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Es gibt Spiele bei denen man sich fragt, warum sie nicht von Anfang an auf dem Handy waren. TINY BOOKSHOP von Entwickler neoludic gehört definitiv dazu. Das Cozy-Management-Spiel, in dem man einen Secondhand-Buchladen in einem umgebauten Trailer in der fiktiven Küstenstadt Bookstonbury-by-the-Sea betreibt, kommt am 9. Juli 2026 in den App Store und auf Google Play. Preis: 7,99 Dollar, ohne Werbung, ohne Mikrotransaktionen und ohne Abo: Einfach kaufen und spielen. Dass so etwas im Jahr 2026 explizit als Feature beworben werden muss, sagt einiges über den Zustand des Mobile-Games-Marktes.
Die PC-Version hat auf Steam bei über 7.000 Reviews eine Bewertung von 97 Prozent positiv (Overwhelmingly Positive), und die mobile Variante soll den kompletten Inhalt der PC- und Konsolenversion mitbringen. Man bestückt Regale mit Lyrik, Krimis, Pulp und gelegentlichen Raritäten, empfiehlt Kund°Innen passende Bücher, dekoriert den Laden mit Lichterketten und Pflanzen und wird langsam Teil einer Kleinstadt mit eigenen Geschichten. Kein Kampf, keine Zeitlimits, kein Game Over, dazu handgezeichnete Grafik und Klaviermusik. Die Touch-Steuerung wurde laut Publisher Skystone Games speziell für Einhandbedienung entwickelt. Eine kostenlose Demo zum Testspielen gibt es ebenfalls.
TINY BOOKSHOP ist außerdem auf Steam, Nintendo Switch, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erhältlich. Publisher Skystone Games wurde übrigens von David Brevik mitgegründet, den die Älteren unter uns als Schöpfer von DIABLO kennen. Wer nach Diablo-artiger Finsternis sucht, ist bei TINY BOOKSHOP allerdings falsch.
Quelle: Pressemitteilung Skystone Games vom 1. Juli 2026
Kann Spuren von Spoilern enthalten.
(Aber nicht wirklich. Einen Film in dem dermaßen viel los ist, kann man nicht spoilern)
Die kleinen gelben Anarcho-Wichtel Minions erfreuen sich seit ihrem ersten Auftreten in DESPICCABLE ME großer Beliebtheit. Das ist auch kein Wunder, die unkaputtbaren zitronigen Knubbel sind einfach herzerfrischend witzig in ihrer überdreht-naiven Chaos-Klamauk-Art.
In der Vergangenheit hatte sich allerdings meiner Ansicht nach gezeigt, dass sie allein und mit ihren Sperenzchen nicht unbedingt in der Lage waren, eine Handlung zu tragen, da zu einem Film, den man über die gesamte Laufzeit durchhält, eben mehr gehört, als durchgehende Comedy-Chaotik. Womit ich nicht sagen will, dass die Vorgänger schlecht oder nicht lustig waren. Aber der hier ist besser.
In MINIONS & MONSTERS schafft man einen Großteil darin, dem ganzen noch weitere Ebenen zu geben, dadurch, dass man es in der goldenen Aufbruchszeit Hollywoods handeln lässt, den 1920er Jahren.
Und das ist es dann auch, was Cineasten beglückt.
Gerade gestern erst habe ich über EVE: FRONTIER berichtet, legen Fenris Creations (ehemals CCP Games, umbenannt im Mai 2026) heute nach: Die Carbon Engine, das technische Fundament hinter EVE ONLINE und EVE FRONTIER, ist ab sofort vollständig als Open Source auf GitHub verfügbar. Über zwei Dutzend Module, entwickelt und im Livebetrieb getestet und verbessert über mehr als 20 Jahre.
Carbon ist keine Engine, die für den Lizenzverkauf gebaut wurde. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, ein einziges persistentes Universum am Laufen zu halten, in dem sich regelmäßig tausende Spieler°Innen gleichzeitig bekriegen. Die Physik-Komponente Destiny (ja, der Name ist in einem Gaming-Kontext etwas unglücklich ;) ) steckt hinter dem Guinness-Weltrekord für die größte Multiplayer-PvP-Schlacht mit 8.825 gleichzeitigen Teilnehmer°Innen. Trinity, die Grafikkomponente, ist für die Optik verantwortlich, die EVE ONLINE seit Jahren unverwechselbar macht. Dazu kommen Module für Netzwerk, Audio, UI, Scripting, Ressourcenverwaltung und Scheduling.
