Auch wenn die Fantasy derzeit nicht nur gefühlt massiv in der Überzahl ist, was Phantastik in Deutschland angeht (in manchen Buchhandlungen wurde die SF-Abteilung sogar vollständig abgeschafft), und die großen Verlage offenbar der Ansicht sind, dass das Genre Science Fiction niemanden mehr interessiert, sieht das international glücklicherweise ganz anders aus. Und wenn man in der Lage ist, im englischen Original lesen zu können, dann bekommt man wirklich jede Menge Material abseits der ausgetretenen Pfade der deutschen Publikumsverlage. Und manchmal ist ein echtes Kleinod darunter. Ein solches ist CHILDREN OF TIME von Adrian Tchaikowsky.
Edition Roter Drache und PhantaNews präsentieren:
REISEZIEL UTOPIA
Es gab eine Zeit, in der Science Fiction eine positive Vision der Zukunft transportierte, eine Vision, die angesichts beispielsweise des kalten Kriegs und diverser denkbarer Szenarien eines Endes der Welt auch bitter nötig war. Nicht erst seit William Gibsons Cyberpunk und erst recht in den letzten Jahren dominieren aber mehr und mehr Dystopien und Postapokalypsen das Genre, sowohl im literarischen wie auch im popkulturellen Bereich, die düstere Aussichten in die Zukunft oder gleich das Ende der Welt präsentierten. Wir sind der Ansicht, dass es gerade heute angesichts der Lage in Deutschland und auf der Erde erneut positiver Visionen für eine bessere Zukunft bedarf, deswegen wurde diese Ausschreibung für eine Kurzgeschichtensammlung aus der Taufe gehoben.
Aufgrund der aktuellen Diskussionen um den Deutschen Phantastik-Preis habe ich mir einige Gedanken darum gemacht, wie denn die Ausrichtung eines solchen Preises aussehen könnte, und wie die Rahmenbedingungen sein müssten, damit Streit und Kontroversen minimiert werden und die Ausrichtung fair ist. Das sind an dieser Stelle – wie gesagt – erst einmal nur Ideen und Gedanken, die in konkreter Durchführung sicherlich noch optimiert werden können.
Worüber man sich bei jedem reinen Publikumspreis im Klaren sein muss: Es wird immer der- oder diejenige gewinnen, der oder die die meisten Fans aktivieren kann. Das ist so, und das ist auch durchaus nichts Schlimmes oder Negatives, und bei einem Publikumspreis immanent. Das macht deswegen nicht, weil man ohnehin nicht feststellen kann, ob irgendein Werk »das Beste« ist, denn eine qualitative Bewertung liegt immer im Auge des Betrachters.
Es sollte sich meiner Ansicht nach übrigens nicht um einen »deutschen« Preis handeln, sondern um einen, der deutschsprachige Werke auszeichnet, diese könnten selbstverständlich auch beispielsweise aus der Schweiz, Österreich oder Burkina Faso stammen. Der Name des Preises sollte das reflektieren.
Ich habe es über die Jahre immer wieder mal vernommen, zumeist von alternden SF-»Fans«, die lautstark die Ansicht vertreten, dass selbstverständlich »früher alles besser war, und das doch alles keine Science Fiction sei«. Früher, das ist ein nicht ganz genau zu beziffernder Zeitraum, aber eben nicht heute. Aber ich schweife ab. Was habe ich genau vernommen? Die zumeist aufgebracht vorgetragene These, dass dies und jenes, oft Popkultur, in Wirklichkeit gar keine Science Fiction sei, sondern nur … irgend so ein Mist. Je nach Alter (es sind nach meiner Beobachtung tatsächlich überwiegend die älteren SF-Anhänger), Geisteszustand und Fanatismuslevels des Vortragenden wird verschiedenen Spielarten der SF pauschal abgesprochen, tatsächlich Science Fiction zu sein, in den meisten Fällen ohne inhaltliche Begründung, sondern nur mit irgendwelchen hastig vorgetragenen Schimpfworten, oder schwummrigen Scheinargumenten, die wenig durchdacht erscheinen. Gerne vorneweg kritisiert immer wieder mal STAR WARS, heutzutage nimmt man sich bevorzugt die diversen Spielarten des Superhelden-Genres vor, aber sogar der Erforschungs- und Entdeckungsserie STAR TREK wird abgesprochen, tatsächlich SF zu sein. Weil? Wegen!
