Leipziger Buchmesse vergrätzt Blogger durch fragwürdige Akkreditierungspraktiken

Leipziger Buchmesse vergrätzt Blogger durch fragwürdige Akkreditierungspraktiken

Die Buch­bran­che und auch die Leip­zi­ger Buch­mes­se ho­fie­ren seit ei­ni­ger Zeit mas­siv Blog­ger. War­um das so ist, hat­ten wir hier auf Phan­ta­News vor ei­nem Jahr an­läss­li­ch der LBM über ei­nen Gast­bei­trag mit dem Ti­tel »Die Rat­ten­fän­ger von Leip­zig« the­ma­ti­siert: Weil Blog­ger vor al­lem spott­bil­li­ge Wer­bung sind.

Tat­säch­li­ch sieht es nun al­ler­dings so aus, als wol­le man gar nicht je­den »da­her­ge­lau­fe­nen« Blog­ger da­bei ha­ben und möch­te Ro­si­nen picken – oder das Ak­kre­di­tie­rungs­ver­fah­ren ist völ­lig plan­los. Dar­über be­rich­tet Da­ni­el Is­ber­ner auf sei­nem Blog, der hat ge­ra­de auf sei­ne Pres­se­ak­kre­di­tie­rung hin eine Ab­sa­ge be­kom­men. Man muss sich hier wirk­li­ch fra­gen, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Ver­ant­wort­li­chen in Leip­zig die Blogs bzw. Blog­ger aus­su­chen? Ist ein Hei­ti­tei-Blüm­chen-Blog mit mas­sen­haft Be­spre­chun­gen im Stil von »Ich habe das Buch ge­le­sen und es ist toll!!! Das Co­ver ist auch toll!!!!!11!einself!!1!« tat­säch­li­ch ak­kre­di­tie­rungs­wür­di­ger, als ei­nes, das sich in­halt­li­ch mit ver­schie­de­nen As­pek­ten des Buch­han­dels (und zahl­lo­sen an­de­ren The­men) be­schäf­tigt, statt nur stumpf Mas­sen schlech­ter Buch­re­zen­sio­nen zu ver­öf­fent­li­chen? Aus der Sicht der Ver­an­stal­ter und Ver­la­ge, de­nen es tat­säch­li­ch nur um bil­li­ge Wer­bung geht, ganz si­cher.

Das Ver­fah­ren an sich scheint sei­tens der Ver­an­stal­ter al­ler­dings auch höch­st un­pro­fes­sio­nell durch­ge­führt zu wer­den. Da­ni­el schreibt dazu:

Das be­trifft da­bei auch eine Men­ge Blog­ger, die in den Vor­jah­ren noch an­stands­los ak­kre­di­tiert wur­den und geht teil­wei­se so­gar so weit, dass bei Blogs, die von zwei Per­so­nen be­trie­ben wer­den ei­ner Per­son schon vor Wo­chen eine Ak­kre­di­tie­rung er­teilt wur­de und die an­de­re ge­stern ihre Ab­sa­ge be­kom­men hat.

Man kann dar­aus aber ein­deu­tig ent­neh­men, dass alle Vor­wür­fe, es gin­ge nur um Wer­bung, of­fen­sicht­li­ch kor­rekt sind, denn an­ders lässt sich das Ver­hal­ten der Ver­an­stal­ter der Buch­mes­se Leip­zig kaum er­klä­ren.

Ne­ben Da­ni­el wur­de sei­nen Aus­sa­gen zu­fol­ge ge­stern auch hau­fen­wei­se wei­te­ren Blogs ab­ge­sagt. War­um das erst so kurz vor der Mes­se pas­siert, ist eben­falls nicht er­klär­li­ch, denn eine sol­che Ab­sa­ge soll­te zeit­nah nach der Ak­kre­di­tie­rung er­fol­gen, und nicht erst nach Guts­her­ren­art an alle zu­sam­men kurz vor der Ver­an­stal­tung, um ne­ga­ti­ve Pu­bli­ci­ty zu ver­mei­den. Es mag den Ver­ant­wort­li­chen viel­leicht ko­mi­sch vor­kom­men, aber auch Blog­ger be­nö­ti­gen eine ge­wis­se Pla­nungs­si­cher­heit. Da­ni­el schreibt wei­ter:

