Buy Local-Initiative mobbt Bastei Luebbe

Buy Local-Initiative mobbt Bastei Luebbe

Cover IlluminatiMan hätte keine Kristal­lkugel benötigt, um vorherzuse­hen, dass es Gegeifer seit­ens der Buch­branche geben wird, wenn ein Ver­lag mit Ama­zon zusam­me­nar­beit­et. Jet­zt hat es Bastei Luebbe getrof­fen, die sind bekan­nter­maßen äußerst umtriebig, was eBooks ange­ht. Und hat­ten zusam­men mit dem Online­händler eine Aktion durchge­führt, in deren Rah­men man Dan Browns ILLUMINATI kosten­los erhielt, wenn man die Kin­dle Lese-App erst­ma­lig instal­lierte. Diese Aktion ist bis zum 14. Jan­u­ar befris­tet.

Dem Buy Local-Chef und Ravens­Buch-Mit­in­hab­er Michael Rieth­müller, der immer wieder durch in meinen Augen völ­lig über­zo­genes, Gemeck­er im Zusam­men­hang mit Ama­zon auf­fällt, war das ein so der­ber Dorn im Auge, dass er in sein­er Buch­hand­lung nicht nur keine Vertreter des Ver­lags mehr empfängt, auch alle Neuheit­en- und Back­list­bestel­lun­gen wur­den gestrichen. Und es wurde angekündigt, Büch­er von Bastei Luebbe in den Regalen ver­schwinden zu lassen.

In meinen Augen ein beina­he mafiös zu nen­nen­des Ver­hal­ten:

»Einen schö­nen Ver­lag hast Du da, wäre doch schade, wenn kein­er mehr Deine Büch­er kauft …«

Auch die Buy-Local-Ini­tia­tive, deren Vor­sistzen­der Rieth­müller ist, been­det Medi­en­mel­dun­gen zufolge die Zusam­me­nar­beit mit Bastei Luebbe.

Das Ver­hal­ten Rieth­müllers scheint auch anson­sten eher … knor­rig, das kann man sowohl seinen Äußerun­gen in der Ver­gan­gen­heit ent­nehmen, zudem wurde mir berichtet, dass auch seine Kom­mu­nika­tion mit Klein­ver­la­gen offen­bar von einiger Arro­ganz geprägt ist. Diese Weigerung, Büch­er eines Ver­lags zu verkaufen, nur weil der mit dem Mark­t­führer zusam­me­nar­beit­et, zeich­net aber in meinen Augen ein symp­to­ma­tis­ches und unsym­pa­this­ches Bild ein­er nach wie vor rück­wärts gerichteten Branche. Außer­dem schießen sich die teil­nehmenden Buch­hand­lun­gen doch ins eigene Knie: Wenn ein Kunde ein Buch des Ver­lags haben will, kauft er es eben woan­ders – oder bei Ama­zon.

Wer übri­gens ILLUMINATI kosten­los für den Kin­dle haben möchte, sollte ein­fach mal diesem Link fol­gen. :)

Cov­er­ab­bil­dung ILLUMINATI Copy­right Bastei Luebbe

LChoice – Stellungnahme des Betreibers

LChoice – Stellungnahme des Betreibers

Logo LChoiceAuf meinen gestri­gen Artikel hin hat­te sich Herr Bintig von LChoice ja bere­its in den Kom­mentaren gemeldet. Ich halte es für ein äußerst pos­i­tives Zeichen, dass der Betreiber offen auf die Kri­tik einge­ht. Weit­er­hin erhielt ich von ihm noch eine Email, die ich hier – wie angekündigt – wiedergeben und auch mein­er­seits kom­men­tieren möchte.

Sehr geehrter Herr Holzhauer,

vie­len Dank für Ihre Nach­fra­gen – wir freuen uns sehr, wenn sich Nutzer inten­siv mit unseren Pro­duk­ten auseinan­der­set­zen und natür­lich auch, wenn sie vorhan­dene Schwach­stellen find­en, die wir dann beheben kön­nen.

