Mimimi! – oder “Der Wert des geschriebenen Wortes”

Mimimi! – oder “Der Wert des geschriebenen Wortes”

Das Wort zum Samstag

Aktuell sehe ich wieder vermehrt Jammerposts von SelfpublisherInnen auf Facebook, die lautstark verkünden niemals (!!einself!!!1!) eBooks für 99 Cent verkaufen zu wollen. Der Wortlaut ist grob wie folgt:

“Mimimi! Ich werde mein eBook nicht für 99 Cent anbieten! Es steckt doch so viel Herzblut drin!!!einself! Wo bleibt denn da ‘der Wert des geschriebenen Wortes’?”

Dazu einige Anmerkungen:

1.: Werbeaktionen sind genau das: Werbeaktionen. Man kann tausende Euronen ausgeben, um eine Anzeige in irgendeinem Käseblatt zu schalten, die dann keiner sieht – oder die keinen interessiert. Oder man versucht eben durch eine Werbeaktion Sichtbarkeit herzustellen. Die Differenz zum üblichen Verkaufspreis ist dann eine ganz normale Werbeinvestition, die keineswegs den eigentlichen Wert des Buches verringert.

2.: Wenn das eBook nicht gekauft wird, dann ist es völlig egal was es kostet: Was ist dann der “Wert des geschriebenen Wortes”?

3.: Wenn das eBook den Umfang eines Heftromans hat, kann 99 Cent ein durchaus angemessener Preis sein.

4.: Schnell herunter geschriebener Massenschmonz ist vielleicht auch nur 99 Cent wert, und das ist dann möglicherweise auch sinnvoll, wenn er sich dafür viel öfter verkauft als für 4,99 Euronen.

5.: Wenn du dein eBook nicht für 99 Cent verkaufen möchtest, dann ist das selbstverständlich deine eigene Entscheidung. Prima, mach es so! Aber warum uns deswegen ständig lange volltexten?

6.: “Der Wert des geschriebenen Wortes” muss sich an zahllosen weiteren Medien messen, beispielsweise Fernsehserien, Filmen, Computerspielen – oder Apps für ebenfalls 99 Cent. Mit denen steht man in der Gunst des Käufers in direkter Konkurrenz.

p.s.: Ich kann die Mimimi-Texte nicht mehr sehen und halte sie für Jammerposts, die nur Verkäufe generieren sollen (wie es die meisten Autoren-Jammerposts sollen). Das ist eine miserable – weil nervige – Art von “Werbung”.

p.p.s.: Das gilt weitestgehend genauso übrigens auch für kostenlos-Aktionen

tolino media senkt Honorare für Selfpublisher

tolino media senkt Honorare für Selfpublisher

Logo Tolino MediaAuch wenn man bei Tolino Media mit diversen PR-Maßnahmen durchsichtig versucht, das noch als tolles Ding zu verkaufen: Die auszuzahlenden Tantiemen an Selfpublisher wurden deutlich gesenkt. Auch wenn man Anfang des Jahres noch vollmundig versuchte, Nutzer auf die Plattform zu bekommen, indem man eine unbefristete Beteiligung an den Umsätzen in Höhe von 70% versprach.

Damit ist es jetzt vorbei, denn ab dem 1. Juli sinkt die Beteiligung bei Büchern, die weniger als 2,99 Euro kosten, auf 40%. Begründet wird das damit, dass die entstehenden Kosten für Download und Bezahlung angeblich so hoch seien, dass Tolino Media dabei draufzahlen muss. Hätte man das nicht vorher wissen müssen? Die Konditionen haben sich ja nicht verändert. Das bestärkt mich darin, dass es sich um ein Lockvogelangebot handelte. Außerdem möchte man die Selfpublisher “dazu anregen” einen höheren Preis für ihre Bücher zu nehmen. Das ist so pauschal natürlich völliger Blödsinn, der Preis muss selbstverständlich dem Inhalt angemessen sein, ich kaufe ja auch keinen Heftroman oder eine Kurzgeschichte als eBook für mehr als drei Euro.

Für mich kommt das nicht überraschend. Ich hatte bereits zum Start der Plattform gemutmaßt, dass sich die Konditionen schneller zu Ungunsten der Selfpublisher ändern dürften, als man gucken kann, wenn eine gewisse Zahl an Nutzern erreicht wird und die Werbephase vorbei ist. Wenn man auf die veröffentlichten Zahlen der Plattform zum Anteil am eBook-Markt blickt, muss man sich ohnehin fragen, wie relevant die Verkaufsmengen dort überhaupt sind.

p.s.: Man kann aufgrund dieser unilateralen Änderung natürlich sein Konto bei Tolino ganz einfach kündigen …

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Wirmachendruck.de: kein cremefarbenes Papier?

