Leipziger Buchmesse 2018, Cosplayer, Rechte – und Toleranz

Leipziger Buchmesse 2018, Cosplayer, Rechte – und Toleranz

Ich hat­te in diesem Jahr gar nicht darüber berichtet, dass schon wieder mal anlässlich der Leipziger Buchmesse die Cos­play­er-Sau durchs virtuelle Dorf getrieben wurde. Mal wieder hat­te irgen­dein Honk pos­tuliert, dass die Cos­play­er auf der ser­iösen Messe nichts zu suchen hät­ten. Und über­haupt! Ich hat­te dies­mal deswe­gen nicht berichtet, weil ich das Ganze inzwis­chen für einen müden PR-Stunt halte, um ins Gespräch zu kom­men.

Doch jet­zt bleibt mir doch mal wieder die Spucke weg. Auf der einen Seite schwadronieren die Mes­sev­er­anstal­ter darüber, dass sie selb­stver­ständlich wegen der Mei­n­ungs­frei­heit (!!!einself!1!) auch rechte Ver­lage auf der Leipziger Messe zulassen müssen. Darüber kann man jet­zt tre­f­flich disku­tieren, let­ztlich kann man davon aus­ge­hen, dass man auf die Ein­nahme der hor­ren­den Standge­bühren auch von den Recht­en ein­fach nicht verzicht­en möchte. Mei­n­ungs­frei­heit ist aber natür­lich ein viel pos­i­tiv­er wirk­ender Grund, als »wir wollen Kohle gener­ieren«. Wie gesagt: Darüber kann man disku­tieren, es gibt eine Menge Für und Wider, und Mei­n­ungs­frei­heit ist tat­säch­lich ein hohes Gut.

Während man mit den Recht­en also offen­bar kein Prob­lem hat, hält es der Mes­sev­er­anstal­ter und hal­ten es dessen Erfül­lungs­ge­hil­fen allerd­ings offen­bar für notwendig und völ­lig nor­mal, Cos­play­er auf unfass­bar dumme und unver­schämte Art zu drangsalieren. Klar: die Wahrschein­lichkeit dass die sich wehren ist natür­lich erhe­blich geringer als bei recht­en Pro­tag­o­nis­ten, da weiß man nicht zulet­zt seit der Buchmesse Frank­furt, dass die auch gern mal die Fäuste sprechen lassen. Vielle­icht hat der einge­set­zte Sicher­heits­di­enst davor Angst und schikaniert stattdessen lieber völ­lig harm­lose Cos­play­er?

Worüber ich hier rede? Über einen Erfahrungs­bericht von Julia Ohse auf Teilzeithelden.de, der mich fas­sungs­los gemacht hat, und den man sich drin­gend mal durch­le­sen sollte.

Wenn schon Tol­er­anz, dann bitte auch gegenüber den Fans. Angesichts solch­er Über­griffe, Willkür und sex­is­tis­ch­er Sprüche wären Maß­nah­men der Mes­se­leitung gegen den Sicher­heits­di­enst drin­gend anger­at­en. Aber ich wage mal einen Blick in die Kristal­lkugel: Es wird nichts geschehen und im näch­sten Jahr dann das­selbe.

Merke: Rechte wer­den toleriert, Cos­play­er nicht.

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lbm18: Die Buchkäufer – Ja wo laufen sie denn hin?

lbm18: Die Buchkäufer – Ja wo laufen sie denn hin?

Wie immer gab es zur Eröff­nung der Buchmesse Leipzig sal­bungsvolle Worte vom Börsen­vere­ins-Vorste­her Hein­rich Rieth­müller. Und wie eigentlich immer bekomme ich Griff­spuren im Gesicht, wenn ich Teile daraus lese, angesichts der Real­itäts­ferne, beziehungsweise der Evo­lu­tion­sre­sistenz, die aus den Worten spricht.

Den Text sein­er Rede beim Börsen­blatt habe ich oben ver­linkt. Ich möchte mal drei Punk­te her­aus greifen, um darauf einzuge­hen.

Aus­sage eins: Zwis­chen 2013 und 2017 sind der Branche im Pub­likums­markt sech­sein­halb Mil­lio­nen Buchkäufer ver­loren gegan­gen, das ist ein Rück­gang um 18 Prozent.

Aus­sage zwei: Den­noch waren die Umsätze in den let­zten zehn Jahren sta­bil (was immer genau »sta­bil« auch heißen mag ..?).

Aus­sage drei: Die sozialen Medi­en sind schuld!!einself!1!

Hal­ten wir mal fest: Der Buch­markt ver­liert laut Aus­sage des Börsen­vere­ins-Chefs fast ein Fün­f­tel sein­er Kun­den und den­noch bleiben die Umsätze sta­bil? Und angesichts dessen hört man seit Jahren ein ständi­ges Heulen und Zäh­neklap­pern aus der Branche, wie schlecht doch alles gin­ge und wie böse die Welt sei? Da bleibt mir die Spucke weg. Andere Branchen hät­ten so einen Käu­fer­rück­gang nicht »mal eben so« verkraftet. Und man muss sich fra­gen, warum trotz eines der­art drastis­chen Weg­brechens der Kun­den die Umsätze sta­bil bleiben, denn das ist wohl die Kern­frage? Weil Büch­er mas­siv ver­teuert wur­den? Oder weil der Rest viel mehr kauft als vorher? Let­zteres halte ich für eher unwahrschein­lich.

Zur Frage »ja wo laufen sie denn hin?« sagt Rieth­müller:

Gemein­sam mit Ver­la­gen, Buch­hand­lun­gen und Mark­t­forsch­ern unter­suchen wir derzeit die Motive der Buch­ab­wan­der­er. Warum greifen die Men­schen heute weniger zum Buch, was machen sie stattdessen?

Ja. Was – zum Teufel – machen die wohl stattdessen?

