Autoren, die ihre Bücher selbst verfilmen, gibt es nicht oft. Fantasyfilme aus deutschen Landen sind sogar eher noch seltener. Und dann auch noch einer, der hinter ausländischen Produktionen nicht zurückstehen will? Der nicht bereits anderswo verfilmten Stoff wiederkäut? Einer, der unterhalten, aber gleichzeitig nicht völlig anspruchslos sein will? Der sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern soll?
Das klingt schon fast nach einer eierlegenden Wollmilchsau – Tommy Krappweis, Buchautor, Co-Drehbuchautor und Regisseur in einer Person, hat sich die Latte, die er überwinden möchte, nicht gerade niedrig gelegt.
Mit EX MACHINA und AUTOMATA ist dies der dritte Film innerhalb eines Jahres, der sich mit künstlichen Intelligenzen beschäftigt. Und Robotern, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln. Behandelt AUTOMATA mehr die Frage nach dem Recht der Selbstbestimmung von Robotern, stellt EX MACHINA die Frage, inwieweit das angenommene Bewusstsein nicht doch aus programmierten Aktionen besteht. CHAPPIE hingegen will alles, und darüber hinaus noch viel mehr. Er will Sozialkritik vertreten, ein knallharter Action-Film sein, sich als Darsteller-Kino präsentieren, und die Auswirkungen von künstlichen Intelligenzen beleuchten.
Und damit wollte Neill Blomkamp zu viel. In keiner seiner Absichten schafft es der Regisseur und Co-Autor in die Tiefe zu gehen, sondern sich nur in der Breite aufzustellen. Man könnte mit CHAPPIE den Karriereweg Neill Blomkamps, mit dem von M. Night Shyamalan gleichstellen. Auch wenn Shyamalan schon zwei kleine Filme gemacht hatte, bevor er mit der Kino-Sensation SIXTH SENSE Zuschauer und Kritiker in Euphorie versetzte. Hat er seitdem sieben weitere Kinofilme gemacht, war die Talfahrt eben verhältnismäßig geruhsam. Neill Blomkamp hat sich mit nur drei Filmen von ganz oben ins Mittelmaß und nun nach unten gearbeitet.
KINGSMAN: THE SECRET SERVICE – Bundesstart 12.03.2015
Ein geheimer Geheimdienst, und noble Männer, die noble Dinge tun. Niemandem untergeordnet, politisch unbeeinflusst. Einfach nur die Welt retten. Deswegen haben alle Kingsmen auch Namen der Ritter aus Camelot. Und als sich Lancelot bei einer spektakulären Weltenrettung für seine Mitstreiter opfert, weil das Wohl vieler über dem Wohl eines einzelnen steht, besteht Handlungsbedarf. Denn die Lücke muss geschlossen werden. Natürlich mit einem noblen Menschen, der noble Dinge tut. Danach sieht jetzt Gary ‘Eggsy’ Unwin nicht aus, ein Heißsporn der mittleren unteren Mittelklasse, der sich Reibereien mit den Ordnungshütern nicht verkneifen kann. Aber, Garry ‘Eggsy’ Unwins Vater trug einst den Namen Lancelot. Und da muss man kein Kino-Genie sein, um sich den Rest zusammenzureimen. Für Galahad ist er der verheißungsvollste Kandidat, einer Auswahl von möglichen Lancelot-Nachfolgern. Und während die jungen und gut aussehenden Menschen allerlei Aufgaben mit möglicher Todesfolge bestehen müssen, bereitet der Multi-Millionär Valentine einen undurchsichtigen Plot gegen die Menschheit vor. Die Kingsmen sehen sich vor ihre größte Herausforderung gestellt. Und da tut junges Blut in den eigenen Reihen auch ganz gut.
Der Forscher Montgomery Clyde erkundet das dunkelste Peru, und entdeckt dabei ein Paar bisher unbekannter peruanische Bären. Doch anstatt einen Bären für das Naturkundemuseum zu schießen, freundet Clyde sich mit dem Pärchen an. Er bringt ihnen bei, Marmelade zu kochen und Englisch zu reden. Und als es wieder Zeit ist, in die Zivilisation zurück zu kehren, verabschiedet er sich mit den Worten: »und wenn ihre jemals nach London kommt, habt ihr bei mir immer ein Zuhause«. Und was danach folgt, ist einer der ehrlichsten und herzerwärmendsten Familienfilme, den man seit langem im Haifischbecken von Mainstream-Produktionen erleben durfte. Keine nach den Eltern schielenden popkulturellen Anspielungen. Keine abgeflachte, Rücksicht nehmende Handlung. Keine übertriebenen Zugeständnisse an die Möglichkeiten des modernen Kinos. Natürlich verfügt PADDINGTON über erstklassige Spezialeffekte, aber die bleiben immer im Rahmen des Notwendigen. Üblicherweise sagt man: wenn computeranimierte Figuren besser sind als die Schauspieler, dann hat der Film ein Problem. Hier kann man getrost sagen, der Film hätte ein sehr großes Problem ohne seine künstlich erschaffene Figur.
