Es geht soeben durch den virtuellen Blätterwald und durch die »Qualitätsmedien«: »Kleine Kinobetreiber« üben den Aufstand und wollen den Blockbuster AVENGERS – AGE OF ULTRON nicht zeigen (Vorsicht, Link zum Dummenblatt Focus). Warum das so ist? Kurzfassung: Weil Verleiher Disney mal kurz unilateral die Verträge aufgekündigt hat, und einen höheren Anteil an den Eintrittsgeldern will. Weil sie es können. Die Reaktion von inzwischen bundesweit bisher ungefähr 200 Kinos ist: Dann boykottieren wir den eben. Ätsch!
Das ist natürlich ein Mordsplan. Einen Film nicht anzubieten, der vermutlich einer der Top Acts in diesem Jahr sein wird. Ein weiterer ist DAS ERWACHEN DER MACHT, übrigens auch von Disney. Es können zwei Dinge passieren. Besucher gehen in ein anderes Kino -> keine Einnahmen. Gibt es kein anderes Kino in brauchbarer Nähe, wird der Film auf Tauschbörsen heruntergeladen -> keine Einnahmen.
THE PYRAMID – Bundesstart 16.04.2015. Die Besprechung basiert auf der englischsprachigen DVD-Fassung
In Kairo tobt der arabische Frühling. Ausländische Firmen evakuieren ihre Mitarbeiter. Auch eine archäologische Expedition 250 Meilen vor den Toren Kairos, soll aus Sicherheitsgründen das Land verlassen. Ausgerechnet als man dabei ist, eine kulturhistorische Sensation im Wüstensand zu erkunden. Und da Grégrory Levasseur als Expeditionsleiter mitmischt, glaubt man einiges erwarten zu dürfen. Levasseur gibt mit THE PYRAMID seinen Einstand im Regiewesen. Berüchtigte Berühmtheit erlangte er allerdings mit dem Drehbuch zu dem gnadenlosen Schocker HIGH TENSION, der trotz eines gewaltigen Logikfehlers noch immer ein absoluter Liebling bei Splatter-Fans ist. Später adaptierte er den Wes Craven-Klassiker THE HILLS HAVE EYES zu einer aktuelleren Variante, ebenfalls für den HIGH TENSION Regisseur Alexandre Aja. Kritisch in seiner Absicht aufgenommen, überzeugte HILLS HAVE EYES sein Zielpublikum dann doch. Genauso wie MIRRORS, den Levasseur für Aja vom koreanischen für ein westliches Publikum übertrug. Als Drehbuchgespann schossen sie dann den Vogel mit dem Drehbuch zu MANIAC ab. Natürlich empörte sich die Fan-Gemeinschaft darüber, dass William Lustigs Splatter-Klassiker neu verfilmt werden sollte. Das Resultat ließ dann doch sehr viele sehr schnell verstummen.
THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN – Bundesstart 09.04.2015
Texarkana ist eine fast 40.000 Einwohner zählende Zwillingsstadt, die genau auf der Grenze von Texas und Arkansas befindet. Selbstredend getrennt verwaltet. 1946 geschahen hier grausame Morde an jungen Pärchen, die irgendwo im Freien in ihren Automobilen alleine sein wollten. Ein Sprecher klärt uns auf, dass der als Phantom bekannte Mörder nie gefasst wurde. Weiter erzählt der Sprecher, dass 1976 ein Spielfilm vor Ort gedreht wurde, der die Morde und das Phantom zur Grundlage hatte. Anfangs war der Film nur ein mittelmäßiger Erfolg, generierte sich dann doch zum Kult-Klassiker. Und traditionell wird jedes Jahr zu Halloween, THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN in Texarkana einem begierigen Publikum vorgeführt. Nur Jami und Corey finden dieses Jahr keinen Gefallen an dem Film, und fahren lieber zum Händchenhalten in die Wälder. Nach 65 ereignislosen Jahren werden sie die ersten Opfers des Phantoms.