Wirmachendruck.de: kein cremefarbenes Papier?

wirmachendruckEigentlich wollte ich die beiden Gaslicht-Bände der Steampunk-Chroniken, deren Druckfassungen nun endlich fertig geworden sind, wie üblich bei Booksfactory drucken lassen. Da die aber zickten und unbedingt einen Nachweis der Zuteilung meiner USt-ID haben wollten (die hatte ich nicht mehr griffbereit und hätte sich bei der Finanzverwaltung anfordern müssen, was Wochen dauern würde, da hatte ich die Faxen dicke), habe ich den Druckauftrag storniert.

Auf der Suche nach einer Alternative fiel mir wirmachendruck.de ein, die waren mir bereits mehrfach empfohlen worden und wir hatten auch bereits Flyer und ein Booklet dort drucken lassen, deren Qualität gut war.

Bei der Nutzung des Konfigurators gibt es nur fest vorgegebene Buchgrößen, da hatte mir allerdings schon mal jemand mitgeteilt, dass auch Sonderformate kein Problem darstellen. Der kalkulierte Preis für ein A5-Buch (meine wären etwas kleiner) war auch grandios und deutlich günstiger als bei Booksfactory. Was ich allerdings nicht erkennen konnte war, welche Papiersorte ich nehmen musste. Wie bei den anderen Bänden auch – und wie bei Belletristik üblich – wollte ich kein reinweißes Papier, sondern ein leicht cremefarbenes (also beispielsweise Munken Cream). Um nicht lange auf eine Email zu warten, rief ich die Support-Hotline an. Und was ich da erfuhr, war schon erstaunlich.

Nein, im Konfigurator gäbe es keine Option für cremefarbenes Papier. Meine Frage, wie das sein könne, da man doch auch Belletristik-Kunden ansprechen wolle, konnte mir die Dame nicht beantworten. Sie wisse aber, dass dieses Papier vorrätig sei. Ich solle doch bitte eine Sonderanfrage über Onlineformular einreichen, dann könne man mir ein Angebot machen. Das könne aber bis zu 48 Stunden dauern.

Gnarf. Wofür eine Telefonhotline, wenn die eine einfache Anfrage nicht beantworten kann?

Also mir die Zeit genommen und das Formular mit den nötigen Informationen befüllt. Erfreulicherweise kam bereits heute morgen eine Antwort, allerding war die Antwort nicht zufriedenstellend. Ein Softcoverdruck ist bei wirmachendruck.de mit cremefarbenem Papier nicht möglich. Obwohl es laut Hotline vorrätig ist.

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

vielen Dank für Ihre individuelle Anfrage bei WIRmachenDruck und das
damit in uns gesetzte Vertrauen.

Bedauerlicherweise müssen wir Ihnen zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Papiers mitteilen,
dass es uns nicht möglich ist Ihnen ein entsprechendes Angebot zukommen zu lassen.

Wir hoffen in diesem Zuge auf Ihr Verständnis und würden uns sehr freuen,
wenn Sie uns zukünftig bei weiteren individuellen Anfragen wieder
berücksichtigen würden.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich […] zur Verfügung

Für professionell halte ich das nicht. Damit ist wirmachendruck für Personen, die keine Softcover-Bücher mit reinweißem Papier möchten, nicht nutzbar, egal wie vermeintlich günstig ihr Angebot auch sein mag und wie sehr sie auf ihrer Webseite damit angeben, Testsieger bei irgendwem geworden zu sein. Und wenn man laut der Werbung auf der Webseite so eindeutig auch Selfpublisher als Kunden werben  möchte:

Buchdruck in höchster Qualität – Seite für Seite. Sie möchten verlagsunabhängig Ihr Buch veröffentlichen und suchen nach einer zuverlässigen Druckerei für hochwertigen Buchdruck? Wir drucken Ihre Bücher auf modernsten Druckmaschinen zu ungewöhnlich günstigen Preisen, auch in kleinen Auflagen. […] Schwarz/Weiß- oder Farbdruck sowie verschiedene Formate und Papiere stehen zur Verfügung.

… dann ist es noch viel unverständlicher, warum sie ein simpelstes Standardpapier nicht zur Verfügung stellen können.

Ich suche dann mal weiter, für den Buchdruck kann ich wirmachedruck.de leider vergessen.

Nachtrag: Auf Twitter ist “Mell” ernsthaft der Meinung, “die Nachfrage sei nicht hoch genug” und beharrt auch darauf. Soll das heißen, die verkaufen ernsthaft haufenweise ahnungslosen Kunden Bücher, bei denen man aufgrund des weißen Papiers schneeblind wird? Wie verträgt sich das mit der überall auf der Webseite getätigten Werbeaussage, dass man seine Kunden so grandios berät und begleitet?

Nachtrag zwei: Ich habe jetzt trotzdem ein Konto angelegt, um ein Papiermusterbuch zu bestellen (wer weiß, ob “Naturpapier” nicht doch den gewünschten Vorgaben entspricht? Der Support wusste es jedenfalls nicht wirklich). Und da dann gleich der nächte Knüller: Das Konto wird ohne das in Deutschland zwingend vorgeschriebene Double-Opt-In einfach mal unverifiziert durchgeführt. Ich kann also für beliebige Personen, deren Emailadresse ich kenne, ein Konto eröffnen. Das wäre meiner Ansicht nach sofort abmahnbar.

