Wie könnte ein Phantastik-Publikumspreis aussehen?

Auf­grund der ak­tu­el­len Dis­kus­sio­nen um den Deut­schen Phan­ta­stik-Preis habe ich mir ei­ni­ge Ge­dan­ken dar­um ge­macht, wie denn die Aus­rich­tung ei­nes sol­chen Prei­ses aus­se­hen könn­te, und wie die Rah­men­be­din­gun­gen sein müss­ten, da­mit Streit und Kon­tro­ver­sen mi­ni­miert wer­den und die Aus­rich­tung fair ist. Das sind an die­ser Stel­le – wie ge­sagt – erst ein­mal nur Ide­en und Ge­dan­ken, die in kon­kre­ter Durch­füh­rung si­cher­lich noch op­ti­miert wer­den kön­nen.

Wor­über man sich bei je­dem rei­nen Pu­bli­kums­preis im Kla­ren sein muss: Es wird im­mer der- oder die­je­ni­ge ge­win­nen, der oder die die mei­sten Fans ak­ti­vie­ren kann. Das ist so, und das ist auch durch­aus nichts Schlim­mes oder Ne­ga­ti­ves, und bei ei­nem Pu­bli­kums­preis im­ma­nent. Das macht des­we­gen nicht, weil man oh­ne­hin nicht fest­stel­len kann, ob ir­gend­ein Werk »das Be­ste« ist, denn eine qua­li­ta­ti­ve Be­wer­tung liegt im­mer im Auge des Be­trach­ters.

Es soll­te sich mei­ner An­sicht nach üb­ri­gens nicht um ei­nen »deut­schen« Preis han­deln, son­dern um ei­nen, der deutsch­spra­chi­ge Wer­ke aus­zeich­net, die­se könn­ten selbst­ver­ständ­lich auch bei­spiels­wei­se aus der Schweiz, Öster­reich oder Bur­ki­na Faso stam­men. Der Name des Prei­ses soll­te das re­flek­tie­ren.

Grundsätzliche Durchführung

Erste Phase

Auf ei­ner Web­sei­te kön­nen von be­lie­bi­gen Per­so­nen in ei­nem On­line­for­mu­lar für alle zu ver­ge­ben­den Ka­te­go­ri­en (dazu spä­ter mehr) Vor­schlä­ge ge­macht wer­den.

Die An­mel­dung er­folgt über die Email­adres­se. Das selbst­ver­ständ­lich mit ei­nem rechts­kon­for­men Dou­ble-Opt-In, mit der Opt-In-Mail kommt wie frü­her beim DPP ein Hash-Code, mit dem man sich spä­ter noch­mal ein­log­gen kann, falls man nicht alle Fel­der so­fort aus­fül­len möch­te. Es müss­te zu­dem ein Ver­fah­ren eta­bliert wer­den, mit dem Be­trugs­ver­su­che er­kannt wer­den kön­nen – das ist aber kein He­xen­werk, da dies kein neu­es Pro­blem ist, gibt es da­für be­reits Lö­sun­gen.

Bei den Vor­schlä­gen kann man dar­über nach­den­ken, ob je­der Teil­neh­mer nur ei­nen Vor­schlag pro Ka­te­go­rie ma­chen darf, oder für eine grö­ße­re Di­ver­si­tät zwei oder drei. Wenn nur ei­nen, ist so­weit al­les klar. Wenn meh­re­re, wer­den die­se nach Punk­ten ge­wich­tet. Man hat also ei­nen Vor­schlag, der drei Punk­te be­kommt, ei­nen mit zwei und ei­nen mit ei­nem Punkt.

Über den Zeit­raum der er­sten Stu­fe wer­den alle Ein­tra­gun­gen – ggfs. mit Punk­ten – in ei­ner Da­ten­bank ge­sam­melt. Am Ende die­ser Pha­se wird das For­mu­lar zum Stich­zeit­punkt au­to­ma­ti­siert off­line ge­nom­men.

