Gesellschaft

EU hält unerwünschte Piraterie-Studie unter Verschluss

 

Der im EU-Par­la­ment sit­zen­den Pira­tin Julia Reda (die dort von den meis­ten lei­der unbe­merkt immer wie­der groß­ar­ti­ge Arbeit leis­tet) haben wir es zu ver­dan­ken, dass eine von der EU-Kom­mis­si­on in Auf­trag gege­be­ne und unter Ver­schluss gehal­te­ne Stu­die end­lich ans Tages­licht kommt.

Grund für die Geheim­hal­tung, die jetzt durch eine Anfra­ge im Rah­men des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes been­det wur­de: Die Ergeb­nis­se der Stu­die pass­ten der EU-Kom­mis­si­on offen­bar nicht ins Kon­zept und wider­spre­chen der von Ver­wer­tern immer wie­der man­tra­ar­tig wie­der­hol­ten Aus­sa­ge, dass Pira­te­rie die Umsät­ze schmä­lert oder sogar weg­bre­chen lässt. Zitat:

In gene­ral, the results do not show robust sta­tis­ti­cal evi­dence of dis­pla­ce­ment of sales by online copy­right inf­rin­ge­ments.

Pikant ist dar­an, dass die EU-Kom­mis­si­on plan­te und immer noch plant, auf­grund angeb­li­cher Ein­bu­ßen der Ver­wer­ter – und auf deren Betrei­ben hin – die Urhe­ber­rech­te deut­lich zu unguns­ten der Bür­ger und Nut­zer zu ver­schär­fen oder sogar Zen­sur­in­fra­struk­tu­ren ein­zu­füh­ren. Da kann man nach­voll­zie­hen, dass einem eine sol­che Stu­die nicht in den Kram passt. Man könn­te auch sagen, dass ihnen die Rea­li­tät nicht passt. Oder dass sie lie­ber wei­ter die von Lob­by­is­ten dik­tier­ten Geset­ze ver­ab­schie­den wol­len.

Denn den Ver­such, die Stu­die geheim zu hal­ten, hal­te ich für kacken­dreis­te Lob­by­po­li­tik. Da soll sich noch­mal ein EU-Poli­ti­ker der eta­blier­ten Par­tei­en wun­dern, dass man ihnen nicht über den Weg traut …

Das soll­te aller­dings ins­be­son­de­re auch all den­je­ni­gen Autoren, die immer laut­stark über ihre ach so gro­ßen ver­meint­li­chen Ein­bu­ßen durch Pira­te­rie jam­mern, zu den­ken geben, weil sie schwer dane­ben lie­gen (wie ich es schon immer sag­te). Ja – es gibt Pira­te­rie. Nein, ihr wür­det nicht ein Buch mehr ver­kau­fen, gäbe es sie nicht. Nein, ihr wärt ohne Raub­ko­pien nicht reich, egal wie oft ihr euch das auch ein­re­den mögt.

[Edit]: Im Licht die­ser Erkennt­nis­se wird natür­lich auch das Geschäfts­mo­dell der Dienst­leis­ter, die Pira­te­rie-Gegen­maß­nah­men gegen zum Teil hor­ren­de Kos­ten anbie­ten, ziem­lich frag­wür­dig.

Mehr Details dazu auf netz​po​li​tik​.org, wo ich das The­ma gefun­den habe.

Wer die Stu­die lesen möch­te, kann das hier tun, sie liegt als PDF-Datei vor (ca. 3,4 MB).

Gra­fik »Pira­te­rie« von mir, CC-BY

SCIENCE AND STAR WARS ab September auf Facebook

Moment mal? Eine der Kri­tik­punk­te der »STAR WARS ist doch gar kei­ne SF«-Hater ist ja regel­mä­ßig, dass man sich um wis­sen­schaft­lich und phy­si­ka­lisch kor­rek­te Dar­stel­lun­gen in der Space Ope­ra kei­ne Gedan­ken macht … Und jetzt das.

Ab Sep­tem­ber star­ten Dis­ney und Lucas­Film exklu­siv auf Face­book eine Webse­rie mit dem Titel SCIENCE AND STAR WARS, in der beleuch­tet wird, wel­che Din­ge aus dem Uni­ver­sum von Luke und Vader ihren Weg in in unse­rer rea­le Welt gefun­den haben. Dar­un­ter Din­ge wie Blas­ter, Dro­iden, Land­spee­ders und (natür­lich) Lights­aber.

