Ich möchte hier auf PhantaNews eine Liste von Klein‑, Indie- und Special Interest-Verlagen bereitstellen und pflegen. Dabei soll sich diese Liste ausschließlich auf solche Verlage beschränken, die Phantastik im Programm haben. Ich hoffe, dem interessierten Leser (aber auch Autoren) damit eine Informationsquelle zur Verfügung stellen zu können und den Verlagen eine Möglichkeit zu bieten, sich zu präsentieren. Die Publikumsverlage brauchen so etwas nun wirklich nicht, die haben Marketingabteilungen und riesige Werbebudgets – außerdem kennt sie ohnehin jeder. Kleinverlage sind im Bereich Phantastik viel aktiver und innovativer, gehen auch schonmal Risiken ein, deswegen haben sie es verdient, hier präsentiert zu werden.
Im Moment ist das Ganze in einer Entstehungsphase, das bedeutet, es gibt eine Liste mit Namen, die auf Detailseiten verlinken, dort finden sich weitere Informationen zum Verlag sowie ein Link zur Webseite. Später möchte ich das erweitern, beispielsweise um eine Liste mit Namen, Genres, angebotenen Medien (Buch, eBook, Hörbuch etc.) und Homepage-Link.
Ich werde mir die Informationen im Netz zusammensuchen, Verlage können aber sehr gern auch proaktiv auf mich zukommen, und die relevanten Informationen per Mail zur Verfügung stellen. Ein paar haben das freundlicherweise bereits getan.
Bitte gebt diese Information auch an Dritte und euch bekannte Kleinverleger weiter!
Wer hier eingetragen werden möchte, schickt mir entsprechende Informationen per Email an admin[at]phantanews[dot]de. Bitte fügt die nachstehenden Infos auch tatsächlich mit bei, das macht mir das Eintragen einfacher. Bitte nicht wundern, wenn es bis zum Erscheinen eines Eintrags ein wenig dauert, ich mach das in Handarbeit und sitze entgegen anderer Vermutungen nicht immer auf Armlänge vom Computer entfernt … :)
Twitter, Facebook, Google Plus (bitte jeweils die URLs, alias Adressen)
Beschreibung (einen Informationstext, der euren Verlag beschreibt)
Bitte sendet auch euer Logo mit, denn auch das kann ich einbauen. Bitte in einem webtauglichen Format und nicht so groß, dass ich meine Wand damit tapezieren kann… ;)
»Sphäre 5 ist wie eine Käseglocke, nur dass hier nicht Schimmelkäse und Gouda verderben, sondern Menschen.«
Was Autorin Miriam Pharo als digitales Episodenabenteuer startete, liegt nun als gedrucktes Buch vor.
Der Ex-Spion und Hobbykoch Lucio Verdict hat alles verloren: seinen Job, seine Glaubwürdigkeit und seine Geliebte Kaori. Mit etwas Geld, zwei Koffern und Kaoris kleinem Sohn strandet er im Münchner Umland des Jahres 2066. Eine bizarre Welt, in der privilegierte Alte in Biosphären leben, die auf dem trockenen Grund von Starnberger, Ammer- und Chiemsee erbaut wurden. Das Durchschnittsalter dort beträgt zweiundneunzig Jahre, doch dank moderner Technik sieht es man den Bewohnern nicht an.
»Die Gesichter, die mich umgeben sind engelsgleich, wenn auch von vergreisten Augen durchlöchert.«
Gegenwärtig ist Regency – ein virtuelles Programm, das den Bewohnern eine prachtvolle Umgebung vorgaukelt.
»Ich aktivere Regency und plötzlich ist alles in Bewegung: Florale Mosaike kriechen über den grauen Beton, roter Sandstein kraxelt die Wände hoch, während sich Bougainvilleas über steinerne Balkone ergießen und kupferne Schornsteine nach den Wolken greifen. Der Himmel über meinem Kopf steht der Pracht am Boden in nichts nach: Pinselstriche in Hellgrün, Gelb und Orange leuchten auf tiefblauem Fond.«
Doch auch diese perfekte Welt ist nicht vor Verbrechen gefeit, und so bekommt es Lucio Verdict mit allerlei kuriosen Gestalten zu tun. Unter anderem mit einem explosiven Mops, einer tollwütigen Oma und einer Rosine im Trenchcoat.
