»Steampunk ist großartig!« – Ein Interview mit Anja Bagus

Steam­punk ist groß­ar­tig, ich lie­be die Äs­the­tik, den Spi­rit der Men­schen, die »Ma­ker«. Ich bin schon im­mer ein »Ma­cher« ge­we­sen, ein Bast­ler, Tüft­ler, Aus­pro­bie­rer.

In ei­ner Buch­bepre­chung, die eben­falls heu­te er­schie­nen ist, habe ich Anja Ba­gus´ In­de­pen­dent-Steam­punk-Ro­man AE­THER­HERTZ nicht nur be­spro­chen, son­dern ab­ge­fei­ert. Für mich mehr als ge­nug An­lass, der Au­to­rin gleich in ei­nem In­ter­view ein paar Fra­gen zu stel­len. Dan­kens­wer­ter­wei­se ka­men die Ant­wor­ten in Re­kord­zeit, ver­mut­lich die schnell­ste Re­ak­ti­on auf eine sol­che Mail al­ler Zei­ten.

So kann man im Fol­gen­den er­fah­ren, wie und un­ter wel­chen Um­stän­den der Ro­man ent­stan­den ist, was der Au­to­rin Steam­punk be­deu­tet und wir le­sen Ge­dan­ken zur Zu­kunft des Self­pu­bli­shings.

Aber ge­nug des Vor­ge­plän­kels und gleich in me­di­as res:

Hal­lo Anja, vie­len Dank, dass Du Phan­ta­News ein paar neu­gie­ri­ge Fra­gen be­ant­wor­ten möch­test. Fan­gen wir doch gleich ohne vie­le wei­te­re Wor­te an: Wür­dest Du Dich bit­te kurz un­se­ren Le­sern vor­stel­len?

Ich bin 46 Jah­re alt, kom­me ur­sprüng­lich aus Süd­deutsch­land, lebe jetzt im Ruhr­ge­biet mit Hund, Katz, Mann und Kind. Stu­diert habe ich al­les Mög­li­che, aber zu­letzt eine Aus­bil­dung zur Heil­prak­ti­ke­rin ge­macht.

Wie bist Du auf die Idee ge­kom­men ei­nen Steam­punk-Ro­man zu ver­fas­sen? Und war­um ge­ra­de die­ses Gen­re?

Der An­sporn war der Na­No­Wri­Mo 2012 (Na­tio­nal No­vel Wri­ting Month, eine Ak­ti­on aus Ame­ri­ka, bei Be­darf kann ja je­der goog­len, was das ist). Eine Freun­din hat mich dazu be­wegt, dort mit­zu­ma­chen. Man schreibt zu­sam­men mit vie­len an­de­ren ei­nen Mo­nat lang. Das Ziel ist, 50.000 Wor­te zu schrei­ben. Erst­mal egal was (na­tür­lich nicht 50.000 mal das glei­che Wort, wir sind auch nicht bei SHI­NING, es wird schon ge­prüft, ob man was Sinn­vol­les ge­schrie­ben hat).
Ich woll­te ei­nen Steam­punk-Ro­man schrei­ben, weil das der Ein­fluss war, der mich in dem Jahr am nach­hal­tig­sten ge­prägt hat. Steam­punk ist groß­ar­tig, ich lie­be die Äs­the­tik, den Spi­rit der Men­schen, die »Ma­ker«. Ich bin schon im­mer ein »Ma­cher« ge­we­sen, ein Bast­ler, Tüft­ler, Aus­pro­bie­rer.
Ich war 2011 auf Steam­punk ge­sto­ßen, und eine neue Welt tat sich auf. Ich lie­be die Dr. Grord­bort-Ge­schich­ten von Weta Work­shop oder die »League of Steam«, und woll­te ei­gent­lich so et­was schrei­ben, also mehr Pulp-Fic­tion. Aber das hat nicht ge­klappt (mein Un­ter­be­wusst­sein woll­te nicht so, wie ich das will). Da man beim Na­No­Wri­Mo ge­gen die Uhr schreibt, bleibt nicht viel Zeit für ei­nen in­ne­ren oder äu­ße­ren Zen­sor, und so habe ich ein­fach erst mal mun­ter in die Ta­sten ge­hau­en. Als der Mo­nat zu zwei Drit­teln rum war, hat­te ich die 50.000 Wor­te – und trotz­dem ein­fach wei­ter­ge­schrie­ben.