Ich habe bere­its 2010 und 2014 the­ma­tisiert, dass sich diese Branche darüber im Klaren sein muss, dass sie in direk­ter Konkur­renz mit anderen Medi­en ste­ht, wenn es um die Aufmerk­samkeit und Zeit der Kun­den geht. Das Inter­net nimmt immer mehr Raum im Leben der Men­schen ein, noch mehr, seit soziale Medi­en Ver­bre­itung gefun­den haben. Zumal »das Inter­net« ohne­hin für eine erhe­bliche Band­bre­ite an unter­schiedlichen Medi­en­for­men ste­ht, für einen Pool aus Ange­boten zur Infor­ma­tions- und Inter­essens­be­friedi­gung, sowie Unter­hal­tung. Es ist längst nicht mehr so, dass es allein um Web­seit­en im WWW geht, son­dern um viel mehr. Das ist ein Teil dieser ominösen »Dig­i­tal­isierung«.
Apps bieten eben­so wie Com­put­er- und Videospiele für Cent­be­träge Unter­hal­tung für zahllose Stun­den, wohinge­gen man für ein Buch ver­gle­ich­sweise ein Ver­mö­gen aus­geben muss. Die erste Nin­ten­do-Gen­er­a­tion hat die 50 über­schrit­ten und spielt bis heute wie selb­stver­ständlich weit­er­hin Com­put­er­spiele, eben­falls eine direk­te Konkur­renz – diese Branche hat es zudem geschafft, über Casu­al Games wie Far­mville oder Bub­ble Witch auch noch ganz neue Per­so­n­enkreise anzus­prechen, die bish­er nicht ger­ade Videospiel-affin waren. Und die Älteren, die damit so gar nichts anfan­gen kön­nen, sind nicht unsterblich …
Und seit­dem ich das damals schrieb, kam auch noch das Videostream­ing hinzu, das den Kon­sumenten unab­hängig vom Sende­plan lin­ear­er Fernse­han­bi­eter oder vom Besitz physis­ch­er Videokon­ser­ven macht, es ste­hen Unmen­gen von Fil­men und Fernsehse­rien jed­erzeit zur Ver­fü­gung – und all das eben­falls zu ver­gle­ich­sweise gün­sti­gen Preisen, ver­glichen mit Büch­ern. Und während man sich früher, wenn es »nichts im Fernse­hen gab«, ein Buch gegrif­f­en hat, klickt man sich heute durch Net­flix oder Ama­zon Video, da find­et man immer was. Find­et man auch da nichts, ist eine Runde Bejew­eled auf dem Smart­phone oder Tablet nur einen Hand­griff ent­fer­nt.
Und bei all diesen zu kon­sum­ieren­den Medi­en haben wir noch nicht ein­mal betra­chtet, dass es immer mehr Men­schen gibt, die in ihrer Freizeit selb­st Dinge gestal­ten oder Werke erschaf­fen, die ihre Hob­bies durch eigene Seit­en im Web ver­bre­it­en. Eben­falls haben wir nicht betra­chtet, dass die Armut in Deutsch­land drama­tisch ansteigt – wenn das Geld kom­plett für Nahrungsmit­tel und Woh­nung drauf geht, bleibt nun mal nichts mehr für Büch­er übrig, aber eine App für 99 Cent geht vielle­icht.

Statt sich darüber klar zu wer­den, dass es längst einen inten­siv­en Krieg viel­er ver­schieden­er Anbi­eter um die Aufmerk­samkeit der Men­schen gibt, ist das einzige Sin­nen und Tra­cht­en dieser Branche, Büch­er noch teur­er zu machen, um noch mehr Umsätze zu gener­ieren (wir erin­nern uns an weit­er oben, ich frage nochmals: Wie son­st sollte man erk­lären, dass die Umsätze angesichts des drama­tis­chen Käu­fer­rück­gangs »sta­bil« bleiben?). Statt ihr Medi­um attrak­tiv­er zu machen, auf welchem Weg auch immer? Dass es diesen Krieg um die Aufmerk­samkeit gibt, hätte man in den ver­gan­genen Jahren mit­bekom­men kön­nten, denn der ist alles andere als okkult, und wer sich mit Medi­en befasst, dem sollte er eigentlich längst bewusst sein. Stattdessen möchte Rieth­müller jet­zt erst ein­mal »mit Mark­t­forsch­ern unter­suchen« wohin die Kun­den gewan­dert sind. Bis es aus der Rich­tung Ergeb­nisse gibt, die außer ihm eh jed­er bere­its ken­nt, beschuldigt er mal schnell die Sozialen Medi­en?

Das ist mit »Real­itäts­ferne« noch sehr fre­undlich umschrieben, und die Mark­t­forschung gab es bere­its, denn vor einem ganz ähn­lichen Prob­lem ste­hen auch die Fernsehsender.

Die Sozialen Medi­en? Rieth­müller hat natür­lich, auch ohne auf die Ergeb­nisse aus der »Mark­t­forschung« zu warten, bere­its einen Feind im Visi­er, den man für all die Unbill mit unwilli­gen Buchkäufern ver­ant­wortlich machen kann:

Erste Ergeb­nisse von Befra­gun­gen zeigen zweier­lei. Zum einen bestäti­gen die Befragten, was wir alle wohl ver­muten. Fast unisono bericht­en sie von ein­er großen Zeitk­nap­pheit und Über­forderung im All­t­ag, nicht zulet­zt durch Social Media.

Hier völ­lig unre­flek­tiert die Social Media-Sau durchs Dorf zu treiben, wie es derzeit zu etlichen Prob­le­men bei Ahnungslosen beliebt zu sein scheint, ist der ein­fache Weg. Und er ist in dieser Kon­se­quenz falsch. Ja, selb­stver­ständlich erfordern auch Soziale Medi­en Aufmerk­samkeit, die woan­ders fehlt, aber das ist nur ein Punkt in ein­er lan­gen Liste, die ich weit­er oben angedeutet habe (durch Job und die Notwendigkeit der ständi­gen Erre­ich­barkeit gestresste Men­schen suchen zudem möglicher­weise auch leichtere, schnellere Ablenkung als aus­gerech­net ein Buch …). Die Schlussfol­gerung, dass die Men­schen haupt­säch­lich durch Social Media der­art mas­siv über­fordert wer­den, dass sie deswe­gen keine Büch­er mehr lesen – entschuldigung – kaufen, kann eigentlich nur Per­so­n­en ein­fall­en, die sich mit mod­er­nen Medi­en- und Unter­hal­tungs­for­men nicht wirk­lich auseinan­der­set­zen, son­dern stattdessen nur schnell einen Buh­mann suchen. Und den in den Sozialen Medi­en find­en, die man in der Branche ohne­hin nicht ver­ste­ht und für eine sim­ple, uni­di­rek­tionale Wer­be­fläche hält, was zahllose Auftritte von Ver­la­gen auf Face­book und Co. immer wieder vor Augen führen. Da wird nur Wer­bung raus­gepumpt, echte Kom­mu­nika­tion mit den Fol­low­ern über All­ge­mein­plätze und Worthülsen hin­aus find­et nicht statt. Das macht jed­er Self­pub­lish­er bess­er.

