Leicht verspätet (die Schuld liegt bei mir und dem PhantaNews-Umzug) hier die Ausgabe 594 von Erik Schreibers PHANTASTISCHEM BÜCHERBRIEF für die Monat Mai 2013. Dier erste Seite ziert eine Abbildung der bei seinem Verlag Saphir im Stahl erschienenen Märchensammlung WOLFSMÄRCHEN, die wie der Titel bereits suggeriert Märchen zum Thema Wölfe zusammenstellt. Die Texte stammen aus den verschiedensten Regionen der Erde.
Im Bücherbrief findet man an erster Stelle einen Nachruf auf den US-amerikanischen Autor Andrew J. Offut, bekannt unter anderem für die Figur Hanse aus dem DIEBESWELT-Zyklus. Danach folgen weitere Ehrungen verstorbener Autoren: Deborah J. Miller und Jack Vance.
Weiterhin selbstverständlich wie immer reichlich Besprechungen deutscher und internationaler Phantastik, darunter Andrea Bottlingers AETERNUM (den auch ich bereits rezensiert habe), des ersten Bandes von SKULLDUGGERY PLEASANT oder des ersten Bandes der Neuauflage von E. C. Tubbs Earl Dumarest-Abenteuern beim Atlantis-Verlag. Ebenfalls betrachtet werden zwei Ausgaben des von Jürgen Eglseer herausgegebenen Magazins PHANTAST. Das alles füllt sagenhafte 45 Seiten.
Den Phantastischen Bücherbrief gibt es wie immer zum Herunterladen imPDF-Format
Auf diepresse.com produziert sich Buchverleger Jochen Jung in Sachen eBook. Überschrieben ist der Artikel mit »wider das eBook-Bashing«. Das ließ hoffen. Was sich dann allerdings im Text findet, lässt mich erblassen. Denn wir, die wir die unglaubliche Dreistigkeit besitzen, im Internet Waren zu kaufen, sind miese Diebe. Glaubt ihr nicht? Ich zitiere aus dem Artikel (fehlende Leerzeichen sind 1:1 übernommen):
Heute sind reale Geschäfte für immer mehr Menschen nur noch eine Art Musterausstellung: Man schaut sich die Dinge an, probiert sie aus, entscheidet sich und geht dann nach Hause und bestellt am Computer. Und wer noch einen Schritt weiter ist, der findet gleich im Netz den größten Musterkoffer überhaupt und füllt seinen Warenkorb dort. Das erspart ihm das Wochenendgedränge in der U‑Bahn und im Kaufhaus, und schon nach wenigen Tagen kommen die Sachen mit der Post ins Haus. Es ist kaum übertrieben, wenn man dieses Verhalten als eine Art Diebstahl betrachtet. Der stationäre Handel,egal ob mit Kleidung,Elektronik oder zum Beispiel Büchern, bezahltMiete, Arbeitskraft, Ausbildung und Know-how,um am Ende die richtige, angesagte, verlangte Ware im Geschäft auslegen und anbieten zu können. Dass sich dann Menschen ohne jede Kaufabsicht dieserMöglichkeiten bedienen, ist zwar nicht verboten, aber unanständig ist es doch. Und unklug ist es auch, denn natürlich führt der schrumpfende Umsatz zu abnehmenden Einkünften, und eines Tages wird die Tür an einem Samstagabend geschlossen und am Montagmorgen nicht mehr aufgemacht: Der Musterkoffer bleibt zu.
Da bleibt einem die Luft weg, oder? Wenn ich also die Entscheidung treffe, nicht beim einen, sondern beim anderen Händler meine Waren zu erwerben, dann bin ich in den Augen des einen ein Dieb? Das ist so dermaßen abstrus und weltfremd, dass sogar mir jede sarkastische Bemerkung im Hals stecken bleibt. Sehen wir uns doch mal ein Detail an (fehlende Leerzeichen wurden eingefügt):
Der stationäre Handel,egal ob mit Kleidung, Elektronik oder zum Beispiel Büchern, bezahlt Miete, Arbeitskraft, Ausbildung und Know-how, um am Ende die richtige, angesagte, verlangte Ware im Geschäft auslegen und anbieten zu können.