Lassen Sie mich gle­ich tech­nisch ins Detail gehen und Ihre Fra­gen beant­worten:

Zugriff auf die SD-Karte wird benötigt, da ver­schiedene Tele­fon-Mod­elle exter­nen Spe­ich­er als SD-Karte moun­ten und wir dort Dat­en able­gen. Das tun wir, um den inter­nen Spe­ich­er des Tele­fons zu ent­las­ten.
Die Funk­tio­nen für Blit­zlicht, WLAN und Kam­era sind Teil der Anwen­dung – darüber hin­aus nicht sehr sicher­heit­skri­tisch. Unser­er Ken­nt­nis
Zugriff auf Sys­te­me­in­stel­lun­gen: Diese Option ist gewählt, um z.B. die Geolo­ca­tion ein- oder auss­chal­ten zu kön­nen. Aktuell nutzen wir diese Option noch nicht, sie wird aber in einem der näch­sten Releas­es ver­füg­bar sein.
Per­ma­nentes Aus­führen der App benöti­gen wir für Mes­sag­ing­di­en­ste – diesen wer­den wir allerd­ings in naher Zukun­ft weit­er­en­twick­eln und dieses Recht dann nicht mehr benöti­gen.
Entwick­ler-Tools. Dahin­ter ver­birgt sich z.B. das Löschen von gecacht­en Files, die im geschützten Bere­ich abgelegt sind.
Darüber hin­aus entziehen wir per­ma­nent bei fast jedem Release der App Rechte – im Laufe der Entwick­lung benötigte LChoice immer weniger davon. Ein kom­plett »recht­lose« App ist allerd­ings schwierig zu bauen, auch wenn sie »nur Büch­er kaufen« wollen.
Abschließend möchte ich darauf hin­weisen, dass zahlre­iche andere Apps, wie ebay, Ama­zon, Xing etc. eben­falls Rechte besitzen, die auf den ersten Blick sus­pekt erscheinen kön­nen, z.B. das zum Löschen von Cachefiles, was als »Entwick­ler-Tools« auf­taucht oder den Zugriff auf den exter­nen SD-Spe­ich­er. LChoice ist im Ver­gle­ich mit den genan­nten Apps sog­ar ver­gle­ich­sweise sparsam, was die geforderten Rechte bet­rifft, man denke nur an den Zugriff auf Nutzerkon­ten und -dat­en.

Abschließend noch eine kurze Antwort zu Ihrer Frage, warum wir nur eine App anbi­eten. Wir arbeit­en aktuell an ein­er Web­ver­sion der App, u.a. aus dem von Ihnen genan­nten Grund, eben allen Nutzern die Möglichkeit zu bieten, ihre Buch­händler auf diese Art und Weise zu unter­stützen.

Ich freue mich auf Ihr Feed­back und die weit­eren Diskus­sio­nen auf Ihrer Seite.

Mit fre­undlichen Grüßen,
Robert Bintig

Dazu fol­gende Anmerkun­gen. Dass die App Net­zwekzu­gang haben muss, damit man sich über ein WLAN verbinden kann, sehe ich ein. Unnötig ist jedoch der Zugriff auf die Liste der lokal vorhan­de­nen WLANs. Ich entschei­de als Nutzer ob ich mich mit einem davon verbinde, die App hat damit gar nichts zu tun. Wer­den alle WLAN-Net­zw­erke in Reich­weite mit­geschnit­ten, wäre es the­o­retisch sog­ar möglich, darüber ein Bewe­gung­spro­fil zu erstellen. Bewe­gung­spro­fil ist ein gutes Stich­wort für das viel größere Prob­lem und es wird die Geolo­ca­tion, also die Posi­tions­bes­tim­mung des Nutzers, auch direkt in der Antwort ange­sprochen. Zugriff auf sämtliche Sys­te­me­in­stel­lun­gen – und ich wieder­hole mich – ist völ­lig inakzept­abel. Der Hin­weis darauf, dass die App sich erlaubt, die Posi­tions­bes­tim­mung selb­st­ständig zu aktivieren ver­schlim­mert das Daten­schutzprob­lem sog­ar noch. Aus welchem logis­chen Grund sollte eine – wir erin­nern uns – ständig laufende App sich selb­st dauer­haft Zugriff auf unsere Posi­tion geben dür­fen? Der einzige, der mir ein­fällt, wäre ein Bewe­gung­spro­fil zu erstellen. Das benötigt man für einen Buchkauf keines­falls. Ich ver­mute mal, es soll haupt­säch­lich ver­wen­det wer­den, um die näch­ste Buch­hand­lung anzuzeigen. Das kön­nte man aber leicht lösen, wie bei anderen Anwen­dun­gen auch: indem man den Nutzer ein­fach fragt, ob er für diesen Fall und kurzzeit­ig eine Posi­tions­bes­tim­mung zulassen möchte.