Warum? Die Begründungen sind oft schwurbelig, fußen aber nicht selten auf der mit zahlreichen Ausrufezeichen vorgebrachten These, dass »das alles« nur »Fantasy« sei, und mit Wissenschaft nichts zu tun habe. Und schließlich habe das Genre Science Fiction die »Wissenschaft« im Titel und müsse deswegen auf irgendwelchen wissenschaftlichen Grundlagen beruhen.
Hinweis: Diese Besprechung erschien ursprünglich im September 2008 im alten Artikelportal und wurde nun hierher »gerettet«. Viel Spaß!
Wir schreiben das Jahr des Herrn 1851. Im britischen Imperium herrscht Königin Victoria über England, die amerikanischen Kolonien und die Besitztümer der Krone auf Mond, Mars und anderen Planeten des Sonnensystems. Das Universum von Larklight ist definitiv nicht das, welches wir kennen – 1703 entwickelte Isaac Newton den Ätherantrieb, seitdem eifersüchtig gehütet von den Alchimisten der Royal Alchemists Society und der Grund für die unangefochtene Vormachtstellung der Engländer. All dies weist bereits darauf hin: Dieses Kinderbuch kommt »very british« daher.
Aber genau das ist der ganz besondere Charme von Larklight, denn der Autor versteht es vortrefflich, die Stimmung des Landes und der Zeit einzufangen und mit dem von ihm erdachten Steampunk-Universum zu etwas überaus Originellem und Kurzweiligem zu vermischen.
Vorwort zur Neuveröffentlichung: Dieser Text erschien ursprünglich im April 2010 (also bereits vor sagenhaften sechs Jahren) auf dem alten Artikelportal von PhantaNews. Aus gegebenem Anlass habe ich ihn jetzt hierher übertragen, denn er erscheint angesichts der Tatsache, dass die Buchbranche nach allen anderen die Digitalisierung entdeckt hat, in immer größeres »Mimimi« ausbricht und offenbar alle Fehler der Musikindustrie wiederholen möchte, aktueller denn je. Auslöser war konkret allerdings das Erscheinen eines Artikels von Felix Münter bei Teilzeithelden, bei dem mich allein der polemische (und sachlich falsche) Titel bereits schaudern lässt. Mir hängt diese Form der Diskussion zum Hals raus, denn sie wurde bereits erschöpfend geführt und muss wahrlich nicht erneut angefangen werden, nur weil Buchbranche und Autoren etliche Jahre nach allen anderen die Digitalisierung entdeckt haben.
Cory Doctorow ist ein kanadischer Science-Fiction-Schriftsteller und Aktivist in Sachen neue Medien, Internet, Copyright-Liberalisierung und Privatsphäre. Am letzten Wochenende habe ich sein Buch LITTLE BROTHER in Rekordzeit gelesen, nachdem es mir von »fellow netizens« bereits mehrfach nachdrücklich ans Herz gelegt wurde.
Das Besondere an diesem Buch: man kann es nicht nur über die einschlägigen Vertriebskanäle kaufen, sondern es auch einfach auf seiner Webseite kostenlos in zahlreichen Formaten herunter laden. Kostenlos. Einfach so. Legal. Unter einer Creative Commons-Lizenz. Trotz dieser Tatsache verkaufen sich seine Bücher wie geschnitten Brot.
Wie kann das sein? Insbesondere angesichts des Dauergejammers gewisser Verleger und Verlage, wie böse kostenlose Angebote sind – seien sie nun semilegal oder legal – und dass beide den Markt zerstören…
Im Vorwort zu LITTLE BROTHER befindet sich der folgende Text, den ich aus dem Englischen übersetzt habe, um ihn hier zu veröffentlichen, was ich aufgrund der CC-Lizenz problemlos tun darf, wenn ich den Namen des Autoren nenne, auf seine Webseite hinweise und kein Geld damit verdiene.
Am vergangenen Donnerstag wurde ja hier auf PhantaNews bereits in einem Artikel aufgezeigt, warum Verlage derzeit geradezu hektische Aktivitäten verbreiten, was Blogs angeht. Und auch auf der Buchmesse Leipzig überschlug man sich geradezu zu dem Thema, auch wenn dabei die Blogger oft eher Nebensache zu sein scheinen.
Auf Karla Pauls Seite buchkolumne.de erschien soeben ihre »Keynote« zur Konferenz Blogger:Sessions auf der Leipziger Buchmesse. Und wenn ich das lese, geht mir ordentlich der Hut hoch, wenn gefordert wird, dass Blogs sich »professionalisieren« müssen. Einen Scheiß müssen Blogs. Das ist allein Wunschdenken der Branche.
