Rant: Wir brauchen keine neue Science Fiction – die ist längst da!

sfmond CC0: http://pixabay.com/de/saturn-space-weltraum-55958/

In der FAZ lässt sich ein Gün­ter Hack läng­lich, also im tl;dr;-Stil dar­über aus, dass wir eine »neue Sci­ence Fic­tion« benö­ti­gen. Die­ses Trak­tat wird ange­rei­chert mit uner­träg­li­chen Schlau­sprech-Füll­wör­tern und arbei­tet sich an den ach so coo­len SF-Wer­ken der 70er und 80er ab (Dis­c­lai­mer: ich habe nichts gegen die, ganz im Gegen­teil, aber es wur­de auch danach noch coo­les Zeug geschrie­ben). Die ver­blüf­fen­de For­de­rung ist, zumin­dest so wie ich das aus dem Arti­kel und der Über­schrift ent­neh­me, dass die SF-Autoren jetzt end­lich mal rein­hau­en sol­len, um Wer­ke zu schaf­fen, die Kon­tra­punk­te zu den orwell­schen Über­wa­chungs­kon­struk­ten, die uns alle umge­ben, beschrei­ben.

Ich bekom­me spon­tan tie­fe Griff­spu­ren an der Stirn und pflan­ze grö­ße­re Men­gen an Gesichts­pal­men. Und das wird im Lau­fe des Arti­kels auch nicht mehr bes­ser, wenn mir bei­spiels­wei­se ein Bild­ein­schub ver­kli­ckern will, dass Phil­ip K. Dick mit BLADE RUNNER das Gen­re »Cyber­punk« schuf (für Inter­es­sier­te: Der Titel der Vor­la­ge lau­te­te TRÄUMEN ANDROIDEN VON ELEKTRISCHEN SCHAFEN, weicht deut­lich von BLADE RUNNER ab und ist auch nicht wirk­lich Cyber­punk, wenn­gleich man davon aus­ge­hen kann, dass Autoren wie Gib­son oder Ster­ling sich davon inspi­rie­ren lie­ßen). Jedem, der auch nur ansatz­wei­se Ahnung vom The­ma hat, sei es nun SF oder Cyber­punk, muss es an die­ser Stel­le das Hirn verz­wir­beln. Ins­be­son­de­re, wenn danach aus­führ­lich über Gib­son doziert wird. Oder wie damals[tm] die Autoren alles schon vor­her­ge­se­hen haben.

Oder der Satz:

»Hag­bard Celi­ne, muss sich dar­in mit den Illu­mi­na­ti her­um­schla­gen, einer Orga­ni­sa­ti­on, deren Geschäft die Täu­schung ist.«

Bei Eris … Der hat offen­bar einen völ­lig ande­ren Illu­mi­na­tus gele­sen als ich. Hät­te er bes­ser vor­her mal zu ewi­ger Blu­men­kraft gegrif­fen. Fnord!

Ja, ver­dammt, etwas vor­her­se­hen kann, nein soll­te, eine Tugend von SF-Autoren sein. Dar­aus zu kon­stru­ie­ren, dass die mit ihren Wer­ken damals qua­si schon gegen die heu­te statt­fin­den­de staat­li­che Über­wa­chung pro­tes­tiert haben, ist völ­lig abstrus. Noch abstru­ser ist es aller­dings, dass heu­te nie­mand mehr der­glei­chen schreibt.
Man gewinnt beim Lesen des Arti­kels schnell den Ein­druck, dass aus der Sicht des Autoren frü­her alles bes­ser war und heu­te sowie­so nix Coo­les mehr ver­fasst wird. Eine Mei­nung, die er mit nicht gerin­gen Men­gen von Mit­glie­dern des alt­ein­ge­ses­se­nen und ergrau­ten deut­schen SF-Fan­doms teilt. Auch da sind etli­che der Ansicht, dass seit den frü­hen 80ern im Bereich Sci­ence Fic­tion sowie­so fast nur noch Schei­ße auf den Markt gewor­fen wur­de. Und über­haupt …