Arbeitskraft, Ausbildung und Know-How? Jung sollte sich mal aus seinem offenbar schlecht belüfteten Büro heraus begeben und persönlich einkaufen gehen, und das nicht nur beim Juwelier, Schampus- oder Leimhändler; dann würde ihm vielleicht auffallen, dass der Einzelhandel an (zu) vielen Stellen auf 400 Euro-Hilfskräfte umgestellt hat, die einem Gurken in die Hand drücken, wenn man Tomaten haben möchte. In den wenigsten Fällen erhalte ich gerade in Sachen Technik (oder Büchern) eine kompetente Beratung und die Ware, die ich möchte, findet sich in den Regalen gar nicht erst (gerade bei Büchern). Bestellen kann man die auch nicht, oder das dauert Tage, oder das Zeug ist dann dreimal so teuer wie beim Onlineversender (bei Büchern dank des Buchpreiskartells natürlich nicht). Da wird nicht das ausgelegt und angeboten, was verlangt ist, Herr Jung, und beraten werde ich dazu schon mal gar nicht. Oder falsch. Dann kann ich auch gleich online bestellen und bekomme das Zeug nach Hause geliefert. Der gruselige Service tun das seine dazu. Wer mal versucht hat, in der Gewährleistungszeit eine definitiv defekte Ware bei Saturn zurück zu geben, der weiß, wovon ich spreche. Ich lasse mich in Läden nicht mehr von unmotivierten Hilfskräften anmuffeln, weil ich es wage, sie nach etwas zu fragen oder weil ich meine Verbraucherrechte kenne.
Bevor er mich des Diebstahls bezichtigt, weil ich da kaufe, wo es das Angebot gibt, das ich möchte und wo das zudem auch noch deutlich preiswerter ist, sollte der Herr Jung vielleicht mal darüber nachdenken, ob man uralte Geschäftsmodelle nicht endlich mal den Realitäten anpassen sollte. Wer das nicht tut, der muss sich nicht wundern, wenn er Samstags ab- und Montags nicht wieder aufschließt. Vielleicht zeigt er mir mal einen Buchhändler, bei dem ich eBooks bekommen kann. Um genauer zu sein: welche, die ich auch möchte.
Die Schuld hierfür den Kunden zuschustern zu wollen, ist insbesondere in dieser dummdreisten Art eine Unverschämtheit – und das ist noch sehr freundlich ausgedrückt. Wenn das irgendwelche Sympathien wecken soll ist es nicht nur gründlich daneben gegangen, sondern dämlich. Vom Kauf irgendwelcher Produkte aus dem Verlag des Herrn Jung werde ich zukünftig jedenfalls absehen. Auch als eBook.
Mannmannmann.
Zum Rest des Artikels muss man sich ebenfalls kaum äußern. Wer die aktuellen Zahlen des Börsenverlags zum Thema eBooks kennt (dazu demnächst mehr), der weiß, dass die gesamte Branche sich verrechnet hat, was die Steigerung der Absatzzahlen angeht. Die sind nämlich deutlich höher als zuvor angenommen. Trotzdem sondert Jung noch solche Worthülsen ab:
Das E‑Book wird es schwer haben, die Konkurrenz zu einem schön gemachten Buch aus Papier, Farbe, Leim und Fantasie zu gewinnen
Nein, wird es nicht. Und darum geht es auch gar nicht, es gibt keinen Zwang zu entweder-oder. Aber lassen wir ihn vielleicht besser weiter in seinem Verlagsbüro am geliebten Leim vom kompetenten Händler schnüffeln. Sonst schreibt er womöglich noch weitere solcher Artikel … wer weiß, was wir außer Dieben noch alles sind …
Offenbar dringt es nach und nach auch bis zu den letzten Merkbefreiten in den Chefetagen der Publikumsverlage durch: harte DRM-Maßnahmen werden von den Kunden nicht angenommen, weil sie unbequem sind, das Handling deutlich verschlechtern und dafür sorgen, dass der Kunde die eBooks nicht auf allen seinen Plattformen nutzen kann. Das gilt übrigens hauptsächlich außerhalb des Amazon-Universum, das ohnehin ein geschlossenes System darstellt. Wer aber mal versucht hat mit Adobe-DRM zu hantieren, oder gar, es mit Linux zu nutzen, der weiß, was für ein – mit Verlaub – Scheiß das ist. Außerdem kann man solche Kopierschutzverfahren in Nullzeit entfernen – damit herumärgern muss sich nur der ehrliche Kunde.