Found Footage, das leidige Thema. Es mag ein Trend sein, alle möglichen und unmöglichen Situationen im eigenen Leben mit dem Smartphone festzuhalten. Aber beim Aussteigen aus dem Auto, auf dem Weg zu Schule? Wenn jemand zu seinem Tisch in der Cafeteria geht? Wenn man auf dem Dachboden mit dem Bruder nach Schätzen aus der Kindheit stöbert? Es ist so mühselig, und nicht nachvollziehbar. Warum Found Footage, wenn PROJECT ALMANAC als normal gedrehter und aufgelöster Film sogar ein sehr angenehmer Spaß geworden wäre? Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, aber sehr ärgerlich. Josh Trank hat mit CHRONICLE als einziger bewiesen, dass man das Format sehr schlau und auch gerechtfertigt einsetzen kann, wenn man die Vernunft und Logik in die Inszenierung mit einbezieht. Dean Israelite ist das bei PROJECT ALMANAC nicht gelungen, und einer vielversprechenden Prämisse, steht eine nicht nachvollziehbare Bildführung im Weg.
Es beginnt mit kleinen Wortfindungsstörungen, unauffällig und unproblematisch. Dass sie die neue Freundin des Sohnes zweimal hintereinander begrüßt, fällt kaum auf. Später wird sie perplex einen ihrer Vorträge unterbrechen, bis sie unvermittelt ihr Thema wiederfindet. Als schließlich der routinierte Jogging-Weg zu einem vollkommen fremden Ort wird, weiß Alice Howland dass ein Arztbesuch unausweichlich wird.
Fast 15 Millionen Menschen leiden weltweit an Alzheimer, was ungefähr 60 Prozent aller Demenzkrankheiten ausmacht. Bei der Altersgruppe der 65 jährigen sind etwa zwei Prozent von der Krankheit betroffen, um die Siebzig herum, sind es schon drei Prozent an Betroffenen. Alzheimer ist eine Krankheit des Alters, vornehmlich. Deshalb geht Alice mit dem unguten Gefühl zum Arzt, sie könnte einen Tumor oder eine Entzündung haben. Sie ist 50, erfolgreiche Sprachwissenschaftlerin, mit drei erwachsenen Kindern und einem treusorgenden Gatten. Das Leben hat es gut gemeint mit Alice Howland, und deswegen ist sie auch zuversichtlich, einen Tumor ohne weiteres überstehen zu können. Doch es gibt unrühmliche Ausnahmen in welchem Alter die Krankheit ausbricht. Und Alice gehört zu diesen Ausnahmen.
Bildgewaltig und mit allen technischen Finessen versehen, ist SEVENTH SON ein kurzweiliges Fantasy-Abenteuer, das nicht durch Originalität überzeugt, aber durch sein Bekenntnis zu den eigenen Restriktionen. SEVENTH SON will das Genre gar nicht neu erfinden, sondern sich in den Versatzstücken suhlen – und zumindest diese Rechnung ist aufgegangen.
Die Spooks sind ein alter Orden, der die Menschen vor allerlei bösen Auswüchsen beschützt. Leider ist der in die Jahre gekommene Gregory der vorerst letzte seiner Art, weil nur der siebte Sohn eines siebten Sohnes die Gabe hat, gegen Hexen, Gestaltwandler und Irrwichter zu bestehen. Und siebte Söhne sind leider selten geworden. Vor Jahren hatte Gregory die zerstörerische Hexe Malkin in ein Verlies verbannt, nun gelang ihr die Flucht, mit nichts weiter, als den Rachegedanken gegenüber dem Spook. Dabei kommt dessen Lehrling Bradley ums Leben. Doch in nicht all zu weiter Ferne gibt es den jungen unbedarften Farmerssohn Tom, einer der letzten siebten Söhne eines siebten Sohnes. Doch um einen Spook alles richtig beizubringen, bedarf es Jahre. Gregory ist auf Tom angewiesen, hat aber nur wenige Tage Zeit, ihn zu lehren. Denn dann wird Mutter Malkin alle boshaften, mörderischen Wesen loslassen, um Unheil über die Menschen zu bringen.