Wer sich jetzt fragt, warum ein Studio seine komplette Engine-Technologie verschenkt: Das dürfte direkt mit EVE FRONTIER zusammenhängen. Fenris positionieren das Spiel als offene, modbare Plattform, bei der Spieler°Innen serverseitig eigene Systeme bauen können. Eine offene Engine passt da ins Bild, weil sie Entwickler°Innen und Modder°Innen erlaubt, den Unterbau zu verstehen, auf dem sie arbeiten. Ben Hunter, Senior Development Director bei Fenris, formuliert das in der Pressemitteilung so: Man wolle die Grundlage sichtbar, verständlich und nutzbar machen, weil die nächste Generation persistenter Welten davon profitiere, wenn mehr Leute die Technologie darunter studieren, hinterfragen und darauf aufbauen können.
EVE ONLINE hat seit über 23 Jahren eine Community, die Third-Party-Tools, öffentliche APIs, Wirtschaftsanalysen und Allianz-Logistik um das Spiel herum aufgebaut hat. Mit Carbon als Open Source gilt das jetzt auch für das technische Fundament selbst. Ob das außerhalb des EVE-Ökosystems jemanden interessiert, wird sich zeigen. Eine Engine, die für genau einen sehr spezifischen Zweck optimiert wurde (persistente Welten im Großmaßstab), ist nicht unbedingt das, wonach Indie-Entwickler°Innen als erstes greifen. Aber für alle, die genau das bauen wollen, gibt es jetzt eine kostenlose, kampferprobte Option.
Wer in den 1980ern ADVANCED DUNGEONS & DRAGONS gespielt hat, für den war DRAGONLANCE vermutlich eines der prägenden Erlebnisse: die Welt Krynn, die Drachenlanze, Raistlin, Tanis, Tasslehoff (ich hab das damals auch gespielt). Die originale CHRONICLES-Trilogie von Margaret Weis und Tracy Hickman verkaufte sich über 35 Millionen Mal und machte das Setting zu einem der beliebtesten in der gesamten D&D‑Geschichte. In den letzten Jahren war es allerdings still geworden um Krynn, zumindest was offizielle D&D‑Produkte anging. Doch das ändert sich gerade.
Dan Ayoub, seit Juli 2025 neuer Chef der D&D‑Franchise beim Rechteinhaber Wizards of the Coast, hat im Oktober 2025 auf X ein Foto geteilt, das ihn zusammen mit Weis, Tracy Hickman, dessen Frau Laura Hickman und Schauspieler Joe Manganiello im WotC-Hauptquartier in Renton, Washington zeigt. Ayoubs Kommentar:
When I took over D&D, I had some very specific folks I wanted to bring back to The Table. Today, I had the honor of welcoming these folks back home. Amazing things ahead
Manganiello postete das gleiche Bild auf Instagram mit »WE’RE BACK«, Tracy Hickman schrieb auf Facebook: »Something is coming…« Was genau, wurde nicht verraten. Manganiello trug auf dem Foto wenig subtil ein DRAGONLANCE-T-Shirt.
Die Beziehung zwischen den DRAGONLANCE-Schöpfern und WotC war zuletzt alles andere als harmonisch. 2020 verklagten Weis und Hickman Wizards, nachdem eine vertraglich vereinbarte Romantrilogie einseitig gestoppt worden war. Die Klage wurde später ohne Urteil zurückgezogen. Manganiello, bekennender DRAGONLANCE-Fan und im TTRPG-Umfeld bekannt durch seinen D&D‑Charakter Arkhan der Grausame (unter anderem bei CRITICAL ROLE), arbeitete parallel an einer Live-Action-DRAGONLANCE-Serie, bestätigte aber im Februar 2024, dass WotC kein Interesse an dem Projekt hatte. Er versuchte sogar, die DRAGONLANCE-Rechte zu kaufen, wurde allerdings abgewiesen. Dass jetzt alle gemeinsam am WotC-Hauptquartier stehen, dürfte am Führungswechsel liegen: Ayoub übernahm, nachdem Creative Director Chris Perkins und Game Director Jeremy Crawford zu Darrington Press (CRITICAL ROLE) gewechselt waren; die beiden hatten in den vergangenen Jahren einige äußerst fragwürdige Entscheidungen bei WotC getroffen.
