Als Alchemist hat man es nicht leicht. Nachdem man sich den ganzen Vormittag im Wald herumgetrieben hat, um Zutaten zu sammeln, steht man anschließend stundenlang am Kessel, um Tränke für vorbeiziehende Abenteurer zu mixen, oder neue Kreationen zu erschaffen. Und wenn einem dann noch das passende Kleingeld fehlt, um den durch frühere Experimente missmutig gestimmten Studenten als Versuchskaninchen zu benutzen, muss man die brodelnde Brühe am Ende noch im Selbstversuch testen. Was tut man nicht alles um neue Erkenntnisse publizieren zu können, damit man bei der nächsten Alchemistenkonferenz nicht blöd da steht?
Das neue Spiel aus dem Hause Czech Games Edition hat auf der Spielemesse in Essen für viel Aufsehen gesorgt, denn es ist eines der Ersten, das eine App fest in den Spielablauf integriert. Obwohl die englische Originalversion erst im Oktober erschienen ist, hat der Heidelberger Spieleverlag bereits jetzt die deutsche Übersetzung herausgebracht, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.
THE HUNGER GAMES: MOCKINGJAY – Part 1 – Bundesstart 20.11.2014
Vor zwei Generationen gab es als großes Idol und besten Bogenschützen Robin Hood zu bewundern, eine generationenübergreifende Ikone unter den Heldenentwürfen. So ändern sich eben die Zeiten. Denken die über Vierzigjährigen bei einer Nickelbrille an John Lennon, ist es bei jenen unter Vierzig Harry Potter. Der Harry Potter der Bogenschützen ist jetzt Katniss Everdeen. Und wie Katniss Everdeen in einer brutal hierarchischen Gesellschaft an sich selbst wachsen musste, ist mit ihr eine Jugendbuchverfilmung erwachsen geworden.
Ist bei einer Trilogie der Mittelteil das schwächste Glied in der Kette, Ausnahmen gibt es wenige, ist es bei einer Quadrologie unweigerlich der dritte Teil. Er schließt selbst nur an ein offenes Ende an, und entlässt den Zuschauer mit einem offenen Ende. Für Quereinsteiger ein kaum zu bewältigendes Unterfangen. Und für den versierten Kinogänger oftmals ein Ärgernis. Oftmals, aber nicht zwangsläufig auch bei MOCKINGJAY 1. Ein ausgezeichneter Film, dessen finale Fortsetzung allerdings beweisen muss, dass das Zweiteilen eines einzelnen Romans gerechtfertigt war.
Vorabkritiken zu INTERSTELLAR versuchten zwanghaft, aber auch nicht besonders gelungen, Stanley Kubriks2001: ODYSSEE IM WELTRAUM mit Christopher Nolans Epos INTERSTELLAR zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen. Und sie verglichen und wogen ab, wo es vollkommen unangebracht war, und keinen Sinn ergab. Übersehen haben sie allerdings den einen Punkt, der beide Filme tatsächlich verbinden könnte: Sie zeichnen sich durch ihren selbst auferlegten Realismus aus, wo sie sich stringent den wissenschaftlichen Fakten unterwerfen. Dann gibt es eine gewisse Wendung, die in ein Terrain fällt welches eben noch nicht wissenschaftlich zu erklären ist. Von hier an werfen die Macher ihre eigenen Spekulationen und Interpretationen in die Handlung, und erzwingen vom Zuschauer eine geistige Grenzerfahrung. Nolan hat das mit MEMENTO getan und mit INCEPTION auf die Spitze getrieben. War MEMENTO noch ein rätselhaftes Puzzle, mit eindeutiger Auflösung, wurde INCEPTION zum geistigen Labyrinth, das gefeiert, aber kontrovers diskutiert wurde. Anscheinend wollten die Nolan-Brüder mit dem Drehbuch zu INTERSTELLAR noch einen Schritt weiter gehen. Sie fordern nicht nur heraus, sondern provozieren auch, sie erklären alles, und lösen doch nichts auf. Und wenn die einen den Film als Meisterwerk feiern, und die anderen ihn als missratenen Science-Fiction-Wust beschimpfen, dann könnten tatsächlich beide Parteien recht haben.
Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gern machen lässt
Enthält minimale Spuren von Spoilern.
Irgendwann, als neulich der deutsche Filmpreis verliehen wurde, hat auch DAS FINSTERE TAL Preise eingeheimst, wurde sogar als der große Sieger verkauft. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich der Deutsche Filmpreis nicht die Bohne interessiert, denn üblicherweise werden irgendwelche Geschichtsbewältigungs-Dramen ausgezeichnet, oder höchst unwitzige Komödien. In dem Bericht, den ich zufällig darüber im Fernsehen sah (unter anderem deswegen ein Zufall, weil ich TV eigentlich nur noch vom Wegsehen kenne), war aber auch ein kurzer Trailer enthalten, mehr ein Teaser. Das sah tatsächlich interessant aus – und dann mehrten sich die Stimmen, die DAS FINSTERE TAL als »Alpenwestern« bezeichneten, gar als »Genre-Film«. Und sowas in deutscher Sprache (es ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion)? Ich war nun nicht so heiß darauf, mir den im Kino anzusehen, als der Preis für die BluRay allerdings kürzlich im Angebot unter zehn Euro fiel, wollte ich dann doch mal einen Blick riskieren, um festzustellen, ob die euphorisch klingenden Kritiken gerechtfertigt sind.