Auswertung erste Phase

In der Da­ten­bank kann man nun leicht die ent­we­der am häu­fig­sten vor­kom­men­den Vor­schlä­ge pro Ka­te­go­rie er­se­hen, oder aber die­je­ni­gen mit den mei­sten Punk­ten. Theo­re­tisch könn­te hier die er­ste Stu­fe er­le­digt sein, aber so ein­fach ist die Pra­xis üb­li­cher­wei­se nicht.

Zwei Din­ge müs­sen be­ach­tet wer­den:

1. Pas­sen die Vor­schlä­ge zur Ka­te­go­rie?

Es kann na­tür­lich im­mer vor­kom­men, dass ein Werk in ei­ner Ka­te­go­rie be­nannt wird, die über­haupt nicht passt. Um sol­che Fäl­le (und an­de­re Grenz­fäl­le) zu ent­schei­den, muss es ein neu­tra­les Gre­mi­um ge­ben, be­stehend aus ei­ner un­ge­ra­den An­zahl an Per­so­nen (eine klei­ne Zahl, op­ti­mal wä­ren ver­mut­lich fünf oder sie­ben), die un­kla­re Fäl­le per Ab­stim­mung klä­ren kön­nen. Nach­dem die Er­geb­nis­se aus der Da­ten­bank vor­lie­gen, prüft das Gre­mi­um die­se und ent­schei­det ggfs. ob ein vor­ge­schla­ge­nes Werk, das es in die Short­list ge­schafft hät­te, aber nicht passt, mög­li­cher­wei­se in eine an­de­re Ka­te­go­rie trans­fe­riert wird oder ob an­ders ver­fah­ren wird. Die ge­nau­en Mo­da­li­tä­ten müs­sen vor­ab fest­ge­legt wer­den.

Das Gre­mi­um ist be­kannt und die Mit­glie­derIn­nen wer­den na­ment­lich ge­nannt. Die Ent­schei­dun­gen wer­den pro­to­kol­liert und nach Preis­ver­ga­be eben­so of­fen­ge­legt wie die Teil­neh­mer­zah­len und ggfs. an­de­re In­for­ma­tio­nen und Sta­ti­sti­ken zur Stimm­ab­ga­be.

2. Was pas­siert bei Stim­men­gleich­heit?

Es kann der Fall ein­tre­ten, dass x vor­ge­schla­ge­ne Wer­ke oder Per­so­nen gleich vie­le Stim­men be­kom­men. Das ist dann kein Pro­blem, wenn man die Short­list va­ria­bel hält, und es eben egal ist, ob eine Ka­te­go­rie fünf, zehn oder so­gar 15 No­mi­nier­te mit glei­chen Stim­men­zah­len in der Short­list hat. Üb­li­cher­wei­se soll­ten sich sol­che Fäl­le in Gren­zen hal­ten, kommt es zu ei­nem au­ßer­ge­wöhn­li­chen oder Grenz­fall fin­det das Gre­mi­um ei­nen Mo­dus Ope­ran­di, um das zu lö­sen. Op­ti­ma­ler­wei­se gibt es ei­nen sol­chen be­reits vor der Stimm­ab­ga­be.

Die Email­adres­sen und zu­ge­hö­ri­ge Hash­codes wer­den ge­löscht.

Zweite Phase

Auf der Web­sei­te wer­den die in der er­sten Pha­se er­mit­tel­ten Wer­ke und Per­so­nen zur Ab­stim­mung ge­li­stet. Wer ab­stim­men will mel­det sich er­neut mit Email­adres­se an und er­hält per Dou­ble-opt-in ei­nen Hash­code, mit dem er/sie ent­we­der für alle Ka­te­go­ri­en stim­men kann, oder nur für ein­zel­ne, und spä­ter via neu­em Log­in mit Email­adres­se und Hash­code für die rest­li­chen.

Je­der Ab­stim­men­de hat eine Stim­me pro Ka­te­go­rie. Die Stim­men wer­den in ei­ner Da­ten­bank ge­zählt.