Mit THE MATRIX waren wahre Meister geboren. Andy und Larry, jetzt Lana, Wachowski revolutionierten das Mainstream-Kino, veränderten visuelle Stilmittel, und vervielfachten die Erzählebenen. Das ein oder andere Element war dem Arthouse-Kino lange nichts Fremdes mehr. Doch alles zusammen geballt auf das Popcorn-Publikum loszulassen, sprengte die Grenzen des bisher Zumutbaren. Herunter gebrochen, blieb MATRIX ein reduzierter Action-Film. Doch alles in seiner Inszenierung, Geschichte, Ausstattung, Visualisierung, Kostüme, Darsteller griff so perfekt ineinander, dass man das Genie hinter den Gebrüdern nicht leugnen konnte. Selbst als MATRIX RELOADED auf eher verhaltenen Jubel stieß, war es immer noch Matrix der Wachowskis, was zur Liebe fast schon verpflichtete. Der Absturz von MATRIX REVOLUTIONS war bitter für Filmwelt und Fans, konnte paradoxerweise aber nicht am Genie-Status rütteln. Es blieb immer noch Bullet-Time. Ein visueller Effekt, der erstmals 1967 bei der Anime-Serie SPEED RACER genutzt wurde. Genau der Film, mit dem die Wachowskis nach fünfjähriger Schaffenspause 2008 grandios scheiterten. Da musste man auf etwas zurückgreifen, das Anspruch versprach, visuell und konzeptionell die Grenzen sprengen würde, und den Intellekt herausforderte. Während das künstlerische Konzept von CLOUD ATLAS stürmischen Beifall fand, wurde er mit 130 Million Dollar weltweit trotzdem nicht, was man als Erfolg bezeichnen könnte.
Ein Film der die Welt ins Chaos stürzt. Jetzt können sich egoistische Imperialisten dieses miese Propagandawerk also auch in Deutschland ansehen. Und degenerierte Kino-Bonzen werden genug von dummen Zuschauern finden, die sich nicht zu blöd sind, diese einzige amerikanische Hetzparole auch noch zu bejubeln. Ist Japan schon so tief in den Schoß des westlichen Ausbeutertums gerutscht, dass Sony als eines seiner größten Firmen unreflektiert ein ganzes Volk, einen souveränen Staat denunziert und mit Schmutz bewerfen muss? Es ist an der Zeit, mit allen Mitteln gegen verleumderische Stimmen vorzugehen, die Lügengebilde wie dieses entwerfen – nur damit sich unmenschliche Individuen daran erfreuen können, die Demokratische Volksrepublik Korea und ihre aufrechten Bürger gedemütigt und misshandelt zu sehen. Da muss man für aufrechte Computerspezialisten dankbar sein, die wegen ihres Kampfes auch noch kriminell genannt werden, weil sie diesem diktatorischen Denunziantentum des Westens einen Riegel vorschieben wollten. Zum Leid der stolzen Nation von Nordkorea waren die gerechtfertigten Abfragen von Sonys elektronischen Speicher- und Rechenmedien nur leidlich erfolgreich. Hass schürende Weltmachtstrebende veröffentlichten das Schundwerk des gegenüber der amerikanischen Diktatur unterwürfigen Seth Rogen trotzdem. Aber durch selbst auferlegte, restriktive Maßnahmen, mit weit weniger finanziellen Erfolg. Ein heldenhafter Sieg für die stolze Nation der Demokratischen Volksrepublik Korea, die mit diesem Film begonnen hat, einen zitternden Westen langsam in die Knie zu zwingen.
PREDESTINATION – Seit 05. Februar 2015 im Handel
Eines muss man den Brüdern Michael und Peter Spierig lassen, sie nehmen sich die Zeit, die ein Film tatsächlich verdient. Mit UNDEAD und DAYBREAKERS ist dies seit 2003 erst ihr drittes Werk, obwohl sie durchaus das Zeug dazu hätten, im Pool der Großen zu schwimmen, und sich dort auch zu behaupten. Aber die Gebrüder Spierig sind genau die Filmemacher, die ein Genre-Publikum einfach braucht, um immer wieder einen Blick über den Tellerrand gegönnt zu bekommen. Und das wird regelmäßig besonders heikel, wenn es um Zeitreisen geht. Zeitreisen, das sind immer diese Geschichten, wo sich ganz schlaue Köpfe hervortun, die exakt erklären können, wo das Paradox oder der Fehler, oder das Paradox und gleichzeitige Fehler liegen. Und jedes noch so geartete Szenario einer Zeitreise kann begrüßt oder in Grund und Boden gestampft werden. Die Begründungen in den Ausführungen sind dabei stets mit Logik erklärt. Was wiederum andere Fragen aufwirft: Wie will jemand allen Ernstes ein theoretisches Phänomen mit Logik erklären? Führt zu einer weiteren Frage: Sind Zeitreisen wenigstens in der Theorie wissenschaftlich betrachtet möglich? Und so kann diese Diskussion endlos geführt werden. Letztendlich entscheidet das Publikum über jede Form von Paradoxen in Zeitreisen individuell damit, ob die Erzählung in seiner Inszenierung eine Akzeptanz zu vermitteln versteht.
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