Eine Liste aller Filme um den bluttrinkenden Fürsten zu erstellen wäre mühsam, wahrscheinlich nicht komplett, und darüber hinaus von keinem größeren Nährwert. Sieht man sich auch nur ein grobes Gerüst von allen möglichen Dracula-Filmen an, dann fällt sofort die Unsinnigkeit in den meisten von ihnen auf. Waren NOSFERATU 1922 und DRACULA 1931 die erfolgreichen Grundlagen für die cineastische Verwertung der Mythengestalt, hielt er sich im Kino dennoch für länger eher im Dunkeln verborgen. Erst als Hammer mit HORROR OF DRACULA die Leinwand eroberte, begann die inflationäre Ausschlachtung des transsilvanischen Fürsten. War die Produktionsfirma Hammer anfangs noch zögerlich, schob sie nach und nach in immer kürzeren Abständen Futter für das dürstende Publikum nach. Andere Firmen versuchten der Blutspur zu folgen, schließlich war die Figur bereits frei von Rechten. Obskure Crossover gab es, genau wie eine für ein schwarzes Publikum zugeschnittene Blaxploitation-Version.
Als John Badham 1979 mit Frank Langella in der Hauptrolle erstmals eine korrekte Annäherung an den Roman von Bram Stoker versuchte, hatte das Kino dem vermeintlichen Interesse des Publikums längst einen Pfahl durchs Herz getrieben. Die durchaus gelungene Werner Herzog-Verfilmung NOSFERATU erntete nur aufgesetzten Spot, angeblich weil er sich an Murnaus Klassiker vergriff. Selbst als Francis Ford Coppola eine romangetreue Verfilmung ankündigte, lockte das niemanden aus dem Sarg. Das Publikum ließ sich allerdings überzeugen. BRAM STOKERs DRACULA wurde, vollkommen berechtigt, zu einem überragenden Erfolg. Mit dem Nachteil, dass sich erneut eine Welle an Dracula-Filmen aufzubauen begann. Als Universal Pictures ankündigte, für 2014 einen neuen DRACULA zu produzieren, da musste die erste Reaktion einfach nur sein: Warum?
Dwayne Johnson als Herkules? Da muss man eigentlich nicht lange überlegen. Nach seinem ersten filmischen Auftritt in DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK, hat es noch eine Weile gedauert, bis man sich der charismatischen Wirkung des Wrestling-Champions wirklich bewusst wurde. Vielleicht dauert es noch, bis man Johnson in seiner ersten wirklich dramatischen Rolle zu sehen bekommt, aber die Industrie hat sich zumindest darauf besonnen, dass er größere Rollen in seinem Métier ohne weiteres allein stemmen kann. Spätestens seit FASTER vor vier Jahren hat Dwayne Johnson klar gemacht, dass seine Action-Figuren durchaus auch glaubwürdige Tiefe zeigen können. Für einen Typen wie Herkules ist diese Tiefe im Charakter dann doch eher nebensächlich, doch durchaus erwünscht. Natürlich hält sich auch diese Adaption des mythischen Stoffes nicht an die gestrengen Aufzeichnungen. Aber sie hält an deren Eckpfeilern fest, um eine für sich stehende, solide Geschichte zu erzählen.
GUARDIANS OF THE GALAXY – Bundesstart 28.08.2014
Mit GUARDIANS OF THE GALAXY muss Marvel beweisen, dass ihr Superhelden-Universum noch funktioniert, und weiter funktionieren wird. Zehn Filme, die auf unterschiedlichste Weise ineinander verwoben sind, wurden bisher veröffentlicht. Fünfzehn werden es sein, wenn Phase 3 des Cinematic Universe abgeschlossen wird, aber nicht mit AVENGERS 3, sondern mit GUARDIANS 2. Das zeigt nicht nur Marvels Weitblick, sondern auch unerschütterliches Vertrauen. Die Struktur stand, noch bevor Phase 2 mit IRON MAN 3 richtig angelaufen war, und der erste GUARDIANS-Einsatz noch in weiter Ferne lag. Jetzt sind diese Filme nicht alle wirklich Fortsetzungen, doch ein wackeliges Gerüst kann es dennoch schnell werden. Der Zuschauer bleibt eben ein unberechenbares Objekt der Begierde. Sieht man sich gerade den Kino-Sommer an, in dem sich GUARDIANS nun entfalten darf, hat das Zielpublikum einige als sicher geltende Kassenschlager einfach ignoriert. Nun haben sie sehr wohl Geld eingespielt, viele lagen dabei allerdings weit unter den von den Studios anvisierten Höhen. Weit drunter. Und dann die Retter der Kino-Galaxy mit einem Startwochenende von 94 Millionen Dollar. Damit liegt der Film zwar nur auf Platz 32 in der Rangfolge der Eröffnungswochenenden, doch die Branchenblätter jubelten und zeigten sich gleichzeitig verblüfft. Ein eindeutiges Zeichen, dass die Industrie nicht wirklich mit einem Erfolg in dieser Größenordnung gerechnet hatte. Nur Marvel, die eben bewiesen haben, dass alles noch funktioniert.
