Immer wenn ein neuer Steampunk-Roman von einem deutschen Autor erscheint, horcht man auf. Dies geschieht üblicherweise in Kleinverlagen, denn die »Großen« haben sich an dem Thema versucht, nicht verstanden, was das eigentlich ist und sind deshalb auf die Nase gefallen. Das führte dazu, dass die Publikumsverlage inzwischen die Finger von dem Thema lassen. Hauptsächlich vermutlich deswegen, weil Steampunk sich der bei den Marketing-Fuzzies so beliebten Verschubladung widersetzt.
Der Harry Dresden-Fan ist begeistert, wenn Autor Jim Butcher wie fast in jedem Jahr einen neuen Roman um den Zauberer aus Chicago in die freie Wildbahn entlässt. Und üblicherweise ist diese Freude auch gerechtfertigt, denn auch wenn es kaum glaublich erscheint: Die Romane werden immer besser. Mit GHOST STORY hatte Butcher zum ersten Mal eine kleine Pause eingelegt und deutlich ein paar Gänge runter geschaltet, es hätte so auch nicht weiter gehen können. Doch gleich danach ging es wieder rund. Im Vergleich dazu fällt SKIN GAME, das neueste Buch um Harry, leider etwas ab. Allerdings wundert das auch nicht, denn bisher hat der Autor (fast) immer noch mal eine Schüppe drauf gelegt, es war also nur eine Frage der Zeit, bis mal ein Einbruch kommen würde. Doch selbst ein Dresden mit Schwächen ist immer noch beste Unterhaltung. Und was den Einbruch angeht …
Kein Rant, aber wer gewisse satirische Anklänge findet, darf sie behalten.
Ich will den Namen nicht schon wieder nennen, man vermutet in mir ob meiner regelmäßig geäußerten Kritik an der Buchbranche seitens derselben ohnehin immer wieder einen Claqueur für einen gewissen Onlinehändler, dabei ist das gänzlich falsch. Mal sehen, ob ich es schaffe, diesen Artikel zu schreiben, ohne den Namen des Ladens zu nutzen. Die Buchbranche ist ja inzwischen so weit, dass ihn etliche nicht mehr »Voldemort« nennen, sondern als »you shall not name him« bezeichnen. Wie Harry Potters Konsorten werden sie irgendwann feststellen, dass Ignorieren das Problem nicht löst. Aber darüber wollte ich eigentlich – wie bereits angemerkt – gar nicht reden.
Reden wir doch mal über ein beinahe monolithisches Gebilde wie die kartellhafte Buchbranche. Warum ein Teil davon, nämlich das Verlagskonglomerat in meinen Augen ein gesetzlich lizensiertes Kartell ist, habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich analysiert. Die Kurzfassung: Es gibt keinen echten Wettbewerb, weil man sich im ruhigen Gewissen zurück lehnen kann, dass es die Buchpreisbindung gibt, die eine normale Entwicklung von Preisen unmöglich macht. Wenn man Personen fragt, die bereits seit Jahren durch die Branche indoktriniert wurden, dann wird man immer wieder mantraartig zu hören bekommen, dass eine Abschaffung der Buchpreisbindung den Untergang des literarischen Abendlandes bedeuten würde.
Oh Gott! Oh Gott! Wir werden alle störrrben! – Nicht!
An anderer Stelle hatte ich über meine Erfahrungen mit CreateSpace berichtet, die zuerst einmal sehr positiv waren. Erstellen eines Buches und das nachfolgende Anbieten bei Amazon sind weitestgehend problemlos möglich. Der Preis stimmt (für den Endkunden), Amazon räumt sich keine Rechte am Material ein.
