Keine WerkZeugs Phantastik-Leseinsel auf der Buchmesse Leipzig

Keine WerkZeugs Phantastik-Leseinsel auf der Buchmesse Leipzig

Buchmesse Euro

Auf ihrer Face­book­seite melden sich die Betreiber hin­ter der WerkZeugs Kreativ KG mit ein­er Pressemit­teilung zu Wort. WerkZeugs hat­te in den ver­gan­genen neun Jahren auf der Leipziger Buchmesse die Phan­tastik-Lesein­sel sowie einen Genre-Buch­han­del betrieben. Jet­zt schreiben sie:

Liebe Fre­unde der Fan­tastis­chen Lit­er­atur, liebe Buchmesse-Fans,

lei­der müssen wir Euch heute etwas für uns sehr trau­riges mit­teilen:
Nach gut neun Jahren endet 2016 unsere Koop­er­a­tion mit der Leipziger Buchmesse.
Wir haben uns in den ver­gan­genen Jahren bemüht, die Lesein­sel Fan­ta­sy und den dazuge­hören­den WerkZeugs-Stand, die Fan­ta­sy-Buch­hand­lung, zu einem span­nen­den Ort mit vie­len tollen Lesun­gen und Begeg­nun­gen zu machen. Nicht nur für die Leser, son­dern auch für die Autoren und Ver­lagsvertreter, die unsere Lounge gern genutzt haben.
Unsere beste­hen­den Verträge mit der Mes­se­leitung sind in diesem Jahr aus­ge­laufen. Die neuen Kon­di­tio­nen, die uns die Messe ange­boten hat, machen jedoch ein wirtschaftlich­es Arbeit­en unmöglich, da die Standge­bühren mehr als ver­dop­pelt wer­den sollen. Ein Auftritt auf der Messe in der gewohn­ten Weise wäre einem finanziellen Ruin gle­ichzuset­zten. Unsere Ver­suche, eine Lösung zu find­en, die für bei­de Parteien sin­nvoll wäre, waren verge­blich.
Aus diesem Grund mussten wir unsere Zusam­me­nar­beit mit der Leipziger Buchmesse lei­der been­den und wer­den 2017 nicht auf der Messe vertreten sein.

Wir bedauern dies sehr.
Euer WerkZeugs-Team

Ver­dop­pelte Stand­preise. Da kann man wieder ein­mal sehen, worum den Ver­anstal­tern es auch auf der Buchmesse Leipzig let­z­tendlich geht: Nicht um Büch­er, son­dern um das Gener­ieren von möglichst viel Kohle. So eine Messe ist ja qua­si eine Geld­druck­mas­chine, ins­beson­dere, wenn einem die Messe­hallen selb­st gehören. Man kassiert von allen ab: Von Besuch­ern und Fachbe­such­ern bei den Ein­trittskarten und von den Ausstellern gle­ich dop­pelt bei den Standge­bühren und über die Messe­buch­hand­lun­gen.

Man kann nun spekulieren, warum auf ein­mal die dop­pelte Standge­bühr genom­men wer­den soll? Das erscheint als Preis­steigerung doch arg über­trieben und kaum vertret­bar. Es gibt allerd­ings neuerd­ings einige Pub­likumsver­lage, die sich inten­siv im Genre-Bere­ich posi­tion­ieren, beispiel­sweise Fis­ch­er mit der deutschen Aus­gabe von TOR oder Piper Fan­ta­sy. Man kön­nte nun auf die Idee ver­fall­en, dass die ver­meintlichen Ama­teure aus­ge­bootet wer­den sollen, damit Buchbranchen-»Profis« die Phan­tastik-Lesein­sel übernehmen kön­nen. Warten wir mal ab, aber ich prophezei­he, dass die Buchmesse-Ver­anstal­ter dem­nächst mit einem tollen, neuen Part­ner für die Lesein­sel um die Ecke kom­men wer­den.

Oder ob die Standge­bühren all­ge­mein so ange­zo­gen wur­den? In dem Fall dürfte das ver­mut­lich auch für etliche Klein­ver­lage das Messe-Aus bedeuten, wenn sich der Stand rein wirtschaftlich nicht mehr recht­fer­ti­gen lässt, weil man die Aus­gabe nicht mal ansatzweise wieder rein­holen kann. Dazu kommt ja noch, dass man seine Büch­er dort nicht selb­st verkaufen darf, son­dern die Ver­anstal­ter sog­ar daran noch einen nicht gerin­gen Anteil haben wollen und deswe­gen nur über spezielle Messe­buch­hand­lun­gen abeset­zt wer­den darf.

