Keine WerkZeugs Phantastik-Leseinsel auf der Buchmesse Leipzig

Buchmesse Euro

Auf ihrer Face­book­seite melden sich die Betreiber hin­ter der WerkZeugs Kreativ KG mit ein­er Pressemit­teilung zu Wort. WerkZeugs hat­te in den ver­gan­genen neun Jahren auf der Leipziger Buchmesse die Phan­tastik-Lesein­sel sowie einen Genre-Buch­han­del betrieben. Jet­zt schreiben sie:

Liebe Fre­unde der Fan­tastis­chen Lit­er­atur, liebe Buchmesse-Fans,

lei­der müssen wir Euch heute etwas für uns sehr trau­riges mit­teilen:
Nach gut neun Jahren endet 2016 unsere Koop­er­a­tion mit der Leipziger Buchmesse.
Wir haben uns in den ver­gan­genen Jahren bemüht, die Lesein­sel Fan­ta­sy und den dazuge­hören­den WerkZeugs-Stand, die Fan­ta­sy-Buch­hand­lung, zu einem span­nen­den Ort mit vie­len tollen Lesun­gen und Begeg­nun­gen zu machen. Nicht nur für die Leser, son­dern auch für die Autoren und Ver­lagsvertreter, die unsere Lounge gern genutzt haben.
Unsere beste­hen­den Verträge mit der Mes­se­leitung sind in diesem Jahr aus­ge­laufen. Die neuen Kon­di­tio­nen, die uns die Messe ange­boten hat, machen jedoch ein wirtschaftlich­es Arbeit­en unmöglich, da die Standge­bühren mehr als ver­dop­pelt wer­den sollen. Ein Auftritt auf der Messe in der gewohn­ten Weise wäre einem finanziellen Ruin gle­ichzuset­zten. Unsere Ver­suche, eine Lösung zu find­en, die für bei­de Parteien sin­nvoll wäre, waren verge­blich.
Aus diesem Grund mussten wir unsere Zusam­me­nar­beit mit der Leipziger Buchmesse lei­der been­den und wer­den 2017 nicht auf der Messe vertreten sein.

Wir bedauern dies sehr.
Euer WerkZeugs-Team

Ver­dop­pelte Stand­preise. Da kann man wieder ein­mal sehen, worum den Ver­anstal­tern es auch auf der Buchmesse Leipzig let­z­tendlich geht: Nicht um Büch­er, son­dern um das Gener­ieren von möglichst viel Kohle. So eine Messe ist ja qua­si eine Geld­druck­mas­chine, ins­beson­dere, wenn einem die Messe­hallen selb­st gehören. Man kassiert von allen ab: Von Besuch­ern und Fachbe­such­ern bei den Ein­trittskarten und von den Ausstellern gle­ich dop­pelt bei den Standge­bühren und über die Messe­buch­hand­lun­gen.

Man kann nun spekulieren, warum auf ein­mal die dop­pelte Standge­bühr genom­men wer­den soll? Das erscheint als Preis­steigerung doch arg über­trieben und kaum vertret­bar. Es gibt allerd­ings neuerd­ings einige Pub­likumsver­lage, die sich inten­siv im Genre-Bere­ich posi­tion­ieren, beispiel­sweise Fis­ch­er mit der deutschen Aus­gabe von TOR oder Piper Fan­ta­sy. Man kön­nte nun auf die Idee ver­fall­en, dass die ver­meintlichen Ama­teure aus­ge­bootet wer­den sollen, damit Buchbranchen-»Profis« die Phan­tastik-Lesein­sel übernehmen kön­nen. Warten wir mal ab, aber ich prophezei­he, dass die Buchmesse-Ver­anstal­ter dem­nächst mit einem tollen, neuen Part­ner für die Lesein­sel um die Ecke kom­men wer­den.