Die Leip­zi­ger Buch­mes­se ak­kre­di­tiert also aus­ge­spro­chen will­kür­li­ch und die ei­ge­nen Richt­li­ni­en schei­nen nur be­dingt zu gel­ten. Tat­säch­li­ch muss man so­gar an­neh­men, dass es schlicht­weg ein Kon­tin­gent der Zahl X für Blog­ger gab und so­bald das aus­ge­schöpft war ha­ne­bü­che­ne Be­grün­dun­gen her­hal­ten muss­ten, war­um man nicht mehr Blog­ger ak­kre­di­tiert. Das er­klärt auch, war­um man mit den Ab­sa­gen bis ge­stern ge­war­tet hat, denn mitt­ler­wei­le kann man kaum noch an­de­re Leu­te da­von über­zeu­gen, die Leip­zi­ger Buch­mes­se aus­fal­len zu las­sen (die ha­ben ihr Ticket ja alle schon) und hat teil­wei­se schon selbst Ter­mi­ne auf der Mes­se ver­ein­bart, muss sich also nun zwangs­wei­se ein Ticket kau­fen.

Die­se Ein­schät­zung der Tak­tik der Mes­se­ver­an­stal­ter dürf­te mei­ner An­sicht nach zu­tref­fend sein.

Man kann es nur er­neut deut­li­ch sa­gen: Blog­ger, lasst euch von der Buch­mes­se Leip­zig und der Bran­che nicht ver­ar­schen!

Leipziger Buchmesse: Podiumsdiskussion über Blogger – ohne Blogger

Leipziger Buchmesse: Podiumsdiskussion über Blogger – ohne Blogger

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Nach In­for­ma­tio­nen des Buch­re­ports wird auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se eine Po­di­ums­dis­kus­si­on zum The­ma »Blog­ger« und »Blogs« statt­fin­den. Al­ler­dings ohne Blog­ger. Da­für mit Ver­tre­tern von Tot­holz­me­di­en und Ver­la­gen.

Es ist sei­tens die­ser Bran­che kaum noch deut­li­cher zu do­ku­men­tie­ren, dass man Blog­ger nur für bil­li­ge Wer­be­scha­fe hält, de­nen man bloß dar­über hin­aus kei­ne Stim­me zu­ge­ste­hen soll­te. Das passt ja auch ge­ra­de­zu per­fekt zur Mel­dung, dass die ein­tä­gi­ge In­fo­ver­an­stal­tung Blog­ger­ses­si­ons eben­falls wei­test­ge­hend ohne Blog­ger statt­fin­den wird.

Die Bran­che macht sich ihre Welt Blo­gosphä­re, wie sie ihr ge­fällt. Man möch­te also über Blog­ger re­den und sie selbst­ver­ständ­li­ch als gün­sti­ge oder so­gar ko­sten­lo­se Wer­be­flä­che nut­zen. Aber sie sol­len bit­te fern blei­ben, wenn sich die »Er­wach­se­nen« un­ter­hal­ten. Das ist al­les ähn­li­ch pein­li­ch, wie die kläg­li­chen Ver­su­che der Buch­mes­sen auf You­tube.

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Bloggersessions 16 auf der Leipziger Buchmesse?

Bloggersessions 16 auf der Leipziger Buchmesse?

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Im Rah­men der Leip­zi­ger Buch­mes­se fin­det eine Ver­an­stal­tung na­mens »Blog­ger­ses­si­ons 16« statt (die »16« wei­st üb­ri­gens auf das Jahr hin, nicht auf die lau­fen­de Num­mer der Ver­an­stal­tung – vor 16 Jah­ren wuss­ten die ver­mut­li­ch noch nicht mal, wie man »In­ter­net« buch­sta­biert). Da­für nimmt man vor­sichts­hal­ber auch gleich mal or­dent­li­ch Geld. Wenn man al­ler­dings an­nimmt, dass es bei den Blog­ger­ses­si­ons etwa um Blog­ger und de­ren Blogs geht, oder dass Blog­ger ei­nen zen­tra­len Punkt bei der Ver­an­stal­tung bil­den, der irrt. Ge­ra­de mal zwei Blog­ger dür­fen im Zeit­s­lot zwi­schen 12:00 und 13:00 Uhr et­was vor­tra­gen, und das auch nur zeit­gleich mit ei­nem an­de­ren Vor­trag, der sich um recht­li­che Be­lan­ge bei Buch­blogs dreht.

