Rezension

MORGEN HÖR ICH AUF – SCHÖNER SCHEIN

Promofoto "Morgen hör ich auf"

Als Dr. Nor­bert Himm­ler, der Pro­gramm­chef des ZDF, mit der Aus­sa­ge »Wir machen ein deut­sches BREAKING BAD« aus der ver­staub­ten öffent­lich-recht­li­chen Höh­le kam, blieb dem Fern­seh­zu­schau­er, der US- und bri­ti­sche Seri­en kennt eigent­lich nur eins: mit­lei­di­ges Hohn­la­chen. Denn deut­sche Pro­duk­tio­nen gera­de bei den öffent­lich-recht­li­chen Sen­dern zeich­nen sich durch alles aus, aber garan­tiert nicht durch Ori­gi­na­li­tät, Cool­ness und fri­sche Ideen. Eher durch abge­dro­sche­ne The­men, tau­send­fach kopier­te Kli­schee-Cha­rak­te­re und in den meis­ten Fäl­len gäh­nen­de Lan­ge­wei­le, also alles kom­plett anders als bei den auf­wän­dig pro­du­zier­ten und von Kri­ti­kern wie Fans gelob­ten aus­län­di­schen Seri­en. Es ist mir auch völ­lig schlei­er­haft, wie jemand in einer sol­chen Posi­ti­on eine der­art dum­me Aus­sa­ge machen kann, von der jeder weiß, dass sie in kei­nem Fall ein­ge­hal­ten wer­den kann, auch wenn natür­lich der Wer­be­ef­fekt eines sol­chen mar­ki­gen Spru­ches nicht unter­schätzt wer­den darf. Damit wird aber natür­lich eine Erwar­tungs­hal­tung und ein Druck auf die Krea­ti­ven erzeugt, die völ­lig unfair sind, denn hier­zu­lan­de ste­hen übli­cher­wei­se weder die tech­ni­schen noch die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung wie eben bei­spiels­wei­se für BREAKING BAD. Ich glau­be inten­siv, dass es mehr als genug Krea­ti­ve gibt, die so etwas den­noch schaf­fen könn­ten, aber die wer­den von den Ver­ant­wort­li­chen bei den Sen­dern ent­we­der igno­riert oder an einer ganz kur­zen Ket­te gehal­ten.

Und so hab ich mir die Pilo­t­epi­so­de von MORGEN HÖR ICH AUF dann mal ange­se­hen, ohne all­zu viel zu erwar­ten – aber meckern soll man eben erst, wenn man etwas gese­hen hat, nicht vor­her.

DIE PEANUTS – DER FILM

Poster Peanuts

THE PEANUTS MOVIE – Bun­des­start 23.12.2015

25 Jah­re nach ihrem letz­ten Kino­auf­tritt haben es die LITTLE FOLKS end­lich wie­der auf die Lein­wand geschafft. 65 Jah­re nach dem ers­ten Comic-Strip von Charles M. Schulz, und 50 Jah­re nach dem ers­ten Kurz­film. Schulz selbst benann­te sei­ne Rei­he L’IL FOLKS, nach Rech­te­pro­ble­men muss­te der Ver­lag aller­dings auf einen ande­ren Titel aus­wei­chen. Es hat den Comic-Zeich­ner nie glück­lich gemacht, so taucht der Titel PEANUTS auch nir­gend­wo auf, wo Schulz einen kon­kre­ten Ein­fluss dar­auf hat­te. Wie zum Bei­spiel bei den Kino­fil­men.

Seit 15 Jah­ren ist Schulz nun nicht mehr unter uns, und hin­ter­ließ eine Lücke, wel­che sein Sohn und der Enkel fül­len woll­ten. Zum Glück.

STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT

Poster The Force Awakens

STAR WARS: THE FORCE AWAKENS – Bun­des­start 17.12.2015

Nun ist es also voll­bracht. Vie­len Film­freun­den und Fans wird lan­ge ein Lächeln im Gesicht blei­ben. Feuil­le­to­nis­ten kön­nen wie­der über welt­frem­de Men­schen schrei­ben, die sich eine Ersatz­re­li­gi­on geschaf­fen haben. Doch die­se beson­ders in Deutsch­land immer wie­der selbst­er­nann­ten Kri­ti­ker für die Ver­nunft wer­den merk­lich weni­ger. Lang­sam erkennt man an, dass KRIEG DER STERNE kei­ne Spin­ne­rei ist, oder war, son­dern ein kul­tur­his­to­ri­sches Phä­no­men. Als Ste­ven Spiel­berg mit DER WEISSE HAI sozu­sa­gen den Block­bus­ter erfand, da wur­de der Weg frei für das alles über­la­gern­de Main­stream-Kino. Tent­po­les, Zelt­stan­gen, wie man in der Bran­che sagt. Ein Film der so kon­zi­piert ist, dass ein die größ­te Band­brei­te an Zuschau­ern anspre­chen­der Erfolg die klei­ne­ren und ris­kan­te­ren Pro­duk­tio­nen eines Stu­di­os finan­zi­ell mit auf­fan­gen konn­te. Vor KRIEG DER STERNE 1977 wuss­te man das noch nicht. Erst nach­dem das viel­fach abge­lehn­te Pro­jekt von Geor­ge Lucas  schließ­lich in die Kinos kam.

DAS ERWACHEN DER MACHT – Schwer subjektive Betrachtungen zu einem Sternenkrieg

Poster The Force Awakens

DAS ERWACHEN DER MACHT – deut­scher Kino­start am 17.12.2015

Vor­be­mer­kung: Das hier ist kei­ne Film­be­spre­chung im übli­chen Sin­ne. Dafür garan­tiert völ­lig spoi­ler­frei.

Im Jahr 1978 lief STAR WARS Epi­so­de IV im Kino, die heu­te als A NEW HOPE bekannt ist. Ich war damals zwölf Jah­re alt, und auch, wenn ich vor­her bereits SF-Fan gewe­sen war (und des­we­gen extrem heiß auf den Film), änder­te sich mit STAR WARS alles, danach war ich nicht mehr zu reso­zia­li­sie­ren, was Unter­hal­tung anging. Die danach fol­gen­den Epi­so­den waren ein wich­ti­ger Teil mei­ner Jugend und haben mich nach­hal­tig geprägt. Seit­dem hat STAR WARS mein Leben nie mehr wirk­lich ver­las­sen, irgend­was war immer, sei­en es Rol­len­spie­le (wie das legen­dä­re D6-Sys­tem von West End Games), die zahl­lo­sen Roma­ne aus der Rei­he, die heu­te »Legends« heißt, weil Lucas­Film das Expan­ded Uni­ver­se (glück­li­cher­wei­se) weg­ge­boxt hat, oder das MMO THE OLD REPUBLIC.

KNOCK KNOCK

Poster Knock Knock

KNOCK KNOCK – Bun­des­start 10.12.2015

Inner­halb kür­zes­ter Zeit hat sich Eli Roth an die Spit­ze des Hor­ror-Gen­res insze­niert. Irgend­wie scheint Roth omni­prä­sent im Kino ver­tre­ten zu sein. Tat­säch­lich hat der Regis­seur seit 2002 ledig­lich fünf Kino­fil­me gemacht, wobei CABIN FEVER  der ers­te war. Viel umtrie­bi­ger ist er hin­ge­gen als Pro­du­zent. Doch genau wie sei­ne Regie­ar­bei­ten tref­fen die von ihm mit pro­du­zier­ten Fil­me nicht immer den siche­ren Geschmack. Eher das Gegen­teil. Mal wer­den sei­ne Fil­me mil­de belä­chelt, manch­mal als Unsinn abge­tan, oder sie sind in ihren Moti­va­tio­nen frag­wür­dig. Was natür­lich nicht bedeu­tet, der Fil­me­ma­cher hät­te nicht auch eine treue Anhän­ger­schaft. Doch wie man das Skal­pell  auch dre­hen und wen­den mag, Eli Roth ist hier, er bleibt, und ist immer wie­der im Gespräch. Und jetzt hat er erst­ma­lig einen Thril­ler gedreht.