Und über­haupt ist das natür­lich ein gigan­ti­scher Hau­fen Bull­shit. Kor­rekt ist, dass die deut­schen Ver­la­ge irgend­wann in den 90ern damit auf­hör­ten, ordent­li­che SF aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten oder anders­wo­her in nen­nens­wer­ter Men­ge zu impor­tie­ren. Wer die all­jähr­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen und Preis­ver­lei­hun­gen jen­seits des gro­ßen Teichs oder auch nur in Groß­bri­tan­ni­en ver­folgt, der weiß, was für eine schie­re Men­ge an Neu­erschei­nun­gen in jedem Jahr auf den Markt kommt, von dem wir hier nur einen ver­schwin­dend gerin­gen Bruch­teil zu sehen bekom­men, weil irgend­wel­che Voll­honks in irgend­wel­chen Ver­la­gen ent­schei­den, was in Sachen Phan­tas­tik gekauft und über­setzt wird. Näm­lich Vam­pi­re. Und ein Scal­zi oder Weber, weil die sich in den USA wie doof ver­kau­fen. GRRM sowie­so, allein schon weil man aus des­sen Wäl­zern zwei machen und dop­pelt absah­nen kann. Da muss dann ja was dran sein.
Wer einen Blick über den Tel­ler­rand wagt – und der eng­li­schen Spra­che mäch­tig ist – der weiß, was für ein gigan­ti­scher Out­put an Sci­ence Fic­tion (von Phan­tas­tik all­ge­mein gar nicht zu reden) in den USA und Groß­bri­tan­ni­en auf den Markt kommt. Nur eben nicht hier, denn hier ver­kauft sich SF ja nicht – sagen die Ver­la­ge. Aus dem, was in Deutsch­land ange­bo­ten wird, dann dar­auf zu schlie­ßen, dass die­se dösi­gen SF-Schrei­ber­lin­ge ja nichts mehr zu aktu­el­len poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen The­men zu sagen haben und damit end­lich mal wie­der los­le­gen soll­ten, ist von einer Eng­stir­nig­keit, die mit bei­den Augen durch ein Schlüs­sel­loch schau­en kann.

Und selbst wenn man über­setz­te Roma­ne hin­zu­nimmt, hat er Unrecht. Ich nen­ne als ein bei­spiel nur: Cory Doc­to­row, der hat mit LITTLE BROTHER einen der geils­ten sys­tem­kri­ti­schen Roma­ne des letz­ten Jahr­zehnts ver­fasst und der schreibt auf den Punkt genau die Din­ge, die Hack in der SF so ver­misst. Dabei ist Doc­to­row nicht ein­mal ansatz­wei­se der Ein­zi­ge. Ein Blick über den Teich wür­de hau­fen­wei­se Sozi­al-, Poli­tik-, und Gesell­schafts­kri­tik im Gen­re auf­tun, die sich mit genau den The­men befasst, die Hack ver­geb­lich sucht. Man könn­te neben Doc­to­row noch vie­le mehr nen­nen, Dani­el Sua­rez bei­spiels­wei­se. Über­wa­chung, Droh­nen, Kampf­ro­bo­ter, Ein­schrän­kung der Men­schen­rech­te, Tech­no­lo­gie außer Rand und Band. Es ist alles da. Wenn man nur die Augen auf­macht und den deutsch­spra­chi­gen Raum nicht für das Zen­trum des Uni­ver­sums hält.