In al­len an­de­ren Pro­gramm­punk­ten er­klä­ren ir­gend­wel­che Schlau­ber­ger von Ver­la­gen und Co., was Blogs ih­rer An­sicht nach sind, und wie ge­fäl­lig­st de­ren In­hal­te aus­zu­se­hen ha­ben, da­mit sie das Wohl­ge­fal­len der Bran­che fin­den. Wir er­in­nern uns: Das sind ge­n­au die­sel­ben Fi­gu­ren, die bis heu­te nicht rich­tig mit dem Web, mit so­zia­len Me­di­en oder auch nur eBooks zu­recht kom­men.

Bei­spie­le:

Li­te­ra­tur­blog­ger her­zen sich fern­ab jeg­li­cher Ge­schäfts­mo­del­le und be­die­nen ko­sten- und kri­tik­los die Wün­sche der Ver­la­ge.

Ja, si­cher, das ist ga­ran­tiert de­ren feuch­ter Traum, dass man das ko­sten- und kri­tik­los tut. Das ist aber nicht blog­gen. Das ist ein­fach Wer­bung. Und das »Her­zen« zeigt al­lein schon, wie we­nig ern­st man den Bür­ger­jour­na­lis­mus nimmt.

Di­rekt aus dem Ver­lags­we­sen be­rich­tet Rai­ner Dre­sen was beim Zi­tie­ren, Ver­wen­den von Co­vern, Au­to­ren­fo­tos usw. be­ach­tet wer­den muss.

Rai­ner Dre­sen ist der Ju­sti­zi­ar der Ver­lags­grup­pe Ran­dom Hou­se. Und der er­läu­tert das ganz si­cher völ­lig neu­tral und in kei­ner Wei­se zu­gun­sten der Ver­la­ge ge­prägt. Glaubt das ir­gend je­mand?

Ge­ra­de für Neu­lin­ge in der Blog­ger­welt ist es wich­tig, kon­kre­te Ru­bri­ken im Blog zu ha­ben, die­se re­gel­mä­ßig zu be­fül­len und Kon­ti­nui­tät auf­zu­bau­en. Da­bei hel­fen ein Re­dak­ti­ons­plan und die rich­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on un­ge­mein.

Bit­te? Viel­leicht wenn man ein Ver­lags­blog be­treibt. Die­ser Vor­trag kommt von Lovely­books. An­ge­sichts de­ren völ­lig un­er­go­no­mi­scher Platt­form­soft­ware soll­te man viel­leicht eher weg­hö­ren, wenn sie er­läu­tern, was sie durch ihre bran­chen­ge­tön­te Bril­le für »rich­ti­ges« Blog­gen hal­ten. Au­then­ti­sch sieht si­cher an­ders aus.

Blog­ger und Ver­la­ge spre­chen über die Mög­lich­kei­ten für Blog­ger Ge­schäfts­mo­del­le auf­zu­bau­en und die Blogs zu pro­fes­sio­na­li­sie­ren.

Und da sieht man ab­schlie­ßend, dass die tat­säch­li­ch nicht mal an­satz­wei­se ver­stan­den ha­ben, wor­um es beim Blog­gen ei­gent­li­ch geht. Si­cher nicht in er­ster Li­nie ums »Pro­fes­sio­na­li­sie­ren«, auch wenn jeg­li­che an­de­re Vor­stel­lung den um­satz­ge­präg­ten Ver­la­gen fremd er­schei­nen muss.

Scha­de, dass ich mich da­ge­gen ent­schie­den habe, die LBM auf­zu­su­chen, die 35 Euro hät­te ich wohl mal in­ve­stiert, auch wenn ich arge Sor­ge um mein Zwerch­fell ha­ben müss­te.

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Buchhandel.de, Cover und die Blogger: Die Antwort von MVB

Buchhandel.de, Cover und die Blogger: Die Antwort von MVB

Buchcover BloggerGe­stern hat­te ich auf – vor­sich­tig aus­ge­drückt – merk­wür­di­ge Pas­si auf ei­ner Web­sei­te von buchhandel.de hin­ge­wie­sen, be­trie­ben von MVB, ei­ner Toch­ter des Bör­sen­ver­eins des deut­schen Buch­han­dels. Da war man in mei­nen Au­gen of­fen­bar der An­sicht, dass jede Nut­zung ei­nes Buch­co­ver­bil­des ei­nen Ur­he­ber­rechts­ver­stoß dar­stell­te, oder woll­te zu­min­dest die­sen Ein­druck er­wecken. Zu­dem soll­te man sich Nut­zungs­be­din­gun­gen un­ter­wer­fen, die un­ter an­de­rem eine Prü­fung auf Kre­dit­wür­dig­keit be­inhal­te­ten.