Vorneweg: Blogmarketing ist keine neues Thema und auch über bezahlte Artikel oder Warentests diskutiert die Blogosphäre bereits seit Jahren. Da ist so ziemlich alles schonmal gesagt worden, und auch schon von jedem. Aber wie bei der Buchbranche üblich, merkt die das alles wieder mal ein paar Jahre später, und deswegen kocht das Thema im Zusammenhang mit Buchblogs jetzt nochmal hoch. Was dazu führt, dass das gesamte Geseiere nochmal von vorne los geht.
Gleich vorweg, die Buchbranche ist Big Business – ganz egal, was der sympathische Buchhändler ums Eck auch erzählt. Jahr für Jahr erwirtschaftet allein der Buchhandel einen Umsatz von sage und schreibe zehn Milliarden Euro, und das nur in Deutschland. Auslandsgeschäfte, Lizenzverkäufe und Merchandising deutscher Buchverlage nicht mitgezählt. Amazon und die etablierte Buchbranche inszenieren öffentliche Rosenkriege und profitieren doch zugleich an den 50 – 60 Prozent-Margen (Buchhändlerrabatt), die ihnen das Buchpreisbindungsgesetz ermöglicht. Nach außen markieren sie Feindschaft, nach innen hin eint sie das gemeinsame Ziel der guten Geschäfte. Ein Gesetz aus dem letzten Jahrtausend – die Buchpreisbindung – schweißt alle zusammen. In der Branche herrschen die klassischen Spielregeln eines Kartells: Man streitet sich, man verklagt sich – und dann legt man sich doch wieder ins gemeinsame Bett.
Es gibt aber jemanden, der vor allen anderen die Strippen zieht, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, der die Preise festsetzt und der immer verdient, egal wer was wo verkauft. Dieser mächtigste aller Player im Spiel, wenn man so will, dieser Player heißt: Buchverlag. Er ist quasi die Dame im Schachspiel um den König Kunden. Wo es aber eine Dame und einen König gibt, dort muss es auch zwingend Bauern geben.
Als ich Anja Bagus´ Kommentar »Ich weigere mich!« veröffentlicht habe, war mir schon klar, dass der kontroverse Reaktionen hervorrufen würde. Und das geschah dann wie erwartet auch, hauptsächlich in diversen sozialen Medien.
Es gab tatsächlich eine Menge Personen, die sich sachlich, offen, konstruktiv und vor allem mit Realismus mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Aber es gab auch haufenweise Reaktionen, die man – vorsichtig ausgedrückt – nur als »giftig« bezeichnen kann. Und insbesondere solche, die sich selbst als »professionell« bezeichneten, spuckten geradezu Gift und Galle. Aktuell wurde ein Artikel veröffentlicht, in dem man gleich haufenweise »Profis« in Stellung bringt, um dagegen zu reden. Ein solcher Diskurs und Meinungsaustausch ist selbstverständlich gewollt und erlaubt.
Ich möchte an dieser Stelle auch noch ein paar Gedanken zu dem Thema ergänzen.
Ich weiß nicht, wie oft ich mich darüber schon aufgeregt habe. Und jetzt ist es auch mal wieder soweit. Mir ist vor ein paar Tagen förmlich der Kopf geplatzt und das hört nicht auf.
Worum geht´s?
Es geht mal wieder um das unsägliche Ding mit dem Lektorat. Und als Clickbait: es geht auch um Bücherklau und meinen Status als Autorin.
Ich weigere mich.
Ich bin dagegen, dass ein vorhandenes Lektorat (und am Besten noch ein bezahltes), ein Qualitätskriterium für Bücher ist.
Wikipedia: Als Bearbeitungsform umfasst das Lektorat für gewöhnlich die rechtschreibliche, stilistische,grammatikalische und inhaltliche Verbesserung von Texten. Das Aufgabenfeld eines Lektors umfasst über die Tätigkeit des Lektorierens hinaus aber auch die Prüfung der eingehenden Manuskripte oder Typoskripte, die Zusammenstellung eines Verlagsprogramms, das Publikationsmarketing und die Begleitung von Skripten bis zur Veröffentlichung. Durch einen Korrektor werden Texte rechtschreiblich und grammatikalisch überprüft. Die stilistische Bearbeitung wird als stilistisches Lektorat bezeichnet, das zwar zumeist ein Korrektorat einschließt, jedoch stets darüber hinausgeht.
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