Eine Variante sind digitale Wasserzeichen im Buch, sogenanntes Soft-DRM. Damit kann man erkennen, wer das eBook ursprünglich erworben hat und damit möglicherweise feststellen, wer das Ding in die Tauschbörse gestellt hat (wobei ich die Beweiskette wirklich gern mal vor Gericht sehen würde). Auch die sind aber leicht manipulier- oder entfernbar.
Der MVB (also der Börsenverein) hat jetzt das Fraunhofer-Institut Darmstadt mit der Entwicklung eines Wasserzeichens beauftragt (Korrektur vom 13.06.2014: Bösenverein und MVB sind nicht Auftraggeber, entwickeln das Projekt aber zusammen mit dem Fraunhofer-Institut), das auf »Textänderungen basiert«. Das System trägt den branchentypisch klobigen Namen »Sichere Dokumente durch individuelle Markierung« oder kurz SiDiM, das berichtet das Börsenblatt.
Was sich auf den ersten Blick nicht gerade schwerwiegend anhört, ist wenn man genauer nachsieht, eine grobe Unverschämtheit gegenüber den Werkschöpfern. Sieht man sich die Beispieltexte mal an (siehe PDFs im verlinkten Artikel), stellt man fest, dass das System darauf basiert, in einem eBook haufenweise kleine und angeblich »nicht ins Gewicht fallende« Änderungen am Inhalt vorgenommen werden. Beispiele gefällig? Bitte:
Aus
Der Staub den er aufwirbelte, ließ ihn unsichtbar aus der Stadt verschwinden.
wird
Der Staub den er aufwirbelte, ließ ihn nicht sichtbar aus der Stadt verschwinden.
Oder aus
Heute leben wir in einem Paradies, das in eurer Zeit nicht denkbar gewesen wäre.
wird
Heute leben wir in einem Paradies, das in eurer Zeit undenkbar gewesen wäre.
Man weist mit nicht übersehbarem Stolz darauf hin, dass diese Textänderungen vom entwickelten System automatisiert in die eBooks eingefügt werden, wodurch es problemlos in die bestehenden Produktionsprozesse integriert werden kann.
Wie bitte? Geht es nur mir so, oder müsste bei Autoren und Lektoren angesichts dieses merkwürdigen System Übelkeit ausbrechen? Da ringt man wochen‑, monate- oder jahrelang mit den Wörtern, damit sie so angeordnet werden, wie man es für am gelungensten hält, streitet sich ausgiebig aber fruchtbar mit dem Lektor, weil der oder die das ganz anders sieht – und nach all diesem Ringen soll man akzeptieren, dass ein automatisiertes System nach irgendwelchen Algorithmen beliebige und haufenweise (es müssen viele sein, um bei großen Auflagen eine eindeutige Identifizierbarkeit des Werkes herzustellen) Änderungen am mühsam erarbeiteten Text durchführt? Gerade das erste Beispiel zeigt die Schwächen von SiDiM sehr deutlich.
Meine Meinung: geht überhaupt nicht! Man kann allerdings an diesem »Wasserzeichen« wieder einmal erkennen, welchen Respekt die Publikumsverlage vor dem Werk der Autoren und der Leistung der Lektoren haben: gar keinen.
