Eine Nachbetrachtung: INTO DARKNESS

Cap­tain Kirk ist noch nicht bereit ein Schiff zu füh­ren. Nach einer ver­mas­sel­ten Mis­si­on ist sein Vor­ge­setz­ter und Men­tor Chris­to­pher Pike gezwun­gen, Kirk das Kom­man­do über die Enter­pri­se zu ent­zie­hen. Des Schick­sals Fügung sieht aller­dings vor, dass der hitz­köp­fi­ge Jung-Cap­tain den­noch eine Chan­ce bekommt, sei­ne Loya­li­tät gegen­über sei­ner Ster­nen­flot­te zu demons­trie­ren. Der Tod und Ver­der­ben brin­gen­de Ter­ro­rist John Har­ri­son hat mit gewal­ti­gen Anschlä­gen die Föde­ra­ti­on ins Cha­os gestürzt und sich auf dem Hei­mat­pla­ne­ten der Klin­go­nen abge­setzt. Eine offi­zi­el­le Ver­fol­gung von Har­ri­son ins Hoheits­ge­biet der Klin­go­nen wür­de aber einer Kriegs­er­klä­rung von Sei­ten der Föde­ra­ti­on gleich­kom­men. Kirk und sei­ne jun­ge Mann­schaft stel­len sich ihrer gehei­men Mis­si­on, wer­den aller­dings von Klin­go­nen auf­ge­spürt und im Kampf aus­ge­rech­net von Har­ri­son geret­tet. Ohne Wie­der­stand zu leis­ten lässt sich der Ter­ro­rist zurück zur Erde brin­gen. War­um, bleibt für die Crew der Enter­pri­se ein Rät­sel. Am Ende könn­te alles, von Anfang an ein Täu­schungs­ma­nö­ver gewe­sen sein. Wer aller­dings wen betrügt, benutzt und ver­rät, fällt Kirk und sei­nem Team zuneh­mend schwe­rer her­aus­zu­fin­den.

Nach dem Reboot gleich das Remake. Die Gerüch­te­kü­che woll­te nicht auf­hö­ren zu bro­deln, umso unwahr­schein­li­cher schien es, dass sich der zum Wun­der­kind erho­be­ne Jef­frey Jacob Abrams tat­säch­lich her­ab­las­sen soll­te, eine bereits bekann­te Geschich­te aus dem Star-Trek-Uni­ver­sum noch ein­mal zu erzäh­len. Und im Grun­de tut er das auch nicht. Sei­ne Autoren Lin­delof, Kurtz­man und Orci, die ihrem Out­put nach nie­mals aus ihren Büros kom­men dürf­ten, haben ganz genau die Iko­no­gra­fie eines der bes­se­ren Vor­gän­ger­fil­me seziert. Aber sie haben es voll­kom­men umstruk­tu­riert wie­der zusam­men­ge­setzt. STAR TREK INTO DARKNESS ist Hom­mage, Remake und eigen­stän­di­ger Film glei­cher­ma­ßen gewor­den, weil J.J. Abrams den Mut dazu hat­te. Viel­leicht war auch ein klein biss­chen Zuspruch von Nicho­las Mey­er dabei, der STAR TREK: WRATH  OF KHAN – DER ZORN DES KHAN mit­ge­schrie­ben und dabei Regie geführt hat. Ein alter Freund der Fami­lie Abrams, der oft­mals mit dem klei­nen Jef­frey Jacob spiel­te. Umso schwe­rer soll­te es einem fal­len, sich an einer Legen­de zu ver­ge­hen, und letzt­end­lich könn­te man genau dies die­sem zwei­ten Teil der Neu­auf­la­ge vor­wer­fen. Aber STAR TREK INTO DARKNESS ist weit mehr, als das ein­fa­che auf den Kopf stel­len eines bekann­ten Uni­ver­sums.