Gespons­ort wird die durch Antho­ny Car­bo­ni prä­sen­tier­te Show von IBM, und es soll diver­se Gast­stars geben bei­spiels­wei­se Ash­ley Eck­stein (die Stim­me von Ahso­ka Tano) und Antho­ny Dani­els ali­as C‑3PO.

Der exak­te Start­ter­min wird ver­mut­lich in den nächs­ten Tagen bekannt gege­ben, ich tip­pe auf den »Force Fri­day«.

Hier die STAR WARS SHOW mit der Ankün­di­gung ab ca. 8:24.

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Kein Bericht zur Medieval Fantasy Convention?

Ich wur­de mehr­fach gefragt, ob es auch in die­sem Jahr wie­der einen Bericht samt Fotos zur Medieval Fan­ta­sy Con­ven­ti­on geben wür­de.

Lei­der nein. Und das liegt nicht an mir.

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te ich früh­zei­tig um Akkre­di­tie­rung gebe­ten, da wur­de mir gesagt, ich sol­le mich kurz vor­her noch­mal mel­den, dann geht das klar. Und so hat das auch funk­tio­niert. Dar­auf­hin war ich davon aus­ge­gan­gen, dass das auch in die­sem Jahr wie­der so ist und frag­te Anfang letz­ter Woche die Akkre­di­tie­rung für zwei Per­so­nen an. Dar­auf­hin erhielt ich einen Tag spä­ter eine Mail, in der stand »das sei ja ziem­lich spät, mal sehen, was wir machen kön­nen« und es wur­de gefragt, »für wie viel Per­so­nen«. Äh … Ich habe das wie gewünscht noch­mal ange­ge­ben und danach pas­sier­te …

Nichts.

Dar­auf­hin frag­te ich über die Face­book-Sei­te nach und es pas­sier­te …

Nichts.

Kei­ne Absa­ge, kein »sor­ry, war zu spät«, son­dern ein­fach nichts (was ich offen gesagt für äußerst unschön hal­te, man kann wenigs­tens kurz zurück kom­mu­ni­zie­ren, das kos­tet nur Sekun­den). Es sieht aber lei­der auch so aus, als wür­de der Betrei­ber das nicht mehr selbst hand­ha­ben, son­dern irgend­ei­ne Erfül­lungs­ge­hil­fin, ich kann nur ver­mu­ten, dass die viel­leicht über­for­dert war.
Hät­te man mir eine Absa­ge zeit­nah kom­mu­ni­ziert, hät­te ich mir über­legt, viel­leicht doch noch mit zur FARK zu fah­ren, statt Wer­bung für eine Ver­an­stal­tung zu machen, die von mir knapp 15 Minu­ten Fahr­zeit weg ist und die ich eigent­lich gern unter­stüt­zen woll­te. Damit ist der gute Ein­druck vom Ver­an­stal­ter aus dem letz­ten Jahr lei­der dahin.

Und des­we­gen, lie­be Nach­fra­gen­de, gibt es kei­nen Bericht von der Medieval Fan­ta­sy Con­ven­ti­on 2017, tut mir leid, ich hät­te gern all jenen, die nicht kom­men konn­ten, Bil­der gezeigt. Und des­we­gen lei­ten ab sofort alle frü­he­ren Arti­kel zur Ver­an­stal­tung (mit durch­aus guter Plat­zie­rung in Goog­le) nur noch auf die­sen hier wei­ter, denn wer kei­ne Wer­bung will, bekommt auch kei­ne.

Aber viel­leicht möch­te der Ver­an­stal­ter das ja noch kom­men­tie­ren.

Der PHANTASTISCHE BÜCHERBRIEF 645 und 646

Dies­mal gibt es DEN PHANTASTISCHEN BÜCHERBRIEF gleich zwei­mal. Im ers­ten mit der Num­mer 645 fin­det sich eine umfang­rei­che Bespre­chung zu VALERIAN UND DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN, die den Umfang eines nor­ma­len Bücher­briefs gesprengt hät­te.

In der Num­mer 646 fin­det man dann wie gewohnt Erik Schrei­bers Bespre­chun­gen zu Publi­ka­tio­nen, dies­mal aus den Berei­chen Inter­na­tio­na­le Phan­tas­tik, Kri­mi & Thril­ler, Comic und Sekun­där­li­te­ra­tur.