Erschwe­rend kommt mei­ner Mei­nung nach hin­zu, dass ich die Inten­ti­on » kri­ti­sche SF-Roma­ne wer­den alles bes­ser machen« grund­sätz­lich nicht nach­voll­zie­hen kann. Lesen ist uncool. Ein lei­der nicht gerin­ger Teil der Deut­schen liest neben der Corn­flakes­pa­ckung gera­de mal noch die BLÖD-Zei­tung und ver­dummt ansons­ten bei von Steu­er­hin­ter­zie­hern gesteu­er­tem Fus­sek, DSDS und müh­se­lig gehyp­ten Tat­ort-Fol­gen auf Lai­en­spiel­ni­veau. Die fas­sen kei­ne SF an, nicht mal mit der Kneif­zan­ge. Und in den lite­ra­ri­schen Zir­keln Deutsch­lands gilt Phan­tas­tik trotz des groß­ar­ti­gen deut­schen Erbes in die­sem Gen­re nach wie vor als tri­via­ler Abschaum, der mit Miss­ach­tung gestraft wer­den muss. Auch die wer­den dem­nach kei­ne gesell­schafts­kri­ti­schen SF-Roma­ne anfas­sen, um danach die Bil­dungs­eli­ten in den Feuil­le­tons damit auf­zu­rüt­teln, dass man mal den neu­en Doc­to­row lesen muss, um zu ver­ste­hen, wie die Geheim­diens­te uns über­wa­chen – und was man dage­gen tun könn­te.

Was soll also der Bull­shit-Arti­kel? Es gibt die gefor­der­te neue SF, die sich mit dem befasst, was in unse­rer Gesell­schaft schief geht. Hau­fen­wei­se. Zum Teil abs­tra­hiert und zum Teil sehr deut­lich. Und sie inter­es­siert hier­zu­lan­de nur die Nerds, die zudem der eng­li­schen Spra­che mäch­tig sind, denn die hie­si­gen Ver­la­ge inter­es­sie­ren sich nicht dafür. Sich ange­sichts des­sen dar­über zu bekla­gen, dass ein Tel­ler­rand eine unüber­wind­li­che Bar­rie­re ist, ent­behrt nicht einer gewis­sen trau­ri­gen Komik. Zeit­ge­nös­si­sche SF nicht zu ken­nen und sich dar­an abzu­ar­bei­ten, dass »damals« alles bes­ser war und die Schrei­ber­lin­ge heu­te nix mehr auf die Rei­he bekom­men ist aller­dings nur noch pein­lich. Zu for­dern, dass SF-Autoren in einem Deutsch­land etwas bewir­ken sol­len, des­sen Bewoh­ner sich mehr­heit­lich vom Dschun­gel­camp unter­hal­ten las­sen, oder in pseu­do-eli­tä­ren Elfen­bein­tür­men woh­nen, ist in sei­ner Rea­li­täts­fer­ne fast schon wie­der nied­lich. Ich bekom­me ange­sichts sol­cher Ide­en aller­dings eher das Bedürf­nis, mich dem Suff hin­zu­ge­ben.

Dem Arti­kel­schrei­ber möch­te ich abschlie­ßend noch den Tipp geben: abon­nier das Maga­zin LOCUS und lese es von mir aus auf eben die­sem. Das erwei­tert den Hori­zont. Und ver­mei­de zukünf­tig in solch einem Arti­kel das Wort »Uto­pi­en«. Das erin­nert mich an die DDR. Da wur­den die damals wie »Ütöpi­en« aus­ge­spro­chen. Habe ich selbst erlebt. Mann. Außer­dem sind »Uto­pi­en« posi­ti­ve Sich­ten der Zukunft. War­um soll­ten gera­de die sich mit den aktu­el­len poli­ti­schen The­men beschäf­ti­gen, die deut­lich dys­to­pisch sind?

p.s.: kann mir eigent­lich irgend­je­mand maß­geb­li­che SF-Wer­ke des Schrift­stel­lers Gün­ter Hack nen­nen?
p.p.s: in die Kom­men­ta­re bit­te gern auch Bei­spie­le, dass es sol­che Wer­ke wie im FAZ-Arti­kel gefor­dert eben doch gibt.
p.p.p.s: Dank an Cynx für den Hin­weis auf den Arti­kel

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AutorIn: Stefan Holzhauer

Meist harm­lo­ser Nerd mit natür­li­cher Affi­ni­tät zu Pixeln, Bytes, Buch­sta­ben und Zahn­rä­dern. Kon­su­miert zuviel SF und Fan­ta­sy und schreibt seit 1999 online dar­über.

