glomp hat dies selbst auch schon in der FB Grup­pe, aus der die­ser Post ist, zu­rück ge­nom­men. Es wäre doch kor­rekt, hier bei­de Sei­ten zu hö­ren, be­vor man als Blog­in­ha­ber tex­tet? Wir (to­li­no me­dia) ste­hen da ger­ne für zur Ver­fü­gung.

Und auch auf Face­book mel­det man sich zu Wort.

Frau Glomp selbst sieht das al­ler­dings deut­lich an­ders als der To­li­no-Ver­tre­ter. die ur­sprüng­li­che Aus­sa­ge der Auf­for­de­rung, das Wort zu ent­fer­nen, hält sie auf­recht. Und auch an­de­re Au­to­ren re­den ent­ge­gen der Aus­sa­gen der To­li­no-Ver­tre­ter von ei­ner voll­stän­di­gen Ab­leh­nung, nicht von »Emp­feh­lun­gen« wie be­haup­tet.

[Up­date 26.06.15]: Ich hat­te To­li­no Me­dia auf­grund ih­res Kom­men­tars per eMail die Mög­lich­keit an­ge­bo­ten, ihre Sicht der Din­ge dar­zu­stel­len, ich hät­te die­se dann hier wie­der­ge­ge­ben, hat­te al­ler­dings um sub­stan­zi­el­le­re In­for­ma­tio­nen ge­be­ten, als die durch­sich­ti­gen Aus­flüch­te im Face­book-Thread. Kei­ner­lei Re­ak­ti­on.

[Up­date 26.06.15, 11:00 Uhr] Wer den Links nach Face­book folgt, wird die Aus­sa­gen der To­li­no-Mit­ar­bei­ter nicht mehr fin­den, of­fen­bar wur­den die­se ge­löscht (ein Pa­ra­de­bei­spiel aus dem Lehr­buch »Wie PR auf so­zia­len Me­di­en nicht funk­tio­niert«). Wer das den­noch nach­voll­zie­hen möch­te, hier ein Screen­shot, in dem die Kom­men­ta­re noch zu se­hen sind: https://drive.google.com/file/d/0B9wDueprgUX2bWJtM3cwZWR2aVk/view?usp=sharing

Bild To­li­no von Wo­sch21149, aus der Wi­ki­pe­dia, CC-BY, be­ar­bei­tet von mir.

Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Screenhsot BuchreportWas die Über­schrift uns sa­gen soll? Das habe ich mich auch ge­fragt. Der Buch­re­port schrieb in ei­nem Ar­ti­kel mit dem Ti­tel AN­GRIFF AUF AMA­ZON wört­lich:

Der To­li­no-Ver­bund schiebt Ende April ein ei­ge­nes Self­pu­bli­shing-Por­tal.

Wei­ter heißt es (Her­vor­he­bun­gen von mir):

Dort kön­nen Au­to­ren kön­nen ei­ge­ne E-Books er­stel­len und ver­kau­fen.

Dem Ar­ti­kel zu­fol­ge sol­len die Kon­di­tio­nen zu­min­dest was die Tan­tie­men an­geht so sein wie bei Ama­zon, näm­lich 70% für den Self­pu­blisher.

Auch wenn es zu be­grü­ßen ist, dass sich eine Platt­form ne­ben Ama­zon bil­det, möge man mir ver­zei­hen, wenn ich skep­tisch bin. Hin­ter tolino-media.de ste­hen Welt­bild, Hu­gen­du­bel, Ber­tels­mann, Tha­lia und Li­bri, »und an­de­re«, also An­bie­ter, die tief und fest in der Buch­bran­che mit ih­ren ur­alten Ri­ten ver­an­kert sind. Man wird die Nut­zungs­be­din­gun­gen ab­war­ten müs­sen, um zu se­hen, ob sich die Ver­lags­ab­le­ger wie­der (wie im­mer) un­mä­ßi­ge Nut­zungs­rech­te ein­räu­men wol­len – ich gehe da­von aus, dass es so sein wird. Ama­zon räumt sich gar nichts ein, nur das Recht, die eBooks ver­kau­fen zu dür­fen.

Zu­dem geht es of­fen­bar nur um eBooks, via Ama­zon kann man auf ver­gleichs­wei­se ein­fa­che Art und Wei­se auch Print­bü­cher an­bie­ten.

Ende April wis­sen wir mehr, falls sie den Ter­min tat­säch­lich ein­hal­ten.

