»Erniedrige dich selbst« für Autoren auf der Leipziger Buchmesse

LogoLeipzigerBuchmesseMan fasst es kaum, aber das Bör­sen­blatt nennt das Gan­ze auf sei­ner Face­book­sei­te ein »span­nen­des Event­for­mat«. Wor­um es geht? Es wird zum einen »Meet & Greet«, zum ande­ren »eine Art Speed­da­ting« genannt. Am Sonn­tag der Leip­zi­ger Buch­mes­se dür­fen »Nach­wuchs­au­toren« in Kon­takt mit Ver­la­gen und Agen­ten tre­ten. Wie über­aus groß­zü­gig. Dafür ist aller­dings nur andert­halb Stun­den Zeit (11:00 bis 12:30). Das bedeu­tet: für jedes Gespräch zwi­schen »Jung­au­tor« und Ver­le­ger blei­ben laut Ver­an­stal­ter sie­ben Minu­ten. Die­se Ver­an­stal­tung fin­det zum ers­ten Mal statt.

Aha.

Im Ernst?

Man darf also am Sonn­tag der Mes­se, an dem schon kei­ner mehr auf irgend­was Bock hat, im Eil­ver­fah­ren ver­su­chen, irgend­wel­chen unin­ter­es­sier­ten Ver­lags­ver­tre­tern (ver­mut­lich schi­cken sie die Prak­ti­kan­ten, ja ich weiß, die hei­ßen Volon­tä­re) sich und sein Werk anzu­die­nen. Viel­leicht trifft man aber auch auf sol­che Ent­schei­der, wie die, die HARRY POTTER abge­lehnt haben. Aber wenn man viel Glück hat, neh­men sie einen wahr, brin­gen das Buch her­aus und las­sen einen dann mit Tan­tie­men-Bro­sa­men am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern. In der Zeit hät­te man das Werk als Self­pu­blisher ver­mut­lich schon zig­fach abge­setzt und zig­fa­che Einn­nah­men gehabt.

Statt­des­sen soll man sich die­sem her­ab­wür­di­gen­den Ver­fah­ren unter­zie­hen. Wie ver­zwei­felt muss man sein? Sie­ben Minu­ten pro Gespräch? Ich weiß nicht, was die bei den Mes­se­ver­an­stal­tern neh­men, wenn sie das als »tol­les neu­es Kon­zept« emp­fin­den, aber ich wür­de drin­gend dazu raten, es abzu­set­zen. Was soll das Gan­ze? Will man den Ein­druck erwe­cken, tat­säch­lich an Nach­wuchs­au­toren inter­es­siert zu sein? Und dann hat man nur Bock auf sie­ben Minu­ten pro Autor? Das ist der­art arm­se­lig und arro­gant, dazu fällt mir wirk­lich nichts mehr ein.

Ich wür­de den »Nach­wuchs­au­toren« emp­feh­len, statt­des­sen etwas Sinn­vol­les zu tun, bei­spiels­wei­se Socken rol­len oder den Hams­ter bürs­ten.

Oder schrei­ben.

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