Ich hat­te dar­auf­hin MVB über die an­ge­ge­be­ne Kon­takt­adres­se ei­ni­ge Fra­gen zu dem The­men­kom­plex ge­stellt, die möch­te ich hier noch­mal wie­der­ge­ben:

wei­ter­le­sen →

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Buchcover BloggerBuchhandel.de ist eine Platt­form der Bör­sen­ver­eins-Toch­ter MVB. Da kann man on­line Bü­cher kau­fen. Oder eBooks. Sie ha­ben lan­ge ge­braucht, um die­se halb­wegs er­go­no­mi­sch zu ge­stal­ten (die Such­ma­schine lässt nach wie vor zu wün­schen üb­rig). Und die ge­rie­ren sich jetzt als gro­ße Gön­ner der Buch­blog­ger, denn in ih­rer un­end­li­chen Groß­zü­gig­keit er­laubt man die­sen Blog­gern, Buch­co­ver für Re­zen­sio­nen nut­zen zu dür­fen.

Nein! Doch! Oh!

Die Rah­men­be­din­gun­gen sind in mei­nen Au­gen fast schon gro­tesk zu nen­nen. Zum ei­nen muss man sich zwin­gend re­gi­strie­ren und da­bei per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten wie den Re­al­na­men an­ge­ben (was ist mit der ge­setz­li­chen Vor­ga­be laut Te­le­me­di­en­ge­setz, On­line­an­ge­bo­te auch an­onym oder mit Pseud­onym nut­zen zu kön­nen? War­um will MVB sich bei ei­ner An­mel­dung ein­räu­men, die Kre­dit­wür­dig­keit des Blog­be­trei­bers zu prü­fen?). Zum an­de­ren wei­st man dar­auf hin, dass Buch­co­ver rechts­si­cher zu nut­zen sei­en, wenn man sich den Vor­ga­ben un­ter­wirft. Auf der Sei­te spricht man tat­säch­li­ch kon­kret von »rechts­si­cher« und baut in mei­nen Au­gen eine rei­ne Droh­ku­lis­se im Zu­sam­men­hang mit dem Ur­he­ber­recht auf Buch­co­ver auf, soll­te man sich nicht an ihre Vor­ga­ben hal­ten. Dum­mer­wei­se wur­de das al­ler­dings of­fen­bar von je­man­dem ver­fasst, der we­der über tech­ni­sche noch recht­li­che Ex­per­ti­se ver­fügt.

Die Droh­ku­lis­se ver­wei­st auf das Ur­he­ber­recht in Sa­chen Buch­co­ver und auf »straf­recht­li­che Fol­gen« (ich lach­te). Man kann auf der Sei­te le­sen:

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Leistungsschutzrecht: zieht euch warm an!

Be­reits seit Län­ge­rem ver­su­chen ge­wis­se Zei­tungs­ver­le­ger be­kann­ter­ma­ßen, sich Text­schnip­sel und Über­schrif­ten im Rah­men ei­nes so­ge­nann­ten »Lei­stungs­schutz­rech­tes« schüt­zen zu las­sen und be­trie­ben da­für mas­si­ve Lob­by­ar­beit bei den Kli­en­tel­po­li­ti­kern von CDU/CSU und FDP; fe­der­füh­rend ist hier bei­spiels­wei­se der Axel Sprin­ger-Ver­lag, be­kannt durch das Re­vol­ver­blatt BILD. Die Lob­by-Ma­ni­pu­la­tio­nen führ­ten na­tür­li­ch zum ge­wünsch­ten Er­geb­nis: Schwarz-Gelb hat ein ent­spre­chen­des Ge­setz vor­be­rei­tet, des­sen In­halt An­fang der Wo­che be­kannt wur­de.

