Buchmesse Leipzig und WerkZeugs: Statement der Veranstalter

Buchmesse Euro

In Sachen der Quere­len um die Buchmesse Leipzig und die von WerkZeugs ver­anstal­tete Lesein­sel, hat­te ich die Presseabteilung der Messe um Stel­lung­nahme gebeten:

Sehr ge­ehrte Frau Jus­ten,

den nach­fol­gen­den Text ver­öf­fent­lichte die Werk­Zeugs KG, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Phan­­tas­tik-Les­ein­sel auf der Leip­zi­ger Buch­messe be­trie­ben hat, heute auf ih­rer Face­­book-Seite und hat da­mit viel Ver­wun­de­rung in der Phan­­tas­tik-Szene, so­wohl bei Le­sern, wie auch bei Ver­la­gen und Au­to­ren, aus­ge­löst.

[hier der obige Text von Werk­Zeugs]

Ich würde hierzu um eine Stel­lung­nahme bit­ten und danke da­für im vor­aus.


Mit freund­li­chem Gruß,
Ste­fan Holz­hauer
PhantaNews.de
Phan­tas­ti­sche Nach­rich­ten

Daraufhin hat­te ich noch am sel­ben Tag fol­gende Antwort bekom­men:

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

das Unternehmen WerkZeugs KG ist ein langjähriger Part­ner für den Gemein­schafts­stand inner­halb des Fan­ta­sy-Bere­ich­es der Leipziger Buchmesse. Deshalb haben wir ihm auch in diesem Jahr ein Ange­bot für diesen Gemein­schafts­stand und seine Dien­stleis­tun­gen rund um das Forum zu weit­er­hin gün­sti­gen Son­derkon­di­tio­nen vorgeschla­gen, die deut­lich unter den reg­ulären Standge­bühren liegen. Wir bedauern sehr, dass WerkZeugs mit uns dieses Ange­bot nicht disku­tiert hat, son­dern öffentlich seine Teil­nahme abge­sagt hat. In unserem Forum „Fan­ta­sy-Lesein­sel“ und in unserem Ausstel­lungs­bere­ich find­en Autoren und Ver­lage selb­stver­ständlich auch zukün­ftig ein starkes Podi­um für ihre Präsen­ta­tion. Zudem wer­den die Ver­lage die Möglichkeit haben, ihre Titel über einen eige­nen Fan­ta­sy-Bere­ich über die Messe­buch­hand­lung in Halle 2 zu verkaufen. Wir freuen uns selb­stver­ständlich auf alle Fan­ta­sy-Fans in Leipzig und sehen weit­er­hin den Bere­ich als einen wichti­gen Teil der Leipziger Buchmesse.

Mit fre­undlichen Grüßen

i. A. Ruth Justen
Press­esprecherin Leipziger Buchmesse 2017
i. A. der Leipziger Messe GmbH

Da sich diese Aus­sage nun doch deut­lich von der unter­schei­det, die WerkZeugs veröf­fentlicht hat­te (und es für mich deswe­gen so aus­sah, als wollen die Ver­anstal­ter sie in die Pfanne hauen), stellte ich WerkZeugs via Face­book dieses State­ment bere­its vor­ab zur Ver­fü­gung und bat ihrer­seits um Stel­lung­nahme, da ich das hin­sichtlich der von den Ver­anstal­tern geäußerten Vor­wür­fen für fair hielt. Die wurde mir für heute zuge­sagt.

