AIDAN 5: Between SF, Film Noir And Pencils – An Interview With Ben Bays

AIDAN 5

»But ulti­mate­ly I think that enter­tain­ment is still the same as it was 100 years ago: audi­en­ces want to hear a good sto­ry told well. And as long as the Earth keeps spin­ning, peop­le like me will tune in to watch tho­se well-told sto­ries regard­less of what deli­very plat­form they arri­ve on. The web just made it con­ve­ni­ent for more peop­le to get in the game.«

A short time ago I ran across some­thing in the vast spaces of the WWW that is cal­led AIDAN 5, it is one of the web­se­ries that are pop­ping up all over the inter­net. What makes it spe­cial: it is based on a short­film of the same name that won a con­test – plus it is crea­ted as live action com­bi­ned with pen­cil-drawn sce­ne­ry. AIDAN 5 is pure sci­ence fic­tion but also has a healt­hy dose of film noir.

For me as an old fan of SF who also likes the clas­sic mas­ters of sus­pen­se and crime Ham­mett and Chand­ler this is qui­te some­thing and so it was only nor­mal to send a mail with a bunch of ques­ti­ons to the United Sta­tes. You will find the ans­wers in this article.

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Gebrauchsanleitung für TRON LEGACY

Filmplakat

Vor 25 Jah­ren brach­te Dis­ney einen Film in die Kinos, der zum dama­li­gen Zeit­punkt auf­grund der ver­wen­de­ten Tech­nik nur als »bahn­bre­chend« bezeich­net wer­den konn­te. Schau­spie­ler agier­ten fast voll­stän­dig vor Blue- oder Green­screen und wur­den in eine vom Com­pu­ter gene­rier­te Wun­der­welt ver­setzt, in das Inne­re eines Com­pu­ters, in dem Pro­gram­me wie Lebe­we­sen exis­tier­ten und agierten.

Die Rede ist selbst­ver­ständ­lich von TRON.

Jetzt, nur schlap­pe zwei­ein­halb Deka­den spä­ter, schuf Dis­ney eine Fort­set­zung namens TRON LEGACY; einer der Pro­du­zen­ten war der Regis­seur des ers­ten Teils Ste­ven Lis­ber­ger. »Ernst­haf­te« Kri­ti­ker sind ent­setzt, Fans voll des Lobes. Falls ihn jemand noch nicht gese­hen haben soll­te, möch­te ich ein paar Hin­wei­se zur Nut­zung geben…
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CODE 46

DVD-Cover CODE 46

Ich hat­te nur die Inhalts­an­ga­be für den Film gele­sen und ihn dann auf die Leih­lis­te mei­nes Online-DVD-Ver­leihs gesetzt. Als der Film ein­traf, waren mei­ne Erwar­tun­gen nicht beson­ders hoch – und wur­den mil­lio­nen­fach übertroffen!

Nicht in fer­ner Zukunft, nein, in einer bedenk­lich nahen Zukunft spielt die Hand­lung. Anfäng­li­che Details tra­gen zur ers­ten Fas­zi­na­ti­on bei: in den Städ­ten herrscht inzwi­schen ein Misch­masch von Kul­tu­ren und Spra­chen, so dass trotz des Haupt­hand­lungs­or­tes Shang­hai lau­fend spa­ni­sche, fran­zö­si­sche, ita­lie­ni­sche und chi­ne­si­sche Flos­keln fallen.

Doch die zu Mega­ci­ties aus­ge­bau­ten Städ­te beher­ber­gen nicht die gesam­te Mensch­heit. Die Gesell­schaft hat sich im Film zu einem zwei-Klas­sen-Sys­tem ent­wi­ckelt. Gut hat’s der, der »drin­nen« ist, also in der streng bewach­ten Stadt woh­nen darf. Rich­tig dre­ckig geht’s denen, die »drau­ßen« sein müs­sen. »Drau­ßen«, also um die Mega­ci­tys her­um, gibt es – durch eine Kli­ma­ka­ta­stro­phe aus­ge­löst – nur trost­lo­se Wüs­te. Dort vege­tie­ren alle unter­halb der Armuts­gren­ze vor sich hin. Es gibt kaum eine Chan­ce, in die siche­re Zone einer Stadt zu kom­men. Außer auf ille­ga­lem Weg…

Ohne ein gül­ti­ges »Papel« kommt man in kei­ne Stadt und darf auch kei­ne Stadt ver­las­sen. Hin­zu kommt, dass man nach Aus­lau­fen eines »Papel« nicht mehr ver­si­chert ist. Das heißt alles ist abge­si­chert durch irgend­ei­ne Form von Ver­si­che­rung diver­ser Mega-Kon­zer­ne, in denen man Arbeit fin­det (der Glo­ba­li­sie­rung sei Dank!). Gera­de die­ses Detail gibt eine zusätz­li­che Gän­se­haut, da eine solch extrem durch Rie­sen­kon­zer­ne »abge­si­cher­te« Zukunft durch­aus im Bereich des Mög­li­chen liegt(!).

