Nach 42 Jahren im Filmgeschäft hat es Jackie Earle Haley doch einmal gewagt, selbst einen Film zu inszenieren. Erstaunlich, dass er sich dabei auf den Drehbuch-Debütanten Robert Lowell verließ. Aber Haley schien sich gedacht zu haben, auf alles oder nichts zu setzen. Letztendlich lag er damit nicht komplett daneben. CRIMINAL ACTIVITIES atmet ein bisschen die Atmosphäre einer Fingerübung, immer wieder gut, aber nicht ganz rund. Die Einflüsse der Werke von Matthew Vaughn und Guy Ritchie sind dabei unverkennbar. Aber auch das ist vollkommen in Ordnung. Lieber gut kopiert, als schlecht erfunden. CRIMINAL ACTIVITIES wird keine tiefen Spuren hinterlassen, sollte allerdings wahrgenommen werden.
BATMAN v SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE – Bundesstart 24.03.2016
Er ist so etwas wie der Heilsbringer für Warner und DC, schließlich hat Zack Snyder mit WATCHMEN einen der beeindruckensten Superheldenfilme inszeniert, und mit 300 eine völlig neue Testosteron-Ebene erschaffen. Nun war MAN OF STEEL nicht der gewünschte Anschluss an das Marvel-Cinematic-Universe geworden. Fans und Kritiker waren seltener gleichermaßen gespalten. Aber Warner hielt an Snyder fest, denn Milliarden Dollars werden mit Superheldenfilmen verdient, da kann die Initialzündung für DC nicht so weit weg sein. Zudem ist Snyder mit seinem Stil so weit von den Gefälligkeiten eines Joss WhedonMAN OF STEEL entfernt, dass DC in seinem eigenen filmischen Universum Marvel durchaus nicht mehr hinterher hecheln muss. Fortan ist Snyder auch Produzent bei künftigen Filmen. Acht sind bereits in Vorproduktion, SUICIDE SQUAD bereits in Nachbearbeitung. Man kann nur hoffen, dass die Rechnung aufgeht.
Barry Levinson war nie der Regisseur, der reine Komödien auf die Leinwand brachte. Es sind immer Dramen, auf einer Art die etwas lustiges haben, oder sich als menschliche Dramen aus anderen Genres heraus generieren. Wie bei dem Science Fiction Thriller SHPERE, oder der Polit-Farce MAN OF THE YEAR. Levinsons Meisterstück war sicherlich RAIN MAN. Aber selbst mit THE BAY konnte er dem ausgelutschten Sub-Genre des Found-Footage-Thrillers neue Aspekte abgewinnen. Er ist ein Regisseur, der mit Erwartungen und Atmosphäre spielen kann, was immer wieder dem Zuschauer entgegen kam. Mit ROCK THE KASBAH verhält es sich nicht anders. Ein Film mit Bill Murray muss einfach komisch sein, und genau dagegen geht Barry Levinson an. Aber trotzdem mit einem schelmischen Grinsen.
THE DIVERGENT SERIES: ALLEGIANT – Bundesstart 17.03.2016
Mit den Ausnahmen von DER PATE II und DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK sind die zweiten Teile einer Trilogie immer das ungeliebte Kind. Zum einen müssen sie die Erwartungshaltung aus dem ersten Teil erfüllen, aber dazu noch eine das Interesse haltende Brücke zum Abschluss bilden. Doch in den letzten Jahren hat sich noch etwas viel Schrecklicheres in den Produktionsbüros für den Kinogänger entwickelt. Es ist die Aufteilung des letzten Teiles in zwei einzelne Filme. Zugegeben, es hat bei HARRY POTTER noch funktioniert, aber auch Sinn gemacht. Niemand wollte nach zehn Jahren einfach so schnell Abschied vom Zauberlehrling nehmen, noch dazu gab das Ursprungsmaterial dieser Aufteilung durchaus Recht. Aber schon bei der folgenden TWILIGHT SAGA war die eigentliche Idee hinter diesem Vorgehen durchschaut, und als reine Geldschneiderei entlarvt.
ROOM – Bundesstart 17.03.2016
Die Besprechung basiert auf der amerikanischen BluRay-Fassung
Was vermisst ein Mensch, der in einem 16 Quadratmeter kleinen Raum geboren wurde, und dort aufwuchs, ohne das Wissen um eine Außenwelt? Wie entwickelt sich ein Mensch, der allein Kontakt mit seiner Mutter hat? Joy lebt seit sieben Jahren im Raum. Jack ist fünf Jahre alt. Kommt Old Nick in den Raum, muss sich Jack im Schrank verstecken und schlafend stellen. Wie entwickelt sich ein Mensch, der 16 Quadratmeter Raum als die einzig existierende Welt begreift?