Bist Du auch in der Steampunk-»Szene« ak­tiv?

Ja, ich bin in ver­schie­de­nen Fo­ren und seit ei­ni­ger Zeit auch ak­ti­ver auf Tref­fen.

Die Be­schrei­bun­gen von Ba­den-Ba­den (und auch bei­spiels­wei­se der Hüt­te im Schwarz­wald) klin­gen, als wür­dest Du Dich da aus­ken­nen? Oder ein­fach nur gut re­cher­chiert?

Ich bin am Kai­ser­stuhl auf­ge­wach­sen und mei­ne Oma hat in Ba­den-Ba­den ge­wohnt. Ich ver­brach­te dort man­chen Som­mer. Ich habe ge­ra­de vor kur­zem die Schau­plät­ze nach Jah­ren be­sucht. Wun­der­voll … Fast al­les exi­stiert so, wie ich es be­schrie­ben habe, ich habe Bild­be­wei­se! Nur die Hüt­te am Schurm­see, die gibt es nicht.

Hast Du AE­THER­HERTZ so »run­ter­ge­schrie­ben«, oder vor­her Kon­zept­ar­beit ge­lei­stet und ein Ex­po­sé ver­fasst? Mit Sze­nen und Cha­rak­te­ren jon­gliert?

Al­les ist kom­plett aus dem Bauch run­ter­ge­schrie­ben. Es gibt eine DIN-A3 Sei­te voll Ge­dan­ken, die ich mir zu Be­ginn ge­macht hat­te, das war´s (20 Jah­re Pen&Paper Rol­len­spie­le lei­ten, oft aus dem Steg­reif, hilft). Ich hat­te mir im Vor­feld über mei­ne Fi­gu­ren vie­le Ge­dan­ken ge­macht. Ich ken­ne ihre Ge­burts­da­ten, ihre Stern­zei­chen, ihr Lieb­lings­es­sen. An­son­sten bin ich mor­gens mit mei­nem Hund raus, habe in­ner­lich ge­träumt und ge­plot­tet und da­nach wei­ter­ge­schrie­ben.

Wie lan­ge hat die Ar­beit am Ro­man ge­dau­ert?

Die Fra­ge habe ich be­fürch­tet: nun, vom letz­ten No­vem­ber bis eben An­fang Mai … Ich habe echt Angst, dass man mir das nicht glaubt, aber es gibt Zeu­gen!

Wie kommt man auf den ge­nia­len Gei­stes­blitz mit dem aus Flüs­sen stei­gen­den Ae­ther und den dar­aus re­sul­tie­ren­den Pro­ble­men?

Ich habe nicht die ge­ring­ste Ah­nung. Ich hal­te es da mit King Ju­li­an von den Pin­gui­nen aus Ma­da­gas­car: Kop­fe-Hirn-Pro­zes­se. (Ur­sprüng­lich soll­ten Ali­ens schuld sein {an dem Ae­ther}, die ha­ben aber ab­ge­dreht und sind lie­ber wei­ter­ge­flo­gen.) Jetzt, bei der Ar­beit am drit­ten Teil, kom­men im­mer mehr De­tails, die so be­äng­sti­gend gut pas­sen, dass mir mein ei­ge­nes Un­ter­be­wusst­sein echt un­heim­lich ist. Ich habe erst nach Be­en­di­gung des er­sten Teils mal die De­fi­ni­ti­on in der Wi­ki­pe­dia nach­ge­le­sen, die ich im An­hang zi­tie­re. Da ha­ben mir die Haa­re zu Ber­ge ge­stan­den.
Ich brau­che für mein Un­ter­be­wusst­sein viel­leicht ei­nen ei­ge­nen Aus­weis.

Es sind zwei er­staun­lich un­pein­li­che Sex­sze­nen im Buch, das kann auch nicht je­der, Gra­tu­la­ti­on. War das schwer zu schrei­ben?