Der Hin­weis, dass sich Apps ander­er Anbi­eter noch viel weit­er reichende Rechte ein­räu­men ist kor­rekt, aber nicht zielführend. Dass andere deut­lich kri­tis­ch­er sind, ändert ja nichts an den beste­hen­den Defiziten mit LChoice.

Pos­i­tiv sehe ich die Rück­mel­dung, dass die in meinen Augen höchst kri­tis­chen Rechte in Sachen Sys­te­me­in­stel­lun­gen eben­so wie andere Prob­leme bei einem Update der App behoben wer­den sollen. Ich werde LChoice dann erneut prüfen und eine neue Bew­er­tung abgeben, soll­ten meine Bedenken dann zer­streut sein, werde ich auch Ange­bot und Umset­zung testen und auf Phan­taNews in Form eines Artikels veröf­fentlichen (bis zu diesem Zeit­punkt gibt es dann vielle­icht auch einen Buch­händler bei mir vor Ort, der sich dem Sys­tem angeschlossen hat). Dass zudem eine web­basierte Möglichkeit ein­gerichtet wer­den soll, mit der man das Ange­bot nutzen kann, halte ich eben­falls für eine sehr gute Nachricht. Denn grund­sät­zlich finde ich die Idee immer noch großar­tig.

Logo LChoice Co­py­right MChoice AG

LChoice – online kaufen, trotzdem den lokalen Buchhandel unterstützen? Schön wär´s …

LChoice – online kaufen, trotzdem den lokalen Buchhandel unterstützen? Schön wär´s …

Logo LChoiceEs ist im Prinzip genau das Konzept, dass ich hier auf Phan­taNews schon mehrfach als wün­schenswert beschrieben hat­te: Ich kaufe meine Büch­er online, bekomme sie nach Hause geliefert und der Betrag wird einem lokalen Buch­händler gut­geschrieben.

Jet­zt gibt es offen­bar endlich einen Anbi­eter, der genau das tut, allerd­ings nicht mit einem Web­por­tal, son­dern mit ein­er App für Android und iOS. Mit der LChoice-App kann man entwed­er einen QR-Code scan­nen, oder eine ISBN-Num­mer eingeben, oder ein Buch über den Titel suchen und dann erwer­ben. Den Kauf kann man dann entwed­er in der gewün­scht­en (und eingestell­ten) Buch­hand­lung abholen, oder sich die Ware zuschick­en lassen.

Laut der Info­s­eite sind die Kosten für den Buch­händler hier­bei über­schaubar, es wer­den 3% vom Kauf für die Auf­tragsab­wick­lung fäl­lig, will man zusät­zlich den optionalen Bezahlser­vice in Anspruch nehmen, fall­en noch ein­mal 1% an. Bei den Alter­na­tive »gar nicht ver­di­enen, weil der Kunde irgend­wo online kauft« sind das in meinen Augen Top-Kon­di­tio­nen.

Eigentlich grandios, genau so muss das gehen. Das Ganze ist noch sehr neu, deswe­gen nehmen bish­er ger­ade mal unge­fähr 100 Buch­händler teil, das müssen natür­lich deut­lich mehr wer­den. Warum dann »eigentlich«? Deswe­gen:

BerechtigungenBei der Instal­la­tion der App auf einem Android-Phone zeigen sich dann allerd­ings Merk­würdigkeit­en. Die Berech­ti­gun­gen, die sich LChoice genehmi­gen will, sind in meinen Augen nicht mal ansatzweise akzept­abel. Warum muss die App Videos aufnehmen kön­nen? Für einen QR-Code reicht Zugriff auf die Kam­era. Dann will sich die App das Recht ein­räu­men, per­ma­nent aus­ge­führt zu wer­den und – man fasst es kaum – Sys­te­me­in­stel­lun­gen ändern zu dür­fen. Voller Net­zw­erkzu­griff dürfte klar sein, son­st kön­nte man das Inter­net nicht nutzen. Warum die App SD-Karten-Inhalte ändern will, ver­ste­he ich eben­falls nicht ganz, genau­so wenig, warum sie Zugriff  auf Vibra­tion,  Blit­zlicht und geschützten Spe­ich­er haben und die WLAN-Verbindun­gen anzeigen möchte.