Angesichts der Geschäft­sprak­tiken der Ver­anstal­ter der Leipziger Buchmesse wun­dert man sich in der Nach­schau nicht mehr darüber, dass sie schon ein­mal eine renom­mierte Branchen­messe ver­loren haben: Die Gamescon, die heute unter der Neu­fir­mierung GamesCom in Köln ver­anstal­tet wird. Es ist nun sich­er unwahrschein­lich, dass eine so langjährige Ver­anstal­tung wie die Buchmesse ein­fach umzieht, aber wenn durch sink­ende Attrak­tiv­ität wegen deut­lich weniger Ausstellern die Besucherzahlen zurück gehen, wird  sich der Ver­anstal­ter etwas ein­fall­en lassen müssen.

Da es doch ange­blich um Kul­tur geht, kön­nte man diese aktiv fördern, indem die Großan­bi­eter (also Pub­likumsver­lage ober­halb eines gewis­sen Jahres­gewinns) etwas höhere Gebühren zahlen und damit die kleineren Anbi­eter bzw. deren Stände spon­sorn. Es wird ja regelmäßig die kul­turelle Vielfalt beschworen, beispiel­sweise wenn es um die Recht­fer­ti­gung der Buch­preis­bindung geht. Auf Ver­anstal­tun­gen wie der Leipziger oder Frank­furter Buchmesse ist davon dann aber keine Rede mehr, da darf nur teil­nehmen, wer auch ordentlich Geld auf den Tisch legt – und das über­steigt eben die Möglichkeit­en viel­er Klein- und Kle­in­stver­lage ganz erhe­blich. Hier wird, von der Branche sich­er nicht ganz unbe­ab­sichtigt, eine Zweik­las­sen­ge­sellschaft gepflegt: auf der einen Seite die Branchen-»Élite« und auf der anderen Seite die Indies, mit denen man gern prahlt, die sich die teuren Präsen­zen auf den Branchenselb­st­be­weihräucherungsver­anstal­tun­gen aber eben nicht leis­ten kön­nen.

Aber wie ich schon schrieb: Es geht auf den Messen wed­er ums Buch, noch um Kul­tur, und schon gar nicht um Autoren und deren Büch­er, son­dern nur noch darum, möglichst viel Geld zu gener­ieren. Als Besuch­er sollte man sich das vor Augen führen, und vielle­icht mal mit den Füßen abstim­men.

Update: Ich habe bei den Ver­anstal­tern der Leipziger Buchmesse um Stel­lung­nahme gebeten:

Sehr geehrte Frau Justen,

den nach­fol­gen­den Text veröf­fentlichte die WerkZeugs KG, die in den ver­gan­genen Jahren die Phan­tastik-Lesein­sel auf der Leipziger Buchmesse betrieben hat, heute auf ihrer Face­book-Seite und hat damit viel Ver­wun­derung in der Phan­tastik-Szene, sowohl bei Lesern, wie auch bei Ver­la­gen und Autoren, aus­gelöst.

[hier der obige Text von WerkZeugs]

Ich würde hierzu um eine Stel­lung­nahme bit­ten und danke dafür im voraus.


Mit fre­undlichem Gruß,
Ste­fan Holzhauer

PhantaNews.de
Phan­tastis­che Nachricht­en

Man darf ges­pan­nt sein, wie diese Tel­lung­nahme ausse­hen wird, falls über­haupt eine kommt.

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eBooks im Buchhandel – das darf alles nicht wahr sein …

eBooks im Buchhandel – das darf alles nicht wahr sein …

eReader-FacepalmBeim Lesen der Über­schrift und des Teasers nahm ich noch an, dass es jet­zt – endlich – soweit sei, und man eBooks ein­fach auch im sta­tionären Buch­han­del kaufen und auf sein Lesegerät über­tra­gen kann. Das Börsen­blatt verkün­det voll­mundig und wer­be­wirk­sam pünk­tlich zur Buchmesse:

E-Books im sta­tionären Sor­ti­ment
Rauf auf den Read­er
E-Books für Kun­den in der Cloud spe­ich­ern oder direkt im Laden auf den E-Read­er ziehen: Das Bar­sor­ti­ment Umbre­it und E-Read­er-Pro­duzent Pock­et­Book rüsten beim E-Read­ing-Ser­vice im Sor­ti­ment nach.