Nachtrag drei: Und pampig wird sie auch noch.

Nachtrag vier: Wenn es keine Nachfrage für cremefarbenes Papier gibt (was ich mir nur schwer vorstellen kann, da dieses für Bellestristik eigentlich Standard ist), sollte man diese Nachfrage vielleicht erzeugen? Also liebe Selfpublisher, fragt doch einfach mal bei wirmachendruck an, ob ein Softcoverdruck mit cremefarbenem Paier möglich ist. Entweder über deren Kontaktformular (beispielsweise unter “Lob, Kritik und Anregungen”), oder via Emails an info[at]wir-machen-druck[dot]de. Und immer schön freundlich bleiben. :)

Leipziger Buchmesse: “Veranstaltungen für Selfpublisher”?

Leipziger Buchmesse: “Veranstaltungen für Selfpublisher”?

LogoLBM16Matthias Mattig hat auf seiner Webseite eine Reihe von “Veranstaltungen für Selfpublisher” auf der Leipziger Buchmesse zusammengestellt. Und sehe ich mir diese Liste an, dann wird deutlich, dass es sich dabei tatsächlich vielmehr um “Werbeveranstaltungen für klassische Verlage” handelt.

Denn ein Blick auf die Ausrichter fördert mit großem Überhang Dienstleister zutage, die aus den klassischen Branchenstrukturen entstanden sind, allen voran Books On Demand (Libri-Tochter) und epubli (Holtzbrinck), aber sogar die Börsenvereinstochter MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) möchte erläutern, warum man sich uuuunbedingt den Strukturen der Branche unterwerfen muss.

Man möge mir vergeben, aber: das ist lächerlich. Die verfolgen ausschließlich eine eigene Agenda und wer glaubt, dass einem Selfpublisher dort neutrale und objektive Beratung erhalten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Wer die meiner Ansicht nach schlechten Konditionen bei BoD kennt, der weiß, warum er diesen Dienstleister meidet. Bei epubli sieht das ganz ähnlich aus, zu denen werde ich in Kürze noch was schreiben, die sind möglicherweise noch nicht einmal in der Lage, ihre eigenen Verträge zu erfüllen. Und es interessiert sie auch nicht sonderlich.

Deswegen: Wer diese Veranstaltungen besucht, sollte sich ganz genau darüber im Klaren sein, wer da vorträgt, und welche Beweggründe die Dienstleister dabei haben. Und das ist meiner Meinung nach nicht die optimale Beratung der Selfpublisher, sondern die Mehrung des eigenen Umsatzes. Und man sollte sich fragen, ob man Selfpublisher geworden ist, um sich dann doch wieder den fossilen Branchenstrukturen zu unterwerfen, wie es die MVB offensichtlich gern möchte. Vielmehr sollte sich sogar umgekehrt die Branche an die geänderten Umstände anpassen (aber daran glaube ich in absehbarer Zeit nicht).

Logo Leipziger Buchmesse Copyright Leipziger Messe GmbH

Buchstabenfetischisten

Buchstabenfetischisten

fuhlerzufehler

Es gibt bekanntermaßen verschiedene Arten von Kunst. Alle haben eins gemeinsam: Ob einem das Werk gefällt ist maßgeblich vom eigenen Geschmack und von den eigenen Präferenzen abhängig, nicht vom Handwerk. Gerade bei gemalten oder gezeichneten Bildern ist beispielsweise die Bandbreite immens: da kann sogar ein vermeintlich handwerklich schlecht gemachtes Bild gerade eben die geniale Kunst sein (oder man verkauft es einfach so). Die Kunst liegt im Auge des Betrachters. Auch bei der Musik: Wenn jemand Musiker ist und live wirklich coole Musik macht, dann überhört man gern auch mal eine Stelle, die vielleicht nicht ganz so optimal gelaufen ist – und das wird dann ach noch als authentisch und nicht überproduziert gelobt. Weil der Rest so toll und die Musikerin eine sympathische Type ist. Ohne mittels Autotune gestreamlined und langweilig gemacht zu werden. Im Netz findet man haufenweise Werke unbekannter Maler und Zeichner und man findet auch noch viel mehr Stücke von Indie-Musikern. Und ihnen wird üblicherweise eher wohlwollend gegenübergestanden, wenn sie ihr Handwerk halbwegs verstehen.

Im Bereich Schriftstellerei und Veröffentlichen von Büchern ist das anders. Da kommen sofort die Buchstabenfetischisten aus ihren Löchern gekrochen und regen sich über jeden gefundenen Fehler auf, und sei er auch noch so klein. Und monieren lautstark, dass das nicht sein dürfe!!!11einself!!

Man verstehe mich nicht falsch. Grundsätzlich sollte die Orthografie stimmen. Vielleicht sogar die Grammatik (manche als klassisch anerkannte Autoren zeigen aber, dass gerade das nicht zwingend der Fall sein muss).