Was soll das Ganze? Etliche Berech­ti­gun­gen davon sind für einen reinen Buchkauf über­haupt nicht nötig. Da man den Ser­vice leicht auch als Web­seite anbi­eten kön­nte, diese Möglichkeit aber nicht existiert, kann man eigentlich nur davon aus­ge­hen, dass die App im Tele­fon schnüf­feln möchte. Ich werde mal eine Anfrage beim Anbi­eter stellen, was die sich dabei denken.

Ich habe LChoice den­noch instal­liert, um das mal auszupro­bieren. Die unver­schämten Berech­ti­gun­gen kann man mit entsprechen­den Anwen­dun­gen wie App­Guard ein­schränken, was ich getan habe. Lei­der weigert sich LChoice dann, zu starten. Tja, dumm gelaufen, hier kön­nte eine an sich pri­ma Idee an bek­loppten App-Berech­ti­gun­gen scheit­ern. Im Moment würde ich LChoice auf­grund dieser Prob­lematik nicht nutzen. Mal abwarten, was der Anbi­eter sagt. Auf der Web­seite find­et sich unter dem Menüpunkt »Marken­leit­bild« fol­gen­der Text:

Unser Anspruch ist das Leben der Men­schen in ihrem All­t­ag zu bere­ich­ern – ver­trauenswürdig und inno­v­a­tiv. Wir wollen prak­tisch funk­tion­al, echt benutzer­fre­undlich und sin­nvoll sein.

Soso, »ver­trauenswürdig« … Bin ges­pan­nt, was auf meine Anfrage geant­wortet wird.

Logo LChoice Copy­right MChoice AG, Screen­shot Berech­ti­gun­gen von mir

Mal wieder: Kauf doch beim lokalen Buchhändler statt bei Amazon …

Mal wieder: Kauf doch beim lokalen Buchhändler statt bei Amazon …

Cover "Moonraker"Die Litanei, die man immer wieder seit­ens des Buch­han­dels und des Börsen­vere­ins hört: kauf lieber bei deinem lokalen Buch­händler statt beim Beelze­bub Ama­zon. Dass die Real­ität anders aussieht, weiß jed­er Phan­tastik-Fre­und der schon ein­mal ver­sucht hat, etwas aus einem kleineren oder Spe­cial-Inter­est-Ver­lag beim »kleinen Buch­händler um die Ecke« zu bekom­men. Ja, ich weiß, es gibt auch gute, die ihr Handw­erk ver­ste­hen und wis­sen, wie herum man eine Maus hält. Trotz­dem sind solche Erleb­nisse, wie unten geschildert nach meinen Erfahrun­gen nicht die Aus­nahme, son­dern lei­der die frus­tri­erende Regel.

Der Ver­lag Cross Cult veröf­fentlich nicht nur zahllose Com­ic-Rei­hen, son­dern auch diverse Lizenz-Romane rund um Pop­kul­tur-Phänomene wir STAR TREK, DOCTOR WHO oder CASTLE. Und auch eine äußerst sehens- und lesenswerte Neuau­flage von Ian Flem­ings JAMES BOND-Roma­nen. Soeben veröf­fentlichte der Ver­lag Fol­gen­des auf Face­book:

Eben einen Anruf erhal­ten, von einem fre­undlichen Mann, der sich erkundigt hat, ob man unsere Titel nur direkt bei uns kaufen kann. Er habe einen Artikel über die Bond-Romane in der »Jun­gen Welt« gele­sen und möchte sich nun alle erhältlichen Titel zule­gen. In sein­er Stamm­buch­hand­lung hat man ihm allerd­ings gesagt, dass man mit »Cross Cult« nichts anfan­gen könne. Wir haben ihm ger­at­en, auf unsere Web­seite zu gehen, die ISBN eines Bond-Romans zu notieren und damit nochmals zur Buch­hand­lung zu gehen. Löblicher­weise möchte er näm­lich nicht bei Ama­zon bestellen, son­dern beim örtlichen Buch­händler.