JAAAAA. Ich bin da ei­gent­lich to­tal ver­klemmt. Aber die Test­le­ser ha­ben gen­ölt, dass An­na­bel­le und Paul in der Schurm­hüt­te so oft im Bett ver­schwin­den und sie ihr ei­ge­nes Kopf­ki­no an­wer­fen müss­ten, also hab ich mich dran­ge­macht. In ei­ner Ge­sprächs­run­de mein­te dann je­mand, ich sol­le doch mal vor­le­sen: mein ro­ter Kopf wäre in ei­ner Gei­ster­bahn gut auf­ge­ho­ben ge­we­sen.

Den Show­down mit Luft­schif­fen und ei­ner Schlacht in ei­nem ge­hei­men Berg­stütz­punkt kann man nur als »episch« be­zeich­nen. Wie kam es dazu?

»Ich woll­te eben von An­fang an mehr Pulp.»Ich woll­te eben von An­fang an mehr Pulp. Ich be­wun­de­re Jim But­cher bei den Har­ry Dres­den-Ro­ma­nen, wie er noch ei­nen und noch ei­nen drauf setzt. Und ich bin auf­ge­wach­sen mit IN­DIA­NA JO­NES und ZU­RÜCK IN DIE ZU­KUNFT, das hat mich schon be­ein­flusst. Es gibt doch kaum et­was Groß­ar­ti­ge­res, als wenn vie­le Din­ge gleich­zei­tig pas­sie­ren, und dann noch eine Zeit­lu­pe, und über­haupt: Luft­schif­fe!!! Ich den­ke sehr vi­su­ell.

Ist das coo­le Co­ver eben­falls von Dir?

Ja. Ich hat­te eine Gra­fi­ke­rin an­ge­spro­chen, aber sie hat­te kei­ne Zeit. Da habe ich Bil­der ge­borgt, ge­ba­stelt, und es ihr ge­schickt, und ge­sagt: Mach doch schnell was draus! Und sie sag­te: war­um? Lass das so. Das hab ich dann ge­macht. (Nach­dem ich die Rech­te für die Bil­der ge­kauft hat­te).

Du hast den Ro­man über Ama­zon pu­bli­ziert, also via Kind­le Di­rect Pu­bli­shing und Crea­te­Space. War­um? Hat­test Du ihn vor­her ei­nem Ver­lag an­ge­bo­ten, oder woll­test Du ihn gleich im Selbst­ver­lag ver­öf­fent­li­chen?

Nein, ich habe ihn kei­nem Ver­lag an­ge­bo­ten. Es gibt da­für meh­re­re Grün­de. Er­stens habe ich ei­nen Rat­ge­ber mit ei­nem Ver­lag zu­sam­men ge­macht, das war eine Lek­ti­on. We­nig Geld, viel Ar­beit, un­fle­xi­ble Leu­te, die erst sa­gen: »Tol­le Ide­en, macht das, wir sind be­gei­stert!«, und dann ist es zu teu­er, die Lek­to­rin ver­saut al­les, noch mal Ar­beit (un­be­zahlt) und letzt­lich sieht es aus wie je­der an­de­re Rat­ge­ber. Und von we­gen Mar­ke­ting – da wol­len wir mal nicht drü­ber re­den. Zu­letzt ist es dann so: wenn kein Hahn mehr da­nach kräht, wird kei­ne zwei­te Auf­la­ge ge­druckt und ich ver­die­ne auch nichts mehr.
Ich fin­de die Mög­lich­kei­ten, die mir das Self-Pu­bli­shing bie­tet, wun­der­bar. Ich war schon im­mer ger­ne je­mand, die al­les selbst ge­macht hat (es gibt nichts schlim­me­res als ein Team, ich war im­mer die »An­de­re« in »Toll Eine Ande­re Machts«). Der Kampf, bis ich das Gra­fik­pro­gramm gimp ge­mei­stert hat­te, war auch episch! Mein Stern­zei­chen ist Stier und ich lie­be es, Her­aus­for­de­run­gen auf die Hör­ner zu neh­men.

