Grusel- oder Horrorstoffe sind abseits der Klassiker nicht so mein Ding. Allzu oft versuchen zeitgenössische Autoren mangelnde Phantasie durch Splatter zu ersetzen. Trotzdem, als mir Peter Clines THE BROKEN ROOM als »Cthulhu-Mythos-artig« empfohlen wurde, musste ich dann doch mal einen Blick darauf werfen.
Und das war auch gut so, denn die Leserin bekommt ein Roadmovie mit übernatürlichen Komponenten, das sehr lesenswert ist.
In jeder Hinsicht entzieht sich THE BATMAN einer Möglichkeit, als eigenständig und ohne abwägende Vergleiche betrachtet zu werden. Einen Film einem anderen gegenüberstellen, noch dazu wenn Genre und Charaktere identisch sind, führt meist zu einer suggestiven Parteinahme, selbst wenn diese überhaupt nicht beabsichtigt sein sollte. Eine objektive Betrachtung einzelner, essenzieller Elemente ist auf beiden Seiten nicht gewährleistet, das liegt in der Natur von Vergleichen und Abwägungen. Aber Matt Reeves‘ THE BATMAN fordert mit einer Vielzahl von inszenatorischen und strukturellen Aspekten zu einer künstlerischen Konfrontation heraus. Seit vierzehn Jahren plagt Feuilletonisten, Cineasten, Kritiker und den gemeinen Kinogänger die Frage, wie viele Superheldenfilme das Kino denn noch verträgt. THE BATMAN könnte einer der Gründe für eine negative Antwort sein.
Ich habe in meinem Leben schon so einige BATMAN-Interpretationen im Kino gesehen, angefangen mit Michael Keaton im Jahr 1989, der Fortsetzung (1992), dann Val Kilmer (1995), George Clooney (1997). Es folgte Christopher Nolans zu recht gefeierte Trilogie mit Christian Bale (2005, 2008 und 2012). Danach zog sich Batfleck 2016 in BATMAN V SUPERMAN und JUSTICE LEAGUE das Cape über – und obwohl es vorab viel Fankritik gab, fand ich, dass Affleck in der Rolle sogar noch das Gute an diesen Filmen war. Deswegen hielt ich mich für eine weitere Interpretation für gut gerüstet, das macht mich zwar nicht zu einem Batman-Spezialisten, aber zumindest habe ich hinreichend Vorkenntnisse zum Thema im Kino.
Als bekannt wurde, dass Robert Pattinson, für manche wohl auf immer als Glitzervampir gebrandmarkt, die Rolle in einem neuen Film übernehmen sollte, kochten etliche Fanseelen, offenbar traute man ihm den Caped Crusader nicht zu; ich hingegen hatte den Schauspieler inzwischen schon in so mancher Rolle gesehen und wusste, dass er deutlich mehr auf dem Kasten hat, als Schmusevampire und fand die Besetzung deswegen schon in Ordnung.
Es sagt einiges, wenn die Werbung für den neuen Hyundai im Cross-Promo mit UNCHARTED witziger und unterhaltsamer ist, als die 120 Millionen Dollar-Produktion selbst. Noch ist diese Adaption nicht nach einem der acht bereits erschienen Konsolenspiele von Naughty Dog umgesetzt, sondern versteht sich als etablierender Vorläufer. Das gibt den Filmemachern eine gute Gelegenheit verschiedene Dinge auszuprobieren und, im Falle einer fortführenden Reihe, eventuelle Schadensbegrenzung zu pflegen. Denn viele Hinweise lassen kaum Zweifel daran, dass ein zweiter Teil schließlich eine direkte Umsetzung des ersten Spiels UNCHARTED: DRAKE’S FORTUNE sein wird. Und Spiele-Nerds unterschieden sich in ihrer Pingeligkeit kaum von STAR TREK-Fans, oder dem BTS-Fandom. Während allzu freizügiger Umgang mit dem Ursprungsmaterial oft kleinlichen wirkenden Protest immer noch rechtfertigt, folgen aber Filmadaptionen immer noch ganz anderen Gesetzen. Bei Games noch viel schwieriger umzusetzen, als bei Buchvorlagen.
Mit Filmen nach Computerspielen ist das so eine Sache: Allzu oft blieben die hinter den Erwartungen zurück, nicht selten weil man derart viel Geld für die Lizenzen bezahlt hatte, dass offenbar nicht mehr genug für ein brauchbares Drehbuch übrig war. Sony hat diese Probleme mit UNCHARTED nicht, denn ihnen gehören die Rechte daran über Sony Online Entertainment ohnehin.
In der guten alten Zeit, die so gut tatsächlich nicht war, ging man ins Kino, ohne vorher schon alles über einen Film erfahren zu haben und machte sich selbst ein Bild. Das mag zwar heute in Teilen auch noch so gelten, aber üblicherweise erzählen uns Internet und Medien schon im Vorfeld, was ein Blockbuster zu sein hat und was nicht.
Dabei muss gar nicht alles auf Teufel komm raus als Blockbuster daher kommen und Milliardenerfolge an den Kinokassen einspielen.
Reicht es nicht auch mal, wenn ein Film die Zuschauerin gut unterhält?