Auswertung zweite Phase

Nach Ab­lauf der Frist wird das For­mu­lar au­to­ma­ti­siert off­line ge­schal­tet. Die Da­ten­bank­ein­trä­ge wer­den aus­ge­wer­tet. Die Werke/Personen mit den mei­sten Stim­men ge­win­nen. Bei Stim­men­gleich­heit in ei­ner Ka­te­go­rie wird der Preis mehr­fach ver­ge­ben. Bei ir­gend­wel­chen Un­klar­hei­ten oder Son­der­fäl­len ent­schei­det das Gre­mi­um mit ein­fa­cher Mehr­heit.

Die Sie­ger ste­hen fest. Even­tu­el­le Ent­schei­dun­gen des Gre­mi­ums wer­den pro­to­kol­liert und nach Preis­ver­ga­be eben­so of­fen­ge­legt wie die Teil­neh­mer­zah­len und ggfs. an­de­re In­for­ma­tio­nen und Sta­ti­sti­ken zur Stimm­ab­ga­be.

Die Email­adres­sen und zu­ge­hö­ri­ge Hash­codes wer­den ge­löscht.

Kategorien

Ge­dan­ken muss man sich auch über Ka­te­go­ri­en ma­chen, die zum ei­nen die klas­si­schen Me­di­en­for­men ein­schlie­ßen, aber zum an­de­ren auch mo­der­ne, di­gi­ta­le Me­di­en nicht aus­schlie­ßen soll­ten. Tei­le die­ser Ka­te­go­ri­en sind selbst­ver­ständ­lich an den DPP an­ge­lehnt, aber das ist dem The­ma ge­schul­det. Es wird kein Preis für in­ter­na­tio­na­le Wer­ke ver­ge­ben, denn es han­delt sich um ei­nen »deut­schen« (deutsch­spra­chi­gen) Phan­ta­stik-Preis (und er­fah­rungs­ge­mäß kom­men oh­ne­hin nie ir­gend­wel­che in­ter­na­tio­na­len Au­to­ren, um den Preis ent­ge­gen­zu­neh­men – eine Preis­ver­lei­hung ohne Preis­trä­ger ist im­mer arg an­ti­kli­ma­tisch).

No­mi­niert wer­den kön­nen in den ein­zel­nen Ka­te­go­ri­en Wer­ke oder Per­so­nen, die im Vor­jahr er­schie­nen sind (Bei­spiel: Bü­cher) oder Wer­ke her­aus­ge­bracht ha­ben (Bei­spiel: Künst­ler).

Ach ja: Auf­grund des eher über­schau­ba­ren Werke­pools gibt es kei­ne Mehr­fach­preis­trä­ger. Es kann also nicht ein Werk wie beim Os­car für den Be­sten Film, den Be­sten Schau­spie­ler und die Be­ste Re­gie aus­ge­zeich­net wer­den. Das hal­te ich aus Fair­ness­grün­den für an­ge­bracht, die Wer­be­wir­kung ist auch bei nur ei­nem Preis aus­rei­chend.

Die Kategorien im einzelnen

Be­ster Ro­man (Ver­lag)

Selbst­er­klä­rend.

Be­stes De­but (Ver­lag)

Be­stes Werk ei­nes New­co­mers, der bis dato noch nichts ver­öf­fent­licht hat.

Be­ster Ro­man (Self­pu­blisher)

Be­stes Werk ei­nes Self­pu­blishers, also ein Ro­man, der nicht in ei­nem Ver­lag er­schie­nen ist, son­dern vom Au­tor selbst ver­öf­fent­lich wur­de. Die bei­den Self­pu­blisher-Ka­te­go­ri­en tra­gen dem dra­ma­tisch ver­än­der­ten Buch­markt in die­sem Be­reich Rech­nung. Self­pu­blisher ver­kau­fen (nicht nur) bei Ama­zon in­zwi­schen maß­geb­li­che Men­gen an Wer­ken. Sie aus­zu­schlie­ßen ist nicht mehr zeit­ge­mäß.