Bereits auf der GenCon 2024 hatten Weis und Hickman die Romantrilogie DRAGONLANCE LEGACIES angekündigt. Der erste Band, WAR WIZARD, erzählt die Geschichte des Magiers Magius und des Ritters von Solamnia Huma Drachentöter und erscheint am 4. August 2026 bei Random House Worlds (352 Seiten, Hardcover). Auf die Frage, ob die Handlung mit Richard A. Knaaks THE LEGEND OF HUMA kollidiere, antwortete Weis: »This is our story«. Auf die Frage nach Hasbros Beteiligung verwies sie lediglich auf Random House Worlds als Verlag.
Die Romantrilogie war zum Zeitpunkt des WotC-Treffens allerdings bereits angekündigt, das Foto muss also auf etwas darüber hinaus hindeuten. Die Spekulationen reichen von einer Wiederbelebung der TV-Serie über ein neues Quellenbuch bis hin zu einem Computerspiel. Für ein Quellenbuch spricht, dass das letzte D&D‑Produkt für Krynn, DRAGONLANCE: SHADOW OF THE DRAGON QUEEN (2022), laut Polygon gerade einmal 20 Seiten Settinginformationen enthielt. Laut Weis soll es im August 2026 Neuigkeiten geben, passend zum Erscheinungstermin von WAR WIZARD.
Erfahrungsgemäß tun Studios allerdings nichts lieber, als Projekte zu beerdigen, insbesondere WoTC hat in der Hinsicht einen schlechten Ruf, aber die Zeichen scheinen diesmal gut zu stehen; man darf also gespannt sein, was daraus wird.
Der äußerst umtriebige Spieleverlag Free League Publishing hat seinen jährlichen Sommer-Sale eröffnet. Bis zum 16. Juli bietet das Studio im eigenen Webshop Rabatte von 40 Prozent auf zahlreiche Kernregelwerke, Starter-Sets und Brettspiele für den Pen-&-Paper- und Brettspiel-Bereich. Auf ausgewählte Artikel gewährt der Verlag Preisnachlässe von bis zu 80 Prozent.
Die Aktion umfasst einen Großteil des Portfolios, darunter bekannte Pen-&-Paper-Titel wie DRAGONBANE, THE ONE RING, BLADE RUNNER THE ROLEPLAYING GAME sowie ALIEN THE ROLEPLAYING GAME. Auch VAESEN, TALES FROM THE LOOP und THE WALKING DEAD UNIVERSE ROLEPLAYING GAME sind Teil der Rabattaktion.
Titel, die über das Sublabel Free League Workshop vertrieben werden – dazu zählen etwa MÖRK BORG oder OUTGUNNED – sind von der Aktion ausgeschlossen. Alle Angebote findet man unter https://freeleaguepublishing.com.
Wie ein Branchenveteran berichtet, hat Microsoft die Unterzeichnung neuer Deals für Drittanbieter-Spiele im Abonnement-Dienst »Game Pass« vorerst ausgesetzt. Die Entscheidung soll viele betroffene Entwicklerstudios völlig unvorbereitet getroffen haben, da diese ihre Finanzierung fest auf eine Aufnahme in den Katalog ausgerichtet hatten.
Die plötzliche Kursänderung bei Microsoft sorgt in der Spieleindustrie für erhebliche Verunsicherung. Nachdem der Game Pass lange Zeit als verlässlicher Partner für die Vorfinanzierung von Entwicklungsbudgets und als Instrument zur Sichtbarkeitssteigerung galt, fallen nun für viele Studios wichtige Einnahmequellen weg oder werden zumindest ungewiss.