SPOILERWARNUNG! Wer wich­ti­ge Details des Inhalts vor dem Betrach­ten des Films NICHT wis­sen möch­te, hört jetzt auf zu lesen! (Anm. d. Red.)

Szenenfoto CODE 46

Vor die­sem Hin­ter­grund kommt der ver­hei­ra­te­te Ver­si­che­rungs-Ermitt­ler Wil­liam (Tim Rob­bins) nach Shang­hai, um in einem Kon­zern namens »Sphinx« einem ille­ga­len Han­del mit Papels nach­zu­ge­hen. Durch einen ein­ge­impf­ten Virus ist er in der Lage, die Gedan­ken von Men­schen zu lesen. Dazu müs­sen die Befrag­ten etwas schein­bar Belang­lo­ses aus ihrem Leben erzäh­len, wodurch er die gehei­men Gedan­ken sei­nes Gegen­übers wie in einem offe­nen Buch lesen kann. So kommt er der Fäl­sche­rin Maria (Saman­tha Mor­ton) auf die Spur. Alles könn­te jetzt so ein­fach sein, wenn sich Wil­liam nicht in die fas­zi­nie­ren­de Frau ver­liebt hät­te. Er lässt sie lau­fen und einen ande­ren anklagen.

Damit beginnt das geord­ne­te Leben von Wil­liam aus den Fugen zu gera­ten. Maria und er ver­lie­ben sich. Um sich nicht der Gefahr aus­zu­set­zen, auf einem ungül­ti­gen Papel sit­zen zu blei­ben, muss Wil­liam den von sei­nem Arbeit­ge­ber gebuch­ten Rück­flug nach Seat­tle neh­men. Wenig spä­ter wird er gebe­ten, nach Shang­hai zurück­zu­keh­ren, da wie­der fal­sche Papels im Umlauf sind. Und zwar genau dort, wo Wil­liam ermit­telt hat­te. Er ver­sucht sich zu wei­gern, doch er muss gehorchen.

In Shang­hai ange­kom­men stellt er fest, dass Maria weder am Arbeits­platz in der zu ermit­teln­den Fir­ma »Sphinx« noch in ihrer Woh­nung auf­zu­fin­den ist. Statt­des­sen befin­det sie sich in einer Kli­nik außer­halb der Stadt wegen »kör­per­li­cher« Pro­ble­me – so die offi­zi­el­le Aussage.

Wil­liam fin­det her­aus, dass Maria schwan­ger gewor­den ist und dadurch gegen den »Code 46« ver­sto­ßen habe. Laut die­sem Gesetz ist die Fort­pflan­zung zwi­schen Men­schen mit min­des­tens 25-pro­zen­ti­ger gene­ti­scher Über­ein­stim­mung nicht gestat­tet, eine Sicher­heits­maß­nah­me ange­sichts der Tat­sa­che, dass das Klo­nen sowie In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on in die­ser Zukunft an der Tages­ord­nung sind.

Im Fall Mari­as wird also die Schwan­ger­schaft von höchs­ter Instanz aus abge­bro­chen und ihr Gedächt­nis an die Schwan­ger­schaft sowie an den Erzeu­ger ein­fach aus­ge­löscht. Aus die­sem Grund erkennt sie Wil­liam nicht, als er sie aus der Kli­nik holt. Es gelingt ihm, ihr durch eine pri­va­te Video­auf­zeich­nung glaub­haft zu machen, dass sie sich bereits ken­nen und ihr Gedächt­nis mani­pu­liert wur­de. Er schnei­det ihr etwas vom Haar ab und lässt es in einer Apo­the­ke mit sei­nem Erg­but ver­glei­chen. Dabei stellt sich her­aus, dass die Gene Mari­as zu 100% mit denen der Mut­ter Wil­liams über­ein­stim­men! Er selbst ist durch eine In-Vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on gezeugt wor­den. Der Zufall will es also, dass Wil­liam »qua­si« mit sei­ner Mut­ter geschla­fen hat … Maria ver­liebt sich wie­der in Wil­liam – trotz eines Virus, den man ihr in der Kli­nik geimpft hat und der ver­hin­dern soll, sich noch­mals dem Erzeu­ger ihres unge­bo­re­nen Kin­des zu nähern. Die bei­den flie­hen mit einem gefälsch­ten Papel in eine ande­re Stadt. Doch der Kon­zern, für den Wil­liam arbei­tet, bleibt ihnen auf den Fersen…