Be­stes De­but (Self­pu­blisher)

Be­ster Erst­ling ei­nes Self­pu­blishers, der bis dato noch nichts ver­öf­fent­licht hat.

Be­ste Sto­ry­samm­lung

Selbst­er­klä­rend. Es gibt hier kei­ne zu­sätz­li­che Ka­te­go­rie »Self­pu­blisher«, da SP-Kurz­ge­schich­ten­samm­lun­gen eher sel­ten sind.

Be­ste Kurz­ge­schich­te

Selbst­er­klä­rend

Be­ste Se­rie

Selbst­er­klä­rend. Der Ge­win­ner darf im näch­sten Jahr nicht er­neut no­mi­niert wer­den. Da­mit ver­mei­den wir im Ge­gen­satz zu Ein­zel­wer­ken, dass zwölf­mal hin­ter­ein­an­der der »Erbe des Mul­ti­ver­sums« (hust) ge­winnt. Ähn­li­ches gilt für an­de­re Ka­te­go­ri­en, in de­nen nicht ein kon­kre­tes Werk ge­kürt wird.

Be­stes Hörbuch/Hörspiel

Selbst­er­klä­rend

Mu­sik

Aus­zeich­nung für ein her­aus­ra­gen­des »Al­bum« oder eine »Sin­gle« mit phan­ta­sti­schem Hin­ter­grund.

Be­stes Comic/ be­ste Gra­phic No­vel

Selbst­er­klä­rend

Be­stes Se­kun­där­werk

Selbst­er­klä­rend

Beste/r Gra­fi­ke­rIn

Selbst­er­klä­rend. Der Ge­win­ner darf im näch­sten Jahr nicht er­neut no­mi­niert wer­den.

Be­wegt­bild

Be­ster Film, be­ste TV-Se­ri­en oder Epi­so­de, be­ste Strea­ming­se­rie, be­stes You­tube-Vi­deo etc. Der Ti­tel der Ka­te­go­rie kann na­tür­lich noch ver­bes­sert wer­den. Ich bin nicht der An­sicht, dass man mit der Be­grün­dung »es gibt eh nix Gu­tes an Gen­re in Deutsch­land« die­se Ka­te­go­rie nicht ver­ge­ben soll­te, denn das ist ein­fach nicht wahr. Man ver­baut sich durch das Weg­fal­len die Chan­ce, groß­ar­ti­ge Pro­jek­te wie MARA oder DARTH MAUL AP­P­REN­TI­CE aus­zeich­nen zu kön­nen, wenn es sie dann doch mal gibt. Ge­winnt eine Se­rie, darf sie im näch­sten Jahr nicht no­mi­niert wer­den.

Be­ste Web­sei­te (pro­fes­sio­nell)

Hier wird eine pro­fes­sio­nel­le Web­prä­senz aus­ge­zeich­net, also eine, hin­ter der eine Fir­ma steht. Der Ge­win­ner darf im näch­sten Jahr nicht er­neut no­mi­niert wer­den.

Be­ste Web­sei­te (Fan­dom)

Hier wird eine nicht­kom­mer­zi­el­le (Fan-/Fandom-) Web­sei­te aus­ge­zeich­net, die nicht auf die Er­zie­lung von Ge­win­nen aus­ge­legt ist, bzw. die kei­ne Fir­men­sei­te ist. Der Ge­win­ner darf im näch­sten Jahr nicht er­neut no­mi­niert wer­den.

Hin­ter­grund für die Tren­nung der bei­den Ka­te­go­ri­en ist, dass fir­men­be­trie­be­ne Sei­ten ganz an­de­re Per­so­nen­zah­len und Wer­be­bud­gets hin­ter sich ha­ben.