Wo siehst Du In­de­pen­dent-Au­to­ren ali­as Self­pu­blisher und die klas­si­schen Ver­la­ge in fünf oder zehn Jah­ren?

»es wird neue For­men der Zu­sam­men­ar­beit der Au­to­ren mit ih­rem Pu­bli­kum ge­ben»Es wird erst al­les ganz schlimm und dann wird es sich ein­pen­deln. So ist es doch mit al­lem. Die Ver­la­ge wer­den fle­xi­bler wer­den, und es wer­den eine gan­ze Men­ge »Hil­fe­stel­ler« für Self­pu­blisher aus dem Bo­den schie­ßen, die den un­be­darf­ten Au­to­ren das Geld aus der Ta­sche zie­hen. Die Men­ge an For­ma­ten wird sich re­du­zie­ren, es wird neue For­men der Zu­sam­men­ar­beit der Au­to­ren mit ih­rem Pu­bli­kum ge­ben. Ich mei­ne, wie schön ist das jetzt schon, klei­ne Ge­schich­ten aus sei­nem Lieb­lings­uni­ver­sum für 0,99 Euro zu be­kom­men, und nicht ewig auf eine Samm­lung war­ten zu müs­sen.
Es wird auch mul­ti­me­dia­ler wer­den: Bü­cher mit Mu­sik an ge­wis­sen Stel­len wä­ren schön, oder klei­nen Vi­deo­se­quen­zen, oder so. Ich bie­te jetzt schon die Bil­der, die mich in­spi­riert ha­ben bei Pin­te­rest zum An­schau­en an, und habe zwei Face­book Sei­ten, die wei­te­re In­fos und Hand­lung bie­ten.
Und dann das Com­pu­ter­spiel dazu, die App, die Gra­phic No­vel … träum.

Wie schreibst Du? Zu­rück­ge­zo­gen im Käm­mer­lein? Mit Mu­sik oder ohne? Mit wel­chem Pro­gramm?

 

Ich habe ein Pult in der Kü­che (un­ser Haupt­raum in un­se­rem win­zi­gen Häus­chen). Mit Mu­sik, eine 6-Stun­den-Play­list (Mu­sik spielt ja auch eine gro­ße Rol­le, das wird im zwei­ten Teil deut­li­cher). Ich habe in Open Of­fice an­ge­fan­gen, und zu Weih­nach­ten Scri­vener be­kom­men. Das ist toll, das kann ich je­dem Schrei­ben­den emp­feh­len.

Hast Du die tech­ni­sche Um­set­zung ins Kind­le-For­mat und das Lay­out für die Crea­te­Space-Ta­schen­buch­aus­ga­be selbst durch­ge­führt? Falls ja: war das Dei­ner An­sicht nach schwie­rig? Gab es Pro­ble­me? Oder hast Du das mal eben aus dem Arm ge­schüt­telt?

Scri­vener kann das al­les. Ich erst mal nicht, aber es gibt ja Rat­ge­ber. Schwie­rig … ist eine Fra­ge des Stand­punkts. Ich fin­de nur we­ni­ge Din­ge schwie­rig (das klingt nach An­ge­be­rei, ist aber so. Wenn man wirk­lich will, kann man fast al­les. Ich sage fast, weil der Kör­per da manch­mal Gren­zen setzt, und es gibt eben auch Din­ge, die man bes­ser kann als an­de­re. Ich kann z.B. gut ab­zeich­nen, aber et­was Neu­es zu ma­len, oder aus dem Kopf ein Kla­vier, nein. An­de­re kön­nen das). Zeit­auf­wen­dig, ja, auf je­den Fall.
Über­ra­schend fand ich, dass ich in mei­nem Le­ben un­zäh­li­ge Bü­cher ge­le­sen habe, aber das Wis­sen dar­um, wie ein Buch wirk­lich aus­sieht, das muss­te ich mir müh­sam an­eig­nen. Ich habe dann Bei­spiel­bü­cher ge­nom­men und nach­ge­schaut: aha, erst eine lee­re Sei­te, dann das Im­pres­sum … Es wurmt mich sehr, das ich es nicht hin­be­kom­men habe, im »Open Of­fice« die Sei­ten­num­me­rie­rung so ein­zu­stel­len, dass die er­ste Num­mer erst auf der Sei­te er­scheint, auf der der Text los­geht (ich bin mir si­cher, es gibt die Mög­lich­keit, ich habe nur nicht lan­ge ge­nug ge­sucht).