Szenenfoto CODE 46

Die Hand­lung ver­quickt auf span­nen­de Wei­se ver­schie­de­ne Ebe­nen mit­ein­an­der. Im Mit­tel­punkt steht die fes­seln­de Geschich­te zwei­er Lie­ben­der. Den Hin­ter­grund bil­det eine Gesell­schaft mit über­stei­ger­tem gene­ti­schem Sicher­heits­wahn, die vor den Toren ihrer Städ­te die Mensch­heit »zwei­ter Klas­se« gna­den­los der gefähr­lich hohen UV-Belas­tung aus­setzt und ver­kom­men lässt.

Hin­zu kommt die genia­le Anspie­lung auf das Ödi­pus-The­ma. Nicht nur, dass Wil­liam im Grun­de mit sei­ner »Mut­ter« schläft und der alles ver­schlin­gen­de Mega-Kon­zern in dem Maria arbei­tet »Sphinx« heißt. Am Ende des Films wird Wil­liam neben sei­nen Erin­ne­run­gen an Maria auch der »Empa­thie-Virus« ent­zo­gen. wodurch er sei­ne Hell­sich­tig­keit ver­liert, also sozu­sa­gen »blind« wird … ähn­lich wie Ödi­pus, der schluss­end­lich sein Augen­licht verliert.

Zusätz­lich wirkt in dem Film alles unglaub­lich »echt«: kei­ne uto­pisch anmu­ten­den Wol­ken­krat­zer, kei­ne kun­ter­bun­ten Raum­an­zü­ge oder selt­sa­men Mode­er­schei­nun­gen. Alles wirkt fast so wie in der Gegen­wart. Aber eben nur fast. So auch die Men­schen. Vor allem Saman­tha Mor­ton in ihrer Rol­le als Maria kommt sehr rea­lis­tisch rüber und schafft es nicht nur zu über­zeu­gen, son­dern auch zu faszinieren…

Szenenfoto CODE 46

Die­se Pro­duk­ti­on braucht den Ver­gleich mit Fil­men wie GATTACA nicht zu scheu­en – im Gegen­teil: ich fin­de, er über­trifft die­sen sogar! GATTACA wirkt unter­kühlt, durch­ge­styl­ter und fern unse­rer Rea­li­tät. CODE 46 dage­gen ver­mag es nicht nur, den Zuschau­er emo­tio­nal »hin­ein­zu­zie­hen«, son­dern er ist ange­sichts des gegen­wär­ti­gen Wis­sens­stands wesent­lich bes­ser nach­voll­zieh­bar – was ihn umso beun­ru­hi­gen­der macht. Ich fin­de es daher trau­rig, dass der Zukunfts­vi­si­on von Micha­el Win­ter­bot­tom bis­her so wenig Beach­tung geschenkt wurde.

Der Film ist kein Action-Rei­ßer, dafür unheim­li­cher und sub­ti­ler als es jede Action in solch einem Fall sein könn­te. Glaubt mir: die­se Sci­ence Fic­tion geht unter die Haut!

CODE 46
Science-Fiction-Drama
mit Tim Rob­bins, Saman­tha Mor­ton, Om Puri, Jean­ne Bali­bar, Togo Iga­wa, Essie Davis, Nina Fog, Bru­no Las­tra, Emil Mar­wa, Taro Sher­aba­ya­ni, Chris­to­pher Simp­son, Bene­dict Wong, Nina Sosanya, David Fahm, Shel­ley King, Nabil Massad.
Regie: Micha­el Winterbottom
Buch: Frank Cott­rell Boyce
Kame­ra: Alwin H. Kuch­ler, Mar­cel Zyskind
Musik: Joshua Hyams, Ste­ve Hil­ton und David Hol­mes, Mark Revel
Pro­du­zent: Andrew Eaton
Groß­bri­tan­ni­en 2003
United Artists