Allerd­ings bekomme ich diesen Kom­men­tar nun nicht, das stand in ein­er Mail, die ich soeben erhielt. Man möchte keine offiziellen State­ments abgeben, »um eine Schlamm­schlacht zu ver­mei­den« und weil man »über ver­schiedene Schienen mit der Messe in Dia­log zu kom­men ver­sucht«. Das finde ich rel­a­tiv ulkig, immer­hin ist die Schlamm­schlacht bere­its in vollem Gange. Offen­bar hofft man bei WerkZeugs immer noch, dass die Ver­anstal­ter ein­lenken. Angesichts der Tat­sache, dass bere­its vorgestern ein ander­er Betreuer der Lesein­sel fest­stand (LSL Leipzig) und dass die Rah­menbe­din­gun­gen in Sachen Stände auch für die Ver­lage grundle­gend geän­dert wur­den, sehe ich allerd­ings kaum Hoff­nung, dass es die Lesein­sel mit Lounge samt angeschlosse­nen Stän­den auch in 2017 in akzept­abler Form geben wird. Da das Konzept seit­ens der Messe bere­its weit fort­geschrit­ten scheint, halte ich Änderun­gen für unwahrschein­lich.

Noch gestern um 7:48 Uhr schrieben WerkZeugs auf ihrer Face­book-Seite:

Wir danken Euch her­zlich für Euer Feed­back bezüglich der #Leipziger­Buchmesse – so viele liebe, entrüstete und trau­rige Kom­mentare, Nachricht­en und Emails! Irgend­was müssen wir also in den ver­gan­genen Jahren richtig gemacht haben.
Zum »Fak­tencheck« der Leipziger Buchmesse hier zwei kleine Richtig­stel­lun­gen, eine etwas aus­führlichere Stel­lung­nahme wird es in Kürze auf #Phan­taNews geben.

(1) »Deshalb haben wir ihm auch in diesem Jahr ein Ange­bot für diesen Gemein­schafts­stand und seine Dien­stleis­tun­gen rund um das Forum zu weit­er­hin gün­sti­gen Son­derkon­di­tio­nen vorgeschla­gen«

Fakt: Es ist richtig, dass wir für 2017 noch gün­stige (wenn auch schon deut­lich gestiegene) Kon­di­tio­nen bekom­men hät­ten. Allerd­ings hät­ten wir uns auf drei Jahre ver­traglich fes­tle­gen müssen, im drit­ten Jahr hät­ten die Standge­bühren mehr als das dop­pelte des bish­eri­gen Preis­es betra­gen.

(2) »Wir bedauern sehr, dass WerkZeugs mit uns dieses Ange­bot nicht disku­tiert hat, son­dern öffentlich seine Teil­nahme abge­sagt hat.«

Fakt: Wir haben schriftlich vor­liegen, dass die Leipziger Buchmesse von ihrem »Ange­bot« nicht abwe­ichen und und die Zusam­me­nar­beit deshalb nicht weit­er­führen möchte.

Und noch ein Wort zur #Lesein­sel: Diese bleibt unseres Wis­sens nach weit­er­hin beste­hen – eben »nur« ohne die von uns erbracht­en Dien­stleis­tun­gen (wie etwa Anmod­er­a­tion, Koor­di­na­tion der Sig­nier­schlangen, Stellen der Secu­ri­ty etc.).

Dass die Buchmesse von Ihrem Ange­bot nicht abwe­ichen wollte ist doch in meinen Augen ein ziem­lich zen­trales Argu­ment für den Stand­punkt von WerkZeugs und ander­er Teil­nehmer, die jet­zt noch ver­suchen, auf die Ver­anstal­ter einzuwirken.

Ich weiß zudem auch von Klein­ver­la­gen, die auf­grund des geän­derten, unvorteil­haften Stand­konzepts nun über­legen, in den sauren Apfel zu beißen und anstatt nun inakzept­able neue Bedin­gun­gen zu akzep­tieren, lieber die Stornogebühr in Höhe von EUR 350 zu zahlen, um der Messe fernzubleiben. Wie man sieht, gehen die Prob­leme rund um die Lesein­sel über den The­menkom­plex »WerkZeugs« deut­lich hin­aus.