IM HERZEN DER SEE

Poster Heart Of The Sea

IN THE HEART OF THE SEA – Bun­des­start 26.11.2015

Die Geschich­te des Wal­fangschif­fes Essex war nicht »die« Inspi­ra­ti­on für Her­man Mel­vil­les MOBY DICK. Son­dern eines von meh­re­ren Ereig­nis­sen, wel­che Mel­ville zu sei­nem Erfolgs­ro­man inspi­rier­ten, und in den er die­ses mit ein­flie­ßen ließ. Das macht die Geschich­te von IM HERZEN DER SEE nur noch inter­es­san­ter, die letzt­end­lich auch als eine Art Pre­quel inter­pre­tiert wer­den könn­te. Ron Howard ist bekannt­lich einer der Regis­seu­re, der wah­re Bege­ben­hei­ten wie ein weit her­ge­hol­tes Spek­ta­kel an Erfin­dungs­reich­tum insze­nie­ren kann, um den Zuschau­er in best­mög­li­cher Form mit den Mit­teln des Kino zu unter­hal­ten. APOLLO 13, A BEAUTIFUL MIND, CINDERELLA MAN, FROST/​NIXON, und RUSH gin­gen IM HERZEN DER SEE vor­aus, und ver­deut­li­chen für den Ein­zel­nen ein­dring­lich, was er von die­sem Film zu erwar­ten hat.

ARLO & SPOT

Poster Arlo & Spot

THE GOOD DINOSAUR – Bun­des­start 26.11.2015

Vor 65 Mil­lio­nen Jah­ren war da die­ser Meteo­rit. Der hat­te eine Auf­ga­be, die er in die­sem Film ordent­lich ver­mas­selt. Er fliegt an der Erde vor­bei, was die Dino­sau­ri­er nur mit einem halb­her­zi­gen Blick wahr­neh­men. Die Evo­lu­ti­on kann unge­stört wei­ter­ge­hen. Und das ist doch eine wun­der­ba­re Geschich­te, gera­de für einen Film von Pix­ar. Eine ech­te Her­aus­for­de­rung. Die Her­aus­for­de­rung wur­de zu einer der wohl leid­ge­prüf­tes­ten Pro­duk­tio­nen aus dem Stu­dio, das mit TOY STORY oder OBEN Film­ge­schich­te schrieb. Sechs Jah­re war ARLO & SPOT in Pro­duk­ti­on. Der Regis­seur muss­te aus­ge­wech­selt wer­den. Das Dreh­buch erfuhr immer wie­der Über­ar­bei­tun­gen. Am Ende wur­de sogar noch ein­mal das gan­ze Kon­zept über­ar­bei­tet. Und gera­de in die­ser Zeit gab es eine dra­ma­ti­sche Umstruk­tu­rie­rung im eige­nen Haus. ARLO & SPOT war ein geprü­gel­tes Kind. Was man lei­der auch merkt.

BRIDGE OF SPIES – Der Unterhändler

Poster Bridge Of Spies

BRIDGE OF SPIES – Bun­des­start 26.011.2015

Wenn Ste­ven Spiel­berg einen his­to­risch begrün­de­ten Film dreht, dann ist die­ser stets ein per­fek­tes Kon­strukt aus dra­ma­tur­gi­schen Frei­hei­ten und geschicht­li­chen Fak­ten. Die Frei­hei­ten allein sind schon dem Medi­um geschul­det. Die Kunst von Dreh­buch und Regie ist es, nicht ein­fach nur alles har­mo­nisch zusam­men zu füh­ren, son­dern es auch davor zu bewah­ren, dass hin­ter­fragt wer­den muss. Spiel­berg hat die­se Gabe, und dar­über hin­aus lässt er stets den Kern der ursprüng­li­chen Geschich­te und die Kraft der eigent­li­chen Aus­sa­gen und Bedeu­tun­gen nie aus den Augen. Sie blei­ben das Herz­stück die­ser Fil­me. Und es ist das Herz­stück von BRIDGE OF SPIES.  Die mitt­ler­wei­le vier­te Zusam­men­ar­beit von Tom Hanks und Ste­ven Spiel­berg. Aber wie schon in PRIVATE RYAN und CATCH ME IF YOU CAN, tritt Hanks erneut in den Hin­ter­grund, um die eigent­li­che Geschich­te nur über­grei­fend zu beglei­ten.

THE GIFT

Poster The Gift

THE GIFT – Bun­des­start 26.11.2015

Die Bespre­chung basiert auf der ame­ri­ka­ni­schen Blu­Ray-Fas­sung in eng­li­scher Spra­che.