Am 25. und 26. Oktober findet in Garching der dritte Muccon statt, die Buchmesse für Fantasy und Science Fiction. Dort besteht die Chance, sich direkt bei Miriam Pharo selbst ein signiertes Exemplar zu sichern. Kostenpunkt: 9,90 EUR, 246 Seiten.
Fans digitaler Bücher können beruhigt sein: VON MÖPSEN UND ROSINEN gibt es selbstverständlich auch als eBook, erst einmal bei Amazon, doch bald auch auf allen gängigen Portalen.
Cover VON MÖPSEN UND ROSINEN Copyright Miriam Pharo
Wie soeben berichtet, hat der Roman DIE ZERBROCHENE PUPPE von Judith und Christian Vogt am Samstag bei der Verleihung des deutschen Phantastik-Preises die Auszeichnung für den besten deutschen Roman erhalten. Wer sich weiteren Lesestoff aus der vereisten Welt der zerbrochenen Puppe wünscht, der sollte schnell nochmal bei Startnext vorbei schauen, denn dort läuft eine Crowdfunding-Kampagne für die Storysammlung EIS UND DAMPF, die ebenfalls bei Feder & Schwert erscheinen wird.
Das eBook ist bereits bezahlt (neudeutsch: »gefundet«), ebenso wie eine großformatige Karte der Welt. Und auch von einer Druckausgabe trennt uns wirklich nicht mehr viel, das kann in den restlichen sechs Tagen mit eurer Hilfe ganz sicher noch geschafft werden. Haut rein! Von der Printfassung trennen uns nur noch 675 Euro, das sollte doch mit Hilfe der Fans zu wuppen sein!
Promografik EIS UND DAMPF Copyright Feder & Schwert
Beim Lesen der Überschrift und des Teasers nahm ich noch an, dass es jetzt – endlich – soweit sei, und man eBooks einfach auch im stationären Buchhandel kaufen und auf sein Lesegerät übertragen kann. Das Börsenblatt verkündet vollmundig und werbewirksam pünktlich zur Buchmesse:
E‑Books im stationären Sortiment Rauf auf den Reader
E‑Books für Kunden in der Cloud speichern oder direkt im Laden auf den E‑Reader ziehen: Das Barsortiment Umbreit und E‑Reader-Produzent PocketBook rüsten beim E‑Reading-Service im Sortiment nach.
Liest man dann weiter, bleibt allerdings erneut wieder nur, sich ausdauernd an den Kopf zu fassen: Dieses Angebot ist ausschließlich im Zusammenhang mit dem Gerät PocketBook Touch Lux nutzbar. Das ist ungefähr so, als müsste man in einem bestimmten Automodell an einer Tankstelle vorfahren, um Sprit zu bekommen, oder als erhielte man seine Kaffeebohnen nur, wenn man eine Kaffeemühle des Typs 08/15 von Eduscho hat. Diese Beschränkung auf ein einzelnes Gerät – noch nicht einmal auf einen Hersteller – ist derart hanebüchen und weltfremd, da bleibt mir die Spucke weg. Zumal es sich bei Pocketbook noch nicht einmal ansatzweise um einen Marktführer im Bereich eReader abseits des Kindle-Ökosystems handelt. Das ist keine tolle Neuerung, das ist nur noch peinlich.
Mit O’Connell Press gründete das Autorenehepaar Susanne und Sean O’Connell zum 1. Oktober 2013 einen neuen Phantastik-Verlag für´s neue Jahrtausend: »eBooks statt Totholzmedien« lautet ihre Devise, denn sie wollen dem digitalen Medium klar den Vorzug geben, obwohl auch der eine oder andere Printtitel nicht auszuschließen ist.
Alte und neue Stimmen der deutschen Phantastikszene sollen bei O’Connell Press ein Zuhause finden. Mit hochwertiger Covergestaltung und anspruchsvollen Inhalten sollen nicht nur Fanboys und Geekgirls, sondern auch Gelegenheitsleser angesprochen werden. Mit ersten Titeln ist Anfang 2014 zu rechnen.
