Rezension

AVENGERS 2 – AGE OF ULTRON

Poster Age Of Ultron

AVENGERS: AGE OF ULTRON – Bun­des­start 23.04.2015

Gera­de als man dach­te, es geht nicht mehr, da bekommt man mehr. Von allem. Als elf­ter Film in der Rei­he der zwei­ten und bald abge­schlos­se­nen Pha­se kann das Mar­vel Cine­ma­tic Uni­ver­se immer noch über­zeu­gen. Und ver­steht es immer noch, eine sich stei­gern­de Erwar­tungs­hal­tung zu befrie­di­gen. Dass in der abschlie­ßen­den drit­ten Pha­se Macher Joss Whe­don das Heft für die letz­ten bei­den Aven­gers-Fil­me an Antho­ny und Joe Rus­so abgibt, stimmt da eher nach­denk­lich. Die Rus­sos haben einen her­vor­ra­gen­den (der Ver­fas­ser ver­wei­gert den deut­schen Titel) CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER gemacht, zwei­fel­los. Und sie wer­den sich mit CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR bewei­sen müs­sen. Denn soll­te der Titel tat­säch­lich auf die aus­ste­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Cap­tain und Iron Man hin­deu­ten, dann wür­de das einen ent­schei­den­den Eck­punkt in der Geschich­te des Mar­vel Uni­ver­sums betref­fen. Und wie es aus­sieht, hat Joss Whe­don dafür schon vor­ge­baut. Immer wie­der rei­ben sich im jüngs­ten Aben­teu­er die gegen­sätz­li­chen Ansich­ten von Ste­ve Rogers und Tony Stark in hit­zi­gen Ver­bal­at­ta­cken. Und hier steckt die ganz gro­ße Anzie­hungs­kraft in einem Film, der nur ober­fläch­lich aus end­lo­sen Show­ef­fek­ten besteht. 

THE PYRAMID – Grab des Grauens

Poster The Pyramid

THE PYRAMID – Bun­des­start 16.04.2015. Die Bespre­chung basiert auf der eng­lisch­spra­chi­gen DVD-Fas­sung

In Kai­ro tobt der ara­bi­sche Früh­ling. Aus­län­di­sche Fir­men eva­ku­ie­ren ihre Mit­ar­bei­ter. Auch eine archäo­lo­gi­sche Expe­di­ti­on 250 Mei­len vor den Toren Kai­ros, soll aus Sicher­heits­grün­den das Land ver­las­sen. Aus­ge­rech­net als man dabei ist, eine kul­tur­his­to­ri­sche Sen­sa­ti­on im Wüs­ten­sand zu erkun­den. Und da Gré­gro­ry  Lev­as­seur als Expe­di­ti­ons­lei­ter mit­mischt, glaubt man eini­ges erwar­ten zu dür­fen. Lev­as­seur gibt mit THE PYRAMID sei­nen Ein­stand im Regie­we­sen. Berüch­tig­te Berühmt­heit erlang­te er aller­dings mit dem Dreh­buch zu dem gna­den­lo­sen Scho­cker HIGH TENSION, der trotz eines gewal­ti­gen Logik­feh­lers noch immer ein abso­lu­ter Lieb­ling bei Splat­ter-Fans ist. Spä­ter adap­tier­te er den Wes Cra­ven-Klas­si­ker THE HILLS HAVE EYES zu einer aktu­el­le­ren Vari­an­te, eben­falls für den HIGH TENSION Regis­seur Alex­and­re Aja. Kri­tisch in sei­ner Absicht auf­ge­nom­men, über­zeug­te HILLS HAVE EYES sein Ziel­pu­bli­kum dann doch. Genau­so wie  MIRRORS, den Lev­as­seur für Aja vom korea­ni­schen für ein west­li­ches Publi­kum über­trug. Als Dreh­buch­ge­spann schos­sen sie dann den Vogel mit dem Dreh­buch zu MANIAC ab. Natür­lich empör­te sich die Fan-Gemein­schaft dar­über, dass Wil­liam Lus­tigs Splat­ter-Klas­si­ker neu ver­filmt wer­den soll­te. Das Resul­tat ließ dann doch sehr vie­le sehr schnell ver­stum­men.

WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD

Poster Warte bis es dunkel wird

THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN – Bun­des­start 09.04.2015

Tex­ar­ka­na ist eine fast 40.000 Ein­woh­ner zäh­len­de Zwil­lings­stadt, die genau auf der Gren­ze von Texas und Arkan­sas befin­det. Selbst­re­dend getrennt ver­wal­tet. 1946 gescha­hen hier grau­sa­me Mor­de an jun­gen Pär­chen, die irgend­wo im Frei­en in ihren Auto­mo­bi­len allei­ne sein woll­ten. Ein Spre­cher klärt uns auf, dass der als Phan­tom bekann­te Mör­der nie gefasst wur­de. Wei­ter erzählt der Spre­cher, dass 1976 ein Spiel­film vor Ort gedreht wur­de, der die Mor­de und das Phan­tom zur Grund­la­ge hat­te. Anfangs war der Film nur ein mit­tel­mä­ßi­ger Erfolg, gene­rier­te sich dann doch zum Kult-Klas­si­ker. Und tra­di­tio­nell wird jedes Jahr zu Hal­lo­ween, THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN in Tex­ar­ka­na einem begie­ri­gen Publi­kum vor­ge­führt. Nur Jami und Corey fin­den die­ses Jahr kei­nen Gefal­len an dem Film, und fah­ren lie­ber zum Händ­chen­hal­ten in die Wäl­der. Nach 65 ereig­nis­lo­sen Jah­ren wer­den sie die ers­ten Opfers des Phan­toms.

Fantasy Filmfest Nights: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT

Poster "A Girl Walks Home Alone At Night

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT – Bun­des­start 23.04.2015

Fil­me­ma­che­rin Ana Lily Amir­pour bezeich­net ihren Film wer­be­wirk­sam als »den ers­ten ira­ni­schen Vam­pir-Wes­tern«. Das macht durch­aus erst ein­mal neu­gie­rig. Und schließ­lich stut­zig. Amir­pour ist zwar ira­ni­scher Abstam­mung, aber in Groß­bri­tan­ni­en gebo­ren, und spä­ter nach Kali­for­ni­en über­ge­sie­delt. Blickt man tie­fer, hat sie sogar die­sen soge­nann­ten ira­ni­schen Film auch in dem Nest Taft in Kali­for­ni­en insze­niert. Selbst Haupt­dar­stel­le­rin Shei­la Vand ist bereits in zwei­ter Gene­ra­ti­on Ame­ri­ka­ne­rin, und Haupt­dar­stel­ler Arash Maran­di ist gar Deut­scher. Was hat es also auf sich mit die­sem pro­vo­zie­ren­den Blick nach Iran? Ana Lily Amir­pour hat eigent­lich kei­nen Hor­ror­film gemacht, Fantasy Filmfest Nights 2015

und auch der Vam­pir­film liegt ein wenig schwer im Magen. Und doch ist er bei­des in expli­zi­ter Vehe­menz. Amir­pour hat einen Kunst­film geschaf­fen, der die Kunst in bei­der­lei Bedeu­tun­gen aus­schöpft. Nichts in A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist einem natür­li­chen oder rea­lis­ti­schen Fluss unter­wor­fen, alles in allen Berei­chen ist in offen­sicht­li­cher Künst­lich­keit insze­niert. Und wie es insze­niert und zusam­men­ge­stellt ist, das ist die gro­ße Kunst.

Fantasy Filmfest Nights: SPRING

Poster Spring

SPRING – Nur über Ama­zon Instant Video USA

Über lan­ge Zeit hat Evan sei­ner Mut­ter beim Ster­ben zuge­se­hen. Mit stoi­scher Ruhe und tie­fer Lie­be ist er sei­ner Ver­ant­wor­tung nach­ge­kom­men. Und als es vor­über ist, ver­liert er ein wenig den Halt. Bei einer Aus­ein­an­der­set­zung in der Bar wo er als Koch arbei­tet, schlägt er sei­nen Kon­tra­hen­ten zusam­men. Sei­nen Job kann er jetzt ver­ges­sen, und es kann nicht lan­ge dau­ern, bis die Poli­zei vor sei­ner Tür ste­hen wird. Kur­zer­hand nimmt Evan den ers­ten ver­füg­ba­ren Flug irgend­wo­hin nach Euro­pa, und es ver­schlägt ihn nach Ita­li­en. In Pom­peij begeg­net er der ein­hei­mi­schen Loui­se, die ihm ein ein­deu­ti­ges Ange­bot macht. Fantasy Filmfest Nights 2015

Doch das ver­stört Evan, der tat­säch­lich erst ein­mal ein Date bevor­zu­gen wür­de, damit aber abblitzt. Die bei­den lau­fen sich aller­dings immer wie­der über den Weg, was schließ­lich zu einer herz­li­chen Roman­ze führt. Wäh­rend­des­sen hat Evan Arbeit bei einem geal­ter­ten Oli­ven­bau­ern gefun­den, der eine väter­li­che Rol­le für ihn über­nimmt. Wo Evan mit Oli­ven und Pilz­be­fall beschäf­tigt ist, hat Loui­se mit schwer­wie­gen­de­ren Pro­ble­men zu kämp­fen. Was immer sie in Wirk­lich­keit sein mag, sie will es Evan erspa­ren. Und als die­ser doch hin­ter ihr Geheim­nis kommt, kann nur die Lie­be bei­den See­len hel­fen.