Aber dass insbesondere bei Selfpublishern, also Indie-Autoren, so strenge Maßnahmen angelegt werden, deutlich strengere als sogar bei Verlagspublikationen, die ebenfalls nicht fehlerfrei sind, lässt mich völlig verblüfft zurück. Ist denn das Schreiben und Veröffentlichen von Büchern eine so andere Kunst als das Malen oder Musizieren? Warum sieht man das nicht bei Büchern genauso locker wie bei anderen Kunstformen? Warum der elende Buchstabenfetischismus?

Wenn ihr Rechtschreib- oder Flüchtigkeitsfehler in einem selbstpublizierten eBook findet, dann motzt nicht darüber, sondern sagt es dem Autor, der freut sich, kann die Fehler korrigieren und dann eine verbesserte Version online stellen. Und euch ist schon aufgefallen, dass die Werke von Selfpublishern üblicherweise deutlich günstiger angeboten werden, als die von Publikumsverlagen, mit ihren zigtausender Auflagen und entsprechenden Einnahmen? Wie könnt ihr da annehmen, Indie-Bücher müssten in Sachen Fehlerfreiheit sogar besser sein, als die von Verlagen?

Wenn ich ein Buch lese, dann entscheide ich anhand des Inhalts und des Stils, ob es mir gefällt. Ist da hin und wieder mal ein kleiner Fehler drin, dann ist mir das – mit Verlaub – scheißegal, denn das schmälert den Rest des Buches nicht im Geringsten. Das ist für mich ganz genau so, wie bei anderen Kunstformen auch.

Was die Buchstabenfetischisten da machen, ist in meinen Augen typisch deutsche Korinthenkackerei.

[Update] Aus gegebenem Anlass: Es geht hier weder um “Selfpublishing-Bücher, die vor Fehlern strotzen”, noch um die “Vergewaltigung der Sprache im Internet”, also bitte keine Derailing-Versuche. Danke.

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Reality Check: Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke

Auf dem BuCon in Dreieich gab es in diesem Jahr einen Vortrag von Anja Bagus und Alex Jahnke mit dem Titel “Reality Check” Er dreht sich ums Schreiben, darum, wie man ein Autor wird und was einem dabei alles begegnen (Harpyien!) und passieren kann, sowie um Selfpublishing und Fakten zu den Themen und zum Buchmarkt.

Da ich Anjas und meinen Gemeinschaftsstand hüten sollte, konnte ich die Kamera leider nur hinstellen und musste dann wieder entschwinden, deswegen ist das Video leider ein wenig … statisch … ;) Mein besonderer Dank muss hier dem Tütenknisterer gelten, der seinen Jab am Anfang wirklich ernst genommen hat.

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Schneller Check: Twentysix, der “Self-Publishing-Verlag”

Schneller Check: Twentysix, der “Self-Publishing-Verlag”

Logo Twentysix

Kurz vor der Buchmesse kamen Random House (einer der größten Verlage weltweit) und Books on Demand, kurz BoD, damit aus der Höhle, dass sie einen “Self-Publishing-Verlag” gegründet haben. Mal abgesehen davon, dass es dringend nötig erscheint, denen nahezubringen, dass die Worte “Selfpublishing” und “Verlag” nun mal per Definition nicht zusammen passen, erscheint das in meinen Augen als noch ein Versuch der etablierten Branche, an Selfpublishern mitzuverdienen. Und um erfolgreiche Selbstveröffentlicher für eigene Verlage abzugreifen. Ein schneller Blick auf die Seite bestätigt beides meiner Ansicht nach auch.

Zuerst zu Vorteilen: Bereits beim kostenlosen Paket erhält man eine ISBN für sein eBook und “internationalen Online-Vertrieb”. Details zu letzterem habe ich auf der Seite auch nach längerem Klicken vergeblich gesucht. Offenbar ist es zwingend, sich anzumelden, um einen Autorenvertrag oder Buchvertrag einsehen zu können. Transparent geht anders, alle diese Rahmenbedingungen sollten bereits vor einer Anmeldung einsehbar sein, wie beispielsweise bei Amazon. Ich verstehe offen gesagt nicht, was diese Geheimnistuerei soll – außer vielleicht dass sie darin begründet ist, dass es sich eben um Verlagsbranchendinosaurier handelt, die solche Geheimniskrämerei vielleicht ganz normal finden.

Sehen wir uns den Buchkalkulator an, dann kommen wir auf Tantiemen für den Autor, die in ähnlichen Größenordnungen wie bei CreateSpace/Amazon liegen (leicht darunter). Das ginge wohl noch in Ordnung, insbesondere, wenn man betrachtet, dass die Printbücher (angeboten werden Taschenbuch, Hardcover, Hardcover mit Fadenbindung, Ringbuch und Booklet) angeblich in Buchhandlungen bestellbar sein sollen. Ob das tatsächlich funktioniert, wird die Zukunft zeigen, ich halte es allerdings aufgrund der beiden Firmen im Hintergrund für durchaus wahrscheinlich.