Zusammen mit dem Launch gibt es auch gleich die erste Ausschreibung, gesucht werden Geschichten zu
EXOTISCHEN WELTEN
Millionen Planeten allein in unserer Milchstraße, fantastische Imperien und unglaubliche Reiche im Multiversum, unentdeckte Flecken, terra incognita, nicht nur auf den Landkarten viktorianischer Forscher. Wesen aus fremden Dimensionen, die unter dem Bett kauern oder jenseits des Wandschranks, die kalten, vom Wahnsinn zerfressenen Ebenen menschlichen Bewusstseins – daraus lässt sich ein bunter Strauß aus unglaublichen Geschichten binden.
Stephen King schrieb einst in »Das Leben und das Schreiben«, Geschichten seien wie Fossilien, man müsse sie nur freilegen. Wir wünschen uns daher mutige Archäologen, die Unbekanntes ans Tageslicht bringen, Geschichten voller »Sense of Wonder«, voller Exotik, die buchstäblich die Grenzen unseres Verstandes sprengen.
Alle weiteren Informationen zu Rahmenbedingungen und Format finden sich auf einer Seite zur Ausschreibung auf oconnelpress.de. Einsendeschluss für die Geschichten ist der 31.12.2013.
Die Crowdfunding-Kampagne für die von Feder & Schwert herausgegebene Steampunk-Anthologie EIS UND DAMPF hat ihr erstes Ziel erreicht: Es ist genug Geld zusammen gekommen, um den Storyband als eBook zu veröffentlichen. Dank an alle spendablen Unterstützer!
Aber das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn es gibt sogenannte Stretchgoals, also weitere Ziele, auf die man hinarbeiten kann. Zum einen eine A2-formatige Karte der Welt in der DIE ZERBROCHENE PUPPE und EIS UND DAMPF handeln. Zum anderen ist auch eine Druckausgabe des eBooks angepeilt, wer also auf Papier steht und noch nicht unterstützt haben sollte, der kann das immer noch tun. Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch 18 Tage. Zeit genug, um auf die Printversion hinzuarbeiten!
Ich finde es überaus erfreulich, dass Crowdfunding-Kampagnen auch in Deutschland erfolgreich sein können, obwohl diese Form des Unterstützens von Projekten hierzulande leider noch viel zu unbekannt ist.
[cc]
Promografik EIS UND DAMPF Copyright Feder & Schwert
Den Namen Tad Williams kennt der Phantastik-Fan durch Epen wie die OTHERLAND- oder die OSTEN ARD-Reihe, letztere mit dem Roman DER DRACHENBEINTHRON. Williams wurde kürzlich in einem Video-Interview von Mediapublishing-Studenten der Hochschule der Medien in Stuttgart zum Thema Selfpublishing befragt (und ich frage mich: warum nutzen ausgerechnet Mediapublishing-Studenten das Bildformat 4:3? Aber das nur am Rande).
Für den Autor kommt nach seinen Aussagen Selfpublishing nicht in Frage, da er sich auf das Schreiben konzentrieren will und er beim Independent-Verlegen zu viele Marketing- und Publicity-Dinge nebenher machen müsste. Außerdem sagt der Autor: »Auch wenn alle über Selfpublishing reden, weiß niemand, was passieren wird«.
Doch auch wenn er eine Menge wirklich kluge Dinge sagt, da irrt der Meister vermutlich. Erst gestern berichtete Ansgar Warner auf e‑book-news darüber, dass die verlegten Titel in Sachen Selfpublishing in den USA jene der klassischen Buchbranche bereits um ein Vielfaches übersteigen:
… das potentielle, bisher unausgeschöpfte Marktvolumen liege bei 52 Milliarden Dollar, und damit etwa doppelt so hoch wie der aktuell von klassischen Verlagen erzeugte Umsatz.
Selbst wenn man Reprint und gemeinfreie Klassiker herausrechnet, werden via Self-Publishing schon jetzt acht mal mehr Titel verlegt als auf klassischem Weg. Die Zahl der Independent-Autoren übersteigt die der Verlagsautoren sogar um das 100-fache.
Das liegt unter amderem daran, dass man CreateSpace-Bücher in den USA auch über das Barsortiment bekommt – oder ganz profan ausgedrückt: im Buchhandel. Eine Situation, von der die deutschen Selfpublisher nur träumen können. Es handelt sich um »verdeckten Zahlen«, denn die US-Buchbranche nimmt Verkäufe von Independent-Autoren bisher nicht oder kaum in ihre Statistiken auf – genau wie hierzulande.
