Als neulich ruchbar wurde, dass die Tolino-Allianz (oder was noch davon übrig ist) eine Selfpublisher-Plattform ganz ähnlich wie Amazon ins Netz bringen will, wurde ich natürlich hellhörig. Ich hatte um Informationsmaterial gebeten und dieses auch bekommen. Da stand allerdings nicht mehr drin, also ohnehin bereits bekannt war. Deswegen fragte ich nach. Die Fragen und Antworten kann man im Folgenden lesen.
Bereits 1942 hat Isaac Asimov die drei Robotergesetze verfasst:
* Ein Roboter darf keinem Menschen Schaden zufügen, oder ihn zu Schaden kommen lassen.
* Ein Roboter muss dem Menschen gehorchen, es sei denn es widerspricht Regel Eins.
* Und schließlich muss der Roboter sich selber schützen, es sei denn es widerspricht der ersten oder zweiten Regel.
Diese Regeln sind nicht einfach nur Asimovs Überlegungen für seine Romane. Die Robotergesetze haben Einzug in alle Bereiche der Science Fiction gefunden,
bis zum heutigen Tag. Manchmal werden sie auch ignoriert, ab und an vielleicht variiert. Aber Asimov hat damit einen entscheidenden Einfluss auf das Genre gehabt. Und wer weiß, wie diese Gesetze in die wirkliche Robotik eingegangen sind. Gabe Ibáñez jedenfalls hat in seinem Film diese Vorgabe etwas abgekürzt und vereinfacht. Ein Roboter muss unter allen Umständen Menschen vor Schaden bewahren. Und ein Roboter darf sich niemals selbst reparieren oder modifizieren.
Adam Wingard ist genau der richtige Mann, um ein Publikum, wie das beim Fantasy Filmfest, in Verzückung zu versetzen. Zusammen mit Autoren-Kumpel Simon Barrett zaubert er immer wieder sehr abseitige Horror-Szenarien, die es in sich haben. Daher haben seine Filme es wirklich schwer ihr Publikum zu finden. Und ein großer Erfolg war auch THE GUEST nicht beschieden. Aber bei gerade einmal 58 Spielstätten und 40 Tagen Laufzeit kann der große Geldregen natürlich nicht einsetzen. Was Simon Barrett schreibt und Adam Wingard inszeniert, sind die Werke, die im Heimkino ihre Erfolge feiern. Ob das bei THE GUEST ebenso zutreffen wird, könnte vielleicht in Frage gestellt werden. Denn macht Adam Wingard sehr spezielle Filme, ist THE GUEST noch spezieller.
Ist der Titelvorspann mit dem Schrifttyp Albertus erstellt, dann haben die Macher meist etwas vor. Der Schrifttyp, den John Carpenter all seinen Filmen voranstellte. Und spätestens bei Steve Moores Elektronik-Soundtrack ist der Wink mit dem Zaunpfahl angekommen. Obwohl Moore schon eine sehr eigenständige Untermalung komponiert hat, kann man Reminiszenzen an Carpenters Kompositionen erkennen.
Vier Messetage in Leipzig, jede Menge Besucher am Stand und Adrenalin im Blut. Die genaue Zahl der Gespräche? Nicht zu ermitteln. Der Adrenalin-Pegel? Durchweg hoch! Vier Tage im Rausch, eine Woge der Freude, die nach der Messe eine Leere zurücklässt, wie sie wohl ein Sänger nach einem Konzert empfindet. Und so ein Messe-Stand ist wirklich eine Art Bühne. Nur Stagediving, das wäre nicht ratsam, der Aufprall wäre zu schmerzhaft. Denn der Star sind die Bücher, deren Autoren, nicht die Mitarbeiter am Stand. Das sind die Handlungsreisenden.
Einer dieser Handlungsreisenden war ich – zum ersten Mal am Stand des Fabylon-Verlags als Unterstützung von Uschi Zietsch und Gerald Jambor, den Verlagsgründern. Uschi ist als fleißige Autorin gleichzeitig das Gesicht des Verlags. Sie und ihr Mann waren angemessen im Steampunk-Stil gekleidet und machten auch optisch sofort deutlich, dass der Verlag »einen Faible fürs Fabelhafte« hat. Um nicht ganz abzufallen, hatte ich meine »Donald Duck«-Krawatte angelegt.