Eine offizielle Bestätigung seitens Microsoft steht noch aus. Ob es sich bei dieser Maßnahme um eine vorübergehende strategische Neuausrichtung oder eine dauerhafte Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell handelt, bleibt derzeit offen. Für viele unabhängige Entwickler, deren Kalkulationen auf der Einbindung in den GAME PASS basieren, ist die aktuelle Situation existenzbedrohend.
Es ist das klassische Lehrbuchbeispiel für den schleichenden Prozess der Enshittification: Erst lockt man die Produzenten mit attraktiven Versprechen und günstigen Konditionen in das eigene Ökosystem, um sie dann, sobald die Abhängigkeit groß genug ist, wie heiße Kartoffeln fallen zu lassen. Diese übermäßige Branchenmacht erlaubt es Konzernen, nach Belieben den Stecker zu ziehen und die Studios stehen am Ende mit leeren Händen da. Einmal mehr zeigt sich, dass man sich auf die Launen der US-Tech-Riesen nicht verlassen sollte. Offenbar braucht Microsoft jeden Cent für KI-Slop, allerdings munkelt man (nicht nur) in der Branche derzeit auch darüber, ob Microsoft vielleicht komplett aus dem Konsolenmarkt aussteigt, da man gegen die Konkurrenz ohnehin nicht anstinken kann.
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Fenris Creations hat heute mit CYCLE 6: SANCTUARY ein neues Update für das Hardcore-Survival-MMO EVE FRONTIER veröffentlicht. Mit dem Update geht ein kompletter Server-Reset einher, der allen Spielern einen Neuanfang ermöglicht. Ergänzend zum Start bietet das Studio eine fünftägige Testphase für Interessierte an, die bisher keinen Zugang zum Founder-Programm hatten.
Das Update markiert eine grundlegende Neuausrichtung des Spielerlebnisses. Die Nutzer starten nun in einer überarbeiteten Anfangssequenz, die als Tutorial fungiert und die Überlebensmechaniken in der feindseligen Umgebung einführt. Zentral für das Gameplay in EVE FRONTIER ist ab sofort ein neues, modulares Schiffssystem. Die bisherigen festen Schiffsmodelle wurden durch ein Root-System ersetzt, bei dem Spieler ihr Schiff durch die Integration verschiedener Komponenten individuell spezialisieren können.
Auch die Umweltbedingungen wurden verschärft: Sterne agieren nun als aktive Gefahrenquellen, die bei direkter Aussetzung Hitze auf den Schiffshüllen aufbauen, was taktische Deckung hinter Trümmern oder Asteroiden notwendig macht. Die sogenannten Ferals, die KI-Gegner im Spiel, wurden ebenfalls überarbeitet und weisen nun ein dynamisches, unvorhersehbares Verhalten auf.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau der spielergesteuerten Wirtschaft. Durch die Einführung eines auf Treibstoff basierenden Systems soll Ressourcenknappheit simuliert werden. Treibstoff ist essentiell für Basen, Reisen und industrielle Prozesse. Passend dazu wurde der Cutting Laser als neues Werkzeug integriert, das manuelles Zielen erfordert und sowohl für den Abbau von Ressourcen als auch für den Kampf gegen Gegner und andere Schiffe genutzt werden kann.
Zudem lassen sich nun sogenannte »schlafende Tore« (dormant Gates) entdecken und reaktivieren, um abgelegene Gebiete miteinander zu verbinden. Weitere Informationen sind unter www.evefrontier.com zu finden.
Kann Spuren von Spoilern enthalten
(Seht ihn euch an, bevor ihr diese Kritik lest! Ich habe euch gewarnt!)
Wir erinnern uns: Das DC Cinematic Universe (wie hieß es noch gleich genau? Ich habs vergessen) von Zack Snyder war – mit wenigen Ausnahmen – alles in allem eher eine Aufeinanderfolge von Peinlichkeiten, als wirklich sehenswert. Weil das auch den hohen Herren bei Warner, den Rechteinhabern an Superman, Batman und Co, irgendwann dämmerte, witterte man Morgenluft, als James Gunn beim Maus-Haus aufgrund Manipulationen rechter Trolle in Ungnade gefallen war, und man heuerte ihn an, um DC-Helden im Kino so erfolgreich zu machen, wie dieses gewisse andere Comic-Universum.