Und: wel­ch´ Wun­der … war zu­er­st die Rede da­von, dass es haupt­säch­li­ch dar­um geht, Goo­gle für sei­ne Dienst­lei­stung Rech­nun­gen stel­len zu kön­nen – man sprach be­reits von ei­nen »Lex Goo­gle« – ist vom Such­ma­schi­nen­an­bie­ter und In­ter­net­gi­gan­ten nun auf ein­mal nicht mehr die Rede (kein Wun­der: der nimmt ein­fach die Ver­la­ge aus sei­nen Such­ergeb­nis­sen und lässt sie am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern – kei­ne Le­ser mehr auf ih­ren Pay­wall-ge­si­cher­ten Web­sei­ten woll­ten die Ver­le­ger dann eben­falls nicht – also möch­te man Blog­ger ab­zocken, die ha­ben schließ­li­ch kei­ne Rechts­ab­tei­lung). Da­für fin­den sich Pas­si, die kon­kret und di­rekt dar­auf aus­ge­legt sind, Blog­gern das Le­ben so schwer wie mög­li­ch zu ma­chen und Ab­mahn­ab­zockern (ali­as ent­spre­chend tä­ti­gen An­wäl­ten) ein dau­er­haft ge­si­cher­tes Ein­kom­men zu ver­schaf­fen.

Zwar wird all­ge­mein voll­mun­dig be­haup­tet, dass die zu schüt­zen­den Pres­se­tex­te (bis hin zu Mi­kro­for­mu­lie­run­gen, die nor­ma­ler­wei­se bei Nut­zung un­ter das Zi­tat­recht fal­len) nur nicht »kom­mer­zi­ell« ver­wen­det wer­den dür­fen – un­ter kom­mer­zi­ell ver­steht Schwarz-Gelb al­ler­dings kei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht oder ge­schäfts­mä­ßi­ge Tä­tig­keit, es reicht be­reits ein simp­ler Flattr-But­ton!

Ich will mich hier gar nicht in De­tails er­ge­hen, die recht­li­che und ge­sell­schaft­li­che Be­wer­tung ha­ben an­de­re be­reits ein­drucks­voll ge­lei­stet, bei­spiels­wei­se Udo Vet­ter in sei­nem Law Blog (un­be­dingt le­sen!), Tho­mas Stad­ler auf In­ter­net-Law und Kai Bier­mann in der Zeit.

Hier wird nicht nur ver­sucht, ein ver­al­te­tes Ge­schäfts­mo­dell auf Ko­sten der All­ge­mein­heit am Le­ben zu er­hal­ten, hier wer­den nach den Ana­ly­sen nicht we­ni­ger Fach­leu­te die Bür­ger­rech­te mit Fü­ßen ge­tre­ten. Soll­te das Ge­setz in Kraft tre­ten wäre es ein ein­deu­ti­ger Fall für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.

Wir soll­ten aber da­für sor­gen, dass es gar nicht erst dazu kommt!

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen fin­den sich bei­spiels­wei­se auf der Web­sei­te der »In­itia­ti­ve ge­gen ein Lei­stungs­schutz­recht«. In­for­miert euch! Ver­brei­tet die In­for­ma­tio­nen!

Creative Commons License

Bild: »Fear! The Ab­mahn­an­walt«, Co­py­right Jo­han­nes Kretz­sch­mar, CC BY-NC-SA

WordPress-Plugin: Autorbeschwerde

Es wur­de hau­fen­wei­se ge­wünscht, hier ist es: mit­tels des Plug­ins »Phan­ta­News Au­tor­be­schwer­de« (ein Name wie eine Steu­er­er­klä­rung :o) wer­det ihr in die Lage ver­setzt, ein For­mu­lar zum Zu­sam­menklicken ei­ner Be­schwer­de in den Kom­men­ta­ren ei­nes miss­lie­bi­gen Buch­blog­gers in euer Word­Press-ba­sier­tes Blog ein­zu­bin­den.

Die In­stal­la­ti­on ge­schieht wie bei je­dem an­de­ren Plugin auch, in­dem man den ent­pack­ten Plugin-Ord­ner (»au­tor­be­schwer­de«) ent­we­der per FTP ins Word­Press-Ver­zeich­nis hoch­lädt, oder die zip-Da­tei im Backend un­ter »Plug­ins in­stal­lie­ren« hoch­lädt. Ein­zu­stel­len ist nix.

Man kann das For­mu­lar dann mit­tels des Short­codes [ au­tor­form ] (ohne die Leer­zei­chen, aber die muss ich hier aber ein­bau­en, son­st wird nicht der Short­code an­ge­zeigt, son­dern das Be­schwer­de­for­mu­lar :o) in ei­nen Ar­ti­kel oder in eine Sei­te ein­fü­gen.