Lieber unbekan­nter Buch­händler,

kannst Du nicht in Dein Sys­tem gehen und nach »Ian Flem­ing James Bond« suchen? Auch wenn Du den komis­chen Ver­lag »Cross Cult« nicht kennst, wer­den da alle unsere Titel gelis­tet und Du kannst sie prob­lem­los über Libri/KNV/Umbreit oder direkt bei unser­er Aus­liefer­ung bestellen. All diese Infos find­en sich auch auf unser­er Web­seite, die man eben­so prob­lem­los mit Hil­fe eines jeden inter­net­fähi­gen Geräts aufrufen kann … Zur Not schau doch bei Ama­zon nach oder frag die Auskun­ft und ruf uns an. Danke! Das ist alle­mal bess­er, als einen Kun­den selb­st auf die Suche zu schick­en, der bei Dir gle­ich zehn Büch­er auf ein­mal kaufen möchte. Eigentlich geht man ja in eine dieser guten alten Buch­hand­lun­gen wie Deine, damit einem fre­undlich­es Per­son­al weit­er­helfen kann, bei der Suche nach dem gewün­scht­en Buch. Danke, lieber Buch­händler, dass Du unsere Titel in Zukun­ft bestellst und an Deine Kun­den verkauf­st oder vielle­icht sog­ar ein paar Exem­plare ins Regal stellst. Jet­zt, da Du weißt, wie das geht …

Das kenne ich. Über­he­bliche Buch­händler oder Büch­händ­lerge­hil­finnen, die ob des geäußerten Lesewun­sches die Nase rümpfen, weil es sich nicht um ver­meintliche Hochlit­er­atur han­delt und die über­haupt keinen Bock haben, sich um die Wün­sche des Kun­den zu bemühen. Der vor­liegende Fall ist natür­lich beson­ders abstrus, denn wenn ein Kunde gle­ich einen Haufen Taschen­büch­er kaufen möchte, sollte es im gesteigerten Inter­esse des Buch­händler liegen, diesen Umsatz selb­st zu machen. Kun­den in dieser Form ein­fach wegzuschick­en, das kann man nur als borniert und dumm beze­ich­nen.

Liebe Buch­branche: Arbeit­et dran! Nehmt Kun­den­wün­sche ernst! Das ist viel zielführen­der als das dauernde Ama­zon-Gebashe und die hohlen Wer­bephrasen zum The­ma »buy local«.

Update: Siehe dazu auch Dil­bert. (mit Dank an Cynx)

Update 2: Erik Schreiber kom­men­tiert auf Face­book:

Da kann ich noch eins drauf set­zen, frei nach dem Mot­to, »ein­er geht immer«. Ich habe in der Umge­bung von Darm­stadt jede mir bekan­nte Buch­hand­lung per­sön­lich aufge­sucht, meinen Ver­lag Saphir im Stahl und mich vorgestellt, meinen kleinen Prospekt dage­lassen. Zwei Wochen später kommt ein Anruf von der Buch­händ­lerin, sie hätte ja noch nie etwas von mir gehört und jet­zt ste­ht da ein Kunde und will »Der Man­nwolf von Königs­berg«, was das den für ein Buch sei …

Cov­er MOONRAKER Copy­right Cross Cult

Bücher: »Buy Local« – nette Idee, leider mit Fehlern …

Cover Die Stille nach dem TonBörsen­vere­in, Buch­händler und Co. über­schla­gen sich immer wieder dabei, Ama­zon mit den ver­schieden­sten Mit­teln und Begrün­dun­gen mies zu machen, und hören nicht damit auf, den Kun­den darauf hinzuweisen, dass man doch lieber ein­heimis­che Händler und ins­beson­dere den lokalen Buch­han­del unter­stützen möge.

Dass das abseits großer und Pub­likumsver­lage allerd­ings lei­der nicht funk­tion­iert, weiß jed­er, der schon ein­mal ver­sucht hat, ein Buch aus einem Klein- oder Nis­chen­ver­lag im Buch­han­del zu bekom­men. Wenn das bei Großhändlern wie KNV (Koch, Neff & Vol­ck­mar GmbH, der größte Buch­großhändler in Deutsch­land) nicht gelis­tet ist, dann nutzt auch eine ISBN lei­der gar nichts – an das Buch kann man als Kunde beim Han­del nicht her­an kom­men (zumin­d­est bei den Händlern, die ihre Büch­er bei KNV beziehen).

Glaubt ihr mir nicht? Dann mal ein konkreter Fall: DIE STILLE NACH DEM TON ist eine vom SFCD her­aus­gegebene und in der Rei­he AndroSF erschienene Antholo­gie. Sie enthält die Geschicht­en, die mit dem SFCD-Lit­er­atur­preis (1985 bis 1998) und dem Deutschen Sci­ence Fic­tion-Preis (1999 bis 2012) aus­geze­ich­net wur­den. Erschienen ist sie am 1. Sep­tem­ber 2012 bei Michael Hai­tels Ver­lag p.machinery, die ISBN lautet 978–3942533379.