Fantasy Filmfest Nights: WELP /​ CUB

Poster Welp

WELP /​ CUB – ab 24. April 2015 auf DVD & BlueR­ay, in Deutsch­land unter dem Titel CAMP EVIL

WELP ist der ers­te bel­gi­sche Hor­ror­film. Soweit sehr inter­es­sant, und es macht neu­gie­rig. Zugleich ist es das Lang­film-Debüt von Regis­seur Jonas Govaerts, der auch am Dreh­buch mit­schrieb. Er erzählt die Geschich­te von Sam, einem zwölf­jäh­ri­gen Außen­sei­ter, der von allen nur schi­ka­niert wird. Mit sei­ner Pfad­fin­der­grup­pe geht Sam auf einen mehr­tä­gi­gen Aus­flug in die Wäl­der nahe der fran­zö­si­schen Gren­ze. Nicht nur die Kame­ra­den machen Sam das Leben schwer, der Schlimms­te von allen ist Rudel­füh­rer Peter, der kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, Sam zu demü­ti­gen. Als der zwei­te Rudel­füh­rer Chris am Lager­feu­er die Legen­de des Wer­wolfs Kai erzählt, ist es um Sam gesche­hen. Denn Sam hat den ver­meint­li­chen Kai schon beob­ach­tet, aber wer soll­te ihm glau­ben. Und dann gesche­hen eini­ge merk­wür­di­ge Din­ge im und um das Pfad­fin­der­la­ger. Immer wie­der kön­nen die Vor­komm­nis­se Sam in die Schu­he gescho­ben wer­den, wäh­rend sich die Schlin­ge des Unheils immer enger zieht.

FAST & FURIOUS 7

Poster Furious 7

FURIOUS 7 – Bun­des­start 01.04.2015

Wenn ein Kapi­tel been­det ist, bedeu­tet dies nicht das Ende des Buches. Aber fällt ein Zylin­der aus, läuft der Wagen kaum noch auf Tou­ren. Ein sehr trau­ri­ges Kapi­tel ist Paul Wal­ker und sein plötz­li­ches Able­ben. Gera­de als das Fran­chise FAST & FURIOUS auf Hoch­tou­ren lief, sehr gut im Ren­nen lag, und pro­blem­los noch eini­ges an Stre­cke machen konn­te. Wie es nun so unver­mit­telt wei­ter gehen kann, wird erst in Zukunft ent­schie­den wer­den. Aller­dings beißt sich die Schlan­ge schon selbst in den Schwanz. Aus­ge­rech­net die tra­gi­schen Umstän­de um die Pro­duk­ti­on beschleu­ni­gen den Film auf der finan­zi­el­len Ziel­ge­ra­den ins Schwin­del­erre­gen­de. Wel­cher Pro­du­zent wür­de da den Motor abwür­gen? F&F 8 wird zwangs­läu­fig eine Zer­reiß­pro­be, für die Macher genau­so, wie für den begie­ri­gen Fan. Doch erst ein­mal zählt der gera­de Rekor­de bre­chen­de sieb­te Teil sei­ne Run­den.

Fantasy Filmfest Nights: WYRMWOOD

Poster Wyrmwood

WYRMWOOD: ROAD OF THE DEAD – über Groß­bri­tan­ni­en auf DVD /​ Blu­Ray

Dies ist ein Film­de­büt, das für 160.000 aus­tra­li­sche Dol­lars gedreht wur­de. So wird es zumin­dest behaup­tet. Denn was die Brü­der Kiah und Tris­tan Roa­che-Tur­ner hier auf die Lein­wand zau­bern, sieht unüber­trie­ben nach einer Mul­ti-Mil­lio­nen-Dol­lar Pro­duk­ti­on aus. Was bei einem Zom­bie-Film allein an Make-up aus­ge­ge­ben wer­den muss, um sich nicht lächer­lich zu machen, ist immens. Dass dann die­ser geball­te Hor­ror ledig­lich für 160.000 finan­ziert wur­de, kann man sich nicht vor­stel­len. Auch unter Berück­sich­ti­gung, dass Gue­ril­la Films, so Fantasy Filmfest Nights 2015

