Haltet die Buchmesse sauber! Weg mit Spaß und Cosplay!

Haltet die Buchmesse sauber! Weg mit Spaß und Cosplay!

Eigent­lich woll­te ich eine gehar­nisch­te Replik auf das sexis­ti­sche Alt­her­ren-Kul­tur­de­fi­nie­rer-Gesül­ze von Cars­ten Otte vom SRW ver­fas­sen, der im 21. Jahr­hun­dert ernst­haft die Ansicht ver­tritt, bun­te Fans und Man­ga pas­sen nicht zu einer »alt­ehr­wür­di­gen«, »ernst­haf­ten« Buch­mes­se Leip­zig. Und das aus äußerst kru­den Grün­den, die man schon mit zwölf Sekun­den Nach­den­ken aus­ein­an­der neh­men kann.

Aber ich muss gar nichts mehr dazu schrei­ben, das hat Lena Fal­ken­ha­gen schon aus­führ­lich, sach­kun­dig und mit wun­der­ba­rer Demon­ta­ge der Alt­her­ren­ar­gu­men­te auf Tor Online getan.

Ich habe dem nichts hin­zu­zu­fü­gen. Cha­peau und Dan­ke!

p.s.: Die Kari­ka­tur von Jean-Jaques Sei­ler zum The­ma kann man sich auch mal anse­hen.

[Update 21:10 Uhr:] Auch Cars­ten Otte ist die Kri­tik an sei­nen Aus­sa­gen zu Hasen­oh­ren gekom­men und er ver­sucht das, was sol­che Leu­te immer gern zu tun ver­su­chen: Alles von sich wei­sen, kri­tik­re­sis­tent auf sei­nen dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­füh­run­gen bestehen, und von irgend­wel­chen »straf­recht­lich rele­van­ten Äuße­run­gen« zu schwa­feln, um die Kri­ti­ker pau­schal zu dis­kre­di­tie­ren. Und vor allem ver­sucht er in durch­sich­tigs­ter Wei­se, Aus­fäl­le ein­zel­ner (die bekann­ter­ma­ßen in Sozia­len Medi­en vor­kom­men) auf die Sze­ne all­ge­mein zu schie­ben. Das ist in mei­nen Augen lei­der erbärm­lich und nichts ande­res als bil­li­ges Nach­tre­ten. In die­sem Licht soll­te man sei­nen Ein­füh­rungs­satz sehen:

Zunächst ein­mal ging es mir nicht dar­um, lite­ra­ri­sche Sub­kul­tu­ren zu dif­fa­mie­ren.

Und dann tut er das sofort noch­mal, indem er die gesam­te Sze­ne auf­grund von Äuße­run­gen ein­zel­ner Per­so­nen auf Sozia­len Medi­en dif­fa­miert, von denen er noch nicht ein­mal nach­wei­sen kann, dass die­se auch tat­säch­lich zum Fan­dom gehö­ren. Denn das kann er selbst­ver­ständ­lich nur anneh­men, aber zum Zeit­punkt sei­ner Aus­sa­ge nicht bele­gen.

Auch die­sen Satz muss man sich auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen:

Es lohnt sich aber den­noch zu dis­ku­tie­ren, ob die Art und Wei­se, wie sich man­che Cos­play­er insze­nie­ren, nicht im kras­sen Gegen­satz zu den von der Buch­mes­se defi­nier­ten Zie­len steht.

Was sind denn »die defi­nier­ten Zie­le der Buch­mes­se«? Die Ant­wort ist ein­fach: In ers­ter Linie geht es, wie bei jedem Wirt­schafts­un­ter­neh­men und auch der Buch­bran­che im all­ge­mei­nen, in ers­ter Linie dar­um, mög­lichst vie­le Ein­nah­men zu erzie­len. Alles Geschwa­fel und Getue um Hoch­li­te­ra­tur oder heh­re poli­ti­sche Zie­le sind letzt­lich nur PR-Getrom­mel, die der Gene­rie­rung von har­ten Mone­ten die­nen sol­len. Wer das anders sieht, soll­te drin­gend sei­nen Sinn für Rea­li­tät über­prü­fen.

Und dann noch der zwei­te Ansatz: Der SWR dürf­te es mit die­sem Click­bait-Arti­kel auf rich­tig viel Traf­fic gebracht haben – und das könn­te ein ande­rer Grund für des­sen Ver­öf­fent­li­chung gewe­sen sein. Aller­dings erwar­te ich von öffent­lich-recht­li­chen Medi­en Sach­lich­keit und nicht Click­bai­ting.

Inzwi­schen haben sich auch die Ver­an­stal­ter der Leip­zi­ger Buch­mes­se geäu­ßert.

Noch eine Reak­ti­on auf Spie­gel Online von Mar­ga­re­te Sto­kow­ski: Auch nack­te Hasen sind poli­tisch.

[Nach­trag 29.03.2017:] Übri­gens äußern sich die Ver­an­stal­ter der Buch­mes­se Leip­zig (und Frank­furt) selbst­ver­ständ­lich posi­tiv über Cos­play­er. Weil die medi­en­wirk­sam sind und somit kos­ten­los Wer­bung für die Ver­an­stal­tung machen. Und das obwohl sie sich ähn­lich merk­wür­di­gen, teil­wei­se lächer­li­chen, Vor­schrif­ten wie bei der Games­Com unter­wer­fen müs­sen. Da steht unter ande­rem:

Die Kos­tü­me dür­fen nicht zu frei­zü­gig sein, d.h. Ober­kör­per, Intim­be­reich und Po müs­sen aus­rei­chend von Klei­dung bedeckt sein – das gilt für bei­de Geschlech­ter.