HARTE JUNGS nennt sich eine spezielle Vorstellungsreihe in Nürnbergs Multiplex-Erfolg Cinecitta. HARTE JUNGS ist eine Art Preview, in der Testosteron-geschwängerte Streifen einem vornehmlich männlichen, aber entsprechend geneigtem Publikum präsentiert werden, einschließlich gekühltem Gerstensaft. Das passiert im Cinecitta einmal im Monat, und kann im August natürlich nur mit EXPENDABLES 3 erfüllt werden. Eine raffinierte Handlung, geschliffene Dialoge, überraschende Wendungen, dramaturgischer Tiefgang, und schon kann es losgehen. Auf zur dritten, und vermeintlich letzten Runde in der besten Hommage an die Achtziger, die man sich vorstellen kann. Natürlich spaltet das die Gemüter. Zum einen, sind die EXPENDABLES dann doch mit der Technik und den Versatzstücken des aktuellen Kinos gemacht, und dann glauben schlaue Sprücheklopfer, dass die Zeiten für unrealistisch übersteigertes Action-Kino endgültig vorbei sein müssten. Dieser Meinung kann man durchaus sein, hat aber gleichzeitig die Möglichkeit, diese Filme einfach zu meiden.
Der Film beginnt mit einem sehr ungewöhnlichen, für Eric Serra hingegen nicht überraschenden, Soundtrack, der in seiner einfachen und sehr eingeschränkten Orchestrierung den Zuschauer sofort aufmerksam werden lässt. Seit IM RAUSCH DER TIEFE von 1988 begleitet Serra den französischen Ausnahmeregisseur Besson auf seinen Wegen durch das europäische Action-Kino. Was im Arthouse-Kino wunderbar funktionierte, gilt noch lange nicht für das Mainstream-Establishment. BOND-Regisseur Martin Campbell wollte für GOLDENEYE den französischen Komponisten, sorgte am Ende bei den Zuschauern letztendlich nur für Verwirrung. Diese Verwirrung überträgt sich allerdings auch auf andere Produktionen von Luc Besson, der seinem Geschmack und seinem Stil treu blieb, und der Ungewöhnlichkeit von Eric Serras Kompositionen die Stange hielt. Musikalisch ist LUCY durchaus im Trockenen, was die Zusammenarbeit von Serra mit Besson nur unterstreicht. Wo außergewöhnliche Themen auf eine besondere Abhandlung treffen.
Wir sind im Jahr 2014, wo Angelina Jolie aus Termingründen eine von Action geprägte Rolle an Scarlett Johansson abgeben musste. Eine Glückskeks-geschwängerte Komposition, die durchaus ihre Rechtfertigung findet. Jolie war nach dem ersten TOMB RAIDER Abenteuer die in Hollywood und ihren auserkorenen Anhängerschaften angesagte Action-Heldin, was sie mit den anschließenden SALT und WANTED zu unterstreichen wusste. Währenddessen machte sich Johansson im Marvel-Universum als Black Widow breit, und bewies sich fortan als die Power-Frau im Testosteron-gesteuerten Superhelden-Zirkus.
Kein Rant, aber wer gewisse satirische Anklänge findet, darf sie behalten.
Ich will den Namen nicht schon wieder nennen, man vermutet in mir ob meiner regelmäßig geäußerten Kritik an der Buchbranche seitens derselben ohnehin immer wieder einen Claqueur für einen gewissen Onlinehändler, dabei ist das gänzlich falsch. Mal sehen, ob ich es schaffe, diesen Artikel zu schreiben, ohne den Namen des Ladens zu nutzen. Die Buchbranche ist ja inzwischen so weit, dass ihn etliche nicht mehr »Voldemort« nennen, sondern als »you shall not name him« bezeichnen. Wie Harry Potters Konsorten werden sie irgendwann feststellen, dass Ignorieren das Problem nicht löst. Aber darüber wollte ich eigentlich – wie bereits angemerkt – gar nicht reden.
Reden wir doch mal über ein beinahe monolithisches Gebilde wie die kartellhafte Buchbranche. Warum ein Teil davon, nämlich das Verlagskonglomerat in meinen Augen ein gesetzlich lizensiertes Kartell ist, habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich analysiert. Die Kurzfassung: Es gibt keinen echten Wettbewerb, weil man sich im ruhigen Gewissen zurück lehnen kann, dass es die Buchpreisbindung gibt, die eine normale Entwicklung von Preisen unmöglich macht. Wenn man Personen fragt, die bereits seit Jahren durch die Branche indoktriniert wurden, dann wird man immer wieder mantraartig zu hören bekommen, dass eine Abschaffung der Buchpreisbindung den Untergang des literarischen Abendlandes bedeuten würde.
Oh Gott! Oh Gott! Wir werden alle störrrben! – Nicht!
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