Seit zweihundert Jahren ist Chicago mit einem Zaun abgeriegelt. Jenseits des Zaunes ist Leben nicht möglich. Innerhalb des Zaunes gibt es fünf Fraktionen. Die Amite sind für die Lebensmittelversorgung zuständig. Die Ferox bilden die Schutzmacht. Wissenschaftler und Lehrer sind bei den Ken. Die niemals lügenden Candor verwalten das Rechtsystem. Die selbstaufopfernden Altruan stellen die eigentliche Regierung. Es ist eine Zukunft, in der niemand gegen seine Bestimmung ankommt. Ein Ferox ist immer ohne Angst und kampfbereit. So wie ein Candor niemals lügen kann, oder ein Altruan immer nur bis zur Selbstaufgabe dienend ist. Doch da sind noch die Unbestimmten, welche alle diese Tugenden in sich vereinen, und nicht nur nach einem einzigen Kodex leben. Unkontrollierbare Individuen, die dieser Gesellschaftsordnung schaden könnten. Und die den Ken vorstehende Jeanine setzt alles daran, diese Gesellschaftsordnung zu bewahren. Was zu einem Massaker führte. Aber vier als Rebellen verfolgte Ferox und Ken gelang die Flucht. Jetzt suchen die Heldin Tris, ihr Freund Four, der Bruder Caleb, und der niederträchtige Peter Zuflucht bei den äußerst friedfertigen Amite. Die Ruhe hält nicht lange an, denn die Schutztruppen der Ferox sind schlau, und machen die Flüchtigen ausfindig. Vielleicht sind sie auch nicht so schlau, aber der Film muss endlich mal in die Gänge kommen.
Autoren, die ihre Bücher selbst verfilmen, gibt es nicht oft. Fantasyfilme aus deutschen Landen sind sogar eher noch seltener. Und dann auch noch einer, der hinter ausländischen Produktionen nicht zurückstehen will? Der nicht bereits anderswo verfilmten Stoff wiederkäut? Einer, der unterhalten, aber gleichzeitig nicht völlig anspruchslos sein will? Der sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern soll?
Das klingt schon fast nach einer eierlegenden Wollmilchsau – Tommy Krappweis, Buchautor, Co-Drehbuchautor und Regisseur in einer Person, hat sich die Latte, die er überwinden möchte, nicht gerade niedrig gelegt.
Mit EX MACHINA und AUTOMATA ist dies der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit künstlichen Intelligenzen beschäftigt. Und Robotern, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Behandelt AUTOMATA mehr die Frage nach dem Recht der Selbstbestimmung von Robotern, stellt EX MACHINA die Frage, inwieweit das angenommene Bewusstsein nicht doch aus programmierten Aktionen besteht. CHAPPIE hingegen will alles, und darüber hinaus noch viel mehr. Er will Sozialkritik vertreten, ein knallharter Action-Film sein, sich als Darsteller-Kino präsentieren, und die Auswirkungen von künstlichen Intelligenzen beleuchten.
Und damit wollte Neill Blomkamp zu viel. In keiner seiner Absichten schafft es der Regisseur und Co-Autor in die Tiefe zu gehen, sondern sich nur in der Breite aufzustellen. Man könnte mit CHAPPIE den Karriereweg Neill Blomkamps, mit dem von M. Night Shyamalan gleichstellen. Auch wenn Shyamalan schon zwei kleine Filme gemacht hatte, bevor er mit der Kino-Sensation SIXTH SENSE Zuschauer und Kritiker in Euphorie versetzte. Hat er seitdem sieben weitere Kinofilme gemacht, war die Talfahrt eben verhältnismäßig geruhsam. Neill Blomkamp hat sich mit nur drei Filmen von ganz oben ins Mittelmaß und nun nach unten gearbeitet.