Auf e‑book-news.de heisst es weiter:
Fragt sich natürlich: Und was ist mit Deutschland? Interessanterweise hat ja die Frankfurter Buchmesse das Self-Publishing medienwirksam zum Top-Thema des Jahres 2013 gemacht. In den Messehallen selbst werden jedoch mal wieder die Produkte von klassischen Verlagen das Bild bestimmen, ein Bild, das aber die tatsächlichen Marktstrukturen verschleiern dürfte.
Und das ist in meinen Augen die größte Lachnummer: die Betreiber der Buchmesse (also im Prinzip der Börsenverein), erklären Selfpublishing zum ganz großen Hype, tatsächlich möchte man aber auf der Veranstaltung dann doch lieber unter sich bleiben, so wie es schon immer war, und alte Traditionen pflegen. Man könnte sie auch erstarrte Strukturen nennen. Wenn Selfpublishing tatsächlich das große Ding ist, warum lädt man die Autoren dann nicht ein, um sich auf der Messe zu präsentieren? Einfach: weil man selbst mit eigenen Ablegern wie epubli oder neobooks Kontrolle über die Indie-Autoren erlangen und sie nach den brancheneigenen Spielregeln manipulieren möchte – um mit den vermeintlichen Buch-Parias trotzdem abzukassieren.
In Deutschland dauert immer alles etwas länger, aber es würde mich sehr wundern, wenn Selfpublishing nicht auch hierzulande zu einem Faktor werden würde. Insbesondere der Handel würde gut daran tun, sich dem zu öffnen.
Die Litanei, die man immer wieder seitens des Buchhandels und des Börsenvereins hört: kauf lieber bei deinem lokalen Buchhändler statt beim Beelzebub Amazon. Dass die Realität anders aussieht, weiß jeder Phantastik-Freund der schon einmal versucht hat, etwas aus einem kleineren oder Special-Interest-Verlag beim »kleinen Buchhändler um die Ecke« zu bekommen. Ja, ich weiß, es gibt auch gute, die ihr Handwerk verstehen und wissen, wie herum man eine Maus hält. Trotzdem sind solche Erlebnisse, wie unten geschildert nach meinen Erfahrungen nicht die Ausnahme, sondern leider die frustrierende Regel.
Der Verlag Cross Cult veröffentlich nicht nur zahllose Comic-Reihen, sondern auch diverse Lizenz-Romane rund um Popkultur-Phänomene wir STAR TREK, DOCTOR WHO oder CASTLE. Und auch eine äußerst sehens- und lesenswerte Neuauflage von Ian Flemings JAMES BOND-Romanen. Soeben veröffentlichte der Verlag Folgendes auf Facebook:
Eben einen Anruf erhalten, von einem freundlichen Mann, der sich erkundigt hat, ob man unsere Titel nur direkt bei uns kaufen kann. Er habe einen Artikel über die Bond-Romane in der »Jungen Welt« gelesen und möchte sich nun alle erhältlichen Titel zulegen. In seiner Stammbuchhandlung hat man ihm allerdings gesagt, dass man mit »Cross Cult« nichts anfangen könne. Wir haben ihm geraten, auf unsere Webseite zu gehen, die ISBN eines Bond-Romans zu notieren und damit nochmals zur Buchhandlung zu gehen. Löblicherweise möchte er nämlich nicht bei Amazon bestellen, sondern beim örtlichen Buchhändler.