Filmemacherin Ana Lily Amirpour bezeichnet ihren Film werbewirksam als »den ersten iranischen Vampir-Western«. Das macht durchaus erst einmal neugierig. Und schließlich stutzig. Amirpour ist zwar iranischer Abstammung, aber in Großbritannien geboren, und später nach Kalifornien übergesiedelt. Blickt man tiefer, hat sie sogar diesen sogenannten iranischen Film auch in dem Nest Taft in Kalifornien inszeniert. Selbst Hauptdarstellerin Sheila Vand ist bereits in zweiter Generation Amerikanerin, und Hauptdarsteller Arash Marandi ist gar Deutscher. Was hat es also auf sich mit diesem provozierenden Blick nach Iran? Ana Lily Amirpour hat eigentlich keinen Horrorfilm gemacht,
und auch der Vampirfilm liegt ein wenig schwer im Magen. Und doch ist er beides in expliziter Vehemenz. Amirpour hat einen Kunstfilm geschaffen, der die Kunst in beiderlei Bedeutungen ausschöpft. Nichts in A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist einem natürlichen oder realistischen Fluss unterworfen, alles in allen Bereichen ist in offensichtlicher Künstlichkeit inszeniert. Und wie es inszeniert und zusammengestellt ist, das ist die große Kunst.
Über lange Zeit hat Evan seiner Mutter beim Sterben zugesehen. Mit stoischer Ruhe und tiefer Liebe ist er seiner Verantwortung nachgekommen. Und als es vorüber ist, verliert er ein wenig den Halt. Bei einer Auseinandersetzung in der Bar wo er als Koch arbeitet, schlägt er seinen Kontrahenten zusammen. Seinen Job kann er jetzt vergessen, und es kann nicht lange dauern, bis die Polizei vor seiner Tür stehen wird. Kurzerhand nimmt Evan den ersten verfügbaren Flug irgendwohin nach Europa, und es verschlägt ihn nach Italien. In Pompeij begegnet er der einheimischen Louise, die ihm ein eindeutiges Angebot macht.
Doch das verstört Evan, der tatsächlich erst einmal ein Date bevorzugen würde, damit aber abblitzt. Die beiden laufen sich allerdings immer wieder über den Weg, was schließlich zu einer herzlichen Romanze führt. Währenddessen hat Evan Arbeit bei einem gealterten Olivenbauern gefunden, der eine väterliche Rolle für ihn übernimmt. Wo Evan mit Oliven und Pilzbefall beschäftigt ist, hat Louise mit schwerwiegenderen Problemen zu kämpfen. Was immer sie in Wirklichkeit sein mag, sie will es Evan ersparen. Und als dieser doch hinter ihr Geheimnis kommt, kann nur die Liebe beiden Seelen helfen.
WELP / CUB – ab 24. April 2015 auf DVD & BlueRay, in Deutschland unter dem Titel CAMP EVIL
WELP ist der erste belgische Horrorfilm. Soweit sehr interessant, und es macht neugierig. Zugleich ist es das Langfilm-Debüt von Regisseur Jonas Govaerts, der auch am Drehbuch mitschrieb. Er erzählt die Geschichte von Sam, einem zwölfjährigen Außenseiter, der von allen nur schikaniert wird. Mit seiner Pfadfindergruppe geht Sam auf einen mehrtägigen Ausflug in die Wälder nahe der französischen Grenze. Nicht nur die Kameraden machen Sam das Leben schwer, der Schlimmste von allen ist Rudelführer Peter, der keine Gelegenheit auslässt, Sam zu demütigen. Als der zweite Rudelführer Chris am Lagerfeuer die Legende des Werwolfs Kai erzählt, ist es um Sam geschehen. Denn Sam hat den vermeintlichen Kai schon beobachtet, aber wer sollte ihm glauben. Und dann geschehen einige merkwürdige Dinge im und um das Pfadfinderlager. Immer wieder können die Vorkommnisse Sam in die Schuhe geschoben werden, während sich die Schlinge des Unheils immer enger zieht.
Wenn ein Kapitel beendet ist, bedeutet dies nicht das Ende des Buches. Aber fällt ein Zylinder aus, läuft der Wagen kaum noch auf Touren. Ein sehr trauriges Kapitel ist Paul Walker und sein plötzliches Ableben. Gerade als das Franchise FAST & FURIOUS auf Hochtouren lief, sehr gut im Rennen lag, und problemlos noch einiges an Strecke machen konnte. Wie es nun so unvermittelt weiter gehen kann, wird erst in Zukunft entschieden werden. Allerdings beißt sich die Schlange schon selbst in den Schwanz. Ausgerechnet die tragischen Umstände um die Produktion beschleunigen den Film auf der finanziellen Zielgeraden ins Schwindelerregende. Welcher Produzent würde da den Motor abwürgen? F&F 8 wird zwangsläufig eine Zerreißprobe, für die Macher genauso, wie für den begierigen Fan. Doch erst einmal zählt der gerade Rekorde brechende siebte Teil seine Runden.
