Diese Besprechung enthält definitiv gerührte und geschüttelte Spoiler. Aber keine Oliven.
Eigentlich wollte ich mir den neuesten Bond gar nicht im Kino ansehen. CASINO ROYALE und A QUANTUM OF SOLACE waren auch nur über den Beamer geflimmert und hatten mir nicht wirklich gefallen. Der Grund ist einfach: wenn ich einen Bond sehen möchte, möchte ich einen Bond sehen – und nicht einen einfachen Agentenfilm, denn davon gibt es ohnehin schon genug. Die beiden ersten Streifen mit Craig hatten für mich zu wenig mit dem zu tun, was man aus fast fünfzig Jahren 007-Film kennt, hätte man den Namen »Bond« gegen einen anderen ausgetauscht, hätte das kaum jemand bemerkt. Insbesondere störte mich die fast völlige Abwesenheit von Humor, weniger das Fehlen der für die Reihe typischen Tech-Gimmicks.
Als der Postbote mir einen neuen Fantasy-Roman aus dem Hause Knaur ins Haus brachte, erwartete ich nach einem Blick auf den Klappentext erst einmal Schlimmes. Denn eine Reise eines Protagonisten aus unserer (oder fast unserer) Realität in eine Fantasy-Welt ist nun wirklich ein alter Hut, egal ob es sich dabei um einen Autoren, eine Rollenspielrunde oder jemanden ganz anderen handelt (JOHN CARTER OF MARS, NARNIA, Die Chroniken von Thomas Covenant, Bannsänger, Flusswelt, Hüter der Flamme, um nur mal ein paar bekannte Beispiele zu nennen). In vielen Fällen geht der Ansatz aber leider gar fürchterlich ins Auge und es gibt haufenweise ganz, ganz üble Fanfiction in der Richtung.
Und so bereitete ich mich bereits innerlich auf einen Verriss des über 500 Seiten starken Ziegelsteins aus deutschen Landen vor, denn ich konnte mir kaum vorstellen, dass das was werden konnte. Doch meine Befürchtungen wurden nicht erfüllt und ich dafür freudig überrascht, denn der Roman ist wirklich gut.
Vorsicht! Auch bei der Besprechung dieses Buches lassen sich ein paar üble Spoiler nicht vermeiden!
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The Odd Life of Timothy Green – Bundesstart 08.11.2012
Cindy und Jim können keine eigenen Kinder bekommen. Nach einer langen Reihe von Untersuchungen ist die ärztliche Diagnose endgültig. Mit viel Wein und einem aufziehenden Sturm begraben sie wortwörtlich ihre Hoffnung hinter dem Haus. Ob Autor und Regisseur Peter Hedges einen erwachsenen Film für Kinder oder eine kindliche Fantasy für Erwachsene gemacht hat, wird eigentlich nie wirklich klar. Das WUNDERSAME LEBEN DES TIMOTHY GREEN funktioniert auf wundersame Weise auf allen Ebenen. Denn noch viel wundersamer ist, dass es keine unterschiedlichen Ebenen gibt.
Hedges hat seine Geschichte so liebevoll und geschickt verfasst, dass er Erwachsene und Kinder gar nicht unterschiedlich ansprechen muss. Er nimmt die Kleinen im Publikum so ernst, dass er ihnen viel mehr zutraut, als es andere Familienfilme wagen würden. Gleichzeitig verführt er die Großen zum Glauben an die Magie.
Vor einiger Zeit habe ich TÍR NA NÓG abgefeiert, den Phantastik-Roman von Sean O’Connell, der sowohl (und zuerst) als Hörbuch im Action-Verlag erschien und danach in zwei Bücher geteilt beim Acabus-Verlag.
TÍR NA NÓG war ein erfrischender Fund: ein Crossgenre-Mix, der sich den bei den Publikumsverlagen so beliebten Schubladen erfreulicherweise verschloss und trotz seiner zahllosen Versatzstücke aus diversen Genre-Spielarten dennoch homogen wirkte und nicht nur höchst lesbar sondern auch äußerst unterhaltsam war.