Und es ist lei­der mein­er Ansicht nach exem­plar­isch für eine rück­wärts­ge­wandte, tech­nik-unaffine, analoge, – eben evo­lu­tion­sre­sistente – Branche, die ihre Kun­den mit ein­er untauglichen Verkaufs-Plat­tform nach der anderen ver­grault oder in Ama­zons Arme treibt, und mit feucht­en Träu­men über Preis­er­höhun­gen für Büch­er den Ast auf dem sie sitzt schon weit durchgesägt hat.

Die Buch­branche hat den Aufmerk­samkeit­skrieg bere­its ver­loren, bevor sie über­haupt bemerkt hat, dass es einen gibt.

Bild: stockunlimited.com

Soso, LSL »launcht« also einen Fantasy-Bereich auf der Buchmesse Leipzig?

Soso, LSL »launcht« also einen Fantasy-Bereich auf der Buchmesse Leipzig?

Meine Güte, pein­lich­er gehts nim­mer. Der Buchre­port berichtet: LSL, offen­bar der neue Lieblings­di­en­stleis­ter der Messe Leipzig, der man immer mehr Auf­gaben zuschus­tert, die früher andere wahrgenom­men haben (erst die Messe­buch­hand­lung, jet­zt der Fan­ta­sy-Bere­ich), »launcht« also etwas, das es schon jahre­lang gibt, näm­lich eben diesen Fan­ta­sy-Bere­ich. Dass die sich ern­sthaft trauen, das so zu for­mulieren lässt mich nach all den Quere­len darum sprach­los zurück, und ich bin nun wirk­lich eine Menge in Sachen Mar­ket­ing-Geschwurbel gewöh­nt. Noch nicht mal die Arbeit auf der Fan­ta­sy-Lesein­sel machen sie selb­st, die macht – nach dem Raus­drän­geln von WerkZeugs – PAN für sie.

Und dann ste­ht da tat­säch­lich:

Das Gen­re­por­tal WerkZeugs, das fast 10 Jahre lang die Fan­ta­sy-Lesein­sel betreut, sich als Anlauf­punkt für Autoren etabliert und auch den Verkauf von Büch­ern und Mer­chan­dise-Artikeln durchge­führt hat­te, sagte anlässlich ein­er deut­lich gestiege­nen Stand­mi­ete die Mes­seteil­nahme ab. Die Messedi­rek­tion küm­merte sich umge­hend um eine Alter­na­tive für den Mes­sev­erkauf und engagierte LSL.

Allerd­ings wurde bere­its ver­mutet, dass es tat­säch­lich so war, dass man WerkZeugs seit­ens der Mes­sev­er­anstal­ter die drama­tisch erhöht­en Stand­preise präsen­tierte, mit dem bere­its vorher gefassten Plan, dass die daraufhin absagen, und man das Ganze LSL zuschus­tern kon­nte.

Weit­er kann man lesen:

Nach einigem Hin und Her ist die Leipziger Buchmesse der gemein­samen Frak­tion von WerkZeugs und dem Phan­tastik-Autoren-Net­zw­erk (PAN) insofern ent­ge­gengekom­men, dass PAN eine Fläche für die Com­mu­ni­ty-Ver­net­zung zur Ver­fü­gung gestellt wird.

Ver­schwiegen wird dabei allerd­ings, dass es zuvor der­art mas­sive Proteste von Ver­la­gen und auch namhaften Autoren aus dem Genre-Bere­ich Deutsche Phan­tastik gegeben hat­te, dass sich die Mes­sev­er­anstal­ter offen­sichtlich zum Ein­lenken genötigt sahen, da sie son­st Gefahr gelaufen wären, dass namhafte Pro­tag­o­nis­ten aus dem Bere­ich der Ver­anstal­tung fern geblieben wären – und damit eben auch die zuge­höri­gen Besuch­er.

Aber Haupt­sache, eine voll­mundi­ge Pressemit­teilung abgeson­dert …

[Edit 16:50 Uhr:] Ich wurde darauf hingewiesen, dass sich PAN um die Autoren­lounge küm­mert, nicht um die Lesein­sel. Was die Sach­lage allerd­ings nur min­i­mal verän­dert.

Bild »Facepalm« von Alex E. Proimos, aus der Wikipedia, CC BY

Buchmesse Leipzig: Erster Verlag zieht Konsequenzen

Buchmesse Leipzig: Erster Verlag zieht Konsequenzen

Buchmesse Euro

Nach den Quere­len um die Phan­tastik-Lesein­sel auf der Buchmesse Leipzig zieht der erste Ver­lag jet­zt Kon­se­quen­zen. Wie Ver­legerin Grit Richter auf der Web­seite von Art Skript Phan­tastik schreibt, hat sie sich schw­eren Herzens entschlossen, der Messe im Jahr 2017 fern zu bleiben, und rechtzeit­ig die Not­bremse zu ziehen, bevor die Kosten astronomisch wer­den.

Das hängt eher sekundär mit Werkzeugs zusam­men, da die Halle zwei deut­lich umstruk­turi­ert wer­den soll, wie ich schon in meinem anderen Artikel heute erläuterte, fall­en Stand­typen weg und die Stände sollen auch anders aufge­baut wer­den, wodurch es zu Platz­man­gel kom­men wird. Zu dem neuen Stand­konzept äußerte sich auch schon Jür­gen Eglseer vom Amrûn-Ver­lag mir gegenüber kri­tisch. Grit Richter stellt zudem her­aus, dass es bere­its in der Ver­gan­gen­heit diverse Prob­leme mit der Messe Leipzig gab, und das für sie jet­zt nur der Tropfen ist, der das Fass zum Über­laufen brachte.

Man muss ein­fach ganz klar sehen, dass die Kosten für so einen Präsenz auf der Messe erhe­blich sind, denn zu den Standge­bühren kom­men ja auch noch Anreise, Über­nach­tung und Verpfle­gung. Wenn ein Ver­anstal­ter sich so ein­deutig auf große Anbi­eter ein­richtet und keine passenden Kon­di­tio­nen für Klein- und Kle­in­stver­lage anbi­etet, son­dern stattdessen auch noch von »Gle­ich­be­hand­lung gegenüber anderen Part­nern« schwadroniert, dann beleuchtet das mein­er Mei­n­ung nach deut­lich, wie egal die kleinen Anbi­eter dem Mes­sev­er­anstal­ter sind. Denn wäre es anders, kön­nten sich­er Wege gefun­den wer­den, wie man eine kul­turelle Vielfalt mit auch kleinen Ver­la­gen oder sog­ar Self­pub­lish­ern her­stellt. Das­selbe gilt übri­gens in ganz ähn­lich­er Form auch für die Buchmesse Frank­furt. Aber dass dort die Großen lieber unter sich bleiben möcht­en, und das durch völ­lig über­zo­gene Stand­preise garantieren, sind eben­falls News von vorgestern. Dort bleiben ja inzwis­chen sog­ar renom­mierte Pub­likumsver­lage fern, weil es sich nicht rech­net.