Wür­dest Du an­de­ren Au­to­ren eben­falls dazu ra­ten, ihr Werk ein­fach selbst als In­die zu pu­bli­zie­ren?

Ja und Nein. Wenn man die Ar­beit nicht scheut und sich selbst mit Haut und Haa­ren der Sa­che ver­schreibt, dann ja. An­son­sten ist der Ver­lag, wenn er ei­nen denn nimmt, si­cher der ein­fa­che­re Weg. Da gibt es dann auch noch net­te Lek­to­ren, auf die man al­les schie­ben kann. Man ist eben nicht mehr für al­les ver­ant­wort­lich. Wenn es nicht funk­tio­niert, dann hat man je­mand, auf den man es schie­ben kann. Ich kann nur mei­ne ei­ge­nen Haa­re rau­fen, und bin für je­des Kom­ma und eben auch jede Sei­ten­zahl selbst ver­ant­wort­lich.

Auf­grund der schie­ren Men­ge an An­ge­bo­te­nem im In­die-Be­reich sind wirk­lich gute und le­sens­wer­te Bü­cher wie Dei­nes in­zwi­schen schwer zu fin­den und ver­sin­ken leicht zwi­schen Un­les­ba­rem. Ist das Dei­ner An­sicht nach ein Pro­blem?

Ja. Wenn man es nur in das Meer wirft und dar­auf war­tet, dass es die Leu­te raus­fi­schen. Das darf man nicht tun.
Ich habe ei­ner­seits Glück ge­habt, mit den Leu­ten, die auf mich auf­merk­sam ge­wor­den sind, an­de­rer­seits habe ich mei­ne Ziel­grup­pe ge­nau stu­diert.
Ich habe, seit ich mei­nen ebook-Re­ader habe, auch eine Men­ge Schrott ge­kauft. Aber der Schrott ver­stopft nicht mehr mein Haus, liegt nicht mehr im Sta­pel auf mei­ner Trep­pe her­um und muss nicht für ei­nen Euro bei ebay ver­kauft wer­den. Ich lö­sche es ein­fach. Mit den lan­gen Le­se­pro­ben, die man sich run­ter­la­den kann, ist das ja auch schon an­ders ge­wor­den.

Bist Du mit dem Buch­an­ge­bot in den klas­si­schen Buch­hand­lun­gen und bei den Pu­bli­kums­ver­la­gen zu­frie­den?

»Ich möch­te im­mer noch ger­ne in je­der Buch­hand­lung nachts ein­ge­schlos­sen wer­den …»Si­cher! War­um denn auch nicht? Ich möch­te im­mer noch ger­ne in je­der Buch­hand­lung nachts ein­ge­schlos­sen wer­den …

Ich ver­tre­te die The­se: Die Ver­la­ge den­ken in Schub­la­den und war­ten auf den näch­sten »Trend«. Was hältst Du von die­ser Aus­sa­ge?

Stimmt. Es dau­ert halt recht lang, bis sie sich auf den näch­sten Trend ein­las­sen.
Es ist wie ein Pfer­de­ren­nen: ei­ner ge­winnt, hat das Buch des Jah­res, die an­de­ren he­cheln hin­ter­her, sie wol­len auch ins Ziel, egal wie. Wenn dann alle durch sind, dann kommt das näch­ste Ren­nen. Vam­pi­re? Ger­ne, aber sie sol­len nicht glän­zen, das wäre ja alt, hmmm, sie sol­len – war­te, ich hab´s gleich, ei­nen Mo­ment, ja: sie schwe­ben, denn sie sind ei­gent­lich leich­ter als Luft und müs­sen Schu­he mit Blei­plat­ten dar­in tra­gen, und wenn sie Sex ha­ben – selbst­ver­ständ­lich ha­ben sie Sex, 50, nein 55 Ar­ten da­von, dann schwe­ben sie wie Bal­lons un­ter der Decke …
Oha. Sor­ry. Mein Un­ter­be­wusst­sein.