Grotesk wird es dann aber, wenn es um die Preise für Autorenexemplare geht. Ein Beispiel.

Ein Taschenbuch in 12 x 19 cm, matter Laminierung, Papier cremeweiß 90g, 268 Seiten. Verkauft man das für 9,99 Euro (ein recht angemessener Preis), kommen beim Autor gerade mal poplige 1,02 Euro an (knapp 11 Prozent). Bei Amazon sind das ca. 70 Cent mehr. Natürlich kann man mehr einnehmen, wenn man den Preis erhöht, aber da muss man ja gerade als Selfpublisher vorsichtig sein und eng kalkulieren, was die Leser zu zahlen bereit sind.

Wollte man dieses Buch für sich als Autorenexemplar bestellen, kostet das – und ich kann es nicht anders ausdrücken – wegelagerische 8,71 Euro netto, 9,32 Euro brutto, wenn man bis zu 24 Stück ordert. Bis 50 sinkt der Preis auf 7,56 netto / 8,09 brutto. Zuzüglich Versandkosten. Angesichts dieser völlig inakzeptablen Preise muss ich mich fragen, was für Drogen die nehmen.
Bei Createspace kostet mich ein Buch auch bei geringen Auflagen ca. knapp 5 Euro inklusive Expedited-Versand aus den USA. Lasse ich bei Booksfactory drucken (Mindestbestellwert 50 Euro), kostet mich ein solches Buch in Top-Qualität 3,50 Euro inkl. USt und Versand. Ja, ich weiß, die vertreiben die Bücher im Buchhandel, aber dennoch ist zum einen die Marge viel zu gering (sie wollen für ein Printbuchpaket ja auch noch einen Einstiegspreis von 39 Euro – bis zum 21.12.2015, dann wird das vermutlich teurer), zum anderen ist der Preis für die Autorenexemplare nichts anderes als unverschämt. Print On Demand ist BoDs Kerngeschäft. Wenn die tatsächlich keine besseren Konditionen bieten können, riecht das für mich nach Abzocke.

Buchkalkulator 26

Komisch wird es dann nochmal bei den zu Printbüchern vorgeschlagenen eBook-Preisen, die sich an den Mondpreisen für elektronische Bücher der deutschen Verlagsbranche orientieren und die für Selfpublisher völlig utopisch sind. Die Preise kann man allerdings deutlich verringern und erhält dann immer noch ganz brauchbare Erlöse, die allerdings deutlich unter denen liegen, die Amazon zahlt. Bei dem Rechenbeispiel oben sagt der Buchkalkulator einen Verkaufspreis von 6,99 Euro an, dabei wäre die eBook-Nettomarge 2,67 Euro, verringert man den Preis auf 3,49 Euro bleibt eine Nettomarge von gerade mal 1,33 Euro. Sollte das eBook für null Euro Einstiegspauschale damit tatsächlich in allen Branchenshops zu finden sein, könnte man darüber tatsächlich mal nachdenken, aber das kann nur die Zukunft zeigen. Angepriesen wird:

Sie werden in allen relevanten Buchhandlungen und Online-Shops wie Amazon, Apple iBooks, Tolino, Google Play, Thalia und Hugendubel gelistet.

Aber was genau bedeutet in diesem Zusammenhang das Wort “relevant”?

Bedenken sollte man bei den Preisen, dass keinerlei Werbung oder Marketing mit den Paketen und den pro Verkauf einbehaltenen Gebühren einher gehen. Das muss man als Selfpublisher immer noch selber machen.

Soweit ein kurzer Einblick, vielleicht teste ich das bei vorhandener Zeit mal intensiver, auch weil ich mir die gepriesenen Online-Editoren für Inhalte und insbesondere auch die Verträge ansehen möchte, aber meiner Meinung nach handelt es sich um eine weitere Mogelpackung der Verlagsbranche, um an Selfpublishern mitzuverdienen.

Wenn man das als Selfpublisher tatsächlich testen will, sollte man in Erwägung ziehen, die Autorenexemplare einfach bei einem anderen Anbieter wie beispielsweise Booksfactory deutlich günstiger drucken zu lassen; wenn man tatsächlich weitestgehend alle Rechte behält, wie das auf der Seite meiner Ansicht nach suggeriert wird, müsste das vertraglich gesehen problemlos möglich sein.

Logo Twentysix und Screenshot Coypright Verlagsgruppe Random House GmbH

Tolino Media will den Begriff “Kindle” nicht in eBooks haben

Tolino Media will den Begriff “Kindle” nicht in eBooks haben

TolinoDie Selfpublisherplattform Tolino Media war mit viel Tamtam als Alternative zu Amazon propagiert worden. Der große Erfolg hat sich allerdings bisher nicht so recht eingestellt, es gab zudem diverse Anlaufprobleme, vieles an der Plattform schien mit der heißen Nadel gestrickt (das wurde mir gegenüber auch genau so formuliert) und es gibt bis heute technische Probleme.

