Rezension

THE WALK – von Robert Zemeckis

Poster The Walk

THE WALK – Bun­des­start 22.10.2015

In einer der letz­ten Sze­nen sagt ein Cha­rak­ter zu Phil­ip­pe Petit, er hät­te ihnen Leben ein­ge­haucht, ihnen eine See­le gege­ben. Die Zwil­lings­tür­me des Welt­han­dels­zen­trums waren wäh­rend ihres Baus tat­säch­lich New Yorks unge­lieb­te Kin­der. Mons­tro­si­tä­ten, die man mit Akten­schrän­ken ver­glich. Ob es wirk­lich Phil­ip­pe Petits ille­ga­ler Draht­seil­akt war, der die New Yor­ker Her­zen für die Tür­me öff­ne­te, ist schwer nach­zu­wei­sen. Aber die Legen­de ist zu schön, als dass man sie nicht glau­ben könn­te, oder woll­te. Dass Petit wegen sei­nes Ver­ge­hens zu einer Draht­seil-Vor­stel­lung für Kin­der ver­ur­teilt wur­de, lässt schon tie­fer in die See­le von New York bli­cken, und bestärkt den Ver­dacht von Petits Ein­fluss. Als er zuvor eine ähn­li­che Akti­on zwi­schen den Tür­men von Not­re-Dame voll­zog, fei­er­te ihn die gesam­te Welt­pres­se, ledig­lich die Fran­zo­sen pran­ger­ten den Stunt an. Was den Künst­ler äußerst erzürn­te. Dass er hin­ge­gen für sei­ne Num­mer in New York von der ame­ri­ka­ni­schen Pres­se beju­belt wur­de, dürf­te für den gebür­ti­gen Fran­zo­sen ein Punkt gewe­sen sein sich dafür zu ent­schei­den, in Ame­ri­ka zu blei­ben. Schließ­lich ist Phil­ip­pe Petit kein ein­fa­cher Künst­ler, son­dern einer, der selbst­be­wusst sei­ne Aner­ken­nung ein­for­dert.

PRÄSIDENT ISNOGUD

Cover Präsident Isnogud

Isno­gud, der mie­se­pe­tri­ge und cho­le­ri­sche Groß­we­sir des guten Kali­fen Harun al Pus­sah war ein Comic aus der Jugend, wie ver­mut­lich bei vie­len mei­nes Alters. Mir kam er immer wie der klei­ne­re, unbe­kann­te­re und auch uncoo­le­re Bru­der von Aste­rix vor. Bei Isno­gud war der Humor bra­chia­ler und auch poli­tisch unkor­rek­ter, die Sto­ries chao­ti­scher, den­noch habe ich damals eine Men­ge der Bän­de gele­sen und den Satz »Ich will Kalif wer­den anstel­le des Kali­fen« dürf­te auch fast jeder Comic­le­ser ken­nen (in Frank­reich wur­de es sogar zu einem gän­gi­gen Sprich­wort). Der Ver­weis auf Aste­rix macht auch des­we­gen Sinn, weil anfangs René Gos­cin­ny die Tex­te bei­steu­er­te, die Zeich­nun­gen stamm­ten von Jean Taba­ry.

Taba­ry ver­starb im Jahr 2011, bereits 2004 erlitt er einen schwe­ren Schlag­an­fall und muss­te des­we­gen mit dem Zeich­nen neu­er Isno­gud-Comics auf­hö­ren. Das hät­te das Ende der Rei­he sein kön­nen. Aber glück­li­cher­wei­se kann sein Sohn Nico­las Taba­ry eben­falls zeich­nen – und der führt das Erbe des Vaters wei­ter.

Bereits im Jahr 2012 erschien in Frank­reich der 29. Band mit dem Titel Iznog­oud pré­si­dent, der nun dank Dani Books auch in deut­scher Spra­che ver­füg­bar ist, den Titel PRÄSIDENT ISNOGUD trägt, und als Hin­weis auf die Wie­der­auf­er­ste­hung den Zusatz »Die neu­en Aben­teu­er des Groß­we­sirs Isno­gud, Band 1« trägt.