Liest man dann weit­er, bleibt allerd­ings erneut wieder nur, sich aus­dauernd an den Kopf zu fassen: Dieses Ange­bot ist auss­chließlich im Zusam­men­hang mit dem Gerät Pock­et­Book Touch Lux nutzbar. Das ist unge­fähr so, als müsste man in einem bes­timmten Auto­mod­ell an ein­er Tankstelle vor­fahren, um Sprit zu bekom­men, oder als erhielte man seine Kaf­fee­bohnen nur, wenn man eine Kaf­feemüh­le des Typs 08/15 von Eduscho hat. Diese Beschränkung auf ein einzelnes Gerät – noch nicht ein­mal auf einen Her­steller – ist der­art hanebüchen und welt­fremd, da bleibt mir die Spucke weg. Zumal es sich bei Pock­et­book noch nicht ein­mal ansatzweise um einen Mark­t­führer im Bere­ich eRead­er abseits des Kin­dle-Ökosys­tems han­delt. Das ist keine tolle Neuerung, das ist nur noch pein­lich.

Diese Schmerzen … diese unendlichen Schmerzen …

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Bild: eRead­er von mir, Facepalm von Fabio Ven­ni auf flickr, CC BY-SA

Video-Interview: Tad Williams zum Thema Selfpublishing

Video-Interview: Tad Williams zum Thema Selfpublishing

Den Namen Tad Williams ken­nt der Phan­tastik-Fan durch Epen wie die OTHERLAND- oder die OSTEN ARD-Rei­he, let­ztere mit dem Roman DER DRACHENBEINTHRON. Williams wurde kür­zlich in einem Video-Inter­view von Medi­a­pub­lish­ing-Stu­den­ten der Hochschule der Medi­en in Stuttgart zum The­ma Self­pub­lish­ing befragt (und ich frage mich: warum nutzen aus­gerech­net Medi­a­pub­lish­ing-Stu­den­ten das Bild­for­mat 4:3? Aber das nur am Rande).

Für den Autor kommt nach seinen Aus­sagen Self­pub­lish­ing nicht in Frage, da er sich auf das Schreiben konzen­tri­eren will und er beim Inde­pen­dent-Ver­legen zu viele Mar­ket­ing- und Pub­lic­i­ty-Dinge neben­her machen müsste. Außer­dem sagt der Autor: »Auch wenn alle über Self­pub­lish­ing reden, weiß nie­mand, was passieren wird«.

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Doch auch wenn er eine Menge wirk­lich kluge Dinge sagt, da irrt der Meis­ter ver­mut­lich. Erst gestern berichtete Ans­gar Warn­er auf e-book-news darüber, dass die ver­legten Titel in Sachen Self­pub­lish­ing in den USA jene der klas­sis­chen Buch­branche bere­its um ein Vielfach­es über­steigen:

… das poten­tielle, bish­er unaus­geschöpfte Mark­tvol­u­men liege bei 52 Mil­liar­den Dol­lar, und damit etwa dop­pelt so hoch wie der aktuell von klas­sis­chen Ver­la­gen erzeugte Umsatz.
Selb­st wenn man Reprint und geme­in­freie Klas­sik­er her­aus­rech­net, wer­den via Self-Pub­lish­ing schon jet­zt acht mal mehr Titel ver­legt als auf klas­sis­chem Weg. Die Zahl der Inde­pen­dent-Autoren über­steigt die der Ver­lagsautoren sog­ar um das 100-fache.

Das liegt unter amderem daran, dass man Cre­ate­Space-Büch­er in den USA auch über das Bar­sor­ti­ment bekommt – oder ganz pro­fan aus­ge­drückt: im Buch­han­del. Eine Sit­u­a­tion, von der die deutschen Self­pub­lish­er nur träu­men kön­nen. Es han­delt sich um »verdeck­ten Zahlen«, denn die US-Buch­branche nimmt Verkäufe von Inde­pen­dent-Autoren bish­er nicht oder kaum in ihre Sta­tis­tiken auf – genau wie hierzu­lande.

Auf e-book-news.de heisst es weit­er:

Fragt sich natür­lich: Und was ist mit Deutsch­land? Inter­es­san­ter­weise hat ja die Frank­furter Buchmesse das Self-Pub­lish­ing medi­en­wirk­sam zum Top-The­ma des Jahres 2013 gemacht. In den Messe­hallen selb­st wer­den jedoch mal wieder die Pro­duk­te von klas­sis­chen Ver­la­gen das Bild bes­tim­men, ein Bild, das aber die tat­säch­lichen Mark­t­struk­turen ver­schleiern dürfte.