Deren Behebung scheint aber nicht das primäre Problem der Betreiber zu sein. Vielmehr werden die hochgeladenen eBooks auf “unerwünschte” Worte durchsucht. Das ist an sich schon eine Unverschämtheit. Noch besser wird das Ganze allerdings, wenn sich irgendwo im Buch der Begriff “Kindle” befindet. Dann erhält man als Autor den Hinweis, dass das Buch leider nicht online gehen kann und überarbeitet werden muss, weil man nicht im Text “auf ein Mitbewerber-Produkt Bezug nehmen darf”. Mit diesem Teufelswort im Text wollen sie das Buch nicht annehmen und demzufolge auch nicht online stellen. Bei dem fraglichen eBook handelt es sich übrigens um einen Ratgeber für Selfpublisher – ob die Tolino-Allianz nun alle Sachbücher auf das Unwort untersucht, und diese dann aus den Shops werfen wird? Möglicherweise sogar die Print-Ausgaben? Oder werden nur Selfpublisher drangsaliert?

Es ist einfach unfassbar. Dieses Verhalten ist so dermaßen lächerlich und unprofessionell, dass es mir die Sprache verschlägt. Nachdem das jahrelange Amazon-Bashing der Branche keine Erfolge gezeigt hat, nun diese in hohem Maße fragwürdige Aktion. Als Autor sollte man sich von einer in meinen Augen eher halbgaren Möchtegern-Selfpublisherplattform nicht vorschreiben lassen, welche Wörter in den eBooks zu stehen haben und welche nicht. Amazon, Google Play und Kobo filtern das Wort “Tolino” selbstverständlich nicht.

Edit – Für diejenigen, die keinen Facebook-Zugang haben und auch keinen wollen:

tolinokindle

Dank an Alex Jahnke für den Hinweis.

Update [15:00]: Auch bei Tolino scheint man erkannt zu haben, dass das nicht eben schlau war, inzwischen wurde Frau Glomp großzügig erlaubt, das Wort Kindle im Text zu lassen. Das schafft natürlich die grundlegende Verweigerung nicht aus der Welt, man muss sich fragen warum es anfangs überhaupt zu dieser albernen Beanstandung gekommen ist.

Ein Mitarbeiter von Tolino kommentiert unter diesem Artikel:

Dieses Statement ist so nicht korrekt. Frau Glomp hat dies selbst auch schon in der FB Gruppe, aus der dieser Post ist, zurück genommen. Es wäre doch korrekt, hier beide Seiten zu hören, bevor man als Bloginhaber textet? Wir (tolino media) stehen da gerne für zur Verfügung.

Und auch auf Facebook meldet man sich zu Wort.

Frau Glomp selbst sieht das allerdings deutlich anders als der Tolino-Vertreter. die ursprüngliche Aussage der Aufforderung, das Wort zu entfernen, hält sie aufrecht. Und auch andere Autoren reden entgegen der Aussagen der Tolino-Vertreter von einer vollständigen Ablehnung, nicht von “Empfehlungen” wie behauptet.

[Update 26.06.15]: Ich hatte Tolino Media aufgrund ihres Kommentars per eMail die Möglichkeit angeboten, ihre Sicht der Dinge darzustellen, ich hätte diese dann hier wiedergegeben, hatte allerdings um substanziellere Informationen gebeten, als die durchsichtigen Ausflüchte im Facebook-Thread. Keinerlei Reaktion.

[Update 26.06.15, 11:00 Uhr] Wer den Links nach Facebook folgt, wird die Aussagen der Tolino-Mitarbeiter nicht mehr finden, offenbar wurden diese gelöscht (ein Paradebeispiel aus dem Lehrbuch “Wie PR auf sozialen Medien nicht funktioniert”). Wer das dennoch nachvollziehen möchte, hier ein Screenshot, in dem die Kommentare noch zu sehen sind: https://drive.google.com/file/d/0B9wDueprgUX2bWJtM3cwZWR2aVk/view?usp=sharing

Bild Tolino von Wosch21149, aus der Wikipedia, CC-BY, bearbeitet von mir.

Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Tolino-Allianz schiebt ein Selfpublishing-Portal

Screenhsot BuchreportWas die Überschrift uns sagen soll? Das habe ich mich auch gefragt. Der Buchreport schrieb in einem Artikel mit dem Titel ANGRIFF AUF AMAZON wörtlich:

Der Tolino-Verbund schiebt Ende April ein eigenes Selfpublishing-Portal.

Weiter heißt es (Hervorhebungen von mir):

Dort können Autoren können eigene E-Books erstellen und verkaufen.

Dem Artikel zufolge sollen die Konditionen zumindest was die Tantiemen angeht so sein wie bei Amazon, nämlich 70% für den Selfpublisher.

Auch wenn es zu begrüßen ist, dass sich eine Plattform neben Amazon bildet, möge man mir verzeihen, wenn ich skeptisch bin. Hinter tolino-media.de stehen Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann, Thalia und Libri, “und andere”, also Anbieter, die tief und fest in der Buchbranche mit ihren uralten Riten verankert sind. Man wird die Nutzungsbedingungen abwarten müssen, um zu sehen, ob sich die Verlagsableger wieder (wie immer) unmäßige Nutzungsrechte einräumen wollen – ich gehe davon aus, dass es so sein wird. Amazon räumt sich gar nichts ein, nur das Recht, die eBooks verkaufen zu dürfen.