Ob weit­ere Phan­tastik-Anbi­eter mit Absagen fol­gen wer­den bleibt abzuwarten. Angesichts der Tat­sache, dass die Messe zum Zeit­punkt der WerkZeugs-Absage offen­bar bere­its ein kom­plett neues Konzept inklu­sive geän­dert­er Stan­danord­nung ste­hen hat­te, erscheint mir die ganze Geschichte ziem­lich abgekartet und ich ver­mute nach wie vor, dass WerkZeugs aus­ge­bootet wer­den sollte, eben zu Gun­sten des Dien­stleis­ters LSL.

[Update 16:52 Uhr:] Wie ich soeben erfahre, ist auch der Ver­lag ohneohren raus.

[Update 16.09.2016, 11:00 Uhr:] Uschi Zietsch und ihr Faby­lon-Ver­lag waren schon 2016 nicht mehr auf der Buchmesse Leipzig, auch sie äußert sich in ihrem Blog kri­tisch:

Und dann, weil WerkZeugs öffentlich / auf FB mit­teilt, 2017 nicht mehr dabei zu sein, tritt Oliv­er Zille belei­digt im Börsen­blatt kräftig nach, mit Behaup­tun­gen, die nicht nur so nicht stim­men kön­nen – wir ken­nen WerkZeugs seit vie­len Jahren und wis­sen, wie kom­mu­nika­tiv und koop­er­a­tiv sie sind -, son­dern man stellt sich auch noch der­art selb­s­ther­rlich dar, dass man schon fra­gen muss, wohin will Herr Zille denn?

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Buchmesse Leipzig und WerkZeugs: Statement der Veranstalter

Buchmesse Leipzig und WerkZeugs: Statement der Veranstalter

Buchmesse Euro

In Sachen der Quere­len um die Buchmesse Leipzig und die von WerkZeugs ver­anstal­tete Lesein­sel, hat­te ich die Presseabteilung der Messe um Stel­lung­nahme gebeten:

Sehr ge­ehrte Frau Jus­ten,

den nach­fol­gen­den Text ver­öf­fent­lichte die Werk­Zeugs KG, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Phan­­tas­tik-Les­ein­sel auf der Leip­zi­ger Buch­messe be­trie­ben hat, heute auf ih­rer Face­­book-Seite und hat da­mit viel Ver­wun­de­rung in der Phan­­tas­tik-Szene, so­wohl bei Le­sern, wie auch bei Ver­la­gen und Au­to­ren, aus­ge­löst.

[hier der obige Text von Werk­Zeugs]

Ich würde hierzu um eine Stel­lung­nahme bit­ten und danke da­für im vor­aus.


Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holz­hauer
PhantaNews.de
Phan­tas­ti­sche Nach­rich­ten

Daraufhin hat­te ich noch am sel­ben Tag fol­gende Antwort bekom­men:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

das Unternehmen WerkZeugs KG ist ein langjähriger Part­ner für den Gemein­schafts­stand inner­halb des Fan­ta­sy-Bere­ich­es der Leipziger Buchmesse. Deshalb haben wir ihm auch in diesem Jahr ein Ange­bot für diesen Gemein­schafts­stand und seine Dien­stleis­tun­gen rund um das Forum zu weit­er­hin gün­sti­gen Son­derkon­di­tio­nen vorgeschla­gen, die deut­lich unter den reg­ulären Standge­bühren liegen. Wir bedauern sehr, dass WerkZeugs mit uns dieses Ange­bot nicht disku­tiert hat, son­dern öffentlich seine Teil­nahme abge­sagt hat. In unserem Forum „Fan­ta­sy-Lesein­sel“ und in unserem Ausstel­lungs­bere­ich find­en Autoren und Ver­lage selb­stver­ständlich auch zukün­ftig ein starkes Podi­um für ihre Präsen­ta­tion. Zudem wer­den die Ver­lage die Möglichkeit haben, ihre Titel über einen eige­nen Fan­ta­sy-Bere­ich über die Messe­buch­hand­lung in Halle 2 zu verkaufen. Wir freuen uns selb­stver­ständlich auf alle Fan­ta­sy-Fans in Leipzig und sehen weit­er­hin den Bere­ich als einen wichti­gen Teil der Leipziger Buchmesse.

Mit fre­undlichen Grüßen

i. A. Ruth Justen
Press­esprecherin Leipziger Buchmesse 2017
i. A. der Leipziger Messe GmbH

Da sich diese Aus­sage nun doch deut­lich von der unter­schei­det, die WerkZeugs veröf­fentlicht hat­te (und es für mich deswe­gen so aus­sah, als wollen die Ver­anstal­ter sie in die Pfanne hauen), stellte ich WerkZeugs via Face­book dieses State­ment bere­its vor­ab zur Ver­fü­gung und bat ihrer­seits um Stel­lung­nahme, da ich das hin­sichtlich der von den Ver­anstal­tern geäußerten Vor­wür­fen für fair hielt. Die wurde mir für heute zuge­sagt.

Allerd­ings bekomme ich diesen Kom­men­tar nun nicht, das stand in ein­er Mail, die ich soeben erhielt. Man möchte keine offiziellen State­ments abgeben, »um eine Schlamm­schlacht zu ver­mei­den« und weil man »über ver­schiedene Schienen mit der Messe in Dia­log zu kom­men ver­sucht«. Das finde ich rel­a­tiv ulkig, immer­hin ist die Schlamm­schlacht bere­its in vollem Gange. Offen­bar hofft man bei WerkZeugs immer noch, dass die Ver­anstal­ter ein­lenken. Angesichts der Tat­sache, dass bere­its vorgestern ein ander­er Betreuer der Lesein­sel fest­stand (LSL Leipzig) und dass die Rah­menbe­din­gun­gen in Sachen Stände auch für die Ver­lage grundle­gend geän­dert wur­den, sehe ich allerd­ings kaum Hoff­nung, dass es die Lesein­sel mit Lounge samt angeschlosse­nen Stän­den auch in 2017 in akzept­abler Form geben wird. Da das Konzept seit­ens der Messe bere­its weit fort­geschrit­ten scheint, halte ich Änderun­gen für unwahrschein­lich.

