Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger

Buchcover BloggerBuchhandel.de ist eine Plat­tform der Börsen­vere­ins-Tochter MVB. Da kann man online Büch­er kaufen. Oder eBooks. Sie haben lange gebraucht, um diese halb­wegs ergonomisch zu gestal­ten (die Such­mas­chine lässt nach wie vor zu wün­schen übrig). Und die gerieren sich jet­zt als große Gön­ner der Buch­blog­ger, denn in ihrer unendlichen Großzügigkeit erlaubt man diesen Blog­gern, Buch­cov­er für Rezen­sio­nen nutzen zu dür­fen.

Nein! Doch! Oh!

Die Rah­menbe­din­gun­gen sind in meinen Augen fast schon grotesk zu nen­nen. Zum einen muss man sich zwin­gend reg­istri­eren und dabei per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en wie den Real­na­men angeben (was ist mit der geset­zlichen Vor­gabe laut Teleme­di­enge­setz, Onlin­eange­bote auch anonym oder mit Pseu­do­nym nutzen zu kön­nen? Warum will MVB sich bei ein­er Anmel­dung ein­räu­men, die Kred­itwürdigkeit des Blog­be­treibers zu prüfen?). Zum anderen weist man darauf hin, dass Buch­cov­er rechtssich­er zu nutzen seien, wenn man sich den Vor­gaben unter­wirft. Auf der Seite spricht man tat­säch­lich konkret von »rechtssich­er« und baut in meinen Augen eine reine Drohkulisse im Zusam­men­hang mit dem Urhe­ber­recht auf Buch­cov­er auf, sollte man sich nicht an ihre Vor­gaben hal­ten. Dum­mer­weise wurde das allerd­ings offen­bar von jeman­dem ver­fasst, der wed­er über tech­nis­che noch rechtliche Exper­tise ver­fügt.

Die Drohkulisse ver­weist auf das Urhe­ber­recht in Sachen Buch­cov­er und auf »strafrechtliche Fol­gen« (ich lachte). Man kann auf der Seite lesen:

Zur Erk­lärung:

Buch­cov­er unter­liegen dem Urhe­ber­recht und dür­fen daher

  • nur in einem entsprechen­den und ein­deuti­gen Zusam­men­hang mit dem Titel gezeigt wer­den.
  • bei Euch auf dem Blog nicht lokal gespe­ichert wer­den.
  • nicht bear­beit­et oder verän­dert wer­den.
  • nicht in Teilen/Ausschnitten dargestellt wer­den.

Denn: dies ver­stößt gegen das Urhe­ber­recht und das kann strafrechtliche Fol­gen haben.

Aha. Der Hin­weis auf Bear­beitung und Verän­derung ist kor­rekt. Der Hin­weis auf Teile und Auss­chnitte auch, wobei das ohne­hin eine Verän­derung ist und deswe­gen bere­its vom vorherge­hen­den Punkt abgedeckt wurde. Dop­pelt gemop­pelt hält in den Augen der MVB vielle­icht bess­er. Aber der Rest drängt mich heftigst zum Gesichtspalmieren…

Ein Cov­er darf im Zusam­men­hang mit ein­er Rezen­sion des zuge­höri­gen Buch­es abge­bildet wer­den. Ja, ich weiß, die Mei­n­un­gen von Juris­ten gehen hier auseinan­der und das The­ma ist über­aus kom­plex, aber Recht­san­walt Schwenke, der sich immer wieder sachkundig zu Net­zthe­men äußert (der ist wirk­lich ein­er von den Guten!), hat dazu eine ein­deutige Mei­n­ung: Eine Cov­er­ab­bil­dung bei ein­er Rezen­sion ist statthaft – und das ohne die merk­würdi­gen und ver­schwurbel­ten Vor­gaben der MVB. Dazu muss auch kein Blog­ger irgendwelche Nutzungs­be­din­gun­gen der MVB anerken­nen. Warum auch?

Der Knüller sind in meinen Augen aber fol­gende Pas­si:

Buch­cov­er unter­liegen dem Urhe­ber­recht und dür­fen daher

bei Euch auf dem Blog nicht lokal gespe­ichert wer­den.

Denn: dies ver­stößt gegen das Urhe­ber­recht und das kann strafrechtliche Fol­gen haben.