KINGSMAN: THE SECRET SERVICE – Bundesstart 12.03.2015
Ein geheimer Geheimdienst, und noble Männer, die noble Dinge tun. Niemandem untergeordnet, politisch unbeeinflusst. Einfach nur die Welt retten. Deswegen haben alle Kingsmen auch Namen der Ritter aus Camelot. Und als sich Lancelot bei einer spektakulären Weltenrettung für seine Mitstreiter opfert, weil das Wohl vieler über dem Wohl eines einzelnen steht, besteht Handlungsbedarf. Denn die Lücke muss geschlossen werden. Natürlich mit einem noblen Menschen, der noble Dinge tut. Danach sieht jetzt Gary ‘Eggsy’ Unwin nicht aus, ein Heißsporn der mittleren unteren Mittelklasse, der sich Reibereien mit den Ordnungshütern nicht verkneifen kann. Aber, Garry ‘Eggsy’ Unwins Vater trug einst den Namen Lancelot. Und da muss man kein Kino-Genie sein, um sich den Rest zusammenzureimen. Für Galahad ist er der verheißungsvollste Kandidat, einer Auswahl von möglichen Lancelot-Nachfolgern. Und während die jungen und gut aussehenden Menschen allerlei Aufgaben mit möglicher Todesfolge bestehen müssen, bereitet der Multi-Millionär Valentine einen undurchsichtigen Plot gegen die Menschheit vor. Die Kingsmen sehen sich vor ihre größte Herausforderung gestellt. Und da tut junges Blut in den eigenen Reihen auch ganz gut.
Tja, schade. Da hat man immer gedacht, Bücher unterscheiden sich von eBooks nur durch die Darreichungsform – und dann müssen einen doch tatsächlich die Damen und Herren vom Europäischen Gerichtshof eines Besseren belehren. Ich gehe stark davon aus, dass die Richter da üblicherweise Kugelschreiber jonglieren, sich das Internet von ihren Sekretärinnen ausdrucken lassen und länger überlegen, wie herum man eine Maus halten muss. Oder dass sie sich einfach an eine EU-Richtlinie halten mussten, was es nicht besser macht.
Was ist passiert, dass ich hier auf der virtuellen Palme sitze und mit grünen Flecken im Gesicht mit der Schnapsflasche wedle (sorry, aber ich muss mir das Urteil schönsaufen, schade um meine Leber)? In einem aktuellen Urteil entschieden die Richter vom Europäischen Gerichtshof, dass verminderte Mehrwertsteuersätze auf eBooks nicht zulässig sind. Auf Printbücher und Hörbücher fallen hierzulande sieben statt 19 Prozent MWSt an, weil Bücher ein kulturelles, zu unterstützendes Gut sind. Und wenn diese Bücher dann nicht mehr auf tote Bäume gedruckt, sondern stattdessen auf einem Bildschirm gelesen werden, dann sind sie keine Bücher mehr. Sondern Dienstleistungen. Und die haben keinen verminderten Satz.
Die Erklärung und Begründung dafür (Pressemitteilung des Gerichts, PDF) ist meiner Ansicht nach so dermaßen idiotisch, hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen, dass ich es kaum fassen und nur akute Realitätsverluste vermuten kann: eBooks sind laut der Richter keine »greifbaren Dinge«. Sie können erst zusammen mit einem eReader dargestellt werden. Deswegen stellen sie eine Dienstleistung dar, die erst auf dem Reader wie durch Magie zum Buch wird und deswegen fallen halt 19 Prozent MWSt an, wie bei Dienstleistungen üblich.
Ich war erst einmal sprachlos ob dieser Interpretation aus dem finstersten Mittelalter. Das ist an so vielen Stellen falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Buch verändert also seinen Status nach dem Medium, auf dem es dargeboten wird? Ernsthaft? ERNSTHAFT? Der Goethe ist nur auf Papier Kultur, auf einem Bildschirm isser so etwas ähnliches wie an den Tisch gebrachtes Gyros/Pommes mit Pils und Ouzo?