Michael bekam heute eine Anfrage von ein­er Buch­hand­lung, die das Buch im Sep­tem­ber 2012 bestellt hat. Großhändler KNV behauptet bis dato, also ein geschla­genes Jahr später (!), das Buch sei nicht liefer­bar.

Sich­er, der Buch­händler kann nichts dafür, aber wenn der Großhändler nicht in der Lage ist, Büch­er zu beschaf­fen, wie es seine Auf­gabe wäre, dann wirft das ein deut­lich­es Licht auf das Pub­lic­i­ty-Geschrei der Buch­branche in Sachen »Buy Local«. Die Aus­sage man bekäme alles auch beim lokalen Buch­händler ist schlichtweg falsch, offen­bar auch, weil Großhändler über­haupt keinen Bock haben, sich mit Klein- und Indie-Ver­la­gen und deren Ange­bot ern­sthaft auseinan­der zu set­zen. Als Ver­leger würde ich mich fra­gen, warum ich die Kohle in eine ISBN über­haupt investieren soll, wenn offen­sichtlich inkom­pe­tente Zulief­er­er trotz Vorhan­den­seins ein­er solchen die Ware nicht beib­rin­gen kön­nen? Oder han­delt KNV etwa ein­fach nur gemäß dem neuen Werbe­spruch der Branche: »Vor­sicht, Buch!«?

Es ist davon auszuge­hen, dass es sich hier­bei nicht um einen Einzelfall han­delt. Solange eine der­ar­tige Arro­ganz gegenüber kleineren Anbi­etern in der Branche herrscht, soll mir bitte kein­er mehr mit »Buy Local« kom­men. Denn man bekommt »lokal« nicht das, was man kaufen möchte, ins­beson­dere im Bere­ich Spe­cial Inter­est und Klein­ver­lage. Selb­stver­leger find­en ohne­hin nicht statt. Bei Ama­zon kann man es sofort bestellen (kommt dann direkt vom Ver­lag, kann man also alter­na­tiv auch gle­ich dort ordern).

Was es für die Ver­lage bedeutet, wenn deren Büch­er laut KNV ange­blich und fälschlich »nicht liefer­bar« sind, kann man sich leicht vorstellen … Übri­gens soll­ten auch die Buch­händler drin­gend nochmal über diesen Sachver­halt nach­denken.

Creative Commons License

Cov­er DIE STILLE NACH DEM TON Copy­right p.machinery

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Rant: Du kaufst online? Gehe in das Gefängnis, begibt Dich direkt dorthin, Du Strauchdieb!

Rant: Du kaufst online? Gehe in das Gefängnis, begibt Dich direkt dorthin, Du Strauchdieb!

Auf diepresse.com pro­duziert sich Buchver­leger Jochen Jung in Sachen eBook. Über­schrieben ist der Artikel mit »wider das eBook-Bash­ing«. Das ließ hof­fen. Was sich dann allerd­ings im Text find­et, lässt mich erblassen. Denn wir, die wir die unglaubliche Dreistigkeit besitzen, im Inter­net Waren zu kaufen, sind miese Diebe. Glaubt ihr nicht? Ich zitiere aus dem Artikel (fehlende Leerze­ichen sind 1:1 über­nom­men):

Heute sind reale Geschäfte für immer mehr Men­schen nur noch eine Art Muster­ausstel­lung: Man schaut sich die Dinge an, pro­biert sie aus, entschei­det sich und geht dann nach Hause und bestellt am Com­put­er. Und wer noch einen Schritt weit­er ist, der find­et gle­ich im Netz den größten Musterkof­fer über­haupt und füllt seinen Warenko­rb dort. Das erspart ihm das Woch­enendge­dränge in der U-Bahn und im Kaufhaus, und schon nach weni­gen Tagen kom­men die Sachen mit der Post ins Haus. Es ist kaum über­trieben, wenn man dieses Ver­hal­ten als eine Art Dieb­stahl betra­chtet. Der sta­tionäre Handel,egal ob mit Kleidung,Elektronik oder zum Beispiel Büch­ern, bezahlt­Mi­ete, Arbeit­skraft, Aus­bil­dung und Know-how,um am Ende die richtige, ange­sagte, ver­langte Ware im Geschäft ausle­gen und anbi­eten zu kön­nen. Dass sich dann Men­schen ohne jede Kau­fab­sicht dieser­Möglichkeit­en bedi­enen, ist zwar nicht ver­boten, aber unanständig ist es doch. Und unklug ist es auch, denn natür­lich führt der schrumpfende Umsatz zu abnehmenden Einkün­ften, und eines Tages wird die Tür an einem Sam­stagabend geschlossen und am Mon­tag­mor­gen nicht mehr aufgemacht: Der Musterkof­fer bleibt zu.