Was in­spi­riert Dich?

20 Jah­re Pen&Paper, Larp, Fil­me. Letzt­lich habe ich jetzt 46 Jah­re kon­su­miert, es ist eine kri­ti­sche Mas­se ent­stan­den, die nur noch durch kon­ti­nu­ier­li­chen Out­put un­ter Kon­trol­le ge­hal­ten wer­den kann.

Wel­che sind Dei­ne Lieb­lings­bü­cher, -Fil­me, -Au­to­ren? Und war­um?

Oha: die­se Li­sten sind jetzt ab­so­lut nur das, was ich zu­letzt ganz toll fand. Es gibt aber noch viel viel mehr (mein Haus ist Zeu­ge da­von).
Bü­cher: Pat Roth­fuss (NAME OF THE WIND, WISE MAN´S FEAR) die Schrei­be ist so un­fass­bar poe­tisch, Scott Lynch (LIES OF LOCKE LAMO­RA), Ro­bin Hobb (fast al­les), Jim But­cher, Bri­an San­der­son, und zu­letzt: Da­ni­el O’Malley – THE ROOK: Ganz ganz groß­ar­tig, ein Feu­er­werk an Ide­en, das an­de­re in zen Bü­chern nicht hin­be­kom­men. Und na­tür­lich al­les von Ter­ry Prat­chett.
Fil­me: zu­letzt die Sher­lock Hol­mes-Se­rie von der BBC: ex­trem in­tel­li­gent ge­mach­te Un­ter­hal­tung, mit ganz ganz viel Kön­nen. Aber selbst­ver­ständ­lich auch das Pop­corn-Kino, wie schon ge­sagt: IN­DIA­NA JO­NES, ZU­RÜCK IN DIE ZU­KUNFT, IRON MAN, BAT­MAN, STAR­GA­TE, STAR TREK (fast al­les). Oh, und dann DOWN­TOWN AB­BEY. Se­ri­en: SU­PER­NA­TU­RAL, BURN NO­TI­CE, LE­VERAGE, CAST­LE, und, und, und – fast hät­te ich FIRE­FLY ver­ges­sen! (Ver­zeih mir, Joss Whe­don!)

Hast Du an Dei­ner »Schrei­be« ge­ar­bei­tet, bei­spiels­wei­se über Au­to­ren­fo­ren oder ähn­li­ches? Oder klapp­te das gleich »ein­fach so«? An­ders for­mu­liert: Hast Du das Schrei­ben »ge­lernt« oder bist Du ein Na­tur­ta­lent?

Ich hat­te ei­nen Schreib­coach. Mei­ne Co-Au­to­rin des schon er­wähn­ten Sach­bu­ches, Nina We­ber, hat mir viel bei­ge­bracht. Un­ter an­de­rem, mit Kri­tik um­zu­ge­hen.
Aber ge­lernt habe ich das nicht. Jetzt, wo ich mehr über das Schrei­ben weiß, bin ich viel ge­hemm­ter als vor­her, als ich ein­fach drauf­los ge­tippt hab. Ich hof­fe, dass die Rat­ge­ber, die ich seit­her ver­schlun­gen habe, mich nicht zu sehr be­hin­dern.

Wel­chen Um­fang wird die »An­na­bel­le Rosenherz«-Reihe er­rei­chen? Eher eine Tri­lo­gie oder eher »Rad der Zeit«? ;)