Die Kar­rie­re von Joel Edger­ton ist ähn­lich der Erschei­nung von Jes­si­ca Chas­tain. Ein Schau­spie­ler, der durch­aus eini­ges zu tun hat­te, aber nie wirk­lich groß auf­fiel. Doch auf ein­mal ist er da, und auf jeder­manns Radar. Bei Edger­ton war es sicher­lich WARRIOR, der aller­dings von Tom Har­dy domi­niert wur­de. Aber der Schau­spie­ler ist nun eine fes­te Grö­ße im Busi­ness. Nicht unbe­dingt der Anfüh­rer. Ob bei EXODUS, oder BLACK MASS, wird Joel Edger­ton immer wie­der in die zwei­te Rei­he ver­wie­sen. Sei­ne Dar­stel­lun­gen über­zeu­gen den­noch und ste­chen her­vor. Und dabei geht voll­kom­men ver­lo­ren, dass Edger­ton im Film­ge­schäft schon viel län­ger höchst umtrie­big ist. Sei­ne ers­ten Regie-Arbei­ten waren zwei Kurz­fil­me, die in ent­spre­chen­den Krei­sen gro­ße Aner­ken­nung erfuh­ren. Es war also längst über­fäl­lig, dass sich Joel Edger­ton auf der gro­ßen Lein­wand etwas groß­zü­gi­ger aus­to­ben durf­te. Er schrieb, pro­du­zier­te und insze­nier­te THE GIFT. Ein Thril­ler, bei dem er sich trotz aller Mög­lich­kei­ten, selbst wie­der in die zwei­te Rei­he setz­te.

Philip P. Peterson – PARADOX – Gewinner des Kindle Storyteller Awards

Cover Paradox

Mit Phil­ip P. Peter­sons PARADOX hat ein Sci­ence Fic­tion-Roman hat den Kind­le Sto­rytel­ler Award gewon­nen. Das freut natür­lich ins­be­son­de­re des­we­gen, weil die SF in etli­chen mir bekann­ten Buch­hand­lun­gen inzwi­schen äußerst stief­müt­ter­lich behan­delt wird, sprich: man ent­spre­chen­de Lite­ra­tur zwi­schen Vam­pirsch­monz und Roman­t­a­sy fast nicht mehr fin­det.

Da freut man sich natür­lich über die Aus­zeich­nung eines Romans aus eben jenem Gen­re umso mehr, auch wenn es um die Ver­lei­hung zahl­lo­se Mythen und Gemot­ze gibt, deren Wahr­heits­ge­halt man schwer bis nicht nach­voll­zie­hen kann. Aber wen inter­es­siert das, wenn das Buch lesens­wert ist. Ist es das denn?

Hin­weis: Die nach­fol­gen­de Bespre­chung ent­hält Spoi­ler. Zum einen, weil der Wer­be­text wel­che ent­hält. Zum ande­ren wegen des Endes, aber das ist ein eher klei­ner.

Nach oben scrollen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies und von eingebundenen Skripten Dritter zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest (Navigation) oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst Du Dich damit einverstanden. Dann können auch Cookies von Drittanbietern wie Amazon, Youtube oder Google gesetzt werden. Wenn Du das nicht willst, solltest Du entweder nicht auf "Akzeptieren" klicken und die Seite nicht weiter nutzen, oder Deinen Browser im Inkognito-Modus betreiben, und/oder Anti-Tracking- und Scriptblocker-Plugins nutzen.

Mit einem Klick auf "Akzeptieren" werden zudem extern gehostete Javascripte freigeschaltet, die weitere Informationen, wie beispielsweise die IP-Adresse an Dritte weitergeben können. Welche Informationen das genau sind liegt nicht im Einflussbereich des Betreibers dieser Seite, das bitte bei den Anbietern (jQuery, Google, Youtube, Amazon, Twitter *) erfragen. Wer das nicht möchte, klickt nicht auf "akzeptieren" und verlässt die Seite.

Wer wer seine Identität im Web schützen will, nutzt Browser-Erweiterungen wie beispielsweise uBlock Origin oder ScriptBlock und kann dann Skripte und Tracking gezielt zulassen oder eben unterbinden.

* genauer: eingebettete Tweets, eingebundene jQuery-Bibliotheken, Amazon Artikel-Widgets, Youtube-Videos, Vimeo-Videos

Schließen