So hat uns SPIDER-MAN: FAR FROM HOME zurückgelassen: Der Sensationsreporter J. Jonah Jameson hat mit einem Video der Welt offenbart, dass Peter Parker Spider-Man ist. Genau hier setzt NO WAY HOME an, denn der niederträchtige Jameson lässt Peter als den Mörder des angeblichen guten Mysterio erscheinen. Mit seiner Identität enthüllt und als Mörder beschimpft, wird Spider-Mans Tun und Parkers Privatleben zunehmend komplizierter, bisweilen unerträglich. Sein ganzes soziales Umfeld beginnt unter den falschen Anschuldigungen zu leiden, was die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zum Äußersten treibt. Der Mystiker Doctor Strange soll die Realität so verändern, dass niemand mehr die Identität von Spider-Man kennt. Und weil Peter Parker eben noch immer nicht der gefestigte, kluge und besonnene Superheld ist, bringt der sprunghafte Universitätsanwärter den Zauber von Strange mächtig durcheinander.
Ich weiß nicht, ob es irgendwo im Multiversum eine parallele Realität gibt, in der das Marvel Cinematic Universe nicht erfolgreich ist. Ich weiß auch nicht, ob es eine Realität gibt, in der SPIDER-MAN: NO WAY HOME ein Flop geworden ist. In unserem kleinen, beschaulichen Teil des Multiversums ist jedenfalls das Gegenteil der Fall, das kann man bereits jetzt eindeutig feststellen.
Vermutlich werden dennoch die Nörgler erneut zu vernehmen sein, die immer wieder Mal lautstark die Ansicht vertreten, das mit den Superhelden wäre jetzt aber wirklich mal über und müsse nun endlich und endgültig ein Ende finden.
Offensichtlich kennen die Marvel schlecht. Denn die können dasselbe Konzept, das seit Jahrzehnten in den Comics funktioniert, nämlich insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz äußerst dreidimensionale Superhelden immer wieder mal neu erfinden, um das Thema interessant zu halten, ganz offensichtlich auf das Medium Kino – oder besser: Bewegtbild – übertragen. Und sie haben eine schier unübersehbare Menge an Stoff auf den sie einfach nur zurückgreifen und ihn neu oder halbneu adaptieren müssen.
Die Zuschauer verlassen am Ende des Films den Saal. Sie sind nicht ganz so dumm, warten die ersten Titel mit den Namensnennungen noch ab, denn danach kommt nicht sehr überraschend eine überraschende Szene. Man kennt das mittlerweile, der Oha-Moment, der nichts bedeuten muss, aber die Nerds zu unheimlich viel Spekulation antreibt. Danach strömen die Zuschauer zum Ausgang und Hauptdarstellerin Mckenna Grace singt ihren selbstgeschriebenen Song »Haunted House« in Dolby Atmos. Ein breitschultriger Mann, der schon vor dem Film durch lautstarke Bemerkungen als Film-Buff aufgefallen war, informiert über den Filmton hinweg seine ebenso männliche Begleitung beim Hinausgehen, dass die Macher da ja alles richtig gemacht hätten. Sein Ton ist dabei extrem gönnerhaft, dass man versucht ist ebenso gönnerhaft hinterherzurufen, er würde gerade gar nichts richtig machen. Denn sechs Minuten später ist der gut besuchte große Saal fast leer und gerade einmal vier Zuschauer verfolgen nach dem Abspann eine sehr ausgedehnte und durchaus prägnante Szene.
Was hätte alles schief gehen können … GHOSTBUSTERS (1984) ist eine Film-Ikone aus den 1980ern und ältere Semester können heute noch die zahllosen zeitlosen Zitate runterrasseln, weil wir den Streifen gefühlt Millionen mal gesehen haben. Dan Aykroyd wollte schon lange eine Fortsetzung machen, aber irgendwie ist es nie dazu gekommen, unter anderem auch, weil Bill Murray sich immer geziert hat – und weil in Tinseltown niemand Geld locker machen wollte.
Und dann war da GHOSTBUSTERS aus dem Jahr 2016, der mir im Prinzip auch ganz gut gefallen hat, der allerdings eine Neuerfindung war und keine Forterzählung. Zudem hatte Regisseur Paul Feig zwar grundsätzlich verstanden, was GHOSTBUSTERS sind, aber am Ende nicht die eigentliche Essenz, das Herz, des Ganzen. Man sortierte ihn allenfalls unter »ganz nett« ein, aber es war nicht der große Wurf, den die Fans sich eigentlich gewünscht hatten. Und vor allem tauchten die alten Haudegen nur in Cameos auf, nicht in ihren damaligen Rollen.
Vermutlich musste mit Jason Reitman erst der Sohn des ursprünglichen Regisseurs antreten, um diese Fortsetzung 37 Jahre nach dem ersten tatsächlich in die Kinos zu bekommen, wenn auch aufgrund des Virus mit über einem Jahr Verspätung.
Auch die zweite Auflage der Addams Family verdient dickes Lob und Anerkennung für ihre Hochachtung gegenüber dem Zeichner Charles Addams. Die vollanimierte Weiterführung der gruseligen Familie könnte im Stil nicht besser umgesetzt sein. Hinzu kommt allerdings eine zeitgemäße Erweiterung zur Farbe. Doch wenigstens orientiert sich die Farbgebung an den unbestreitbar legendären Kinovorbildern von 1991 und ’93. Aussehen und anatomische Formen der Figuren sind exzellent. Das hätte Charles Addams zufrieden gestellt.
Aber womit Schöpfer Charles Addams sicherlich seine Schwierigkeiten gehabt hätte, ist das sinnfreie Weichspülen seiner schwarzhumorigen Grotesken. Schlimmer noch, vier Drehbuchautoren und zwei Regisseure versuchen es mit einer Geschichte, die vollkommen im Gegensatz zum Grundgedanken und Konzept der Addams Family steht. Die Spaltung eines unbeirrbaren Familiengefüges.
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