Und es hätte alles so schön sein können, denn prinzipiell hatte Gunn mit drei GUARDIANS OF THE GALAXY-Filmen bewiesen, dass er es drauf hat. Und der SUPERMAN-Film ließ dann auch hoffen, dass es jetzt mit dem DC-Film-Universum bergauf gehen könnte, denn der wurde allgemein recht positiv aufgenommen, ebenso wie David Corenswet als der Kryptonier mit der roten Badehose, auch wenn ich fand, dass es gewisse Abzüge in der B‑Note gab.
Dass Gunn am Ruder (als Produzent, Regie führte Craig Gillespie) noch kein Garant für gute Filme ist, zeigt SUPERGIRL.
Ich habe noch einen Schrank voller DVDs- und Blu-rays, in dem die Video-Konserven stehen, die ich dort haben möchte, weil ich mich nicht darauf verlassen will, dass irgendein Streaming-Dienst sie morgen vielleicht noch im Programm hat – wird er nämlich nicht haben. Genau dieses Argument scheint inzwischen wieder mehr Leute zu überzeugen, denn ein britisches Presswerk meldet erstaunliche Zahlen.
Am 20. Juni 2026 wird die Blu-ray 20 Jahre alt. Pünktlich zum Jubiläum hat das britische Branchenmagazin TechRadar mit Kath Summersgill gesprochen, Joint Group Head of Sales bei Key Production Group, einem Hersteller, der eigentlich primär Vinyl, Kassetten und CDs fertigt, daneben aber eben auch Blu-rays und DVDs. Summersgills Aussage zur Auftragslage: ein Plus von über 10.000 Prozent bei Blu-ray-Bestellungen, insbesondere im Bereich Blu-ray Audio, gemessen über die letzten acht bis zehn Jahre. Für ein angeblich totes Format ist das eine ziemlich bemerkenswerte Hausnummer.
Belastbarer als die Zahlen eines einzelnen Presswerks sind die Daten der britischen Entertainment Retailers Association. Laut deren Jahresreport für 2025 ist der physische Videomarkt insgesamt zwar weiter geschrumpft, Blu-ray legte aber um drei Prozent zu, 4K-Blu-ray sogar um 19,5 Prozent. Bestverkaufte Scheibe des Jahres war WICKED. Steelbooks und Sondereditionen spielen dabei eine wachsende Rolle: Jede zehnte 4K-Blu-ray-Veröffentlichung kam 2025 als Steelbook oder Special Edition, und auf diese Editionen entfielen 20 Prozent des gesamten 4K-Blu-ray-Umsatzes in Großbritannien.
Warum das so ist, ist wahrlich kein Mysterium. Filme verschwinden ohne Vorwarnung aus den Streaming-Bibliotheken, wechseln zu Konkurrenten, bei denen man kein Abo hat, oder werden auch nach dem Kauf wieder einkassiert. Auf reddit gibt es regelmäßig Berichte von Leuten, denen gekaufte Filme bei Amazon Prime Video schlicht aus der Bibliothek verschwunden sind. Dazu kommt die völlige Abhängigkeit von der Internetverbindung. Wer schon mal versucht hat, einen 4K-Stream mit mäßiger deutscher Bandbreite zu schauen und stattdessen ein matschiges 720p-Bild mit Buffering-Pausen serviert bekam, weiß, wovon ich rede. Eine Scheibe im Player macht solche Probleme nicht. Und eben der zentrale Punkt: Man kann zwar theoretisch alle Marvel-Blockbuster bei Disney+ sehen, aber nur so lange, bis man das Abo kündigt. Auf Silberscheibe kann man sie nach dem Kauf jederzeit aus dem Schrank ziehen.
Summersgill zieht im Gespräch eine Parallele zum Vinyl, die auch einleuchtet: Niemand erwartet, dass Schallplatten oder Blu-rays das Streaming ersetzen, aber sie existieren daneben, weil sie etwas anderes bieten. Etwas, das man besitzt, anfassen und immer wieder abspielen kann, ohne dass eine Lizenzabteilung in Burbank oder Seattle darüber entscheidet, ob man das morgen noch darf.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die unabhängigen Labels, die hochwertige Restaurationen herausbringen und Filmen damit überhaupt erst einen Grund geben, im Regal zu landen. Criterion, Arrow Video, Kino Lorber, Shout Factory und das BFI bedienen ein Publikum, das nicht unbedingt den nächsten Marvel-Film konsumieren will, sondern eine sorgfältig restaurierte Fassung eines Klassikers in der bestmöglichen Bild- und Tonqualität. Genau dieses Publikum wächst offenbar wieder und das finde ich überaus erfreulich, denn das bedeutet, dass wir möglicherweise Klassiker in verbesserter Form bekommen können.