Bei­de PHANTASTISCHE BÜCHERBRIEFE lie­gen wie immer im PDF-For­mat vor und kön­nen hier kos­ten­los her­un­ter gela­den wer­den.

Bücher­brief 654 Vale­ri­an (PDF, ca. 1,6 MB)

Bücher­brief 646 Juli 2017 (PDF, ca. 1 MB)

Comic Con: The Musical

Bald ist ja wie­der San Die­go Comic Con. The Ner­dist fei­ert das auf sei­ne Wei­se mit dem Video »Comic Con: The Musi­cal«.

Enjoy!

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Gamescom 2017: Neue Regeln für Cosplayer

Nach dem gigan­ti­schen Deba­kel im Vor­jahr, in dem die Ver­an­stal­ter der Spie­le­mes­se völ­lig dep­per­te Regeln für Cos­play­er auf­stell­te (sie­he mei­ne bei­den Arti­kel), denen man deut­lich anmerk­te, dass sie im Hau­ruck­ver­fah­ren raus­ge­hau­en wur­den und nicht wirk­lich durch­dacht waren, will man es in die­sem Jahr offen­bar bes­ser machen. Das dürf­te auf die mas­si­ve Kri­tik zurück­zu­füh­ren sein, die öffent­lich – auch von mir – am Ver­an­stal­ter geübt wur­de. Heu­te habe ich eine Mail erhal­ten, die auf die neu­en Regeln für die games­com 2017 hin­weist. Da ist in mei­nen Augen als ers­tes erfreu­lich, dass man dies­mal früh­zei­tig auf die Rege­lun­gen hin­weist.

Wei­ter­hin wird es einen Extra­ein­gang samt Gar­de­ro­be für Cos­play­er geben, dort soll spe­zi­ell geschul­tes Per­so­nal die Gewan­dun­gen und Acces­soires bewer­ten. Wie gut das funk­tio­niert, wird abzu­war­ten sein, von der RPC weiß ich, dass dort die Mit­glie­der des Wach­diens­tes stel­len­wei­se immer noch völ­lig idio­ti­sche Ent­schei­dun­gen tref­fen und völ­lig unwich­ti­ge oder lächer­li­che Din­ge bemän­geln. Da hat man eher den Ein­druck, dass sich ein paar jun­ge Män­ner wich­tig machen wol­len, zudem ist hier offen­bar der Nasen­fak­tor wich­ti­ger als kon­kre­te Richt­li­ni­en. Bleibt zu hof­fen, dass sol­che Ent­glei­sun­gen bei die­sem »spe­zi­ell geschul­ten« Per­so­nal nicht mehr vor­kom­men.

Wei­ter­hin sind Waf­fen­imi­ta­te nicht mehr grund­sätz­lich ver­bo­ten (Details dazu in einem PDF der Ver­an­stal­ter). zusätz­lich kann man Abbil­dun­gen sei­ner Cos­play-Waf­fen dem Ver­an­stal­ter vor­ab per Mail zusen­den, um eine Ein­schät­zung zu erhal­ten, ob die­se zuge­las­sen wer­den.

Aller­dings fin­det sich in der Email der Satz: »Die Koeln­mes­se behält sich das Recht vor, im Rah­men des Haus­rechts die Mit­nah­me von Waf­fen­imi­ta­tio­nen und Acces­soires zu unter­sa­gen.« Womit die Unsi­cher­heit dann wie­der vor­han­den ist, wenn man letzt­lich doch alles nach Guts­her­ren­art unter­sa­gen darf, was laut PDF eigent­lich erlaubt ist. Wer sich also sein Waf­fen­imi­tat per Email geneh­mi­gen lässt, soll­te die Email mit der Geneh­mi­gung im Zwei­fels­fall als Aus­druck oder auf dem Smart­phone dabei haben, um das nach­wei­sen zu kön­nen.

Bei den Vor­ab­ge­neh­mi­gun­gen per Mail hät­te ich gern Rück­mel­dun­gen von Cos­play­ern, ob das funk­tio­niert und was kon­kret bean­stan­det wird.

Im Gro­ßen und Gan­zen fin­de ich das aller­dings bis­her deut­lich pro­fes­sio­nel­ler durch­ge­führt als im letz­ten Jahr. Kri­tik hilft also doch.