Oder ob die Standge­bühren all­ge­mein so ange­zo­gen wur­den? In dem Fall dürfte das ver­mut­lich auch für etliche Klein­ver­lage das Messe-Aus bedeuten, wenn sich der Stand rein wirtschaftlich nicht mehr recht­fer­ti­gen lässt, weil man die Aus­gabe nicht mal ansatzweise wieder rein­holen kann. Dazu kommt ja noch, dass man seine Büch­er dort nicht selb­st verkaufen darf, son­dern die Ver­anstal­ter sog­ar daran noch einen nicht gerin­gen Anteil haben wollen und deswe­gen nur über spezielle Messe­buch­hand­lun­gen abeset­zt wer­den darf.

Angesichts der Geschäft­sprak­tiken der Ver­anstal­ter der Leipziger Buchmesse wun­dert man sich in der Nach­schau nicht mehr darüber, dass sie schon ein­mal eine renom­mierte Branchen­messe ver­loren haben: Die Gamescon, die heute unter der Neu­fir­mierung GamesCom in Köln ver­anstal­tet wird. Es ist nun sich­er unwahrschein­lich, dass eine so langjährige Ver­anstal­tung wie die Buchmesse ein­fach umzieht, aber wenn durch sink­ende Attrak­tiv­ität wegen deut­lich weniger Ausstellern die Besucherzahlen zurück gehen, wird  sich der Ver­anstal­ter etwas ein­fall­en lassen müssen.

Da es doch ange­blich um Kul­tur geht, kön­nte man diese aktiv fördern, indem die Großan­bi­eter (also Pub­likumsver­lage ober­halb eines gewis­sen Jahres­gewinns) etwas höhere Gebühren zahlen und damit die kleineren Anbi­eter bzw. deren Stände spon­sorn. Es wird ja regelmäßig die kul­turelle Vielfalt beschworen, beispiel­sweise wenn es um die Recht­fer­ti­gung der Buch­preis­bindung geht. Auf Ver­anstal­tun­gen wie der Leipziger oder Frank­furter Buchmesse ist davon dann aber keine Rede mehr, da darf nur teil­nehmen, wer auch ordentlich Geld auf den Tisch legt – und das über­steigt eben die Möglichkeit­en viel­er Klein- und Kle­in­stver­lage ganz erhe­blich. Hier wird, von der Branche sich­er nicht ganz unbe­ab­sichtigt, eine Zweik­las­sen­ge­sellschaft gepflegt: auf der einen Seite die Branchen-»Élite« und auf der anderen Seite die Indies, mit denen man gern prahlt, die sich die teuren Präsen­zen auf den Branchenselb­st­be­weihräucherungsver­anstal­tun­gen aber eben nicht leis­ten kön­nen.

Aber wie ich schon schrieb: Es geht auf den Messen wed­er ums Buch, noch um Kul­tur, und schon gar nicht um Autoren und deren Büch­er, son­dern nur noch darum, möglichst viel Geld zu gener­ieren. Als Besuch­er sollte man sich das vor Augen führen, und vielle­icht mal mit den Füßen abstim­men.

Update: Ich habe bei den Ver­anstal­tern der Leipziger Buchmesse um Stel­lung­nahme gebeten:

Sehr geehrte Frau Justen,

den nach­fol­gen­den Text veröf­fentlichte die WerkZeugs KG, die in den ver­gan­genen Jahren die Phan­tastik-Lesein­sel auf der Leipziger Buchmesse betrieben hat, heute auf ihrer Face­book-Seite und hat damit viel Ver­wun­derung in der Phan­tastik-Szene, sowohl bei Lesern, wie auch bei Ver­la­gen und Autoren, aus­gelöst.

[hier der obige Text von WerkZeugs]

Ich würde hierzu um eine Stel­lung­nahme bit­ten und danke dafür im voraus.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Man darf ges­pan­nt sein, wie diese Tel­lung­nahme ausse­hen wird, falls über­haupt eine kommt.

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

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