Ich würde als Verbraucher um eBooks, die auf diese Art und Weise verfälscht wurden einen weiten Bogen machen. Oder ist das gar eine Marketingmaßnahme für Printbücher? Denn die wären ja nach wie vor so, wie sie ursprünglich sein sollten.
Eine derartige Schnapsidee kann nur aus den staubigen Katakomben des Börsenvereins kommen …
Bei Voodoo-Press ist bereits Anfang April FANGBOYS ABENTEUER von Jeff Strand als Taschenbuch mit 312 Seiten erschienen:
Nathan Pepper sah wie ein gewöhnliches Baby aus – außer, dass er einen Mund voller gruseliger scharfer Zähne hatte. Sein Leben begann damit, dass seine Großmutter dringend empfahl, ihn so bald wie möglich umzubringen. Man kann deshalb wohl sagen, dass für Nathan kein typisches Dasein bestimmt war.
Er hasste den Spitznamen »Fangboy«. Aber keiner konnte leugnen, dass er der furchteinflößendste kleine Junge in der ganzen Stadt war. Und er würde alle möglichen Abenteuer erleben. Tragische Abenteuer, wie das Schicksal seiner Eltern. Gefährliche Abenteuer, wie seine Begegnung mit dem zwielichtigen Professor Mongrel. Spannende Abenteuer, wie der Ritt auf einem wildgewordenen Pferd, das er nicht zum Stehenbleiben bringen konnte. Du denkst dir dann: »Na ja, er sollte einfach abspringen.« Aber das kann er NICHT, weil es zu schnell rennt, und er sich ein Bein brechen könnte. Und ja, ein besonders grauenvolles Abenteuer, das allerdings nicht sehr ausführlich beschrieben wird.
Wird es für Nathan ein glückliches Ende geben? Wird er jemanden beißen? Versammle deine Familie und deine gestörtesten Freunde, backe einige Schokoladencookies und genießt zusammen die schwarze Komödie FANGBOYS ABENTEUER, eine bizarre, aber rührende und zugleich ziemlich geschmacklose Geschichte, die – Stolz beiseite – eine Generation prägen wird.
FANGBOYS ABENTEUER, im Original THE ADVENTURES OF FANGBOY, ist ab sofort zum Preis von 12,95 erhältlich. Bestellen kann man das Taschenbuch entweder direkt beim Verlag oder via Amazon. Auch eine Kindle-Version gibt es, die kostet 4,99 Euro.
FANGBOYS ABENTEUER
Jeff Strand
Phantastik-Komödie
Übersetzt von Verena Hacker
Taschenbuch, broschiert
312 Seiten, EUR 12,95
April 2013
ISBN-10: 3902802340
ISBN-13: 978–3902802347
Voodoo-Press
Es klingt ein wenig wie eine HARRY POTTER-Epigone, das mag auch nicht wundern, denn einer der Autoren ist Chris Columbus und der hat bei zwei Filmen um den britischen Zauberlehrling Regie geführt und auch beispielsweise das Drehbuch zu GREMLINS geschrieben (von PERCY JACKSON noch gar nicht gesprochen …). Der zweite Verfasser ist Ned Vizzini. Werbetext:
Als die Geschwister Eleanor, Brendan und Cordelia Walker erkennen, in was für ein großartiges und zugleich gruseliges Haus sie gezogen sind, ist es bereits zu spät: Die alte Nachbarin hat sie in einen fiesen Plan verwickelt. Ihre Eltern sind spurlos verschwunden, stattdessen streunen blutrünstige Krieger durch dschungelartige Wälder und übermenschliche Piraten bevölkern die Meere. Was haben die fantastischen Romane des ehemaligen Hausbesitzers und Autors Denver Kristoff damit zu tun und warum hat er die Familie Walker in sein dunkles Spiel verstrickt? Schnell merken die drei, dass nicht nur sie, sondern die ganze Welt in großer Gefahr schwebt.
