Film, TV & Stream

A WORLD BEYOND

Poster A World Beyond

TOMORROWLAND – Bun­des­start 21.05.2015

Bevor die Tira­de wie­der anfängt, die bei die­sem The­ma immer wie­der ger­ne zuta­ge tritt: Dis­ney muss­te in Euro­pa wegen des gleich­na­mi­gen Musik-Fes­ti­vals den Titel des Fil­mes ändern. Und man kann über A WORLD BEYOND nicht wirk­lich meckern, denn das trifft den Kern der Geschich­te eigent­lich sehr genau. Die­ser Kern ist die jun­ge Casey, tech­nik­be­geis­tert und vol­ler Hoff­nung auf die Zukunft, die sich mit Hil­fe eines mys­te­riö­sen Anste­ckers in zwei ver­schie­de­nen Wel­ten bewe­gen kann. Die eine ist das rea­le Hier und Jetzt, die ande­re Tomor­row­land, eine strah­len­de Zukunft. Unter­stützt wird sie dabei von der undurch­sich­ti­gen Athe­na, ein eigent­lich viel zu jun­ges Mäd­chen, aller­dings mit beson­de­ren Fähig­kei­ten. Athe­na will Casey mit dem mis­an­thro­pi­schen, und äußerst pes­si­mis­ti­schen Frank Wal­lace zusam­men brin­gen. Frank will aller­dings nichts mit Casey zu tun haben, ihr uner­schüt­ter­li­cher Glau­be an die Mensch­heit widert ihn eher an. Wie sich her­aus­stellt, war Frank selbst schon in Tomor­row­land, wur­de von dort aller­dings ver­bannt. Jetzt hat Frank mit Hil­fe von Zukunfts­tech­no­lo­gie her­aus­ge­fun­den, dass unse­re Zivi­li­sa­ti­on nur noch weni­ge Tage hat, bis sie sich aus noch unbe­kann­ten Grün­den selbst zer­stö­ren wird. Und Casey könn­te das ver­hin­dern, nur weiß kei­ner der Betei­lig­ten genau, wie das funk­tio­nie­ren soll.

EX MACHINA

Poster Ex Machina

EX MACHINA – Bun­des­start 23.04.2015

In nur zwei Minu­ten hat der Regie-Debü­tant Alex Gar­land die Expo­si­ti­on erzählt, und sei­nen Prot­ago­nis­ten dort­hin gebracht, wo er die noch aus­ste­hen­de Lauf­zeit ver­brin­gen wird. Näm­lich im Kern der Geschich­te. Der offen­sicht­li­che Pro­gram­mie­rer Caleb hat schein­bar bei einer Lot­te­rie gewon­nen. Die raum­na­he arbei­ten­den Kol­le­gen gra­tu­lie­ren ihm begeis­tert. Es scheint ein fir­men­in­ter­nes Gewinn­spiel gewe­sen zu sein, und noch dazu ein gro­ßes Ding. Dann fliegt ein Hub­schrau­ber über gran­dio­se, unbe­rühr­te Land­schaf­ten. »Wann kom­men wir zu sei­nen Län­de­rei­en«, fragt Caleb. Der Pilot lächelt, »wir flie­gen schon seit zwei Stun­den dar­über«. Es ist der ers­te Dia­log in EX MACHINA. Was aus den ers­ten zwei Minu­ten nicht voll­kom­men schlüs­sig wur­de, wird spä­ter äußerst geschickt in den Dia­lo­gen auf­ge­fan­gen und erklärt. Alex Gar­land weiß also, wie man Geschich­ten erzählt, wie man eine Hand­lung struk­tu­riert. Span­nung ent­steht bei Gar­land nicht aus der Situa­ti­on, son­dern durch die Erzähl­form.