HOTEL TRANSSILVANIEN 2

Poster Hotel Transsilvanien2

HOTEL TRANSYLVANIA 2 – Bun­des­start 15.10.2015

Einst waren es Uni­ver­sals bes­te Mons­ter, jetzt hat Sony sie für sich ver­ein­nahmt. Der Wolfs­mann, die Mumie, der Unsicht­ba­re, Fran­ken­steins Mons­ter, und natür­lich der alte Blut­sauger Dra­cu­la. HOTEL TRANSSILVANIEN war ein lau­tes, chao­ti­sches Spek­ta­kel, des­sen Unter­hal­tungs­wert frag­wür­dig war, beach­te­te man die Ziel­grup­pe zwi­schen sechs und zwölf Jah­ren. Natür­lich brau­chen auch Kin­der ihren klei­nen Hor­ror, aber wie weit die­ser dann gehen darf, müs­sen ande­re ver­ant­wor­ten. Ein scha­ler Geschmack bleibt. Was dem Erfolg kei­nen Abbruch tut. Eini­ge Zeit ist ver­gan­gen. Das Hotel, wel­ches als Erho­lungs­ort aus­schließ­lich für Mons­ter ange­dacht war, öff­net sich mehr und mehr auch mensch­li­chen Gäs­ten. Was auf Dra­cu­las ange­hen­den Schwie­ger­sohn Jona­than zurück­zu­füh­ren ist.

BLACK MASS

Poster Black Mass

BLACK MASS – Bun­des­start 15.10.2015

John­ny Depp bezeich­net die­sen Film als sei­nen bis­her bes­ten. Es ist auch der ers­te sei­ner Fil­me, den er sich mit Publi­kum ange­se­hen hat. Die­se Behaup­tun­gen sind wahr­schein­lich ein gesun­der Mix von Wer­be­stra­te­gie und Wahr­heit. Dass es Depps bes­ter Film sein soll liegt ein­deu­tig im Auge des Betrach­ters und an Gen­re-Vor­lie­ben. Gewiss ist es John­ny Depps ein­drucks­volls­te Dar­stel­lung seit lan­gem und bringt den Schau­spie­ler end­lich wie­der ein­mal weg von den über­stra­pa­zier­ten Jack-Spar­row-Atti­tü­den. Der wirk­li­che James Bul­ger ver­wei­ger­te bis zuletzt sei­nem fil­mi­schen Alter-Ego ein Tref­fen, das Depp für eine kon­kre­te­re und ehr­li­che­re Inter­pre­ta­ti­on der Figur haben woll­te. Jetzt gehen natür­lich die Mei­nun­gen aus­ein­an­der, wie nahe der Schau­spie­ler an der Per­son James Bul­ger wirk­lich ist. Schließ­lich gibt es zwangs­läu­fig Men­schen, die an einer Ver­fil­mung die­ser Geschich­ten kei­ne Freu­de haben dürf­ten, und ger­ne dage­gen reden.

DER MARSIANER – Rettet Mark Watney

 

PosterTheMartian

THE MARTIAN – Bun­des­start 08.10.2015

Rid­ley Scott wird nie­mals die Repu­ta­ti­on ver­lie­ren, nicht nur die zwei erfolg­reichs­ten, son­dern auch ein­fluss­reichs­ten Sci­ence Fic­tion Fil­me gemacht zu haben. ALIEN ver­misch­te auf genia­le Wei­se Hor­ror mit einer auf Rea­lis­mus her­un­ter­ge­bro­che­nen Zukunfts­vi­si­on. Die Welt von ALIEN war echt. Sei­ne Kulis­sen, sei­ne Cha­rak­te­re, sein Hin­ter­grund. Die Atmo­sphä­re funk­tio­nier­te, weil sich alles rea­lis­tisch anfühl­te. So wie in BLADE RUNNER, wo das stän­dig ver­reg­ne­te Los Ange­les zu kei­nem Zeit­punkt in Fra­ge gestellt wer­den konn­te. Aber nicht nur die Kulis­se über­zeug­te, son­dern die Geschich­te die Scott dar­in erblü­hen ließ. Es hät­te eine wun­der­ba­re Geschich­te von Gut gegen Böse sein kön­nen. Doch genau am Ende lös­te sich die­se Fra­ge in eine phi­lo­so­phi­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Mensch­sein auf. Rid­ley Scott hat damit das Gen­re erneut neu aus­ge­rich­tet. Ein Roman wie Andy Weirs DER MARSIANER konn­te in den Hän­den von Rid­ley Scott nur bes­tens auf­ge­ho­ben sein.