Lieber unbekannter Buchhändler,
kannst Du nicht in Dein System gehen und nach »Ian Fleming James Bond« suchen? Auch wenn Du den komischen Verlag »Cross Cult« nicht kennst, werden da alle unsere Titel gelistet und Du kannst sie problemlos über Libri/KNV/Umbreit oder direkt bei unserer Auslieferung bestellen. All diese Infos finden sich auch auf unserer Webseite, die man ebenso problemlos mit Hilfe eines jeden internetfähigen Geräts aufrufen kann … Zur Not schau doch bei Amazon nach oder frag die Auskunft und ruf uns an. Danke! Das ist allemal besser, als einen Kunden selbst auf die Suche zu schicken, der bei Dir gleich zehn Bücher auf einmal kaufen möchte. Eigentlich geht man ja in eine dieser guten alten Buchhandlungen wie Deine, damit einem freundliches Personal weiterhelfen kann, bei der Suche nach dem gewünschten Buch. Danke, lieber Buchhändler, dass Du unsere Titel in Zukunft bestellst und an Deine Kunden verkaufst oder vielleicht sogar ein paar Exemplare ins Regal stellst. Jetzt, da Du weißt, wie das geht …
Das kenne ich. Überhebliche Buchhändler oder Büchhändlergehilfinnen, die ob des geäußerten Lesewunsches die Nase rümpfen, weil es sich nicht um vermeintliche Hochliteratur handelt und die überhaupt keinen Bock haben, sich um die Wünsche des Kunden zu bemühen. Der vorliegende Fall ist natürlich besonders abstrus, denn wenn ein Kunde gleich einen Haufen Taschenbücher kaufen möchte, sollte es im gesteigerten Interesse des Buchhändler liegen, diesen Umsatz selbst zu machen. Kunden in dieser Form einfach wegzuschicken, das kann man nur als borniert und dumm bezeichnen.
Liebe Buchbranche: Arbeitet dran! Nehmt Kundenwünsche ernst! Das ist viel zielführender als das dauernde Amazon-Gebashe und die hohlen Werbephrasen zum Thema »buy local«.
Update 2: Erik Schreiber kommentiert auf Facebook:
Da kann ich noch eins drauf setzen, frei nach dem Motto, »einer geht immer«. Ich habe in der Umgebung von Darmstadt jede mir bekannte Buchhandlung persönlich aufgesucht, meinen Verlag Saphir im Stahl und mich vorgestellt, meinen kleinen Prospekt dagelassen. Zwei Wochen später kommt ein Anruf von der Buchhändlerin, sie hätte ja noch nie etwas von mir gehört und jetzt steht da ein Kunde und will »Der Mannwolf von Königsberg«, was das den für ein Buch sei …
Auf meinen gestrigen Artikel zur »Crowdfunding«-Plattform 100fans von der Münchner Verlagsgruppe erhielt ich ebenfalls gestern noch eine Email mit Bitte um Richtigstellung. Eigentlich wollte ich mit der Veröffentlichung warten, bis auch die Antworten auf meine restlichen gestellten Fragen eintreffen, habe mich aber dann doch dagegen entschieden. Ich führe die von den Betreibern bemängelten Stellen hier im einzelnen auf und gehe auch gleich inhaltlich darauf ein.
Der Betreiber schrieb:
Bevor ich Ihre weitergehenden Fragen beantworte, muss ich Sie auf einige sachliche Fehler in dem Artikel auf Ihrer Seite hinweisen und um deren Berichtigung bitten. Wenn man sich sachlich mit etwas auseinandersetzen möchte, sollten die Fakten schon stimmen.
Unwahr ist:
»…das darf in Form eines eBooks oder oder herkömmlichen Druckwerks daher kommen…«
Wahr ist: Alle 100 FANS-Bücher wird es sowohl als E‑Book als auch als gedruckte Bücher geben. Zum Funding muss kein Autor ein fertiges Buch bei uns abliefern, sondern er präsentiert sein Buch oder seine Buchidee mit einem Exposé oder einem Auszug auf unserer elektronischen Plattform.
Tatsächlich habe ich geschrieben:
Man kann dort sein Buchprojekt vorstellen, das darf in Form eines eBooks oder herkömmlichen Druckwerks daher kommen, und nach Schwarm-Finanzierern suchen.
Ich sehe nicht, wo das »unwahr« sein soll. Die Autoren werden ohnehin nur Dateien einreichen, aus denen werden dann eBooks oder Bücher oder beides. Ich sehe ehrlich gesagt nicht ganz den Kritikpunkt, ebenso wenig kann ich meinen Satz als »unwahr« erkennen. Vielleicht als »ungenau formuliert«.
Update vom 26.09.2013: Der Betreiber von 100Fans hat mir eine E‑Mail geschrieben, in der er Teile des untenstehenden Artikels für »unwahr« hält. Die Ansicht des Betreibers und meine Kommentare dazu finden sich in einem neuen Artikel.