Das Plugin steht un­ter ei­ner Crea­ti­ve Com­mons-Li­zenz: CC-BY. Wenn ihr es ver­wen­det, dann nennt bit­te Phan­ta­News und ver­linkt auf phantanews.de. Wer es an­ders­wo ein­bin­den möch­te und grund­le­gen­de php-Kennt­nis­se hat: der Code ist kein Zau­ber­werk (im Ge­gen­teil). Ihr dürft auf­grund der Li­zenz auch ab­ge­lei­te­te Wer­ke schaf­fen, so­lan­ge ihr Phan­ta­News nennt und hier­her ver­linkt. :o)

Down­load Phan­ta­News Au­tor­be­schwer­de (zip-Da­tei, ca. 5k)

Internet: das Ende der »Mittler«?

InternetWir ha­ben ein Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung (ein­ge­schränkt durch z.B. Ju­gend­schutz­ge­set­ze) und wir ha­ben ein Grund­recht auf In­for­ma­ti­ons­frei­heit, das be­deu­tet, dass man die Quel­len aus de­nen man sich in­for­miert frei wäh­len darf (so­lan­ge sie im Ein­klang mit dem Ge­setz ste­hen).

Vor der brei­ten Ent­deckung des In­ter­net durch die Bür­ger war ins­be­son­de­re bei der In­for­ma­ti­ons­frei­heit die Aus­wahl be­schränkt: Man er­hielt sei­ne In­for­ma­tio­nen haupt­säch­li­ch aus Fern­se­hen und Ta­ges­zei­tun­gen. Auch im Be­reich Un­ter­hal­tung war man auf die vor­ge­ge­be­nen und vor­sor­tier­ten me­dia­len Kon­ser­ven der ein­schlä­gi­gen »In­hal­te­an­bie­ter« (neu­sprech: »Con­tent Pro­vi­der«) wie Ver­le­ger, Fern­seh­sen­der oder (bei der mu­si­ka­li­schen Un­ter­hal­tung) Mu­sik­mul­tis an­ge­wie­sen, denn es gab kaum Al­ter­na­ti­ven.

Das än­dert sich zur Zeit mas­siv und dra­sti­sch. Ein Web­ser­ver ist schnell an­ge­mie­tet, noch schnel­ler kann man bei­spiels­wei­se ein vor­ge­fer­tig­tes Blog nut­zen, um selbst zum An­bie­ter von In­hal­ten zu wer­den. Da­mit wer­den die Mitt­ler im­mer mehr aus­ge­schal­tet, man in­for­miert sich nicht mehr nur über Ta­ges­schau, Zeit, Blöd Bild und Co. son­dern auch über Bür­ger­jour­na­lis­mus und Mei­nungs­mul­ti­pli­ka­to­ren im Netz – die zu­vor mit Si­cher­heit bei den eta­blier­ten, an­ge­pass­ten und zum Teil gleich­ge­schal­te­ten (oder gar ver­dum­men­den) Me­di­en kei­ne Stim­me ge­fun­den hät­ten. Klar gibt es eine Men­ge über­flüs­si­ges Grund­rau­schen von Wich­tig­tu­ern oder Dumm­schwät­zern, aber wen stört es? Die wich­ti­gen und gu­ten Blogs wer­den auch ge­le­sen, zi­tiert und so­gar über das Netz hin­aus wahr­ge­nom­men. Im Un­ter­hal­tungs­be­reich kön­nen Ni­schen­grup­pen und -In­ter­es­sen be­dient wer­den, de­rer sich die Eta­blier­ten nie­mals an­neh­men wür­den. All das gilt für In­for­ma­ti­on wie auch für Un­ter­hal­tung al­len For­men.

Es ist ab­zu­se­hen, dass das Ende für die »Mitt­ler« kom­men wird. Schnel­ler als man mei­nen könn­te und so­gar schnel­ler als bei den Ver­la­gen, Ver­le­gern und son­sti­gen klas­si­schen In­hal­te­an­bie­tern vie­le be­reits fürch­ten. Das se­hen die auch selbst, wie die bis­wei­len ver­zwei­felt an­mu­ten­den Be­mü­hun­gen zei­gen, ent­we­der bei Re­gie­run­gen ei­nen Be­stands­schutz für ihr über­hol­tes Ge­schäfts­mo­dell ein­zu­for­dern, oder aber sich der Kon­kur­renz durch Bür­ger­jour­na­li­sten oder »nicht­pro­fes­sio­nel­le« An­bie­ter von Un­ter­hal­tung auf die ver­schie­den­sten Ar­ten zu ent­le­di­gen.