Bild­nach­weis: Pro­mo­fo­tos Copy­right United Artists 2003

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THE WALKING DEAD: TS-19 – obduziert und gespoilert

Ricks Pferd

Als sich in der vor­an­ge­gan­ge­nen Epi­so­de die Tore des Cen­ter for Dise­a­se Con­trol öff­ne­ten, hüll­ten sie unse­re Hel­den in das glei­ßen­de Licht der Hoff­nung. Wenn die sozia­len Struk­tu­ren aus­ein­an­der­bre­chen, dann bleibt als letz­te Bas­ti­on der Nor­ma­li­tät eine staat­li­che Ein­rich­tung. Dok­tor Jen­ner als engels­glei­che Figur, der weiß gewan­det den Bedürf­ti­gen Ein­lass gewährt. Natür­lich stirbt die Hoff­nung zuletzt, und sie erhebt sich immer und immer wie­der, wenn man ihr nicht das Hirn rausbläst.

Und die Tücken des Fort­schritts set­zen der Hoff­nung immer und immer wie­der zu. Wenn es kei­ne Gesell­schaft mehr gibt, wel­che die sel­bi­ge auf­recht erhält, dann ist die­ser Fort­schritt wie einer der wan­deln­den Toten, die rast­los getrie­ben wer­den, aber am Ende doch ein­fach ver­we­sen und zer­fal­len. Wenn sich die Toten erhe­ben, bleibt der best­mög­li­che Ansatz auf Hil­fe ganz sicher beim CDC. Er sei sehr dank­bar, sagt Rick zu Jen­ner, dass die­ser der klei­nen Grup­pe Ein­lass gewäh­re. »Der Tag wird kom­men, an dem Sie es nicht mehr sind«, ent­geg­net Jenner.

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THE WALKING DEAD: WILDFIRE – ausgeschlachtet und gespoilert

Szenenfoto WILDFIRE

Depu­ty-She­riff Rick Gri­mes ist ver­zwei­felt. Als ein­zig ver­nünf­ti­ge Instanz im Land von Blut und Tod konn­te er ein Mas­sa­ker im Camp nicht ver­hin­dern. Ein Ver­biss, der am Ende mehr Opfer for­dern wird, als es anfangs den Anschein hat. Zu allem Über­fluss kann er auch Mor­gan und sei­nen Sohn nicht errei­chen, jene Men­schen, die ihm im Pilot­film das Leben geret­tet haben. Aus­ge­macht war ein ste­ter Kon­takt über Funk­ge­rät, aber Mor­gan ant­wor­tet nicht. Rick befürch­tet, dass die von ihm ange­funk­ten Vater und Sohn bereits auf den Weg nach Atlan­ta sind. Nicht nur als Poli­zist, son­dern auch als Freund muss er Mor­gan davor war­nen, dass die Stadt über­rannt wur­de und nicht sicher ist. Die Ver­zweif­lung misst sich nicht allein dar­in, nicht hel­fen zu kön­nen, son­dern vor allem dar­in, in abso­lu­ter Unsi­cher­heit zu blei­ben. Es ist eben kei­ne Welt mehr, die mit Text-Nach­rich­ten oder einem Anruf beim freund­li­chen Nach­barn gere­gelt wer­den kann. Allein mit einem Funk­ge­rät in der Hand spielt Andrew Lin­coln die Sze­ne per­fekt aus. Er defi­niert sich damit nicht nur als Herz­stück der Serie, son­dern beweist erneut, dass er sie auch zu tra­gen versteht.

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THE WALKING DEAD: VATOS – durchgekaut und gespoilert

VATOS 01

Eine wahr­lich offen­ba­ren­de Fol­ge. Sie bestä­tigt end­lich ein­mal den Ver­dacht, dass es eine sehr blö­de Idee sein kann, in einer Welt vol­ler Zom­bies mit­ten im Wald ein Camp von Über­le­ben­den ein­zu­rich­ten. Wie über­sicht­lich soll das denn sein? Wie sicher kann das wer­den? Sicher ist was ande­res, aber hier wür­de man dem Ende vor­grei­fen. Zuerst gibt es lan­ge Gesprä­che zwi­schen Andrea und ihrer um zwölf Jah­re jün­ge­ren Schwes­ter Amy, phi­lo­so­phi­sche Abhand­lun­gen am Lager­feu­er und eini­ge Über­ra­schun­gen mit einer Ban­de Chi­ca­nos. Mit eini­gen sehr gelun­ge­nen Knif­fen wird ver­deut­licht, wie ver­wir­rend das Leben zwi­schen den Leben­den gewor­den ist. Meis­ter Kirk­man selbst hat sich um das Schrei­ben des Dreh­buchs bemüht. Robert Kirk­man kennt sei­ne Welt ja wohl am bes­ten, und das merkt man auch an den ver­schie­de­nen Ebe­nen der Erzählung.