DER BABADOOK

Poster Babadook

THE BABADOOK – Bun­des­start 07.05.2015. Die Bespre­chung basiert auf der eng­li­schen DVD-Fas­sung

Viel Neu­es kann Jen­ni­fer Kent in ihrem Spiel­film-Debüt dem Zuschau­er nicht bie­ten. Und doch zeigt DER BABADOOK immer wie­der ein gewis­ses Etwas, was ihn zu einem der ange­se­hens­ten Hor­ror­fil­me der letz­ten Jah­re wer­den ließ. Ober­fläch­lich gese­hen scheint die­ses Lob nicht nur über­trie­ben, son­dern über­haupt nicht gerecht­fer­tigt. Ein allein­er­zie­hen­de Mut­ter, die ihren Mann bei einem Unfall ver­lo­ren hat. Ein Kind, das von Mons­tern unter dem Bett über­zeugt ist. Die ers­ten, noch nicht ernst zu neh­men­den, Anzei­chen eines über­na­tür­li­chen Ein­dring­lings. Schließ­lich der aus­sichts­los schei­nen­de Kampf gegen den Ter­ror. Und dann eine Auf­lö­sung mit Mit­teln, wie sie lan­ge vor­her­ge­sagt, aber zuerst als Unsinn abge­tan wur­den. Jen­ni­fer Kent reiht die Stan­dards anein­an­der, wel­che schon lan­ge die Eck­pfei­ler von oft gese­he­ner, aber soli­der Gru­sel-Unter­hal­tung bil­den.

Auf DVD & BluRay: THE HOUSE AT THE END OF TIME

Poster

LA CASA DEL FIN DE LOS TIEMPOS –  auf Blu­Ray /​ DVD

Nach drei­ßig Jah­ren Gefäng­nis kommt Dul­ce als alte Frau zurück in ihre lang­sam ver­fal­len­de Kolo­ni­al­vil­la. Sie soll ihren Mann ermor­det haben. Obwohl Dul­ce das Mes­ser nie anfass­te, waren ihre Fin­ger­ab­drü­cke dar­auf zu fin­den. Und auch Blut ihres Soh­nes Leo­pol­do fand man, aber kei­ne Lei­che.

In Rück­blen­den erzählt Dreh­buch­au­tor und Regis­seur Ale­jan­dro Hidal­go die schreck­li­chen und über­na­tür­li­chen Ereig­nis­se im Haus, die zur Ver­haf­tung von Dul­ce führ­ten. Und Ale­jan­dro Hidal­go hat dabei nur von den bes­ten Vor­bil­dern gelernt. Dass er den­noch das Grau­en nicht neu erfin­det ist allein über 100 Jah­re Kino­ge­schich­te geschul­det. Auch in die­sem Gen­re han­gelt man sich von Varia­ti­on zu Varia­ti­on, und HOUSE AT THE END OF TIME ist da kei­ne Aus­nah­me. Aber eben die Mischung macht es, und mit der über­rascht Ale­jan­dro Hidal­go dann doch.

AVENGERS 2 – AGE OF ULTRON

Poster Age Of Ultron

AVENGERS: AGE OF ULTRON – Bun­des­start 23.04.2015

Gera­de als man dach­te, es geht nicht mehr, da bekommt man mehr. Von allem. Als elf­ter Film in der Rei­he der zwei­ten und bald abge­schlos­se­nen Pha­se kann das Mar­vel Cine­ma­tic Uni­ver­se immer noch über­zeu­gen. Und ver­steht es immer noch, eine sich stei­gern­de Erwar­tungs­hal­tung zu befrie­di­gen. Dass in der abschlie­ßen­den drit­ten Pha­se Macher Joss Whe­don das Heft für die letz­ten bei­den Aven­gers-Fil­me an Antho­ny und Joe Rus­so abgibt, stimmt da eher nach­denk­lich. Die Rus­sos haben einen her­vor­ra­gen­den (der Ver­fas­ser ver­wei­gert den deut­schen Titel) CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER gemacht, zwei­fel­los. Und sie wer­den sich mit CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR bewei­sen müs­sen. Denn soll­te der Titel tat­säch­lich auf die aus­ste­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Cap­tain und Iron Man hin­deu­ten, dann wür­de das einen ent­schei­den­den Eck­punkt in der Geschich­te des Mar­vel Uni­ver­sums betref­fen. Und wie es aus­sieht, hat Joss Whe­don dafür schon vor­ge­baut. Immer wie­der rei­ben sich im jüngs­ten Aben­teu­er die gegen­sätz­li­chen Ansich­ten von Ste­ve Rogers und Tony Stark in hit­zi­gen Ver­bal­at­ta­cken. Und hier steckt die ganz gro­ße Anzie­hungs­kraft in einem Film, der nur ober­fläch­lich aus end­lo­sen Show­ef­fek­ten besteht. 