Umso gespannter war ich auf die Fortsetzung TÚATHA DÉ DANANN, leider fehlte mir allerdings die Zeit mich sofort ans Lesen zu begeben, als der erste Band des Zweiteilers erschienen war. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich nun beide gleich am Stück lesen konnte.
Warnung: diese Rezension enthält Spoiler. Ich versuche so etwas üblicherweise zu vermeiden, hier lässt sich das allerdings nicht ganz umgehen.
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Endlich können die unverbesserlichen Puristen und unbelehrbaren Besserwisser schweigen. James Bond ist im Dienste ihrer Majestät angekommen, wo ihn die modernen Kinoverbesserer und festgefahrenen Fanhorden gleichermaßen haben wollten. Der alte Bond ist zurück, und zeigt sich dabei in vollkommen modernem Gewand. Damit sind keineswegs die maßgeschneiderten Anzüge gemeint, sondern eine menschliche Entwicklung, welche bei CASINO ROYALE Erstaunen hervorrief und bei QUANTUM OF SOLACE mit trotziger Ablehnung aufgenommen wurde.
SKYFALL ist der Film, der alle vergangenen Ressentiments und angeblichen Schwächen zu rechtfertigen versteht. Dies ist genau der Weg, den die Ikone des Agentenfilms gehen musste, um erstarkt seinen Platz in der hart umkämpften Finanzwelt des Kinos zu behaupten. Dabei geht es nicht um das Geld als solches, sondern auch um die Chance für EON und die beteiligten Studios, dem begierigen Zuschauer mit Mut und Innovation handfeste und grundehrliche Unterhaltung zu bieten.
»Ich fand die Idee faszinierend, eine futuristische Welt mit der Ästhetik und Technik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu erschaffen.«
Airlord Karak, Admiral einer Luftschiff-Flotte, hat auf einer Expedition eine mächtige antike Kriegsmaschine entdeckt. Nachdem er den Flottenstützpunkt Wodnik 7 eingenommen hat, möchte er die Macht in der Republik Airia an sich reißen und den ganzen Kontinent in einen Krieg hineinziehen.
Polizeichefin Lura verbündet sich mit einer Schmugglerbande, um sich dem machtbesessenen Admiral in den Weg zu stellen.
Ich hatte bereits mehrfach über das Projekt AIRLORDS OF AIRIA berichtet, bei dem in letzter Konsequenz ein abendfüllender Steampunk-Spielfilm realisiert werden soll. Das Besondere daran ist, dass das Ganze aus deutschen Landen kommt, denn in Sachen Phantastik bekleckert sich die hiesige Film- und Fernsehbranche seit Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht eben mit Ruhm. Umso unterstützenswerter halte ich A.O.A. und deswegen habe ich nachdrücklich auf die Crowdfunding-Kampagne bei Startnext hingewiesen.
Das Fundraising wurde erfolgreich abgeschlossen, damit kann der Kurzfilm realisiert werden, der dazu dienen soll, Geldgeber und Produktionsfirmen zu überzeugen, einen vollständigen Spielfilm zu finanzieren. Falls also jemand ein paar Millionen übrig haben sollte …
Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, habe ich dem Macher hinter dem Projekt, Dirk Müller, einige Interviewfragen dazu, aber auch zu verwandten Themen gestellt.
Nach SCHLANGENFUTTER und SCHATTENSPIELE legt die Autorin Miriam Pharo mit PRÄLUDIUM den dritten Band um die Polizei-Sektion 3 der Metropole Hanseapolis vor. Erneut wird das Ermittlerteam Elias Kosloff und Louann Marino mit einem undurchsichtigen Fall konfrontiert und erneut müssen die Detectives feststellen, dass sich hinter einem vermeintlich simplen Verbrechen viel mehr verbirgt, als man angenommen hätte.
