Nachdem ich den ersten Band von John Scalzis Reihe um die Interdependency, ein Imperium in der fernen Zukunft, gelesen hatte, musste ich natürlich wissen, wie es mit den Abenteuern von Emperox Grayland II und den anderen Protagonisten angesichts des sicheren Untergangs ihrer Zivilisation weiter geht (kein Spoiler).
AD ASTRA: Deutschlandstart am 19. September 2019
Enthält am Ende Spoiler, ohne die man den Film nicht besprechen könnte
Schon die Trailer ließen vermuten, dass der Science Fiction-Film AD ASTRA nicht gerade der Actionkracher-Blockbuster werden würde, die ansonsten so die Kinos (und inzwischen auch die Fernseher) dominieren. Ein deutlich gealterter Brad Pitt spielt einen Astronauten in einer vergleichsweise nahen Zukunft, der sich auf den Weg macht, um seinen Vater zu suchen, ebenfalls ein Astronaut, der vor 30 Jahren auf einer Mission zum Neptun verschollen ist. Was dabei herauskam ist deutlich näher am Arthouse als am Blockbuster.
John Scalzi ist mir vom Namen her schon länger bekannt, unter anderem, weil er die SF-Parodie REDSHIRTS verfasste, gelesen hatte ich bisher aber noch nichts von ihm (REDSHIRTS war lange sehr teuer, deswegen hatte ich das Buch verweigert). Kürzlich stolperte ich bei einer Suche nach SF-Büchern über seinen Roman THE COLLAPSING EMPIRE und der Begriff »Space Opera« brachte mich zusammen mit der Buchbeschreibung und dem Sonderpreis von 1,49 Euro dazu, das Buch zu erwerben.
Ich wurde nicht enttäuscht und habe mir nach dem Ende des ersten auch gleich den zweiten gekauft.
Fluch und gleichzeitig Segen, das nennt man unter Filmfreunden Netflix. Der Segen ist die sofortige Verfügbarkeit vom Fernsehsessel aus. Dass es passieren kann sich doch einmal ins Kino bewegen zu müssen, um einen Film zeitnah erleben zu dürfen, könnte man als Fluch ansehen. Und doch ist es ein enormer Vorteil, dass einem in manchen Ländern doch die Möglichkeit gegeben wird, bestimmte Filme im Vorfeld im Kino präsentiert zu bekommen. Und in Deutschland ist es bei I AM MOTHER der Fall. Vielleicht nicht bewusst nach diesen Kriterien erkoren, rechtfertigt ausgerechnet das reduzierte Umfeld der Filmhandlung ein großes Bild, den maximal besten Raumklang und die Weite eines Auditoriums. Eigentlich ist I AM MOTHER etwas, das man Kammerspiel nennen könnte, weil sich eben die Reduktion auf alle Ebenen auswirkt. Das Set-Design, die Anzahl der Darsteller, selbst die Musikuntermalung. Aber alles zusammen ist stimmig und effizient.
Als Matt Cook das Drehbuch zu PATRIOTS DAY ablieferte, lag allein aufgrund des Titels der Verdacht nahe, einen nicht ernst zu nehmenden Film mit überproportioniertem Hurra-Enthusiasmus erleben zu müssen. Doch der Thriller um den Anschlag und die Jagd nach den Attentätern auf den Boston Marathon 2013 gestaltete sich als feinsinniger und spannender Einblick in die Zusammenarbeit und die verwobene Kompetenz von Polizeibehörden und Bundesagenten. Der Hauch amerikanischen Patriotismus hat sich der Film zurecht verdient, und war handlungstechnisch auch relevant. Wie jemand wie Matt Cook dann bei einem Drehbuch wie ANGEL HAS FALLEN derart daneben schreiben konnte, bleibt vollkommen rätselhaft. Natürlich waren noch Robert Mark Kamen und Regisseur Ric Roman Waugh mitbeteiligt, aber Cook hätte man mehr Gespür und auch Einfluss zugetraut.
Eine kleine Berichtigung, bevor weiterhin Missverständnisse verbreitet werden: In Amerika sind Einfamilienhäuser oftmals nicht mit Kellern gesegnet. Diese Häuser haben dafür einen sogenannten Crawl-Space zwischen Grund und dem Boden des Hauses. Hier verlaufen meist die Wasserleitungen und Abwasserrohre und können zwecks eventueller Reparaturen auf Knien erreicht werden. Gerade in Florida liegen die meisten Gebäude auf Meereshöhe oder darunter, da würden Keller nur ein ewig feuchtes Ärgernis sein. Das Haus von Dave und seiner Tochter liegt auf einer winzigen Steigung, weswegen ihr Crawl-Space etwas höher ausfällt, aber man darin noch immer nicht aufrecht stehen kann. Daher auch der Titel, der eben nicht auf Krokodile bezogen ist. Und Kritiker die mäkeln, es gäbe in Florida überhaupt keine Keller, haben zwar recht, sollten sich in Bezug auf den Film diesen auch erst einmal ansehen.