Unab­hängig davon sehe ich die Aus­sage der Press­esprecherin eben­so wie das sehr ähn­lich klin­gende State­ment des Messechefs im Börsen­blatt äußerst kri­tisch und halte bei­de für einen fes­ten Tritt in den Hin­tern der Autoren, Ver­lage und Fans des Phan­tastik-Bere­ichs, WerkZeugs sowieso. Mal ganz unab­hängig davon, wie die aktuelle Kon­stel­la­tion in Sachen Ver­ant­wor­tung für die Mis­ere zwis­chen Messe und WerkZeugs tatschlich ausse­hen mag:

Auch Messedi­rek­tor Oliv­er Zille sollte zur Ken­nt­nis nehmen, dass WerkZeugs in den ver­gan­genen Jahren da nicht nur einen Stand hat­te und anson­sten Däum­chen drehte, son­dern vielmehr die Lesun­gen, Anmod­er­a­tio­nen, Secu­ri­ty und jede Menge mehr rund um die Lesein­sel organ­isiert hat. Alles Tätigkeit­en, für die sich die Mes­sev­er­anstal­ter nicht befähigt sahen – bevor WerkZeugs das über­nahm, war der Phan­tastik-Bere­ich samt Lesein­sel eine lieblose Ecke, die aus hingestreuten Sitzmö­beln bestand. Statt die Preise inner­halb von drei Jahren (mit gle­ichzeit­igem Knebelver­trag über drei Jahre) auf das Dop­pelte zu erhöhen, sollte die Messe für das Engage­ment eher eine Gage zahlen.

Man wird sehen, wie die Ver­hand­lun­gen PANs und WerkZeugs´ mit der Leipziger Messe GmbH tat­säch­lich enden, und ob es zu einem für alle beteiligten Pro­tag­o­nis­ten befriedi­gen­den Ergeb­nis kom­men wird. Abgesichts divers­er Ver­hal­tensweisen des Mes­sev­er­anstal­ters in den let­zten Jahren (fragt beispiel­sweise mal Klein­ver­lage, wie lange die im ver­gan­genen Jahr auf die Abrech­nung der in den Messe­buch­hand­lun­gen verkauften Büch­er gewartet haben) hege ich daran starke Zweifel, aber man soll ja die Hoff­nung nie aufgeben …

Logo Buch­messe Leip­zig Co­py­right Leip­zi­ger Messe GmbH

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­los­er Nerd mit natür­lich­er Affinität zu Pix­eln, Bytes, Buch­staben und Zah­n­rädern. Kon­sum­iert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online darüber.

3 Kommentare for “Buchmesse Leipzig und WerkZeugs: Statement der Veranstalter”

sagt:

Ich kann nicht mal ansatzweise sehen, was die Abmah­nung mit dem The­menkom­plex zu tun haben soll. Und: Ja, wenn die Ver­anstal­ter der Messe so weit­er machen, wie sie es seit zwei, drei Jahren tun, dann kann es dur­chaus passieren, dass sie die Messe genau­so loswer­den wie die Gamescon. Und nach meinem Ermessen sind die Ver­anstal­ter auch das einzige Prob­lem bei dem ganzen The­menkom­plex. Wenn die Messe zu ein­er schlecht­en Kopie der FBM wird, und kein­er mehr bere­it ist, die über­zo­ge­nen Stand­preise zu zahlen, habe sie es sich selb­st zuzuschreiben.

sagt:

Die Buch­preis­bindung auf eBooks ist ein ganz anderes The­ma. Und auch kom­plett daneben. Ein aus­ländis­ch­er Anbi­eter muss die Buch­preis­bindung ein­hal­ten, wenn er an Käufer verkauft, die in Deutsch­land sitzen. Sitz der Käfer aber beispiel­sweise in den Nieder­lan­den, zieht die Buch­preis­bindung nicht. Wenn der Verkäufer jet­zt also einen Mark­t­platz in NL eröffnet und ich via VPN vortäusche, dass ich aus dem Land komme, kann ich die eBooks vergün­stigt kaufen.

Die haben beim Börsen­vere­in das Inter­net nicht ver­standen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.