nen­nen sich die Roa­che-Tur­ner Brü­der, über vier Jah­re und nur an Wochen­en­den film­ten. Aber sie las­sen nichts ver­mis­sen. Gute Sets, ver­meint­lich auf­wen­di­ge Loca­ti­ons, über­zeu­gen­de Schau­spie­ler, und ordent­lich Action. Dies ist nach Optik und Insze­nie­rung kei­ne Pro­duk­ti­on, die gera­de ein­mal hin­ter dem Haus der Nach­barn gedreht wur­de – WYRMWOOD ist ganz gro­ßes Kino. Und es ist eine Schan­de, dass der Film kei­nen deut­schen Ver­leih gefun­den hat.

Fantasy Filmfest Nights: TUSK gespoilert

Poster Tusk

TUSK – Über Frank­reich auf DVD /​ Blu­Ray, in Groß­bri­tan­ni­en ab 08.06.2015

Kevin Smith mag es ganz sicher kon­tro­vers. MALLRATS oder CLERKS sind rea­lis­ti­sche Ein­bli­cke in See­len­wel­ten, die ehr­lich und unge­schönt blei­ben. DOGMA woll­te pro­vo­zie­ren, aber die Bibel­ge­schich­te war dann am Ende doch zu brav. RED STATE hin­ge­gen ließ einen wirk­lich nicht unbe­rührt, wenn sich eine fana­ti­sche Reli­gi­ons­sek­te an ver­meint­li­chen Sün­dern ver­geht. Micha­el Parks gab den Sek­ten­füh­rer mit einem Eifer, der über jeden Zwei­fel erha­ben war. Parks als Psy­cho­pa­then in TUSK zu beset­zen, war daher die ein­zig logi­sche Wahl. Ein Mann, der den äußerst erfolg­rei­chen Pod­cas­ter Wal­lace Bry­ton in sein ein­sam gele­ge­nes Haus locken kann, um ihm eine schier unglaub­li­che Lebens­ge­schich­te zu erzäh­len.

Fantasy Filmfest Nights 2015

Wal­lace und Ted­dy Craft kön­nen von ihrem Pod­cast gut leben. Der eine erlebt bizar­re Geschich­ten und ver­sucht die­se wäh­rend der Auf­zeich­nung sei­nem Gegen­über zu ver­mit­teln, was oft­mals zu aber­wit­zi­gen Dia­lo­gen führt. Ein Kon­zept, das auf­geht. Als aller­dings ein The­ma in Kana­da weg­bricht, kommt die an einer Toi­let­ten­wand ange­brach­te Ein­la­dung von Howard Howe gera­de recht. Howe will sein Leben tei­len, will es wei­ter­erzäh­len, zu scha­de, wenn die­se Geschich­ten ver­lo­ren gehen. Doch der Zuschau­er weiß es bes­ser. Die­se Lebens­of­fen­ba­rung dient einem ganz ande­ren Zweck.

Becky Chambers – THE LONG WAY TO A SMALL, ANGRY PLANET

Cover The Long Way

Ich bin ein alter Sci­ence Fic­tion-Fan. Ich habe SF gele­sen, lan­ge bevor ich die Fan­ta­sy ent­deck­te und eigent­lich – auch wenn es Fan­ta­sy gibt, die ich lie­be – ist die SF nach wie vor mein Ding. Das ist der ers­te Punkt, den ich hier vor­an­schi­cken muss.

Der Zwei­te ist wie­der ein­mal, dass die Autorin Becky Cham­bers ihr Buch THE LONG WAY TO A SMALL, ANGRY PLANET ursprüng­lich nicht mit einem Ver­le­ger rea­li­siert hat, son­dern über eine Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne via Kick­star­ter im Jahr 2012. In der Rück­schau wun­dert mich das auch kaum, denn es hat zu vie­le Para­me­ter, bei denen soge­nann­te pro­fes­sio­nel­le Ver­la­ge gern abwin­ken. Es ist unter ande­rem deut­lich zu umfang­reich und zudem noch gegen jede Men­ge vor­geb­li­che Regeln der Schrift­stel­le­rei geschrie­ben. Und das ist eins der Pro­ble­me mit den gro­ßen Ver­la­gen heut­zu­ta­ge: Da sit­zen Leu­te, die mei­nen die Weis­heit, wie man Bücher schreibt, mit schau­fel­gro­ßen Löf­feln gefres­sen zu haben. Und wenn wir immer nur auf die hören wür­den, dann ent­wi­ckel­te sich das Schrei­ben nie wei­ter.

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