Zudem geht es offenbar nur um eBooks, via Amazon kann man auf vergleichsweise einfache Art und Weise auch Printbücher anbieten.

Ende April wissen wir mehr, falls sie den Termin tatsächlich einhalten.

[Update 11:25 Uhr:] Ergänzende Informationen bei Matthias Matting. Da heißt es sogar, dass die Selfpublishing-Bücher “in den Regalen der Buchhändler stehen sollen” und es ISBNs kostenlos dazu geben wird.

Screenshot Buchreport Copyright Buchreport, Illustration Copyright Tolino Media GmbH

NAUTILUS: Endspurt zum E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher

NAUTILUS: Endspurt zum E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher

NautilusLeseprobenWettbewerbWer als Autor und Selbstverleger noch beim E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher des Magazins NAUTILUS mitmachen will, sollte umgehend zu Stift oder Tastatur greifen, denn der Einsendeschluß ist am 31. Oktober 2014.

Der E-Book Leseproben-Wettbewerb für Self-Publisher wurde in der Jubiläums-Ausgabe 125, 08/2014, des monatlich erscheinenden Phantastik-Magazins NAUTILUS – Abenteuer & Phantastik gestartet. Themen dieser Ausgabe waren neue digitale Trends im Bereich Roman, Film und Video-Game. So referiert im Heft u.a. der erfolgreiche E-Book Self-Publisher und SF-Bestseller-Autor Hugh Howey (Silo, Level) über seine Erfahrungen über das Selbstverlegen von E-Books, und er gibt dazu konkrete Praxis-Tipps: Schriiftsteller im Selbstverlag sollen ihre E-Books per Leseprobe nachhaltig einem großen Leserkreis präsentieren.

Genau diese Möglichkeit bietet die Veröffentlichung einer Leseprobe des eigenen Romans im Magazin NAUTILUS: Mit dem E-Book Leseproben-Wettbewerb können E-Book-Autoren und -Selbstverleger die auflagenstarke Veröffentlichung eines Auszugs aus ihrem E-Book in der Heftmitte der Gesamt-Ausgabe der NAUTILUS print, digital und online gewinnen. Und da die Leseproben in der Heftmitte vom Magazin jeweils aufwändig auf der Basis des Covers gestaltet werden, gewinnen die Teilnehmer auf Wunsch auch noch die Cover-Gestaltung und das Lektorat ihres Romans.

Teilnahmeberechtigt sind 2014 im Selbstverlag erschienene bzw. noch nicht veröffentlichte E-Books des Phantastik-Genres von selbstpublizierenden Autoren. Verlage dürfen nicht teilnehmen. Für noch nicht erschienene E-Books erstellt die NAUTILUS optional auf Wunsch und als Starthilfe auch ein professionell gestaltetes Buchcover und leistet das Korrektorat und Lektorat. Die Experten-Jury aus erfahrenen Buchmachern, Journalisten und Bloggern wählt aus der Shortlist drei Gewinner, deren Leseproben dann Anfang 2015 im Magazin NAUTILUS erscheinen werden.

Die kompletten Teilnahmebedingungen, Beispiele für bislang im Magazin erschienene Leseproben von Autoren wie Jonathan Stroud, Cornelia Funke, Sergej Lukianenko, Kami Garcia, Wolfgang Hohlbein, Nina Blazon, Bernd Perplies und auch von erfolgreichen Print- und E-Book Self-Publishern wie Juliane Maibach und Ivo Pala sowie redaktionelle Tipps für erfolgreiche Leseproben und ein FAQ zum Wettbewerb gibt es auf der Wettbewerbsseite.

Über das Magazin
Heute wissen, was nächsten Monat in die Kinos und die Buchläden kommt: NAUTILUS – Abenteuer & Phantastik ist das einzige monatlich erscheinende Printmagazin des deutschsprachigen Phantastik-Genres und berichtet vorab über phantastische Filme im Kino und auf DVD/Blu-Ray, Fantasy & SF-Literatur im Roman und Hörbuch, PC-Adventures und Online-Rollenspiele sowie phantastische Themen aus Science, Mystery und History. Ob Besuche am Set von großen Filmen, Interviews mit Regisseuren und Darstellern, Berichte von Roman-Autoren über ihre Werke oder Einblicke in die Entstehung von Fantasy-Comics oder Adventure-Games: Kein anderes Printmagazin gibt einen so umfassenden Einblick in das Genre Abenteuer & Phantastik. Das Magazin erscheint seit 22 Jahren.