Logo Games­com Copy­right Köln­mes­se GmbH

Medieval Fantasy Convention am 26. und 27. August 2017 auf Schloss Burg

Wie im ver­gan­ge­nen Jahr fin­det auch 2017 auf Schloss Burg in Solin­gen die Medieval Fan­ta­sy Con­ven­ti­on mit zahl­rei­chen Star­gäs­ten statt. Neben den Stars gibt es einen Mit­tel­al­ter­markt, Cos­play­er, Mer­chan­di­se, Gauk­ler und vie­les mehr.

Im ver­gan­ge­nen Jahr war das eine wirk­lich schö­ne Ver­an­stal­tung und ich freue mich, dass es sie 2017 erneut gibt.

Als Star­gäs­te kom­men unter ande­rem (das kann sich bis zur Ver­an­stal­tung natür­lich ändern, manch­mal müs­sen Schau­spie­ler halt auf­grund von Ter­mi­nen absa­gen): Sean Astin (HERR DER RINGE), David Wen­ham (HERR DER RINGE), Adam Brown (HOBBIT), Tom Hop­per (BLACK SAILS), Manu Ben­nett (ARROW), Corin Nemec (STARGATE), David Giunto­li (der Grimm aus GRIMM), Bit­sie Tul­loch (eben­falls GRIMM).

Alle Gäs­te und wei­te­re Infor­ma­tio­nen auf der Web­sei­te der Ver­an­stal­tung.

Pos­ter MFC Copy­right EPICON UG

In eigener Sache: Interview beim Würfelheld

Na schau mal einer an: André Sko­ra, der Wür­fel­held, hat mich für sein Blog inter­viewt und mir Fra­gen zu diver­sen The­men gestellt, bei­spiels­wei­se Phan­ta­News, den Steam­punk-Chro­ni­ken, Self­pu­bli­shing, Fan­dom, Pen & Paper-Rol­len­spiel und noch so eini­ges mehr.

Die Ergeb­nis­se die­ser Befra­gung kann man ab heu­te beim Wür­fel­held nach­le­sen.

Haltet die Buchmesse sauber! Weg mit Spaß und Cosplay!

Eigent­lich woll­te ich eine gehar­nisch­te Replik auf das sexis­ti­sche Alt­her­ren-Kul­tur­de­fi­nie­rer-Gesül­ze von Cars­ten Otte vom SRW ver­fas­sen, der im 21. Jahr­hun­dert ernst­haft die Ansicht ver­tritt, bun­te Fans und Man­ga pas­sen nicht zu einer »alt­ehr­wür­di­gen«, »ernst­haf­ten« Buch­mes­se Leip­zig. Und das aus äußerst kru­den Grün­den, die man schon mit zwölf Sekun­den Nach­den­ken aus­ein­an­der neh­men kann.

Aber ich muss gar nichts mehr dazu schrei­ben, das hat Lena Fal­ken­ha­gen schon aus­führ­lich, sach­kun­dig und mit wun­der­ba­rer Demon­ta­ge der Alt­her­ren­ar­gu­men­te auf Tor Online getan.

Ich habe dem nichts hin­zu­zu­fü­gen. Cha­peau und Dan­ke!

p.s.: Die Kari­ka­tur von Jean-Jaques Sei­ler zum The­ma kann man sich auch mal anse­hen.

[Update 21:10 Uhr:] Auch Cars­ten Otte ist die Kri­tik an sei­nen Aus­sa­gen zu Hasen­oh­ren gekom­men und er ver­sucht das, was sol­che Leu­te immer gern zu tun ver­su­chen: Alles von sich wei­sen, kri­tik­re­sis­tent auf sei­nen dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­füh­run­gen bestehen, und von irgend­wel­chen »straf­recht­lich rele­van­ten Äuße­run­gen« zu schwa­feln, um die Kri­ti­ker pau­schal zu dis­kre­di­tie­ren. Und vor allem ver­sucht er in durch­sich­tigs­ter Wei­se, Aus­fäl­le ein­zel­ner (die bekann­ter­ma­ßen in Sozia­len Medi­en vor­kom­men) auf die Sze­ne all­ge­mein zu schie­ben. Das ist in mei­nen Augen lei­der erbärm­lich und nichts ande­res als bil­li­ges Nach­tre­ten. In die­sem Licht soll­te man sei­nen Ein­füh­rungs­satz sehen:

Zunächst ein­mal ging es mir nicht dar­um, lite­ra­ri­sche Sub­kul­tu­ren zu dif­fa­mie­ren.