Noch gestern um 7:48 Uhr schrieben WerkZeugs auf ihrer Face­book-Seite:

Wir danken Euch her­zlich für Euer Feed­back bezüglich der #Leipziger­Buchmesse – so viele liebe, entrüstete und trau­rige Kom­mentare, Nachricht­en und Emails! Irgend­was müssen wir also in den ver­gan­genen Jahren richtig gemacht haben.
Zum »Fak­tencheck« der Leipziger Buchmesse hier zwei kleine Richtig­stel­lun­gen, eine etwas aus­führlichere Stel­lung­nahme wird es in Kürze auf #Phan­taNews geben.

(1) »Deshalb haben wir ihm auch in diesem Jahr ein Ange­bot für diesen Gemein­schafts­stand und seine Dien­stleis­tun­gen rund um das Forum zu weit­er­hin gün­sti­gen Son­derkon­di­tio­nen vorgeschla­gen«

Fakt: Es ist richtig, dass wir für 2017 noch gün­stige (wenn auch schon deut­lich gestiegene) Kon­di­tio­nen bekom­men hät­ten. Allerd­ings hät­ten wir uns auf drei Jahre ver­traglich fes­tle­gen müssen, im drit­ten Jahr hät­ten die Standge­bühren mehr als das dop­pelte des bish­eri­gen Preis­es betra­gen.

(2) »Wir bedauern sehr, dass WerkZeugs mit uns dieses Ange­bot nicht disku­tiert hat, son­dern öffentlich seine Teil­nahme abge­sagt hat.«

Fakt: Wir haben schriftlich vor­liegen, dass die Leipziger Buchmesse von ihrem »Ange­bot« nicht abwe­ichen und und die Zusam­me­nar­beit deshalb nicht weit­er­führen möchte.

Und noch ein Wort zur #Lesein­sel: Diese bleibt unseres Wis­sens nach weit­er­hin beste­hen – eben »nur« ohne die von uns erbracht­en Dien­stleis­tun­gen (wie etwa Anmod­er­a­tion, Koor­di­na­tion der Sig­nier­schlangen, Stellen der Secu­ri­ty etc.).

Dass die Buchmesse von Ihrem Ange­bot nicht abwe­ichen wollte ist doch in meinen Augen ein ziem­lich zen­trales Argu­ment für den Stand­punkt von WerkZeugs und ander­er Teil­nehmer, die jet­zt noch ver­suchen, auf die Ver­anstal­ter einzuwirken.

Ich weiß zudem auch von Klein­ver­la­gen, die auf­grund des geän­derten, unvorteil­haften Stand­konzepts nun über­legen, in den sauren Apfel zu beißen und anstatt nun inakzept­able neue Bedin­gun­gen zu akzep­tieren, lieber die Stornogebühr in Höhe von EUR 350 zu zahlen, um der Messe fernzubleiben. Wie man sieht, gehen die Prob­leme rund um die Lesein­sel über den The­menkom­plex »WerkZeugs« deut­lich hin­aus.

Unab­hängig davon sehe ich die Aus­sage der Press­esprecherin eben­so wie das sehr ähn­lich klin­gende State­ment des Messechefs im Börsen­blatt äußerst kri­tisch und halte bei­de für einen fes­ten Tritt in den Hin­tern der Autoren, Ver­lage und Fans des Phan­tastik-Bere­ichs, WerkZeugs sowieso. Mal ganz unab­hängig davon, wie die aktuelle Kon­stel­la­tion in Sachen Ver­ant­wor­tung für die Mis­ere zwis­chen Messe und WerkZeugs tatschlich ausse­hen mag:

Auch Messedi­rek­tor Oliv­er Zille sollte zur Ken­nt­nis nehmen, dass WerkZeugs in den ver­gan­genen Jahren da nicht nur einen Stand hat­te und anson­sten Däum­chen drehte, son­dern vielmehr die Lesun­gen, Anmod­er­a­tio­nen, Secu­ri­ty und jede Menge mehr rund um die Lesein­sel organ­isiert hat. Alles Tätigkeit­en, für die sich die Mes­sev­er­anstal­ter nicht befähigt sahen – bevor WerkZeugs das über­nahm, war der Phan­tastik-Bere­ich samt Lesein­sel eine lieblose Ecke, die aus hingestreuten Sitzmö­beln bestand. Statt die Preise inner­halb von drei Jahren (mit gle­ichzeit­igem Knebelver­trag über drei Jahre) auf das Dop­pelte zu erhöhen, sollte die Messe für das Engage­ment eher eine Gage zahlen.

Man wird sehen, wie die Ver­hand­lun­gen PANs und WerkZeugs´ mit der Leipziger Messe GmbH tat­säch­lich enden, und ob es zu einem für alle beteiligten Pro­tag­o­nis­ten befriedi­gen­den Ergeb­nis kom­men wird. Abgesichts divers­er Ver­hal­tensweisen des Mes­sev­er­anstal­ters in den let­zten Jahren (fragt beispiel­sweise mal Klein­ver­lage, wie lange die im ver­gan­genen Jahr auf die Abrech­nung der in den Messe­buch­hand­lun­gen verkauften Büch­er gewartet haben) hege ich daran starke Zweifel, aber man soll ja die Hoff­nung nie aufgeben …

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Keine WerkZeugs Phantastik-Leseinsel auf der Buchmesse Leipzig

Keine WerkZeugs Phantastik-Leseinsel auf der Buchmesse Leipzig

Buchmesse Euro

Auf ihrer Face­book­seite melden sich die Betreiber hin­ter der WerkZeugs Kreativ KG mit ein­er Pressemit­teilung zu Wort. WerkZeugs hat­te in den ver­gan­genen neun Jahren auf der Leipziger Buchmesse die Phan­tastik-Lesein­sel sowie einen Genre-Buch­han­del betrieben. Jet­zt schreiben sie:

Liebe Fre­unde der Fan­tastis­chen Lit­er­atur, liebe Buchmesse-Fans,

lei­der müssen wir Euch heute etwas für uns sehr trau­riges mit­teilen:
Nach gut neun Jahren endet 2016 unsere Koop­er­a­tion mit der Leipziger Buchmesse.
Wir haben uns in den ver­gan­genen Jahren bemüht, die Lesein­sel Fan­ta­sy und den dazuge­hören­den WerkZeugs-Stand, die Fan­ta­sy-Buch­hand­lung, zu einem span­nen­den Ort mit vie­len tollen Lesun­gen und Begeg­nun­gen zu machen. Nicht nur für die Leser, son­dern auch für die Autoren und Ver­lagsvertreter, die unsere Lounge gern genutzt haben.
Unsere beste­hen­den Verträge mit der Mes­se­leitung sind in diesem Jahr aus­ge­laufen. Die neuen Kon­di­tio­nen, die uns die Messe ange­boten hat, machen jedoch ein wirtschaftlich­es Arbeit­en unmöglich, da die Standge­bühren mehr als ver­dop­pelt wer­den sollen. Ein Auftritt auf der Messe in der gewohn­ten Weise wäre einem finanziellen Ruin gle­ichzuset­zten. Unsere Ver­suche, eine Lösung zu find­en, die für bei­de Parteien sin­nvoll wäre, waren verge­blich.
Aus diesem Grund mussten wir unsere Zusam­me­nar­beit mit der Leipziger Buchmesse lei­der been­den und wer­den 2017 nicht auf der Messe vertreten sein.