Erstens: Ein Buch­cov­er wird auf Blogs (oder anderen Web­seit­en) als Bild­datei von Spe­icher­platz auf einem Serv­er einge­bun­den und dann inner­halb der Seite dargestellt. Wo sich dieser Spe­icher­platz der Datei genau befind­et, ist tech­nisch völ­lig irrel­e­vant, weil der Nutzer der Web­seite das ohne­hin nicht nachvol­lziehen kann, ohne in den Seit­en­quell­text zu schauen (und wer macht das schon?). Denn die Darstel­lung des Bildes find­et auf der aufgerufe­nen Web­seite statt, egal wo es herkommt. Damit unter­liegt die Darstel­lung auch dem der Kon­trolle des Betreibers der Web­seite, denn der weiß wo es liegt. Ob sich das Bild auf dem Serv­er des Blogs befind­et oder auf dem Serv­er von buchhandel.de ist in Sachen Urhe­ber­recht VÖLLIG IRRELEVANT. Denn das Bild wird immer auf der Seite des Blog­gers dargestellt. Ob der das selb­st hochlädt, oder es in einem Con­tent Deliv­ery Net­work liegt, oder bei Buchhandel.de, hat so mit dem Urhe­ber­recht ABSOLUT NICHTS ZU TUN. Wenn die MVB mit ihrer Wort­wahl hier einen anderen Ein­druck erweck­en möchte, dann ist das schlichtweg objek­tiv falsch und reine Panikmache – oder eben Drohkulisse. Und – nochmal ganz deut­lich: Der Ver­stoß gegen das Urhe­ber­recht (wenn es ihn  denn gäbe) ist selb­stver­ständlich nur davon abhängig, dass man das Bild auf der eige­nen Seite ein­bindet, und defin­i­tiv NICHT davon, wo die Datei liegt. Wer so etwas wie oben schreibt, der hat wed­er Ahnung von Inter­net­tech­nolo­gie, noch von rechtlichen Belan­gen. Es ist mir vol­lkom­men schleier­haft, wie die MVB auf diese For­mulierung kommt, und warum man dort vertreten kann, das sei so. ES! IST! FALSCH!

Zweit­ens: Selb­st wenn eine Ver­wen­dung ein­er Cov­er­grafik ein Urhe­ber­rechtsver­stoß wäre, was im Einzelfall bew­ertet wer­den müsste (siehe dazu nochmal den ver­link­ten Artikel von RA Schwenke weit­er oben), dann hat das KEINERLEI strafrechtliche Kon­se­quen­zen, denn ein Urhe­ber­rechtsver­stoß ist zivil­rechtlich rel­e­vant. Vielle­icht sollte mal jemand den Web­seit­en-Redak­teuren bei MVB den Unter­scheid zwis­chen Straf- und Zivil­recht erläutern. Drin­gend.

Liebe Buch­blog­ger: Lasst euch nicht verun­sich­ern. Mein­er Ansicht nach ver­sucht buchhandel.de euch mit der Vortäuschung falsch­er Tat­sachen dazu zu brin­gen, ihre in meinen Augen abstrusen Nutzungs­be­din­gun­gen anzuerken­nen.

Und dabei haben wir noch gar nicht darüber gesprochen, dass etliche der aus Stock­fo­tos zusam­mengek­lick­ten, nicht sel­ten pein­lichen, Sim­pel­cov­er der Pub­likumsver­lage ver­mut­lich die Anforderun­gen an die notwendi­ge Schöp­fung­shöhe für einen urhe­ber­rechtlichen Schutz ohne­hin gar nicht erfüllen.

Ich werde bei der MVB nach­fra­gen, wie sie die oben beschriebe­nen mein­er Mei­n­ung nach falschen Aus­sagen inhaltlich und auch rechtlich begrün­den. Die Antwort (wenn ich denn eine bekomme) wird hier wiedergegeben. Was ich aber über­haupt nicht ver­ste­hen kann: Dass manche Seit­en die ver­meintlich großzügige Erlaub­nis, Cov­er auf Buch­blogs abzu­bilden, als große, tolle Num­mer und Großzügigkeit der MVB abfeiern. Wacht mal auf! Ihr seid Bürg­er­jour­nal­is­ten. Ihr macht für die Ver­lage kosten­lose Wer­bung. Ihr seid denen nicht auf Gedeih und Verderb aus­geliefert – und ihr müsst schon lange nicht alle abstrusen Nutzungs­be­din­gun­gen anerken­nen! Erst recht müsst ihr nicht auf ein Webange­bot ver­linken, das euch solche merk­würdi­gen Vor­gaben aufzwin­gen will. Und Ver­lage, bei denen euch ewig gestrige, arro­gante Voll­honks in den Chefe­ta­gen dafür abmah­nen wollen, bei ein­er Rezen­sion die Cov­er­ab­bil­dung zu ver­wen­den, gehören mein­er Ansicht nach geshit­stormt und boykot­tiert.