Für den Konsumenten ist der Unterschied nonexistent – am Ende liest man immer einen Text, ob nun auf Papier oder eInk (Junkies, die gern giftige Druckerschwärze schnüffeln, lassen wir an dieser Stelle mal außen vor, ebenso wie die »aber Papierbücher haben doch soooo eine tolle Haptik!!!einsölf!!«-Spinner). Dasselbe übrigens bei Hörbüchern: Wenn ich eins auf CD kaufe, zahle ich 7 Prozent USt, bei einem Download werden 19 % fällig. Will man bei den Organen der EU »moderne« Medien (die gemessen in Internet-Zeitaltern jedoch schon uralt sind) mit Gewalt unterdrücken? Will man gezielt dafür sorgen, dass Europa hinter dem Rest der Welt herschleicht, was Internet und verwandte Medien angeht? Will man Innovation als unerwünscht wegboxen? Oder sind die einfach nur bekloppt?
Die Ökobilanz von eBooks ist laut einer Studie deutlich besser als die von Printbüchern. Sie müssen nicht gedruckt werden, sie müssen nicht gelagert werden, sie müssen nicht mit Lastwagen von A nach B gekarrt werden. Alles prima für den CO2-Footprint und weniger Feinstaub in der Luft. Hatte sich nicht irgendwer Umweltfreundlichkeit auf die Fahne geschrieben? Ich komm jetzt nicht drauf, wer es war. Fängt mit E an und hört mit uropa auf. Ja. Ur-Opa passt irgendwie …
Und was ist mit der Buchpreisbindung? Ja, ich weiß, die allgemeine Lesart von Börsenverein und dessen Treuhändern ist, dass die auch für Medien gilt, die »im Prinzip so was ähnliches wie Bücher« sind (auf Legalesisch: »Preiszubinden sind solche E‑Bücher, die einem gedruckten Buch im Wesentlichen entsprechen«). Nach der Begründung des Gerichtes sind eBooks aber so lange gar keine Bücher, bis sie sich auf meinem eReader befinden, also im Moment des Kaufs noch nicht. Wäre ich Amazon, würde ich die Buchpreisbindung auf eBooks sofort in den Wind schießen, genau so argumentieren und die Abmahnungen und Klagen entspannt auf mich zukommen lassen. Die Kohle, ein paar Runden mit Justizia zu drehen, zahlt Jeff Bezos doch aus der Kaffeekasse. Irgendwann landet das dann vor genau demselben Gericht. Und dann müssen die Hosen runter. Und dann stellt sich raus, dass Amazon zwar keine 3% USt auf eBooks mehr nehmen darf (ist seit dem ersten Januar 2015 eh vorbei, aber das ist eine andere Gruselgeschichte), aber dafür die Preise beliebig festlegen kann. Und das schadet so ziemlich jedem – außer Amazon.
Abschließend möchte ich anmerken, dass ich in dieser Causa (Umsatzsteuer auf eBooks, nicht Buchpreisbindung) tatsächlich so ziemlich derselben Meinung wie der Börsenverein bin. Erschreckend …
Satire off. Nur zur Sicherheit. Nicht, dass sich noch irgendein europäisches Gericht angegriffen fühlt.
Der Forscher Montgomery Clyde erkundet das dunkelste Peru, und entdeckt dabei ein Paar bisher unbekannter peruanische Bären. Doch anstatt einen Bären für das Naturkundemuseum zu schießen, freundet Clyde sich mit dem Pärchen an. Er bringt ihnen bei, Marmelade zu kochen und Englisch zu reden. Und als es wieder Zeit ist, in die Zivilisation zurück zu kehren, verabschiedet er sich mit den Worten: »und wenn ihre jemals nach London kommt, habt ihr bei mir immer ein Zuhause«. Und was danach folgt, ist einer der ehrlichsten und herzerwärmendsten Familienfilme, den man seit langem im Haifischbecken von Mainstream-Produktionen erleben durfte. Keine nach den Eltern schielenden popkulturellen Anspielungen. Keine abgeflachte, Rücksicht nehmende Handlung. Keine übertriebenen Zugeständnisse an die Möglichkeiten des modernen Kinos. Natürlich verfügt PADDINGTON über erstklassige Spezialeffekte, aber die bleiben immer im Rahmen des Notwendigen. Üblicherweise sagt man: wenn computeranimierte Figuren besser sind als die Schauspieler, dann hat der Film ein Problem. Hier kann man getrost sagen, der Film hätte ein sehr großes Problem ohne seine künstlich erschaffene Figur.
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