Wir bedauern dies sehr.
Euer WerkZeugs-Team

Ver­dop­pelte Stand­preise. Da kann man wieder ein­mal sehen, worum den Ver­anstal­tern es auch auf der Buchmesse Leipzig let­z­tendlich geht: Nicht um Büch­er, son­dern um das Gener­ieren von möglichst viel Kohle. So eine Messe ist ja qua­si eine Geld­druck­mas­chine, ins­beson­dere, wenn einem die Messe­hallen selb­st gehören. Man kassiert von allen ab: Von Besuch­ern und Fachbe­such­ern bei den Ein­trittskarten und von den Ausstellern gle­ich dop­pelt bei den Standge­bühren und über die Messe­buch­hand­lun­gen.

Man kann nun spekulieren, warum auf ein­mal die dop­pelte Standge­bühr genom­men wer­den soll? Das erscheint als Preis­steigerung doch arg über­trieben und kaum vertret­bar. Es gibt allerd­ings neuerd­ings einige Pub­likumsver­lage, die sich inten­siv im Genre-Bere­ich posi­tion­ieren, beispiel­sweise Fis­ch­er mit der deutschen Aus­gabe von TOR oder Piper Fan­ta­sy. Man kön­nte nun auf die Idee ver­fall­en, dass die ver­meintlichen Ama­teure aus­ge­bootet wer­den sollen, damit Buchbranchen-»Profis« die Phan­tastik-Lesein­sel übernehmen kön­nen. Warten wir mal ab, aber ich prophezei­he, dass die Buchmesse-Ver­anstal­ter dem­nächst mit einem tollen, neuen Part­ner für die Lesein­sel um die Ecke kom­men wer­den.

Oder ob die Standge­bühren all­ge­mein so ange­zo­gen wur­den? In dem Fall dürfte das ver­mut­lich auch für etliche Klein­ver­lage das Messe-Aus bedeuten, wenn sich der Stand rein wirtschaftlich nicht mehr recht­fer­ti­gen lässt, weil man die Aus­gabe nicht mal ansatzweise wieder rein­holen kann. Dazu kommt ja noch, dass man seine Büch­er dort nicht selb­st verkaufen darf, son­dern die Ver­anstal­ter sog­ar daran noch einen nicht gerin­gen Anteil haben wollen und deswe­gen nur über spezielle Messe­buch­hand­lun­gen abeset­zt wer­den darf.

Angesichts der Geschäft­sprak­tiken der Ver­anstal­ter der Leipziger Buchmesse wun­dert man sich in der Nach­schau nicht mehr darüber, dass sie schon ein­mal eine renom­mierte Branchen­messe ver­loren haben: Die Gamescon, die heute unter der Neu­fir­mierung GamesCom in Köln ver­anstal­tet wird. Es ist nun sich­er unwahrschein­lich, dass eine so langjährige Ver­anstal­tung wie die Buchmesse ein­fach umzieht, aber wenn durch sink­ende Attrak­tiv­ität wegen deut­lich weniger Ausstellern die Besucherzahlen zurück gehen, wird  sich der Ver­anstal­ter etwas ein­fall­en lassen müssen.

Da es doch ange­blich um Kul­tur geht, kön­nte man diese aktiv fördern, indem die Großan­bi­eter (also Pub­likumsver­lage ober­halb eines gewis­sen Jahres­gewinns) etwas höhere Gebühren zahlen und damit die kleineren Anbi­eter bzw. deren Stände spon­sorn. Es wird ja regelmäßig die kul­turelle Vielfalt beschworen, beispiel­sweise wenn es um die Recht­fer­ti­gung der Buch­preis­bindung geht. Auf Ver­anstal­tun­gen wie der Leipziger oder Frank­furter Buchmesse ist davon dann aber keine Rede mehr, da darf nur teil­nehmen, wer auch ordentlich Geld auf den Tisch legt – und das über­steigt eben die Möglichkeit­en viel­er Klein- und Kle­in­stver­lage ganz erhe­blich. Hier wird, von der Branche sich­er nicht ganz unbe­ab­sichtigt, eine Zweik­las­sen­ge­sellschaft gepflegt: auf der einen Seite die Branchen-»Élite« und auf der anderen Seite die Indies, mit denen man gern prahlt, die sich die teuren Präsen­zen auf den Branchenselb­st­be­weihräucherungsver­anstal­tun­gen aber eben nicht leis­ten kön­nen.

Aber wie ich schon schrieb: Es geht auf den Messen wed­er ums Buch, noch um Kul­tur, und schon gar nicht um Autoren und deren Büch­er, son­dern nur noch darum, möglichst viel Geld zu gener­ieren. Als Besuch­er sollte man sich das vor Augen führen, und vielle­icht mal mit den Füßen abstim­men.

Update: Ich habe bei den Ver­anstal­tern der Leipziger Buchmesse um Stel­lung­nahme gebeten:

Sehr geehrte Frau Justen,

den nach­fol­gen­den Text veröf­fentlichte die WerkZeugs KG, die in den ver­gan­genen Jahren die Phan­tastik-Lesein­sel auf der Leipziger Buchmesse betrieben hat, heute auf ihrer Face­book-Seite und hat damit viel Ver­wun­derung in der Phan­tastik-Szene, sowohl bei Lesern, wie auch bei Ver­la­gen und Autoren, aus­gelöst.

[hier der obige Text von WerkZeugs]

Ich würde hierzu um eine Stel­lung­nahme bit­ten und danke dafür im voraus.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Man darf ges­pan­nt sein, wie diese Tel­lung­nahme ausse­hen wird, falls über­haupt eine kommt.