Im Mo­ment den­ke ich, dass es mit An­na­bel­le eine Tri­lo­gie wird, aber die Welt, die ich er­schaf­fen möch­te, bie­tet mir ja da­nach un­end­li­che Mög­lich­kei­ten. Mal se­hen, wel­cher Cha­rak­ter mich oder die Leu­te am mei­sten in­ter­es­siert. Ich könn­te mir auch so et­was vor­stel­len wie »Die Aben­teu­er der jun­gen An­na­bel­le«, wie sie mit ih­rem Va­ter reist. Aber auch die Ge­schich­ten vom Pro­fes­sor, was ist er nun ge­nau?
Und dann kommt die Gra­phic No­vel, das Rol­len­spiel, das Com­pu­ter­spiel, und der drei­tei­li­ge, ins­ge­samt 17 Stun­den dau­ern­de, Film, die Se­rie dazu, das Spin-off, oh, und dann bin ich schon alt und grau. Su­per.
Ich möch­te auch, dass sich das ver­selbst­stän­digt. Ich habe das »Amt für Ae­ther­an­ge­le­gen­hei­ten« ge­grün­det, und möch­te Larps ma­chen und vie­le Be­am­te und Mit­ar­bei­ter ha­ben (Be­wer­bun­gen mit Licht­bild in drei­fa­cher Aus­füh­rung). Ich möch­te, dass ganz vie­le Leu­te in mein Uni­ver­sum ab­tau­chen kön­nen.

Gibt es an­de­re Steam­punk-Ro­ma­ne (deut­sche oder in­ter­na­tio­na­le), die Du den Le­sern ans Herz le­gen wür­dest, wäh­rend sie auf ei­nen wei­te­ren Band war­ten?

Ich will nie­man­dem an den Kar­ren fah­ren, aber die mei­sten Steam­punk-Ro­ma­ne sind un­er­träg­lich.Das ist ein heik­les The­ma. Ich will nie­man­dem an den Kar­ren fah­ren, aber die mei­sten Steam­punk-Ro­ma­ne sind un­er­träg­lich. Al­les wird mit Dampf be­trie­ben, auch wenn es ab­so­lut kei­nen Sinn macht. Nichts wird wirk­lich er­klärt, es ist wie mit man­chen Ac­ces­soires: man klebt ein Zahn­rad drauf und dann ist es Steam­punk. Die Frau­en tra­gen ein Stahl­kor­sett, au­ßen? Steam­punk! Uhr­werk-Au­to­ma­ten, die nie auf­ge­zo­gen wer­den müs­sen? Ich sage es jetzt nicht mehr, aber es er­mü­det mich. Ich habe die Li­te­ra­tur aus­gie­big stu­diert und kann fast nichts emp­feh­len. Die BOOKS & BRAUN -Sa­chen sind ganz nett ge­schrie­ben, aber die Cha­rak­te­re ha­ben we­nig Tief­gang. Die Bü­cher von Gail Car­ri­ger sind ganz un­ter­halt­sam. TA­LES OF THE FAR WEST ist auch recht viel­ver­spre­chend. Es gibt aber auch schon Bü­cher, die ich tat­säch­lich – und das war eine Pre­miè­re – in den Müll ge­wor­fen habe.

Wann kommt der näch­ste Band aus der »An­na­bel­le Rosenherz«-Reihe (nä­gel­knab­ber)?

Ge­schrie­ben ist er schon. Ich über­ar­bei­te ihn ge­ra­de und schrei­be wäh­rend­des­sen den drit­ten Teil. Ich den­ke, aus stra­te­gi­schen Grün­den wird der zwei­te Teil aber erst nach dem Som­mer raus­kom­men. Falls mir nicht die Pfer­de durch­ge­hen.

Vie­len Dank für die Be­ant­wor­tung mei­ner höchst in­qui­si­to­ri­schen Fra­gen. Du hast jetzt noch Ge­le­gen­heit, den Le­sern et­was mit­zu­tei­len, das Du schon im­mer mal sa­gen woll­test:

Ich will jetzt nichts mehr sa­gen, ich be­ant­wor­te aber ger­ne alle Fra­gen, die mir ge­stellt wer­den. Oh, doch, eins noch: Al­ways be yours­elf – un­less  you suck (Joss Whe­don)

Wei­ter­füh­ren­de Links:

Be­spre­chung des Ro­mans AE­THER­HERTZ

Home­page von Anja Ba­gus
Anja Ba­gus auf Face­book-Sei­te
Amt für Ae­ther­an­ge­le­gen­hei­ten

Co­py­right Co­ver AE­THER­HERTZ und alle Bil­der: Anja Ba­gus

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

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