Dies ist ein Filmdebüt, das für 160.000 australische Dollars gedreht wurde. So wird es zumindest behauptet. Denn was die Brüder Kiah und Tristan Roache-Turner hier auf die Leinwand zaubern, sieht unübertrieben nach einer Multi-Millionen-Dollar Produktion aus. Was bei einem Zombie-Film allein an Make-up ausgegeben werden muss, um sich nicht lächerlich zu machen, ist immens. Dass dann dieser geballte Horror lediglich für 160.000 finanziert wurde, kann man sich nicht vorstellen. Auch unter Berücksichtigung, dass Guerilla Films, so
nennen sich die Roache-Turner Brüder, über vier Jahre und nur an Wochenenden filmten. Aber sie lassen nichts vermissen. Gute Sets, vermeintlich aufwendige Locations, überzeugende Schauspieler, und ordentlich Action. Dies ist nach Optik und Inszenierung keine Produktion, die gerade einmal hinter dem Haus der Nachbarn gedreht wurde – WYRMWOOD ist ganz großes Kino. Und es ist eine Schande, dass der Film keinen deutschen Verleih gefunden hat.
TUSK – Über Frankreich auf DVD / BluRay, in Großbritannien ab 08.06.2015
Kevin Smith mag es ganz sicher kontrovers. MALLRATS oder CLERKS sind realistische Einblicke in Seelenwelten, die ehrlich und ungeschönt bleiben. DOGMA wollte provozieren, aber die Bibelgeschichte war dann am Ende doch zu brav. RED STATE hingegen ließ einen wirklich nicht unberührt, wenn sich eine fanatische Religionssekte an vermeintlichen Sündern vergeht. Michael Parks gab den Sektenführer mit einem Eifer, der über jeden Zweifel erhaben war. Parks als Psychopathen in TUSK zu besetzen, war daher die einzig logische Wahl. Ein Mann, der den äußerst erfolgreichen Podcaster Wallace Bryton in sein einsam gelegenes Haus locken kann, um ihm eine schier unglaubliche Lebensgeschichte zu erzählen.
Wallace und Teddy Craft können von ihrem Podcast gut leben. Der eine erlebt bizarre Geschichten und versucht diese während der Aufzeichnung seinem Gegenüber zu vermitteln, was oftmals zu aberwitzigen Dialogen führt. Ein Konzept, das aufgeht. Als allerdings ein Thema in Kanada wegbricht, kommt die an einer Toilettenwand angebrachte Einladung von Howard Howe gerade recht. Howe will sein Leben teilen, will es weitererzählen, zu schade, wenn diese Geschichten verloren gehen. Doch der Zuschauer weiß es besser. Diese Lebensoffenbarung dient einem ganz anderen Zweck.
Ich bin ein alter Science Fiction-Fan. Ich habe SF gelesen, lange bevor ich die Fantasy entdeckte und eigentlich – auch wenn es Fantasy gibt, die ich liebe – ist die SF nach wie vor mein Ding. Das ist der erste Punkt, den ich hier voranschicken muss.
Der Zweite ist wieder einmal, dass die Autorin Becky Chambers ihr Buch THE LONG WAY TO A SMALL, ANGRY PLANET ursprünglich nicht mit einem Verleger realisiert hat, sondern über eine Crowdfunding-Kampagne via Kickstarter im Jahr 2012. In der Rückschau wundert mich das auch kaum, denn es hat zu viele Parameter, bei denen sogenannte professionelle Verlage gern abwinken. Es ist unter anderem deutlich zu umfangreich und zudem noch gegen jede Menge vorgebliche Regeln der Schriftstellerei geschrieben. Und das ist eins der Probleme mit den großen Verlagen heutzutage: Da sitzen Leute, die meinen die Weisheit, wie man Bücher schreibt, mit schaufelgroßen Löffeln gefressen zu haben. Und wenn wir immer nur auf die hören würden, dann entwickelte sich das Schreiben nie weiter.
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