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Leipziger Buchmesse: Podiumsdiskussion über Blogger – ohne Blogger

Leipziger Buchmesse: Podiumsdiskussion über Blogger – ohne Blogger

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Nach Infor­ma­tio­nen des Buchre­ports wird auf der Leipziger Buchmesse eine Podi­ums­diskus­sion zum The­ma »Blog­ger« und »Blogs« stat­tfind­en. Allerd­ings ohne Blog­ger. Dafür mit Vertretern von Totholzme­di­en und Ver­la­gen.

Es ist seit­ens dieser Branche kaum noch deut­lich­er zu doku­men­tieren, dass man Blog­ger nur für bil­lige Werbeschafe hält, denen man bloß darüber hin­aus keine Stimme zugeste­hen sollte. Das passt ja auch ger­adezu per­fekt zur Mel­dung, dass die ein­tägige Infover­anstal­tung Blog­gers­es­sions eben­falls weitest­ge­hend ohne Blog­ger stat­tfind­en wird.

Die Branche macht sich ihre Welt Blo­gosphäre, wie sie ihr gefällt. Man möchte also über Blog­ger reden und sie selb­stver­ständlich als gün­stige oder sog­ar kosten­lose Wer­be­fläche nutzen. Aber sie sollen bitte fern bleiben, wenn sich die »Erwach­se­nen« unter­hal­ten. Das ist alles ähn­lich pein­lich, wie die kläglichen Ver­suche der Buchmessen auf Youtube.

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»Erniedrige dich selbst« für Autoren auf der Leipziger Buchmesse

LogoLeipzigerBuchmesseMan fasst es kaum, aber das Börsen­blatt nen­nt das Ganze auf sein­er Face­book­seite ein »span­nen­des Event­for­mat«. Worum es geht? Es wird zum einen »Meet & Greet«, zum anderen »eine Art Speed­dat­ing« genan­nt. Am Son­ntag der Leipziger Buchmesse dür­fen »Nach­wuch­sautoren« in Kon­takt mit Ver­la­gen und Agen­ten treten. Wie über­aus großzügig. Dafür ist allerd­ings nur anderthalb Stun­den Zeit (11:00 bis 12:30). Das bedeutet: für jedes Gespräch zwis­chen »Jun­gau­tor« und Ver­leger bleiben laut Ver­anstal­ter sieben Minuten. Diese Ver­anstal­tung find­et zum ersten Mal statt.

Aha.

Im Ernst?

Man darf also am Son­ntag der Messe, an dem schon kein­er mehr auf irgend­was Bock hat, im Eil­ver­fahren ver­suchen, irgendwelchen unin­ter­essierten Ver­lagsvertretern (ver­mut­lich schick­en sie die Prak­tikan­ten, ja ich weiß, die heißen Volon­täre) sich und sein Werk anzu­di­enen. Vielle­icht trifft man aber auch auf solche Entschei­der, wie die, die HARRY POTTER abgelehnt haben. Aber wenn man viel Glück hat, nehmen sie einen wahr, brin­gen das Buch her­aus und lassen einen dann mit Tantiemen-Brosamen am aus­gestreck­ten Arm ver­hungern. In der Zeit hätte man das Werk als Self­pub­lish­er ver­mut­lich schon zig­fach abge­set­zt und zig­fache Einnnah­men gehabt.

Stattdessen soll man sich diesem her­ab­würdi­gen­den Ver­fahren unterziehen. Wie verzweifelt muss man sein? Sieben Minuten pro Gespräch? Ich weiß nicht, was die bei den Mes­sev­er­anstal­tern nehmen, wenn sie das als »tolles neues Konzept« empfind­en, aber ich würde drin­gend dazu rat­en, es abzuset­zen. Was soll das Ganze? Will man den Ein­druck erweck­en, tat­säch­lich an Nach­wuch­sautoren inter­essiert zu sein? Und dann hat man nur Bock auf sieben Minuten pro Autor? Das ist der­art arm­selig und arro­gant, dazu fällt mir wirk­lich nichts mehr ein.

Ich würde den »Nach­wuch­sautoren« empfehlen, stattdessen etwas Sin­nvolles zu tun, beispiel­sweise Sock­en rollen oder den Ham­ster bürsten.

Oder schreiben.

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Buchmesse Leipzig: Phantastik nein danke! Wie wär´s mit Köln?

Buchmesse Leipzig: Phantastik nein danke! Wie wär´s mit Köln?

Liest man die ein­schlägi­gen Webpub­lika­tio­nen wie Börsen­blatt und ähn­lich­er Claque­ure, dann war die Buchmesse Leipzig ein voller Erfolg und die beste Ver­anstal­tung seit der Erfind­ung des Buch­drucks. Man beweihräuchert sich gegen­seit­ig, basht zwis­chen­durch kräftig  Ama­zon und platziert sich lieber mit irgendwelchen hal­b­garen »buy local«-Initiativen, statt tat­säch­lich etwas an der Kun­den­fre­undlichkeit des Buch­han­dels zu verbessern, was tat­säch­lich möglicher­weise dazu führen kön­nte, dass ich lokal kaufe. Wenn da allerd­ings nur ein »buy local«-Schild klebt und sich am Ser­vice nichts ändert, ist das pure Fas­sade und blind­er (und dum­mer) Aktion­is­mus.

Das aber nur am Rande. Ich war selb­st nicht auf der Buchmesse Leipzig, unter anderem, weil sie für mich zu weit weg ist und ich den Nutzen nicht sehe. Bish­er war diese jedoch nach übere­in­stim­menden Ausagen divers­er Ver­lage und Autoren ein wichtiger Tre­ff­punkt rund um die Phan­tastik.

Wenn ich jet­zt jedoch die Kom­mentare von Oliv­er Plasch­ka oder Uschi Zietsch lese, dann sind die bekan­nten Standes­dünkel der Branche und ihrer Elit­is­ten gegenüber Phan­tastik im all­ge­meinen offen­sichtlich in Leipzig angekom­men. Zusät­zlich ent­blödet sich der Mes­sev­er­anstal­ter nicht, Phan­tastik ein­fach mal mit Kinder­lit­er­atur gle­ichzustellen. Wie im fin­steren Mit­te­lal­ter. Liest man dann noch, wie hochherrschaftlich sich dieser Ver­anstal­ter gegenüber den Teil­nehmenden ben­immt, dann muss man sich fra­gen, ob die bei der Messe Leipzig nicht wis­sen, wer ihnen die Ein­nah­men bringt oder ob es ihnen egal ist?