Und das ist in meinen Augen die größte Lach­num­mer: die Betreiber der Buchmesse (also im Prinzip der Börsen­vere­in), erk­lären Self­pub­lish­ing zum ganz großen Hype, tat­säch­lich möchte man aber auf der Ver­anstal­tung dann doch lieber unter sich bleiben, so wie es schon immer war, und alte Tra­di­tio­nen pfle­gen. Man kön­nte sie auch erstar­rte Struk­turen nen­nen. Wenn Self­pub­lish­ing tat­säch­lich das große Ding ist, warum lädt man die Autoren dann nicht ein, um sich auf der Messe zu präsen­tieren? Ein­fach: weil man selb­st mit eige­nen Ablegern wie epub­li oder neo­books Kon­trolle über die Indie-Autoren erlan­gen und sie nach den branch­eneige­nen Spiel­regeln manip­ulieren möchte – um mit den ver­meintlichen Buch-Parias trotz­dem abzukassieren.

In Deutsch­land dauert immer alles etwas länger, aber es würde mich sehr wun­dern, wenn Self­pub­lish­ing nicht auch hierzu­lande zu einem Fak­tor wer­den würde. Ins­beson­dere der Han­del würde gut daran tun, sich dem zu öff­nen.

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Buchmesse Leipzig: Phantastik nein danke! Wie wär´s mit Köln?

Buchmesse Leipzig: Phantastik nein danke! Wie wär´s mit Köln?

Liest man die ein­schlägi­gen Webpub­lika­tio­nen wie Börsen­blatt und ähn­lich­er Claque­ure, dann war die Buchmesse Leipzig ein voller Erfolg und die beste Ver­anstal­tung seit der Erfind­ung des Buch­drucks. Man beweihräuchert sich gegen­seit­ig, basht zwis­chen­durch kräftig  Ama­zon und platziert sich lieber mit irgendwelchen hal­b­garen »buy local«-Initiativen, statt tat­säch­lich etwas an der Kun­den­fre­undlichkeit des Buch­han­dels zu verbessern, was tat­säch­lich möglicher­weise dazu führen kön­nte, dass ich lokal kaufe. Wenn da allerd­ings nur ein »buy local«-Schild klebt und sich am Ser­vice nichts ändert, ist das pure Fas­sade und blind­er (und dum­mer) Aktion­is­mus.

Das aber nur am Rande. Ich war selb­st nicht auf der Buchmesse Leipzig, unter anderem, weil sie für mich zu weit weg ist und ich den Nutzen nicht sehe. Bish­er war diese jedoch nach übere­in­stim­menden Ausagen divers­er Ver­lage und Autoren ein wichtiger Tre­ff­punkt rund um die Phan­tastik.

Wenn ich jet­zt jedoch die Kom­mentare von Oliv­er Plasch­ka oder Uschi Zietsch lese, dann sind die bekan­nten Standes­dünkel der Branche und ihrer Elit­is­ten gegenüber Phan­tastik im all­ge­meinen offen­sichtlich in Leipzig angekom­men. Zusät­zlich ent­blödet sich der Mes­sev­er­anstal­ter nicht, Phan­tastik ein­fach mal mit Kinder­lit­er­atur gle­ichzustellen. Wie im fin­steren Mit­te­lal­ter. Liest man dann noch, wie hochherrschaftlich sich dieser Ver­anstal­ter gegenüber den Teil­nehmenden ben­immt, dann muss man sich fra­gen, ob die bei der Messe Leipzig nicht wis­sen, wer ihnen die Ein­nah­men bringt oder ob es ihnen egal ist?

Zitat Oliv­er Plasch­ka:

Ein weit­er­er Grund, wieso ich mich hier dem Vor­wurf der Seg­re­ga­tion aus­set­ze, ist der Elit­ismus der Kri­tik.Ins­beson­dere die Fan­ta­sy (die seit den Neun­zigern in Deutsch­land unfrei­willig zum Platzhal­ter für jede Art von fan­tastis­ch­er Lit­er­atur gewor­den ist) kämpft seit gefühlten Zeital­tern (d.h., min­destens seit 1939) darum, dass man sie nicht als »was für Kinder« abtut – dieses dümm­ste aller Argu­mente, das sich let­ztlich gar nicht mal gegen uns, son­dern gegen die Kinder­buchau­toren und vor allem die Kinder selb­st richtet, und das aus dem Ver­sagen der grundle­gend­sten aller lit­er­aturkri­tis­chen Kat­e­gorien erwächst, näm­lich: »Wenn da was mit Zauberei drin vorkommt, ist das doch Unsinn.«

Zitat Uschi Zietsch:

Woran liegt es? Am »neuen« Konzept der Messe, das ja nun schon zwei Jahre alt ist. Obwohl immer wieder ver­sichert wird, wie wichtig die Halle 2 mit der Phan­tastik sei, wird alles dazu getan, um die Leute zu ver­graulen. Das fängt damit an, dass wir nicht mehr verkaufen dür­fen, und es geht damit weit­er, dass die Cos­Play­er, die wegen der Medi­en­aufmerk­samkeit ange­blich »sehr geschätzt« sind, ans hin­tere Ende der Halle ver­ban­nt wer­den, wo sie »auf einen Haufen gedrängt« dann TV-wirk­sam in Szene geset­zt wer­den kön­nen. Aber bitteschön den »nor­malen« (ser­iösen?) Ablauf der Messe nicht stören sollen. […]

Es ärg­ert mich auch, dass ich kurz vor der Messe noch ein­mal eine Mail mit drastis­chen Worten erhal­ten habe, in der deut­lich darauf hingewiesen wurde, dass ich mich gefäl­ligst an alle Bedin­gun­gen zu hal­ten habe, andern­falls dro­hen enorme Strafen. Und eine Bitte von mir wurde – zur Hälfte – »aus­nahm­sweise erlaubt«. Das ist ein Ton, den ich mir ver­bitte, denn ich bin diejenige, die den Stand bezahlt und damit der Messe ihr Über­leben garantiert.

Die aus­führlichen Berichte der bei­den sollte man unbe­d­ingt mal gele­sen haben (sind oben unter den Namen der Autoren ver­linkt), wenn das nicht von Per­so­n­en stam­men würde, die vor Ort waren und abso­lut glaub­würdig sind, kön­nte man es nicht glauben wollen. Mir fällt zu dem, was da in Leipzig abge­gan­gen ist, ehrlich gesagt nicht mehr viel ein, außer dass so etwas symp­to­ma­tisch für die Branche zu sein scheint – und dass die Ver­anstal­ter in ihrer Arro­ganz mein­er Ansicht nach einen Sock­en­schuss haben.

Wie wäre denn der Plan ein­er reinen Phan­tastik-Buchmesse zeit­gle­ich zur Role Play Con­ven­tion in Köln? Es wür­den durch die Verbindung zweier solch­er Ver­anstal­tun­gen an einem Ter­min und Ort sicher­lich Syn­ergieef­fek­te entste­hen und die Ziel­gruppe treibt sich dort defin­i­tiv herum. Köln liegt zen­tral, schon die GamesCom war ja auf­grund von hefti­gen Infra­struk­tur-Prob­le­men in Leipzig in die Rhein­metro­pole gezo­gen, Stadt und Messe sind verkehrstech­nisch opti­mal ange­bun­den. Zwei Hallen RPC mit coolem Außen­gelände, jede Menge erwün­schte Gewan­dete, Cos­play­er und LARP­er, das wäre mein­er Ansicht nach ein opti­maler Rah­men für eine zusät­zliche Lit­er­atur-Ver­anstal­tung, die sich rein um Phan­tastik dreht. Und die Kul­tur­chau­vin­is­ten kön­nen bleiben, wo der Anspruchs-Pfef­fer wächst.

Vielle­icht würde das mehr brin­gen, als eine Ver­anstal­tung wie die Buchmesse Leipzig, die Phan­tastik-Ver­lage und -Autoren schein­bar nur als notwendi­ges Übel ansieht?

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Kommentar: Das FAZ-Feuilleton und der vermoderte Elfenbeinturm

Wer heute die Web­seite der FAZ auf­sucht, der kon­nte dort einen Feuil­leton-Artikel mit dem Titel »Fehlt nur noch eine Hüpf­burg« find­en, der von pseu­do-intellek­tueller Arro­ganz nur so strotzt. Schon der Teas­er haut dem Leser die Mei­n­ung des Ver­fassers in deut­lichen Worten um die Ohren:

Die Buchmesse wird langsam, aber sich­er zur Spielzeugmesse: In Frank­furt sah man ein Fanal dessen, was passiert, wenn eine mark­thörige Branche ihren Kern ver­leugnet und sich infan­til­isiert.

»Infan­til­isiert« – ah ja … In diesem Tenor geht es weit­er, wenn sich der Autor des Artikels über jün­gere Fans und bun­thaarige Cos­play­er aus­lässt, als seien die der Unter­gang des lit­er­arischen Abend­lan­des. Wem das noch nicht genug ist, der kann im weit­eren Ver­lauf des Trak­tats in her­ablassend wirk­enden Worten erfahren, dass es auch eine Neuau­flage zum HOBBIT gibt, um dessen Präsen­ta­tion sich die oben genan­nten Bun­thaari­gen und zudem Kinder mit Zauberumhän­gen sam­meln. Shock­ing! »Es fehlt nur noch eine Hüpf­burg« lautet eine Quin­tes­senz Ralf Jan Wieles, bevor er dann begin­nt, sich in Vorurteilen über Self­pub­lish­er und deren vorge­bliche Ama­teurhaftigkeit zu erge­hen, am Rande wer­den fast ver­steckt eRead­er als »Spielkon­solen« abgekanzelt.