Kurz vor der Buchmesse überschlägt sich die Branche ja regelmäßig mit dem Eröffnen von irgendwelchen »Plattformen, die keiner braucht[tm]«, oder ähnlichen Projekten. In diesem Jahr ist es nicht anders. Die Münchner Verlagsgruppe bringt eine Crowdfunding-Plattform für Bücher unter dem Namen 100Fans an den Start.
Das Konzept: Man kann dort sein Buchprojekt vorstellen, das darf in Form eines eBooks oder herkömmlichen Druckwerks daher kommen, und nach Schwarm-Finanzierern suchen. Kommen mindestens 100 Fans zusammen, wird das Buch produziert. Bei Printbüchern erhält der Autor 25%, bei eBooks 30% des Nettoerlöses. Kommen mehr als 1000 Fans zusammen, »wird das Buch durch Vertreter der Verlagsgruppe auch im Handel beworben«.
Bis hierhin hört sich das alles ganz gut und macht den Anschein, dass tatsächlich mal jemand einen innovativen Ansatz hat und vor allem Crowdfunding voran bringen möchte. Schaut man allerdings hinter die Kulissen, stellt man fest, dass nicht wirklich verstanden wurde, was Crowdfunding eigentlich ist. Denn bei diesem Konzept ist es beispielsweise üblich, Projekte auch durch kleinere Spenden unterstützen zu können, ohne dafür große Gimmicks zu bekommen. Auf Kicksterter oder indiegogo beispielsweise kann man auch einfach mal einen oder fünf Dollar über den virtuellen Tisch wandern lassen, nur um zu sagen: »Ich finde das prima!«.
Auf 100fans.de fangen die sogenannten »Fanpakete«, die man als Unterstützer kaufen kann, allerdings erst bei ca. 18 Euro an. Kein Pappenstiel. Dafür bekommt man als Finanzierer dann aber – wie großzügig – die eBook-Ausgabe des unterstützten Buches. Dafür sind die Bücher später im Buchhandel erhältlich und wurden vom Anbieter lektoriert und mit einem »professionellen« Cover versehen. Vom Nettoerlös der Fanpakete, die mehr als nur ein eBook enthalten, bekommt der Projektinitiator 80%. Das hört sich auf den ersten Blick gar nicht schlecht an, aber …
Sieht man sich dann aber den Autorenvertrag an, den man eingehen muss, sollte der Indie-Autor möglicherweise schnell die Finger davon lassen, denn man verkauft ähnlich wie bei anderen Verlagen seine Seele im Rahmen eines »total buyout«:
Der Autor räumt dem Verlag an dem Werk die räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten, ausschließlichen Nutzungsrechte für alle bekannten und unbekannten Nutzungsarten ein.
Auch den Rest der vollumfänglichen Rechteeinräumung mit Lizensierung an Dritte muss man sich in den AGBs der Seite (§ 6 Unterparagraph 3 ff) mal auf der Zunge zergehen lassen. 100Fans behält Rechte sogar dann, wenn der Vertrag aufgelöst wird, er aber Inhalte an Dritte unterlizensiert hat. Die Rechteeinräumung beinhaltet selbst Übersetzung in andere Sprachen und haufenweise elektronische Publikationsformen. Und das, obwohl nicht der Verlag, sondern die »Fans« für die Rechte gezahlt haben …
Ein Fundingziel wird ebenso wenig genannt wie die Unterstützer. Wie irgendeine Plattform heutzutage noch glauben kann, so etwas als »Crowdfunding« deklarieren zu können, wenn es doch nur ums Abgreifen von Rechten und ums Kohle machen geht, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Indie-Autoren sollten sich wirklich gut überlegen, ob sie ihre Projekte dort einstellen, oder nicht vielleicht lieber zu einer echten Crowdfunding-Plattform wie Startnext gehen wollen, die nicht alle Rechte an den Inhalten an sich reißt.
Update: je öfter ich mir das durchlese, desto abstruser wird es. Die »Fans« zahlen, aber alle Rechte erhält der Verlag. Das ist ein echt bahnbrechendes Konzept, allerdings nur, wenn man einen IQ nah am Gefrierpunkt hat. Dass die Verleger das für eine grandiose Idee halten, kann ich mir vorstellen. Wenn das ein weiterer Versuch sein soll, Amazon die Stirn zu bieten …
Update 2: Eigentlich ist das auch nur eine Variante des Druckkosten-Zuschuss-Verlags, über den Autoren und Branche gern wettern.
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