Da bleibt einem die Luft weg, oder? Wenn ich also die Entschei­dung tre­ffe, nicht beim einen, son­dern beim anderen Händler meine Waren zu erwer­ben, dann bin ich in den Augen des einen ein Dieb? Das ist so der­maßen abstrus und welt­fremd, dass sog­ar mir jede sarkastis­che Bemerkung im Hals steck­en bleibt. Sehen wir uns doch mal ein Detail an (fehlende Leerze­ichen wur­den einge­fügt):

Der sta­tionäre Handel,egal ob mit Klei­dung, Elek­tron­ik oder zum Beispiel Büch­ern, bezahlt Miete, Arbeit­skraft, Aus­bil­dung und Know-how, um am Ende die richtige, ange­sagte, ver­langte Ware im Geschäft ausle­gen und anbi­eten zu kön­nen.

Arbeit­skraft, Aus­bil­dung und Know-How? Jung sollte sich mal aus seinem offen­bar schlecht belüfteten Büro her­aus begeben und per­sön­lich einkaufen gehen, und das nicht nur beim Juwe­li­er, Scham­pus- oder Leimhändler; dann würde ihm vielle­icht auf­fall­en, dass der Einzel­han­del an (zu) vie­len Stellen auf 400 Euro-Hil­f­skräfte umgestellt hat, die einem Gurken in die Hand drück­en, wenn man Tomat­en haben möchte. In den wenig­sten Fällen erhalte ich ger­ade in Sachen Tech­nik (oder Büch­ern) eine kom­pe­tente Beratung und die Ware, die ich möchte, find­et sich in den Regalen gar nicht erst (ger­ade bei Büch­ern). Bestellen kann man die auch nicht, oder das dauert Tage, oder das Zeug ist dann dreimal so teuer wie beim Onlin­ev­ersender (bei Büch­ern dank des Buch­preiskartells natür­lich nicht). Da wird nicht das aus­gelegt und ange­boten, was ver­langt ist, Herr Jung, und berat­en werde ich dazu schon mal gar nicht. Oder falsch. Dann kann ich auch gle­ich online bestellen und bekomme das Zeug nach Hause geliefert. Der gruselige Ser­vice tun das seine dazu. Wer mal ver­sucht hat, in der Gewährleis­tungszeit eine defin­i­tiv defek­te Ware bei Sat­urn zurück zu geben, der weiß, wovon ich spreche. Ich lasse mich in Läden nicht mehr von unmo­tivierten Hil­f­skräften anmuf­feln, weil ich es wage, sie nach etwas zu fra­gen oder weil ich meine Ver­braucher­rechte kenne.

Bevor er mich des Dieb­stahls bezichtigt, weil ich da kaufe, wo es das Ange­bot gibt, das ich möchte und wo das zudem auch noch deut­lich preiswert­er ist, sollte der Herr Jung vielle­icht mal darüber nach­denken, ob man uralte Geschäftsmod­elle nicht endlich mal den Real­itäten anpassen sollte. Wer das nicht tut, der muss sich nicht wun­dern, wenn er Sam­stags ab- und Mon­tags nicht wieder auf­schließt. Vielle­icht zeigt er mir mal einen Buch­händler, bei dem ich eBooks bekom­men kann. Um genauer zu sein: welche, die ich auch möchte.

Die Schuld hier­für den Kun­den zuschus­tern zu wollen, ist ins­beson­dere in dieser dum­m­dreis­ten Art eine Unver­schämtheit – und das ist noch sehr fre­undlich aus­ge­drückt. Wenn das irgendwelche Sym­pa­thien weck­en soll ist es nicht nur gründlich daneben gegan­gen, son­dern däm­lich. Vom Kauf irgendwelch­er Pro­duk­te aus dem Ver­lag des Her­rn Jung werde ich zukün­ftig jeden­falls abse­hen. Auch als eBook.