[Update 12:20:]

Fol­gende Anfrage ging soeben an MVB raus:

Sehr geehrte Damen und Her­ren,

auf Ihrer Seite mit der URL

http://info.buchhandel.de/blogs/unser-angebot-fuer-blogger.html

schreiben Sie unter anderem:

»Buch­cov­er unter­liegen dem Urhe­ber­recht und dür­fen daher

  • nur in einem entsprechen­den und ein­deuti­gen Zusam­men­hang mit dem Titel gezeigt wer­den.
  • bei Euch auf dem Blog nicht lokal gespe­ichert wer­den.
  • nicht bear­beit­et oder verän­dert wer­den.
  • nicht in Teilen/Ausschnitten dargestellt wer­den.

Denn: dies ver­stößt gegen das Urhe­ber­recht und das kann strafrechtliche Fol­gen haben.«

Dazu einige Fra­gen:

1. Warum hal­ten Sie den Spe­icherort der Bild­datei für hin­sichtlich des Urhe­ber­rechts rel­e­vant? Tat­säch­lich ist es für den Web­seit­enbe­such­er nicht offen­sichtlich, von woher die Datei einge­bun­den wird. Der eigentliche Vor­gang der Bildein­bindung auf der jew­eili­gen Web­seite ist der möglicher­weise urhe­ber­rechtlich rel­e­vante Vor­gang, nicht aber, wo die Bild­datei »physikalisch« liegt. Auf­grund welch­er Rechts­grund­lage schreiben Sie eine Ein­bindung von ihrem Serv­er vor? Sie weisen ja ein­deutig in diesem Zusam­men­hang auf das Urhe­ber­recht hin. Mein­er Ansicht nach, existiert kein­er­lei Pas­sus im Urhe­ber­recht, der sich mit Dateis­pe­icherorten befasst.

Nach recht­san­waltlich­er Mei­n­ung ist die Abbil­dung eines Cov­ers zu ein­er Rezen­sion des zuge­höri­gen Buch­es grund­sät­zlich ohne­hin statthaft. Siehe beispiel­sweise:

Wann ist ein Bildz­i­tat erlaubt? – Anleitung mit Beispie­len und Check­liste

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
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Sehen Sie das anders?

1.1 Kön­nen Sie sich­er­stellen, dass die Cov­er auf ihren Servern dauer­haft ver­füg­bar sind? Oder müssen die Blog­ger damit rech­nen, dass diese in der Zukun­ft plöt­zlich ver­schwinden, da sie auf den Servern nicht mehr vorge­hal­ten wer­den?

2. Warum sehen Sie eine strafrechtliche Rel­e­vanz? Sollte ein Urhe­ber­rechtsver­stoß vor­liegen ist dies auss­chließlich zivil­rechtlich rel­e­vant, oder sind Sie ander­er Ansicht?

3. In der Daten­schutzerk­lärung zur zwin­gend notwendi­gen Blog­ger­an­mel­dung schreiben Sie:

»2. Kred­it­prü­fung
Zum Zwecke der Kred­it­prü­fung wer­den MVB von der Bürgel Wirtschaftsin­for­ma­tio­nen GmbH & Co. KG, Post­fach 500 166, 22701 Ham­burg, die in ihrer Daten­bank zur Per­son des Kun­den gespe­icherten Adress- und Bonitäts­dat­en ein­schließlich solch­er, die auf der Basis math­e­ma­tis­chsta­tis­tis­ch­er Ver­fahren ermit­telt wer­den, zur Ver­fü­gung gestellt, sofern MVB das berechtigte Inter­esse glaub­haft dargelegt hat.«

Warum sind sie der Ansicht, für eine reine Cov­er­nutzung eine Kred­it­prü­fung des Blog­gers durch­führen zu müssen?

4. Warum wollen Sie sug­gerieren, dass Blog­ger sich zwin­gend bei der MVB anmelden müssen, um Buch­cov­er in Rezen­sio­nen nutzen zu kön­nen?
Für eine Beant­wor­tung der Fra­gen bedanke ich mich im voraus und weise darauf hin, dass die Antwort auf phantanews.de veröf­fentlicht wer­den wird.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

[Update 24.03.2015:] In einem weit­eren Artikel die Antwort von MVB

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

2 Kommentare for “Facepalm: Buchhandel.de, Buchcover und die Blogger”

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