INTO DARKNESS funk­tio­niert, weil er viel­schich­ti­ger und unter­schwel­li­ger ist, als es der ers­te Blick zulässt. Die  Schau­wer­te sind zwei­fel­los atem­be­rau­bend und die Remi­nis­zen­zen nicht weni­ger groß­ar­tig. Aber mehr als der ers­te Teil, muss­te INTO DARKNESS das eta­blie­ren und fes­ti­gen, was Star Trek seit sei­nen Anfän­gen als Fern­seh­se­rie das Allein­stel­lungs­merk­mal ver­lieh. Dies aller­dings ist kaum zu defi­nie­ren und lie­ße sich über die Jahr­zehn­te eher als Gefühl beschrei­ben. Dabei lie­gen die Stär­ken der Geschich­te von Lin­delof, Kurtz­man und Orci ziem­lich offen, nur die unauf­dring­li­che Natur des Grund­te­nors las­sen die­se Stär­ken im Hin­ter­grund schei­nen, bestim­men aller­dings das Gesche­hen.

War das Motiv von den »Bedürf­nis­sen der Vie­len, wel­che die Bedürf­nis­se des Ein­zel­nen über­wie­gen« in WRATH OF KHAN das Schick­sal einer ein­zel­nen Per­son, ist es bei INTO DARKNESS die trei­ben­de Inspi­ra­ti­on der gesam­ten Geschich­te. Kirk, und spä­ter ein Atten­tä­ter, set­zen die eige­nen Bedürf­nis­se über die der Vie­len. Den einen kos­tet es die Kar­rie­re, der ande­re bringt damit unvor­stell­ba­res Leid. Immer wie­der stel­len die Autoren über die Figu­ren die Fra­gen nach Ver­trau­en und Loya­li­tät, wird Ver­nunft gegen Intui­ti­on gestellt. In einer anfäng­lich unschein­ba­ren Sze­ne ver­sucht aus­ge­rech­net der durch Logik bestimm­te Vul­ka­nier Spock aus einem Bauch­ge­fühl her­aus, Kirk von der Ver­la­dung neu­es­ter, aber undurch­sich­ti­ger Tor­pe­do-Tech­no­lo­gie abzu­ra­ten. Der wie­der zum Cap­tain ernann­te Heiß­sporn kon­tert aller­dings mit Loya­li­tät – und einer Kon­se­quenz, die ein gege­be­ner Befehl eben mit sich bringt. Eine fan­tas­ti­sche Sze­ne, die zudem erneut auf­zeigt, das Kirk noch nicht der ist, der eine Fünf-Jah­re-Mis­si­on füh­ren könn­te.

Immer wie­der wer­den die Cha­rak­te­re durch ihr Han­deln gezwun­gen, sich gegen­sei­tig in Fra­ge zu stel­len. Spock sieht sich mit Freun­din Uhu­ra kon­fron­tiert, Kirk zeigt sich fälsch­li­cher­wei­se von Pike hin­ter­gan­gen. Schließ­lich Spock und Kirk selbst, für die Freund­schaft und Dienst­pflicht unver­ein­bar zu sein scheint. Zäh­len tat­säch­lich die Bedürf­nis­se der Vie­len mehr, als die Bedürf­nis­se des Ein­zel­nen? Wenn­gleich die Fra­ge immer wie­der gestellt wird, sieht sich der Film nicht ver­pflich­tet, die­se zu beant­wor­ten. Denn dann müss­te er Ratio­na­li­tät über Mensch­lich­keit stel­len, und auch das ist Teil die­ses Gefühls, wel­ches Star Trek immer mit sich trug, die Betrach­tung und Aus­le­gung des mensch­li­chen Wesens.