Zuletzt war Regisseur Lenny Abrahamson mit FRANK im Arthouse-Kino begeistert aufgenommen worden. FRANK ist eine schräg inszenierte Mischung aus Drama und Komödie, mit äußerst skurrilen Charakteren, und viel Musik. Abrahamson wurde auf den Film SHORT TERM 12 aufmerksam gemacht, als die weibliche Hauptrolle für ROOM bereits zwischen Rooney Mara, Emma Watson und Shailene Woodley ausgehandelt wurde. In SHORT TERM 12 spielte Brie Larson die Hauptrolle.
TRUMBO – Bundesstart 10.03.2016
Die Besprechung basiert auf der amerikanischen DVD-Fassung
Die Hetzjagd begann 1946, als die Allianz zwischen Amerika und der Sowjetunion erstarb. Bereits 1941 hatte Walt Disney eine große Anzeige im Branchenblatt veröffentlicht, dass er Kommunisten für einen Streik in seinem Studio verantwortlich machte. Als man ein neues Feindbild gefunden hatte, schloss sich Schauspieler Ronald Reagan als Präsident der Schauspielergilde den Vorwürfen von Walt Disney an, in der Gilde würden »kommunistische Taktiken« die Runde machen. Eine erste schwarze Liste wurde vom Kongress in Washington veröffentlicht, in der bestimmte Schauspieler, Drehbuchautoren, und Regisseure als Kommunisten identifiziert wurden. Auch, weil diese unumwunden zugaben, Mitglieder der kommunistischen Partei zu sein. Filme waren zu der Zeit die einflussreichsten Propagandamittel. Aber sie waren auch ein großer Industriezweig geworden, und so fürchteten die Studios negative Berichterstattung und Auswirkungen auf ihre Filme, und feuerten alle gelisteten Personen. Die Paranoia hatte aber noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht.
Hier ist die Welt wieder in Ordnung. Menschen scheint es keine mehr zu geben, und Jäger und Beute leben in trauter Zweisamkeit. Allerdings wurden nicht alle Vorurteile aus der Gesellschaft geschafft. So haben es die weiblichen Bewohner von Zootopia nicht leicht, sich gegenüber männlichen Kollegen zu behaupten. Besonders als weiblicher Hase im Zootopia Police Departement, inmitten von Büffeln, Tigern und Nashörnern. Aber Judy Hopps hatte einen Traum, und den verwirklicht sie sich gerade. Das erste Beutetier bei der Polizei. Nach anstrengender Aufnahmeprüfung ist sie aber noch lange nicht am eigentlichen Ziel. Ihr wenig begeisterter Chef schickt Judy nicht zur Verbrechensbekämpfung, sondern zu den Falschparkern, Strafzettel schreiben. Aber noch ist der Zuschauer zu Gast im Hause Disney, und da bleibt kein ehrenvoller Traum unerfüllt.
SPOTLIGHT war 2015 der erste Film, der als Oscar-Kandidat gehandelt wurde. Das Glück ist solchen Filmen allerdings selten beschieden, starten sie doch so früh im Jahr, dass noch viel zu viele andere vielversprechende Kandidaten folgen, und sie dabei schnell aus dem Fokus geraten. Erste Stimmen verglichen SPOTLIGHT mit Alan J. Pakulas Meisterwerk ALL THE PRESIDENT’S MEN – DIE UNBESTECHLICHEN. Und es scheint nicht zu weit hergeholt zu sein, dass Filmemacher Tom McCarthy sich dieses Vorbild sehr genau zu Gemüte geführt hatte. Sachlich und ohne Sensationshascherei, aber über die Protagonisten doch sehr emotional auf den Zuschauer übertragen. Dabei geht es um den investigativen Journalismus. Als Woodward und Bernstein Mitte der Siebziger Nixon zu Fall brachten, war das noch eine Selbstverständlichkeit. Heute ist das kaum noch zu überblicken. Für angesehene Journalisten vielleicht, für den Konsumenten allerdings kaum. Zu viel wird zu schnell konsumiert. Sehr oft bleibt die Frage nach den Tatsachen, oder das Hinterfragen, auf der Strecke.