[Up­date 11:25 Uhr:] Er­gän­zen­de In­for­ma­tio­nen bei Mat­thi­as Mat­ting. Da heißt es so­gar, dass die Self­pu­bli­shing-Bü­cher »in den Re­ga­len der Buch­händ­ler ste­hen sol­len« und es ISB­Ns ko­sten­los dazu ge­ben wird.

Screen­shot Buch­re­port Co­py­right Buch­re­port, Il­lu­stra­ti­on Co­py­right To­li­no Me­dia GmbH

NAUTILUS: Endspurt zum E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher

NAUTILUS: Endspurt zum E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher

NautilusLeseprobenWettbewerbWer als Au­tor und Selbst­ver­le­ger noch beim E-Book Le­se­pro­ben-Wett­be­werb für Self-Pu­blisher des Ma­ga­zins NAU­TI­LUS mit­ma­chen will, soll­te um­ge­hend zu Stift oder Ta­sta­tur grei­fen, denn der Ein­sen­de­schluß ist am 31. Ok­to­ber 2014.

Der E-Book Le­se­pro­ben-Wett­be­werb für Self-Pu­blisher wur­de in der Ju­bi­lä­ums-Aus­ga­be 125, 08/2014, des mo­nat­lich er­schei­nen­den Phan­ta­stik-Ma­ga­zins NAU­TI­LUS – Aben­teu­er & Phan­ta­stik ge­star­tet. The­men die­ser Aus­ga­be wa­ren neue di­gi­ta­le Trends im Be­reich Ro­man, Film und Vi­deo-Game. So re­fe­riert im Heft u.a. der er­folg­rei­che E-Book Self-Pu­blisher und SF-Best­sel­ler-Au­tor Hugh How­ey (Silo, Le­vel) über sei­ne Er­fah­run­gen über das Selbst­ver­le­gen von E-Books, und er gibt dazu kon­kre­te Pra­xis-Tipps: Schriift­stel­ler im Selbst­ver­lag sol­len ihre E-Books per Le­se­pro­be nach­hal­tig ei­nem gro­ßen Le­ser­kreis prä­sen­tie­ren.

Ge­nau die­se Mög­lich­keit bie­tet die Ver­öf­fent­li­chung ei­ner Le­se­pro­be des ei­ge­nen Ro­mans im Ma­ga­zin NAU­TI­LUS: Mit dem E-Book Le­se­pro­ben-Wett­be­werb kön­nen E-Book-Au­to­ren und -Selbst­ver­le­ger die auf­la­gen­star­ke Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Aus­zugs aus ih­rem E-Book in der Heft­mit­te der Ge­samt-Aus­ga­be der NAU­TI­LUS print, di­gi­tal und on­line ge­win­nen. Und da die Le­se­pro­ben in der Heft­mit­te vom Ma­ga­zin je­weils auf­wän­dig auf der Ba­sis des Co­vers ge­stal­tet wer­den, ge­win­nen die Teil­neh­mer auf Wunsch auch noch die Co­ver-Ge­stal­tung und das Lek­to­rat ih­res Ro­mans.

Teil­nah­me­be­rech­tigt sind 2014 im Selbst­ver­lag er­schie­ne­ne bzw. noch nicht ver­öf­fent­lich­te E-Books des Phan­ta­stik-Gen­res von selbst­pu­bli­zie­ren­den Au­to­ren. Ver­la­ge dür­fen nicht teil­neh­men. Für noch nicht er­schie­ne­ne E-Books er­stellt die NAU­TI­LUS op­tio­nal auf Wunsch und als Start­hil­fe auch ein pro­fes­sio­nell ge­stal­te­tes Buch­co­ver und lei­stet das Kor­rek­to­rat und Lek­to­rat. Die Ex­per­ten-Jury aus er­fah­re­nen Buch­ma­chern, Jour­na­li­sten und Blog­gern wählt aus der Short­list drei Ge­win­ner, de­ren Le­se­pro­ben dann An­fang 2015 im Ma­ga­zin NAU­TI­LUS er­schei­nen wer­den.

Die kom­plet­ten Teil­nah­me­be­din­gun­gen, Bei­spie­le für bis­lang im Ma­ga­zin er­schie­ne­ne Le­se­pro­ben von Au­to­ren wie Jo­na­than Stroud, Cor­ne­lia Fun­ke, Ser­gej Lu­kia­nen­ko, Kami Gar­cia, Wolf­gang Hohl­bein, Nina Bla­zon, Bernd Per­plies und auch von er­folg­rei­chen Print- und E-Book Self-Pu­blishern wie Ju­lia­ne Mai­bach und Ivo Pala so­wie re­dak­tio­nel­le Tipps für er­folg­rei­che Le­se­pro­ben und ein FAQ zum Wett­be­werb gibt es auf der Wett­be­werbs­sei­te.