Somit soll­ten die von Otte gese­he­nen por­no­gra­fi­schen Kos­tü­me nur sei­ner über­stei­ger­ten Prü­de­rie geschul­det sein, denn als Por­no-Hase kommt man gar nicht an den Ord­nern vor­bei.

Leipziger Buchmesse vergrätzt Blogger durch fragwürdige Akkreditierungspraktiken

Leipziger Buchmesse vergrätzt Blogger durch fragwürdige Akkreditierungspraktiken

Die Buch­bran­che und auch die Leip­zi­ger Buch­mes­se hofie­ren seit eini­ger Zeit mas­siv Blog­ger. War­um das so ist, hat­ten wir hier auf Phan­ta­News vor einem Jahr anläss­lich der LBM über einen Gast­bei­trag mit dem Titel »Die Rat­ten­fän­ger von Leip­zig« the­ma­ti­siert: Weil Blog­ger vor allem spott­bil­li­ge Wer­bung sind.

Tat­säch­lich sieht es nun aller­dings so aus, als wol­le man gar nicht jeden »daher­ge­lau­fe­nen« Blog­ger dabei haben und möch­te Rosi­nen picken – oder das Akkre­di­tie­rungs­ver­fah­ren ist völ­lig plan­los. Dar­über berich­tet Dani­el Isber­ner auf sei­nem Blog, der hat gera­de auf sei­ne Pres­se­ak­kre­di­tie­rung hin eine Absa­ge bekom­men. Man muss sich hier wirk­lich fra­gen, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Ver­ant­wort­li­chen in Leip­zig die Blogs bzw. Blog­ger aus­su­chen? Ist ein Hei­ti­t­ei-Blüm­chen-Blog mit mas­sen­haft Bespre­chun­gen im Stil von »Ich habe das Buch gele­sen und es ist toll!!! Das Cover ist auch toll!!!!!11!einself!!1!« tat­säch­lich akkre­di­tie­rungs­wür­di­ger, als eines, das sich inhalt­lich mit ver­schie­de­nen Aspek­ten des Buch­han­dels (und zahl­lo­sen ande­ren The­men) beschäf­tigt, statt nur stumpf Mas­sen schlech­ter Buch­re­zen­sio­nen zu ver­öf­fent­li­chen? Aus der Sicht der Ver­an­stal­ter und Ver­la­ge, denen es tat­säch­lich nur um bil­li­ge Wer­bung geht, ganz sicher.

Das Ver­fah­ren an sich scheint sei­tens der Ver­an­stal­ter aller­dings auch höchst unpro­fes­sio­nell durch­ge­führt zu wer­den. Dani­el schreibt dazu:

Das betrifft dabei auch eine Men­ge Blog­ger, die in den Vor­jah­ren noch anstands­los akkre­di­tiert wur­den und geht teil­wei­se sogar so weit, dass bei Blogs, die von zwei Per­so­nen betrie­ben wer­den einer Per­son schon vor Wochen eine Akkre­di­tie­rung erteilt wur­de und die ande­re ges­tern ihre Absa­ge bekom­men hat.

Man kann dar­aus aber ein­deu­tig ent­neh­men, dass alle Vor­wür­fe, es gin­ge nur um Wer­bung, offen­sicht­lich kor­rekt sind, denn anders lässt sich das Ver­hal­ten der Ver­an­stal­ter der Buch­mes­se Leip­zig kaum erklä­ren.

Neben Dani­el wur­de sei­nen Aus­sa­gen zufol­ge ges­tern auch hau­fen­wei­se wei­te­ren Blogs abge­sagt. War­um das erst so kurz vor der Mes­se pas­siert, ist eben­falls nicht erklär­lich, denn eine sol­che Absa­ge soll­te zeit­nah nach der Akkre­di­tie­rung erfol­gen, und nicht erst nach Guts­her­ren­art an alle zusam­men kurz vor der Ver­an­stal­tung, um nega­ti­ve Publi­ci­ty zu ver­mei­den. Es mag den Ver­ant­wort­li­chen viel­leicht komisch vor­kom­men, aber auch Blog­ger benö­ti­gen eine gewis­se Pla­nungs­si­cher­heit. Dani­el schreibt wei­ter:

Die Leip­zi­ger Buch­mes­se akkre­di­tiert also aus­ge­spro­chen will­kür­lich und die eige­nen Richt­li­ni­en schei­nen nur bedingt zu gel­ten. Tat­säch­lich muss man sogar anneh­men, dass es schlicht­weg ein Kon­tin­gent der Zahl X für Blog­ger gab und sobald das aus­ge­schöpft war hane­bü­che­ne Begrün­dun­gen her­hal­ten muss­ten, war­um man nicht mehr Blog­ger akkre­di­tiert. Das erklärt auch, war­um man mit den Absa­gen bis ges­tern gewar­tet hat, denn mitt­ler­wei­le kann man kaum noch ande­re Leu­te davon über­zeu­gen, die Leip­zi­ger Buch­mes­se aus­fal­len zu las­sen (die haben ihr Ticket ja alle schon) und hat teil­wei­se schon selbst Ter­mi­ne auf der Mes­se ver­ein­bart, muss sich also nun zwangs­wei­se ein Ticket kau­fen.

Die­se Ein­schät­zung der Tak­tik der Mes­se­ver­an­stal­ter dürf­te mei­ner Ansicht nach zutref­fend sein.

Man kann es nur erneut deut­lich sagen: Blog­ger, lasst euch von der Buch­mes­se Leip­zig und der Bran­che nicht ver­ar­schen!