In Großbritannien steckt die Frauenbewegung 1912 noch immer in den Kinderschuhen. Frauen, die für das Wahlrecht protestieren, werden nicht ernst genommen und ausgelacht. SUFFRAGETTE hat sich unter der Führung von Sarah Gavron eines sehr schwierigen Themas angenommen. Denn die Geschichte der britischen Frauenrechtlerinnen hat keine einfach zu erzählende Handlung. Gavron musste aufpassen, nicht zu sentimental zu werden, aber dennoch Emotionen zu wahren. Zeitgleich sollte das Geschehen auch im richtigen Kontext seiner Zeit erzählt werden, um die Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.
Im Jahre 1912 ist Maud Watts 24 Jahre alt, als sie zum ersten Mal mit Aktionen der Suffragetten konfrontiert wird. Deren Anführerin Emmeline Pankhurst hat zur offenen Gewalt aufgerufen, und ist danach untergetaucht. Nun lacht die Männerwelt nicht mehr, sondern hat ein klares Feindbild. Selbst von anderen Frauen werden die Kämpferinnen fürs Wahlrecht geschmäht. Maud ist erst schockiert, später fasziniert. Worte haben längst ausgedient, und Gewalt wirkt wie die einzig logische Konsequenz. Eigentlich ungewollt wird Maude in die Bewegung hineingezogen. Das hat ungeahnte Auswirkungen auf ihr Familienleben und das soziale Umfeld. Maude Watts Schicksal wird zu einem Paradoxon. Sie muss sich viel mehr für die Suffragetten engagieren, um wieder Normalität erfahren zu dürfen.
Ende der Achtziger, als die Zeit der Videotheken auf ihrem Höhepunkt war, gab es ein Äquivalent zu »Netflix and Chill« und »Bingewatching«. Wir nannten es »Videoabend«.
Wir trafen uns in der Videothek, um vier Filme zu leihen: Drei davon wollen wir uns ansehen, der vierte war die Reserve für den Fall, dass einer der drei anderen sich als Mist herausstellen würde. Der Anspruch an die Filme war, dass sie nicht langweilen sollten.
Nicht langweilen konnte natürlich auch Trash und Exploitation, extra miese Effekte, übertriebene Kostüme und wildes Overacting. Es war die Zeit der Camp-Movies. Es gab unendlich viele dieser freiwilligen oder unfreiwilligen »Kultfilme«, die ihren Status nicht erreicht haben, weil sie vom professionellen Standpunkt kritischer Cineasten aus eine besonders herausragende Qualität erreichten. Eher im Gegenteil.
Hoch im Kurs standen bei uns klare Parodien wie Angriff der Killertomaten, Top Secret, Spaceballs, House oder unfreiwillig komische Direct-to-Video Produktionen wie Mutant und Strange Invaders. Hin und wieder auch die unzähligen Actionfilme, in denen nicht mal Jean Claude van Damme mitspielen wollte. Auch beliebt bei Jugendlichen damals waren natürlich möglichst eklige Horrorfilme. Die haben uns aber weniger interessiert, wir waren Freunde von Filmen, die möglichst viele coole oder dumme Zitate abwarfen.
Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies und von eingebundenen Skripten Dritter zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest (Navigation) oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst Du Dich damit einverstanden. Dann können auch Cookies von Drittanbietern wie Amazon, Youtube oder Google gesetzt werden. Wenn Du das nicht willst, solltest Du entweder nicht auf "Akzeptieren" klicken und die Seite nicht weiter nutzen, oder Deinen Browser im Inkognito-Modus betreiben, und/oder Anti-Tracking- und Scriptblocker-Plugins nutzen.
Mit einem Klick auf "Akzeptieren" werden zudem extern gehostete Javascripte freigeschaltet, die weitere Informationen, wie beispielsweise die IP-Adresse an Dritte weitergeben können. Welche Informationen das genau sind liegt nicht im Einflussbereich des Betreibers dieser Seite, das bitte bei den Anbietern (jQuery, Google, Youtube, Amazon, Twitter *) erfragen. Wer das nicht möchte, klickt nicht auf "akzeptieren" und verlässt die Seite.
Wer wer seine Identität im Web schützen will, nutzt Browser-Erweiterungen wie beispielsweise uBlock Origin oder ScriptBlock und kann dann Skripte und Tracking gezielt zulassen oder eben unterbinden.