Das bei Arena erschienene HOUSE OF SECRETS – DER FLUCH DES DENVER KRISTOFF ist heute für Amazons Kindle kostenlos erhältlich, die gebundene Fassung hat 400 Seiten und kostet normalerweise 15,99 Euro. Das eBook kostet in anderen Shops übrigens unverschämte 12,99 Euro, das ist damit auch der Normalpreis bei Amazon.
HOUSE OF SECRETS – DER FLUCH DES DENVER KRISTOFF
Ned Vizzini und Chris Columbus
Phantastik-Kinderbuch
empfohlenes Alter: 11 – 13 Jahre
Mai 2013
Taschenbuch:
400 Seiten, 15,99
ISBN-10: 3401068512
ISBN-13: 978–3401068510
eBook: ASIN: B00CHWLB6G
Arena
Der Verlag Bastei Lübbe ist schon seit einiger Zeit sehr umtriebig, was eBooks angeht und hat erst vor kurzem mitgeteilt, dass elektronische Bücher bereits ca. 30 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die neueste Publikationsreihe im Bereich eBook nennt sich HORROR FACTORY: alle vierzehn Tage soll neuer Gruselstoff aus allen Bereichen des Horror veröffentlicht werden: Gothic bis Dark Fantasy, Vampire, Zombies, Serienmörder und sonstiges »Grauen, das in der menschlichen Seele wohnt«. Den Start macht am heutigen Tag Wolfgang Hohlbeins PAKT MIT DEM TOD, zwei Wochen später erscheint CRAZY WOLF von Christian Endres.
Herman hat nichts getan. Außer vielleicht, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Seine Peiniger prügeln ihn halbtot, und in den Augen seiner Gegner erblickt Herman zum ersten Mal das Böse. Das wirklich Böse! Um zu überleben, geht Herman einen Pakt mit dem Tod ein, und ab sofort sind die friedlichen Tage im beschaulichen Milton, Massachusetts, vorbei. Wer ist der merkwürdige hinkende Fremde, der plötzlich an Hermans Seite ist? Kommt er als Freund oder versteckt sich hinter seiner lächelnden Maske der Teufel? Die Wahrheit ist ebenso grausam wie tödlich.
Hiermit bestätigt sich meine mehrfach geäußerte Vermutung, dass eBooks auch die Heftromane des 21. Jahrhunderts werden (können). Bastei Lübbe, seit Jahrzehnten im Romanheftbereich tätig, setzt das Konzept somit konsequent ins neue Format um. Bei HORROR FACTORY handelt es sich um eine der ersten »Heftromanserien« eines großen Verlags, die ausschließlich in eBook-Form veröffentlicht wird. Es wird spannend werden, zu beobachten, ob die Horrorfans das Format annehmen werden. Das eBook ist für die Publikationsform geradezu optimal geeignet, allein schon, weil die gesamte Druck- und Transportlogistik – und damit die Kosten dafür – wegfallen.
Weitere Informationen findet man auf der Webseite zur HORROR FACTORY. Erhältlich sind die eBooks dort, bei Amazon oder auch bei Beam eBooks, der Preis pro Ausgabe beträgt 1,49 Euro.
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Wer einen Kindle sein eigen nennt, kann heute kostenlos ein Buch von Großmeister Neil Gaiman höchstpersönlich abgreifen. Es trägt den Titel HOW TO TALK TO GIRTLS AT PARTIES; man muss allerdings der englischen Sprache mächtig sein. Im Buch findet man die Kurzgeschichte mit dem eben genannten Titel, sowie eine Leseprobe aus seinem neuen Buch THE OCEAN AT THE END OF THE LANE. Da ich nicht weiß, wie lange das kostenlose Angebot noch gilt, sollte man sich a) beeilen und b) vor dem »Kauf« mal auf den Preis schauen, ob er immer noch auf 0,00 Euro steht.