Über das Ma­ga­zin
Heu­te wis­sen, was näch­sten Mo­nat in die Ki­nos und die Buch­lä­den kommt: NAU­TI­LUS – Aben­teu­er & Phan­ta­stik ist das ein­zi­ge mo­nat­lich er­schei­nen­de Print­ma­ga­zin des deutsch­spra­chi­gen Phan­ta­stik-Gen­res und be­rich­tet vor­ab über phan­ta­sti­sche Fil­me im Kino und auf DVD/Blu-Ray, Fan­ta­sy & SF-Li­te­ra­tur im Ro­man und Hör­buch, PC-Ad­ven­tures und On­line-Rol­len­spie­le so­wie phan­ta­sti­sche The­men aus Sci­ence, My­ste­ry und Hi­sto­ry. Ob Be­su­che am Set von gro­ßen Fil­men, In­ter­views mit Re­gis­seu­ren und Dar­stel­lern, Be­rich­te von Ro­man-Au­to­ren über ihre Wer­ke oder Ein­blicke in die Ent­ste­hung von Fan­ta­sy-Co­mics oder Ad­ven­ture-Ga­mes: Kein an­de­res Print­ma­ga­zin gibt ei­nen so um­fas­sen­den Ein­blick in das Gen­re Aben­teu­er & Phan­ta­stik. Das Ma­ga­zin er­scheint seit 22 Jah­ren.

CreateSpace-Bücher: libri gibt sich zugeknöpft

CreateSpace-Bücher: libri gibt sich zugeknöpft

Selfpublishing

Im Rah­men des of­fe­nen Brie­fes in Sa­chen Self­pu­bli­shing war die In­for­ma­ti­on auf­ge­taucht, dass der Buch­groß­händ­ler li­bri of­fen­bar na­he­zu sämt­li­che Bü­cher der Ama­zon-Toch­ter Crea­te­Space aus­fil­tert. Ich war durch ei­nen Kom­men­tar von Phil­ipp Win­ter­berg auf sei­ne Ar­ti­kel zu dem The­ma ge­sto­ßen.

Das wäre na­tür­lich ein Ham­mer, wenn es ei­gent­lich mög­lich sein soll­te, über Crea­te­Space pu­bli­zier­te Bü­cher auch im deut­schen Buch­han­del be­stel­len zu kön­nen, das dann al­ler­dings doch nicht funk­tio­niert, weil die­se bei li­bri kon­se­quent aus­ge­li­stet wer­den.

Weil mich das in­ter­es­sier­te, stell­te ich am ver­gan­ge­nen Mon­tag (25.08.2014) eine ent­spre­chen­de An­fra­ge an die Pres­se­kon­takt-Email bei li­bri:

Sehr ge­ehr­te Da­men und Her­ren,

es geht um die Fra­ge, war­um Bü­cher des An­bei­ters Crea­te­Space nicht im li­bri-Ka­ta­log zu fin­den sind. Nach ei­ner An­fra­ge beim Zu­lie­fe­rer In­gram Con­tent Group äu­ßer­te die­ser, dass sämt­li­che Crea­te­Space-Bü­cher an li­bri über­mit­telt wer­den. Den­noch tau­chen die­se bis auf ver­ein­zel­te Aus­nah­men nicht in den Buch­händ­ler-Ka­ta­lo­gen auf.
Ich bit­te an die­ser Stel­le um eine Stel­lung­nah­me, war­um dies so ist und war­um li­bri of­fen­bar glo­bal alle Crea­te­Space-Bü­cher aus­fil­tert. Ich wei­se dar­auf hin, dass die Ant­wort im Rah­men ei­nes Ar­ti­kels the­ma­ti­siert wer­den wird.
Für eine Ant­wort be­dan­ke ich mich im vor­aus.

Da bis zum heu­ti­gen Tag kei­ne Ant­wort ein­ging, frag­te ich er­neut nach und füg­te den In­halt der ur­sprüng­li­chen Mail noch­mals bei. Dar­auf­hin kam so­eben tat­säch­lich eine Ant­wort – wenn man das dann als »Ant­wort« wer­ten möch­te:

Sehr ge­ehr­ter Herr Holz­hau­er,

wir freu­en uns über alle In­for­ma­tio­nen, die un­se­ren Ka­ta­log ver­bes­sern und dan­ken Ih­nen für den Hin­weis.