Man­n­man­n­mann.

Zum Rest des Artikels muss man sich eben­falls kaum äußern. Wer die aktuellen Zahlen des Börsen­ver­lags zum The­ma eBooks ken­nt (dazu dem­nächst mehr), der weiß, dass die gesamte Branche sich ver­rech­net hat, was die Steigerung der Absatz­zahlen ange­ht. Die sind näm­lich deut­lich höher als zuvor angenom­men. Trotz­dem son­dert Jung noch solche Worthülsen ab:

Das E-Book wird es schw­er haben, die Konkur­renz zu einem schön gemacht­en Buch aus Papi­er, Farbe, Leim und Fan­tasie zu gewin­nen

Nein, wird es nicht. Und darum geht es auch gar nicht, es gibt keinen Zwang zu entwed­er-oder. Aber lassen wir ihn vielle­icht bess­er weit­er in seinem Ver­lags­büro am geliebten Leim vom kom­pe­ten­ten Händler schnüf­feln. Son­st schreibt er wom­öglich noch weit­ere solch­er Artikel … wer weiß, was wir außer Dieben noch alles sind …

Creative Commons License

Quelle: diepresse.de, gefun­den bei Lean­der via Cynx

Bild: Dieb von Colle »the Goalie« auf flickr, CC BY-NC

Amazon startet Buy Local-Kampagne mit eigenen Ladengeschäften

Auch das war natür­lich ein Aprilscherz. Noch … Ich halte es dur­chaus nicht für unwahrschein­lich, dass Ama­zon das oder etwas ähn­lich­es in Zukun­ft tat­säch­lich durch­führen kön­nte (und die »Buy Local«-Kampagne des Buch­han­dels halte ich tat­säch­lich für völ­lig ver­fehlt, zumal sich inzwis­chen Struk­turen auf­tun, die man als »mafiös« beze­ich­nen kön­nte).

Der Ver­sand­händler Ama­zon wird laut ein­er aktuellen Pressemit­teilung die »Buy Local«-Bewegung des Buch­han­dels mit eige­nen Kam­pag­nen unter­stützen, beim Konz­ern heisst die Kam­pagne »Shop Local«. Hier­für wer­den in diversen deutschen Großstädten Ama­zon-Shops ein­gerichtet, die ersten soll es bere­its bis zum Ende April 2013 in Berlin, Ham­burg, München, Düs­sel­dorf, Köln und Stuttgart geben, weit­ere wer­den in größeren Städten sukzes­sive fol­gen. Geplant ist das Ein­richt­en dieser Stores schon seit Län­gerem, jet­zt macht Ama­zon offen­bar ernst. In Großbri­tan­nien kann man seine Waren bere­its in Ladengeschäften abholen.

Laut James Lir­pa, dem Pub­lic Rela­tions-Man­ag­er des Onlin­ev­ersenders, will man durch die Ladengeschäfte das lokale Kaufen unter­stützen und dafür sor­gen, dass wieder mehr Kun­den die Innen­städte zum Waren­er­werb auf­suchen. Das Sor­ti­ment wird zum einen Büch­er bein­hal­ten, allerd­ings soll auch Unter­hal­tungse­lek­tron­ik ange­boten wer­den. Kun­den, die etwas online bestellen, kön­nen ihre Ware in den Ama­zon-Shops abholen, statt sie sich zusenden zu lassen. Ver­sand­kosten fall­en hier­für keine an. Auch Waren, die nor­maler­weise nur über den Ver­sand erhältlich sind, sollen in den Ama­zon-Shops vorge­hal­ten wer­den, beispiel­sweise über Cre­ate­Space selb­st­pub­lizierte Büch­er. Weit­er­hin soll es Beratungsleis­tun­gen geben, man kann sich z.B. seinen Kin­dle-eRead­er dort ein­richt­en und erläutern lassen.

Ama­zon weist in der Pressemit­teilung expliz­it darauf hin, dass in seinen Shops Gehäl­ter gezahlt wer­den sollen, die über dem Einzel­han­dels­durch­schnitt in den jew­eili­gen Städten liegen.

Coole Sache – und erneut wird Ama­zon den behäbi­gen lokalen Buch­han­del und dessen völ­lig untaugliche »Buy Local«-Kampagne damit kalt erwis­chen.

Bild: Ama­zon Retail Shop in Seat­tle Copy­right Amazon.com