Die virtuellen Spatzen pfeifen es von allen Netzdächern: Netflix hat Probleme. Zum einen melden gerade diverse Medien, die alle voneinander abschreiben (was ich hier streng genommen ebenfalls tue), dass sich kaum noch jemand zweite Staffeln von Serien ansieht. Beispielsweise geht offenbar gerade Season zwei von AVATAR – THE LAST AIRBENDER unter.
Das nächste Problem ist, dass Netflix offenbar die Abonnentinnen in Scharen weglaufen, das haben »Quellen« zumindest gegenüber dem Wall Street Journal gesagt.
Tja. Irgendwann sind die Zuschauerinnen halt nicht mehr gewillt, die Preiserhöhungen mitzumachen. Und die vergleichsweise langen Zeiträume, die zwischen den Staffeln vergehen, lassen möglicherweise das Interesse einfach schwinden. Dazu kommt, dass man die Zielgruppe darauf trainiert hat, sich Serien sofort am Stück ansehen zu können, das berühmte »Bingen«, und wenn man dann die Nutzer°Innen durch das Aufteilen der Inhalte dazu nötigen möchte, länger zu abonnieren, dann könnte es sein, dass denen das auffällt.
Ich selbst habe mein Netflix-Abo über Jahre durchlaufen lassen, es gab halt immer irgendwas zu sehen, unter anderem eben auch diverse STAR TREK-Serien. Im vergangenen Jahr hatte ich nach den letzten frechen Preiserhöhungen die Faxen aber dicke und habe gekündigt; nicht ausschließlich wegen des Preises, sondern auch weil Inhalte, die mich interessierten immer seltener wurden (weil die Anbieter die lieber auf ihren eigenen Diensten zeigen wollten). WEDNESDAY und STRANGER THINGS habe ich mir erst angesehen, als alles komplett vorhanden war und dann auch nur für einen Monat gezahlt. Seitdem nicht mehr, denn mich hat auch nichts bei Netflix wirklich interessiert. Die erste Staffel von AVATAR war zwar ganz nett. Aber eben nur das.
Die Goldgräberzeit des Streaming ist vorbei. Der Versuch, den Zuschauer°Innen zwanzig kostenpflichtige Dienste aufzudrücken, wenn man alles sehen wollte, war zum Scheitern verurteilt, auch wenn das die Nieten in Nadelstreifen mit Dollarzeichen in den Augen in den Studios nicht sehen wollten. Nebeneffekt: Das illegale Herunterladen von Inhalten hat wieder zugenommen, nachdem es zu Beginn der Streaming-Ära, als man alles für kleines Geld bekommen konnte, eingebrochen war.
Netflix hat jetzt zwei Pläne: Zum einen wollen sie Inhalte Dritter bündeln, man soll also Amazon Video-artig auch Content anderer Anbieter sehen können. Ich finde das nicht sonderlich originell, denn das gab es auch bereits in der Vergangenheit. Zudem müssten diese Anbieter dabei aber auch mitspielen. Die wollen allerdings lieber selbst Geld verdienen.
Zum anderen wollen sie dem Vernehmen nach ernsthaft einen linearen Dienst anbieten, ähnlich wie PlutoTV, der die Nutzer°Innen dann wieder zwingen würde, Sendungen zu bestimmten Uhrzeiten zu schauen. Wie bitte?
Und wir Dummerchen hatten gedacht, dass lineares Fernsehen was mittelalterliches ist, das nur noch Boomer nutzen …
Am Ende zeigt das wieder einmal, dass man als Nutzer°In eben doch Macht hat und dass man mit den Füßen abstimmen kann. Und das sollten wir alle vielleicht viel öfter tun, nicht nur bei Streamingdiensten.
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