Dies ist kei­ne Welt mehr, in der es um den Kon­flikt Mensch gegen wan­deln­de Tote geht. Viel­mehr sind die sozia­len Struk­tu­ren so weit auf­ge­bro­chen, dass es immer­fort zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen unter den Über­le­ben­den kom­men kann und meist auch kommt. Andrea und Amy stel­len zum Bei­spiel fest, dass sie gar nicht so gut mit­ein­an­der har­mo­nie­ren, wie man eigent­lich von Geschwis­tern in einer sol­chen Situa­ti­on erwar­ten wür­de. Und das Team um Depu­ty-She­riff Rick Gri­mes muss einen über­le­ben­den Mexi­ka­ner als Gei­sel neh­men, des­sen Gang im Gegen­zug Kum­pel Glenn ent­führt. Die Lage zwi­schen den bei­den Grup­pen eska­liert, weil die Mexi­ka­ner auf Gri­mes Waf­fen­ta­sche behar­ren, wel­che die­ser natür­lich nicht her­ge­ben kann. Ein Gefan­ge­nen­aus­tausch wird dabei unwahrscheinlich.

VATOS 02

Wie ver­dreht und aus den Fugen gera­ten die­se Welt ist zeigt sich, als dann die wah­ren Absich­ten der Grup­pe Mexi­ka­ner auf­ge­deckt wer­den. Es ist absurd, aber es ist auch sehr real und nach­voll­zieh­bar. Autor Kirk­man gelingt es mit die­sem Hand­lungs­strang sehr gut, sein Publi­kum zu über­ra­schen. Zumin­dest die, die sei­ne Vor­la­ge nicht gele­sen haben. Er zeigt auf, wie selbst­ver­ständ­lich sich Zivi­li­sa­ti­on selbst­re­gu­lie­rend ihren Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen ver­steht und dabei ihre ursprüng­li­che Bedeu­tung ver­liert. Auf der einen Sei­te geben sich die Chi­cos als knall­har­te Gangs­ter, auf der ande­ren ent­pup­pen sie sich dann doch als gebro­che­ne Sama­ri­ter. Die­se Sequenz steht als letz­te aber doch in einer Rei­he mit dem »Bike-Girl« aus dem Pilot­film und dem Gesche­hen um Wil­liam Dun­lap in der zwei­ten Folge.

Nichts ist mehr so, wie es scheint. Und nichts ist so, wie es sein könn­te. Zu allem Über­fluss ist auch noch Mer­le Dixon irgend­wo in Atlan­ta unter­wegs, der sich anschei­nend selbst aus sei­ner miss­li­chen Lage auf dem Dach befrei­en konn­te. Und Mer­le allein unter­wegs kann nur bedeu­ten, dass er sehr viel gegen das Camp gerich­te­ten Zorn mit sich her­um­schleppt. Jim, ein Über­le­ben­der im Camp, dreht durch und muss von Shane gefes­selt wer­den, um ihn vor einem Hitz­schlag zu schüt­zen. Und der von Shane in der letz­ten Epi­so­de eben­falls gemaß­re­gel­te Ed schmollt sei­ne her­aus­ge­prü­gel­te Ehre im Zelt aus und ver­wei­gert den Kon­takt zu den ande­ren. Der Mensch ist als Über­le­ben­der sich selbst sein ärgs­ter Feind gewor­den. Das Ende des Zusam­men­halts scheint nahe zu sein. Aber so ist das in Zei­ten der Anarchie.