Werbetext:
A free ebook-only edition of Neil Gaiman’s short story ‘How To Talk To Girls At Parties’ and an exclusive preview of the new THE OCEAN AT THE END OF THE LANE, a novel about memory and magic and survival, about the power of stories and the darkness inside each of us – available in June 2013. ‘How To Talk to Girls At Parties’ was previously published in FRAGILE THINGS
Die Dateigröße beträgt 193 kB, die Seitenzahl kommt nur auf 28 Seiten. Es ist deswegen sicher nicht unmöglich, dass das eBook als Leseprobe dauerhaft kostenfrei bleibt.
Mit dem Begriff Fan-Fiction bezeichnet man schriftstellerische (meistens, es können aber beispielsweise auch Comics sein) Werke, die sich auf Bücher anderer Autoren oder auf Filme und Fernsehserien beziehen. Zum größten Teil bewegen sich diese von Fan verfassten Werke in einer urheberrechtlichen Grauzone, denn streng genommen, liegen die Rechte an Universen und Charakteren bei den Urhebern, also Schöpfern von Büchern, Filmen, Fernsehserien oder Comics. Der Großteil der Fan-Fiction findet deswegen in nicht besonders sichtbaren Foren statt, wo die Fans sich austauschen und ihre Geschichten bewerten und darüber diskutieren. Natürlich findet sich im Bereich FanFic eine Menge unleserlicher Mist, aber es sind auch sehr gut geschriebene Geschichten darunter, die sich nicht verstecken müssten.
Amazon hat nun die Plattform »Kindle Worlds« gestartet, um auch mit Fan-Fiction Geld verdienen zu können. Amazon beschreitet hierbei einen schlauen Weg: der Onlinekonzern lizensiert bestimmte IPs und wird dadurch in die Lage versetzt, Werke darum veröffentlichen zu können. Auf der Seite für Autoren zu »Kindle Worlds« erfährt man Details:
Werke, die akzeptiert werden, werden ausschließlich von Amazon Publishing veröffentlicht
Die Tantiemen für Werke ab 10000 Wörtern beträgt 35%, zum Start wird es auch ein spezielles Programm für kürzere Werke geben, für Längen von 5000 bis 10000 Wörtern, die für unter einem Dollar verkauft werden sollen, erhält man 20% Tantiemen. DIe Einnahmen werden monatlich ausgezahlt und basieren auf dem Endkundenpreis.
Im Gegensatz zu KDP erhält Amazon an den FanFics alle Rechte, auch für den internationalen Verkauf. Das wundert aber nicht, immerhin hat Amazon auch die Rechte am »Basiswerk« eingekauft. Weiterhin muss man Amazon das exklusive Veröffentlichungsrecht einräumen. Man behält allerdings die Copyrights an originalen Inhalten, wie beispielsweise Szenen oder Charakteren.
Amazon legt den Verkaufspreis fest, der wird üblicherweise zwischen 0,99 und 3,99 US-Dollar liegen.
Die ursprünglichen Rechteinhaber stellen Richtlinien auf, an die die FanFic-Autoren sich halten müssen.
Pornographie und exzessive Gewaltdarstellungen sind tabu
Man behält sich zudem vor, Werke nicht zu veröffentlichen, die qualitativ schlecht sind:
Poor Customer Experience: We don’t accept books that provide a poor customer experience. Examples include poorly formatted books and books with misleading titles, cover art, or product descriptions. We reserve the right to determine whether content provides a poor customer experience.
Ob es vorab inhaltliche Prüfungen gibt, oder ob man die Kunden entscheiden lässt, was »schlecht« ist und es dann wieder entfernt, ist noch offen.
Im Moment hält Amazon für solche Veröffentlichungen die Rechte an VAMPIRE DIARIES, GOSSIP GIRL und PRETTY LITTLE LIARS, es ist davon auszugehen, dass dieses Portfolio zügig erweitert werden wird. Die FanFiction-Werke werden ausschließlich in eBook-Form erscheinen.