Falls hier ein tech­ni­sches Pro­ble­me vor­lie­gen soll­te, wer­den wir die­ses in Ab­stim­mung mit un­se­rem Lie­fe­ran­ten klä­ren.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Ihr Mar­ke­ting Team

Ein­deu­ti­ger kann Ab­wim­meln kaum aus­se­hen. Statt mei­ne An­fra­ge zu be­ant­wor­ten zieht man sich auf in­halts­lo­se Wort­hül­sen zu­rück. Die Pro­ble­ma­tik ist bei li­bri be­kannt, denn auch Phil­ipp Win­ter­berg hat­te des­we­gen be­reits an­ge­fragt und of­fen­bar zu­min­dest eine et­was aus­führ­li­che­re Ant­wort be­kom­men. Die­se Ent­geg­nung auf mei­ne An­fra­ge kann man nur als lä­cher­lich be­zeich­nen, denn sie be­ant­wor­tet nichts und nimmt auch nicht Stel­lung. Auch war mei­ne Mail in­halt­lich ein­deu­tig nicht als Hin­weis zu er­ken­nen, son­dern als An­fra­ge ge­dacht, die kon­kret um eine Stel­lung­nah­me bat. Um die­se möch­te sich li­bri of­fen­sicht­lich drücken. Es mag sich je­der selbst ei­nen Reim dar­auf ma­chen, war­um man dort nicht ant­wor­ten will …

p.s.: Ent­lar­vend fin­de ich zu­dem, dass noch nicht ein­mal ein An­sprech­part­ner na­ment­lich ge­nannt wird, son­dern der Ab­sen­der schlicht (und un­höf­lich) »Ihr Mar­ke­ting Team« lau­tet.

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

SelfpublishingAm Mon­tag kam über­ra­schend eine An­fra­ge von Deutsch­land­ra­dio Kul­tur rein, ob man mit mir ein In­ter­view über mei­nen of­fe­nen Brief zum The­ma Self­pu­bli­shing und Buch­han­del ma­chen kön­ne. Da habe ich nach kur­zem Über­le­gen na­tür­lich zu­ge­sagt, wä­ren es RTL oder Pro7 ge­we­sen, hät­te ich ab­ge­wun­ken (aber ich glau­be oh­ne­hin nicht, dass bei letz­te­ren je­mand weiß, wie man »Buch« schreibt).

Es war üb­ri­gens nichts ab­ge­spro­chen, die ha­ben mich kurz vor der Liveaus­strah­lung an­ge­ru­fen und dann ihre Fra­gen ge­stellt. Ei­nen Mit­schnitt des In­ter­views kann man sich hier an­hö­ren.

Das re­la­ti­viert viel­leicht das ein oder an­de­re, was ich im of­fe­nen Brief ge­schrie­ben habe. Der klingt na­tür­lich re­la­tiv bra­chi­al, aber ich habe mit vol­ler Ab­sicht die Wort­wahl der Ver­lags­au­to­ren ada­piert, die sich als Hand­lan­ger der Groß­ver­la­ge in­stru­men­ta­li­sie­ren las­sen, um zu zei­gen, dass man die­sel­ben Ar­gu­men­te auch aus ei­ner an­de­ren Sicht ein­set­zen kann.

Ich bin der An­sicht, dass wir ein Mit­ein­an­der und Ne­ben­ein­an­der der un­ab­hän­gi­gen, der »klei­nen« Prot­ago­ni­sten in die­sem Markt drin­gend be­nö­ti­gen. Das wird viel sinn­vol­ler sein, als sich in der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen auf eine Sei­te zu schla­gen, oder ir­gend­ei­nem da­von die Rol­le des »Bö­sen« zu­schu­stern zu wol­len.

Was aber über­haupt nicht ziel­füh­rend ist,  sind Aus­sa­gen wie »das geht nicht, wir ha­ben ’stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren’«, wie sie ein (ver­mut­lich) Buch­händ­ler in den Kom­men­ta­ren zum of­fe­nen Brief ge­tä­tigt hat. Ama­zons ’stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren’ sind näm­lich um Licht­jah­re bes­ser. Wie ein an­de­rer Buch­händ­ler sag­te: »Zur Not habe ich das Buch in zwei Mi­nu­ten ins Wa­ren­wirt­schafts­sy­stem ein­ge­ge­ben«. Na also: geht doch!