Ich war sehr gespannt, ob die Autorin in der Lage sein würde, die Qualität des vorangegangenen Doppelbandes halten zu können. Wobei in den ersten beiden Romanen eine Geschichte erzählt wird, im Falle von PRÄLUDIUM ist die Handlung abgeschlossen. Auch dieses Buch ist beim Acabus-Verlag erschienen.
SMALL WORLD von Days Of Wonder ist ein Brettspiel um Völker und deren Wettstreit um Ländereien. Wobei der Begriff weit gefasst wird, es sind neben Orks, Elben oder Halblingen auch Völker möglich, die aus Zauberern oder Hexenmeistern bestehen. Mit mehreren Spielern versucht man Felder eines Spielplans zu besetzen, die unterschiedliche Zonen darstellen, beispielsweise Gebirge, Äcker, Wald, Hügel oder auch Wasser.
Der Clou an der Sache: die gespielten Völker setzen sich aus einer Kombination von Volk und Eigenschaft zusammen. Das führt zu immer neuen Völkern mit immer neuen Eigenschaften und das macht das Spiel überaus dynamisch und kurzweilig und dank schräger Zusammenstellungen auch höchst witzig.
Von allen aktuellen Found-Footage-Thrillern bleibt die PARANORMAL-Reihe die intelligenteste und wirkungsvollste. Aber irgendwann ist selbst aus der besten Serie die Luft raus. Auf seine eigene Art, mit extrem langen Einstellungen extreme Spannung aufzubauen, hält auch der vierte Film sein Publikum auf höchstem Puls.
Oren Peli hat 2007 mit seinem Original einen Standard gesetzt, der zu seiner Zeit originell und in diesem Sub-Genre vollkommen neu war – aber irgendwann geht selbst der besten Serie die Luft aus. Erste Zeichen sind bei PARANORMAL ACTIVITY 4 schon zu bemerken, ohne allerdings den eigentlichen Film-Grusel wirklich zu beeinträchtigen. Doch ist den Machern anzuraten, den fünften Teil als abschließende Folge zu konzipieren. Neues können die Produzenten, Autoren und Regisseure dem treuen Publikum nicht bieten. Was sich mit Teil vier offenbart, sind geglückte Variationen der bisherigen Schreckensmomente.
Dracula, Frankenstein, Werwolf und der Unsichtbare. Für jeden Cineasten ein Geschenk des Himmels. Zusammen als unschlagbares Gespann. Die Hoffnung keimte auf, dass in einer Zeichentrickversion wieder gut gemacht werden könnte, was Filme wie VAN HELSING mit den Universal-Legenden falsch gemacht hatten. Hier ist es ein beschauliches Hotel in der unwirklichen Unwirklichkeit Transsilvaniens, das der Graf mit den spitzen Zähnen als Wellness-Oase führt. Nicht etwa um frischen Blut anzulocken, sondern seinen geschundenen Mit-Monstern eine Auszeit zu ermöglichen. Wo dieses zum Hotel umfunktionierte Schloss liegt, würde sich nie eine Menschenseele hin verirren, denn auch ein Monster braucht mal Ferien.
Nur der Graf höchstpersönlich bekommt keine Möglichkeit, mal durchzuatmen. Mit 118 Jahren wird seine Tochter Mavis langsam erwachsen und muss davon überzeugt werden, dass sie niemals die Nähe der Menschen suchen darf. Denn Menschen sind die wahren Monster, und so veranstaltet Dracula einiges an Theater um Mavis die Neugierde auszutreiben. Ausgerechnet durch das Spektakel bei einer dieser inszenierten Ablenkungsmanöver, gelangt der Rucksacktourist Jonathan in das Hotel. Und jetzt beginnen die eigentlichen Probleme des Grafen, den Jonathan und Mavis haben einiges füreinander übrig. Aber ein Mensch im Hotel würde die Gäste vertreiben.
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