Diese Erden­men­schen lassen sich den let­zten Mist andrehen

Der gesamte Artikel atmet einen anges­taubten Kul­tur­chau­vin­is­mus und eine Arro­ganz von ver­meintlichen und vor allem selb­ster­nan­nten Kul­tur­wächtern in den Feuil­letons und ähn­lichen Ghet­tos, beschwört den Irrglauben, dass Lit­er­atur gefäl­ligst eine elitäre Beschäf­ti­gung für studierte Ahnung­haber zu bleiben hat, statt sich einem jun­gen Pub­likum zu öff­nen und auch Pop­kul­tur nicht nur zuzu­lassen, son­dern sich ihr mit offe­nen Armen zu näh­ern, um nicht in ein­er ver­lasse­nen, längst vergesse­nen Ecke stillschweigend und unbeachtet zu ver­schei­den. Dabei wird der Branche in pampigem Ton vorge­hal­ten, dass sie sich an pop­uläre Medi­en hängt, gar Cross­me­di­ales zulässt, statt sich, wie es sich laut der Mei­n­ung des Ver­fassers offen­bar gehört, auf das Ver­legen von untotem Holz mit toten Wörtern zu beschränken. Und da selb­stver­ständlich nur lit­er­arisch vorge­blich »Hochw­er­tiges« und Anspruchsvolles, wie den fünfhun­dert­sten Roman über irgen­deinen poli­tis­chen motivierten Exo­dus oder eine Abhand­lung über die Ver­fol­gung les­bis­ch­er usbekisch­er Non­nen. Ohne geistige Hüpf­bur­gen.

Von Sachken­nt­nis ist der Artikel übri­gens nicht wirk­lich getrübt, wed­er ken­nt sich der Autor mit grundle­gen­den Fak­ten zum HOBBIT oder dem HERR DER RINGE aus, noch weiß er, dass Droe­mer – und damit neo­books, das nen­nt er fälschlich »Neo Book« – wie ePub­li zur Holtzbrinck-Gruppe gehört. @cynx und @nothorse schreiben dazu auf Twit­ter:

Muss man diese verzweifelt intellek­tuell wirk­ende Welt­fern­heit in ihrer unerträglichen Arro­ganz eigentlich ernst nehmen? Wohl kaum. Lassen wir die Feuil­leton­is­ten in ihren Elfen­bein­tür­men mit den lit­er­arischen Spin­nweben und dem Anspruchss­chim­mel kämpfen, während sie von da oben einen ein­samen Blick auf das bunte Treiben zu Füßen ihres mod­ri­gen Habi­tats wer­fen. Und freuen wir uns darüber, dass man sich als mod­ern­er, vielfältig inter­essiert­er Men­sch von solchen Eng­stirnigkeit­en nicht bee­in­flussen lassen muss – und es in den Weit­en des Webs deut­lich inter­es­san­tere, bun­tere und pro­gres­si­vere Orte gibt, als die ver­dor­rten und weitest­ge­hend ver­wais­ten Reser­vate der Feuil­letons. Wer­fen wir ihnen hin und wieder ein wenig Pop­kul­tur-Fut­ter hoch, in das sie sich ver­beißen kön­nen, damit wir anson­sten Ruhe vor den Anspruchs-Fetis­chis­ten haben.

Und wenn sie sich dere­inst gelang­weilt oder vere­in­samt aus ihren Elfen­bein­tür­men stürzen, ziehen wir die Hüpf­burg weg, okay? :o)

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Bild »Hüpf­burg« von Peter Gugerell, aus der Wikipedia, geme­in­frei

Buchmesse: Kobo, Nook und txtr Beagle in der Videovorstellung

Auch Ger­hard Schröder von PadLive besucht selb­stver­ständlich die Buchmesse, und nimmt in einem aktuellen Video neue eRead­er in Augen­schein. Darunter auch den txtr Bea­gle, der nun nicht mehr als eRead­er son­dern als »Com­pan­ion Dis­play«, also qua­si als Zusatz­bild­schirm fürs Smart­phone bewor­ben wird (der Bericht zum Bea­gle startet bei ca. 2:33 Minuten). Per­sön­lich frage ich mich allerd­ings, warum man dann nicht gle­ich auf dem Smart­phone liest, son­dern noch ein weit­eres Gerät mit sich herum­schlep­pen sollte? Ob allein die bessere Lese-Ergonomie des eInk-Dis­plays ein weit­eres Gerät in der Tasche recht­fer­tigt?