VATOS 03

Als Stim­me der Ver­nunft darf Jef­frey DeMunn als Dale am Lager­feu­er alt­be­kann­te, aber den­noch stim­mungs- und wir­kungs­vol­le Weis­hei­ten vom Sta­pel las­sen. Jeden Tag, exakt um die­sel­be Zeit, zieht er sei­ne Uhr auf. Ein Ritu­al, das für ihn sehr wich­tig ist, denn die Uhr dient ihm nicht dazu, sich an die Zeit zu erin­nern. Viel­mehr ermög­licht ihm die Uhr, die Zeit auch ein­mal ver­ges­sen zu kön­nen. Das ist sehr schön aus­ge­spielt, und die­ses Ritu­al wirkt wie ein letz­ter Fun­ke in einem erlö­schen­den Feu­er. Und wäh­rend Dale die Geschich­te zu sei­ner Uhr erzählt, kön­nen auch sei­ne Zuhö­rer die Zeit für einen Augen­blick ver­ges­sen. Die­se Sequenz wirkt zuerst wie ein tröst­li­cher Appell an die Ver­nunft und ver­mit­telt Zuver­sicht für die Menschlichkeit.

Doch dies ist eine Welt, in der sich die Toten erhe­ben und auf Erden wan­deln. Schmut­zi­ge, ver­we­sen­de Wesen, die schlecht rie­chen und denen jede Aura des Mys­te­riö­sen abgeht. Man wird ihrer nicht Herr, sie sind nur häss­li­ches Sinn­bild für die Ver­ro­hung eines ohne­hin insta­bi­len Sys­tems, in dem sich eine ver­nunf­t­ori­en­tier­te Welt bewegt. Der nach fri­schem Men­schen­fleisch gie­ren­de Tote ist die Ver­kör­pe­rung von Instinkt in reins­ter Form. Hier wird Dales roman­ti­sie­ren­de Lager­feu­er­weis­heit von einer erwünsch­ten Zustands­be­schrei­bung in eine Grab­re­de ver­kehrt. Was bleibt, ist ledig­lich die Vor­stel­lung einer Welt, die man ver­misst, die aber auf­ge­hört hat zu exis­tie­ren. Mit einer über­ra­schen­den und sehr blu­ti­gen Atta­cke endet die vier­te Epi­so­de. Ein grau­sa­mes Fol­gen­fi­na­le, das Dales Wor­te als fik­tiv gewor­de­nes Ide­al ent­lar­ven wird.

VATOS 04

Robert Kirk­mans Dreh­buch kann noch nicht ganz wett­ma­chen, was die drit­te Fol­ge dem Zuschau­er an Ent­täu­schun­gen gebracht hat. Aber »Vatos« zeigt wie­der ein­deu­tig das Poten­zi­al, das die­se mor­bi­de Welt so fas­zi­nie­rend macht. Unheim­lich, düs­ter und unvor­her­seh­bar. Klei­ne Logik­lö­cher haben sich ein­ge­schli­chen, aber die sind zu ver­schmer­zen, denn wenn erst ein­mal die Zom­bies Ram­bazam­ba machen, bleibt kein Kno­chen auf dem ande­ren. Wenn die Prot­ago­nis­ten dann am Ende im Blut ste­hen, war der wan­deln­de Tote viel­leicht die Form der Exe­ku­ti­ve. Doch man weiß selbst im Cha­os des Ent­set­zens, dass die Recht spre­chen­de Gewalt woan­ders lag.

Ist das Gemet­zel noch so groß, bleibt kein Zwei­fel, dass die größ­te Gefahr für den über­le­ben­den Men­schen immer noch von den ande­ren über­le­ben­den Men­schen ausgeht.

VATOS 05

THE WALKING DEAD: 01x04 – VATOS
Dar­stel­ler: Andrew Lin­coln, Jon Bern­thal, Sarah Way­ne Cal­lies, Lau­rie Hol­den, Jef­frey DeMunn, Ste­ven Yeun, Emma Bell, Chand­ler Riggs, Iro­niE Sin­gle­ton, Andrew Rothen­berg, Nor­man Ree­dus, Neil Brown Jr., Nopel Guglie­mi, Antho­ny Gua­jar­do u.a.
Regie: Johan Renck
Tele­play: Robert Kirk­man – nach sei­ner Comic-Serie (auch Produzent)
Kame­ra: David Boyd
Ori­gi­nal­mu­sik: Bear McCreary
Bild­schnitt: Sid­ney Wolinsky
Pro­duk­ti­ons­de­sign: Alex Hajdu
Spe­cial-Make­up-Effects & Con­sul­ting Pro­du­cer: Greg Nicotero
USA 2010 – zir­ka 45 Minuten
AMC

 

Bild­nach­weis Pro­mo-Fotos: TWD Pro­duc­tions / AMC