Zitat Oliv­er Plasch­ka:

Ein weit­er­er Grund, wieso ich mich hier dem Vor­wurf der Seg­re­ga­tion aus­set­ze, ist der Elit­ismus der Kri­tik.Ins­beson­dere die Fan­ta­sy (die seit den Neun­zigern in Deutsch­land unfrei­willig zum Platzhal­ter für jede Art von fan­tastis­ch­er Lit­er­atur gewor­den ist) kämpft seit gefühlten Zeital­tern (d.h., min­destens seit 1939) darum, dass man sie nicht als »was für Kinder« abtut – dieses dümm­ste aller Argu­mente, das sich let­ztlich gar nicht mal gegen uns, son­dern gegen die Kinder­buchau­toren und vor allem die Kinder selb­st richtet, und das aus dem Ver­sagen der grundle­gend­sten aller lit­er­aturkri­tis­chen Kat­e­gorien erwächst, näm­lich: »Wenn da was mit Zauberei drin vorkommt, ist das doch Unsinn.«

Zitat Uschi Zietsch:

Woran liegt es? Am »neuen« Konzept der Messe, das ja nun schon zwei Jahre alt ist. Obwohl immer wieder ver­sichert wird, wie wichtig die Halle 2 mit der Phan­tastik sei, wird alles dazu getan, um die Leute zu ver­graulen. Das fängt damit an, dass wir nicht mehr verkaufen dür­fen, und es geht damit weit­er, dass die Cos­Play­er, die wegen der Medi­en­aufmerk­samkeit ange­blich »sehr geschätzt« sind, ans hin­tere Ende der Halle ver­ban­nt wer­den, wo sie »auf einen Haufen gedrängt« dann TV-wirk­sam in Szene geset­zt wer­den kön­nen. Aber bitteschön den »nor­malen« (ser­iösen?) Ablauf der Messe nicht stören sollen. […]

Es ärg­ert mich auch, dass ich kurz vor der Messe noch ein­mal eine Mail mit drastis­chen Worten erhal­ten habe, in der deut­lich darauf hingewiesen wurde, dass ich mich gefäl­ligst an alle Bedin­gun­gen zu hal­ten habe, andern­falls dro­hen enorme Strafen. Und eine Bitte von mir wurde – zur Hälfte – »aus­nahm­sweise erlaubt«. Das ist ein Ton, den ich mir ver­bitte, denn ich bin diejenige, die den Stand bezahlt und damit der Messe ihr Über­leben garantiert.

Die aus­führlichen Berichte der bei­den sollte man unbe­d­ingt mal gele­sen haben (sind oben unter den Namen der Autoren ver­linkt), wenn das nicht von Per­so­n­en stam­men würde, die vor Ort waren und abso­lut glaub­würdig sind, kön­nte man es nicht glauben wollen. Mir fällt zu dem, was da in Leipzig abge­gan­gen ist, ehrlich gesagt nicht mehr viel ein, außer dass so etwas symp­to­ma­tisch für die Branche zu sein scheint – und dass die Ver­anstal­ter in ihrer Arro­ganz mein­er Ansicht nach einen Sock­en­schuss haben.

Wie wäre denn der Plan ein­er reinen Phan­tastik-Buchmesse zeit­gle­ich zur Role Play Con­ven­tion in Köln? Es wür­den durch die Verbindung zweier solch­er Ver­anstal­tun­gen an einem Ter­min und Ort sicher­lich Syn­ergieef­fek­te entste­hen und die Ziel­gruppe treibt sich dort defin­i­tiv herum. Köln liegt zen­tral, schon die GamesCom war ja auf­grund von hefti­gen Infra­struk­tur-Prob­le­men in Leipzig in die Rhein­metro­pole gezo­gen, Stadt und Messe sind verkehrstech­nisch opti­mal ange­bun­den. Zwei Hallen RPC mit coolem Außen­gelände, jede Menge erwün­schte Gewan­dete, Cos­play­er und LARP­er, das wäre mein­er Ansicht nach ein opti­maler Rah­men für eine zusät­zliche Lit­er­atur-Ver­anstal­tung, die sich rein um Phan­tastik dreht. Und die Kul­tur­chau­vin­is­ten kön­nen bleiben, wo der Anspruchs-Pfef­fer wächst.

Vielle­icht würde das mehr brin­gen, als eine Ver­anstal­tung wie die Buchmesse Leipzig, die Phan­tastik-Ver­lage und -Autoren schein­bar nur als notwendi­ges Übel ansieht?

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Shortlist des Seraph 2013

Im Rah­men der Leipziger Buchmesse ver­lei­ht die Jury der 2011 ins Leben gerufe­nen Phan­tastis­chen Akademie e. V. am 14. März 2013  den Förder­preis für phan­tastis­che Lit­er­atur »Ser­aph«. Der Vere­in hat sich zur Auf­gabe gemacht, das Anse­hen phan­tastis­ch­er Lit­er­atur zu steigern und ins­beson­dere Nach­wuch­stal­ente des Gen­res zu fördern.

Gemein­sam mit ein­er für 2013 kom­plett neu zusam­menge­set­zten Experten­jury aus Lek­toren, Jour­nal­is­ten, Buch­händlern, Blog­gern und Lesern, wur­den seit Dezem­ber 2012 unter den ins­ge­samt über 80 Ein­sendun­gen von rund 40 Ver­la­gen aus Deutsch­land, Öster­re­ich und der Schweiz zunächst die Longlists der besten Titel des zurück­liegen­den Jahres in den Kat­e­gorien »Bestes Buch« und »Bestes Debüt« erar­beit­et und nun ste­hen die Short­lists der besten fünf respek­tive drei Titel fest.

Short­list des SERAPH 2013 »Bestes Buch« in alpha­betis­ch­er Rei­hen­folge

  • Drvenkar, Zoran: Der let­zte Engel (cbj)
  • Hoff­mann, Markolf: Ines öffnet die Tür (Ueber­reuter)
  • Mey­er, Kai: Asche und Phönix (Carlsen)
  • Schreck­en­berg, Michael: Der wan­dernde Krieg – Sergej (Juhr)
  • Wag­n­er, Antje: Vaku­um (Blooms­bury)

Short­list des SERAPH 2013 »Bestes Debüt« in alpha­betis­ch­er Rei­hen­folge

  • Gläs­er, Mechthild: Stadt aus Trug und Schat­ten (Loewe)
  • Old­en­burg, Jan: Fan­tastik AG – Ein Epos aus den Fer­nen Län­dern (Piper)
  • Simon, Cor­du­la: Der Potemkin­sche Hund (Picus Ver­lag)

Weit­ere Details zum Preis und zur Phan­tastis­chen Akademie find­en sich auf deren Web­seite.

Quelle: Pressemit­teilung, Logo »Ser­aph« Copy­right Phan­tastis­che Akademie e.V.