Und dann tut er das sofort noch­mal, indem er die gesam­te Sze­ne auf­grund von Äuße­run­gen ein­zel­ner Per­so­nen auf Sozia­len Medi­en dif­fa­miert, von denen er noch nicht ein­mal nach­wei­sen kann, dass die­se auch tat­säch­lich zum Fan­dom gehö­ren. Denn das kann er selbst­ver­ständ­lich nur anneh­men, aber zum Zeit­punkt sei­ner Aus­sa­ge nicht bele­gen.

Auch die­sen Satz muss man sich auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen:

Es lohnt sich aber den­noch zu dis­ku­tie­ren, ob die Art und Wei­se, wie sich man­che Cos­play­er insze­nie­ren, nicht im kras­sen Gegen­satz zu den von der Buch­mes­se defi­nier­ten Zie­len steht.

Was sind denn »die defi­nier­ten Zie­le der Buch­mes­se«? Die Ant­wort ist ein­fach: In ers­ter Linie geht es, wie bei jedem Wirt­schafts­un­ter­neh­men und auch der Buch­bran­che im all­ge­mei­nen, in ers­ter Linie dar­um, mög­lichst vie­le Ein­nah­men zu erzie­len. Alles Geschwa­fel und Getue um Hoch­li­te­ra­tur oder heh­re poli­ti­sche Zie­le sind letzt­lich nur PR-Getrom­mel, die der Gene­rie­rung von har­ten Mone­ten die­nen sol­len. Wer das anders sieht, soll­te drin­gend sei­nen Sinn für Rea­li­tät über­prü­fen.

Und dann noch der zwei­te Ansatz: Der SWR dürf­te es mit die­sem Click­bait-Arti­kel auf rich­tig viel Traf­fic gebracht haben – und das könn­te ein ande­rer Grund für des­sen Ver­öf­fent­li­chung gewe­sen sein. Aller­dings erwar­te ich von öffent­lich-recht­li­chen Medi­en Sach­lich­keit und nicht Click­bai­ting.

Inzwi­schen haben sich auch die Ver­an­stal­ter der Leip­zi­ger Buch­mes­se geäu­ßert.

Noch eine Reak­ti­on auf Spie­gel Online von Mar­ga­re­te Sto­kow­ski: Auch nack­te Hasen sind poli­tisch.

[Nach­trag 29.03.2017:] Übri­gens äußern sich die Ver­an­stal­ter der Buch­mes­se Leip­zig (und Frank­furt) selbst­ver­ständ­lich posi­tiv über Cos­play­er. Weil die medi­en­wirk­sam sind und somit kos­ten­los Wer­bung für die Ver­an­stal­tung machen. Und das obwohl sie sich ähn­lich merk­wür­di­gen, teil­wei­se lächer­li­chen, Vor­schrif­ten wie bei der Games­Com unter­wer­fen müs­sen. Da steht unter ande­rem:

Die Kos­tü­me dür­fen nicht zu frei­zü­gig sein, d.h. Ober­kör­per, Intim­be­reich und Po müs­sen aus­rei­chend von Klei­dung bedeckt sein – das gilt für bei­de Geschlech­ter.

Somit soll­ten die von Otte gese­he­nen por­no­gra­fi­schen Kos­tü­me nur sei­ner über­stei­ger­ten Prü­de­rie geschul­det sein, denn als Por­no-Hase kommt man gar nicht an den Ord­nern vor­bei.

Mini-Rant: Was läuft eigentlich in diesem deutschen SF-Fandom falsch?