CreateSpace-Bücher: libri gibt sich zugeknöpft

CreateSpace-Bücher: libri gibt sich zugeknöpft

Selfpublishing

Im Rahmen des offenen Briefes in Sachen Selfpublishing war die Information aufgetaucht, dass der Buchgroßhändler libri offenbar nahezu sämtliche Bücher der Amazon-Tochter CreateSpace ausfiltert. Ich war durch einen Kommentar von Philipp Winterberg auf seine Artikel zu dem Thema gestoßen.

Das wäre natürlich ein Hammer, wenn es eigentlich möglich sein sollte, über CreateSpace publizierte Bücher auch im deutschen Buchhandel bestellen zu können, das dann allerdings doch nicht funktioniert, weil diese bei libri konsequent ausgelistet werden.

Weil mich das interessierte, stellte ich am vergangenen Montag (25.08.2014) eine entsprechende Anfrage an die Pressekontakt-Email bei libri:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es geht um die Frage, warum Bücher des Anbeiters CreateSpace nicht im libri-Katalog zu finden sind. Nach einer Anfrage beim Zulieferer Ingram Content Group äußerte dieser, dass sämtliche CreateSpace-Bücher an libri übermittelt werden. Dennoch tauchen diese bis auf vereinzelte Ausnahmen nicht in den Buchhändler-Katalogen auf.
Ich bitte an dieser Stelle um eine Stellungnahme, warum dies so ist und warum libri offenbar global alle CreateSpace-Bücher ausfiltert. Ich weise darauf hin, dass die Antwort im Rahmen eines Artikels thematisiert werden wird.
Für eine Antwort bedanke ich mich im voraus.

Da bis zum heutigen Tag keine Antwort einging, fragte ich erneut nach und fügte den Inhalt der ursprünglichen Mail nochmals bei. Daraufhin kam soeben tatsächlich eine Antwort – wenn man das dann als “Antwort” werten möchte:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

wir freuen uns über alle Informationen, die unseren Katalog verbessern und danken Ihnen für den Hinweis.

Falls hier ein technisches Probleme vorliegen sollte, werden wir dieses in Abstimmung mit unserem Lieferanten klären.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Marketing Team

Eindeutiger kann Abwimmeln kaum aussehen. Statt meine Anfrage zu beantworten zieht man sich auf inhaltslose Worthülsen zurück. Die Problematik ist bei libri bekannt, denn auch Philipp Winterberg hatte deswegen bereits angefragt und offenbar zumindest eine etwas ausführlichere Antwort bekommen. Diese Entgegnung auf meine Anfrage kann man nur als lächerlich bezeichnen, denn sie beantwortet nichts und nimmt auch nicht Stellung. Auch war meine Mail inhaltlich eindeutig nicht als Hinweis zu erkennen, sondern als Anfrage gedacht, die konkret um eine Stellungnahme bat. Um diese möchte sich libri offensichtlich drücken. Es mag sich jeder selbst einen Reim darauf machen, warum man dort nicht antworten will …

p.s.: Entlarvend finde ich zudem, dass noch nicht einmal ein Ansprechpartner namentlich genannt wird, sondern der Absender schlicht (und unhöflich) “Ihr Marketing Team” lautet.

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

Offener Brief: Interview mit Deutschlandradio Kultur

SelfpublishingAm Montag kam überraschend eine Anfrage von Deutschlandradio Kultur rein, ob man mit mir ein Interview über meinen offenen Brief zum Thema Selfpublishing und Buchhandel machen könne. Da habe ich nach kurzem Überlegen natürlich zugesagt, wären es RTL oder Pro7 gewesen, hätte ich abgewunken (aber ich glaube ohnehin nicht, dass bei letzteren jemand weiß, wie man “Buch” schreibt).

Es war übrigens nichts abgesprochen, die haben mich kurz vor der Liveausstrahlung angerufen und dann ihre Fragen gestellt. Einen Mitschnitt des Interviews kann man sich hier anhören.

Das relativiert vielleicht das ein oder andere, was ich im offenen Brief geschrieben habe. Der klingt natürlich relativ brachial, aber ich habe mit voller Absicht die Wortwahl der Verlagsautoren adapiert, die sich als Handlanger der Großverlage instrumentalisieren lassen, um zu zeigen, dass man dieselben Argumente auch aus einer anderen Sicht einsetzen kann.

Ich bin der Ansicht, dass wir ein Miteinander und Nebeneinander der unabhängigen, der “kleinen” Protagonisten in diesem Markt dringend benötigen. Das wird viel sinnvoller sein, als sich in der Auseinandersetzung zwischen internationalen Konzernen auf eine Seite zu schlagen, oder irgendeinem davon die Rolle des “Bösen” zuschustern zu wollen.

Was aber überhaupt nicht zielführend ist,  sind Aussagen wie “das geht nicht, wir haben ‘standardisierte Verfahren'”, wie sie ein (vermutlich) Buchhändler in den Kommentaren zum offenen Brief getätigt hat. Amazons ‘standardisierte Verfahren’ sind nämlich um Lichtjahre besser. Wie ein anderer Buchhändler sagte: “Zur Not habe ich das Buch in zwei Minuten ins Warenwirtschaftssystem eingegeben”. Na also: geht doch!