Internet: das Ende der »Mittler«?

InternetWir ha­ben ein Grund­recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung (ein­ge­schränkt durch z.B. Ju­gend­schutz­ge­set­ze) und wir ha­ben ein Grund­recht auf In­for­ma­ti­ons­frei­heit, das be­deu­tet, dass man die Quel­len aus de­nen man sich in­for­miert frei wäh­len darf (so­lan­ge sie im Ein­klang mit dem Ge­setz ste­hen).

Vor der brei­ten Ent­deckung des In­ter­net durch die Bür­ger war ins­be­son­de­re bei der In­for­ma­ti­ons­frei­heit die Aus­wahl be­schränkt: Man er­hielt sei­ne In­for­ma­tio­nen haupt­säch­lich aus Fern­se­hen und Ta­ges­zei­tun­gen. Auch im Be­reich Un­ter­hal­tung war man auf die vor­ge­ge­be­nen und vor­sor­tier­ten me­dia­len Kon­ser­ven der ein­schlä­gi­gen »In­hal­te­an­bie­ter« (neu­sprech: »Con­tent Pro­vi­der«) wie Ver­le­ger, Fern­seh­sen­der oder (bei der mu­si­ka­li­schen Un­ter­hal­tung) Mu­sik­mul­tis an­ge­wie­sen, denn es gab kaum Al­ter­na­ti­ven.

Das än­dert sich zur Zeit mas­siv und dra­stisch. Ein Web­ser­ver ist schnell an­ge­mie­tet, noch schnel­ler kann man bei­spiels­wei­se ein vor­ge­fer­tig­tes Blog nut­zen, um selbst zum An­bie­ter von In­hal­ten zu wer­den. Da­mit wer­den die Mitt­ler im­mer mehr aus­ge­schal­tet, man in­for­miert sich nicht mehr nur über Ta­ges­schau, Zeit, Blöd Bild und Co. son­dern auch über Bür­ger­jour­na­lis­mus und Mei­nungs­mul­ti­pli­ka­to­ren im Netz – die zu­vor mit Si­cher­heit bei den eta­blier­ten, an­ge­pass­ten und zum Teil gleich­ge­schal­te­ten (oder gar ver­dum­men­den) Me­di­en kei­ne Stim­me ge­fun­den hät­ten. Klar gibt es eine Men­ge über­flüs­si­ges Grund­rau­schen von Wich­tig­tu­ern oder Dumm­schwät­zern, aber wen stört es? Die wich­ti­gen und gu­ten Blogs wer­den auch ge­le­sen, zi­tiert und so­gar über das Netz hin­aus wahr­ge­nom­men. Im Un­ter­hal­tungs­be­reich kön­nen Ni­schen­grup­pen und -In­ter­es­sen be­dient wer­den, de­rer sich die Eta­blier­ten nie­mals an­neh­men wür­den. All das gilt für In­for­ma­ti­on wie auch für Un­ter­hal­tung al­len For­men.

Es ist ab­zu­se­hen, dass das Ende für die »Mitt­ler« kom­men wird. Schnel­ler als man mei­nen könn­te und so­gar schnel­ler als bei den Ver­la­gen, Ver­le­gern und son­sti­gen klas­si­schen In­hal­te­an­bie­tern vie­le be­reits fürch­ten. Das se­hen die auch selbst, wie die bis­wei­len ver­zwei­felt an­mu­ten­den Be­mü­hun­gen zei­gen, ent­we­der bei Re­gie­run­gen ei­nen Be­stands­schutz für ihr über­hol­tes Ge­schäfts­mo­dell ein­zu­for­dern, oder aber sich der Kon­kur­renz durch Bür­ger­jour­na­li­sten oder »nicht­pro­fes­sio­nel­le« An­bie­ter von Un­ter­hal­tung auf die ver­schie­den­sten Ar­ten zu ent­le­di­gen.

Der vor­geb­li­che Ju­gend­schutz der mit der Neu­ord­nung des Ju­gend­me­di­en­schutz-Staats­ver­trags an­ge­strebt wird, ist mei­ner An­sicht nach eben­falls ein kaum ver­deck­ter Ver­such, die­sen Bür­ger­jour­na­lis­mus und den di­rek­ten Kul­tur­aus­tausch zwi­schen den Men­schen mit un­er­füll­ba­ren Klau­seln aus­zu­he­beln und durch die Hin­ter­tür Zen­sur­me­cha­nis­men zu in­stal­lie­ren, nach­dem das öf­fent­lich über die Ge­setz­ge­bung nicht funk­tio­niert hat.

Ei­nen deut­lich de­tail­lier­te­ren und sehr emp­feh­lens­wer­ten Text hier­zu fin­det man auf der »Wun­der­ba­ren Welt von Iso­topp«. Le­sen!

Bild: »In­ter­net« von Trans­cam auf flickr, CC-Li­zenz

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.