Auch Admi­ral Mar­cus wird Opfer sei­ner per­sön­li­chen Aus­le­gung von Loya­li­tät und Dienst­ei­fer. Hier ver­schwim­men alle Gren­zen von Huma­nis­mus, Kriegs­ei­fer, Ego­is­mus und Selbst­lo­sig­keit. Obwohl Mar­cus als han­dels­üb­li­cher Böse­wicht insze­niert ist, unter­lie­gen sei­ne Moti­va­tio­nen kei­ner ein­fa­chen Schwarz­weiß­ma­le­rei. Er glaubt im Inter­es­se der Ster­nen­flot­te für die Mensch­heit zu han­deln, ver­liert dabei aber jede Rück­sicht gegen­über allen ande­ren Ras­sen. Admi­ral Mar­cus und sei­ne Hand­lungs­wei­se sind zudem der Brü­cken­schlag zu der Moder­ni­sie­rung, die STAR TREK erfah­ren hat, aber auch erfah­ren muss­te. Als Gene Rod­den­ber­ry die Serie 1966 ins Leben rief, war das STAR TREK-Uni­ver­sum eine idea­li­sier­te Uto­pie eines Ame­ri­ka, das dem kal­ten Krieg ent­wach­sen woll­te. Die­ses Ame­ri­ka, die­se Vor­stel­lung einer uto­pi­schen Mög­lich­keit, gibt es nicht mehr. Die Welt und ihre Ord­nung nach dem elf­ten Sep­tem­ber 2001, sind ein Fakt, der für eine wei­ter­füh­ren­de Zukunft nicht zu igno­rie­ren ist. Die rea­le Welt ist düs­te­rer gewor­den, und INTO DARKNESS ist kein Titel, der sich auf die Hand­lung bezieht. Es ist jenes Uni­ver­sum, wel­ches durch sei­ne posi­ti­ven Aus­sa­gen und Aus­sich­ten sei­ne Anhän­ger­schaft fand, sich aber der Rea­li­tät anpas­sen muss­te, um wei­ter­hin dem Zeit­geist gerecht wer­den zu kön­nen. Wie STAR TREK 6 den holp­ri­gen Weg des Endes des Kal­ten Krie­ges nach­zeich­ne­te, absor­biert J.J. Abrams’ STAR TREK-Welt das aktu­el­le Welt­ge­sche­hen, und macht es zum inte­gra­len Bestand­teil einer Zukunft, die nicht mehr so bunt und nicht mehr so zuver­sicht­lich sein darf.

Admi­ral Mar­cus ist der Brü­cken­schlag zu einer ver­än­der­ten Welt, die mit Vor­ur­tei­len, Miss­trau­en und Vor­teils­nah­me ange­rei­chert wur­de, als die Welt­öf­fent­lich­keit eine Reli­gi­on gegen die Sta­tu­ten einer soge­nann­ten frei­en Welt stell­te. Vor­ur­tei­le und fal­scher Idea­lis­mus.  J.J. Abrams STAR TREK, wel­ches er mit sei­nen Schrei­bern Orci, Lin­delof und Kurtz­man ent­warf, ist eine pop­pig bun­te Phan­ta­sie mit über­ra­gen­den Effek­ten. Aber wenn man genau­er hin­sieht, dann ist da wesent­lich mehr. Gesell­schafts­kri­tik, Welt­po­li­tik und Zeit­geist. Die Genia­li­tät in die­sem Reboot ist die Sub­ti­li­tät, wie man alles in ein knal­li­ges Action-Spek­ta­kel pack­te. STAR TREK eben, die­ses kaum erklär­ba­re Gefühl.

STAR TREK INTO DARKNESS
Dar­stel­ler: Chris Pine, Zacha­ry Quin­to, Zoe Sald­ana, Bene­dict Cum­ber­batch,  Karl Urban, Ali­ce Eve, Simon Pegg, Anton Yel­chin, John Cho, Peter Wel­ler und Bruce Green­wood u.a.
Regie: J.J. Abrams
Dreh­buch: Rober­to Orci, Alex Kurtz­man, Damon Lin­delof
Kame­ra: Dani­el Min­del
Bild­schnitt: Maryann Bran­don
Musik: Micha­el Giac­chi­no
Pro­duk­ti­ons­de­sign: Scott Cham­bliss
zir­ka 132 Minu­ten
USA 2012
Pro­mo­fo­tos Copy­right Para­mount Pic­tures