SICARIO

Poster Sicario

SICARIO – Bun­des­start 01.10.2015

Gibt es eigent­lich noch Schwarz und Weiß? Viel­leicht war die Welt es noch nie, und wir haben nur einen ver­klär­ten Blick auf die Ver­gan­gen­heit, und die Mensch­heits­ge­schich­te. Doch man muss nur einen Blick 50 Jah­re zurück wer­fen, als Tru­man Capo­te KALTBLÜTIG ver­öf­fent­lich­te, und damit eine lite­ra­ri­sche Sen­sa­ti­on unter das Volk brach­te. Es war die wie ein Roman geschrie­be­ne Auf­ar­bei­tung einer nicht fik­tio­na­len Geschich­te, in wel­cher die vier­köp­fi­ge Cuttler-Fami­lie von zwei Gangs­tern ermor­det wur­de, nur um an Geld zu kom­men. Zu die­sem Zeit­punkt war Raub­mord und Über­fäl­le in Ame­ri­ka lan­ge nichts mehr Unbe­kann­tes. Doch der Fall der Cuttlers spreng­te einen bis dahin nie da gewe­se­nen Rah­men, wo Unschul­di­ge ein­fach nur wegen des Tötens umge­bracht wur­den. KALTBLÜTIG war ein Schock, er traf die Leser zutiefst. Das hat mit der Situa­ti­on ent­lang der ame­ri­ka­nisch-mexi­ka­ni­schen Gren­ze zuerst wenig zu tun. Aber bei den Cuttlers waren die Gren­zen von Schwarz und Weiß klar defi­niert und sicht­bar. 50 Jah­re spä­ter hat sich Ame­ri­ka deut­lich ver­än­dert.

ALLES STEHT KOPF – INSIDE OUT

Poster Alles steht Kopf

INSIDE OUT – Bun­des­start 01.10.2015

Es dürf­te lei­der nur weni­ge Leu­te gegen, die sich an Peter und Bob­by Far­rel­lys OSMOSIS JONES erin­nern wer­den. Eine emp­feh­lens­wer­te Ein­sicht in den mensch­li­chen Kör­per. Das wei­ße Blut­kör­per­chen Osmo­sis Jones muss das töd­li­che Virus Thrax im Kör­per aus­fin­dig, und den Gar­aus machen, bevor es sich zu sehr aus­brei­tet. Aber Thrax ist geris­sen, und Osmo­sis muss zum Bei­spiel mit Hil­fe der Nie­ren­stei­ne arbei­ten. Wenn dann nicht auch noch die Wie­der­wahl des Bür­ger­meis­ters in Gestalt des Gehirns anstün­de, wel­ches der Ein­fach­heit hal­ber lie­ber nur eine Grip­pe­ta­blet­te ein­nimmt. OSMOSIS JONES ist eine sehr ori­gi­nel­le, weil sehr gut durch­dach­te Unter­hal­tung. 14 Jah­re spä­ter geht Pix­ar eini­ge Schrit­te wei­ter, eben­so ori­gi­nell und durch­dacht. Natür­lich Pix­ar, die sich, trotz ihrer Ein­bin­dung ins Maus-Haus, die Repu­ta­ti­on bewahrt haben.