Leserkommentar zum AVENGERS-Boykott-Artikel

Kino

Ich habe einen Kom­men­tar zu mei­nem gest­ri­gen Rant bekom­men, den ich hier noch­mal pro­mi­nen­ter plat­zie­ren möch­te, Ich gehe mal davon aus, dass »Flex« echt ist, auch wenn er oder sie die Iden­ti­tät ver­birgt. Bei den Details kann ich das aber nach­voll­zie­hen. Beson­ders inter­es­sant fin­de ich die Aus­sa­gen zu MARA. Nehmt es als so etwas Ähn­li­ches wie eine Gegen­dar­stel­lung, auch wenn ich etli­che Anmer­kun­gen auf­recht erhal­te. Ich habe natür­lich kei­ne Mög­lich­keit, die Aus­sa­gen zu prü­fen.

Hal­lo Ste­fan,

ich bin so­eben via Face­book auf dei­nen Ar­ti­kel auf­merk­sam ge­wor­den.
Erst habe ich mich ge­är­gert, al­ler­dings habe ich mir den Ar­ti­kel dann noch­mal ein zwei­tes mal durch­ge­le­sen und möch­te nun ein paar Din­ge rich­tig stel­len.
Vie­le dei­ner Ansich­ten er­schei­nen durch­aus lo­gisch, wenn man über die Ki­no­bran­che in Deutsch­land nur so­viel weiß, wie ein Kun­de eben über die Ki­no­bran­che wis­sen kann.

Rant: AGE OF ULTRON, MARA und die Dummheit der deutschen Kinobetreiber

no brain

Es geht soeben durch den vir­tu­el­len Blät­ter­wald und durch die »Qua­li­täts­me­di­en«: »Klei­ne Kino­be­trei­ber« üben den Auf­stand und wol­len den Block­bus­ter AVENGERS – AGE OF ULTRON nicht zei­gen (Vor­sicht, Link zum Dum­men­blatt Focus). War­um das so ist? Kurz­fas­sung: Weil Ver­lei­her Dis­ney mal kurz uni­la­te­ral die Ver­trä­ge auf­ge­kün­digt hat, und einen höhe­ren Anteil an den Ein­tritts­gel­dern will. Weil sie es kön­nen. Die Reak­ti­on von inzwi­schen bun­des­weit bis­her unge­fähr 200 Kinos ist: Dann boy­kot­tie­ren wir den eben. Ätsch!

Das ist natür­lich ein Mords­plan. Einen Film nicht anzu­bie­ten, der ver­mut­lich einer der Top Acts in die­sem Jahr sein wird. Ein wei­te­rer ist DAS ERWACHEN DER MACHT, übri­gens auch von Dis­ney. Es kön­nen zwei Din­ge pas­sie­ren. Besu­cher gehen in ein ande­res Kino -> kei­ne Ein­nah­men. Gibt es kein ande­res Kino in brauch­ba­rer Nähe, wird der Film auf Tausch­bör­sen her­un­ter­ge­la­den -> kei­ne Ein­nah­men.

THE PYRAMID – Grab des Grauens

Poster The Pyramid

THE PYRAMID – Bun­des­start 16.04.2015. Die Bespre­chung basiert auf der eng­lisch­spra­chi­gen DVD-Fas­sung

In Kai­ro tobt der ara­bi­sche Früh­ling. Aus­län­di­sche Fir­men eva­ku­ie­ren ihre Mit­ar­bei­ter. Auch eine archäo­lo­gi­sche Expe­di­ti­on 250 Mei­len vor den Toren Kai­ros, soll aus Sicher­heits­grün­den das Land ver­las­sen. Aus­ge­rech­net als man dabei ist, eine kul­tur­his­to­ri­sche Sen­sa­ti­on im Wüs­ten­sand zu erkun­den. Und da Gré­gro­ry  Lev­as­seur als Expe­di­ti­ons­lei­ter mit­mischt, glaubt man eini­ges erwar­ten zu dür­fen. Lev­as­seur gibt mit THE PYRAMID sei­nen Ein­stand im Regie­we­sen. Berüch­tig­te Berühmt­heit erlang­te er aller­dings mit dem Dreh­buch zu dem gna­den­lo­sen Scho­cker HIGH TENSION, der trotz eines gewal­ti­gen Logik­feh­lers noch immer ein abso­lu­ter Lieb­ling bei Splat­ter-Fans ist. Spä­ter adap­tier­te er den Wes Cra­ven-Klas­si­ker THE HILLS HAVE EYES zu einer aktu­el­le­ren Vari­an­te, eben­falls für den HIGH TENSION Regis­seur Alex­and­re Aja. Kri­tisch in sei­ner Absicht auf­ge­nom­men, über­zeug­te HILLS HAVE EYES sein Ziel­pu­bli­kum dann doch. Genau­so wie  MIRRORS, den Lev­as­seur für Aja vom korea­ni­schen für ein west­li­ches Publi­kum über­trug. Als Dreh­buch­ge­spann schos­sen sie dann den Vogel mit dem Dreh­buch zu MANIAC ab. Natür­lich empör­te sich die Fan-Gemein­schaft dar­über, dass Wil­liam Lus­tigs Splat­ter-Klas­si­ker neu ver­filmt wer­den soll­te. Das Resul­tat ließ dann doch sehr vie­le sehr schnell ver­stum­men.

WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD

Poster Warte bis es dunkel wird

THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN – Bun­des­start 09.04.2015

Tex­ar­ka­na ist eine fast 40.000 Ein­woh­ner zäh­len­de Zwil­lings­stadt, die genau auf der Gren­ze von Texas und Arkan­sas befin­det. Selbst­re­dend getrennt ver­wal­tet. 1946 gescha­hen hier grau­sa­me Mor­de an jun­gen Pär­chen, die irgend­wo im Frei­en in ihren Auto­mo­bi­len allei­ne sein woll­ten. Ein Spre­cher klärt uns auf, dass der als Phan­tom bekann­te Mör­der nie gefasst wur­de. Wei­ter erzählt der Spre­cher, dass 1976 ein Spiel­film vor Ort gedreht wur­de, der die Mor­de und das Phan­tom zur Grund­la­ge hat­te. Anfangs war der Film nur ein mit­tel­mä­ßi­ger Erfolg, gene­rier­te sich dann doch zum Kult-Klas­si­ker. Und tra­di­tio­nell wird jedes Jahr zu Hal­lo­ween, THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN in Tex­ar­ka­na einem begie­ri­gen Publi­kum vor­ge­führt. Nur Jami und Corey fin­den die­ses Jahr kei­nen Gefal­len an dem Film, und fah­ren lie­ber zum Händ­chen­hal­ten in die Wäl­der. Nach 65 ereig­nis­lo­sen Jah­ren wer­den sie die ers­ten Opfers des Phan­toms.

Fantasy Filmfest Nights: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT

Poster "A Girl Walks Home Alone At Night

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT – Bun­des­start 23.04.2015

Fil­me­ma­che­rin Ana Lily Amir­pour bezeich­net ihren Film wer­be­wirk­sam als »den ers­ten ira­ni­schen Vam­pir-Wes­tern«. Das macht durch­aus erst ein­mal neu­gie­rig. Und schließ­lich stut­zig. Amir­pour ist zwar ira­ni­scher Abstam­mung, aber in Groß­bri­tan­ni­en gebo­ren, und spä­ter nach Kali­for­ni­en über­ge­sie­delt. Blickt man tie­fer, hat sie sogar die­sen soge­nann­ten ira­ni­schen Film auch in dem Nest Taft in Kali­for­ni­en insze­niert. Selbst Haupt­dar­stel­le­rin Shei­la Vand ist bereits in zwei­ter Gene­ra­ti­on Ame­ri­ka­ne­rin, und Haupt­dar­stel­ler Arash Maran­di ist gar Deut­scher. Was hat es also auf sich mit die­sem pro­vo­zie­ren­den Blick nach Iran? Ana Lily Amir­pour hat eigent­lich kei­nen Hor­ror­film gemacht, Fantasy Filmfest Nights 2015

und auch der Vam­pir­film liegt ein wenig schwer im Magen. Und doch ist er bei­des in expli­zi­ter Vehe­menz. Amir­pour hat einen Kunst­film geschaf­fen, der die Kunst in bei­der­lei Bedeu­tun­gen aus­schöpft. Nichts in A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist einem natür­li­chen oder rea­lis­ti­schen Fluss unter­wor­fen, alles in allen Berei­chen ist in offen­sicht­li­cher Künst­lich­keit insze­niert. Und wie es insze­niert und zusam­men­ge­stellt ist, das ist die gro­ße Kunst.

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