Eigentlich möchte man jemanden bei Disney-Deutschland knutschen, die wieder einmal einen Titel anders ins Deutsche übertragen haben. Aber dieses mal zurecht. Lässt man den Zusatz weg, hat man mit A TOY STORY die Batterien genau richtig eingesetzt. Und Zuschauer welche glauben die Reihe wäre längst beendet gewesen, die haben nicht Unrecht. TOY STORY 3 war der perfekte Abschluss einer perfekten Trilogie. Zweifel waren daher durchaus angebracht. Durch die Absenz der Nummer 4 eröffnen sich aber auch neue Möglichkeiten. Und mit seinen enormen Abständen zwischen den einzelnen Filmen konnten Woody, Buzz und der Rest der Spielzeugkiste mehr Kinder ins Erwachsenenalter begleiten als HARRY POTTER. Der Zauberlehrling brachte es zwar in zehn Jahren auf acht Filme, doch TOY STORY tobt nun schon 24 Jahre durch die Herzen aller Altersschichten. Das ist eben die Kunst von Pixar-Filmen: sie ziehen die Jungen von damals nicht nur mit, sondern gewinnen heutzutage durch ihre nun zu Eltern gewordenen Fans eine neue Gemeinschaft hinzu.
Voller Stolz verkündete Quentin Tarantino in Cannes, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio wären das beste Leinwandduo seit Newman und Redford. Das mag in den Augen von Tarantino so erscheinen, dazu müsste er aber selbst einmal Filme wie BUTCH CASSIDY AND THE SUNDANCE KID oder DER CLOU schreiben und inszenieren. Das hat er bisher nicht annähernd erreicht. Was Tarantino in seiner Filmografie fehlt, ist etwas Eigenständiges, etwas originell Neues. Das kann man – mit viel gutem Willen – dem Filmemacher bereits zugestehen. Das Eigene bei Tarantino ist sein unendlicher Zitatenschatz, den er sich zusammensetzt wie ein Spiel mit Bauklötzen. Bei ihm steht stets die Liebe zu Film, dessen Geschichte und seiner Industrie im Vordergrund. Jetzt ist Hollywood also direkt an der Reihe. Näher wird er der Traumfabrik wahrscheinlich auch nicht mehr kommen. Ebenfalls in Cannes soll er gesagt haben, ONCE UPON A TIME … IN HOLLYWOOD wäre sein Magnum Opus.
Da war ein kleiner Film. Relativ. Mit einem bescheidenen Budget von 38 Millionen Dollar. Es war ein einfacher Film, der dem Zuschauer erst gar nichts vormachen wollte. Und gerade deswegen richtig einschlug. Vin Diesel war auf dem sicheren Weg ein Star zu werden, und Paul Walker hatte auch das Zeug dazu, wurde aber allgemein noch nicht richtig wahrgenommen. Die nicht sehr tief gehende Geschichte fundierte auf einem Artikel von Kenneth Li für Vibe, der die Szene von Straßenrennen beleuchtet. Viel Tiefgang hatte der Film nicht, aber sehr viel Herz. Und das begeisterte alle Zuschauerschichten. Es gab Autorennen und Stunt-Sequenzen, die selbst einen Burschen wie den verrückten Hal Needham blass aussehen ließen. Kein Computer, sondern pure, reale Pferdestärken die der Schwerkraft und den Gesetzen der Physik widersprachen. 200 Millionen Dollar Budget später, war es kein kleiner, feiner Film mehr, THE FAST AND THE FURIOUS ist längst zu einem Markenzeichen geworden.
Das war ein Jahr, als man den Löwen frei ließ. Es war schon die Zeit, dass traditionell jeder Zeichentrickfilm von Disney als »neues Meisterwerk« angekündigt wurde. Und selten konnte das Versprechen gehalten werden. Wie auch, war man seit Walt Disneys Tod mehr an Masse anstatt auf Klasse eingestellt. Inflationsbereinigt waren weiterhin die wahren Klassiker führend. SCHNEEWITTCHEN bleibt vorerst der erfolgreichste Disney-Zeichentrickfilm, gefolgt von 101 DALMATINER. Doch dann kommt schon der König aus der Neuzeit, wieder nur mit Klassikern wie FANTASIA, DSCHUNGELBUCH und DORNRÖSCHEN hinten an. Von den erfolgreichsten Filmen, gemessen am amerikanischen Markt, belegt KÖNIG DER LÖWEN Platz 20. Heute feiert man großartig AVENGERS: ENDGAME, allerdings nach reinen Zahlen. Tatsächlich ist der jetzt als erfolgreichste Film aller Zeiten gepriesene ENDGAME nur auf Platz 16. Also gar nicht so schlecht für KÖNIG DER LÖWEN, einen 25 Jahre alten, handgezeichneten Kinderfilm.
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