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txtr Beagle – Volksreader oder Mogelpackung?

Zur Buchmesse kündigt die Berlin­er Fir­ma txtr (wir erin­nern uns: das waren die mit der Vapor­ware txtr eRead­er) den eRead­er Bea­gle an – zu einem fan­tastisch anmu­ten­den Preis: nur zehn Euro soll das Ding mit Viz­plex eInk-Dis­play kosten. Das wäre mal eine Ansage, wür­den nicht ein paar Details das Bild stören.

Gut, dass bei einem Gerät mit diesem Preis nicht die neueste Dis­playtech­nolo­gie ver­baut ist, kann man sich schon denken, die Viz­plex-Anzeige ist etwas älteren Datums und deswe­gen nicht so kon­trast­stark wie die der neuen Geräte. Das ist aber angesichts des Preis­es mein­er Ansicht nach tat­säch­lich zu ver­nach­läs­si­gen, ich selb­st habe noch einen Han­von N 516, den ich im Jahr 2009 erwor­ben habe, und so schlecht ist die Anzeige nun wahrlich nicht, kann aber selb­stver­ständlich wed­er beim Kon­trast noch in Sachen Bil­dauf­bau mit aktuellen Read­ern mithal­ten.

Was viel mehr verblüfft sind die Angaben zur Kapaz­ität. Zum einen wird darauf hingewiesen, dass das Gerät über einen 4 GB großen inter­nen Flash­spe­ich­er ver­fügt, der sollte für mehrere tausend eBooks im For­mat ePub aus­re­ichen. Den­noch gibt txtr die Menge an auf den Bea­gle zu laden­den Büch­er mit ger­ade mal vier bis fünf an. Der Grund hier­für ist möglicher­weise darin zu suchen, dass die eBooks in ein Raw-For­mat umge­wan­delt wer­den, bevor sie via Blue­tooth aufs Gerät kom­men. Das wären dann wahrschein­lich Bild­dateien statt Text, mit denen der Bea­gle möglicher­weise deut­lich bess­er zurecht kommt, denn sein Prozes­sor ist äußerst schwach auf der Brust. Han­delt es sich tat­säch­lich wie allen­thal­ben angenom­men um Grafik­dateien, bleibt auch der Textzoom auf der Strecke, mein­er Ansicht nach ist aber ger­ade der ein unschlag­bares Argu­ment für eRead­er, denn damit kann man sich unter­wegs an wech­sel­nde Lichtver­hält­nisse anpassen – wird es dun­kler mache ich die Schrift ein­fach größer.

Die Dat­en kom­men – wie oben bere­its erwäh­nt – via Blue­tooth auf den Bea­gle, Anschlüsse für Kabel gibt es nicht. Der wird kon­se­quenter­weise dann auch als Zube­hör fürs Smart­phone bewor­ben. Der Desk­top-PC dürfte nur in den sel­tensten Fällen über Blue­tooth ver­fü­gen, eine weit­ere Möglichkeit der Befül­lung wären somit vielle­icht noch Note­books. Und selb­st dann: wenn in einen vier Giga­byte-Spe­ich­er nur ca. vier bis fünf Büch­er passen, dann dürfte die Über­tra­gungszeit für die kon­vertierten Dateien immens sein.

Energie bekommt das Ding von zwei AAA-Zellen (alias Microzellen), die ange­blich ein Jahr hal­ten sollen, das wurde allerd­ings durch die Angabe »bei 12 bis 15 Büch­ern im Jahr« eingeschränkt – was bei Buchaffinen sehr tief gestapelt sein dürfte. Geht aber mein­er Ansicht nach trotz­dem noch in Ord­nung, zudem kann man statt Bat­te­rien auch auf Akkus zurück greifen. Den­noch ist die Angabe zur Laufzeit eher merk­würdig, Mit­be­wer­ber informieren über die mögliche Lesezeit oder Umblät­ter­vorgänge statt auf die höchst unge­naue Buch­menge hinzuweisen.

Wie sich der eRead­er tat­säch­lich schlägt, muss man abwarten, bis man einen in Hän­den hält. Der (ver­mut­lich quer­sub­ven­tion­ierte) Preis ist natür­lich unschlag­bar, bleibt die Frage ob dieser ins­beson­dere den Nachteil mit den wahrschein­lich kon­vertierten Gigant-Dateien wett machen kann.