Der vor­geb­li­che Ju­gend­schutz der mit der Neu­ord­nung des Ju­gend­me­di­en­schutz-Staats­ver­trags an­ge­strebt wird, ist mei­ner An­sicht nach eben­falls ein kaum ver­deck­ter Ver­su­ch, die­sen Bür­ger­jour­na­lis­mus und den di­rek­ten Kul­tur­aus­tau­sch zwi­schen den Men­schen mit un­er­füll­ba­ren Klau­seln aus­zu­he­beln und durch die Hin­ter­tür Zen­sur­me­cha­nis­men zu in­stal­lie­ren, nach­dem das öf­fent­li­ch über die Ge­setz­ge­bung nicht funk­tio­niert hat.

Ei­nen deut­li­ch de­tail­lier­te­ren und sehr emp­feh­lens­wer­ten Text hier­zu fin­det man auf der »Wun­der­ba­ren Welt von Iso­topp«. Le­sen!

Bild: »In­ter­net« von Transcam auf flickr, CC-Li­zenz

Welches »Recht« haben Volksvertreter an Städten?

Rathaus AugsburgEs ging ge­stern durch die Blo­gosphä­re und die Ol­die-Me­di­en: Ein Blog­ger hat­te bei der Ver­wal­tung der Stadt Augs­burg um Er­laub­nis ge­be­ten, un­ter der Web­adres­se augsburgr.de ein Blog be­trei­ben zu dür­fen. Statt ei­nes ein­fa­chen »nein« oder »ja« war ihm dann eine Un­ter­las­sungs­auf­for­de­rung ei­nes von der Stadt­ver­wal­tung be­auf­trag­ten An­walts samt Ko­sten­no­te in Höhe von über 1800 Euro ins Haus ge­flat­tert. Auch wenn der Bür­ger­mei­ster von Augs­burg in­zwi­schen eher halb­her­zig zu­rück­ge­ru­dert ist und der Blog­ger nicht mehr zah­len soll, bleibt die Hand­lungs­wei­se der Ver­wal­tung bür­ger­feind­li­ch, bü­ro­kra­ti­sch und ins­be­son­de­re mensch­li­ch nicht nach­voll­zieh­bar.

Es stellt sich aber in die­sem Zu­sam­men­hang ganz klar eine Fra­ge: Wel­che Rech­te ha­ben die Stadt­ver­wal­tun­gen tat­säch­li­ch an den Städ­te­na­men? Im­mer­hin han­delt es sich bei den in den Städ­ten am Ru­der ste­he­nen Po­li­ti­kern um ge­wähl­te Ver­tre­ter des Vol­kes, die im Rah­men der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie im Auf­trag der Bür­ger han­deln, da­durch aber an der Bun­des­re­pu­blik oder de­ren Tei­len kei­ne Be­sitz­rech­te er­wer­ben. Auch die Ver­wal­tun­gen sind In­sti­tu­tio­nen, die für den Bür­ger und ge­steu­ert von der Po­li­tik eben die Or­ga­ni­sta­ti­on von Län­dern, Städ­ten und Ge­mein­den über­neh­men, aber des­we­gen noch lan­ge kein Be­sitz­recht dar­an er­hal­ten. Und auch Be­am­te sind so­ge­nann­te »Staats­die­ner« – und der Staat sind wir alle!
Die Recht­spre­chung mag das viel­leicht an­ders se­hen (im vor­lie­gen­den Fall darf al­ler­dings deut­li­ch be­zwei­felt wer­den, dass Augs­burg vor Ge­richt durch­ge­kom­men wäre), aber »ge­hö­ren« letzt­end­li­ch die Rech­te an Städ­te­na­men und ähn­li­chem nicht den Bür­gern, also mit­hin uns al­len? Es ist viel­leicht noch nach­zu­voll­zie­hen, wenn Do­mains mit dem ge­nau­en Na­men der Ge­mein­de der Ver­wal­tung zu­ge­spro­chen wer­den, aber es kann nicht an­ge­hen, dass alle da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Adres­sen vom Amts­schim­mel au­to­ma­ti­sch als »meins« ge­se­hen wer­den.

Hier ein Up­date (27.11.2009): Oder war es gar Vet­tern­wirt­schaft?

Bild: Rat­haus Augs­burg, aus der Wi­ki­pe­dia