Brett-, Kar­ten-, Rol­len-, Ge­sell­schaft­s­piel oder Ta­ble­top

Auch im Be­reich klas­si­sche Spie­le er­schei­nen in je­dem Jahr jede Men­ge be­mer­kens­wer­te Pro­jek­te in Deutsch­land, die ei­nen phan­ta­sti­schen Hin­ter­grund ha­ben. Es ist scha­de, dass ein Phan­ta­stik-Preis die­se aus­blen­det. Hier wer­den kei­ne Rei­hen aus­ge­zeich­net, son­dern kon­kre­te Ein­zel­pro­duk­te. Im Ge­gen­satz zum Deut­schen Spie­le­preis (den die gro­ßen Ver­la­ge üb­li­cher­wei­se un­ter sich aus­ma­chen) hät­ten hier auch Pro­duk­te klei­ne­rer An­bie­ter oder von Rol­len­spiel­ver­la­gen Chan­cen. Even­tu­ell un­ter­teilt man noch zwi­schen klas­si­schen Ge­sell­schafts­spie­len und Rol­len- und Ta­ble­top­spie­len, wo­bei die Tren­nung stel­len­wei­se schwie­rig wer­den dürf­te, des­we­gen soll­te man die Tren­nung viel­leicht un­ter­las­sen.

Be­stes Com­pu­ter­spiel

Wenn­gleich Deutsch­land auch bei Film und Fern­se­hen in­ter­na­tio­nal nicht vor­ne mit­spielt (noch nicht mal hin­ten), sieht das bei Com­pu­ter­spie­len ganz an­ders aus. Es gibt in je­dem Jahr zahl­lo­se be­mer­kens­wer­te und er­folg­rei­che Spie­le­pro­duk­tio­nen aus deut­schen Lan­den und mit phan­ta­sti­schem Hin­ter­grund. Auch das ge­hört de­fi­ni­tiv zum Gen­re und soll­te nicht au­ßen vor ge­las­sen wer­den.

Be­stes LARP

In je­dem Jahr fin­den in Deutsch­land und in deutsch­spra­chi­gen Län­dern zahl­lo­se LARPS statt, die eben­falls eine Aus­drucks­form der Phan­ta­stik dar­stel­len. Es ist höch­ste Zeit, auch die­se Kunst­form aus­zu­zeich­nen. Der Ge­win­ner darf im näch­sten Jahr nicht er­neut no­mi­niert wer­den (da­mit nicht in je­dem jahr er­neut Con X mit den mei­sten Be­su­chern ge­winnt).

Be­stes Cosplay

Es gibt in­zwi­schen hau­fen­wei­se gran­dio­se Cosplay­er in Deutsch­land (und deutsch­spra­chi­gem Um­land). Auch de­ren Kunst darf ru­hig ge­wür­digt wer­den. Der gro­ße Plus­punkt ist hier­bei, dass sich so­gar je­der Ab­stim­men­de an­hand von Fo­tos ein Bild ma­chen kann, be­vor eine Stim­me ver­ge­ben wird.

Son­der­preis

Der Son­der­preis wird ver­ge­ben für au­ßer­ge­wöhn­li­che Wer­ke, die in kei­ner an­dern Ka­te­go­rie pas­sen. Als Bei­spie­le wä­ren denk­bar: mul­ti­me­dia­le eBooks, cross­me­dia­le Pro­jek­te oder völ­lig un­be­kann­te, neue Ide­en. Mir ist klar, dass es sich hier­bei um eine äu­ßerst dif­fi­zi­le Ka­te­go­rie han­delt. Ein Ex­pe­ri­ment. Und es müss­te ver­mut­lich das oben ge­nann­te Gre­mi­um in Zwei­fels­fäl­len ent­schei­den, ob es im je­wei­li­gen Jahr ei­nen Ge­win­ner gibt.

Dotierung

Der Preis ist nicht do­tiert. In mei­nen Au­gen ist eine Do­tie­rung völ­lig über­flüs­sig, sie schränkt nur die Men­ge der Ka­te­go­ri­en un­nö­tig ein. Der Preis soll Spaß und das Werk oder die Per­son be­kann­ter ma­chen. Eine Do­tie­rung stei­gert in mei­nen Au­gen nur die Mög­lich­keit von Streit und Neid.