Ich hat­te vor eini­gen Tagen bei txtr um ein Test­gerät gebeten, alter­na­tiv darum, mir eine Bezugsquelle zu nen­nen, damit ich einen Bea­gle erwer­ben kann. Die Reak­tion: keine. Keine Absage, keine Zusage, nichts. Das bestätigt meine Zweifel bezüglich des Geräts; auch wenn auf der Buchmesse offen­bar funk­tions­fähige Muster gezeigt wer­den, es ist also abzuwarten, ob das Gerät tat­säch­lich in den Han­del kommt oder genau­so Vapor­ware bleibt wie der txtr Read­er.

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Presse­fo­tos txtr Bea­gle Copy­right txtr

NAUTILUS: kostenloses Probeexemplar als ePaper

Beglei­t­end zur Frank­furter Buchmesse gibt es im dig­i­tal­en Kiosk von PresseKatalog.de gratis Mag­a­zin-Aus­gaben als ePa­per zum Down­load. Extra für diese Aktion erscheint ein spezielles und kosten­loes ePa­per-Probe­heft des monatlichen Fan­ta­sy­magazins NAUTILUS – Aben­teuer & Phan­tastik.

Wer das Fan­ta­sy­magazin NAUTILUS ken­nen­ler­nen oder ein­mal die ePa­per-Aus­gabe im Ver­gle­ich zum gedruck­ten Heft unverbindlich und ohne Kosten aus­pro­bieren möchte, hat par­al­lel zur Buchmesse vom 12. bis 16. Okto­ber die Gele­gen­heit dazu im dig­i­tal­en Kiosk von PresseKatalog.de (man muss ein wenig blät­tern, Anm. d. Red.). Im Aktion­szeitraum kann auf dieser Plat­tform rund um die Uhr in den beteiligten ePa­per-Mag­a­zi­nen gestöbert wer­den, und jed­er Pro­beleser kann drei Mag­a­zine sein­er Wahl kosten­los testen.

Die NAUTILUS hat exk­lu­siv für diese Aktion ein 64-seit­iges Probe­heft erstellt, das exem­plar­isch rund 60 Beiträge aus den Bere­ichen Aben­teuer und Phan­tastik in Film und DVD, Lit­er­atur, Hör­buch und Games vorstellt. Dazu gehören Film­berichte und Setbe­suche, Inter­views mit Filmemach­ern, Gespräche und Werk­stat­tberichte von Roman-Autoren und Fan­ta­sy-Lek­toren sowie Hin­ter­grund­berichte und Sachar­tikel zu Lit­er­atur, Film, Mys­tery und Sci­ence. Das Probe­heft gibt damit einen Ein­blick in die gesamte Band­bre­ite des monatlich erscheinen­den Fan­ta­sy­magazins, wobei die Auswahl gle­ichzeit­ig so etwas wie ein Best-Of der Inhalte der let­zten 24 Monat­saus­gaben inkl. der aktuellen Aus­gabe 10/2011 darstellt und damit auch für Leser und Ken­ner der Print-Aus­gabe eine dig­i­tale Ergänzung darstellt.

Das voll­far­bige ePa­per-Heft (PDF) kann auf allen PC-Plat­tfor­men sowie auf geeigneten eRead­ern mit Farb­dis­play und per App auf Tablet-Com­put­ern und Smart­phones gele­sen wer­den und bietet im Ver­gle­ich zur Print-Aus­gabe alle dig­i­tal­en Möglichkeit­en wie Voll­textsuche, Book­marks, Noti­zen, Links und das Aus­druck­en von Seit­en.

Nach der Buchmesse-Aktion wird das neue NAUTILUS Probe­heft 2011 auch auf der Mag­a­zin-Home­page unter www.fantasymagazin.de zum freien Down­load bere­it­ste­hen. Es erset­zt bzw. ergänzt dann das dor­tige Probe­heft aus den Vor­jahren und kann wie jenes frei verteilt wer­den. Auf der Mag­a­zin-Home­page läßt sich zudem die kom­mende Novem­ber-Aus­gabe vor­ab durch­blät­tern, in der die NAUTILUS in Bild und Text über die kom­mende DER HOB­BIT-Ver­fil­mung berichtet, Inter­views mit Cast & Crew zum deutschen TV-Serien­start von GAME OF THRONES liefert, das Autoren-Rät­sel um William Shake­speare unter­sucht, Pro­gramm­leit­er der Fan­ta­sy-Ver­lage zu neuen Trends befragt und anläßlich der aktuellen Ver­fil­mung durch Spiel­berg und Peter Jack­son die Welt von TIM UND STRUPPI vorstellt. Dazu gibt es Bilder­ga­le­rien, Film-Clips und Trail­er zu den aktuellen phan­tastis­chen Fil­men zu sehen.

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