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AutorIn: Bandit

4 Kommentare for “Eine Nachbetrachtung: INTO DARKNESS”

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sagt:

Ich habe das ges­tern gele­sen, und erst gedacht: war­um macht der sich so viel Mühe? Alle Welt macht sich lus­tig über den Film, und er schreibt sei­ten­lang dar­über, war­um er ihm gefällt?
Und ich bin über­ra­schen­der­wei­se sei­ner Mei­nung! Aus ganz ande­ren Grün­den, nur eini­ge davon stim­men über­ein.
Es ist so leicht, alles schlecht zu machen und mit den ande­ren ins Horn zu bla­sen, aber es ist schwer, dahin­ter zu schau­en. Was woll­ten die Macher des Films eigent­lich, wel­chem Druck waren sie aus­ge­setzt! Ich mei­ne: Star Trek! Das ist ein Erbe, das man erst mal stem­men muss. Mil­lio­nen von Fans, die mil­li­ar­den Wün­sche haben, und jeder will erfüllt wer­den.
Jetzt bie­tet das Trek-Uni­ver­sum ja auch eini­ges, und sie haben eben die­ses The­ma gewählt. Ich will auch nicht über die Logik­lü­cken spre­chen, über die mach­mal zu dick auf­ge­setz­te Sen­ti­men­ta­li­tät. Ich fühl­te mich trotz­dem (!) gut unter­hal­ten! Was nicht zuletzt dar­an lag, das ich Bene­dikt Cum­ber­batch geni­al fin­de. Und den neu­en Pil­le, und Scot­ty natür­lich, und über­haupt ist die neue Crew so viel sexier als die alte … Aber das nur neben­bei (als Frau kann man das doch auch mal sagen, für Män­ner fin­de ich es eigent­lich trau­rig, das man eine so geküns­tel­te nack­te Haut Sze­ne rein­brin­gen muss­te, weil Uhu­ra nun ver­ge­ben ist…) obwohl: muss­te das sein? Ich mei­ne: Uhu­ra ver­liebt sich in Spock. OK. Weil er so cool und unnah­bar ist, oder so. Frau­en sind da merk­wür­dig. Und sie tut, was jede Frau tut: sie ver­sucht, ihn dann sofort umzu­krem­peln, ärgert ihn so lan­ge, bis er fast heult und zugibt, das sie recht hat, und sie ists zufrie­den. Wei­ber.)
Nein, was ich eigent­lich gut fand, war: die Leu­te haben mich unter­hal­ten! Ich habe mich kei­ne Sekun­de gelang­weilt! Und das ist doch viel wert! Ich weiß nicht, ob ich Gesell­schafts­kri­tik fin­den will, aber die Ver­zweif­lung eines künst­lich geschaf­fe­nen Wesens, das böse benutzt wird und sich nun wehrt, weil es ver­dammt noch ein­mal ganz allein ist, und nur sei­ne Freun­de wie­der haben will, die kann ich ver­ste­hen, und auf Khans Gesicht fin­den. Ich har­re dem Moment, wenn ich es im Ori­gi­nal­ton hören kann. Gän­se­haut. Ganz gro­ßes Kino.

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Stefan Holzhauer

sagt:

Naja, die Sze­ne mit Ali­ce Eve in Unter­wä­sche … ich habe da nun nix gegen. Letzt­lich auch nix ande­res als am Strand zu sehen ist, es ist acuh wahr­lich nichtz alles sexis­tisch, wo mal ein wenig Haut zu sehen ist, da wird sich viel künst­lich auf­ge­regt.
Als »Köder« für Kirk macht die aber tat­säch­lich Sinn, denn sie spielt Carol Mar­cus. Wenn wir uns erin­nern: das ist die Carol Mar­cus aus ZORN DES KHAN, die Kirk nach 20 Jah­ren eröff­net, dass er (mit ihr) einen Sohn hat. Hier wird gezeigt wie sie sich tref­fen, und die »leichtbekleidet«-Szene ist da eigent­lich nur eine wei­te­re Facet­te … :)

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