Sony und LG haben sich Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 aus dem Blu-ray-Player-Geschäft zurückgezogen, was als Sargnagel für das Format gehandelt wurde. Verbatim und I‑O Data haben dagegen erklärt, dass sie an der Disc festhalten. Wenn die Zahlen der ERA und die Auftragslage bei Presswerken stimmen, dann war das vielleicht keine Fehlentscheidung, sondern Realitätssinn. Zumindest ist die Lage der Blu-ray zum 20. Geburtstag deutlich besser, als die Abgesänge der letzten Jahre vermuten ließen. Und man bekommt nach wie vor nicht nur Player, sondern auch reichlich Medien; zudem wissen wir dass es äußerst umtriebige chinesische Anbieter gibt, die vermeintlich vorsintflutliche Medien wie CDs oder sogar Compact-Cassetten aus Coolness- und Lifestyle-Gründen mit neuen Playern versorgen (FiiO), ich bin sicher, dass aus der Quelle auch qualitativ hochwertige DVD und Blu-Ray-Abspieler kommen werden, wenn auch nur ein wenig Nachfrage besteht – und die wird bestehen.
Wie sagte schon Mark Twain: »Die Berichte über meinen Tod waren eine Übertreibung.«
Zur Meldung neulich, dass die BBC das DOCTOR WHO-Weihnachtsspecial gestrichen hat und Russell T Davies geht, passt ein Interview, das Davies kurz vorher der HuffPost UK gegeben hatte. Eigentlich ging es darin um sein neues Channel-4-Drama TIP TOE, das sich mit Online-Radikalisierung und Hass gegen LGBTQ+-Menschen beschäftigt. Im Rückblick und dem Zusammenhang mit DOCTOR WHO bekommen seine Aussagen eine neue Perspektive.
Davies sagt, der Hass im Netz gegen ihn habe in genau dem Moment angefangen, als er eine Trans-Figur in DOCTOR WHO eingeführt hat. Gemeint ist Rose, gespielt von Yasmin Finney aus HEARTSTOPPER, die 2023 in den 60-Jahre-Specials als Tochter von Donna Noble eingeführt wurde. Seitdem habe das nicht mehr aufgehört »mit Wahnsinnigen und Idioten« (Zitat Davis), und das schwappe inzwischen aus dem Netz in die reale Welt.
TIP TOE selbst behandelt genau diese Themen, mit Alan Cumming und David Morrissey als zwei Nachbarn, die in einer immer stärker polarisierten Gesellschaft aneinandergeraten. Davies sagt, er habe das schreiben müssen, weil er sehe, wie sehr Freund°Innen aus der queeren Community gerade unter Druck stehen.
Gegen den »woke«-Vorwurf, der reflexhaft seit seiner Rückkehr gegen die Serie geführt wird, hatte Davies sich schon letztes Jahr in der BBC gewehrt: Was die einen Diversität nennen, sei für ihn schlicht eine offene Tür, und er habe keine Sekunde Zeit für diese alberne Debatte. Im HuffPost-Interview geht es jetzt aber nicht mehr um die Serie, sondern darum, was die ganze Sache mit ihm persönlich gemacht hat.
Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausstieg und dem geschilderten Druck durch Rechte und Trolle stellen weder Davies noch die BBC her. Aber dass die Trollarmeen den Ausstieg als ihren Sieg feiern werden, ist absehbar. Und dass die Führungsetage bei der BCC dem Vernehmen nach deutlich konservativer und offenbar auch zumindest in teilen LGBTIQ+-feindlich geworden ist, geistert ebenfalls seit einiger Zeit durch die Communities, so dass ich persönlich durchaus Zusammenhänge sehen würde.
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