Ich gehe davon aus, dass Amazon mit diesem vermutlich durch SHADES OF GREY (das war usprünglich mal TWILIGHT-FanFic) inspirierten Stunt wieder einmal die klassischen Verlage kalt erwischen wird. Das Konzept ist aber auch zu genial: man kauft die IP und danach lehnt man sich zurück und schaut zu, wie die schreibenden Fans für klingelnde Kassen sorgen …
Manchmal gibt es Sachen, die glaube ich einfach nicht, beispielsweise, dass es einen deutschen Minecraft-Fanfic-Roman bei Amazon gibt. Als großer Fan des Spiels weise ich aber trotzdem darauf hin, ich werde da zumindest mal reinlesen. Die Rezensionen bei Amazon sind ja voll des Lobes, allerdings können die natürlich von Kumpels verfasst worden sein, gerade Spieler sind ja gut vernetzt. Klappentext:
Irgendetwas stimmt nicht mit der Welt, in der sich Marko unvermittelt wiederfindet, ohne zu wissen, wer er ist und wie er hierher kam. Erst nach einem Moment erkennt er, was ihn stört: Alles um ihn herum besteht aus Würfeln.
Verfolgt von Skeletten, Zombies und explodierenden Gurkenwesen muss Marko einen Ausweg aus der Würfelwelt finden. Denn er ahnt, dass nicht nur sein eigenes Leben bedroht ist …
Ein außergewöhnlicher Fanfiction-Roman in der Welt des Spielehits Minecraft von Bestsellerautor Karl Olsberg – nicht nur für Anhänger des Spiels!
Bestsellerautor? Soso … Amazon gibt die Länge mit 140 Seiten an, dafür wäre der Normalpreis in Höhe von 2,78 EUR wohl etas übertrieben, aber für lau kann man ja mal einen Blick werfen (Bedenken erzeugt bereits die Tatsache, dass zwischen »Minecraft« und »Roman« eigentlich ein Bindestrich gehört). Was mag Mojang wohl dazu sagen? Vermutlich nichts, denn die sind ja üblicherweise ganz entspannt, was Fanproduktionen angeht. Das Cover mit dem Enderman jedenfalls gefällt mir gut.
WÜRFELWELT
Karl Olsberg
Fanfiction-Roman
ca. 140 Seiten, eBook
kostenfrei (normalerweise EUR 2,78)
ASIN: B00A06MUPM
Selbstverlag
Ich warte ja schon lange darauf: einen ungefähr DIN-A4 großen eReader, dessen Display auf eInk oder einer ähnlichen Technik basiert. Einfach deswegen, weil sich viele PDFs oder andere technische Dokumentation und Zeitschriften auf einem großen Display viel besser lesen lassen. Sony kündigt nun ein solches Gerät an: gezielt ist es auf Studenten, der Clou dabei ist, dass man auch Notizen darauf machen kann. Und es verfügt über ein flexibles Display.
Das Gerät hat noch keine Bezeichnung und auch keinen Namen, in einem Video wurde ein Prototyp vorgstellt, laut dem Hersteller soll es noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Wie bereits geschrieben hat das eInk-Display eine Größe von DIN-A4, das sind ca. 13.3 Zoll, die Auflösung beträgt 1200 x 1600 Pixel. Das elektronische Notizbuch ist 6,8 mm dick und wiegt nur 358 Gramm, das geringe Gewicht rührt daher, dass man auf Glas verzichtet hat. Damit wird das Gerät auch weniger anfällig für Bruchschäden. Selbstverständlich verfügt es über einen Touchscreen, das ist für die mit einem Stylus geschriebenen Notizen unumgänglich, weiterhin kann man aber auch die Finger beispielsweise zum Blättern nutzen. Mit einer Akkuladung soll das Notizbuch ca. drei Wochen laufen.
Es ist noch unbekannt, ob und wann das Gerät international erhältlich sein wird, ebenso wenig wurde etwas über den Preis gesagt. Da es auf Studenten gezielt ist, kann man hoffen, dass es nicht zu teuer werden wird. Andererseits kennt man die übliche Preispolitik Sonys, die ich gerne mal mit »bekloppt« umschreibe.
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