26 Kommentare for “Rant: Wir brauchen keine neue Science Fiction – die ist längst da!”

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Marcus

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Ganz aus­ge­zeich­net und sehr tref­fend. Den »Gib­son-Moment« hat­te ich auch, als ich den FAZ-Schmonz gele­sen habe. Außer­dem hat Dei­ne Tira­de einen sehr guten EIn­druck Dei­nes Gesichts­aus­drucks wäh­rend des Ver­fas­sens des Arti­kels (oh, ein Gene­tiv!) ver­mit­telt.

Grü­ße!

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sagt:

Lau­ter wah­re Wor­te. Mir fie­len noch 100 wei­te­re Bei­spie­le ein, Baci­g­alu­pi, Robert Charles Wil­son, Lau­ren DeBeu­kes … (auch wenn das The­ma nicht immer Über­wa­chung ist).

Die Ein­ord­nung der Sci­ence Fic­tion in die Gat­tung »Uto­pie« ist einer der größ­ten Fehl­grif­fe der Ger­ma­nis­tik. Irgend­wer soll­te sich mal bemü­hen, das zu revi­die­ren.

Es ist weder die Auf­ga­be der Sci­ence Fic­tion, die Zukunft vor­her­zu­sa­gen, noch, idea­le Gesell­schafts­mo­del­le zu pos­tu­lie­ren. Der zitier­te Phil­ip K. Dick ist das bes­te Bei­spiel: Sei­ne Zukunfts­wel­ten erge­ben kaum Sinn und sind längst über­holt, aber sei­ne Ide­en, Kon­zep­te und Wahr­neh­mun­gen von gesell­schaft­li­chen Ten­den­zen sind heu­te aktu­el­ler als vor 50 Jah­ren.

Aber so lan­ge der deutsch­spra­chi­ge Feuil­le­ton mit sol­chem auf­ge­bla­se­nen Mist durch­kommt und die Gren­zen zwi­schen Lite­ra­tur und Gen­re hoch­hält, wer­den das halt nur die Fans ver­ste­hen.

Übri­gens: Die Anglis­ten sind zum Glück etwas wei­ter als die Ger­ma­nis­ten. ;-)

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Wer das Zeug von Gün­ter Hack ( folgt ihm auf Twit­ter, dam­mich: https://twitter.com/guenterhack ) kennt, und halb­wegs weiß, wie man als Jour­na­list sei­ne Tex­te nach dem Medi­um & des­sen Ziel­grup­pe aus­rich­tet, für das man schreibt, fin­det den Bei­trag über Wech­sel­wir­kung SF & Technik/Überwachung nicht halb so skan­da­lös, wie ihr das hier auf­bläht.

Rich­tig fin­de ich aller­dings den Hin­weis, dass es an der man­geln­den Ver­mitt­lungs­ar­beit deut­scher (Mainstream-)Verlage liegt, war­um die intel­li­gen­te, rele­van­te SF auf Deutsch so eine Rand­stel­lung ein­nimmt.

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»skan­da­lös«, »auf­bläht«? Ein Rant ist ein Rant ist ein Rant.

Und eins wer­de ich nach die­sem FAZ-Arti­kel ganz sicher nicht tun: ihm auf Twit­ter fol­gen. Dei­ne Aus­sa­ge »sei­ne Tex­te nach dem Me­dium & des­sen Ziel­gruppe aus­rich­tet« klingt für mich eher, als wür­de er sein Män­tel­chen nach dem Wind hän­gen.