THE VISIT

Poster The Visit

THE VISIT – Bun­des­start 24.09.2015

Das Wun­der­kind des moder­nen Kinos. Hat M. Night Shya­mal­an mit zwei eher beschei­de­nen Fil­men sei­ne Kar­rie­re begon­nen, war sein Durch­bruch mit SIXTH SENSE höchs­tens mit dem Auf­stieg eines Ste­ven Spiel­berg ver­gleich­bar. Ein Gru­sel­film, ein Film mit Super­hel­den, eine Inva­si­on von Außer­ir­di­schen. Shya­mal­an hat­te ein außer­ge­wöhn­li­ches Gespür, wie man in den jewei­li­gen Gen­res ganz neue Ansät­ze fin­den konn­te. Selbst bei THE VILLAGE, des­sen über­ra­schen­de Wen­dung viel zu früh vor­her­seh­bar wur­de, über­zeug­te das schwä­cheln­de Wun­der­kind mit viel Atmo­sphä­re und Span­nung. Was folg­te ist eines trau­rigs­ten Kar­rie­re­tiefs, die man sich für Hol­ly­wood vor­stel­len kann, und gip­fel­te in einem kata­stro­pha­len AFTER EARTH, für den er sich vor­wer­fen las­sen muss­te, mit der Ideo­lo­gie von Sci­en­to­lo­gy zu sym­pa­thi­sie­ren.  Shya­mal­an hat sich ein­mal kurz geschüt­telt, ein biss­chen fürs Fern­se­hen gear­bei­tet, und von einem zuletzt 130 Mil­lio­nen Dol­lar-Bud­get auf 5 Mil­lio­nen abge­speckt.

MAZE RUNNER: Die Auserwählten in der Brandwüste

Poster Maze Runner 2

MAZE RUNNER: THE SCORCH TRIALS – Bun­des­start 24.09.2015

Wer die Buch­rei­he von James Dash­ner gele­sen hat, soll­te sich gleich von der Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, hier eine Roman­ver­fil­mung ser­viert zu bekom­men. T.S. Now­lin hat wohl eine Anzahl von Orten, Figu­ren und Eck­punk­ten der Hand­lung ins Dreh­buch über­nom­men, doch der Ver­lauf hat kaum noch etwas mit dem im Roman gemein. War die Brand­wüs­te vor­her ein wei­te­rer Test für die Aus­er­wähl­ten aus dem Laby­rinth, ist sie jetzt Flucht­punkt, in der Hoff­nung auf einen siche­ren Hafen. Naht­los schließt sich die­se Fort­set­zung an das Ende von LABYRINTH an. Der Zuschau­er weiß, dass die Ret­tung der sechs Jugend­li­chen aus dem Laby­rinth eigent­lich eine Fal­le ist. Tho­mas und sein Gefol­ge wis­sen es nicht. Und hier tref­fen gleich zwei Kom­po­nen­ten auf­ein­an­der, die den Auf­takt dazu bil­den, was mit der BRANDWÜSTE ein­fach nicht rund läuft.

EVEREST in 3D

Poster Everest

EVEREST – Bun­des­start 17.09.2015

Wer den Berg bezwin­gen will, der muss nicht nur kör­per­li­che Stra­pa­zen über­ste­hen. 189 Men­schen star­ben bis­her bei ihrem Ver­such, den Gip­fel des Dachs der Welt zu betre­ten. Und 120 von ihnen lie­gen noch dort. Ent­lang der übli­chen Rou­ten lie­gen sie, meist in der Todes­zo­ne, über 8000 Metern. Eine Ber­gung der Lei­chen ist unmög­lich, wäre kör­per­lich zu anstren­gend, und die Luft ist zu dünn für Flug­ma­schi­nen. Von zwei zusam­men­ge­leg­ten Expe­di­tio­nen 1996 lie­gen acht erfro­re­ne oder an Lun­gen­em­bo­lie gestor­be­ne Berg­stei­ger dort. Der Jour­na­list Jon Kra­kau­er war bei die­ser zusam­men­ge­leg­ten Expe­di­ti­on dabei, über­leb­te, und schrieb ein Buch mit dem Titel »Into Thin Air«. Es dau­er­te kein Jahr, da mach­te Colum­bia einen Fern­seh­film dar­aus, der ziem­lich prä­zi­se die Ereig­nis­se wie­der­spie­gel­te. Ein wei­te­res Jahr spä­ter kam mit EVEREST eine IMAX-Pro­duk­ti­on auf die größ­ten Lein­wän­de der Welt, wel­che die Erha­ben­heit des welt­größ­ten Ber­ges wie­der­ge­ben soll­ten.

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