Etwas anders sieht es aus, wenn man Exemplare für den Eigenbedarf ordern möchte. Auch hier ist die Bilanz zunächst einmal positiv, denn CreateSpace liefert die Bücher aus den USA inklusive der Versandkosten zu einem Preis, den kein Anbieter in Deutschland auch nur annähernd mithalten kann, zumindest nicht bei geringeren Stückzahlen – und an solchen ist der Selfpublisher ja oft interessiert. Problematisch sind allerdings die Lieferzeit aus den USA und die Probleme beim Zoll. Ich hatte vier Mal in den USA bestellt, nur einmal kam das Paket direkt bei mir zu Hause an, dreimal musste ich die 20 km gen Wuppertal zur Zollstelle (und wieder zurück) fahren, um die Bücher abzuholen. Und jedes Mal war die Abwicklung eine andere, immer wieder wollte man unterschiedliche Belege, Nachweise oder es war sonst irgendwas. Das Verhalten der Zöllner war absolut nicht kohärent und nicht nachvollziehbar – und das nervte gewaltig. Letztendlich endete es jedes Mal nur deswegen gut, weil der Wert so gering war, und die Beamten offenbar keinen Bock hatten, wegen des kleinen Betrags einen Verwaltungsakt zu eröffnen. Auf jeden Fall suchte ich hauptsächlich aufgrund dieser albernen Probleme mit dem Zoll nach einer Alternative.
Als ich las, dass SyFy eine Miniserie unter dem Titel THE EXPANSE aus der gleichnamigen Buchreihe von James S. A. Corey (das ist ein Pseudonym für das Autorenteam Daniel Abraham und Ty Franck) machen wollte, war ich interessiert. So interessiert, dass ich den ersten Band der Reihe – LEVIATHAN WAKES – schnell gekauft habe und »mal eben« lesen wollte. Doch mit »mal eben« war nichts, denn der Roman ist ein ordentlicher Ziegelstein, dem ein wenig Kürzung nicht schlecht getan hätte. Dennoch: Jetzt bin ich sehr gespannt, wie das als TV-Serie umgesetzt werden wird.
LEVIATHAN WAKES spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der sich die Menschheit bereits seit einiger Zeit über das Sonnensystem ausgebreitet hat. Der Mars ist eine seit langem etablierte, starke und unabhängige Kolonie, die Terraforming betreibt; im Asteroidengürtel wohnen auf verschiedenen Klein- und Kleinstplaneten die sogenannten »Belter«, die sich kulturell und auch körperlich (aufgrund der Gravitationsverhältnisse) bereits vom Erdenmenschen entfernt haben. Zwischen den Fraktionen herrscht nicht unbedingt Friede, Freude Eierkuchen, denn auf der einen Seite scheinen Mars und Erde trotz vorhandener Spannungen zusammenzuarbeiten, auf der anderen Seite hält man die Belter in Abhängigkeit von lebensnotwendigen Ressourcen, etwa so grundlegendem wie Atemluft oder Wasser.
Wie ich angekündigt hatte, fand am vergangenen Samstag in der Bibliothek Monheim eine Steampunk-Lesung statt. Veranstaltet wurde das Ganze von Kirsten Riehl alias Brennende Buchstaben, dem Verein Pro Literatur (vertreten durch Cornelia Gellwitzki-Müller) und Thorsten Küper, auch bekannt als Küperpunk.
Das Lineup konnte sich sehen lassen: Als Autoren waren vor Ort und lasen aus ihren Werken: Marcus R. Gilman alias Marcus Rauchfuß, Alex Jahnke, Anja Bagus und Thorsten Küper. Für die musikalische Untermalung sorgte Felix Tenten, der Gitarrist der Dampfmetal-Band Æronautica, diesmal allerdings ohne Saiteninstrument, dafür mit Akkordeon.
Ich bin mit den PERRY RHODAN-Romanen der Erstauflage aus Zeitgründen etwas ins Hintertreffen geraten, hatte aber in den letzten Tagen die Zeit genutzt, ein wenig aufzuholen und plane, das auch weiter fortzuführen.
Dass es mit Ronald Tekener einen der dienstälteren Unsterblichen erwischt hat, bekam ich natürlich bereits mit, das bleibt ja nicht aus, wenn man sich weiter über die Serie informiert, auch wenn man sie nicht wochenaktuell verfolgt (oder sogar Monate zurück liegt).
Die Diskussion darum, ob man langjährige Serienprotagonisten töten darf oder nicht, und wenn ja, welche, ist in den letzten Jahren in Fan- und Leserkreisen immer wieder geführt worden, auch äußerst kontrovers. Es kommt immer wieder vor, dass Autoren, oder aktuelle Autoren, mit Figuren nicht mehr so recht etwas anfangen können. Es bestehen dann zwei Möglichkeiten: Man schreibt sie mehr oder weniger lange Zeit aus der Serie, oder man tötet sie.