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Ich schlie­ße mich dem an und fol­ge dem Wunsch aus dem pps: Darf man Eigen­wer­bung machen? Ich habe aktu­el­le The­men in mei­nem eige­nen Roman Adhe­li­on genom­men und extra­po­liert. Wei­ter geführt auf ein Level, das nicht ganz unrea­lis­tisch ist, aber erschre­ckend wäre, wenn wir dort ankä­men. Ich glau­be Herr Hack sucht ver­zwei­felt nach dem Anschluss an sei­ne Jugend, einer Form des Gen­res, wie es damals auf­ge­stellt war und wahr­ge­nom­men wur­de.

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Span­nen­der Rant, in der Tat …

Um kurz was zu dem Uto­pie-Begriff zu ergän­zen:
Der liegt gera­de in der Ger­ma­nis­tik ja eh quer und sperrt sich ein wenig gegen die land­läu­fi­ge Les­art. Denn die Dys­to­pie als sol­che fin­dest du dort meist gar nicht (gera­de mal geschaut, Metz­lers Lite­ra­tur­le­xi­kon etwa kenn den Begriff nicht), das ist hier­zu­lan­de alles uto­pisch.
Dabei wird dann wahl­wei­se die Unter­gat­tung der Anti-Uto­pie auf­ge­macht (Metz­ler) oder aber in posi­ti­ve und nega­ti­ve Uto­pi­en unter­schie­den (fragt mich nicht mehr nach der Quel­le, aber so hab ich’s »gelernt«), damit mal auch ja artig Tho­mas Morus und Geor­ge Orwell in einen Sack gesteckt bekommt ;)

Will damit den FAZ-Arti­kel gar nicht in Schutz neh­men, woll­te es nur ergän­zen, gera­de im Hin­blick auf den letz­ten Absatz.
Man könn­te noch ergän­zen, dass ja zumin­dest Klein­ver­la­ge sich ein wenig mühen und ein paar SF-Wer­ke eben doch zumin­dest über den Teich brin­gen, was aber an der Mas­sen­wir­kung natür­lich nichts macht …

Aber im Grun­de ist es ja auch kein neu­es Geheim­nis: Wir brau­chen kei­ne neue SF, wir brau­chen Ver­la­ge, die sich mal wie­der was trau­en.
Und allei­ne für die­se Bot­schaft gehört der Rant gelobt ;)

Vie­le Grü­ße,
Tho­mas

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Ich kann nur fest­stel­len, dass ich Eure Reak­ti­on auf den Arti­kel für eine (viel­leicht sogar mut­wil­lig ange­streb­te) Fol­ge von Fehl­lek­tü­re eines Zei­tungs­bei­trags hal­te. War­um z.B. dem Autoren eine Bild­un­ter­schrift ankrei­den, wenn er im Text auge­wo­ge­ner schreibt => sie­he ›Dick schuf Cyber­punk‹ … Hab Guen­ter grad via Twit­ter gefragt & wie es bei Zei­tun­gen üblich ist (was man wis­sen, oder zumin­dest ver­mu­ten kann) stam­men Über­schrift, Lead (= 1st para­graph) und Bild­un­ter­schrif­ten von der Redak­ti­on. — Grund­falsch halt, den Text als Kla­ge über Stand der SF zu lesen.

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Ja, ich habe mir schon gedacht, dass Teaser und Ein­schü­be mög­li­cher­wei­se nicht vom Autoren sind. Den­noch steht sein Name dran, egal wer es letzt­end­lich ver­bro­chen hat.

Ansons­ten geht unse­re sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung offen­sicht­lich aus­ein­an­der.

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Das stimmt wohl und ich habe sicher­lich auch etwas pikier­ter auf Dei­nen Rant reagiert, als höf­lich ist.