Verleihung

Der Preis wird auf ei­ner zwei­tä­gi­gen Veranstaltung/Con ver­lie­hen. Die Ver­lei­hung fin­det am Sams­tag Spätnachmittag/Abend statt. Das hat den un­ge­heu­ren Charme, dass die Preis­trä­ger und de­ren Fans nicht di­rekt nach der Ver­lei­hung aus dem Ge­bäu­de ge­kehrt wer­den müs­sen, son­dern noch ge­mein­sam fei­ern kön­nen. Op­ti­ma­ler­wei­se wird die­se Ver­an­stal­tung an ei­nem Ort aus­ge­rich­tet, der kei­ne Un­men­gen an Geld ver­schlingt (mög­li­cher­wei­se als Kul­tur­ver­an­stal­tung ge­för­dert), was es auch Klein- und Kleinst­ver­la­gen so­wie Self­pu­blishern er­mög­licht, für über­schau­ba­re Un­ko­sten­bei­trä­ge Ver­kaufs­ti­sche an­zu­mie­ten und ihre Wer­ke an­bie­ten zu kön­nen, denn das ist wah­re »Street-Cred« (statt hor­ren­der Stand­ge­büh­ren). Op­ti­mal wäre ver­mut­lich eine Ver­an­stal­tung par­al­lel zu ei­ner an­de­ren pas­sen­den, z.B. der Frank­fur­ter Buch­mes­se (da hal­ten sich Au­to­ren und an­de­re po­ten­ti­el­le Preis­trä­ger oh­ne­hin auf) oder der RPC (da tref­fen sich sämt­li­che Cou­leurs des Fan­doms). In bei­den Fäl­len wä­ren vie­le Prot­ago­ni­sten vor Ort.

Risiken?

Eins der größ­ten Ri­si­ken liegt wohl dar­in, dass sich her­aus­stel­len könn­te, dass nur fuff­zich Fi­gu­ren No­mi­nie­rungs­vor­schlä­ge ma­chen, oder nur 100 In­ter­es­sier­te tat­säch­lich für die Preis­trä­ger ab­ge­stimmt ha­ben. Das wür­de zwar das Er­geb­nis nicht ver­än­dern, aber wäre na­tür­lich fürs Re­nom­mé des Prei­ses ab­träg­lich. In dem Fall lässt man den Preis ein­fach sein, ist aber bes­ser als In­trans­pa­renz. Mit ein we­nig Pu­bli­ci­ty an den rich­ti­gen Stel­len soll­te man aber schon an­neh­men, dass bei den Ver­kaufs­zah­len von Phan­ta­stik-Pro­duk­ten all­ge­mein in Deutsch­land brauch­ba­re Teil­neh­mer­zah­len zu­stan­de kom­men soll­ten.

Abschlussbetrachtungen

So­weit mei­ne Ide­en und Be­trach­tun­gen zu ei­nem Pu­bli­kums­preis für deutsch­spra­chi­ge Phan­ta­stik-Wer­ke. Das ist so nie­der­ge­schrie­ben, wie es mir in den Sinn kam, bzw. wie ich es aus no­tier­ten Stich­wör­tern der und Mind­map­ping-Soft­ware über­nom­men habe. Si­cher­lich sind Tei­le da­von über­ar­bei­tungs- oder ver­bes­se­rungs­wür­dig, oder er­gän­zung­fä­hig. Oder viel­leicht auch nicht bis zu­letzt durch­dacht. Aber es sind kon­kre­te, kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge.

Al­ler­dings sehe ich in der vor­ge­schla­ge­nen Durch­füh­rung eine Mög­lich­keit, die Dis­kus­sio­nen um sol­che Prei­se zu ent­stres­sen, und Durch­füh­rung und Ver­lei­hung fair, trans­pa­rent und neu­tral zu ge­stal­ten, so dass es zu kei­nen Strei­tig­kei­ten, Mut­ma­ßun­gen und Kon­tro­ver­sen im Fan­dom kom­men muss. Klar ist selbst­ver­ständ­lich auch, dass man nie je­den zu­frie­den stel­len kann, und im Zwei­fels­fall im­mer wer aus ir­gend­wel­chen Grün­den un­zu­frie­den sein könn­te. So ist das Le­ben.