In der FAZ lässt sich ein Günter Hack länglich, also im tl;dr;-Stil darüber aus, dass wir eine »neue Science Fiction« benötigen. Dieses Traktat wird angereichert mit unerträglichen Schlausprech-Füllwörtern und arbeitet sich an den ach so coolen SF-Werken der 70er und 80er ab (Disclaimer: ich habe nichts gegen die, ganz im Gegenteil, aber es wurde auch danach noch cooles Zeug geschrieben). Die verblüffende Forderung ist, zumindest so wie ich das aus dem Artikel und der Überschrift entnehme, dass die SF-Autoren jetzt endlich mal reinhauen sollen, um Werke zu schaffen, die Kontrapunkte zu den orwellschen Überwachungskonstrukten, die uns alle umgeben, beschreiben.
Ich bekomme spontan tiefe Griffspuren an der Stirn und pflanze größere Mengen an Gesichtspalmen. Und das wird im Laufe des Artikels auch nicht mehr besser, wenn mir beispielsweise ein Bildeinschub verklickern will, dass Philip K. Dick mit BLADE RUNNER das Genre »Cyberpunk« schuf (für Interessierte: Der Titel der Vorlage lautete TRÄUMEN ANDROIDEN VON ELEKTRISCHEN SCHAFEN, weicht deutlich von BLADE RUNNER ab und ist auch nicht wirklich Cyberpunk, wenngleich man davon ausgehen kann, dass Autoren wie Gibson oder Sterling sich davon inspirieren ließen). Jedem, der auch nur ansatzweise Ahnung vom Thema hat, sei es nun SF oder Cyberpunk, muss es an dieser Stelle das Hirn verzwirbeln. Insbesondere, wenn danach ausführlich über Gibson doziert wird. Oder wie damals[tm] die Autoren alles schon vorhergesehen haben.
Einhörner. Wenn ich dieses Wort lese, marschieren sofort ganze Kohorten von Klischees durch meinen Geist und nicht viele davon gehören zu Literatur, die ich würde lesen wollen. Ich kann mich daran erinnern, ich glaube, es war auf Piers Anthonys Welt Xanth, dass ich mal einem begegnet bin, das mich zum Grinsen brachte. Das war damals, wenn ich mich korrekt erinnere, deswegen, weil es auf die Jungfrau mit der man es ködern wollte, nicht ansprang. Es war nämlich schwul.
Und dann kam Ju Honisch und erzählte, dass sie für Heyne einen Einhorn-Roman schreiben soll. An der Stelle hatte ich schon die Befürchtung, dass ich den irgendwann würde rezensieren sollen. Obwohl Einhörner nun eben – wie gerade ausgebreitet – nicht so zu meinen bevorzugten Themen zählen. Und meine Kristallkugel hatte recht. Aber da ich Ju schon recht lange kenne und schätze, sagte ich nicht nein. Ich weise gleich zu Anfang darauf hin, bevor noch jemand das »Gefälligkeitsrezension«-Fass aufmacht.
HERBSTSPLITTER – bereits der Titel läßt Böses erahnen, denn was soll man sich unter einer zertrümmerten Jahreszeit vorstellen? Gewiß, er klingt romantisch, und tatsächlich spielt der größte Teil der Handlung auch in jenen Monaten, in denen welke Blätter von den Bäumen fallen. Was es jedoch mit den »Splittern« auf sich hat, bleibt im Dunkeln. Wie so manch anderes auch.
Meine eigentliche Rezension ist recht ausführlich geraten, widmet sich den einzelnen Mängeln, die mir aufgefallen sind, und ergeht sich bisweilen auch in Sarkasmus. Da man natürlich nicht erwarten kann, daß sich jeder die 25 Seiten vorknöpft (bei einfachem Zeilenabstand und einer Schriftgröße von Zwölf), habe ich an dieser Stelle eine Kurzversion verfaßt.
(Die Langversion der Besprechung findet sich am Ende des Artikels zum Herunterladen als PDF und ePub, Anm. d. Red.)
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