Mei­ne sub­jek­ti­ve Tra­gik ist halt, dass Dei­ne Re-Akti­on auf Hacks FAZ-Text ein Zeug­nis ist für die unfrucht­ba­re Kol­li­si­on zwei­er von mir geschätz­ter Inter­net-Freun­de. Als jemand der Dich und Hack schätzt natür­lich eine trau­ri­ge Sache. Des­halb mein Appell, dem Mann eine Chan­ce zu geben (guck Dir z.B. sei­ne Tex­te für den ORF an. Er hat z.B. eine sehr gute Bespre­chung über Tho­mas Pyn­chons »Blee­ding Edge« ver­fasst).

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Aber eine Aus­sa­ge wie

»Die­se Sta­gna­ti­on der Sci­ence-Fic­tion ist gefähr­lich«

fin­de ich halt ein­deu­tig. Und ein­deu­tig falsch.

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Ach komm. Da ver­su­che ich, mit einer ver­söhn­li­chen, per­sön­li­chen Note aus der Debat­te aus­zu­stei­gen, und dann kommst Du mit dem unschlag­ba­ren Manö­ver ›Zitat aus dem Zusam­men­hang her­aus­klau­ben‹. — Bis Du denn wirk­lich der Mei­nung, dass in der Meta-Erzäh­lung ›Wech­sel­wir­kung SF, Real-Tech­nik & -Poli­tik‹ alles super­du­pi ist, und es kei­ner­lei Anlass gibt, ein paar ver­grü­bel­te Gedan­ken in den Raum zu stel­len.

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Ich sehe das Zitat durch­aus nicht als »aus dem Zusam­men­hang geris­sen, weil es mei­ner Ansicht nach viel­mehr eine schö­ne Quint­essenz dar­stellt.

Sicher kann man ver­grü­bel­te Gedan­ken in den Raum stel­len, aller­dings gehen sie mei­ner Ansicht nach in die­sem Fall von einer fal­schen Prä­mis­se aus, näm­lich dass es heu­te kei­ne ernst­zu­neh­men­de oder brauch­ba­re Aus­ein­an­der­set­zung mit den ange­spro­che­nen The­men­kom­ple­xen in der SF gibt. Und das hal­te ich für objek­tiv falsch. Mal von den über­flüs­si­gen Schlau­sprech-Anrei­che­run­gen im Arti­kel ganz abge­se­hen.

An der Dis­kus­si­on und dem damit ein­her­ge­hen­den Zur­schau­stel­len unter­schied­li­cher Mei­nun­gen sehe ich aller­dings nix Schlech­tes. Wäre dem so, hät­te ich die Kom­men­tar­funk­ti­on deak­ti­viert. :)

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sagt:

Ich hat­te bei dem Arti­kel , wie auch schon molo­sovs­ky, den Ein­druck, er sei nicht für Ken­ner der Sci­Fi geschrie­ben und als sol­chen fand ich den Arti­kel OK. Aller­dings muss­te ich auch an »Litt­le Bro­ther« von Cory Doc­to­row den­ken.

Ich wür­de mich freu­en, wenn hier in den Kom­men­ta­ren noch wei­te­re Bücher genannt wür­den die zei­gen »was in un­se­rer Ge­sell­schaft schief geht«. Das Pro­blem ist aller­dings, dass ja so eini­ges schief geht. Hier­für liest man viel­leicht auch bes­ser kei­ne Roma­ne, son­der z.B. die Bücher von Harald Wel­zer.

Von Sua­rez ken­ne ich nur die WDR Hör­spie­le Dae­mon & Dar­knet. Ich nahm die als so Ok war aber auch als Anwär­ter auf eine Block­bus­ter Ver­fil­mung. Die zei­gen zwar schon, zu was Tech­nik fähig ist, aber son­der­lich »visio­när« fand ich die nicht und einen Kom­men­tar zum »Snow­den Skan­dal« sind die auch nicht. Auch die Cha­rak­tä­re blie­ben eigent­lich immer eher kli­schee­haft. Wie gesagt ich ken­ne aber nur die Hör­spie­le.