Die neu­en Ka­te­go­ri­en fin­de ich des­we­gen nö­tig und wich­tig, weil sie zu ei­ner Durch­mi­schung füh­ren. Bis­her kon­zen­trier­te sich die Ver­lei­hung haupt­säch­lich auf Bü­cher und ver­wand­te Ge­bie­te. Das ist vor­gest­rig und rück­wärts­ge­wandt. Eine Er­wei­te­rung führt eben zu ei­ner Durch­mi­schung ver­schie­de­ner Fan­dom-Sub-Bla­sen und ge­gen­sei­ti­gen Be­fruch­tung, neue Leu­te ler­nen sich ken­nen. Es kommt zu Syn­er­gi­en (Bull­shit-Bin­go!), zu de­nen es nicht kommt, wenn die Bü­cher­wür­mer im­mer nur un­ter sich blei­ben. Es gibt Schnitt­men­gen zwi­schen den Fan­dom-Fa­cet­ten, und die In­for­ma­tio­nen zum Preis und des­sen Aus­prä­gun­gen wer­den in die­se ver­schie­de­nen Fa­cet­ten des Hob­bies ge­tra­gen, was dazu führt, dass mehr Ab­stim­men­de teil­neh­men, was ei­ner sol­chen Aus­zeich­nung nur gut tun kann.

Per­sön­lich fän­de ich es, trotz al­ler Be­den­ken in Sa­chen »es ge­winnt der/diejenige mit der/die die mei­sten Fans ak­ti­vie­ren kann« (was egal ist, wie ich oben aus­führ­te), für wün­schens­wert, wenn es ei­nen fai­ren, trans­pa­ren­ten, kon­flikt­frei­en Pu­bli­kums­preis für deut­sche Wer­ke aus den ver­schie­den­sten Me­di­en gäbe, denn das wäre im Ge­gen­satz zu Ju­ry­prei­sen (die eben­falls ihre Be­rech­ti­gung ha­ben kön­nen) ech­te De­mo­kra­tie. Auch bei po­li­ti­schen Wah­len ge­win­nen letzt­lich die, die die mei­sten An­hän­ger mo­bi­li­sie­ren kön­nen …

Be­vor je­mand mault: Ich pro­pa­gie­re hier kei­nen Ge­gen­ent­wurf und kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Deut­schen Phan­ta­stik-Preis. Mei­ne In­ten­ti­on ist es auf­zu­zei­gen, wie man ei­nen sol­chen Pu­bli­kums­preis kon­flikt­frei und fair aus­rich­ten könn­te und kann. Wenn die Aus­rich­ter des DPP die Vor­schlä­ge über­neh­men möch­ten: Su­per. Wenn nicht, könn­te man viel­leicht für die Zu­kunft über eine Al­ter­na­ti­ve nach­den­ken.

Kom­men­ta­re aus­drück­lich er­wünscht.

Stefan Holzhauer

AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit na­tür­li­cher Af­fi­ni­tät zu Pi­xeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zu­viel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 on­line dar­über.

Ein Kommentar for “Wie könnte ein Phantastik-Publikumspreis aussehen?”

sagt:

Also ich wüss­te nicht, wo ich noch was kri­ti­sie­ren oder an­mer­ken soll­te. Klingt sehr, sehr gut und ja, auch wenn ich grund­sätz­lich ge­gen eine Tren­nung »SP«/»Verlag« bin… bei ei­nem Pu­bli­kums­preis, bei dem ich im­mer für die SP-Un­der­dogs und Klein­ver­lag­au­to­ren bin und bei dem mei­ne Lieb­lin­ge oft leer aus­ge­hen, kann ich nur be­für­wor­ten, dass da­für ge­sorgt wird, dass zwei SP-Au­to­ren (M/W/sonstiges) auf alle Fäl­le ei­nen Preis er­hal­ten :).

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