Jeder, der sich inten­si­ver mit Sci­ence Fic­tion beschäf­tigt, weiß was Fan­zines sind. Fan­zines sind von Fans her­aus­ge­ge­be­ne Maga­zi­ne, die sich mit Aspek­ten der SF und ver­wand­ten Gebie­ten beschäf­ti­gen. Die gibt es seit vie­len, vie­len Jah­ren, seit man als Sterb­li­cher abseits von Ver­la­gen halb­wegs brauch­ba­ren Zugriff auf Ver­viel­fäl­ti­gungs­me­tho­den für Tot­holz bekam. Ich kann mich noch an Fan­zines erin­nern, die vor dem groß­flä­chi­gen Ent­ste­hen von Copy­shops mit Spi­ri­tus-Umdruck ent­stan­den sind. Mit Stück­zah­len, die man an vier Hän­den abzäh­len konn­te. Oder drei. Oder 20. Es gab Fan­zines mit den ver­schie­dens­ten Inhal­ten, man­che befass­ten sich sekun­där­li­te­ra­risch mit dem Ger­ne, ande­re brach­ten selbst­ver­fass­te Sto­ries, wie­der ande­re waren rei­ne Ego­zi­nes, die ver­mut­lich meis­ten ein Mix aus all dem. Fan­zines waren ein Aspekt des Gen­res und des Hob­bies, das nicht weg­zu­den­ken war – und streng genom­men bis heu­te ist.

Aber wenn wir das mal mit etwas Abstand und objek­tiv betrach­ten, dann waren das Publi­ka­ti­ons­for­men für jeder­mann, lan­ge bevor so etwas wie das Inter­net oder Self­pu­bli­shing all­ge­mein ver­füg­bar waren. Maga­zi­ne, die in eben­falls einer Art von Self­pu­bli­shing erschie­nen sind.

Und da kom­men wir zum Punkt: Ange­sichts die­ser jahr­zehn­te­lan­gen His­to­rie des Self­pu­bli­shings im deut­schen SF-Fan­dom kann ich abso­lut nicht nach­voll­zie­hen, war­um etli­che Prot­ago­nis­ten die­ses Geron­ten­stadls die­ser Grup­pie­rung heut­zu­ta­ge via Self­pu­bli­shing ver­öf­fent­lich­te Wer­ke oder Kurz­ge­schich­ten­samm­lun­gen pau­schal als »Mist« ableh­nen, ohne auch nur mal ein Blick hin­ein gewor­fen zu haben? War­um fin­den Self­pu­bli­shing-Wer­ke kei­ner­lei Berück­sich­ti­gung, wenn es um Prei­se aus dem Dunst­kreis »deut­sches SF-Fan­dom« geht, Ver­öf­fent­li­chun­gen in Fan­zines – die heu­te bis­wei­len noch wie mit Spi­ri­tus­um­druck her­ge­stellt wir­ken, selbst wenn sie eine Web­prä­senz sind – aber schon? Wird da mit zwei­er­lei Maß gemes­sen? Weil »wir das noch nie so gemacht haben«? War­um? Ich kann es ein­fach nicht nach­voll­zie­hen, denn es gibt frag­los im Bereich SF via Self­pu­bli­shing hau­fen­wei­se bemer­kens­wer­te Ver­öf­fent­li­chun­gen, sogar wel­che, die anders­wo Prei­se ein­heim­sen kön­nen. War­um wer­den die nicht zur Kennt­nis genom­men? Weil gera­de die Juro­ren für SF-Prei­se eine neue Tech­no­lo­gie wie eBooks und eBook-Rea­der als neu­mo­di­sches Teu­fels­werk ableh­nen und lie­ber ver­zückt an Dru­cker­schwär­ze und Buch­rü­cken­kleb­stoff von bedruck­tem Tot­holz schnüf­feln? Und weil sie nicht erken­nen, dass Self­pu­bli­shing so weit vom Fan­dom-Klas­si­ker Fan­zine nicht ent­fernt ist? Oder sind sie ver­grätzt, dass wir heu­te in der Lage sind, Sto­ry­samm­lun­gen via Ama­zon groß­flä­chig unters Volks zu brin­gen, statt nur zwei Hand­voll hand­ge­klam­mer­ter nach Sprit rie­chen­der Umdruck-Hef­te ver­tei­len oder per Post ver­schi­cken zu kön­nen? War­um leh­nen Urge­stei­ne, die uns frü­her mit mehr oder weni­ger schlecht kopier­ten Fan­zines zwei­fel­haf­ten Inhalts gequält haben (die aber den­noch als Fan-Arbeit selbst­ver­ständ­lich lie­bens- und bemer­kens­wert waren), heu­te ande­re Fans ab, die eigent­lich genau das­sel­be tun?

Ich ver­ste­he es nicht. Ich ver­ste­he es wirk­lich nicht.

p.s.: Nein, es geht dies­mal nicht um den DPP, selbst wenn der sich auch jah­re­lang mit Hän­den und Füßen gegen Self­pu­bli­shing gewehrt hat.

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