Noch was zu Gibon und Bla­de Run­ner. In einem Inter­view wur­de er auf den Film ange­spro­chen:

INTERVIEWER: There’s a famous sto­ry about your being unab­le to sit through Bla­de Run­ner while wri­ting Neu­ro­mancer.

GIBSON: I was afraid to watch Bla­de Run­ner in the thea­ter becau­se I was afraid the movie would be bet­ter than what I mys­elf had been able to ima­gi­ne.

Sie­he: http://www.theparisreview.org/interviews/6089/the-art-of-fiction-no-211-william-gibson

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sagt:

Gut gebrüllt, Löwe!

Ich habe es auf­ge­ge­ben, mich über sol­che Arti­kel auf­zu­re­gen. Es ändert sich bei den sogann­ten Hoch­li­te­ra­ten ein­fach nichts.

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Die­se Affi­tü­de ›WIR‹ gegen ›DIE Hoch­li­te­ra­ten‹ & ›Schlau­sprech‹ ist ein­fach nur arm und nützt nie­man­den.

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sagt:

Der Ana­ly­se unse­rer Markt­si­tua­ti­on wür­de ich mich weit­ge­hend anschlie­ßen. Wobei die meis­ten Ver­la­ge, die ich ken­ne, den Schwar­zen Peter wahr­schein­lich dem (feh­len­den) Käu­fer zuschie­ben wür­den, der die letz­ten Jah­re anscheinend/vermeintlich lie­ber Fan­ta­sy als SF kauf­te.

Es geht mei­nes Erach­tens in der SF nicht dar­um, die Zukunft vor­her­zu­sa­gen, son­dern wenn dann eher dar­um, vor aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zu war­nen (hoch­ju­beln ist ja eher aus der Mode gekom­men …). Das mit PKD ist in der Tat pein­lich. Das mit Gib­son habe ich nicht rich­tig ver­stan­den – wo liegt er da inhalt­lich falsch? Habe das Ori­gi­nal aber auch nur flüch­tig gele­sen, weil ich das »Früher«-Gejammer auch nicht ab kann.

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MissCdW

sagt:

Auch wenn mei­ne Lieb­lings-Schlech­te-Serie (Tat­ort – schön, wenn man genau mal eben nicht nach­den­ken will und einen über­a­schungs­frei­en Kri­mi sehen will. Wer was ande­res will soll Miss­Marp­le, ›der drit­te mann‹ o. Ä. schau­en) abfäl­lig und in einem Satz mit einem wirk­lich ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Sprin­ger-Ver­lags­pro­dukt genannt wird: Ein super Arti­kel. Fin­de ich, obwohl ich ehrer sel­ten SiFi, aus der Biblio­thek aus­ge­lie­hen, lese.

PS: Steu­er­hin­ter­zie­her lesen ver­mut­lich über­durch­schnitt­lich viel – Steu­er­li­te­ra­tur, BFH-Urtei­le, etc. – da sind sie manch­mal ver­dammt nah an dem Kon­sum von SiFi-Lite­ra­tur dran …

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Torsten

sagt:

Moin!
Bin in Sachen SF lei­der schon ne Wei­le raus, kann also nich wirk­lich was zur Sache bei­tra­gen.
Doch komm ich nicht umhin, bei einer Sache nach zu haken:
« Das er­in­nert mich an die DDR. Da wur­den die da­mals wie »Ütöpi­en« aus­ge­spro­chen.« <- Hol­zi, in wel­cher Ecke warst du damals?! Das ist ein­deu­tig Dia­lekt!
Wäre ja so, als wür­de man dem BRD-Bür­ger unter­stel­len nur Krach­le­der­ne und weiß­blau karier­te Hem­den zu tra­gen, weil man eben nur mal kurz in Bay­ern war, oder Gum­mi­stie­fel und Frie­senn­erz der Nord­lich­ter. ;)

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